Zuschauer buhen die Weihnachtsbeleuchtung aus

Die Zauberflöte, Wolfgang Amadeus Mozart
Hamburgische Staatsoper, 23. September 2016

Mit sehr schönen Worten hatte die Hamburgische Staatsoper zur Eröffnung der Saison 2016/17 zur Premiere der „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart in das Haus an der Dammtorstraße geladen: „Diese Oper ist ein Theater der Welt: Sie erzählt vom Älterwerden, von Prüfungen, von undurchsichtigen Entscheidungen. Einer ist auf der Suche nach Individualität, manch anderer ist zu bequem dazu. Andere propagieren, dass die Gemeinschaft der einzig richtige Ort für den Einzelnen sei. Es wird geliebt und geträumt, getäuscht und vertraut. Selbstmorde werden verhindert, Examina abgenommen, Abenteuer bestanden. Die Welt der Zauberflöte ist undurchsichtig, jeder versucht, seinen Weg zu finden: in ihr, aus ihr hinaus oder in sie hinein. Wer steuert das Ganze? Wem ist zu trauen? Der Musik vielleicht?“ „Die Zauberflöte, W. A. Mozart,
Hamburgische Staatsoper“
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Zwei Einspringer lassen die Stars vergessen

The Dream of Gerontius, Edward Elgar
Philharmonie Berlin, 19. September 2016

Es hätte leicht ein Flop werden können. Da sagt erst der Tenor ab, und was für einer: Jonas Kaufmann. Dann sagt dessen Einspringer ab. Und dann sagt auch noch die Mezzosopranistin ab – so dass von den Solisten nur noch der angesetzte Bariton, Thomas Hampson, auf der Bühne erscheint. Aber die beiden Einspringer machten am Montagabend ihre Sache ganz hervorragend, und so geriet „The Dream of Gerontius“ von Edward Elgar in der Philharmonie Berlin zu einem ganz wunderbaren und eindrucksvollen Konzertabend. „The Dream of Gerontius, E. Elgar,
Philharmonie Berlin“
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Ein Abend voller Kraft und Schönheit

Tosca, Giacomo Puccini
Staatsoper im Schiller Theater, Berlin, 18. September 2016

Die Musik der Oper Tosca von Giacomo Puccini, darin sind sich die meisten Opernliebhaber einig, ist traumhaft schön. Die Magie dieser Meisterkomposition, die erstmals am 14. Januar 1900 im Teatro Costanzi in Rom erklang, war auch bei der Aufführung in der Staatsoper im Schiller Theater am Sonntag zu spüren. Die Staatskapelle Berlin unter Domingo Hindoyan, der Staatsopernchor und der Kinderchor der Staatsoper sowie mitunter phantastische Solisten sorgten für einen sehr gelungenen Abend in der kleineren, provisorischen Oper an der Bismarckstraße. „Tosca, G. Puccini,
Staatsoper, Berlin“
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Klaus Florian Vogt bringt die Staatsoper zum Toben

Lohengrin, Richard Wagner
Wiener Staatsoper, 11. September 2016

Der Programmzettel versprach einen Abend der Extraklasse: Günther Groissböck als König Heinrich der Vogler, Klaus Florian Vogt als Lohengrin, Ricarda Merbeth als Elsa von Brabant, Tomasz Konieczny als Friedrich von Telramund und Petra Lang als Ortrud. Am Pult der neue Chef der New York Metropolitan Opera, Yannick Nézet-Séguin, und im Graben das Orchester der Wiener Staatsoper in bester Besetzung. Dazu der stimmgewaltige Chor und Extrachor. „Lohengrin, R. Wagner,
Wiener Staatsoper“
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Anna Netrebko singt wie von einem anderen Stern

Verismo, Konzert von Anna Netrebko und Yusif Eyvazov
Laeiszhalle Hamburg, 28. August 2016

Für die russische Sopranistin Anna Netrebko gehen manche Menschen durch Dick und Dünn. „Ich würde mein Leben geben für sie“, sagt der Hamburger Dr. Carsten Meyer-Tönnesmann, 62. Der frühere erste Trompeter in St. Michaelis und Musikwissenschaftler ist der bekanntesten Opernsängerin der Welt schon an viele Orte gefolgt. An diesem Sonntag hatte der Mann aus Hamburg-Rissen ein Heimspiel: Seine Anna sang mit ihrem Mann Yusif Eyvazov in der Hamburger Laeiszhalle 13 Arien und Duette aus ihrem neuen Album „Verismo“, das am Freitag in den Handel kommt und ab sofort im Internet zu bestellen ist. „Verismo, Anna Netrebko + Yusif Eyvazov, Laeiszhalle, Hamburg“ weiterlesen

Gewusel im Festspielhaus

Götterdämmerung, Richard Wagner
Bayreuther Festspiele, 16. August 2016

Tobias Rüther, 48, und Andreas Kühler, 48, aus München sind erfahrene Festspielbesucher. Sie sind das siebte Mal in Bayreuth und besuchen an diesem Abend die Einzelaufführung der „Götterdämmerung“, den vierten Teil des „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner. Obwohl sie Text, Musik und Handlung sehr gut kennen, blättern sie in beiden Pausen im kleinen Textbuch von Reclam. „Schade, dass es in Bayreuth keine Übertitel gibt“, sagt Tobias Rüther. „Leider sind die Sänger größtenteils nicht zu verstehen.“ „Götterdämmerung, R. Wagner,
Bayreuther Festspiele“
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Bis in die letzte Ritze des Festspielhauses

Der fliegende Holländer, Richard Wagner
Bayreuther Festspiele, 14. August 2016

Jan Philipp Glogers „Fliegender Holländer“ aus dem Jahr 2012 kommt bei den Besuchern der Bayreuther Festspiele gut an. Der Holländer ist ein erfolgreicher Geschäftsmann mit Rollkoffer und Kaffeebecher. Seinen Stoßseufzer könnte heute mancher erfolgreicher Single unterschreiben: „Was frommt der Schatz? Ich habe weder Weib noch Kind, und meine Heimat find‘ ich nie!“ „Der fliegende Holländer, Wagner,
Bayreuther Festspiele“
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Was sagten Tristan und Isolde?

Tristan und Isolde, Richard Wagner
Bayreuther Festspiele, 13. August 2016

Der Vorsitzende der Wagnergenootschap Nederland, Leo Cornelissen, 74, aus Amsterdam hat seinen großen Meister schon unzählige Male gehört. Trotzdem kommt er immer wieder gerne zu den Festspielen nach Bayreuth, vor allem wenn Christian Thielemann wie an diesem Samstag „Tristan und Isolde“ dirigiert. „Wagner machen, das kann er wie kein zweiter“, sagt der erste Wagnerianer der Niederlande, also der Chef des niederländischen Pendants zum deutschen Richard-Wagner-Verband. „Das Festspielorchester spielt unter Thielemann wirklich phänomenal, es ist berührend schön, dabei zu sein.“

„Tristan und Isolde, R. Wagner,
Bayreuther Festspiele, Bayreuth“
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Jonas Kaufmann ist kein Meistersinger

Die Meistersinger von Nürnberg, Richard Wagner
Bayerische Staatsoper, München, 31. Juli 2016

Er ist ein Sänger, der bei Millionen Fans weltweit Gänsehautgefühl zu erzeugen vermag: Jonas Kaufmann, der Jahrhundert-Tenor aus München. Was er am letzten Abend der Münchner Opernfestspiele als Walther von Stolzing in Richard Wagners komischer Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ ablieferte, war indes Meilen entfernt von seinem erwärmenden, melodisch-ergreifenden Gesangsvermögen. Der Abend geriet für den Münchner stimmlich daneben – was sich in nur höflichem Beifall nach der viereinhalbstündigen Aufführung manifestierte.

„Die Meistersinger von Nürnberg,
R. Wagner, Bayerische Staatsoper“
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Anja Harteros überragt den Maskenball

Un ballo in maschera, Guiseppe Verdi
Bayerische Staatsoper, München, Samstag, 30. Juli 2016

Bei Guiseppe Verdi kommen Rolf Häußner, 72, oft die Tränen. „Die Musik berührt mich, und ich muss weinen“, sagt der Frankfurter. An diesem Abend in der Bayerischen Staatsoper ist die nicht nur für Rolf Häußner emotionalste Stelle das Liebesduett „Teco io sto / Ich bin Dir nah“ im zweiten Akt des „Maskenballs“ („Un ballo in maschera“). Der Dirigent Daniele Callegari führt das Bayerische Staatsorchester hoch sensibel durch diese göttlichen Minuten; das Solo-Cello spielt wunderbar weich und die Sopranistin Anja Harteros singt wie von einem anderen Stern – von strahlenden Höhen bis zu samtigen Tiefen mit weichem Schmelz.

„Un ballo in maschera, G. Verdi,
Bayerische Staatsoper“
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