"Gott hat mir meine Stimme gegeben hat, um etwas Schönes in die Welt zu tragen"

Als Kind betrat Nadezhda Karyazina zum ersten Mal das Opernhaus ihrer Heimatstadt Moskau und wollte fortan Opernsängerin werden. Mittlerweile singt die 30-Jährige preisgekrönte Mezzosopranistin seit zwei Jahren als festes Ensemblemitglied an der Hamburgischen Staatsoper und gilt mit ihrer vollen, ausdrucksstarken Stimme als glänzender Nachwuchsstar. Klassik-begeistert.de traf die junge Mutter und sprach mit ihr über ihre Zeit am Bolschoi-Theater und am Londoner Royal Opera House, über das Hamburger Publikum und über Momente, die sie zu Tränen rühren.

Interview: Ricarda Ott

klassik-begeistert.de: Frau Karyazina, seit zwei Spielzeiten sind Sie nun schon in Hamburg. Wie gefällt es Ihnen hier?

Nadezhda Karyazina: Ich liebe es hier. Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, und das Theater hat eine fantastische Geschichte. Es ist wirklich toll, Teil der Oper in Hamburg zu sein und mit so vielen berühmten Künstlern zusammenzuarbeiten.

Es ist Ihr erstes Engagement in Deutschland – was ist anders im Gegensatz zu anderen Opernhäusern?

Nadezhda Karyazina: Eigentlich hat jedes Haus ein ganz eigenes System, da ist vieles sehr unterschiedlich. An manchen Häusern muss man in ganz kurzer Zeit große Rollen einstudieren und mit nur wenig Probenzeit absolute Perfektion anstreben. Das sind zum Teil sehr große Mechanismen, und immer läuft vieles parallel. Man probt vormittags eine Rolle und hat abends direkt eine andere Vorstellung – das ist sehr intensiv. An anderen Häusern gibt es zum Beispiel bloß acht neue Produktionen pro Spielzeit, also hat man ungefähr sechs Wochen, um sich einer Rolle zu widmen. Hier in Hamburg hat man manchmal nur zehn Tage, und schon geht’s auf die Bühne.

Ihr Sohn ist mittlerweile schon zwei Jahre alt. Wie schaffen Sie es, Mutter und Sängerin gleichzeitig zu sein?

Nadezhda Karyazina: Ja, das ist manchmal wirklich schwierig. Momentan ist mein Mann nicht in Hamburg – ich bin alleine und muss somit immer schauen, dass sich jemand um den Kleinen kümmert, wenn ich im Theater bin. Stehen dann größere Produktionen an, bei denen ich morgens und abends in Proben eingespannt bin, kommt meine Mutter für einige Wochen her. Oder natürlich mein Mann, aber der ist auch Opernsänger und deshalb oft unterwegs. Viele junge Opernsängerinnen haben Angst vor diesem Schritt und warten. Aber es ist nie die „richtige Zeit“ dafür, man muss es einfach machen.

Hat die Schwangerschaft einen Einfluss auf ihre Stimme gehabt?

Nadezhda Karyazina: Ich stand bis in den achten Monat auf der Bühne, weil ich zu dem Zeitpunkt ja noch am Royal Opera House in Covent Garden in London gesungen habe. Das war überraschenderweise eine wirklich tolle Zeit. Meine Stimme hat sich ein wenig verändert, denke ich. Sie ist dramatischer geworden, ich kann jetzt Größeres singen. Aber vor allem hatte die Schwangerschaft mental große Auswirkungen auf mich: Sie hat mich geerdet, mir ganz viel Energie und natürlich auch Selbstsicherheit gegeben. Niemand liebt dich so bedingungslos wie dein Kind, das ist sehr berührend.

Sie haben bereits viel erreicht in Ihrer Karriere: Nach dem Studium an der Russischen Akademie für Theaterkunst in Moskau haben Sie diverse Meisterklassen als Mitglied des Programms Junger Künstler am Bolschoi-Theater absolviert und am Jette Parker Young Artists Programme am Royal Opera House London teilgenommen. Welche wertvollen Erfahrungen haben Sie sammeln können?

Nadezhda Karyazina: Am Bolschoi habe ich mit den besten Stimmtrainern in ganz Russland arbeiten dürfen. Dort habe ich auch zum ersten Mal regelmäßig mit einem Orchester gesungen. Ich kam quasi frisch von der Straße und war noch ganz unerfahren. Schon nach zwei Wochen am Bolschoi hatte ich mein erstes Debüt – dieses Erlebnis werde ich nie vergessen. Diese riesige Bühne, so viele Augen, die dir folgen. Das ist etwas ganz Besonderes. Nach meiner Zeit am Bolschoi hatte ich dann einige Vorsingen und mir wurden auch einige Verträge auf dem europäischen Kontinent in Aussicht gestellt. Aber ich habe mich für London entschieden. Ich wollte einfach noch mehr studieren, mir noch mehr Zeit nehmen für die Ausbildung meiner Stimme, und da war das Jette Parker Young Artist Programme in der britischen Hauptstadt einfach richtig.

Haben sich diese Erwartungen in London erfüllt?

Nadezhda Karyazina: Zunächst einmal war es eine schwierige Zeit für mich. Ich habe anfangs noch kein Wort Englisch gesprochen und ich erinnere mich, dass ich mich erst einmal um so viele administrative Dinge kümmern musste. Krankenversicherung, Anmeldungen und zahllose Formulare. Das hat mich damals sehr belastet. Mein Gehirn war immer voll von all diesen Dingen. Außerdem war ich zum ersten Mal so weit entfernt von meinem Zuhause und von meiner Familie. Da musste ich mich zunächst an die andere Atmosphäre, die andere Kultur gewöhnen. Auch die Menschen waren anders. Das war alles ganz schön viel für mich. Aber es waren alles ganz wichtige Erfahrungen. Ich saß dort zum Beispiel in der Kantine und entdeckte Anna Netrebko und Jonas Kaufmann am Tisch gegenüber. Plötzlich ist man Teil einer Produktion mit Elina Garanca – das ist unglaublich. Das motiviert natürlich ungemein und animiert dich, dieses hohe Niveau auch erreichen zu wollen.

Funktioniert das Royal Opera House denn ähnlich wie das Bolschoi – Sie haben jetzt den direkten Vergleich?

Nadezhda Karyazina: Mir kam es immer so vor, als hätte man in London einen etwas anderen Musikgeschmack. In Russland liebt man zum Beispiel die Bruststimme, also bestimmte in der Brust sitzende Stimmregister. In England wollte man das überhaupt nicht. Das wäre also ein Unterschied bei den Geschmäckern hinsichtlich der Gesangstechnik. Es waren ganz viele Dinge anders. Alleine, dass die Menschen fragen „How are you?“, und dann hört man mir gar nicht zu, wenn ich erzähle, wie es mir geht. Oder in Besprechungen redete man 20 Minuten lang und erst ganz am Ende sagte man, was man wirklich wollte. In Russland sind wir da viel direkter – an all das musste ich mich natürlich erst einmal gewöhnen.

Und wo stehen da die Deutschen?

Nadezhda Karyazina: Die Deutschen stehen so in der Mitte (lacht). Ich schätze hier besonders den Freiraum. Ich habe das Gefühl, dass man hier an mich als Künstlerin glaubt und mir deshalb mehr Spielraum, mehr Freiraum für eigene Entscheidungen lässt. Natürlich arbeite ich immer eng mit den Dirigenten oder den Pianisten zusammen. Aber man lässt mir hier meinen Freiraum für eigene Interpretationen, für meine eigene Technik. Ich fühle mich insgesamt freier und auch selbstbewusster als Künstlerin und muss mich nicht mehr so sehr als Studentin wahrnehmen.

Das liegt ja nicht zuletzt daran, dass Sie mittlerweile wirklich keine Studentin mehr sind. Aber zurück: liegt das an der Hamburgischen Staatsoper, an den Personen hier oder ist das die Art und Weise, wie man das hier in Deutschland macht?

Nadezhda Karyazina: Ich denke, das ist ein nationaler Zug. Ich habe das Gefühl, dass ich hier in Deutschland offener wahrgenommen werde. Aber das ist ein sehr persönlicher Eindruck. Das Ensemble und auch Führungspositionen sind ja oft international besetzt, da ist es wirklich schwierig, zu verallgemeinern. Aber auch auf der Bühne geht es mir so. Sobald ich die Bühne betrete, selbst wenn ich noch keinen Ton gesungen habe, spüre ich diese Energie: das Publikum sieht sofort eine Künstlerin in mir, glaubt mir das. Damit möchte ich selbstverständlich das Londoner Publikum nicht diskreditieren, aber man war da viel zurückhaltender, viel skeptischer und reservierter. Da musste ich mich immer wieder erst beweisen.

Das heißt, sie fühlen sich sehr wohl vor dem Hamburger Publikum?

Nadezhda Karyazina: Das Publikum hier ist fantastisch. Ich fühle mich abends auf der Bühne immer so unterstützt und getragen. Ich liebe es, wie die Musik und unser Gesang das Publikum erreicht und uns gleichzeitig die Präsenz, die Aufmerksamkeit des Publikums folgt. Da ist so viel Energie, so viel Adrenalin im Spiel, das lieben wir Sänger. Ganz oft warten Menschen nach einer Vorstellung am Bühneneingang und suchen das persönliche Gespräch mit mir oder sie schreiben mir Emails – das finde ich auch toll. Es ist so bereichernd für mich, zu erfahren, was sie von den Vorstellungen halten, was sie von meiner Darstellung halten. Dieser direkte Dialog ist etwas ganz Besonderes und trägt auch dazu bei, dass ich mich hier als Künstlerin sehr wohl, sehr angekommen und frei fühle. Und alle sprechen so selbstverständlich Englisch mit mir, sodass mein Deutsch natürlich nicht besser wird (lacht).

Sie sprechen es an: als Sängerin stehen Sie immer unter Beobachtung und müssen sich auch oft kritischen Stimmen stellen. Wie gehen Sie damit um?

Nadezhda Karyazina: Manchmal ist das wirklich tough und auch verletzend. Man gibt an einem Abend alles, und trotzdem gibt es eigentlich immer etwas, das hätte besser sein können – das wird von deinen Kritikern dann natürlich gnadenlos hervorgehoben. Vor kurzem habe ich wieder eine ziemlich harsche Kritik über meine Darstellung gelesen. Man muss einfach lernen, damit umzugehen. Wichtig ist außerdem, dass man unterscheidet, wer sachlich und konstruktiv kritisiert und wer dies unhöflich und unprofessionell macht. Wer gute Kritik geben will, muss Ahnung haben, wovon er schreibt und muss immer professionell bleiben. Was soll ein Sänger mit einer Aussage „sie singt wie ein Schaf“ denn anfangen? Jeder Künstler muss einen eigenen Umgang mit Kritikern finden und im Zweifelsfall ein paar Besprechungen weniger lesen.

Und wie gehen Sie mit der Kritik von Kollegen um?

Nadezhda Karyazina: Konstruktive Kritik von Kollegen ist vermutlich der wichtigste Aspekt, um konstant weiter zu wachsen. Das inspiriert, regt an und ist sehr wichtig. Aber man darf auch nicht jedem Glauben schenken. Ich habe drei, vier Personen, denen ich zu 100 Prozent glaube. Und wenn die mir dann sagen, ich soll besser in diese oder jene Richtung weiterarbeiten, dann mache ich das. Aber man kann wirklich nicht jedem glauben und es auch eben nicht jedem Recht machen. Manchmal betritt man eine Bühne und hat noch keinen Ton gesungen und trotzdem merkt man schon, dass es nicht passt, dass eine Person Vorbehalte hat. Das kommt vor, und man lernt, damit umzugehen.

Erzählen Sie uns von ihrem Arbeitsalltag: wie sieht ein typischer Tag aus?

Nadezhda Karyazina: Die Proben beginnen normalerweise um 10 Uhr, das heißt, ich bin oft gegen 9.20 Uhr da, wärme meine Stimme auf und trinke Kaffee um wach zu werden (lacht). Die Probe geht bis 13 Uhr. Dann gehe ich meistens nachhause, erledige Dinge für die Familie und komme wieder gegen 16.30 Uhr ins Theater. Manchmal singe ich dann noch ein wenig für mich, gehe ein paar Stellen durch und dann ist nochmal Probe von 17 bis 20 Uhr. Meistens probe ich anschließend noch ein wenig, entweder im Theater oder zuhause. Gerade während der letzten beiden Spielzeiten in Hamburg habe ich viele neue Rollen gelernt – da habe ich öfters bis nachts um 2 Uhr daran gesessen.

Haben Sie ein bestimmtes System, wenn Sie sich mit einer neuen Rolle beschäftigen?

Nadezhda Karyazina: Das sind fast immer die gleichen Etappen. Erst höre ich mir natürlich das ganze Werk an, dann übersetze ich alles und transkribiere alles phonetisch, zum Beispiel, wenn es eine französische Oper ist. Abschließend lerne ich den Text und die Musik meiner Rolle.

Haben Sie bestimmte Rituale vor einer Vorstellung?

Nadezhda Karyazina: Eigentlich nicht. Wenn ich abends eine Vorstellung habe, versuche ich tagsüber immer, mich so viel wie möglich auszuruhen und gehe oft noch einmal Teile meiner Rolle durch. Dann versuche ich mich abzulenken, singe zum Beispiel etwas ganz Anderes. Ein paar Stunden vor Beginn bin ich dann in der Maske, ziehe mich um, und manchmal gibt es noch kleinere Proben oder Besprechungen. Dann geht es los.

Sind Sie da noch nervös?

Nadezhda Karyazina: Bei jeder Vorstellung. Das ist Teil unseres Berufs, das gehört dazu. Einmal habe ich ein Galakonzert gesungen mit Placido Domingo und Jose Carreras und beide waren so nervös, viel mehr als ich es war. Carreras sagte mir dann, dass es bei ihm schlimmer geworden sei und tatsächlich bei jeder Aufführung so sei. Vielleicht steigt die Nervosität mit wachsender Berühmtheit. Dann erhöht sich möglicherweise der Druck, die Erwartung und somit auch die Aufregung. Ja, Nervosität gehört auf jeden Fall dazu.

Wie erleben Sie das Schauspielern, das Darstellen einer Person auf der Bühne?

Nadezhda Karyazina: Wenn ich auf der Bühne bin, versuche ich Rosina (Anmerkung: in Gioachino Rossinis „Il barbiere di Siviglia“) oder die jeweilige Rolle zu sein und nicht Nadezhda Karyazina. Ich fühle mich komplett in die Rolle ein und merke, wie ich mich beruhige und mein Adrenalinpegel sinkt. Das gibt mir Sicherheit, und ich spiele diese Rolle dann bis zum Ende der Oper durch. Schwierig wird es, wenn ein Kollege ausfällt oder etwas mit der Technik klemmt. Dann muss man wach sein und blitzschnell improvisieren. Man kann natürlich mental nicht nur in der eigenen Rolle sein und jede Aufführung nach dem gleichen Muster fahren. Da muss man dann schnell agieren und eben gut schauspielern, frei nach dem Motto „The show must go on“.

Haben Sie musikalische Vorbilder?

Nadezhda Karyazina: Nicht wirklich. Manchmal höre ich eine Aufzeichnung zur Vorbereitung einer Rolle und denke „wow, das ist Perfektion!“ Zum Beispiel Brigitte Fassbänder in den Hänsel-und-Gretel-Aufzeichnungen von Engelbert Humperdinck, das beeindruckt mich. Ihre Aussprache ist fantastisch und dient mir für die Rolle des Hänsel als Vorbild. Gestern habe ich mir eine Aufzeichnung des Reqiuem von Giuseppe Verdi angehört, da hat Jessye Norman gesungen, absolut fantastisch. Tolle Künstlerinnen und Inspirationen suche ich mir also immer wieder aufs Neue.

Was berührt Sie am meisten an ihrem Beruf? Was macht ihn für Sie zum tollsten Beruf?

Nadezhda Karyazina: Ich glaube, dass mir Gott meine Stimme gegeben hat, um etwas Schönes in die Welt zu tragen. Als ich Charlotte im Werther von Jules Massenet gesungen habe, ist mir etwas sehr Berührendes passiert. Nach einer Aufführung kam eine Dame zu mir, sie war bestimmt schon 80 oder 90 Jahre alt, und erzählte mir, dass sie sich bei meinem Gesang daran erinnerte, wie sie sich vor vielen Jahrzehnten zum ersten Mal verliebte. Dann mussten wir beide weinen. Das hat mich sehr berührt. Ich bin der Dame bis heute dankbar, weil mir spätestens an diesem Abend klargeworden ist, wieso es mich so erfüllt, zu singen. Ich möchte Menschen berühren, ihnen Erinnerungen entlocken und unvergessliche Momente schenken. Wenn ich das mit meiner Stimme schaffe, ist das ein großes Geschenk für mich und jedes Mal ein unglaublich schönes Gefühl.

Die kommende Spielzeit bringt Ihr Wagner-Debüt: Zunächst sind Sie im September und Oktober 2017 bei der Parsifal-Premiere dabei und dann im Frühjahr 2018 auch beim Ring des Nibelungen. Wie erleben Sie die Arbeit an der Musik Richard Wagners?

Nadezhda Karyazina: Ich liebe seine Musik. Sie ist sehr schwierig und komplex. Ich habe das Gefühl, dass sich bei Wagner die Färbung meiner Stimme verändert. Das ist wirklich schwer zu beschreiben, aber da passiert sehr viel. Es ist eine anstrengende Auseinandersetzung, ja Herausforderung für mich, vor allem durch den deutschen Text. Damit schlage ich mich ganz schön herum, kann ich Ihnen sagen. Aber Gott sei Dank habe ich meinen Mann dafür, der ist ja Deutscher und ein sehr strenger Lehrer (lacht). Aber auch die Dramaturgie der Stücke, die Charaktere sind wirklich aufregend, und ich freue mich sehr auf mein Debüt.

Gibt es, abgesehen von Wagner, noch weitere Highlights für Sie in der kommenden Spielzeit?

Nadezhda Karyazina: Das Verdi-Requiem im März 2018! Darauf freue ich mich so sehr. Diese Musik ist einfach toll. Außerdem singe ich wieder Rosina in Rossinis Barbier von Sevilla und den Hänsel in Hänsel und Gretel. Das sind alles tolle Stücke und ich freue mich auf die Vorstellungen.

Wir freuen uns auch. Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Karyazina!

Ricarda Ott für klassik-begeistert.de

Nadezhda Karyazina war in der vergangenen Spielzeit 2016/17 unter anderem in „Otello“ (Giuseppe Verdi) , „Die Zauberflöte“ (Wolfgang Amadeus Mozart), „Pique Dame“ (Pjotr Tschaikowski) , „Rigoletto“ (Giuseppe Verdi), „Fürst Igor“ (Alexander Borodin) und „Madama Butterfly“ (Giacomo Puccini) zu sehen. In der kommenden Spielzeit wird sie als 3. Blumenmädchen im „Parsifal“ ihr Wagner-Debüt geben und außerdem in „La Traviata“ (Giuseppe Verdi), „Madama Butterfly“, „Hänsel und Gretel“ (Engelbert Humperdinck), „Die Walküre“ (Richard Wagner), „Il barbiere di Siviglia“ (Gioachino Rossini) und in Giuseppe Verdis Requiem zu hören sein.

"An der Staatsoper Hamburg ist ein Entwicklungsprozess im Gang"

Seit der Spielzeit 2015/2016 ist Constanze Könemann Operndirektorin an der Hamburgischen Staatsoper und Vertreterin des Intendanten Georges Delnon in künstlerischen Fragen. In langjähriger Tätigkeit an den Opernhäusern in Frankfurt, Dortmund, Leipzig und Bonn arbeitete sie unter anderem als Regisseurin, Chefdisponentin und künstlerische Betriebsdirektorin. Nur einmal verließ sie beruflich die Oper als sie die in London ansässige internationale Künstleragentur Haydn Rawstron Limited leitete. Klassik-begeistert.de traf Constanze Könemann und sprach mit ihr über das Haus an der Dammtorstraße, das Hamburger Publikum und ihren Einsatz für die Förderung von jungen Nachwuchstalenten. Und die Operndirektorin verriet, dass zwar Anna Netrebko in den nächsten Jahre nicht in der Oper Hamburg singen wird – Jonas Kaufmann aber für 2018 zugesagt hat.

Interview: Ricarda Ott

klassik-begeistert.de: Frau Könemann, was bedeutet Ihnen die Oper – sowohl das Haus als auch die Kunstgattung?

Constanze Könemann: Mit neun Jahren habe ich beschlossen, dass ich unbedingt zur Oper möchte. Ich komme aus einer musikalischen Familie, meine Mutter war Pianistin, mein Vater war lange Jahre Intendant an der Oper in Karlsruhe, und ich bin praktisch mit der Oper großgeworden. Mit neun habe ich dann meinen Eltern verkündet: Ich werde Opernsängerin (lacht). Es kam dann doch alles etwas anders, aber Oper bedeutet mir wirklich alles. Ich habe einen wunderschönen Beruf und ein riesengroßes Glück, das, was ich liebe, als Beruf ausüben zu können. „Großes Exklusiv-Interview mit Operndirektorin Constanze Könemann,
Staatsoper Hamburg“
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"Allein bist Du auf der Bühne nichts - ich bin ein Team-Player"

Der Bass Wilhelm Schwinghammer verlässt nach 11 Jahren das Ensemble der Hamburgischen Staatsoper. Der 40 Jahre alte Bayer hat viele tolle Angebote an großen Häusern und arbeitet künftig als freier Sänger. Im großen Interview mit klassik-begeistert.de erklärt er, wie sehr ihn die Regensburger Domspatzen und Kurt Moll geprägt haben. Und er freut sich, demnächst einmal den Ochs, Gurnemanz und Mephistopheles zu singen.

klassik-begeistert.de: Herr Schwinghammer, Sie verlassen nach 14 Jahren die Hamburgische Staatsoper, 11 Jahre gehörten Sie zum Ensemble. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Wilhelm Schwinghammer: Das waren mehrere Entscheidungen. Ich habe international und national viele schöne Angebote von tollen Opernhäusern und wollte jetzt einfach den nächsten Schritt gehen und mein Repertoire um neue Rollen wie den Baron Ochs in der Richard-Strauss-Oper „Der Rosenkavalier“ erweitern. Es wiederholt sich Vieles, wenn man 14 Jahre an einem Haus ist: das Repertoire, die Inszenierungen… Ich suche neue Reize und Herausforderungen – das war der größte Beweggrund. Als Mitglied in einem festen Ensemble kann man nicht alle Offerten wahrnehmen. Man wird eingeteilt, hat seine Verpflichtungen und kann nur darum herum seine Engagements international wahrnehmen. Jetzt kann ich mir die schönsten Angebote heraussuchen. „Großes Exklusiv-Interview mit dem Bass Wilhelm Schwinghammer,
Hamburg, Berlin, Wien“
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Kollektive Meisterleistung – Der Bayreuther Ring endet mit einer magischen Nacht

Richard Wagner, Götterdämmerung
Bayreuther Festspiele, 13. August 2017

Musikalische Leitung: Marek Janowski
Regie: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüm: Adriana Braga Peretzki
Licht: Rainer Casper
Video: Andreas Deinert, Jens Crull
Chorleitung: Eberhard Friedrich
Technische Einrichtung 2013-2014: Karl-Heinz Matitschka
Siegfried: Stefan Vinke
Gunther: Markus Eiche
Alberich: Albert Dohmen
Hagen: Stephen Milling
Brünnhilde: Catherine Foster
Gutrune: Allison Oakes
Waltraute: Marina Prudenskaya
1. Norn: Wiebke Lehmkuhl
2. Norn: Stephanie Houtzeel
3. Norn: Christiane Kohl
Woglinde: Alexandra Steiner
Wellgunde: Stephanie Houtzeel
Floßhilde: Wiebke Lehmkuhl

von Sebastian Koik

Eine gute Oper ist ein Ort der großen Gefühle. Wer einmal eine Oper der Spitzenklasse erlebt hat, möchte so etwas wieder erleben. Die Götterdämmerung an diesem Abend ist eines dieser ganz großen Opernerlebnisse, das für Gänsehaut, Rührung, Ergriffenheit und höchste innere Freude sorgt. Die Zuschauer baden an diesem Abend stundenlang in herrlichstem Klang und man mag fast weinen vor so viel musikalischer Schönheit. „Richard Wagner, Götterdämmerung Bayreuther Festspiele, 13. August 2017“ weiterlesen

Castorfs Krokodile – Oder das größte Ablenkungsmanöver der Operngeschichte

Richard Wagner, Siegfried, Bayreuther Festspiele, 11. August 2017

Musikalische Leitung: Marek Janowski
Regie: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüm: Adriana Braga Peretzki
Licht: Rainer Casper
Video: Andreas Deinert, Jens Crull
Technische Einrichtung 2013-2014: Karl-Heinz Matitschka
Siegfried: Stefan Vinke
Mime: Andreas Conrad
Der Wanderer: Thomas J. Mayer
Alberich: Albert Dohmen
Fafner: Karl-Heinz Lehner
Erda: Nadine Weissmann
Brünnhilde: Catherine Foster
Waldvogel: Ana Durlovski

von Sebastian Koik

Der Bühnenbildner Aleksandar Denić ist genial! Jedes einzelne seiner bisherigen Werke in Bayreuth bleibt unvergessen. Das drehbare Bühnenbild mit verschiedenen Räumen und Welten auf der Vorder- und Rückseite ist einfach wunderbar. Nach dem sensationellen Tankstellen-Bar-Motel im Rheingold nun das nächste Meisterwerk. „Richard Wagner, Siegfried, Bayreuther Festspiele, 11. August 2017“ weiterlesen

Magische Opernmomente in rätselhafter Kulisse

Richard Wagner, Die Walküre
Bayreuther Festspiele, 9. August 2017

Musikalische Leitung: Marek Janowski
Regie: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüm: Adriana Braga Peretzki
Licht: Rainer Casper
Video: Andreas Deinert, Jens Crull
Technische Einrichtung 2013-2014: Karl-Heinz Matitschka
Siegmund: Christopher Ventris
Hunding: Georg Zeppenfeld
Wotan: John Lundgren
Sieglinde: Camilla Nylund
Brünnhilde: Catherine Foster
Fricka: Tanja Ariane Baumgartner
Gerhilde: Caroline Wenborne
Ortlinde: Dara Hobbs
Waltraute: Stephanie Houtzeel
Schwertleite: Nadine Weissmann
Helmwige: Christiane Kohl
Siegrune: Mareike Morr
Grimgerde: Simone Schröder
Rossweisse: Alexandra Petersamer

von Sebastian Koik

Nach dem enorm beeindruckenden Rheingold gingen bei der Walküre dem Regisseur Frank Castorf und dem Bühnenbildner Aleksandar Denić anscheinend ein wenig die guten Ideen aus. Nach einer wieder sehr schön gespielten Ouvertüre ist man nach dem Öffnen des Vorhangs erneut fasziniert: Wie am Vortag beim Rheingold ist das Bühnenbild ein sehr imposantes Gebäude. Auch hier werden wieder großer Aufwand und viel Liebe zum Detail deutlich. Doch mehr und mehr fragt man sich, was diese enorme Baukonstruktion aus Holz überhaupt darstellen soll.
„Richard Wagner, Die Walküre, Bayreuther Festspiele, 9. August 2017“ weiterlesen

„Ich glaube vielleicht nicht an Gott. Aber ich glaube an die Musik und an die menschliche Fantasie.“

Liederabend Crebassa · Say, Salzburger Festspiele
Stiftung Mozarteum – Großer Saal, 8. August 2017

Maurice Ravel Vocalise-étude (En forme de habanera)
Maurice Ravel Shéhérazade. Trois poèmes pour chant et orchestre (Fassung für Singstimme und Klavier)
Claude Debussy La cathédrale engloutie: Profondément calme (Dans une brume doucement sonore) aus Préludes, Livre 1
Claude Debussy Minstrels: Modéré (Nerveux et avec humour) aus Préludes, Livre 1
Gabriel Fauré „Cygne sur l’eau“ aus Mirages op. 113
Gabriel Fauré „Danseuse“ aus Mirages op. 113
Erik Satie Trois Gnossiennes
Claude Debussy Trois Mélodies de Verlaine
Henri Duparc Chanson triste
Henri Duparc Au pays où se fait la guerre
Fazil Say Gezi Park 2. Sonate für Klavier op. 52
Fazil Say Gezi Park 3. Ballade für Mezzosopran, Klavier und Streichorchester (Fassung für Mezzosopran und Klavier von Fazıl Say)
Fazil Say Summertime Variations
Wolfgang Amadeus Mozart Le Nozze di Figaro KV 492 Arietta Cherubino „Voi che sapete che cosa è amor“

von Antonia Tremmel-Scheinost

Wo Orient auf Okzident trifft…

Marianne Crébassa und Fazil Say ließen am gestrigen Festspielabend das oft altmodisch wirkende Kunstlied in den Jungbrunnen fallen. Mit extravagantem Klavier- und Liedrepertoire und passionierter Darbietung wusste das Duo die Hörerschaft zu überzeugen. „Liederabend Crebassa · Say“ weiterlesen

Göttlich ist hier nichts mehr - Augenschmaus und Gesellschaftskritik beim Rheingold in Bayreuth

Richard Wagner, Das Rheingold
Bayreuther Festspiele, 8. August 2017

Musikalische Leitung: Marek Janowski
Regie: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüm: Adriana Braga Peretzki
Licht: Rainer Casper
Video: Andreas Deinert, Jens Crull
Technische Einrichtung 2013-2014: Karl-Heinz Matitschk
Wotan: Iain Paterson
Donner: Markus Eiche
Froh: Daniel Behle
Loge: Roberto Saccà
Fricka: Tanja Ariane Baumgartner
Freia: Caroline Wenborne
Erda: Nadine Weissmann
Alberich: Albert Dohmen
Mime: Andreas Conrad
Fasolt: Günther Groissböck
Fafner: Karl-Heinz Lehner
Woglinde: Alexandra Steiner
Wellgunde: Stephanie Houtzeel
Floßhilde: Wiebke Lehmkuhl

von Sebastian Koik

Pures Glück zu Beginn des Bayreuther Rheingoldes. Die Orchesterouvertüre lässt die Zuhörer in Schönheit baden. Die Komposition allein ist schon wunderbar; die Umsetzung am heutigen Abend vollkommen. Nachdem sich dann der Vorhang öffnet, wird sofort klar: Auch visuell wird mächtig was geboten, das ist ein ganz großes Spektakel! Aber ist das auch ein stimmiges Rheingold? Auf jeden Fall bleibt diese Inszenierung stark in Erinnerung. „Richard Wagner, Das Rheingold, 08.08.2017, Bayreuther Festspiele“ weiterlesen

Kirill Petrenko und die Orchesterakademie des Bayerischen Staatsorchesters ließen das Publikum schmunzeln

Festspielkonzert der Orchesterakademie des Bayerischen Staatsorchesters
Prinzregententheater, 16.07.2017
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Sopran: Caroline Wettergreen
Orchesterakademie des Bayerischen Staatsorchesters

Erich Wolfgang Korngold, Aus „Eine Musik zu Shakespeares ‚Viel Lärm um nichts’“ für Kammerorchester: 1. Ouvertüre. Bewegt – sehr leicht und heiter; 7. Intermezzo (Gartenszene). Sehr ruhig (langsame Viertel); 14. Schlusstanz. Festlich bewegt
Claude Debussy, Prélude à l´après-midi d´un faune
Hans Abrahamsen, Zwei Inger-Christensen-Lieder für Sopran und Ensemble; Uraufführung – Auftragswerk der Freunde und Förderer der Musikalischen Akademie des Bayerischen Staatsorchesters e.V.; 1. „ Jeg ser de lette skyer“; 2. „Se den vantklare kilde“
Paul Hindemith, Kammermusik Nr. 1 mit Finale 1921 für 12 Soloinstrumente op. 24 Nr. 1
Les Groupe des Six, „Les Mariés de la Tour Eiffel“

eine Nachbetrachtung von Marlene Wagner

Zum 15-jährigen Bestehen der Orchesterakademie des Bayerischen Staatsorchesters gab es ein Programm, das sich ausschließlich der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts widmete – darunter auch die Uraufführung der „Zwei Inger-Christensen-Lieder“ für Sopran und Ensemble, ein Auftragswerk von Hans Abrahamsen, aufgetragen von den Freunden und Förderern der Musikalischen Akademie des Bayerischen Staatsorchesters. „Festspielkonzert, Kirill Petrenko, Caroline Wettergreen, Orchesterakademie des Bayerischen Staatsorchesters,
Prinzregententheater München“
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Dieser "Parsifal" ist eine Reise nach Bayreuth wert – Weltklasseleistungen in Oberfranken

Richard Wagner, Parsifal
Bayreuther Festspiele, 5. August 2017

Marek Janowski, Dirigent,
Andreas Schager, Parsifal
Georg Zeppenfeld, Gurnemanz,
Elena Pankratova, Kundry,
Derek Welton, Klingsor
Ryan McKinny, Amfortas
Karl-Heinz Lehner, Titurel,
Netta Or, 1. Zaubermädchen
Festspielorchester und Festspielchor der Bayreuther Festspiele

Maestro Marek Janowski gab ordentlich Gas. Auf dem Programm stand „Parsifal“, Richards Wagners Lebensabschiedsoper, vielleicht sein Meisterwerk: am 26. Juli 1882 uraufgeführt bei den zweiten Bayreuther Festspielen, knapp sieben Monate, bevor das Jahrtausend-Genie in Venedig starb. „Richard Wagner, Parsifal, 05.08.2017, Andreas Schager, Georg Zeppenfeld, Elena Pankratova, Derek Welton, Ryan McKinny, Karl-Heinz Lehner, Netta Or,
Bayreuther Festspiele“
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