Was sagten Tristan und Isolde?

Tristan und Isolde, Richard Wagner
Bayreuther Festspiele, 13. August 2016

Der Vorsitzende der Wagnergenootschap Nederland, Leo Cornelissen, 74, aus Amsterdam hat seinen großen Meister schon unzählige Male gehört. Trotzdem kommt er immer wieder gerne zu den Festspielen nach Bayreuth, vor allem wenn Christian Thielemann wie an diesem Samstag „Tristan und Isolde“ dirigiert. „Wagner machen, das kann er wie kein zweiter“, sagt der erste Wagnerianer der Niederlande, also der Chef des niederländischen Pendants zum deutschen Richard-Wagner-Verband. „Das Festspielorchester spielt unter Thielemann wirklich phänomenal, es ist berührend schön, dabei zu sein.“

„Tristan und Isolde, R. Wagner,
Bayreuther Festspiele, Bayreuth“
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Jonas Kaufmann ist kein Meistersinger

Die Meistersinger von Nürnberg, Richard Wagner
Bayerische Staatsoper, München, 31. Juli 2016

Er ist ein Sänger, der bei Millionen Fans weltweit Gänsehautgefühl zu erzeugen vermag: Jonas Kaufmann, der Jahrhundert-Tenor aus München. Was er am letzten Abend der Münchner Opernfestspiele als Walther von Stolzing in Richard Wagners komischer Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ ablieferte, war indes Meilen entfernt von seinem erwärmenden, melodisch-ergreifenden Gesangsvermögen. Der Abend geriet für den Münchner stimmlich daneben – was sich in nur höflichem Beifall nach der viereinhalbstündigen Aufführung manifestierte.

„Die Meistersinger von Nürnberg,
R. Wagner, Bayerische Staatsoper“
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Anja Harteros überragt den Maskenball

Un ballo in maschera, Guiseppe Verdi
Bayerische Staatsoper, München, Samstag, 30. Juli 2016

Bei Guiseppe Verdi kommen Rolf Häußner, 72, oft die Tränen. „Die Musik berührt mich, und ich muss weinen“, sagt der Frankfurter. An diesem Abend in der Bayerischen Staatsoper ist die nicht nur für Rolf Häußner emotionalste Stelle das Liebesduett „Teco io sto / Ich bin Dir nah“ im zweiten Akt des „Maskenballs“ („Un ballo in maschera“). Der Dirigent Daniele Callegari führt das Bayerische Staatsorchester hoch sensibel durch diese göttlichen Minuten; das Solo-Cello spielt wunderbar weich und die Sopranistin Anja Harteros singt wie von einem anderen Stern – von strahlenden Höhen bis zu samtigen Tiefen mit weichem Schmelz.

„Un ballo in maschera, G. Verdi,
Bayerische Staatsoper“
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Frieden in Bayreuth – Parsifal ist eine Offenbarung

Parsifal, Richard Wagner
Richard-Wagner-Festspiele, Bayreuth, Montag, 25. Juli 2016

Und am Ende herrscht Frieden. Himmlischer Frieden. Auf der Bühne im Festspielhaus in Bayreuth legen Vertreter aller vier Weltreligionen die Insignien ihres Glaubens in einen Schrein; Kruzifixe, siebenarmige Leuchter und liturgische Gegenstände aller Art landen im Sarg. Knaben und Ritter singen „Höchsten Heiles Wunder! Erlösung dem Erlöser!“ und gehen einer hoffnungsvollen Zukunft entgegen. So endet die Neuinszenierung des „Bühnenweihfestspieles Parsifal“ zum Auftakt der Richard-Wagner-Festspiele 2016 in Bayreuth mit einer positiven Verständigungsvision.

„Parsifal, R. Wagner,
Festspielhaus, Bayreuth“
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Anna Netrebko geht unter die Haut

Il trovatore (Der Troubadour), Guiseppe Verdi
Staatsoper im Schiller Theater, Berlin, Montag, 11. Juli 2016

Sie sind 50 Jahre verheiratet und waren noch nie in Berlin. Die russische Sängerin Anna Jurewna Netrebko hat es geschafft, dass Annemarie, 69, und Peter Förster, 71 aus Hockenheim bei Heidelberg (Baden-Württemberg) erstmals in die deutsche Hauptstadt gereist sind. Die beiden Ruheständler lieben klassische Musik, sie gibt ihnen Kraft für den Alltag, und sie lieben die Stimme von Anna Netrebko. Die gastierte am Montag als Leonora in Guiseppe Verdis Oper „Il trovatore“ an der Staatsoper im Schiller Theater.

„Il trovatore, G. Verdi,
Staatsoper, Berlin“
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Auftritt mit Auszeichnung

Manon Lescaut, Giacomo Puccini
Wiener Staatsoper, 30. Juni 2016

Der Wiener Unfallchirurg Dr. Wolfgang Menth-Chiari, 53, bekommt im Donauspital viel Schlimmes zu sehen. Umso mehr erfreut sich der Arzt am Schönen, am Göttlichen. Schön und göttlich ist für ihn eine russische Sängerin mit österreichischem Pass: die Jahrhundert-Sopranistin Anna Jurjewna Netrebko. Sie gastierte zum Ende der Saison als Manon Lescaut in der gleichnamigen Oper von Giacomo Puccini an der Wiener Staatsoper. Und Dr. Wolfgang Menth-Chiari war hin und weg: „Ich sehe die Netrebko heute das 20. Mal live in meinem Leben. Ihre Bühnenpräsenz, ihre Ausstrahlung und ihre Stimme sind unvergleichlich. Ihre Sexiness bewegt mich.“

„Manon Lescaut, G. Puccini,
Wiener Staatsoper“
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Magische Momente: Fehlanzeige

L’Elisir d’Amore (Der Liebestrank), Gaetano Donizetti
Hamburgische Staatsoper, Sonntag, 26. Juni 2016

Die Darsteller an der Hamburgischen Staatsoper können einem an diesem Abend ein wenig Leid tun. Da gewinnt die deutsche Fußballnationalmannschaft im französischen Lille gegen die zweitklassigen Slowaken in einem Achtelfinalspiel der Europameisterschaft völlig ungefährdet 3 : 0. Zeitgleich geht im Haus an der Dammtorstraße die 154. Vorstellung des „Liebestranks“ von Gaetano Donizetti über die Bühne – und nur etwa 60 Prozent der 1690 Sitzplätze sind besetzt.

„L’Elisir d’Amore, G. Donizetti,
Hamburgische Staatsoper“
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„Traumfrau“ erzeugt Soggefühl

Rigoletto, Giuseppe Verdi
Deutsche Oper Berlin, Freitag, 24. Juni 2016

Göteborg liebt die Deutsche Oper Berlin. Wer an diesem mit 35 Grad sehr heißen Freitag den „Rigoletto“ des italienischen Jahrtausend-Komponisten Giuseppe Verdi im Haus an der Bismarckstraße verfolgte, der konnte in der Pause allein mit drei Gästen aus der zweitgrößten schwedischen Stadt plaudern. Yehya Alazem, 26, sowie das Ehepaar Alice, 41, und Robert Orbelin, 47, kennen sich nicht – aber sie sind alle einer Meinung: Dieser „Rigoletto“ ist musikalisch sehr beglückend, von der Inszenierung her nicht sonderlich einfallsreich und vor allem dank des Auftritts der russischen Koloratursopranistin Olga Peretyatko ein Genuss.

„Rigoletto, G. Verdi,
Deutsche Oper Berlin“
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„Das muss man einmal im Leben sehen!“

Götterdämmerung, Richard Wagner
Staatsoper im Schiller Theater, Berlin, Sonntag, 19. Juni 2016

Nach vier Stunden und 25 Minuten „Götterdämmerung“ ist die Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner in der Staatsoper im Schiller Theater vorbei. Während Walhall in Flammen aufgeht, erleben die Menschen in höchster Ergriffenheit den Untergang des Göttergeschlechts. Damit enden insgesamt 15 Stunden „Ring“, entstanden zwischen 1848 und 1874 in 26 Jahren, in denen sich Wagner vom 34 Jahre alten Revolutionär zum 60 Jahre alten situierten Komponisten entwickelt hatte.

„Götterdämmerung, R. Wagner,
Staatsoper, Berlin“
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„Man geht nach Hause und ist überwältigt!“

„Siegfried“ von Richard Wagner
Staatsoper im Schiller Theater, Berlin, Mittwoch, 15. Juni 2016

Sie war 14 Jahre alt, da war Susanne Joost im Staatstheater Braunschweig mit ihrem Onkel Siegfried das erste Mal im „Siegfried“ – Richard Wagners gleichnamiger Oper, dem zweiten Tag des Bühnenfestspieles „Der Ring des Nibelungen“. „Es war meine erste Oper überhaupt – damals war sie mir mit ihren vier Stunden zu lang“, sagt die heute 66-Jährige aus dem brandenburgischen Kleinmachnow.

„Siegfried, R. Wagner,
Staatsoper, Berlin“
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