Klaus Florian Vogt bringt die Staatsoper zum Toben

Lohengrin, R. Wagner,  Wiener Staatsoper

Lohengrin, Richard Wagner
Wiener Staatsoper, 11. September 2016

Der Programmzettel versprach einen Abend der Extraklasse: Günther Groissböck als König Heinrich der Vogler, Klaus Florian Vogt als Lohengrin, Ricarda Merbeth als Elsa von Brabant, Tomasz Konieczny als Friedrich von Telramund und Petra Lang als Ortrud. Am Pult der neue Chef der New York Metropolitan Opera, Yannick Nézet-Séguin, und im Graben das Orchester der Wiener Staatsoper in bester Besetzung. Dazu der stimmgewaltige Chor und Extrachor.

Nach viereinhalb Stunden Lohengrin von Richard Wagner an der Wiener Staatsoper gaben die Zuschauer im ausverkauften Haus am Ring die Antwort. Alle Hauptdarsteller bekamen tosenden Applaus mit zahllosen Bravorufen: zu Recht, sie hatten – trotz der kindischen Inszenierung, die Lohengrin und die Brabanter Männer in bayerischen Lederhosen auftreten lässt ­– eine fulminante Leistung an den Tag gelegt.

Den meisten Applaus bekam der Tenor Klaus Florian Vogt als Lohengrin. Kein Wunder: Sein lyrisch-warmer Tenor gibt derzeit den wohl besten Lohengrin weltweit ab, was etwa bei den Bayreuther Festspielen (2015) und 2016 an der Bayerischen Staatsoper in München und an der Deutschen Oper Berlin stets mit frenetischem Jubel bedacht wurde.

Wie Klaus Florian Vogt, mit dem Rücken zum Publikum auf dem Boden liegend, seine Partie im ersten Aufzug begann, ist wirklich nur als Weltklasse zu bezeichnen. Sein schön geführter, lyrischer Tenor überzeugte mit wunderbarer Diktion. Wie Vogt sang, „Elsa, ich liebe Dich“, ging mächtig unter die Haut. Im dritten Aufzug zeigte Vogt, dass er mit seiner kraftvollen Stimme bis zum Schluss bestehen kann: strahlend und souverän. „Klaus Florian Vogts Stimme ist eine Sensation“, sagte Walter Draxler, 58, aus Zirl / Tirol. „Er brilliert mit stimmlicher Gewalt, Sanftheit und Klarheit.“

Die Leistung des Norddeutschen aus Dithmarschen in Schleswig-Holstein stach umso mehr hervor, wenn man sich an die absolut desaströse Darbietung des österreichischen Tenors Herbert Lippert als Lohengrin erinnert, der im Mai 2016 an der Wiener Staatsoper Dutzende Töne falsch ansang und oft nur Krächzlaute hervorzubringen vermochte, was bei zwei Aufführungen auch mit zahlreichen Buhrufen quittiert wurde.

Kammersängerin Ricarda Merbeth sang die Elsa sehr sauber und ohne scharfe Höhen. Die Sopranistin sang die Rolle vielleicht ein wenig zu bodenständig, zu wenig verklärt, aber das passte jedenfalls zur volkstümlichen Szenerie.

Der polnische Bassbariton Tomasz Koniesczny gab einen wunderbar kraftstrotzenden Friedrich von Telramund, Günther Groissböck einen wunderschönen, frischen, sehr gut geführten König Heinrich der Vogler mit angenehmem Timbre und vorzüglicher Textverständlichkeit. Petra Lang, die gerade als Isolde bei den Bayreuther Festspielen reüssiert hatte, schwächelte ein wenig in der Mittellage, gab aber sonst eine wunderbar dramatische Ortrud zum Besten.

Auch eine Nebenrolle muss unbedingt erwähnt werden: Boaz Daniel überzeugte als Heerrufer mit sehr schönem Timbre – solche Highlights braucht eine Oper von Weltformat wie die Wiener Staatsoper.

Was blieb, war ein stimmlich wunderbarer Opernabend mit einer lächerlichen Inszenierung von Andreas Homoki, die sich nicht lange halten sollte. Aber es gab auch erfahrene Opernbesucher wie den Wiener Herbert Berger, 63, die die Leistung historisch einzuordnen wussten: „Ich habe Lohengrin heute das vierzigste Mal in der fünften Inszenierung an der Wiener Staatsoper gesehen“, sagte Berger. „Keine Frage, Klaus Florian Vogt ist ein wunderbarer Lohengrin, aber das waren Placido Domingo, Jess Thomas und James King auch. Deren Stimmen waren im Vergleich zu Vogt ein wenig männlicher timbriert. Vogt ist ein wunderbarer, sehr lyrischer Tenor mit herrlicher Diktion, aber manchmal erscheint mir seine Stimme fast ein wenig zu androgyn.“

Andreas Schmidt, 12. September 2016
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2 Gedanken zu „Lohengrin, R. Wagner,
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