Durch Anja Harteros erhält "Tosca" 100 Punkte mehr Lieblings-Oper-Potenzial

Silbriges Glänzen und #meetoo-Feeling

Giacomo Puccini – Tosca
Bayerische Staatsoper, 14. November 2017
Musikalische Leitung – Daniele Callegari
Inszenierung – Luc Bondy
Floria Tosca – Anja Harteros
Mario Cavaradossi – Joseph Calleja
Baron Scarpia – Željko Lučić
Cesare Angelotti – Goran Jurić
Bayerisches Staatsorchester
Chor, Kinderchor und Statisterie der Bayerischen Staatsoper

von Maria Steinhilber

München friert. Die oft so sonnige Stadt fröstelt sich von Akt zu Akt des Melodramas „Tosca“ von Giacomo Puccini. Das Libretto stammt von Giuseppe Gicosa und Luigi Illica. Grundlage der Oper ist das Drama „La Tosca“ von Victoire Sardou, uraufgeführt 1887. „Giacomo Puccini, Tosca, Anja Harteros, Joseph Calleja, Daniele Callegari
Bayerische Staatsoper“
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Wonneklänge mit slawischer Seele

Krassimira Stoyanova und Jendrik Springer entführen das begeisterte Publikum auf eine musikalische Reise

Solistenkonzert, Wiener Staatsoper, 13. November 2017
Krassimira Stoyanova Solistin
Jendrik Springer Pianist
Lieder von Franz Schubert, Richard Strauss, Erich Wolfgang Korngold, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Georgi Wassiljewitsch Swiridow, Georgi Slatew-Tscherkin

von Jürgen Pathy

Ein Konzertflügel, ein international gefragter Liedbegleiter und eine gefeierte Operndiva. Keine theatralische Inszenierung, kein Orchester und kein Dirigent – stattdessen feinfühlige Interpretationen teilweise bekannter, teilweise weniger bekannter Kunstlieder. Dies waren die Zutaten für einen außergewöhnlichen und unvergesslichen, intimen Liederabend in der Wiener Staatsoper. „Solistenkonzert Krassimira Stoyanova, Jendrik Springer,
Wiener Staatsoper“
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Wahnsinnige Braut

Patricia Kopatchinskajas Geigenspiel offenbart eine Mischung aus Wehmut und Zorn

Konzerthaus Freiburg, 12. November 2017
London Philharmonic Orchestra
Dirigent Alain Altinoglu
Violine Patricia Kopatchinskaja
Maurice Ravel, Le Tombeau de Couperin
Robert Schumann, Violinkonzert d-Moll WoO 1
Peter Iljitsch Tschaikowsky, Symphonie Nr.6 h-Moll op.74 „Pathétique“

von Leah Biebert

Hoher Besuch von der Insel im Konzerthaus Freiburg: Das London Philharmonic Orchestra, das zu den zukunftsorientiertesten und wagemutigsten britischen Orchestern zählt, spielte unter der Leitung des französischen Dirigenten Alain Altinoglu Werke von Maurice Ravel, Robert Schumann und Peter Tschaikowsky. Solistin war die moldawische Violinistin Patricia Kopatchinskaja. „London Philharmonic Orchestra, Alain Altinoglu, Patricia Kopatchinskaja,
Konzerthaus Freiburg“
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Eine Reise zwischen Epochen, Welten und Emotionen macht diesen Abend im Konzerthaus Berlin unvergesslich

Konzerthaus Berlin, 11. November 2017
Anne-Sophie Mutter, Violine
Daniel Müller-Schott, Violoncello
Vladimir Babeshko, Viola
Lambert Orkis, Klavier
André Previn: Klaviertrio
Ludwig van Beethoven: Streichtrio op. 9 Nr. 3 in c-Moll
Dmitri Schostakowitsch: Klaviertrio Nr. 2 op. 67 in e-Moll

von Yehya Alazem 

Als Künstler müssen wir spielen können, wann und wo und was wir wollen. Wir haben nur ein Leben dazu.“
Mstislaw Rostropowitsch (27. März 1927 – 27. April 2007)

Die Musikwoche im Konzerthaus Berlin ist dem legendären Cellisten Mstislaw „Slawa“ Rostropowitsch gewidmet. Alles, was er musikalisch, menschlich und politisch mit seiner Musik vermitteln wollte, kann man dank der phantastischen Musiker an diesem Abend erspüren. „Anne-Sophie Mutter, Lambert Orkis,
Konzerthaus Berlin“
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Die Wiener Symphoniker und ein deutscher Maestro berauschen in Höchstform, ein Jungstar entzaubert

Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 10. November 2017
Wiener Symphoniker

Jan Lisiecki, Klavier
Sebastian Weigle, Dirigent
Wolfgang Amadeus Mozart,
 Konzert für Klavier und Orchester C-Dur K 467 (1785)
Frédéric Chopin, Nocturne c-moll op. 48/1 (1841)
Hans Rott, Symphonie Nr. 1 E-Dur (1878-1880)

von Jürgen Pathy
Foto: CBS Music

Der Jungstar Jan Lisiecki hat die großen Erwartungen nicht erfüllen können. Am Freitagabend gastierte der ECHO-Klassik-Gewinner 2017 im Wiener Konzerthaus. Mit im Gepäck hatte er Wolfgang Amadeus Mozarts Meisterwerk, die Klaviersonate Nr. 21 in C-Dur. „Wiener Symphoniker, Jan Lisiecki, Sebastian Weigle,
Wiener Konzerthaus“
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Diese Barrie-Kosky-Inszenierung sollte im oft viel zu braven München keine Seltenheit bleiben

Richard Strauss, Die Schweigsame Frau
Bayerische Staatsoper, München, 12. November 2017
Musikalische Leitung, Stefan Soltesz
Inszenierung, Barrie Kosky
Sir Morosus, Lars Woldt
Henry Morosus, Pavol Breslik
Aminta, Branda Rae
Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

von Raphael Eckhardt

Mit seiner einzigen komischen Oper hat Richard Strauss der Musikwelt nicht nur ein „geistvolles Intrigenstück“, sondern auch eine Musikkomödie von meisterhafter Qualität hinterlassen. Der heiratswillige, aber geräuschempfindliche Sir Morosus, der durch eine Intrige seines Neffen Henry zunächst verehelicht und dann vom Heiratswunsch kuriert wird, verkörpert immerwährende Gesellschaftskritik auf beinahe karikaturistische Weise. „Richard Strauss, Die Schweigsame Frau, Barrie Kosky
Bayerische Staatsoper“
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Der US-Tenor Robert Watson strahlt herrlich in Verdis "Nabucco"

Giuseppe Verdi, Nabucco
Deutsche Oper Berlin
, 1. November 2017
Roberto Rizzi Brignoli, Dirigent
Keith Warner, Inszenierung
Tilo Steffens, Bühne
Claudia Gotta, Spielleitung
Dalibor Jenis, Nabucco
Anna Smirnova, Abigaille
Robert Watson, Ismaele
Vitalij Kowaljow, Zaccaria

von Yehya Alazem

Giuseppe Verdis dritte Oper „Nabucco“, sein erster großer Erfolg, feierte ihre Premiere 1842 am Mailänder Teatro alla Scala. Wie die meisten Opern dieser Zeit hat „Nabucco“ eine historische Handlung, die eigentlich unkompliziert ist – das Libretto passt bestens zur wunderbaren Partitur. „Giuseppe Verdi, Nabucco,
Deutsche Oper Berlin“
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Ein magischer Abend, um den jedes Opernhaus die Wiener Staatsoper beneidet

Francesco Cilèa: Adriana Lecouvreur
Wiener Staatsoper, 7. November 2017
Anna Netrebko: Adriana Lecouvreur
Piotr Beszala: Maurizio, Conte di Sassonia
Elena Zhidkova: La Principessa di Bouillon
Roberto Frontali: Michonnet
Alexandru Moisiuc: Il Principe di Bouillon
Raúl Giménez: Abate
Pavel Kolgatin: Poisson
Tobias Huemer: Haushofmeister
Ryan Speedo Green: Quinault
Evelino Pidò: Dirigent
Orchester und Bühnenorchester der Wiener Staatsoper
Chor der Wiener Staatsoper

 

Schätzen Sie sich glücklich, wenn Sie ein Ticket für kommenden Sonntag, 12. November 2017, 18.30 Uhr in der Wiener Staatsoper haben – und für den 15. und 18. November: Falls nicht: Lassen Sie sich auf Wartelisten setzen, bestechen Sie Mitarbeiter des Kartenbüros mit ihrem charmantesten Lächeln, schenken Sie Menschen, die ein Ticket haben, Fernreisen oder Restaurantbesuche – allein eine einzige Arie lohnt den Besuch und den damit verbundenen Aufwand. „Francesco Cilèa, Adriana Lecouvreur, Anna Netrebko, Piotr Beczala, Elena Zhidkova,
Wiener Staatsoper“
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Götterdämmerung: Der Badische Staatsopernchor löst wohlige Schauer aus

Richard Wagner, Götterdämmerung
Staatstheater Karlsruhe, 5. November 2017

Brünnhilde, Heidi Melton
1. Norn/Waltraute/Flosshilde, Katharine Tier
2. Norn/Wellgunde, Dilara Baştar
3. Norn, An de Ridder
Woglinde, Agnieszka Tomaszewska
Gutrune, Christina Niessen
Siegfried, Daniel Frank
Hagen, Kammersänger Konstantin Gorny
Gunther, Kammersänger Armin Kolarczyk
Alberich, Jaco Venter
Musikalische Leitung, GMD Justin Brown
Regie, Tobias Kratzer
Bühne & Kostüme, Rainer Sellmaier
Licht, Stefan Winke
Chorleitung, Ulrich Wagner
Dramaturgie, Bettina Bartz, Boris Kehrmann

Von Sebastian Koik

Diese Götterdämmerung ist ein Coup! Dem Badischen Staatstheater Karlsruhe und dem jungen Regisseur Tobias Kratzer gelingt ein ganz, ganz großer Wurf, eine Regie-Sensation! Selten war die Oper ein Ort derart großer Kreativität und Lebendigkeit.Stimmlich war in Baden dagegen nicht nur alles Gold, was glänzte.

Richard Wagner, Götterdämmerung, Staatstheater Karlsruhe

Die US-amerikanische Sopranistin Heidi Melton beschenkt als Brünnhilde das Publikum gleich zu Beginn mit wundervollen Gänsehaut-Momenten. Sie verfügt über eine kräftige Stimme mit langem Atem. In den Höhen ist sie oft etwas schrill. Lange Töne wackeln bei ihr ein wenig.

Der Tenor Daniel Frank gefällt sehr als Siegfried, mit einem ganz starken Auftritt in der Jagdszene, die ihm am Ende den Tod bringen soll. Seine Stimme ist dicht, herrlich dramatisch und lyrisch zugleich. Sie strahlt prächtig und schön. Er überzeugt mit langem Atem und Präzision, hält auch wunderbar die langen Töne. Leider zwingt ihn die Regie darstellerisch in die Rolle des wahrscheinlich unheldischsten Siegfrieds aller Zeiten. Gesanglich ist er neben dem phantastischen Badischen Staatsopernchor und An de Ridder als dritte Norn das Highlight des Abends.

Der in Russland geborene Bass Konstantin Gorny präsentiert sich als stimmlich sehr starker Hagen, tief, sonor, wunderbar weich und warm im Klang, dicht, schön und kräftig, herrlich dramatisch und mit viel Luft. Gegen Ende lässt er nach, seine Stimme verliert an Kraft, seine vormals wunderbaren Tiefen klingen unnatürlicher und angestrengter … und auch er beginnt im Verlauf des Abends bei langen Tönen unschön zu wackeln.

Der Bariton Armin Kolarczyk als Gunther zeigt sich zu Beginn mit einer großen Stimme. Doch auch seine Sangeskraft lässt im Verlauf der mehr als vier Stunden langen „Götterdämmerung“ nach. Er wird gesanglich nach einer Weile etwas blass und kann lange Töne nicht mehr halten.

Der südafrikanische Bariton Jaco Venter ist wunderbar in der Bühnen-Darstellung des Alberich, agiert körperlich und atmosphärisch mit großer Präsenz. Im Gesang ist er aber etwas schwach und dünn und wackelt an diesem dritten Tag des Bühnenfestspiels selbst bei mittellangen Tönen.

Die Sopranistin An de Ridder gefällt stimmlich sehr als 3. Norn. Sie singt zu jeder Zeit souverän und klangschön.

Solide präsentieren sich Katharine Tier als 1. Norn, Waltraute und Floßhilde, Christina Niessen als Gutrune, Dilara Baştar als 2. Norn und Wellgunde und Agnieszka Tomaszewska als Woglinde. Sie alle machen ihre Sache gut, ohne größere Auffälligkeiten nach oben oder unten.

Das Orchester zeigt sich in dieser Aufführung die meiste Zeit gut, aber nicht immer ganz präzise. Oft wünschte man sich ein wenig mehr Mut, etwas mehr Schärfe und Lautstärke. Es wirkt ein klein wenig zu schüchtern und reserviert und vermag deshalb oft auch nicht ganz so sehr zu bezaubern, zu verführen und zu überwältigen wie es die Komposition Richard Wagners hergibt und eigentlich auch verlangt.

Auch im Aufbau von Spannung und Dramatik wünschte man sich etwas mehr von dem Orchester unter dem britischen Dirigenten Justin Brown, vor allem im dritten Akt, in dem die MusikerInnen das Publikum lange Zeit nicht so ganz fesseln können und sogar ein wenig musikalische Langeweile aufkommt.

Aber dann! Ganz zum Schluss, als Brünnhilde die Geschehnisse zurückspult und einer nach dem anderen wieder lebendig wird, schwingt sich das Orchester unter Brown zu ungeahnten Höhenflügen auf. Der Karlsruher Klangkörper spielt jetzt ganz groß auf, rauschhaft und in wundervollster Schönheit. Hier legen die MusikerInnen ihre Schüchternheit und jede Reserviertheit ab. Sie werfen sich in die Musik, dass es eine wahre Freude ist.

Die Streicher präsentieren sich jetzt unfassbar stark, glänzen mit vollendeter Schönheit. Wenn man es nicht wüsste, könnte diese Musik jetzt auch von einem der besten Orchester der Welt aus Wien, Dresden, Chicago oder Amsterdam kommen. Das ist ganz groß. Gänsehaut.

Sehr stark ist der Männerchor des Badischen Staatsopernchores! Er bezaubert mit enormer Präzision und Schärfe, langem Atem und Klangschönheit. Er ist mächtig, laut und beeindruckend und bei aller imposanten Massivität herrlich spritzig und agil. Wow! Dieser wunderbare Chor löst in einigen Momenten wohlige Schauer aus und ist ein musikalisches Highlight des Abends!

Sebastian Koik, 10. November 2017, für
klassik-begeistert.de

Lutherlied und Messgesang bieten nicht nur Wohlklang

Das Herbstkonzert des Freiburger Bachchors steht ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums

Johann Sebastian Bach Eine feste Burg ist unser Gott, BWV 80
Doppelkonzert für Oboe und Violine, BWV 1060
Lutherische Messe in G-Dur, BWV 236
Freiburger Bachchor, Freiburger Bachorchester
Musikalische Leitung Hannes Reich
Assistenz Anette Drengk
Sopran Monika Mauch
Alt Lena Sutor-Wernich
Tenor Stephan Scherpe
Bass Matthias Horn
Violine Lisa Immer
Oboe Luise Baumgartl
Herz-Jesu-Kirche, Freiburg, 5. November 2017

von Leah Biebert

Das Jahr 2017 ist Reformationsjahr. Das bedeutet viel Kirchenmusik in den Programmen der Freiburger Konzertchöre. Fünf Tage nach den offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten gab der Bachchor in den kalten Hallen der Herz-Jesu-Kirche Werke von Johann Sebastian Bach zum Besten, die (teilweise indirekt) mit diesem Ereignis zu tun haben. „Freiburger Bachchor, Freiburger Bachorchester, Johann Sebastian Bach, Herz-Jesu-Kirche, Freiburg“ weiterlesen