Teodor Currentzis bringt wie ein Dynamo alles zum Strahlen – Hamburger Zuschauer blamieren sich bis auf die Knochen in der Elbphilharmonie

Mahler Chamber Orchestra
MusicAeterna Chor
Teodor Currentzis Dirigent
Sophia Burgos Sopran
Luciano Berio – Call (St. Louis Fanfare) (1985/87)
György Ligeti – Lux aeterna (1966)
Claude Vivier – Lonely Child (1980)
Luciano Berio – Coro (1975/1976)
Elbphilharmonie, 29. Mai 2017

von Ricarda Ott

Dunkel war der Große Saal der Elbphilharmonie, schummrig-dämmrig, als die Türen geschlossen wurden. Nur vereinzelt leuchteten die Pultlampen. Dann lösten sich zwei Perkussionisten aus der Szenerie: ein leises, frei rhythmisiertes Grollen der Pauke und der atmosphärische Klang des Gongs. Die Bühnentüren öffneten sich – andächtig strömten die Interpreten des Abends hinaus. Bis auf die Sopranistin Sophia Burgos alle ausnahmslos in Schwarz, der Chor sogar in bodenlangen Kutten. „Teodor Currentzis, Dirigent, Mahler Chamber Orchestra, MusicAeterna Chor, Sophia Burgos, Sopran,
Elbphilharmonie Hamburg“
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Das dynamisch wallende Anschwellen der Musik gelingt vorzüglich und setzt große Kraft frei

Richard Wagner, Das Rheingold
NDR Elbphilharmonie Orchester
Dirigent Marek Janowski
Elbphilharmonie Hamburg, 26. Mai 2017

von Leon Battran

An diesem Abend schimmert das Rheingold mal an der Elbe. Und ja, der Auftakt zu Richard Wagners monumentaler Operntetralogie passt auch in den Konzertsaal. Unter dem fachmännischen Dirigat Marek Janowskis und mit einem zum Teil Bayreuth-erprobten Sängerensemble an der Seite navigierte das NDR Elbphilharmonie Orchester in XL-Besetzung durch eine überwältigende konzertante Aufführung von Wagners „Das Rheingold“ und bewies dabei einmal mehr große Meisterschaft. „Richard Wagner, Das Rheingold, NDR Elbphilharmonie Orchester, Marek Janowski,
Elbphilharmonie Hamburg“
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Besser geht Strauss nicht - Christian Thielemann gastiert mit Renée Fleming und der Dresdner Staatskapelle im Wiener Musikverein

Richard Strauss, Vier Letzte Lieder
Richard Strauss, Eine Alpensinfonie op. 64
Sächsische Staatskapelle Dresden
Christian Thielemann
Renée Fleming
Musikverein, Wien, 23. Mai 2017

von Antonia Tremmel-Scheinost

Kaum ein anderer verkörpert den Habitus des streitbaren wie exzellenten Maestros so bestechend wie Christian Thielemann. Künstler mit „ausgeprägtem Persönlichkeitsprofil“, zwischen Genie und Wahnsinn changierend, sind zwar keine Novität, dennoch hat der erfolgreichste Dirigent seiner Generation absoluten Seltenheitswert. „Richard Strauss, Vier Letzte Lieder, Eine Alpensinfonie, Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann, Renée Fleming,
Musikverein“
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Das ist so großartig, dass sich viele im Publikum fragen, ob sie jemals schöneren Gesang gehört haben

Die ELPH-Cellisten des NDR Elbphilharmonie Orchesters
J’Nai Bridges Mezzosopran
»A Cello Affair«
Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Richard Wagner, Heitor Villa-Lobos, George Gershwin, Astor Piazzolla u.a.
Elbphilharmonie, 22. Mai 2017

von Sebastian Koik

Es ist ein schöner Anblick, das wahrscheinlich erotischste aller Instrumente gleich elf Mal im Halbkreis auf der Bühne aufgestellt zu sehen. Wer befürchtet hat, dass ein Konzert nur von elf Cellisten etwas eintönig werden könnte, wird sehr schnell und nachhaltig eines Besseren belehrt. Zunächst einmal ist das Programm äußerst abwechslungsreich und stark zusammengestellt: Wagner, Mendelssohn Bartholdy, Saint-Saëns, Tango, Brasilianisches, Gershwin, Musical-Songs von Bernstein und Coleman und mehr. Zusätzlich sind die Songs so hervorragend und vielstimmig arrangiert, dass keinen einzigen Moment Langeweile aufkommt! „Die ELPH-Cellisten des NDR Elbphilharmonie Orchesters, J’Nai Bridges, Mezzosopran,
Elbphilharmonie“
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HISTORISCH TRIFFT AUF MODERN oder auch musikalischer Dilettantismus auf russische Perfektion

Ludwig van Beethoven,Trio für Klavier, Violine und Violoncello Es-Dur, op. 38
Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello B-Dur, op. 11, „Gassenhauer-Trio”
Septett für Violine, Viola, Klarinette, Horn, Fagott, Violoncello und Kontrabass Es-Dur, op. 20
Studierende der MUK (Musik und Kunst Privatuniversität Wien),
Wiener Musikverein, Gläserner Saal / Magna Auditorium, 22. Mai 2017

von Eva Hausegger

„Historisch trifft auf Modern“ heißt das von Studierenden der MUK (Musik und Kunst Privatuniversität Wien) erstellte Konzert-Programm. Eigentlich hätte man bei dieser Überschrift an Komponisten aus verschiedenen Epochen gedacht. Liest man weiter, ist jedoch klar, es handelt sich um Kammermusik von Ludwig van Beethoven. Doch wo trifft nun Historisch auf Modern? Klein angemerkt auf der Website sowie im Programmheft steht, dass im ersten Teil die zwei Klaviertrios mit historischen Instrumenten gespielt werden, das ist dann auch der Fall. Der Cellist spielt ein Barockcello und statt eines gewöhnlichen Flügels gibt es ein Hammerklavier. Man darf gespannt sein. „Studierende der Musik und Kunst Privatuniversität Wien, L. v. Beethoven,
Wiener Musikverein“
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In memoriam Sir Neville Mariner – am Ende fehlt ein Dirigent

Academy of St Martin in the Fields
Kit Armstrong Klavier
Tomo Keller Violine und Leitung
Benjamin Britten Variations on a theme by Frank Bridge op. 10
Wolfgang Amadeus Mozart Konzert für Klavier und Orchester Nr. 22 Es-Dur KV 482
Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543
Elbphilharmonie, 17. Mai 2017

Von Sebastian Koik

Der Konzertabend beginnt mit Variations on a theme by Frank Bridge op. 10 von Benjamin Britten. Die reine Streicherbesetzung braucht etwa fünf Minuten, um sich warm zu spielen, doch dann brilliert die Academy of St Martin in the Fields in der abwechslungsreichen Komposition, die dem jungen Britten einen frühen und durchschlagenden Erfolg bescherte. Jede der Variationen soll eine andere Facette von Brittens Lehrer, Mentor und Freund Frank Bridge zeigen und zitiert dabei unterschiedliche musikalische Stile und Stimmungen. Die Streicher spielen großartig: Mit extrem viel Biss, mit Tiefe, mit Kraft, mit Dramatik, mit gefühlvollem Schmelz, mit Intensität, mit großer musikalischer Spannung. Besser geht es nicht! „Academy of St Martin in the Fields, Kit Armstrong, Tomo Keller, Benjamin Britten, Wolfgang Amadeus Mozart,
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Das NDR Elbphilharmonie Orchester ist eines der am meisten unterschätzten Orchester der Welt

NDR Elbphilharmonie Orchester
Vilde Frang Violine
Dirigent Antonio Méndez
Mikhail Glinka Ouvertüre zu »Ruslan und Ludmila«
Béla Bartók Konzert für Violine und Orchester Nr. 1
Sergej Rachmaninow Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27
Elbphilharmonie, 14. Mai 2017

Eine Nachbetrachtung von Sebastian Koik

Sir Simon Rattle würde wohl von einer „Tapa“, einem kleinen musikalischen Appetithäppchen, sprechen. Das Konzert beginnt mit Mikhail Glinkas Ouvertüre zu »Ruslan und Ludmila«, einem schönen sechs minütigen Stück, das deutlich wohlschmeckender ist als Holts „Arcos“, der Tapa der Berliner Philharmoniker kürzlich in Hamburg. „NDR Elbphilharmonie Orchester, Vilde Frang, Antonio Méndez,
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Das NDR Elbphilharmonie Orchester zeigt sich von seiner Schokoladenseite

NDR Elbphilharmonie Orchester
Vadim Gluzman Violine
Dirigent Hannu Lintu
Jean Sibelius, Tapiola / Tondichtung für großes Orchester op. 112
Alban Berg, Konzert für Violine und Orchester »Dem Andenken eines Engels«
Carl Nielsen, Sinfonie Nr. 4 op. 29 »Das Unauslöschliche«

von Ricarda Ott

Statt Anton Bruckners Vierter gab es nordische Sinfonik. Statt Christoph von Dohanyi, ehemaliger Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters von 2004-2011, gab am Donnerstagabend der finnische Dirigent Hannu Lintu sein Debüt in der Klangmanege am Kaiserkai. Ein Programm gespickt mit einschneidenden Umänderungen und dennoch ein mitreißendes Konzert. „NDR Elbphilharmonie Orchester, Vadim Gluzman, Hannu Lintu,
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Eine Forelle im Wasser könnte lebhafter nicht sein als Alice Sara Ott und ihr Ensemble

Alice Sara Ott Klavier
Roland Greutter Violine
Jan Larsen Viola
Andreas Grünkorn Violoncello
Michael Rieber Kontrabass
Robert Schumann
Fünf Stücke im Volkston op. 102 für Violoncello und Klavier
Maurice Ravel
Sonate C-Dur für Violine und Violoncello
Franz Schubert
Klavierquintett A-Dur D 667 »Forellenquintett«
Elbphilharmonie Hamburg, 16. Mai 2017

von Leon Battran

Einen Abend von wunderbar pointierter Kammermusik bescherte die Pianistin Alice Sara Ott mit Ensemble dem Publikum im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Intim, bewegend und elektrisierend war die Musik, die die fünf ambitionierten Musiker mit sichtbarer Spielfreude und Hingabe erklingen ließen. „Alice Sara Ott, Roland Greutter, Jan Larsen, Andreas Grünkorn, Michael Rieber,
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Band vom Band – Steve Reichs Stücke für E-Gitarre im Kleinen Saal der Elbphilharmonie

Steve Reich, Electric Counterpoint, Nagoya Guitars, 2×5
Kalle Kalima und John Eckhardt, »Djupdalen«
Heiko Ossig E-Gitarre
Kalle Kalima E-Gitarre
John Eckhardt E-Bass
Ninon Gloger Keyboard
Jonathan Shapiro Schlagzeug

von Julian Bäder

Die „Minimal Music“ hatte schon immer eine riesig große Sogwirkung auf die Pop-Musik. Das lag vor allem an ihrer harmonischen Rückkehr zum Dur-Moll-System, aber auch an ihren generellen Eigenschaften: die Arbeit mit Repetitionen, Patterns und der starke Fokus auf den Rhythmus. „Steve Reich, Kalle Kalima und John Eckhardt – Heiko Ossig, Kalle Kalima, John Eckhardt, Ninon Gloger, Jonathan Shapiro,
Elbphilharmonie“
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