Der spritzigste und witzigste „Don Pasquale“, den es je gab

Ein großer Wurf auf der kleinen Bühne der Wiener Kammeroper

Gaetano Donizetti, Don Pasquale,
Kammeroper, Wien, 24. November 2017

von Charles E. Ritterband

So hat man den „Don Pasquale“ noch nie gesehen: auf der winzigen Bühne der Wiener Kammeroper, dem charmanten Ableger des großartigen Theaters an der Wien – ein Begriff, der ja stets für allerhöchste Qualität bürgt. Mit, wie es die räumlichen Verhältnisse erfordern, knappstem Einsatz an Sängern, Musikern und Bühnenbild wurde die originellste, witzigste und spritzigste Version von Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ geschaffen, den man sich nur vorzustellen vermag. „Gaetano Donizetti, Don Pasquale,
Kammeroper, Wien“
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Vorsicht: Neue Musik! Kein Abend für jedermann in der Elbphilharmonie

Elbphilharmonie Hamburg, Kleiner Saal, 27. November 2017
Gidon Kremer Violine
Luigi Nono La lontananza nostalgica utopica futura
Mieczysław Weinberg
24 Präludien op. 100 für Violoncello solo / Bearbeitung für Violine solo von Gidon Kremer
Valentin Silvestrov Serenade [Zugabe]
Antanas Sutkus Fotografie

von Sebastian Koik

Zahlreiche Notenständer sind wild über die Bühne und teilweise in den Zuschauerraum hinein verteilt. In Luigi Nonos La lontananza nostalgica utopica futura musiziert aber nur einer. Gidon Kremer wandert mit seiner Nicola Amati aus dem Jahr 1641 durch den Raum und spielt mal hier und mal dort – und letztendlich mit sich selbst. Denn aus diversen Lautsprechern ertönen Fetzen Violinmusik, die Kremer in acht Spuren selbst vor Jahrzehnten für den venezianischen Komponisten Luigi Nono eingespielt hat. „Gidon Kremer,
Elbphilharmonie, Hamburg, Kleiner Saal“
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Elbphilharmonie: Der Hamburger Brahms begeistert beim Philharmonischen Konzert

Elbphilharmonie, Großer Saal, 27. November 2017
Kent Nagano Dirigent
Veronika Eberle Violine
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Johannes Brahms
Violinkonzert D-Dur op. 77
Johannes Brahms Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73

von Ricarda Ott
Foto: Maxim Schulz

Mit hauseigenem Generalmusikdirektor und einem Programm, einzig und alleine dem in Hamburg geborenen Komponisten Johannes Brahms (1833-1897) gewidmet, kam das 3. Philharmonische Konzert in dieser Saison vergleichsweise schlicht und bodenständig daher. „Kent Nagano, Veronika Eberle, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg,
Elbphilharmonie, Hamburg“
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Das Orchestre des Champs-Élysées überzeugt mit historisch aufgeführtem Beethoven im Wiener Konzerthaus

Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 27. November 2017
Orchestre des Champs-Elysées
Collegium Vocale Gent Chor
Philippe Herreweghe Dirigent
Ana Maria Labin Sopran
Elisabeth Kulman Alt
Maximilian Schmitt Tenor
Krešimir Stražanac Bassbariton
Kristian Bezuidenhout Klavier
Ludwig van Beethoven
Meeresstille und glückliche Fahrt op. 112 für Chor und Orchester (1814 – 1815)
Elegischer Gesang op. 118 für vier Singstimmen und Streichorchester (1814)
Fantasie c-moll op. 80 für Klavier, Chor und Orchester (1808)
Messe C-Dur op. 86 für Soli, Chor und Orchester (1807)

Von Bianca Schumann

Wer am Montagabend den Weg in den Großen Saal des Wiener Konzerthauses gefunden hatte, den erwartete vier Mal Beethoven. Das Orchestre des Champs-Élysées lud zusammen mit dem Collegium Vocale Gent zu einer klanglichen Zeitreise ein, die der musikalische Leiter, Philippe Herreweghe, zusammen mit allen Beteiligten zu einem vollen Erfolg werden ließ. „Orchestre des Champs-Elysées, Philippe Herreweghe, Collegium Vocale Gent,
Wiener Konzerthaus“
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Der Freiburger Oratorienchor bewegt mit Klageliedern

Christuskirche Freiburg, 26. November 2017
Lamentationes in Vertonungen u.a. von Tallis, Byrd, Couperin, Poulenc, Purcell
Freiburger Oratorienchor
Bernhard Gärtner Leitung
Johanna Prielmann Sopran
Julia Werner Alt
Gesine Queyras Cello
Nils Pfeffer Theorbe
Kirsten Galm Orgel

von Leah Biebert        

Welche Art von Musik passt am Totensonntag besser als Klagegesänge? Vierzehn Lamentationen hatte der Freiburger Oratorienchor am Sonntag im Programm, darunter auch Solowerke für Orgel und Theorbe. Von den Lamentationes Jeremiae von Thomas Tallis über François Poulencs Motetten Timor et tremor und Tenebrae factae sunt bis hin zu zwei Psalmen aus Johann Herrmann Scheins Fontana d’Israel: Die Sängerinnen und Sänger sorgten an diesem düsteren Novemberabend für Besinnlichkeit und Zuversicht. „Freiburger Oratorienchor, Lamentationes,
Christuskirche Freiburg“
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Mahlers Dritte klingt mit Levine magischer als mit Meister

Toshio Hosokawa Meditation
Gustav Mahler 
Sinfonie Nr. 3 D-Moll
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Damen des Rundfunkchors Berlin, Staats- und Domchor Berlin
Cornelius Meister
Dirigent 
Karen Cargill
Mezzosopran
Philharmonie,
Berlin25. November 2017

von Yehya Alazem

Vor vier Wochen haben die Berliner ein unvergessliches Konzert in der Philharmonie erlebt: Die 3. Symphonie von Gustav Mahler, dirigiert von dem legendären James Levine. Am Sonnabend sollte der neue britische Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, Robin Ticciati, dieselbe Symphonie am selben Ort leiten, er musste aber wegen einer Erkrankung kurzfristig absagen. „Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 3, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Cornelius Meister,
Philharmonie, Berlin“
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Dornröschen ohne Optimismus und Leichtigkeit

Peter I. Tschaikowsky, Dornröschen
Saarländisches Staatstheater
, Saarbrücken, 26. November 2017
Stijn Celis Choreographie
Stefan Neubert
Musikalische Leitung
Jann Messerli Bühnenbild
Catherine Voeffray Kostüme
Saúl Vega-Mendoza Carabosse/Prinz der Dunkelheit/Mutter
Pascal Schut König und Prinz Florismund
Alexandra Christian Königin
Mahomi Endoh Aurora
Saarländisches Staatsorchester

von Alina Fischer

Ein Prinz küsst Dornröschen, sie wird vom bösen Bann befreit und sie leben glücklich bis an ihr Lebensende. Wer sich auf so eine Handlung im Ballett von Stijn Celis eingestellt hat, merkt schon in der ersten Sekunde, dass das Stück keineswegs von Optimismus und Leichtigkeit geprägt ist. Statt mit Klängen von Tschaikowsky beginnt der Abend mit Stille, nur unterbrochen von mysteriösen Klanggeräuschen aus Lautsprechern. Die böse Fee Carabosse, gespielt von Saúl Vega-Mendoza, erscheint, und es ist klar, dass dieses Ballett am Saarländischen Staatstheater mehr als bloße Unterhaltung vermitteln will. „Peter I. Tschaikowsky, Dornröschen,
Saarländisches Staatstheater“
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Fidelio in Halle:
unterhaltsam, witzig, anregend

 

Ludwig van Beethoven, Fidelio
Oper Halle
, 15. November 2017

von Guido Müller

Wenn es in der ursprünglich unter dem Titel „Leonore“ oder „Die Gattentreue“ als deutsches Singspiel entworfenen Befreiungs-Oper „Fidelio“ etwas zum Lachen gibt, wenn Slapstick sich mit humanistischem und kapitalismuskritischem Ernst um einen diffizilen Freiheitsbegriff abwechselt, ja durchdringt, dann hat sich der derzeitig weit über das Kulturleben der Saalestadt Halle hinaus beachtete und für deutsche Theaterpreisehren sorgende junge Opern-Intendant Florian Lutz der feierlichen Sache von Beethovens musikalisch heterogener Hymne auf Gattentreue und Freiheit angenommen. Diese beliebte deutsche Fest-Oper ist ja durchaus mit genug dramaturgischen und textlichen Schwächen und Zerrissenheit behaftet. „Ludwig van Beethoven, Fidelio,
Oper Halle“
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Anna Karenina:
Für Augen und Ohren ein Hochgenuss

Sergej Rachmaninow, Witold Lutoslawski, Anna Karenina
Bayerische Staatsoper, München, 25. November 2017
Christian Spuck Choreographie

von Raphael Eckardt

Mit „Anna Karenina“ steht in München derzeit eine Ballettproduktion auf dem Spielplan, die rein themenbezogen aktueller kaum sein könnte: Eine Frau nimmt sich selbst ihre (auch durch andere Frauen erkämpften) Freiheiten und bringt damit die russische Gesellschaft gegen sich auf. Dass Leo Tolstoi bereits 1878 in seinem Roman „Anna Karenina“ auf derartiges Themenmaterial zurückgriff, zeigt nicht nur die scheinbare Zeitlosigkeit von Gesellschaftsproblemen in Osteuropa auf, sondern stellte an diesem Abend auch den Choreographen Christian Spuck vor eine Herkulesaufgabe. Denn: Besonders komplex ist Lew Tolstois Literatur zwar selten, aber durch ihre oft unüberschaubare Länge und schier endlose Anzahl von handelnden Personen ist sie als Bühnenspielumsetzung durchaus eine szenische Herausforderung. „Sergej Rachmaninow, Witold Lutoslawski, Anna Karenina,
Bayerische Staatsoper“
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„...seid offen, lebt das Leben!“
Großes Interview mit dem Geiger Yury Revich

Der hochdekorierte Austro-Russe Yury Revich vollbringt Einmaliges auf der Geige. Als einer der Ausnahmeviolinisten seiner Generation wurde er beim ECHO Klassik als Nachwuchskünstler des Jahres 2016 und als Young Artist of the Year bei den International Classical Music Awards ausgezeichnet. Wie es um die Karriere des Stradivari-Spielers steht, welche Herzensprojekte anstehen und wie er über die Klassikszene denkt, verrät er klassik-begeistert.at im Gespräch. „Großes Interview Yury Revich“ weiterlesen