Jonas Kaufmann brilliert als Andrea Chénier in der Bayerischen Staatsoper

Anja Harteros reicht derzeit keine Sopranistin das Wasser

Umberto Giordano, Andrea Chénier
Bayerische Staatsoper, München, 2. Dezember 2017

von Ulrich Poser

Schlechte Nachrichten gibt es leider genug. Aus diesem Grunde schreibt der Autor nichts über den anfänglichen „Schwabenterror“ im Parkett (“I woisch net, wiet Oper heißt, in der mer heit san”), über lautstarke Störungen liebenswerter, aber leider schon etwas seniler Zeitgenossen (“Ist das der Johann Kaufmann?”). Auch über das Einheitsgesicht der reifen Damen der Münchner Schickeria (“Grüßen Sie bitte Professor Mang ganz herzlich”) wird ebenso wenig geschrieben, wie über das unsagbar kindische Bühnenbild von Philipp Stölzl und Heike Vollmer: Fehlte nur noch eine Eisenbahn, und die Harz-Romantik wäre vollkommen gewesen; der Holzmichl lässt grüßen. „Umberto Giordano, Andrea Chénier,
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Ein südsommerlicher Abend von fantastischer musikalischer Klasse

Giuseppe Verdi, Simon Boccanegra
Bayerische Staatsoper
, München, 30. November 2017

von Raphael Eckardt

Tragische Schicksalsschläge, zwielichtige Machtspiele, temperamentvolle italienische Familienstreitereien. Mit Giuseppe Verdis wohl düsterster Oper steht in München derzeit eine verheißungsvolle Produktion auf dem Spielplan, die einen südsommerlichen Abend im kalten deutschen November verspricht. Nicht zuletzt, weil Dmitri Tcherniakov eine alte Thematik als modernes, mafioses Machtspiel inszeniert. Mit jeder Menge Intrigen und einer gewaltigen Portion Spannung. „Giuseppe Verdi, Simon Boccanegra,
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Anna Karenina:
Für Augen und Ohren ein Hochgenuss

Sergej Rachmaninow, Witold Lutoslawski, Anna Karenina
Bayerische Staatsoper, München, 25. November 2017
Christian Spuck Choreographie

von Raphael Eckardt

Mit „Anna Karenina“ steht in München derzeit eine Ballettproduktion auf dem Spielplan, die rein themenbezogen aktueller kaum sein könnte: Eine Frau nimmt sich selbst ihre (auch durch andere Frauen erkämpften) Freiheiten und bringt damit die russische Gesellschaft gegen sich auf. Dass Leo Tolstoi bereits 1878 in seinem Roman „Anna Karenina“ auf derartiges Themenmaterial zurückgriff, zeigt nicht nur die scheinbare Zeitlosigkeit von Gesellschaftsproblemen in Osteuropa auf, sondern stellte an diesem Abend auch den Choreographen Christian Spuck vor eine Herkulesaufgabe. Denn: Besonders komplex ist Lew Tolstois Literatur zwar selten, aber durch ihre oft unüberschaubare Länge und schier endlose Anzahl von handelnden Personen ist sie als Bühnenspielumsetzung durchaus eine szenische Herausforderung. „Sergej Rachmaninow, Witold Lutoslawski, Anna Karenina,
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Durch Anja Harteros erhält "Tosca" 100 Punkte mehr Lieblings-Oper-Potenzial

Silbriges Glänzen und #meetoo-Feeling

Giacomo Puccini – Tosca
Bayerische Staatsoper, 14. November 2017
Musikalische Leitung – Daniele Callegari
Inszenierung – Luc Bondy
Floria Tosca – Anja Harteros
Mario Cavaradossi – Joseph Calleja
Baron Scarpia – Željko Lučić
Cesare Angelotti – Goran Jurić
Bayerisches Staatsorchester
Chor, Kinderchor und Statisterie der Bayerischen Staatsoper

von Maria Steinhilber

München friert. Die oft so sonnige Stadt fröstelt sich von Akt zu Akt des Melodramas „Tosca“ von Giacomo Puccini. Das Libretto stammt von Giuseppe Gicosa und Luigi Illica. Grundlage der Oper ist das Drama „La Tosca“ von Victoire Sardou, uraufgeführt 1887. „Giacomo Puccini, Tosca, Anja Harteros, Joseph Calleja, Daniele Callegari
Bayerische Staatsoper“
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Diese Barrie-Kosky-Inszenierung sollte im oft viel zu braven München keine Seltenheit bleiben

Richard Strauss, Die Schweigsame Frau
Bayerische Staatsoper, München, 12. November 2017
Musikalische Leitung, Stefan Soltesz
Inszenierung, Barrie Kosky
Sir Morosus, Lars Woldt
Henry Morosus, Pavol Breslik
Aminta, Branda Rae
Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

von Raphael Eckhardt

Mit seiner einzigen komischen Oper hat Richard Strauss der Musikwelt nicht nur ein „geistvolles Intrigenstück“, sondern auch eine Musikkomödie von meisterhafter Qualität hinterlassen. Der heiratswillige, aber geräuschempfindliche Sir Morosus, der durch eine Intrige seines Neffen Henry zunächst verehelicht und dann vom Heiratswunsch kuriert wird, verkörpert immerwährende Gesellschaftskritik auf beinahe karikaturistische Weise. „Richard Strauss, Die Schweigsame Frau, Barrie Kosky
Bayerische Staatsoper“
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Oksana Lyniv gibt sich als Architektin eines famosen Uhrwerks, das ganz München in einer emotionalen Einheit ticken lässt

Dmitri Schostakowitsch, Lady Macbeth von Mzensk
Bayerische Staatsoper, 29. Oktober 2017
– Korrigierte Fassung –

von Raphael Eckardt

Ein dunkler Himmel legt sich über die Wolga. Zwangsarbeiter rasten auf ihrer Reise in die sibirische Ungewissheit, in eine Hoffnungslosigkeit, die voller Intrigen ist. Unter ihnen Katerina Ismailowa (Anja Kampe) und ihr Geliebter, Sergej (Misha Didyk). Der Schein trügt, die Liebe hat gelogen. Er hat längst eine andere. Über einen maroden Steg findet Katerina ihre Freiheit aus dem Wasser. Ihre Freiheit in den unvermeidbaren Tod. „Dmitri Schostakowitsch, Lady Macbeth von Mzensk,
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Ohne musikalische Liebe, ohne musikalische Leidenschaft! Münchens Ballettrevolution scheitert an Musik-Dilettantismus

 

La Bayadère, Marius Petipa/ Patrice Bart – Musik: Ludwig Minkus
Bayerische Staatsoper, München, 14. Oktober 2017
Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts
Bayerisches Staatsorchester
Michael Schmidtsdorff Dirigent

von Raphael Eckardt

Es ist noch nicht allzu lange her, als das Bayerische Staatsballett mit „La Bayadère“ einen eher durchschnittlichen Erfolg landete. Da überrascht es aktuell umso mehr, dass Marius Petipas Meisterwerk erneut im Opernspielplan zu finden ist. Nein, feige sind sie da nicht im feinen München! Geht einmal etwas schief, versucht man es beim nächsten Mal eben erneut. Nur ein bisschen besser, mit besserer Besetzung, einer hoffentlich reiferen musikalischen Struktur und ein bisschen mehr Charme. „La Bayadère, Bayerisches Staatsballett, Bayerisches Staatsorchester,
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Eiskalt, authentisch und beinahe magisch zieht Anja Kampe die Opernbesucher in ihren Bann

Dmitri Schostakowitsch, Lady Macbeth von Mzensk
Bayerische Staatsoper, 22. Juli 2017

Musikalische Leitung Kirill Petrenko
Inszenierung Harry Kupfer
Boris Timofejewitsch Ismailow – Anatoli Kotscherga
Sinowi Borissowitsch Ismailow – Sergey Skorokhodov
Katerina Lwowna Ismailowa – Anja Kampe
Sergej – Misha Didyk
Axinja – Carole Wilson
Schäbiger – Kevin Conners
Verwalter – Christian Rieger
Hausknecht – Sean Michael Plumb
Mühlenarbeiter – Milan Siljanov
Pope – Goran Jurić
Polizeichef – Alexander Tsymbalyuk
Polizist – Kristof Klorek
Lehrer – Dean Power
Sergeant – Peter Lobert
Wächter – Igor Tsarkov
Sonjetka – Anna Lapkovskaja
Alter Zwangsarbeiter – Alexander Tsymbalyuk
Zwangsarbeiterin – Selene Zanetti
Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

von Raphael Eckardt

Dmitri Schostakowitsch darf man sicherlich guten Gewissens zu den Grenzüberschreitern in der Musik zählen. Da ist es umso spannender, dass seine wohl skandalträchtigste Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ nun ausgerechnet im konservativ angehauchten München zu sehen ist. Brillant inszeniert vom Wagnerspezialisten Harry Kupfer und noch brillanter dirigiert von Kirill Petrenko. „Dmitri Schostakowitsch, Lady Macbeth von Mzensk, Kirill Petrenko, Harry Kupfer, Anja Kampe, Anatoli Kotscherga, Sergey Skorokhodov, Misha Didyk,
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Viva Diana di Lammermoor!

Gaetano Donizetti – Lucia di Lammermoor
Bayerische Staatsoper, 13. Juli 2017
Musikalische Leitung – Oksana Lini
Inszenierung – Barbara Wysocka
Bühne – Barbara Hanicka
Lord Enrico Ashton – Ambrogio Maestri
Lucia Ashton – Diana Damrau
Sir Edgardo di Ravenswood – Charles Castronovo
Lord Arturo Bucklaw – Galeano Salas
Raimondo Bidebent – Nicolas Testé
Alisa – Deniz Uzun
Normanno – Dean Power
Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

von Maria Steinhilber

 Nach dem zweiten und dritten Gong füllt sich die Bayerische Staatsoper schlagartig. Kein einziger freier Platz ist zu finden. „Ausverkauft“, verkündet die Abendkasse. Eine Weltklasse-Besetzung lockt viele Belcanto-Freunde aus dem Wohnzimmer. Jeder erwartet voller Spannung „Lucia di Lammermoor“, Gaetano Donizettis Oper in drei Akten. „Gaetano Donizetti, Lucia di Lammermoor, Oksana Lyniv, Ambrogio Maestri, Diana Damrau, Charles Castronovo
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"Die Gezeichneten" von Franz Schreker: Tolle und üppige Musik für Klassiklieberhaber

Franz Schreker – Die Gezeichneten
Bayerische Staatsoper, 7. Juli 2017
Musikalische Leitung – Ingo Metzmacher
Inszenierung – Krzysztof Warlikowski
Bühne und Kostüme – Małgorzata Szczęśniak
Choreographie – Claude Bardouil
Video – Denis Guéguin
Dramaturgie – Miron Hakenbeck
Herzog Antoniotto Adorno – Tomasz Konieczny
Graf Andrea Vitellozzo Tamare – Christopher Maltman
Lodovico Nardi – Alastair Miles
Carlotta Nardi – Catherine Naglestad
Alviano Salvago – John Daszak
Kinderchor der Bayerischen Staatsoper
Chor der Bayerischen Staatsoper
Bayerisches Staatsorchester

von Raphael Eckardt

Mit Franz Schrekers „Die Gezeichneten“ steht eine Produktion im Münchner Opernprogramm, die nicht allzu oft auf den Spielplänen der großen Opernhäuser dieser Welt zu finden ist. Uraufgeführt 1917 in Frankfurt, spielt die Handlung im zu dieser Zeit sehr beliebten Renaissance-Zeitalter. Da passt es wunderbar, dass wir uns in einer Art „Schreker-Renaissance“ befinden, die in München im Jahr 2017 ihren Höhepunkt zu finden scheint. „Franz Schreker, Die Gezeichneten, 07.07.2017, Ingo Metzmacher, Tomasz Konieczny, Christopher Maltman, Alastair Miles, Catherine Naglestad, John Daszak,
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