Berlin hat wieder ein Herz voll Hochkultur: die Staatsoper Unter den Linden

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Festliche Wiedereröffnung
Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Zum Augenblicke Sagen: Verweile doch! Szenen aus Goethes Faust. Musik von Robert Schumann. Texte aus Johann Wolfgang Goethes Faust I und Faust II.
Daniel Barenboim, Dirigent
Jürgen Flimm, Inszenierung
Markus Lüppertz, Bühnenbild
Detlef Giese, Dramaturgie
Roman Trekel, Faust, Doctor Marianus
Elsa Dreisig, Gretchen und Poenitentium
René Pape, Mephistopheles, Böser Geist, Pater Profundus
Stephan Rügamer, Ariel, pater Ecstaticus

Berlin, Du Pulsgeber Europas: Du bist zu beneiden! Jetzt hast Du wieder ein Herz: ein Herz voll Hochkultur. Eine Oper von Weltformat mitten in Deiner Mitte: am Boulevard Unter den Linden! Dieses Herz ist groß, geerdet, wunderschön. Dieses Herz hat einen wunderbaren Klang: so warm, so präzise, so prachtvoll. Dieses Herz ist Musik.

Liebe Staatsoper Unter den Linden, die Du am Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober 2017, an dem die Deutschen und die Europäer dankbar sein sollten, wieder Deine Pforten geöffnet hast: Du bist magisch. Du wirst den Menschen aus aller Welt Sternstunden bereiten. Viele werden nur Deinetwegen in eine der aufregendsten und spannendsten Metropolen der Welt reisen, viele von ganz weit her. Die Besten der Besten werden in deinem Graben und auf Deinen Brettern dirigieren, musizieren, singen.

Liebe Staatsoper Unter den Linden, ich bin fast ein wenig traurig, dass ich nicht in Deiner Stadt lebe. Sonst würde ich Dich mindestens drei Mal pro Woche besuchen. Du würdest mein Wohnzimmer werden, denn Fernsehen ist langweilig.

Die vielen Jahre, die wir auf Dich gewartet haben, die vielen, vielen Millionen, die deutsche Steuerzahler (mehr) für Dich ausgeben mussten, werden sich ruckzuck amortisieren.

Wer in Deinem Bauch eine schöne Oper hört, der wird schnell vom Klassik-Virus infiziert werden. Millionen Euro werden Deinetwegen in Berlin und Deutschland ausgegeben werden. Du wirst tausenden Menschen Arbeit bringen und Familien in Lohn und Brot.

Schön, dass Du endlich, endlich die Menschen verzaubern kannst mit Musik, die auch noch in 10.000 Jahren erklingen wird, wenn die Menschen es vermögen, den Planeten Erde nicht zu zerstören.

Wer am Dienstagabend einen Platz am roten Teppich vor der Staatsoper Unter den Linden erhaschen konnte, dem war schnell klar: Diese Premiere ist von herausragender staatstragender Bedeutung. Zahlreiche Prominente kamen in das sanierte Opernhaus, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (alle CDU). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) flanierte mit Ehemann Joachim Sauer um 19.35 Uhr unter Beifall durch den Haupteingang.

Zu den Gästen zählten auch: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Bundesinnenminister Thomas de Maizière (beide CDU), der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder – er ging bereits nach der Pause, buh! –, Berlins Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit (alle SPD), Stefan Aust (Herausgeber Die Welt), Iris Berben (Schauspielerin), Dr. Mathias Döpfner (Vorsitzender Axel Springer SE), Martina Gedeck (Schauspielerin), Dr. Josef Joffe (Herausgeber Die Zeit), Barrie Kosky (Intendant und Chefregisseur Komische Oper Berlin) Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle in Hamburg, Dominique Meyer (Direktor Wiener Staatsoper), Armin Mueller Stahl (Schauspieler), Marius Müller-Westernhagen (Musiker), Otto Rehhagel, (ehemaliger deutscher Fußballspieler und –trainer), Bogdan Roscic, designierter Direktor Wiener Staatsoper), Dietmar Schwarz (Intendant Deutsche Oper Berlin) sowie Ulrich Wickert (Journalist und Autor) und seine Frau, Julia Jäkel (CEO Gruner + Jahr GmbH & Co KG).

Zitieren wir die Berliner Morgenpost: „Drinnen sieht auf den ersten Blick alles aus wie immer, jedenfalls solange die Saaltüren geschlossen sind. Das Garderobenfoyer, die Treppen, der Boden aus Marmor, es weckt alles die Erinnerungen, die seit sieben Jahren verblassten. Zunächst sieht man nur an einigen Türrahmen, dass etwas neu ist. Die sind nämlich frisch, beziehungsweise unvollkommen gestrichen. Wer sich dann unmittelbar vor die Saaltüren begibt, erlebt eine Überraschung. Die samtene Wandbespannung ist in allen drei Rängen unterschiedlich. Im Erdgeschoss altrosa, im ersten Stock dunkelrosa und im zweiten Stock, wenn man so etwas sagen darf, in einem etwas schmutzigen Grünton. Der dritte Rang ist champagnerfarben.

Im Saal fällt zunächst die gewölbte Decke auf, die wohl auch nicht zuletzt für die veränderte Akustik verantwortlich ist. Frank-Walter Steinmeier beginnt eine kurze, launige Rede mit ironischen Anspielungen auf die zeitliche Ausdehnung von Opernwerken. Michael Müller, nicht gerade als Opernfan bekannt, zeigt sich verständlicherweise erleichtert über die Fertigstellung des Baus. Monika Grütters endlich stellt die obligatorische Frage, ob sich das alles nun wegen der verbesserten Akustik gelohnt habe.“

Der Bundespräsident brachte es in seiner Rede schön auf den Punkt: In diesem Tempel der Musik gehe es um Musik und Gesang, um große Gefühle, um Sehnsucht und Verzweiflung. „Dies ist ein ganz großes Haus für Berlin, für das ganze Land, die ganze Kultur. Mögen dies auch noch viele junge Menschen erfahren.“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller lobte Maestro Daniel Barenboim, bald 75, seit 1992 Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden in Berlin: „Sie haben die große Gabe, Menschen gleich welcher Religion, welcher Nation und welchen Alters zusammenzuführen. Von diesem Engagement können wir nicht genug haben.“

Berlins ältestes Opernhaus hat also nun wieder eine sehr angemessene, wenn auch mit 1400 Zuschauerplätzen nicht allzu große Spielfläche, einen begnadeten Dirigenten (der bitte, bitte auf seine Kräfte achten sollte), ein begeisterndes Orchester und schon in dieser Saison viele, viele tolle Stimmen: Höhepunkt wird für viele die Macbeth-Premiere (Giuseppe Verdi) ab dem 17. Juni 2018 mit den Weltstars Anna Netrebko und Plácido Domingo sein. Vorverkaufsbeginn ist am 7. Oktober 2017 um 10 Uhr.

So wirkt denn auch die Kritik des Welt-Journalisten Manuel Brug, der (fast) immer etwas zu mäkeln hat, überzogen. „Die Lindenoper als vorgeblich erstes Haus am Hauptstadt-Repräsentanz-Boulevard, sie ist Missverständnis und Glaubensbekenntnis zugleich. Eine 1400-Plätze-Butze, klein und piefig, vor allem beengt, im Vergleich zu Weltklassehäusern in München, Paris, Mailand, Wien, London, St. Petersburg, Moskau, New York. Zwar das erste freistehende Hoftheater Europas, aber eben als Ballhaus mit Minimusiktheatersaison geplant (und im Übrigen schon am 7. Dezember 1742 unfertig eröffnet und ein halbes Jahr wieder geschlossen – diesmal sind es „nur“ zwei Monate). Diverse Male ist es abgebrannt, wurde baulich verändert, zweimal ausgebombt. Und schließlich 1955 als Prestigebau der DDR in gefälschtem Rokoko mit schlechtem Preußens-Gloria-Gewissen wiedereröffnet.“

Klassik-begeistert.de sieht die Opernwelt ein wenig anders als Herr Brug: Die Staatsoper Unter den Linden wird sich schnell in die Reihe der Weltklassehäuser einreihen können. Der phantastische Premierenabend hat gezeigt: Zu den Weltklassehäusern in München, Paris, Mailand, Wien, London, St. Petersburg, Moskau und New York ist kein weiter Schritt mehr. Vielleicht fehlen der Lindenoper ein paar Plätze zum gewohnten quantitativen „Weltklasseniveau“. Aber die Ausstattung und vor allem die Akustik in Berlin kann es mit München und Wien locker aufnehmen.

Und die Weltstars, sie werden auch gerne vor 1400 Berlinern singen. Die Weltstars kommen ohnehin gerne nach Berlin, denn Berlin hat ihnen auch außerhalb der Opernhäuser etwas zu bieten. Fast alle ziehen Berlin dem schönen Baden-Baden vor, auch wenn Baden-Baden mit 2500 Plätzen Deutschlands größtes Konzert- und Opernhaus ist.

Wenn der künftige Intendant Matthias Schulz, Pianist und Volkswirt, Jahrgang 1977, so formidabel arbeitet wie etwa in Salzburg, dann wird diese Staatsoper Unter den Linden ganz sicher ein Welthaus, ein Weltsehnsuchtsort, ein Weltwohnzimmer, eine seelische Wohlfühlstube. Ein Ort zum Träumen, Abschalten und Entspannen. Eine Weltklasseoper.

Zu den Sängern des Premieren-Abends und Stimmen von Prominenten, die exklusiv mit klassik-begeistert.de gesprochen haben, später mehr.

Andreas Schmidt, 4. Oktober 2017, für
klassik-begeistert.de

Die Stimmen der anderen:

MDR Kultur

Am Dienstag ist die Berliner Staatsoper Unter den Linden nach sieben Jahren Bauzeit wiedereröffnet worden. Allerdings nur für diese Woche: Am Samstag schließt die Oper wieder, damit die letzten Bauarbeiten vollendet werden können. Die endgültige Eröffnung ist für den 7. Dezember, den 275. Geburtstag der Staatsoper, geplant.

Zur Eröffnung inszenierte Intendant Jürgen Flimm „Szenen aus Goethes Faust“ von Robert Schumann, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim. Der Eröffnungsreigen endet am 7. Oktober mit der Gratisaufführung „Konzert für Berlin“.

Auch wenn die Staatsoper erst im Dezember tatsächlich für Gäste öffnet, so können zumindest die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder in ihr Stammhaus zurückkehren.

Geplante Bauzeit und Budget hat das Großprojekt überschritten: Innerhalb von drei Jahren sollte die Staatsoper mit 235 Millionen Euro modernisiert werden. Tatsächlich dauerte der Bau mehr als doppelt so lange und kostete 400 Millionen Euro. Schwieriger Baugrund, Planänderungen, und die Insolvenz eines Ingenieurbüros verzögerten die Fertigstellung.

Im der neuen Staatsoper wurde die Bühnentechnik komplett erneuert und die Sitze im Parkett und auf den Rängen leicht verbreitert.

Gelohnt hat sich der Umbau allerdings vor allem für Klangkenner: Für die verbesserte Akustik wurde die historische Stuckdecke fünf Meter höher gesetzt. Über dem dritten Rang hat Architekt Merz eine Nachhallgalerie einziehen lassen, die bis zur Decke mit einem gewölbten Gitter aus Keramik und Glasfaser kaschiert ist. Dadurch hat sich der Klangraum spürbar vergrößert.

Mit der Eröffnung vor Bauvollendung hat die Staatsoper bereits Erfahrung: 1742 wurde das Haus eingeweiht, aber erst im darauffolgenden Jahr fertig gestellt. Nach schweren Kriegsschäden wurde das Gebäude 1955 von DDR-Architekt Richard Paulick wieder hergerichtet; außen nach historischem Vorbild und innen angelehnt an Rokokoformen.

Inzwischen erschwerten veraltete und marode Bühnentechnik, dumpfe Saalakustik und schlechte Bühnensicht von den Seitenrängen die Aufführungen. Ursprünglich sollte ein Totalumbau des Saals die Mängel beheben. Denkmalschützer und Künstler brachten den Entwurf jedoch zum Kippen. Es wurde eine denkmalgerechte Sanierung des Opernhauses beauftragt.

Der Tagesspiegel

Der tatsächliche Regelbetrieb des Hauses startet nun am 7. Dezember, dem Tag der Ersteinweihung. Kleiner Trost am Rande: Auch 1742 war das Haus nicht wirklich fertig. Friedrich der Große aber hatte darauf bestanden, sein Theater zur Karnevalssaison zur eröffnen. Anschließend dauerte es noch zehn Monate, bis das Haus voll funktionsfähig war. Wie sich die Bilder gleichen.

Dass jetzt schon einmal für fünf Tage aufgemacht werden darf, ist ein Zugeständnis an die Barenboim-Tradition, die erste Saisonpremiere immer am 3. Oktober zu dirigieren. Erfunden wurde sie 2010, beim Einzug ins Schiller Theater, zur Erinnerung an die Staatlichen Schauspielbühnen, die just am Tag der Deutschen Einheit im Jahr 1993 von der Politik dichtgemacht worden waren.

Es wird eine Rückkehr mit mehr lachenden als weinenden Augen. Die Künstler beziehen Unter den Linden einen Musentempel, in dem sie hinter den Kulissen so großartige Arbeitsbedingungen vorfinden wie in kaum einem anderen Opernhaus weltweit. Und alle Vertreter der Stuck- und Kronleuchter-Fraktion freuen sich darüber, dass die Publikumsbereiche jetzt immer noch fast genauso aussehen wie zuvor.

Nur beim Senat herrscht Katzenjammer: Berlin hat ja tatsächlich mal davon geträumt, die Sanierung zum Schnäppchenpreis zu bekommen. Wenn es bei den avisierten 239 Millionen Euro geblieben wäre. Doch es wurden 400 Millionen. Die 200 Millionen Euro vom Bund waren eine Fixsumme, von den 30 Millionen, die der Freundeskreis beisteuern wollte, kam nur ein Bruchteil zusammen. Und so wurde es für Berlin am Ende dann doch noch ein richtig teurer Spaß.

Der tatsächliche Regelbetrieb des Hauses startet nun am 7. Dezember, dem Tag der Ersteinweihung. Kleiner Trost am Rande: Auch 1742 war das Haus nicht wirklich fertig. Friedrich der Große aber hatte darauf bestanden, sein Theater zur Karnevalssaison zur eröffnen. Anschließend dauerte es noch zehn Monate, bis das Haus voll funktionsfähig war. Wie sich die Bilder gleichen.

Dass jetzt schon einmal für fünf Tage aufgemacht werden darf, ist ein Zugeständnis an die Barenboim-Tradition, die erste Saisonpremiere immer am 3. Oktober zu dirigieren. Erfunden wurde sie 2010, beim Einzug ins Schiller Theater, zur Erinnerung an die Staatlichen Schauspielbühnen, die just am Tag der Deutschen Einheit im Jahr 1993 von der Politik dichtgemacht worden waren.

B.Z.

Die Umbauten hatten sich nach Pannen und Überraschungen in der Bausubstanz und im Boden verteuert und um vier Jahre verzögert. Zur Eröffnung kamen viele Promis aus Politik und Kultur.

Nach sieben Jahren ist am Dienstag die Berliner Staatsoper Unter den Linden wiedereröffnet worden. Zahlreiche Prominente kamen in das komplett sanierte Opernhaus, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel. Sie erlebten die Premiere von Robert Schumanns „Szenen aus Goethes Faust” in einer Inszenierung von Intendant Jürgen Flimm und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim.

Die Umbauten hatten sich nach Pannen und Überraschungen in der Bausubstanz und im Boden verteuert und um vier Jahre verzögert. Statt wie geplant 239 Millionen Euro liegen die Kosten bei mehr als 400 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund 200 Millionen.

Geplant sind zur Wiedereröffnung in den kommenden Tagen unter anderem ein Konzert der Staatskapelle Berlin und ein Auftritt der Wiener Philharmoniker mit dem Dirigenten Zubin Mehta. Nach dem Eröffnungsreigen wird das Opernhaus für zwei Monate wieder schließen, um die neue Technik den Erfordernissen des regulären Opernbetriebs anzupassen.

Mit der Sanierung des historischen Hauses am Boulevard Unter den Linden wurde unter anderem die gesamte Bühnentechnik neu eingebaut. Außerdem ist die Decke des Saales um fünf Meter erhöht worden. Damit wird der Nachhall der Musik um etwa eine halbe Sekunde verlängert. Ein unterirdisches Bauwerk verbindet nun die Werkstätten im benachbarten Intendantenhaus mit der Hauptbühne.

Rbb24

Sieben Jahre lang mussten die Berliner Staatskapelle und ihr Chefdirigent Daniel Barenboim in einem Ausweichsquartier spielen. Nun ist das international renommierte Orchester vom Schiller-Theater zurück in sein frisch saniertes Stammhaus Unter den Linden gezogen.

Am Tag der Deutschen Einheit ist die traditionsreiche Berliner Staatsoper Unter den Linden feierlich wiedereröffnet worden. Bei dem Festakt waren unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und viele Prominente aus den Bereichen Politik und vor allem Kultur dabei, als Dirigent Daniel Barenboim die von Intendant Jürgen Flimm inszenierten „Szenen aus Goethes Faust“ dirigierte.

Schauspieler Armin Mueller-Stahl verwies darauf, dass er bereits vor über 60 Jahren bei einer Wiedereröffnung der Staatsoper dabei war: „1955, bei der Aufführung der Meistersinger von Nürnberg, nur damals auf der Bühne.“

Flimm begrüßte das Publikum vor dem Konzert mit einem Auszug aus dem „Faust“: „Der Worte sind genug gewechselt, laßt mich auch endlich Taten sehn.“ Bundespräsident Steinmeier hielt seine Begrüßungsrede, in der er der Staatsoper einen „großartigen Neustart“ wünschte, offenbar absichtlich knapp und zitierte dabei ein Berliner Sprichwort: „Quatsch keene Oper.“ Auch Berlins Regierender Bürgermeister schloss sich den Glückwünschen an und zeigte sich in seiner Eröffnungsansprache erleichtert: „Es war auch mal an der Zeit, dass die Oper fertig wird“, sagte Müller am Dienstagabend.

Wie sehr die jahrelangen Verzögerungen auch an den Nerven der Beteiligten gezerrt haben, hatte Staatsoper-Intendant Flimm dem rbb vorab erklärt: Es sei furchtbar gewesen, eigentlich habe er schon 30 Mal „den Lappen hinschmeissen“ wollen, so Flimm. Doch er blieb, wie auch Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und viele Ensemble-Mitglieder. Nun spielen sie wieder in ihrem Stammhaus Unter den Linden – zumindest für ein paar Tage.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnete das Opernhaus kurz vor seiner Wiedereröffnung als „Aushängeschild für die traditionelle Vielfalt der Musikstadt Berlin“. Es werde künftig Kunstliebhaber aus aller Welt nach Berlin ziehen und das weltoffene Bild der Stadt prägen, sagte Grütters am Montag.

Barenboim zeigte sich im rbb begeistert über die Akustik. „Ich hätte nicht geglaubt, dass es so gut sein wird für alles.“ Er habe auf die Nachhallzeit von 1,6 Sekunden bestanden und sich damit nicht beliebt gemacht. „Aber ich bin nicht in einem Popularitätswettbewerb.“ Er bedauere lediglich, dass das Haus nicht mit einer Uraufführung eröffnet werde.

Die Staatsoper Unter den Linden wurde seit Herbst 2010 saniert, das Ensemble wich in das Schiller-Theater im Westen aus. „Wenn das Schiller-Theater nicht gewesen wäre, wären wir wahrscheinlich alle längst in Südamerika und hätten im Dschungel eine Oper aufgemacht“, sagte Intendant Flimm. Auch Dirigent Barenboim zeigte sich dankbar, dass sein Orchester im Schiller-Theater ein Ausweichquartier finden konnte, aber glücklich war er über die Bauverzögerungen nicht – 2013 hätte die sanierte Staatsoper eigentlich wiedereöffnet werden sollen. „Ich habe es nicht geschätzt, dass man uns jedes Jahr eine andere Geschichte erzählt hat. Aber das ist alles Vergangenheit“, resümierte Barenboim.

Mit den baulichen Probleme stiegen auch die Kosten. Statt ursprünglich 240 Millionen Euro kosteten die Arbeiten rund 400 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund 200 Millionen Euro. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte vergangenen Woche erklärt, dass die Sanierung ohne die Beteiligung des Bundes nicht möglich gewesen wäre.

Im Zuge der Sanierung wurde für eine bessere Akustik die Decke um mehrere Meter gehoben. „Wir haben nun auch diese wunderbare Nachhallgalerie. Das ist ein kunstkeramikgegossenes Netz, das an die Stelle gefügt wurde, wo die Decke erhöht wurde. Dadurch haben wir fast ein Drittel mehr Raumvolumen“, erklärte Co-Intendant Matthias Schulz dem rbb-Magazin Stilbruch. Somit habe der Klang der Musik künftig mehr Platz zur Entfaltung.

Nach den ersten Proben zeigten sich auch Dirigent und Orchester angetan von dem neuen Klang. „Es breitete sich ein allgemeines Lächeln im Orchester aus. Man hörte einfach, es klingt so anders, als wir das in Erinnerung haben“, sagte etwa Geigerin Susanne Schergaut dem rbb. Doch neben der neuen Akustik mache sich die Staatsoper momentan auch programmatische Gedanken. „Wir müssen den internationalen Vergleich annehmen und dabei mutig vorgehen. Deshalb müssen wir auch neue ästhetische Konzepte finden und einen neuen Sängertypus fördern“, kündigte Co-Intendant Schulz an.

Altbekanntes gab es zu Beginn des Eröffnungsreigens. Bereits am Samstag dirigierte Daniel Barenboim ein Konzert mit Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie auf dem Bebelplatz. Zu dem „Staatsoper für alle“-Konzert unter freiem Himmel kamen mehrere Tausend Opernfans.

In den nächsten Tagen sind dann noch weitere Auftritte mit der Staatskapelle geplant und mit den Wiener Philharmonikern unter dem Dirigenten Zubin Mehta. Nach den feierlichen Eröffnungstagen schließt das Opernhaus für weitere zwei Monate, um ausstehende Feinarbeiten abzuschließen. So muss etwa noch die neue Technik den Erfordernissen des Opernbetriebs angepasst werden. Die reguläre Spielzeit in der neuen Staatsoper Unter den Linden startet somit erst im Dezember. Der Ticket-Vorverkauf dafür beginnt am 7. Oktober.

Berliner Morgenpost

Wer am Dienstagabend einen Platz am roten Teppich vor der Staatsoper Unter den Linden erhaschen konnte, dem ist schnell klar: Diese Premiere ist von staatstragender Bedeutung. Zahlreiche Prominente kommen in das sanierte Opernhaus, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (beide CDU). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) flaniert mit Ehemann Joachim Sauer um 19.35 Uhr unter Beifall durch den Haupteingang.

Wer an diesem Dienstagabend in die Staatsoper will, muss, wenn schon nicht Blitzlichtgewitter wie die Promis, Flutlicht über sich ergehen lassen. Man sieht neben bundespolitischer Prominenz auch bekannte Gesichter wie TV-Talkerin Sandra Maischberger, Ex-BE-Intendant Claus Peymann und den Staatsoperntenor aus DDR-Zeiten Peter Schreier. Auch Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD), Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) fehlen an diesem besonderen Abend nicht.

Drinnen sieht auf den ersten Blick alles aus wie immer, jedenfalls solange die Saaltüren geschlossen sind. Das Garderobenfoyer, die Treppen, der Boden aus Marmor, es weckt alles die Erinnerungen, die seit sieben Jahren verblassten. Zunächst sieht man nur an einigen Türrahmen, dass etwas neu ist. Die sind nämlich frisch, beziehungsweise unvollkommen gestrichen. Wer sich dann unmittelbar vor die Saaltüren begibt, erlebt eine Überraschung. Die samtene Wandbespannung ist in allen drei Rängen unterschiedlich. Im Erdgeschoss altrosa, im ersten Stock dunkelrosa und im zweiten Stock, wenn man so etwas sagen darf, von einem etwas schmutzigen Grünton. Der dritte Rang ist champagnerfarben.

Im Saal fällt zunächst die gewölbte Decke auf, die wohl auch nicht zuletzt für die veränderte Akustik verantwortlich ist. Frank-Walter Steinmeier beginnt eine kurze, launige Rede mit ironischen Anspielungen auf die zeitliche Ausdehnung von Opernwerken. Michael Müller, nicht gerade als Opernfan bekannt, zeigt sich verständlicherweise erleichtert über die Fertigstellung des Baus. Monika Grütters endlich stellt die obligatorische Frage, ob sich das alles nun wegen der verbesserten Akustik gelohnt habe.

Als Generalmusikdirektor Daniel Barenboim mit dem Orchester in den Graben kommt und nach dem von Intendant Jürgen Flimm inszenierten Schauspielerprolog vor der Bühne die ersten Akkorde erklingen, spürt man durchaus den Unterschied zu früheren Zeiten. Die Staatsoper klingt nicht mehr nach Wohnzimmer, so viel kann man sehr schnell sagen. Es ist in keinem Moment mehr ein privater, sondern ein öffentlicher (genau: ein hauptstädtischer) Klang, der durchaus Intimitäten haben kann in innigen Momenten. Jedoch ist das Haus nun für die Sounds aller Musikepochen gerüstet. Das machen Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“ sehr gut deutlich.

Selbst noch wenn der volle Chor etwas schrill an der Bühnenrampe singt, ergibt sich ein Mischverhältnis, in dem auch noch das Orchester zu hören ist. Die Sänger, allen voran die Staatsopern-Urgesteine Roman Trekel und René Pape, haben keine Mühe, sich gegen die so klangschön spielende Staatskapelle durchzusetzen. Es ist ein Genuss.

Die Wiedereröffnung am Tag der Deutschen Einheit zieht trotz wechselhaften Wetters auch jene Musikliebhaber an, die keine Premierentickets bekommen hatten. Die Staatsoper lädt sie wieder zur „Oper für alle“ auf den Bebelplatz gleich neben dem Opernhaus ein.

Karin Recknagel, pensionierte Lehrerin aus Friedrichshain, will ganz sichergehen: Mittig vor der Großleinwand stellt sie um 18.30 Uhr ihren Campingstuhl auf den leeren Platz. Touristen umströmen die Absperrgitter vor der Oper, das nasse Kopfsteinpflaster glänzt. Recknagel blickt auf die schweren Wolken am Himmel. Sie ist vorbereitet, hat Regencape, Regenschirm und eine warme Decke in die Handtasche gepackt. Sie zeigt in Richtung des roten Teppichs, wo die ersten Blitzlichtgewitter zu sehen sind. Um Karten hatte sich die Rentnerin gar nicht erst bemüht. „Das ist ja heute nur für Auserwählte.“ Die Aufführung der neuen alten Staatsoper will sie dennoch nicht verpassen.

Vier Konzerte werden im Rahmen der Eröffnungswoche live auf dem Bebelplatz übertragen. Nach dem 8. Oktober kehrt dann aber auch in den restaurierten Konzertsaal wieder Stille ein. Denn die Bauarbeiten sind noch nicht beendet, es gibt technische Anlagen, die noch nicht vollständig von den Behörden genehmigt sind. Die erste Opernpremiere findet mit „Hänsel und Gretel“ am 8. Dezember statt.

Spätestens dann wird sich in Berlin die Frage stellen, wie sich die Gewichte zwischen den drei Opernhäusern der Stadt verschieben werden, wohin sich die Publikumsgunst wenden wird. Es dürfte der Staatsoper nicht schwerfallen, das Interesse der Berliner und Touristen, das ihr während der Jahre im Charlottenburger Exil, dem Schiller-Theater, abhandengekommen war, mit klangvollen und teuren Künstlernamen zurückzuerobern.

Und was geschieht jetzt mit dem Schiller-Theater nach dem Auszug der Staatsoper? Es bleibt ein Provisorium. Bis ein neues Theater am Kurfürstendamm steht, sollen dort die Kudamm-Bühnen einziehen. Ab dem Jahr 2022 wird wieder saniert, diesmal an der Komischen Oper an der Behrenstraße in Mitte. Als Ersatzbühne soll dann einmal mehr das Schiller-Theater an der Bismarckstraße herhalten. Jetzt regt sich Kritik an der Dauer­zwischennutzung. So sprach sich am Dienstag der Grünen-Kulturexperte Daniel Wesener für ein langfristiges Konzept für das Schiller-Theater aus. Am kommenden Montag soll sich der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses mit dem Thema beschäftigen.

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