Rosa Luftballons bei
L´elisir d´amore/Liebe macht blind

Gaetano Donizetti, L´elisir d´amore, Bayerische Staatsoper
18. Februar 2018

Adina, Ekatrina Siurina
Nemorino, Pavol Breslik
Belcore, Andrei Bondarenko
Dulcamara, Ambrogio Maestri
Giannetta, Paula Iancic
Bayerisches Staatsorchester
Hammerklavier: Chad Kelly
Chor der Bayerischen Staatsoper
Statisterie der Bayerischen Staatsoper

von Maria Steinhilber

Wie verbringt das Münchner Kulturpublikum seine Sonntagnachmittage? Am besten in den rosa samtigen Sesseln der Bayerischen Staatsoper bei dem Melodrama Giocoso in zwei Akten. Einer der wichtigsten Belcanto Komponisten Gaetano Donizetti, verband artige Klänge einer Opera-Buffa mit einem Text von Felice Romani. Uraufgeführt wurde dieses Werk erstmals 1832 im Teatro alla Canobbiana in Mailand. „Gaetano Donizetti, L´elisir d´amore, Bayerische Staatsoper 18. Februar 2018“ weiterlesen

Philharmonix auf cineastischem Ausflug quer durch den Gemüsegarten der Musikgenres

Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 18. Februar 2018

Philharmonix
Noah Bendix-Balgley
, Violine
Sebastian Gürtler, Violine
Thilo Fechner, Viola
Stephan Koncz, Violoncello
Ödön Rácz, Kontrabass
Daniel Ottensamer, Klarinette
Christoph Traxler, Klavier

von Julian Dworak

Sieben klassisch ausgebildete Musiker, genannt Philharmonix, trafen sich im großen Saal des Wiener Konzerthauses zu einer durchkomponierten Jamsession. In der Strenge der klassischen Betrachtung würde man es auch als Septett bezeichnen, doch die Philharmonix wollen es ganz anders. Spaß und Freude an der Musik standen im Vordergrund. Viele allseits bekannte Melodien – meist mit Bezug zu mehr oder weniger bekannten Filmen – erklangen und wurden mit Dauerschmunzeln und zustimmendem Nicken des Publikums honoriert. Doch auch der musikalische Feinschmecker kam im Verlauf des Abends auf seine Kosten.

Christoph Traxler am Klavier und Daniel Ottensamer an der Klarinette bildeten den Gegenpart zur klassischen Streichergruppe. Alle musizierten in schwarzem Anzug, lediglich der Bratschist, Thilo Fechner, saß mit grellem, roten Anzug in der Mitte des Ensembles. Eine CD-Präsentation war Anlass des zweiten diesjährigen Konzerthaus-Gastspiels der Philharmonix.

Eröffnet wurde der Abend mit einer James Bond-Suite. Melodien aus Skyfall und Casino Royal wurden zum Besten gegeben und legten die Weichen für die Hörerwartung des restlichen Abends. Es sollte entspannt werden! Im Mittelpunkt standen dafür eine Vielfalt bekannter Melodien und Motiven der breiten Musikgeschichte. Doch dieser ersten Darbietung mangelte es ein wenig an Pep. Es fehlten wohl auch Blechbläser, die maßgeblich am bissigen James Bond-Sound beteiligt sind. Die Klarinette als Melodiestimme wirkte da zu verhalten.

Daniel Ottensamer – © Julia Stix

Klarinettist Daniel Ottensamer führte zwischen den kurzweiligen Stücken per Mikrofon durch den Abend. Gut gelaunt und immer mit einem Schmäh in Petto vermittelte er die Grundstimmung der Musik auch zwischen den Kompositionen.

Bei Camille-Saint Saen´s Aquarium aus dem Karneval der Tiere klang das Ensemble schon wesentlich harmonischer. Das Arrangement des Cellisten Stephan Koncz beinhaltete auch das berühmte Motiv aus dem Weißen Hai. Die melancholische Idylle des Aquariums wurde durch diese bedrohlichen Klänge gehörig ins Trudeln gebracht.

Was die sieben Musiker vereint, ist ihre Mitgliedschaft bei den Wiener beziehungsweise Berliner Philharmonikern, daher auch ihr einprägsamer Name: Philharmonix. Der Wunsch, „das zu spielen, worauf sie schon immer Lust hatten“, führte dann zur Gründung, denn ein sichere Stelle in einem führenden Orchester bringt auch einige musikalische Einschränkungen mit sich. Deshalb bedienen sich die Philharmonix umso mehr der verschiedensten Genres wie etwa Jazz, Bossa oder jüdischer Volksmusik.

Artie Shaws Streamline war ein Ausflug Richtung Swing. Ein Stück, welches durch virtuoses Klarinettenspiel glänzte. Doch das richtige Swing-Feeling vermisste man großteils bei den Musikern.

Im darauffolgenden Filmmusik-Block überzeugte „Dangerous Moonlight“ aus dem gleichnamigen, eher unbekannten Film. Romantische, beinahe schmalzige Klänge, im Stile Rachmaninows erregten Emotionen.  Die Musik aus „Zurück in Die Zukunft“ erfreute wiederum Cineasten und wahrscheinlich alle mit einem Hang zu den siebziger Jahren.

Klassisches beendete die erste Hälfte. Der ungarische Tanz Nr. 1 von Johannes Brahms, ermöglichte Noah Bendix-Balgley sein virtuoses Geigenspiel einzubringen.

Ödön Rácz – © Lukas Beck

Nach Variationen über ein Thema von Erik Satie, im Stile des jüdischen Klezmers, kam es zu einem unerwarteten Höhepunkt. Der Kontrabassist wurde von seinen Kollegen nach vorne gebeten und bekam die Rolle des Solisten zugesprochen. Gar als Moses wurde Ödön Rácz spaßeshalber bezeichnet, spielte er doch eine Transkription der Moses-Variationen von Nicolò Paganini.  Rácz verkündete jedoch nicht die zwölf Gebote, sondern vielmehr die ungeahnten Möglichkeiten des Kontrabasses als Soloinstrument. Höchst musikalisch vermochte Rácz auch die schwierigsten Stellen zu meistern. Die kantablen Stellen spielte er mit Tiefe und die technisch anspruchsvollsten Passagen mit einer überragenden Leichtigkeit. Das war wirklich große Klasse und fand auch bei den Skeptikern jener Veranstaltung große Zustimmung.

Von dieser positiven Stimmung mitgerissen, gelang auch der zweite Satz von Mozarts Klarinettenquintett. Wunderschön spielte Klarinettist Daniel Ottensamer die lang gezogenen Töne dieser eingängigen Komposition. Das ganze Publikum schien in Trance zu fallen. Hier merkte man, wo die Instrumentalisten ihren musikalischen Ursprung haben.

Der zweite Satz aus Mozarts Klarinettenquintett gleicht, von der musikalischen Idee her, dem Adagio aus seinem Klarinettenkonzert. Jenes Adagio erlangte einen höheren Bekanntheitsgrad durch den mehrfach oscarprämierten Film „Jenseits von Afrika“. John Barry verwendete Mozarts Adagio und strich gleichermaßen den Oscar für die beste Filmmusik ein. Somit kam Mozart doch noch zu seinem verdienten Oscar, witzelte Ottensamer in der vorangegangenen Einleitung zu diesem Stück.

Nach einem klassischen Block der ernsteren Art, war es eine Hommage an Brasilien, die wieder zur schwungvollen Simplizität der Philharmonix zurückführte. Sebastian Gürtlers Eigenkomposition Barbarababa, nicht zu verwechseln mit den Barbapapas, bescherte ein unmittelbares Vergnügen. Der Violinist Gürtler sang auch gleich in versuchtem brasilianischen Dialekt in der Tradition des Bossa-Nova. Eine gekonnte Persiflage, die zu erfreuen wusste.

Mit dem Ende dieser Nummer waren die anfänglichen Muster wiederhergestellt.
Mancinis Baby Elephant Walk, Isaac Albeniz Asturias, oder Rachmaninows bekannte Paganini Variation Nr. 18, alles schöne Musik, aber für eine durchdachte Verarbeitung fehlte es ein wenig an innovativen Übergängen oder einer gewissen Dezenz.  Der ein oder andere Effekt schien an den Haaren herbeigezogen. Wenn zwischendurch der Beginn von Beethovens Für Elise anklingt, dann mag das einige erfreuen, jedoch wenn der Kontext nicht passt, dann mutet es schnell ziemlich plump an.

Als Zugabe spielten die sympathischen Musiker Mancinis „Rosaroten Panther“ und als Finale einen Brahms Walzer, gemischt mit Rodeo-Musik.

Ein entspanntes Publikum spendete nun reichlich Applaus sowie partielle Standing-Ovations.

Die Philharmonix kennen das Rezept, zu gefallen. Ein hoher Ohrwurmfaktor, eine angenehme Kurzlebigkeit und eine Freude an der Musik. Ein sichtlich hoher Zuspruch der Zuhörer ist auch absolut verständlich, denn wer möchte schon siebzehn Paganini Variationen abwarten, wenn er die wunderschöne achtzehnte auch sofort haben kann? Aber Spaß beiseite, es wurde maßgeschneiderte Sonntagabend-Musik geboten, die, für sich stehend, sehr gut funktionieren kann und manche Darbietungen versprühten auch eine gute Portion Genialität.

Julian Dworak, 19. Februar 2018
Für klassik-begeistert.de

Titelfoto: © Max Parovsky

Die DIENSTAG-PRESSE – 20. Februar 2018

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden: Die DIENSTAG-PRESSE – 20. Februar 2018

München
Münchner Philharmoniker: Was Valery Gergiev und das Orchester der Stadt planen    
Münchner Abendzeitung

Das System Kuhn in Erl
Regisseur, Dirigent und künstlerischer Leiter, damit vereint Gustav Kuhn die drei wichtigsten Ämter der Tiroler Festspiele in Erl in seiner Person. Nun veröffentlichte der österreichische Enthüllungsblog dietiwag.org eine Reihe anonymer Äußerungen von in Erl beschäftigten Künstlern, die die schlechten Arbeitsbedingungen und das autoritäre Verhalten Kuhns anprangern
Süddeutsche Zeitung „Die DIENSTAG-PRESSE – 20. Februar 2018“ weiterlesen

Rigoletto in Frankfurt - Die Inszenierung trifft nicht nur den Kern der Oper, sondern bringt auch eine neue Dimension hervor

Giuseppe Verdi, Rigoletto, Oper Frankfurt, 17. Februar 2018

Alexander Prior, Dirigent
Hendrik Müller, Inszenierung
Rifail Ajdarpasic, Bühne

Zeljko Lucic, Rigoletto
Brenda Rae, Gilda
Mario Chang, Der Herzog von Mantua

von Yehya Alazem

La Maledizione (Der Fluch) war der ursprüngliche Name von Giuseppe Verdis Meisterwerk „Rigoletto“. Diese Oper, die auf dem Melodrama „Le Roi s’amuse“ von Victor Hugo beruht, wurde 1851 vor der Uraufführung am Teatro La Fenice in Venedig von der Zensur verboten. Verdi und sein Librettist mussten sowohl den Titel als auch den Ort ändern. Der Name der Oper wurde Rigoletto, und die Handlung wurde von Paris nach Mantua verlegt. „Giuseppe Verdi, Rigoletto, Oper Frankfurt, 17. Februar 2018“ weiterlesen

Krassimira Stoyanova und die Wiener Virtuosen entführen den Musikverein Wien in das romantische 19. Jahrhundert

Musikverein Wien, Goldener Saal, 18. Februar 2018

Wiener Virtuosen, Orchester
Krassimira Stoyanova, Sopran

Richard Strauss
Streichsextett aus der Oper „Capriccio“, op. 85
Vier letzte Lieder für Sopran und Orchester, WoO, AV 150; arrangiert von James Ledger
Richard Wagner
Siegfried-Idyll, WWV 103
Felix Mendelssohn Bartholdy
Symphonie Nr. 4 A-Dur, op. 90, „Italienische“

von Jürgen Pathy

Wenn Musiker der Wiener Philharmoniker – kammermusikalisch als Wiener Virtuosen vereint – und die Kammersängerin Krassimira Stoyanova den bezaubernden Wiener Musikverein beehren, dann ist die Vorfreude unter Wiener Musikliebhabern, bescheiden ausgedrückt, groß. „Musikverein Wien, Goldener Saal, 18. Februar 2018“ weiterlesen

Wiener Staatsoper sagt Opernball ab

Richard Heuberger, Der Opernball, Volksoper Wien,
17. Februar 2018

von Mirjana Plath

Alfred Eschwé, Dirigent
Axel Köhler, Regie
Timo Dentler und Okarina Peter, Bühnenbild und Kostüme
Florian Hurler, Choreographie
Kurt Schreibmayer, Theophil Schachtelhuber
Helga Papouschek, Palmyra Schachtelhuber
Amira Elmadfa, Henri
Kristiane Kaiser, Angelika Wimmer
Marco Di Sapia, Paul Wimmer
Carsten Süss, Georg Pappenstiel
Ursula Pfitzner, Margarete Pappenstiel
Sieglinde Feldhofer, Haushaltshilfe Helene
Martina Dorak, Tänzerin Féodora
Boris Eder, Oberkellner Philipp
Georg Wacks, Kellner Xaver
Martin Fischerauer, Kellner Ton
Orchester und Komparserie der Volksoper Wien

Welch eine Neuigkeit: Die Wiener Staatsoper wird den weltberühmten Opernball nicht mehr in ihrem Haus veranstalten! Gott sei Dank übernimmt die Volksoper diesen wichtigen Termin im Wiener Ballkalender. Von nun an soll hier das höchste Gesellschaftstreffen der Österreichischen Republik stattfinden. „Richard Heuberger, Der Opernball, Volksoper Wien, 17. Februar 2018“ weiterlesen

Die MONTAG-PRESSE – 19. Februar 2018

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden: Die MONTAG-PRESSE – 19. Februar 2018

Wien/ Volksoper
„Der Opernball“: Supermarkt der Zweisamkeit
Premiere von Richard Heubergers „Opernball“ an der Wiener Volksoper –
derstandard.at/2000074529707/Der-Opernball-Supermarkt-der-Zweisamkeit

Wien/ Theater an der Wien
„Saul im Theater an der Wien: Der Wahn hat Methode
Händels Oratorium „Saul“ exemplarisch im Theater an der Wien.
Kurier

Saul“ im Theater an der Wien: Macht und Wahn gehen Hand in Hand
Großer Jubel für Händels Oratorium mit Florian Boesch in der Titelpartie und Jake Arditti als David: Regisseur Claus Guth erzählt das zeitlose Drama vom Herrscher, der nicht weichen will, und seinem allzu jungen Nachfolger
Die Presse

„Saul“: Neue Helden braucht das Land
Gelungene Premiere von Georg Friedrich Händels „Saul“ im Theater an der Wien –
derstandard.at/2000074530055/Saul-Neue-Helden-braucht-das-Land

„Die MONTAG-PRESSE – 19. Februar 2018“ weiterlesen

Was für ein gesanglicher Triumph!

Richard Wagner, Der fliegende Holländer, Staatsoper Hamburg
16. Februar 2018

von Yehya Alazem

Johannes Fritzsch, Dirigent
Marco Arturo Marelli, Inszenierung/Bühne
Dagmar Niefind-Marelli, Bühnenbild
John Lundgren, Holländer
Ingela Brimberg, Senta
Daniel Behle, Erik
Günther Groissböck, Daland

Was für ein gesanglicher Triumph! Zwei Schweden, ein Deutscher und ein Österreicher sorgen für eine phantastische Vorstellung des fliegenden Holländers an der Hamburgischen Staatsoper. „Richard Wagner, Der fliegende Holländer, Staatsoper Hamburg, 16. Februar 2018“ weiterlesen

Die SONNTAG-PRESSE – 18. Februar 2018

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden: Die SONNTAG-PRESSE – 18. Februar 2018

New York
Neuer Musikdirektor der Met: Nézet-Séguin geht zwei Jahre früher nach New York
Anstatt 2020 – wie ursprünglich geplant – wird der kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin sein Amt als neuer Generalmusikdirektor der Metropolitan Opera New York bereits im September antreten. Das teilte das Haus am Donnerstag mit. Er folgt auf James Levine, der im Dezember wegen Missbrauchsvorwürfen suspendiert wurde.
BR-Klassik

„Die SONNTAG-PRESSE – 18. Februar 2018“ weiterlesen

Matthias Goerne und Daniil Trifonov: Audienz im Großen Saal des Wiener Konzerthauses

Matthias Goerne / Daniil Trifonov, Wiener Konzerthaus, Großer Saal,
16. Februar 2018

von Thomas Genser

Matthias Goerne, Bariton
Daniil Trifonov, Klavier

Das prunkvolle Ambiente lässt die Bühne beinahe zum Thronsaal werden, in dem sich zwei Generationen in intimem Rahmen eine Audienz besonderer Art geben. Wo sonst große Orchester spielen, sollen an diesem Abend fünf Liederzyklen als ununterbrochener Klangstrom hintereinander realisiert werden. Dass ein kühnes Unterfangen wie dieses funktionieren kann, ist naheliegend, wenn der erst 26-jährige Grammy-Gewinner Daniil Trifonov auf den etablierten Bariton Matthias Goerne trifft. „Matthias Goerne / Daniil Trifonov, Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 16. Februar 2018“ weiterlesen