Da stimmt die Chemie

Wolfgang Amadeus Mozart, Sinfonie B-Dur KV 319
Johannes Brahms, Sonate f-Moll op. 120/1 für Klarinette oder Viola und Klavier, Orchesterfassung: Luciano Berio
Ludwig van Beethoven, Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 „Pastorale“
Symphoniker Hamburg, Amihai Grosz, Viola
Dirigent Guy Braunstein
Laeiszhalle, 16. Februar 2017

von Bianca Heitzer

Ein frühlingshaftes Programm haben die Symphoniker Hamburg unter der Leitung von Guy Braunstein in der Laeiszhalle Hamburg präsentiert. Das Konzert am Donnerstagabend, passenderweise unter dem Motto „Pastorale“, spannte einen thematischen Bogen von Mozart über Brahms hin zu Beethoven.

Den Auftakt machte Wolfgang Amadeus Mozarts Symphonie Nr. 33 in B-Dur. Ein heiter fließendes, scherzhaftes Allegro assai stand am Anfang und überraschte die Zuhörer mit einem bekannten Motiv, das Mozart später noch in seine Jupiter-Symphonie einbetten sollte. Ein Gefühl von großer Intimität dann im zweiten Satz: weiche Streichertöne und klangvolle Soloeinwürfe der Doppelrohrbläser – was für ein schöner Konzertauftakt!

Deutlich bestimmter ertönte dann das Menuett im dritten Satz, das in der Urfassung zunächst noch nicht enthalten war und vom Komponisten nachträglich hinzugefügt wurde. Eine Aufforderung zum Tanz scheint dem ganzen mitzuschwingen und mündet schließlich ins Finale, das Guy Braunstein fühlbar schneller dirigierte als manch einer seiner Kollegen. Perlende Triolen und leise feine Staccato-Noten runden diese Mozart-Symphonie ab und verleihen dem Stück eine große Leichtigkeit, ja einen geradezu schwebenden Charakter.

Von der ersten Minute an schien die Chemie zwischen Dirigent und Orchester zu stimmen. Wache, aufmerksame Musiker auf der einen Seite – ein mit Freude und nach vorne gerichteten, ausladenden Bewegungen führender Dirigent auf der anderen Seite: Die Kommunikation passte, und man spürte, dass Braunstein im Herzen wohl doch Orchestermusiker geblieben ist. Als jüngster Geiger aller Zeiten wurde er 2000 zum 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker ernannt und spielte in dieser Position bis 2013, bevor er das Orchester verließ, um sich Soloprojekten zu widmen.

Auch der Solist des Abends kennt dieses Orchester nur zu gut: Der aus Jerusalem stammende Amihai Grosz ist Erster Solo-Bratscher der Berliner Philharmoniker und zudem Gründungsmitglied des Jerusalem Quartet.

Mit den ersten Takten von Johannes Brahms’ Bratschensonate f-Moll in einer Orchesterbearbeitung von Luciano Berio änderte sich die Stimmung in der Laeiszhalle unvermittelt. Waren es zunächst die feinen, schwebenden Mozartklänge, die den Raum erfüllt hatten, wechselte die Stimmung zu dramatischeren, elegischen Motiven.

Ein Allegro apassionato. Sostenuto ed espressivo machte den Anfang und Amihai Grosz gelang es, eine elektrisierende Spannung zu kreieren und die Mollklänge des ersten Satzes mit Wehmut und Wärme zu füllen. Leisere, ruhigere Töne dann im Andante: das Orchester trat zurück und gab der Viola viel Raum, um die gesangliche Melodie der Solostimme voll auszukosten. Nach den traumtänzerischen Elementen des dritten Satzes, die viel Brahms, aber auch viel Berio durchscheinen lassen, verklang der Schlussakkord dann in der Ferne, bevor es mit frischer Energie ins Finale ging. Mühelos meisterte Grosz dabei die schnellen Läufe des vierten Satzes und verlieh dem Stück zusammen mit dem Orchester einen ausdrucksstarken, bewegten Schlusspunkt.

Der Applaus für Solist, Dirigent und Orchester war groß. Herzlich und freundschaftlich umarmten sich Grosz und Braunstein

Für viele der Zuschauer war die „Pastorale“ das Highlight des Abends. Beethovens 6. Symphonie, die von 1803 an zeitgleich mit der 5. Symphonie entstand, steht ganz im Zeichen der Harmonie zwischen Mensch und Natur.

Jeder Satz bekam vom Komponisten eine Satzüberschrift, ein bestimmtes Thema zugeschrieben – Bilder, die das musikalische Geschehen unterstreichen sollen, so als wollte Beethoven uns sagen: Seht her, das ist die Welt, wie ich sie sehe!

Mit dem Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande ging es los – mit Freude, Gelöstheit, zarten Piano– und expliziten Forte-Klängen sowie großen Melodiebögen in den Streichern. Im zweiten Satz, der Szene am Bach, bilden die Celli die rhythmische Grundlage, gefolgt von Einwürfen aus den Holzbläsern, Vogellaute imitierend. Die Symphoniker Hamburg schufen eine lyrisch-idyllische Atmosphäre: Man fühlte sich tatsächlich auf eine Waldlichtung versetzt!

Voller Kraft und Energie erklangen das lustige Zusammensein der Landsleute sowie Gewitter und Sturm. Dass mit den bedrohlichen, unheilvollen Stürmen des vierten Satzes nicht nur die Wetterbedingungen, sondern auch die inneren Kämpfe des Komponisten gemeint waren, konnte man als Zuhörer erahnen.

Zum Schluss der 6. Symphonie der Hirtengesang, die frohen und dankbaren Gefühle nach dem Sturm. Ein großes Kompliment sei den Holzbläsern ausgesprochen! Sie bestritten die Solopassage mit großer Eleganz und Klangschönheit, was bei Beethoven, bei dem es keine Möglichkeit gibt, sich in eine Art Klangwolke zu hüllen, nicht einfach ist.

Trotz erkältungsbedingter Unruhe im Publikum war es ein rundum gelungenes Konzert, und am Ende hieß es: Viel Lob und Applaus für Guy Bernstein und die Symphoniker Hamburg!

Bianca Heitzer, 17. Februar 2017, für
klassik-begeistert.de

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