Und das Konzert wollte kein Ende nehmen: Rudolf Buchbinder am Klavier in Freiburg  

Klavierabend Rudolf Buchbinder,  Konzerthaus Freiburg

 

Foto (c) Marco Borggreve
Konzerthaus Freiburg,
17. Mai 2018
Klavierabend Rudolf Buchbinder
Johann Sebastian Bach       Englische Suite Nr.3 g-Moll BWV 808
Ludwig van Beethoven        Sonate Nr.23 f-Moll op.57 “Appassionata”
Franz Schubert                        Sonate Nr.21 B-Dur D 960

von Leah Biebert

Eigentlich hätte Murray Perahia an diesem Abend im Freiburger Konzerthaus am Klavier sitzen sollen; der Pianist musste das Konzert jedoch aus gesundheitlichen Gründen absagen. Als Ersatzmann sprang Rudolf Buchbinder für ihn ein – und sorgte mit Bach, Beethoven und Schubert für einen humorvollen und nicht enden wollenden Klavierabend.

Der Konzertsaal ist in Dunkelheit getaucht, nur das Klavier wird von Deckenstrahlern erleuchtet. Rudolf Buchbinder betritt die Bühne; er wirkt bescheiden, als er sich verbeugt, und so spielt er auch die Anfangstakte von Bachs Englischer Suite, die er daraufhin energisch eröffnet. Ein Ritardando am Ende vom Prélude, aber keine langen Pausen zwischen den Sätzen: Bei Buchbinder gibt es keine falsche Dramatik, weder in seiner Interpretation noch in der Gestik. Bei schnellen Läufen schüttelt er lediglich kurz den Kopf. Bachs Suite erklingt klar, aber selbstbewusst. Bei 60 Jahren Konzerterfahrung ist das wenig überraschend.

So könnte man Buchbinder höchstens einen gewissen Grad an Routine vorwerfen. Seine flinken Finger stellt der 71-Jährige in der temporeichen Gigue des Bachschen Werks unter Beweis. Bei Beethovens Sonate allerdings will ihm das nicht mehr so recht gelingen. Manche Töne scheinen zu verschwimmen, ab und an ist auch mal ein falscher dazwischen.

Die Kontraste aber sind wunderbar; hart und unnachgiebig in der linken Hand, führt die rechte fließend und weich durch die Höhen. Dem rasanten Ende des ersten Satzes folgt das bedächtige Andante con moto. Buchbinder verliert in seinem Spiel nie an Beständigkeit – und genau dort wird ihm die Routine zum Verhängnis. Mehr als fünfzig Mal führte er seinen Zyklus der 32 Beethoven-Sonaten bisher auf. Ein wenig lieblos wirkt das schon so oft gespielte Stück, die der Sonate immanente Leidenschaft einstudiert. Dennoch zollt das Publikum Buchbinders Beharrlichkeit im vorwärtsdrängenden Finale stürmischen Beifall.

Der Schubert gelingt wieder besser. Buchbinder beugt sich vor, behutsam schlägt er die einzelnen Tasten an. Die romantische Melodie breitet sich im Raum aus. Ein kurzes Aufgebärden, Buchbinder hüpft im Eifer kurz von seinem Hocker in die Höhe. Doch direkt kehrt er zurück in die stille Verträumtheit der Sonate. Wenn es um die Vielfalt an Klangfarben geht, die in Schuberts Komposition wirken, so versteht sich Buchbinder wirklich darauf, diese erzählerisch zu präsentieren.

Dafür wird er auch mit kräftigem Applaus, wohlwollenden Pfiffen und Bravo-Rufen belohnt. Buchbinder bedankt sich höflich, dann setzt er sich noch einmal ans Klavier. „Das Finale der sogenannten Sturmsonate von Beethoven“, kündigt er an. Und legt gleich noch mal los. Und noch mal. Auf Beethoven folgt Bach, auf Bach folgt Strauss. Buchbinder will scheinbar gar kein Ende finden. Das Publikum ist schier begeistert.

Leah Biebert, 18. Mai 2018, für
klassik-begeistert.de

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