Lutherlied und Messgesang bieten nicht nur Wohlklang

Freiburger Bachchor, Freiburger Bachorchester, Johann Sebastian Bach, Herz-Jesu-Kirche, Freiburg

Das Herbstkonzert des Freiburger Bachchors steht ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums

Johann Sebastian Bach Eine feste Burg ist unser Gott, BWV 80
Doppelkonzert für Oboe und Violine, BWV 1060
Lutherische Messe in G-Dur, BWV 236
Freiburger Bachchor, Freiburger Bachorchester
Musikalische Leitung Hannes Reich
Assistenz Anette Drengk
Sopran Monika Mauch
Alt Lena Sutor-Wernich
Tenor Stephan Scherpe
Bass Matthias Horn
Violine Lisa Immer
Oboe Luise Baumgartl
Herz-Jesu-Kirche, Freiburg, 5. November 2017

von Leah Biebert

Das Jahr 2017 ist Reformationsjahr. Das bedeutet viel Kirchenmusik in den Programmen der Freiburger Konzertchöre. Fünf Tage nach den offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten gab der Bachchor in den kalten Hallen der Herz-Jesu-Kirche Werke von Johann Sebastian Bach zum Besten, die (teilweise indirekt) mit diesem Ereignis zu tun haben.

Die Kantate „Eine feste Burg ist unser Gott“ zum Lied von Martin Luther schrieb Johann Sebastian Bach bereits anlässlich des Reformationsfestes um das Jahr 1730. Ergänzt durch die Messe in G-Dur und das Konzert für Oboe, Violine und Orchester wollte der Bachchor der Bedeutung der Reformation und ihren Auswirkungen auf die (Kirchen-) Musik Respekt zollen.

Von Bach mehrfach bearbeitet, erklingt in der Aufführung die spätere, zweite Fassung der Choralkantate Eine feste Burg, die alle vier Strophen des Lutherliedes enthält. Das Orchester ist historisch instrumentiert. Die drei Barockoboen stimmen im Eingangschor zusammen mit dem Generalbass die Melodie am Ende jeder Choralzeile kanonartig an und zeigen so auch als Orchesterinstrument Präsenz.

In der darauf folgenden Arie wird die Singstimme ebenfalls durch die Oboe verstärkt – sie ziert die Melodie noch weiter aus. Die Sopranistin Monika Mauch vertritt die erkrankte Magdalene Harer bestens. Ihr Gesang ist rhythmisch unglaublich exakt, die Verzierungen singt sie akkurat. Auch in der später folgenden Sopran-Arie der Kantate ist Mauch rhythmisch erneut sehr präzise. Ausdrucksstark ist ihre Stimme vor allem, wenn es für sie zum Text „Jesu, mein Verlangen“ nach oben geht; kräftig und klar singt sie die Phrasenenden aus.

Die Bassstimme der Arie beinhaltet eine Vielzahl von Koloraturen. Der Bariton Matthias Horn artikuliert sie unklar. Die schnellen Sechzehntelfiguren der unisono geführten Streicher sind so dynamisch vorgetragen, dass Horn nicht mithalten kann. Das auf die Arie folgende Bass-Rezitativ mit zahlreichen Textwiederholungen ist von einem weitaus gediegeneren Tempo. Hier macht der Bariton eine bessere Figur.

Im Duetto von Tenor und Alt fällt die Besetzung von Oboe da caccia (Altlage), Violine und Continuo auf. Die Stimmen von Lena Sutor-Wernich und Stephan Scherpe verlaufen mal homophon, mal imitatorisch. Kräftiger ist dabei der Gesang der Altistin.

Die Bachkantate endet mit einem schlichten vierstimmigen Choral. Der gemeinsame Einsatz des Chors ist allerdings weniger gelungen. Auch im Eingangschor und der zeilenweise einstimmig vorgetragenen dritten Strophe sind die Einsätze und die gemeinsame Absprache der Sängerinnen und Sänger verbesserungswürdig. Schade für einen Chor, der neben den Aufführungen in Freiburg und der Region auch international erfolgreich ist.

Beim Doppelkonzert für Oboe und Violine in d-Moll stehen Luise Baumgartl (Oboe) und Lisa Immer (Violine) als Solistinnen auf der Bühne. Nachdem im ersten Satz einige Triller Baumgartls nicht hundertprozentig da sind, wo sie sein sollen, ist der verkorkste Einsatz im zweiten Satz zwar in erster Linie ein technisches Problem, aber dennoch markant und vor allem für die Solistin sehr ärgerlich. Nach dem gelungenen Einsetzen der Geige wird Baumgartl aber wieder sicherer in ihrem Spiel. Immer tritt sie mit der Violine durchgehend souverän auf und meistert auch die kleinen Triller im dritten Satz bei hohem Tempo. Diesen Satz bestreitet auch Baumgartl ohne Probleme. Gegen Ende des dritten Satzes scheint sie sich endlich warm gespielt zu haben. Leider etwas zu spät.

Die Missa in G beginnt, ganz nach früherer Gottesdienstordnung, mit einem Kyrie, dem das Gloria folgt. Leicht könnte man den Frauenstimmen vorwerfen, sie zeigten in ihrem Jubel keine Leidenschaft oder Entzücken. Aber dies ist in Bachs Musik auch gar nicht so angelegt. Es ist ein gefühlvoller Lobgesang, den die Sängerinnen des Bachchors freudig bewegt vortragen.

Den dritten Teil des Messordinariums (Gratias agimus) geht Matthias Horn dagegen sehr viel kräftiger und impulsiver an. Dynamisch pflügt er sich mit einem „gratias“ am Phrasenbeginn des Lobpreises in die Höhe. In den Koloraturen, mit denen der „allmächtige Vater“ („pater omipotens“) gepriesen wird, wirkt er allerdings etwas gehetzt, als müsse er sich beeilen, rechtzeitig in die Wiederholung zu kommen, die sich der jeweiligen Phrase anschließt. Wie bereits in der Kantate liegt sein Manko in den schnellen und tiefen Läufen der Bassstimme.

Im vierten Teil (Domine Deus) erzeugen die beiden Solofrauenstimmen von Monika Mauch und Lena Sutor-Wernich im Duett eine wohltuende stimmliche Wärme. Ihre Bitte „erbarme dich unser“ wird von den Seufzer-Motiven der Streicher untermauert, sodass im Zusammenklang eine berückende Atmosphäre entsteht.

Die Oboe hat im Teil Quoniam tu solus noch einmal einen eindrucksvollen Auftritt. Solistisch konzertiert sie neben dem Solotenor in rhythmisch differenzierten Motiven. Im Hinblick auf die hervorragende Gesamtleistung ist es nicht schwerwiegend, wenn hier mal ein Triller daneben geht.

Dass Stephan Scherpes Vorliebe als Solotenor wiederum der Interpretation von Bachs Choralwerken gilt, ahnt man angesichts seiner für die Musik des Barock typischen markanten Absprache der Konsonanten und der detaillierten Intonation. Ausgerechnet beim ersten „Jesu Christe“ bricht seine Stimme in der Höhe merklich weg, die Phrasenwiederholungen gelingen daraufhin aber fehlerfrei.

Mit dem Cum sancto spirito gelangt die Messe zu einem festlichen Ende. Hier stechen die Frauenstimmen des Chors hervor. Ihre Zwischenrufe „in gloria Dei Patris“ („in der Herrlichkeit Gottes des Vaters“) sind selbst so herrlich und entzückt, dass sie das eher durchschnittliche Konzert mit einem zufriedenstellenden Eindruck beenden.

Leah Biebert, 6. November 2017,
für klassik-begeistert.de

Foto: Bachstadt Köthen (Anhalt)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.