Der Rosenkavalier: Eine wunderbare Antiquität in der Wiener Staatsoper

Richard Strauss, Der Rosenkavalier, Adam Fischer, Krassimira Stoyanova,  Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper, 13. Dezember 2017
Richard Strauss, Der Rosenkavalier
Adam Fischer Dirigent
Krassimira Stoyanova Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg
Peter Rose Baron Ochs auf Lerchenau
Stephanie Houtzeel Octavian
Adrian Eröd Herr von Faninal
Erin Morley Sophie

Wer eine richtig wienerische Vorführung des „Rosenkavaliers“ von Richard Strauss erleben möchte, der sollte sich einen Abend in der Wiener Staatsoper nicht entgehen lassen. Dort lief mittlerweile die 378. Aufführung dieses Meisterwerkes in der Inszenierung von Otto Schenk – in großen Teilen sehr komödiantisch, mit Wiener Akzent. Man sollte diese Aufführung als Antiquität betrachten – und Antiquitäten haben ja bekanntlich ihren Reiz.

Nach Wolfgang Amadeus Mozart und Guiseppe Verdi ist Richard Strauss (1864 bis 1949) der am drittmeisten gespielte Komponist im Haus am Ring. Auch diese 378. Aufführung war bis auf ein paar freie Stehplätze restlos ausverkauft. Und die Begeisterung war nach vier Stunden und 20 Minuten (inklusive zweier Pausen) groß für alle Beteiligten. Viele Bravorufe aus allen Teilen des Staatsopernrunds!

Schon wenige Wochen nach der Uraufführung ihrer ersten gemeinsamen Oper „Elektra“ am 25. Januar 1909 einigten sich der österreichische Schriftsteller Hugo von Hoffmannsthal und Richard Strauss darauf, eine neue Spieloper, die in der Zeit Maria Theresias spielen sollte, zu schaffen. Am 26. September 1910 konnte Strauss die Oper beenden. Uraufführung war am 26. Januar 1911 im Königlichen Opernhaus Dresden, Erstaufführung im Haus am Ring am 8. April 1911.

Der österreichische Regisseur Otto Schenk, 87, bezeichnet den „Rosenkavalier“ als „ein sehr ‚gegebenes’ Werk. Vieles ist durch Musik und Text vorgezeichnet und braucht nur noch nachvollzogen werden. Es gibt ein Rokoko-Milieu, das vom Jugendstil patiniert ist; es gibt eine erfundene Sprache, die sehr realistisch bedient werden muss. Und es gibt die Momente, in denen die reine Schönheit regelrecht ausartet“.

Diese Schönheit zeigt sich im ersten Akt, wenn die wunderbare bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova als Feldmarschallin Fürstin Werdenberg singt: „Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie: sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen. In den Gesichtern rieselt sie, im Spiegel da rieselt sie, in meinen Schläfen fließt sie. Und zwischen mir und dir da fließt sie wieder. Lautlos, wie eine Sanduhr.“

Es ist phantastisch, mit welch samtener, weicher Stimme die österreichische Kammersängerin diese Passage singt. Das geht tief unter die Haut. Die Bulgarin rührt wie beim Solistenkonzert am 13. November 2017 in der Wiener Staatsoper mit ihrem feinen Timbre und ihrem zartem, agilen Vibrato zu Tränen.

http://klassik-begeistert.de/solistenkonzert-krassimira-stoyanova-jendrik-springer-wiener-staatsoper/

Von bezaubernder Schönheit ist auch das Terzett am Ende des dritten Aktes zwischen Krassimira Stoyanova, der deutsch-amerikanischen Mezzosopranistin Stephanie Houtzeel als Octavian und der US-amerikanischen Sopranistin Erin Morley als Sophie. Das ist wirklich Musik zum Wegträumen – allein die letzten 20 Minuten des „Rosenkavaliers“ sind den Eintritt dreifach wert. Stephanie Houtzeel überzeugt mit ihrer sehr agilen, dynamischen Mezzostimme, und auch Erin Morley vermag mit schönem, schlankem Timbre vor allem im höheren Register zu brillieren.

Schade nur, dass der Star des Abends, Krassimira Stoyanova, nicht im zweiten Akt singt und im dritten Akt erst um 22.10 Uhr wieder auf der Bühne erscheint.

Der britische Bass Peter Rose überzeugte mit einer profunden, dunklen, väterlichen Stimme als Baron Ochs auf Lerchenau. Der Wiener Bariton Adrian Eröd, der Sohn des ungarischstämmigen Komponisten Iván Eröd, glänzte mit einer schönen, angenehmen und agilen Stimme.

Das Dirigat des Ungarn Ádám Fischer ist umwerfend gut – der 68-Jährige bewegt das phantastische Orchester und den Chor der Wiener Staatsoper zu Höchstleistungen. Fischer kennt den „Rosenkavalier“ so gut, dass er große Teile still mitsingen kann. Ein großes Bravo auch dem Konzertmeister für seine bewegenden Soli!

Andreas Schmidt, 14. Dezember 2017, für
klassik-begeistert.at

Weitere Aufführungen: 16. und 19. Dezember 2017.

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