Christoph von Dohnányi und die Staatskapelle Berlin: So soll Brahms klingen

Staatskapelle Berlin
Christoph von Dohnányi, Dirigent 
Philharmonie Berlin, 
20. Januar 2018
Béla Bartók, Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta
Johannes Brahms, Symphonie Nr. 2 in D-Dur op.73

von Yehya Alazem

Christoph von Dohnányi, das Enkelkind des ungarischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten Ernő Dohnányi, wurde 1929 in Berlin geboren. Am Sonnabend war er zurück in seine Geburtsstadt gekommen, um die Berliner einen unvergesslichen Abend mit Musik von Bartók und Brahms erleben zu lassen.

Mit nur 27 Jahren wurde er der jüngste Generalmusikdirektor in Deutschland, als er am Theater Lübeck engagiert wurde. 1982 übernahm Dohnányi die Direktion des Cleveland Orchestra in den USA, da er das Erbe der großen Dirigenten Erich Leinsdorf, George Szell, Pierre Boulez und Lorin Maazel weiterführen wollte und das Cleveland Orchestra für eines der besten Orchester der Welt hielt. Bis 2004 leitete er das Orchester, und in diesen Jahren folgten viele In- und Auslandstourneen und zahlreiche gelungene Aufnahmen, unter anderem die Werke, die er an diesem Abend dirigiert: Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta von Bartók (Decca, 1995) und die 2. Symphonie von Brahms (Teldec, 1988).

Die 1937 in Basel uraufgeführte Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta von Béla Bartók besteht aus einer Instrumentenbesetzung, die Bartok als Handwerkszeuge nutzt. Dohnányi und die Staatskapelle Berlin bringen die kreativen Klangfarben, die Bartók sich so ausdrucksstark vorstellte, wunderbar hervor. Das Zusammenspiel ist transparent, die Kommunikation zwischen allen Instrumentengruppen ist so hervorragend, dass die differenzierten Klangbilder im gesamten Klangkörper einheitlich und klar erklingen.

Die Konversation zwischen den Streichern im ersten Satz bildet eine mystische Mischung, die sich mit dem Auftritt des Schlagzeugs entwickelt und die Temperatur im Raum erhöht. Das Ganze klingt gefühlsstark und schicksalsvoll, und endet in einem Pianissimo. Temperamentvoll dann der Pizzicato-Teil des zweiten Satzes, die Stimmung erinnert an einen kochenden Topf und endet wie eine Kriegserklärung. Der dritte Satz ist das Gegenteil des zweiten Satzes: Ein Waffenstillstand, in dem die Glissandi von Celesta und Harfe ein schreckliches, unruhiges Gefühl bilden. Im vierten Satz bricht der Waffenstillstand auf, ein hasserfüllter Kampf beginnt.

Nach der Pause bieten Dohnányi und die Staatskapelle Berlin eine frische 2. Symphonie von Johannes Brahms. Eine Reise zwischen Wehmut und Heiterkeit. Dohnányis Interpretation ist sympathisch, direkt und bietet keine mystischen oder unnötigen Einleitungen – er will Fragen beantworten und deren Geheimnis lüften.

Im ersten Satz schweben gesangliche Ausdrücke der Hörner und Holzbläser über einem wunderbaren Klangbeet der Streicher. Es klingt kompakt, transparent und leidenschaftlich. Die Leistung der Streicher in diesem Satz ist traumhaft. Der zweite Satz fängt in einer düsteren Dunkelheit an und endet in einem goldgefärbten Klangkörper. Der Aufbau der Dramatik in diesem Satz ist magisch. Das hervorragende Zusammenspiel im dritten Satz und die Spielfreude, vor allem die frischen Pizzicati der Celli, bilden eine lebendige Landschaft musikalischer Schönheiten. Die spektakuläre Entwicklung der ganzen Symphonie endet in einem herrlichen, rauschenden Triumph im vierten Satz. Am Ende spürt man ein Gefühl von perfekter Vollendung. So soll Brahms klingen.

Yehya Alazem, 21. Januar 2018, für
klassik-begeistert.de

 

 

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