Elbphilharmonie:
Flatternde Hände und hochpräzise Musik

Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev,  Elbphilharmonie, Hamburg

Foto: Dittus (c)
Elbphilharmonie,
Hamburg, 27. Januar 2018
Münchner Philharmoniker
Valery Gergiev, Dirigent
Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90
Richard Strauss, Ein Heldenleben / Tondichtung für großes Orchester op. 40
Claude Debussy, Prélude à l’après-midi d’un faune [als Zugabe]

von Sebastian Koik

Fast ständig lässt der Dirigent Valery Gergiev seine Hände und Finger wild flattern, manchmal die ganzen Arme. Es ist ein einzigartiger Dirigierstil, der sehr ungewöhnlich aussieht, manch einen im Saal vielleicht irritiert – aber wirkt.

Das Konzert beginnt mit der 3. Sinfonie von Johannes Brahms. Vom ersten Ton an packen die Münchner Philharmoniker das Publikum im Großen Saal der Elbphilharmonie. Das Timing der Musiker unter Gergiev ist ganz hervorragend, perfekt! Alles wird mit großer musikalischer Spannung dargeboten, und es ist viel Zug im Vortrag. Das Orchester spielt mit enormem Biss und Knackigkeit, reißt dramatisch mit.

Im dritten Satz ist der Komponist sehr präsent im Saal – Brahms greift mit einer wunderschönen, sich immer und immer wieder wiederholenden Melodie nach den Herzen der Zuhörer, hat das Publikum in der Hand.

Die Streicher begeistern mit enormer musikalischer Schärfe, der Paukist mit herrlicher Perfektion. Alle Instrumentalisten glänzen. Die Gäste aus München präsentieren sich bei ihrem Besuch in Hamburg wirklich sehr stark. Es gibt nichts zu mäkeln.

Nach der Pause steht Ein Heldenleben / Tondichtung für großes Orchester op. 40 von Richard Strauss auf dem Programm. Das Orchester bleibt im Timing perfekt, spielt mit Größe und Tiefe. Das Blech bläst beeindruckend agil und zupackend.

Die Strauss-Komposition ist reich an verschiedensten Stimmungen. Sehr dramatisch, dann wild-verrückt bis hoch grotesk, plötzlich zärtlich, heroisch oder unmittelbar militärisch, dann wieder schwelgerisch. Es ist massive Unruhe in der Komposition und dann wieder schönste Ruhe und Frieden. Die Generalpausen sind beeindruckend kraftvoll. Gegen Ende fasziniert ein herrlich schönes und edles Horn. Das große Finale krönt ein beeindruckendes Konzert.

Ein Mitglied des Münchner Stadtrats, Münchner Journalisten und der Akustik-Spezialist Yasuhisa Toyota sind auch im Saal. Sehr wahrscheinlich wird Herr Toyota auch in München für große Konzertakustik sorgen. Das Akustik-Genie hat mit der Elbphilharmonie eine sehr starke Arbeitsprobe vorgelegt. Den Münchnern ist zu gönnen, dass sie ihr Orchester auch so schön hören dürfen wie bei diesem Gastspiel im wunderbaren Konzertsaal an der Elbe.

Sebastian Koik, 28. Januar 2018,
für klassik-begeistert.de

Foto: Daniel Dittus

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