Mit brennender Intensität und feinster Sensibilität verströmt das Belcea Quartet Magie

Belcea Quartett, Cuarteto Casals, Johannes Brahms,  Laeiszhalle Hamburg

Belcea Quartet:
Corina Belcea Violine
Axel Schacher Violine
Krzysztof Chorzelski Viola
Antoine Lederlin Violoncello
Cuarteto Casals:
Vera Martínez-Mehner Violine
Abel Tomàs Realp Violine
Jonathan Brown Viola
Arnau Tomàs Violoncello
Johannes Brahms
Streichsextett Nr. 1 B-Dur op. 18
Streichsextett Nr. 2 G-Dur op. 36
Laeiszhalle, Kleiner Saal, 28. Mai 2017

Von Sebastian Koik

Das Belcea Quartet ist ein Ensemble, bei dem allerhöchste Qualität garantiert ist. Als Freund der Kammermusik oder von Streichquartetten sollte man sich keinen Auftritt von ihnen entgehen lassen! Ihr letztes Konzert am 26. Februar im Kleinen Saal der Elbphilharmonie war vom ersten bis zum letzten Ton vollkommen und wurde zu Recht vom Publikum begeistert bejubelt.

Heute stehen zwei Streichsextette von Brahms auf dem Programm, bei denen sich das Belcea Quartet und das ebenfalls sehr renommierte Cuarteto Casals jeweils den Bratschisten und Cellisten aus der anderen Formation leiht und so zwei gemischte Sextette bildet.

Es beginnt das ergänzte Belcea Quartet. Das Streichsextett Nr. 1 B-Dur von Brahms ist wunderschöne Musik und wird von den sechs Musikern großartig gespielt. Der Klang ist warm und getränkt von Gefühl, dabei immer hochpräzise. Die sechs Streicher begeistern mit Musikalität, Tiefe und Dramatik. Einziger, winziger Makel ist, dass die beiden Cellisten in den gezupften Stellen einen Hauch zu träge agieren. Eine Spur mehr Knackigkeit und Spritzigkeit fehlen für absolute Perfektion. Auch ist Antoine Lederlin bei den gezupften Stellen etwas zu leise.

Das Zuhören macht großen Spaß, der Vortrag des Sextetts reißt mit und beeindruckt mit Intensität, allen voran bei der Violinistin Corina Belcea mit ihrem unglaublich klangschönen und -mächtigen Instrument: einer Stradivari von 1666 und damit dem ältesten bekannten Modell des legendären Geigenbauers.

Und Frau Frau Belcea holt alles aus dem Instrument raus. Ihr Vortrag ist sensationell gut, besser und leidenschaftlicher interpretiert kann man sich diese Musik nicht vorstellen! Sie spielt mit einer derart feurigen Intensität, dass man nicht überrascht wäre, erstmals zu sehen, wie eine Geige auf der Bühne zu brennen beginnt. Auch in den virtuosesten Passagen im dritten Satz schwebt Frau Belcea weit über jedem Gedanken an technische Schwierigkeiten. Sie glänzt in jedem Moment durch makellose Souveränität und Musikalität. Corina Belcea holt wirklich in jeglicher Hinsicht das Maximum aus Brahms‘ Komposition heraus. Denn bei aller Intensität, Leidenschaft und Virtuosität präsentiert sie auch jede kleinste Nuance und jeden feinsten Zwischenton sensibel mit perfektem Ausdruck. Kein Detail geht bei ihr verloren.

Der Applaus für diese kammermusikalische Meisterleistung ist riesig. Das Publikum jubelt und dankt mit Bravo-Rufen.

Im zweiten Teil gibt das ergänzte Cuarteto Casals das Streichsextett Nr. 2 G-Dur ebenfalls intensiv, feurig und stark. Auch Vera Martínez-Mehner begeistert mit ihrem Geigenspiel. Außer dem wieder leicht zu trägen Zupfen der Cellisten schenkt das Sextett den Zuhörern zwei makellose erste Sätze.

Im dritten Satz vermag die Musik nicht mehr jederzeit zu fesseln und in den schnellen Passagen schwebt die Violinistin des Cuarteto Casals nicht ganz so souverän über den technischen Herausforderungen wie Corina Belcea. Sie wirkt hier auf höchstem Niveau einen Hauch unsauber und nicht ganz so blitzschnell wie ihre Kollegin vom Belcea Quartet. Mit dem Bogen präsentiert sie sich höchst virtuos und faszinierend elegant. Insgesamt ist der Vortrag nicht ganz so magisch wie beim ersten Sextett und der fast überirdisch starken Corina Belcea.

Der Applaus ist groß. Auch für diesen Auftritt gibt es Bravo-Rufe. Nicht nur in der Elbphilharmonie, sondern auch in der Laeiszhalle ist noch Weltklasse-Musik zu hören. Doch es wird deutlich, wie wichtig der lockende neue Bau ist. Denn der Altersschnitt des Publikums an diesem Abend ist extrem hoch. Ohne die Elbphilharmonie müsste man sich ernsthafte Sorgen machen, dass das Publikum für klassische Konzerte in Hamburg ausstirbt.

Sebastian Koik, 31. Mai 2017 für
klassik-begeistert.de

 

Ein Gedanke zu „Belcea Quartett, Cuarteto Casals, Johannes Brahms,
Laeiszhalle Hamburg“

  1. Das war Kammermusik vom Feinsten – tatsächlich mit brennender 1. Geige der Primgeigerin – und einem Feuerkopf am Cello. Zu leise gezupft? Nö.
    Matthias Neumann

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