Sternstunden der Kammermusik: In ehrfürchtiger Stimmung beeindrucken Argerich, Maisky und Jansen

Elbphilharmonie Hamburg, 30. Januar 2018
Janine Jansen, Violine
Martha Argerich, Klavier
Mischa Maisky,
Violoncello
Ludwig van Beethoven,
Sonate g-Moll op. 5/2 für Violoncello und Klavier
Dmitri Schostakowitsch, Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67
Robert Schumann, Sonate Nr. 1 a-Moll op. 105 für Violine und Klavier
Felix Mendelssohn Bartholdy, Klaviertrio d-Moll op. 49

von Sebastian Koik

Drei der größten Weltstars der Klassik-Welt machen zusammen Kammermusik! Das gibt es nicht alle Tage. Und wieder beweist sich: Nicht nur für große Orchester, sondern auch für kleine Besetzungen ist der Große Saal der Elbphilharmonie perfekt geeignet.

Das Konzert beginnt mit den beiden Altmeistern Martha Argerich und Mischa Maisky und Ludwig van Beethovens Sonate g-Moll op. 5/2 für Violoncello und Klavier. Von den ersten Tönen an gibt Martha Argerich eine starke Visitenkarte ab: Sie spielt mit feinem Anschlag und modelliert jeden Ton mit einer perfekten Kontur. Die schweizerisch-argentinische Pianistin setzt das Stück mit herrlicher Musikalität um, beeindruckt mit gewaltiger Dynamik und großer Souveränität.

Mischa Maisky und sein Instrument scheinen noch nicht ganz akklimatisiert zu sein und benötigen das erste Stück zum Warmwerden und Ankommen. Das Cello wirkt noch leicht störrisch und klingt etwas unschön kalt, metallisch und hell. Auch das Timing von Herrn Maisky ist noch nicht so recht beglückend. In Sachen Virtuosität überzeugt er an seinem Instrument ebenso wie die brillante Frau Argerich am Klavier.

Zur einer beeindruckenden Sternstunde der Kammermusik wird Dmitri Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67. Von den ersten hohen Cello-Tönen an herrscht  eine große Spannung und eine besondere, sehr ehrfürchtige Stimmung!

Janine Jansen begeistert auf Anhieb mit perfektem musikalischen Timing und Ausdruck in jeder Stimmungslage und bei jeder Technik. Nicht die winzigste Nuance kann man sich bei ihrem Schostakowitsch besser gespielt vorstellen. Sie lässt ihre Geige massive Schmerzensschreie ausstoßen und herrlich zarte Klangbilder zeichnen. Jansen vereint leidenschaftliches Feuer und kühle Präzision auf das Wunderbarste. Ihre Souveränität in schwierigsten Passagen wirkt unfassbar leicht und natürlich.

Bei Martha Argerichs Klavierspiel funkeln die Töne wie schönste Sterne in klarster Nacht.

Auch sie ist eine grandiose Stimmungszauberin und beweist sich auch im Alter von 76 Jahren immer noch als Ausnahmekünstlerin. An den schwarz-weißen Tasten kann sie von einem Moment auf den anderen überzeugende neue Welten heraufbeschwören.

Dieses Schostakowitsch-Trio ist ein Ereignis!

Im dritten Stück des Abends sind die beiden Damen unter sich. Doch Robert Schumanns Sonate Nr. 1 a-Moll op. 105 für Violine und Klavier ist der am wenigsten inspirierende Teil des Konzertabends. So ziemlich jedes Stück hätte es nach dem gewaltigen und tief bewegenden Schostakowitsch Klaviertrio schwer, doch zusätzlich zu der undankbaren Position im Programmablauf ist auch die Interpretation des Stückes nicht wirklich gänzlich gelungen. Anders als im restlichen Programm des Abends gibt Frau Argerich ein leicht unglückliches Tempo vor.

Die Höhepunkte sind, wenn Janine Jansen auf ihrer „Baron Gutman“-Stradivari von 1707 feinste und leiseste Klänge in den Saal haucht. Bei ihrem Konzert in der Hamburger Laeiszhalle im April 2016 hatte man sie während des ganzen Konzertes hinten im Saal kaum und manchmal gar nicht gehört. Dieses hier gezeigte zarte Spiel wäre in der Laeiszhalle in einem großen Teil des Saales unhörbar.

In Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio d-Moll op. 49 fällt wieder Martha Argerichs Klavierspiel besonders beeindruckend auf. Jeder von ihr erzeugte Klang hat Autorität! Im ersten Satz ist massiv Feuer drin! Mischa Maisky und sein Cello sind endgültig warmgespielt und überzeugen mit schönem Klang und feiner Musikalität. Die Niederländerin Janine Jansen lässt ihre Geige herrlich singen.

Die drei Ausnahmekünstler schenken dem Publikum zum Abschluss noch eine schöne Zugabe von großer Innigkeit und Tiefe. Alle sind glücklich.

Sebastian Koik, 31. Januar 2018,
für klassik-begeistert.de

Foto: Adriano Heitman

 

 

 

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