Ein skeptischer Fidelio begeistert an der Kölner Oper

Alexander Rumpf, Gürzenich-Orchester Köln, Lucas Singer, Samuel Youn, David Pomeroy, Emma Bell, Stefan Verny, Ivana Rusko

Ludwig van Beethoven, Fidelio
Musikalische Leitung Alexander Rumpf
Inszenierung Michael Hampe
Bühne nach dem Konzept von John Gunter Darko Petrovic
Kostüme Darko Petrovic
Licht Andreas Grüter
Chorleitung Andrew Ollivant
Don Fernando Lucas Singer
Don Pizarro Samuel Youn
Florestan David Pomeroy
Leonore Emma Bell
Rocco Stefan Verny
Marzelline Ivana Rusko
Jaquino Dino Lüthy
Gürzenich-Orchester Köln
Kölner Oper, 11. Juni 2017

von Alina Fischer

„Das Fazit unserer Aufführung lautet somit nicht: Menschheitsbefreiung, sondern: Zwei sind durch Mut und Glück davongekommen.“ Diesen Satz von Michael Hampe konnten die Besucher der Kölner Oper in ihrem Programmheft zu „Fidelio“ von Ludwig von Beethoven nachlesen. Damit trifft der ehemalige Intendant der Kölner Oper, der auch nach seiner Amtszeit noch einige Werke für die Spielstätte inszenierte, den Kern seiner neuesten Inszenierung. „Fidelio“ soll sich nämlich weder mit Freiheitsgedanken beschäftigen noch einen utopischen Jubel oder eine erfolgreiche Freiheitsbewegung darstellen. Vielmehr passt sich die Inszenierung an die heutige Zeit an, in der viele Menschen Freiheitsbewegungen und Revolutionen skeptischer gegenüber stehen. Es wird nur die Geschichte einer mutigen Frau erzählt, die mit etwas Glück und durch Treue und Liebe ihren Mann vor dem Tod bewahrt.

Auch wenn die Inszenierung auf der dramaturgischen Ebene einen Unterschied zu anderen Inszenierungen darstellte, wurde das Bühnenbild traditionell und schlicht gehalten. Mit Türmen und Kerkern auf der Bühne fühlte man sich ins Staatsgefängnis von Sevilla versetzt. Die grauen Farbtöne, die den Schwerpunkt der Kulisse bildeten, wurden in den Kostümen fortgesetzt. Selbst Ivana Rusko, die ihr Rollendebüt als Marzelline an der Kölner Oper mit Bravour erfüllte, trug ein graues Kostüm. Dieser Eindruck von Unscheinbarkeit und Trägheit verstärkte sich im zweiten Aufzug. So wurde eine Kerkertür während des instrumentalen Vorspiels hochgezogen und die Beleuchtung auf ein Minimum reduziert – der Anfang des dramaturgischen Höhepunktes der Aufführung.

Die gesangliche Ebene war erfüllt von Dramatik und Emotionalität. So glänzte Emma Bell in der Rolle von Leonore so stark, dass auf fast jede Arie Bravorufe folgten. Sie stach zudem besonders durch ihre schauspielerische Leistung hervor. In der Arie „O welche Lust, in freier Luft“, in der der Gefangenenchor die Freude besingt, für kurze Zeit frei zu sein, sucht Leonore zwischen den Gefangenen nach ihrem Mann – vergeblich, denn er wird in Einzelhaft gehalten. Das Schauspiel der Solisten und die gesprochenen Stellen zwischen den Arien erlaubten es, dem Inhalt der Oper leicht zu folgen.

Musikalisch war die Oper unter der Leitung des Dirigenten Alexander Rumpf einwandfrei einstudiert. Er wählt die Ouvertüre „Leonore III“ aus. In jeder Phrase konnte man hören, welche Absichten der Dirigent verfolgte und wie gut er diese seinem Orchester vermittelte. Auch die Kommunikation mit den Solisten war einwandfrei. Alexander Rumpf ging auf jedes Rubato und jede Intonation der Sänger ein und erlaubte so eine persönliche Interpretation in der Inszenierung.

Während in Opern bisweilen die Pianostellen anfällig für eine unausgeglichene dynamische Balance zwischen Sänger und Orchester sind, war es in dieser Aufführung eher der gegenteilige Fall. Es gab keine Arie, in der das Orchester den Sänger in den Pianostellen übertönte. Bei den Arien von Don Pizarro, gespielt von Samuel Youn, fiel es dem Bassbariton mitunter schwer, mit dem Orchester dynamisch zu harmonieren.

Mit der Befreiung Florestans gab es auf allen Ebenen einen Wendepunkt, der trotz minimaler Veränderungen einen Kontrast darstellte. Die Beleuchtung erhielt nun einen helleren, weißeren Ton, und mit dem letzten Chorauftritt dominierten nun durch die Kostüme andere, etwas hellere und wärmere Farben.

Diese Inszenierung ist ein weiterer Beweis dafür, dass die schlichteren und konventionelleren Inszenierungen weiterhin bei den Zuschauern eine positive Resonanz erhalten. Bis auf wenige Buh-Rufer war der Rest der Zuschauer am Ende des Werkes begeistert. Schlussendlich hat „Fidelio“ das gesamte Publikum, egal ob positiv oder negativ, emotional berührt.

Alina Fischer, 14. Juni 2017, für
klassik-begeistert.de

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