Tannhäuser: eine sehens- und überaus hörenswerte Produktion mit hochkarätigem Ensemble!!!

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Richard Wagner, Tannhäuser
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Inszenierung, Bühne, Kostüm, Licht: Romeo Castellucci
Choreografie: Cindy van Acker
Hermann, Landgraf von Thüringen: Georg Zeppenfeld
Tannhäuser: Klaus Florian Vogt
Wolfram von Eschenbach: Christian Gerhaher
Walther von der Vogelweide: Dean Power
Biterolf: Peter Lobert
Heinrich der Schreiber: Ulrich Reß
Reinmar von Zweter: Ralf Lukas
Elisabeth, Nichte des Landgrafen: Anja Harteros
Venus: Elena Pankratova
Ein junger Hirt: Elsa Benoit
Vier Edelknaben: Solist/en des Tölzer Knabenchors
Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper
Premiere: 21. Mai .2017

Marlene Wagner

„Ich schulde der Welt noch einen Tannhäuser“ – Kirill Petrenko und Klaus Florian Vogt haben sich Richard Wagners Worte zu eigen gemacht. Am Sonntag, 21. Mai 2017, um 16 Uhr, begann die Premiere der aktuellen Inszenierung des „Tannhäuser“ mit Starbesetzung. Für den Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper sowie für die Titelrolle, Klaus Florian Vogt, war dies eine Premiere im wörtlichen Sinne. Beide wirkten zum ersten Mal bei dieser Oper mit, bei der Romeo Castellucci für die Inszenierung verantwortlich ist.

Die ganze Stadt schien auf diesen Tag gewartet zu haben, der Saal war komplett ausverkauft. Die Oper in drei Akten handelt von dem Sänger Tannhäuser, der ehemalige Sänger am Hofe von Landgraf Hermann von Thüringen. Aufgrund von Streitigkeiten mit anderen Sängern hatte er die menschliche Welt verlassen und haust nun im Reich der Venus als ihr Geliebter. Doch nach langer Zeit wird er des Lebens im Hörselberg überdrüssig und er bittet Venus, ihr Reich verlassen zu dürfen. Natürlich will sie ihn nicht ziehen lassen, dennoch beharrt er auf seinem Entschluss, dass er sein Glück in Maria finde. Venus lässt ihn widerwillig gehen mit der Aufforderung, er solle sofort zurückkehren, wenn er in der Welt sein Glück nicht finden sollte.

Zurück im Freien trifft er auf eine Gruppe Jäger, den Landgrafen Hermann mit Gefolge. Sie versuchen, ihn zu überreden, sie zu begleiten. Doch Tannhäuser folgt dieser Aufforderung erst, als ihm berichtet wurde, dass Elisabeth, die Nichte des Landgrafen ihn so sehr vermisste. Also machen sie sich auf den Weg zur Wartburg.

Im zweiten Akt wird nun zur Feier der Rückkehr Tannhäusers ein großes Sängerfest veranstaltet. Der Landgraf stellt allen anwesenden Sängern die Aufgabe, mit ihren Liedern das Wesen der Liebe darzulegen. Tannhäuser verliert die Beherrschung und beginnt ein Loblied auf Venus zu singen, womit er verrät, dass er sich im Venusberg aufgehalten hatte. Um für diese Sünde zu büßen, soll Tannhäuser nach Rom pilgern und dort um Vergebung zu bitten.

Im dritten Akt wartet Elisabeth vergeblich auf die Rückkehr Tannhäusers und stirbt letztlich in der Hoffnung, ihn damit zu erlösen. Dieser kehrt, ohne die Absolution des Papstes erhalten zu haben, zurück, um wieder in das Reich der Venus zu finden. Doch als er erfährt, dass sich Elisabeth für ihn geopfert hat, wendet er sich Venus sterbend ab. Dank des Märtyrertods Elisabeths ist seiner Seele jedoch vergeben.

Für die erste Verkörperung des Tannhäuser brauchte Klaus Florian Vogt etwas Zeit, die nötige stimmliche Kraft aufzubringen, doch er wurde im Laufe des ersten Akts immer sicherer und lieferte letztlich eine hervorragende Leistung.

Elena Pankratova hatte es als Venus nicht leicht, da sie die komplette Zeit, die sie zu sehen war, im Sitzen verbringen musste. Castellucci orientierte sich bei der Darstellung der Venus an der Statuette der Venus von Hohenfels, dem ältesten Bildnis des menschlichen Körpers mit sehr ausladenden Brüsten, Bauch und Hüften, die in der Inszenierung von Fleisch- und Hautmassen umgeben auf einem Podest thront. Trotz der sehr eingeschränkten Bewegungsfreiheit sang und agierte sie mit wunderbar kraftvoller Stimme und Energie.

Auch Anja Harteros empfing viel Applaus und Jubel für ihre Darstellung der Elisabeth, die sie mit voller Emotion und gewaltiger Stimmkraft verkörperte.

Mit am lautesten gefeiert wurde Christian Gerhaber für die Rolle des Wolfram von Eschenbach. Er stach besonders mit einer unglaublich klaren und vollen Stimme hervor.

Romeo Castellucci inszenierte auf großer offener Bühne mit dem Spiel von Weiß und Schwarz, sowie mit motivisch geladenen Requisiten wie Pfeil und Bogen. Der Bogen wurde neben seinem eigentlichen Verwendungszweck als Harfe eingesetzt, da man in der Waffe die Ursprünge dieses Instruments vermutet.

Bei regelmäßigem Blick in den Orchestergraben konnte man beobachten, welch große Aufmerksamkeit und Sympathie Kirill Perenko den Spielern des Bayerischen Staatsorchesters entgegenbringt. Nach gelungenen Passagen der einzelnen Stimmen huldigte er ihnen immer wieder mit erhobenem Daumen. Er führte sie sicher und voller Enthusiasmus durch das fast dreistündige Werk.

Für Castellucci war es wichtig darzustellen, dass Tannhäuser immer auf der Suche ist. Dort, wo er sich befindet, möchte er eigentlich nicht sein. Er befindet sich immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Weniger als in anderen Inszenierungen wird der Gegensatz der fleischlichen Liebe im Reich der Venus und der sittlichen Hingabe zu Elisabeth in den Fokus der Inszenierung gerückt. Dennoch lässt sich beides erahnen, vor allem durch die dargestellten Fleischmassen im Venusreich, die diese Art von Liebe metaphorisch überliefern.

Durch die Einwirkungen der Choreografien von Cindy van Acker wurde das Bühnenbild belebt. Vor allem im zweiten Akt wurde die Halle des Sänger-Festes lebendig durch Wände aus transparenten Stoffen, die an die Nymphen aus dem Venusreich erinnern, und offenbarte die Emotionen, die die Figuren während der Szene versteckten.

Das Finale des dritten Akts war phänomenal. Der Chor der Bayerischen Staatsoper schloss mit gigantischer Kraft das Spiel.

Zweifellos zeigt die Bayerische Staatsoper eine sehens- und überaus hörenswerte Produktion mit hochkarätigem Ensemble. Der Applaus hielt scheinbar endlos an, auch wenn immer wieder einige Buh-Rufe ertönten. Doch sie wurden eindeutig von den unzähligen Jubel-Schreien übertrumpft.

Marlene Wagner, 23. Mai 2017 für
Klassik-begeistert.de

 

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