Meine Lieblingssymphonie 50: Anton Bruckners Neunte

„Weitergehende Antworten auf die Fragen nach den letzten Dingen sollen wir wohl nicht erhalten, es muss uns genügen, im harmonischen Ausklang des Adagios zur Ruhe zu kommen.“

von Lorenz Kerscher

Zum Hörer symphonischer Musik wurde ich im Alter von 13 Jahren, als mich meine Klavierlehrerin anhand vierhändiger Klavierauszüge im Blattspielen zu unterweisen versuchte. Um das Übungsbeispiel wenigstens aus dem Gehör einigermaßen hinzubekommen, kramte ich Mozarts Jupitersymphonie aus meines Vaters Plattenschrank und ließ sie in Endlosschleife laufen. Das nervte ihn wohl, denn er legte mir bald weitere Schallplatten auf den Tisch und gab den eindringlichen Rat, auch diese anzuhören. Mit einigen dieser Werke, wie Beethovens Pastorale und Schumanns Frühlingssymphonie, freundete ich mich recht leicht an. Auch die heitere D-Dur-Symphonie von Brahms schloss ich bald ins Herz, doch Bruckners Neunte war mir zunächst ein Buch mit sieben Siegeln. Mir war, als würden aus düsteren Urnebeln Lavafontänen hervorschießen, gigantische Klangeruptionen gingen unvermittelt in fast unhörbare Paukenwirbel über und mir bekannte Gesetze von Form und Harmonielehre schienen nicht mehr zu gelten. „Meine Lieblingssymphonie 50: Anton Bruckners Neunte
Meine Lieblingsmusik 49“
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Ladas Klassikwelt 56: Ludwig van Beethoven – Ein Komponist mit menschlichem Herzen

Der Komponist starb am 26. März 1827 in Wien. Der Schauspieler Heinrich Anschütz sagte in einer Begräbnisrede über ihn, dass er nicht nur Künstler, sondern auch im höchsten Sinne ein Mensch sei, der bis zu seinem Tod „das menschlichste Herz aller Menschen“ hatte.

von Jolanta Lada-Zielke

„Beethoven. Leben und Werk des großen Komponisten“ ist eine Geschichte nicht nur für Kinder, sondern auch für ganze Familien. Das Buch wurde vom Verlag Annette Betz herausgegeben, die Autoren sind Lene Mayer-Skumanz (Text) und Winfried Opgenoorth (Illustrationen). „Ladas Klassikwelt 56: Ludwig van Beethoven – Ein Komponist mit menschlichem Herzen“ weiterlesen

Beethoven pur: neun Sinfonien mit neun Dirigenten

CD-Rezension: Beethoven live. Symphonien Nr. 1-9
RCO 19005

Concertgebouworkest Live Recordings

von Peter Sommeregger

Das durch die Auswirkungen der Corona-Krise in seiner vollen Entfaltung verhinderte Beethoven-Gedenkjahr hat natürlich auch auf dem Tonträger-Markt eine geballte Ladung an Neuaufnahmen mit Werken des Jubilars hervor gebracht. Mit einer originellen Idee wartet das Eigenlabel des berühmten, in der upper class der großen Orchester spielenden Concertgebouworkest Amsterdam auf. „CD-Rezension: Beethoven live. Symphonien Nr. 1-9, Concertgebouworkest Live Recordings“ weiterlesen

Testen Sie Ihr Wissen im Klassik-Quiz – Folge 16

Foto: MustangJoe auf Pixabay

Heute werden ausschließlich Opern gesucht. Die Fragen dazu sind extrem verdichtete Inhaltsangaben. Also gut konzentrieren, bitte!

Klassik-begeistert-Autor und Top-Quizzer Guido Marquardt stellt Ihnen jeden Samstag fünf Quizfragen aus der Welt der Klassischen Musik – als offene Fragen, ohne Multiple-Choice-Optionen. „Das Klassik-Quiz – Folge 16“ weiterlesen

Meine Lieblingsoper 49: "Fidelio" von Ludwig van Beethoven

Hamburgische Staatsoper: Fidelio (Inszenierung Georges Delnon): Falk Struckmann (Rocco) und Simone Schneider (Leonore) Foto: Arno Declair

Birgit Nilsson, Mirella Freni, Edita Gruberova, Plácido Domingo, Luciano Pavarotti: Der Hamburger Mediziner und Klassik-Connaisseur Dr. Ralf Wegner hat die großen Weltstars der Opernwelt seit Ende der 1960er-Jahre alle live erleben dürfen: vor allem in der Staatsoper Hamburg, die in den 1970er-Jahren noch zu den weltbesten Opernhäusern zählte und sich heute um Anschluss an die deutsche und europäische Spitze bemüht. Begeben Sie sich in ein wunderbares Stück Operngeschichte und reisen Sie mit in eine Zeit, die scheinbar vergangen ist.

von Ralf Wegner

Fidelio ist eine besondere Oper. Nicht nur wegen ihrer Einzigartigkeit in Beethovens Werk. Beim Durchblättern meiner alten Besetzungszettel fiel mir auf, wie häufig ich mit den gesanglichen Leistungen der Protagonisten nicht recht zufrieden war. Von 15 auf der Bühne gehörten Tenören waren nur 4 wirklich gut (James King, René Kollo, Heinz Kruse und Klaus Florian Vogt). Bei den 14 verschiedenen Leonoren sah es zwar besser aus (Inge Borkh, Gwyneth Jones 1969, Catarina Ligendza, Hildegard Behrens, Nadine Secunde, Sabine Hass, Simone Schneider); im Vergleich mit anderen Opern, vor allem den italienischen, besteht aber durchaus ein Missverhältnis. „Meine Lieblingsoper 49: Fidelio von Ludwig van Beethoven“ weiterlesen

Beyond comprehension? Auf den Spuren einer Sphinx des Klavierspiels

DVD-Besprechung: Arturo Benedetti Michelangeli: “Beyond Perfection“

Dokumentation, D, 2019, 79 Minuten, DVD /BlueRay (Unitel)

Ko-Produktion der 3B-Produktion GmbH mit SWR, Arte, SRF und Unitel, gefördert durch die MFG Baden-Württemberg.

Autoren, Regie: Syrthos J. Dreher, Dag Freyer

„Ein ganzes Leben reicht so gerade eben, um eine Sache gut zu machen“ (Arturo Benedetti Michelangeli)

Von Dr. Holger Voigt

In diesem Jahr wäre er einhundert Jahre alt geworden (geboren am 5. Januar 1920 in Brescia, Italien). Indes weilt er schon seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr unter uns (gestorben am 12. Juni 1995 in Pura, Kanton Tessin, Schweiz).

Aus dem Gedächtnis der Klassikwelt ist er nie verschwunden; in Italien wird er fast wie ein Heiliger verehrt. Trotz eines eher begrenzten Repertoires ist sein musikhistorischer Fußabdruck riesig. Hört man heute einen seiner Konzertmitschnitte, ist man unmittelbar elektrisiert und weiß, dass er es ist, der da spielt. Wie kann so etwas passieren? „DVD-Besprechung: Arturo Benedetti Michelangeli: “Beyond Perfection““ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 22: Renée Fleming – Die Biografie meiner Stimme (2. Teil)

Foto: © Decca / Timothy White

Fleming beginnt jetzt im zweiten Teil bei uns Zuhörern mit dem Klischeebild von SängerInnen aufzuräumen, von Vögeln, die auf einem Blütenzweig trillern und von Körnern leben, wie sie es humorvoll ausdrückt.

von Lothar Schweitzer

Sie erzählt im Kapitel „Geschäftliches“ von den schwierigen Aufgaben einer Agentur. Den richtigen Zeitpunkt für eine Presseaussendung zu bestimmen. Soll man Schwerpunkte wählen oder nicht? Die moderne Musik streichen? Nicht zu viele neue Rollen einstudieren. Die heilsame Lehre, nicht alles für alle sein zu können. Musikalische Entdeckungsreisen gestatten nicht, sich als eine Mozart- oder Strauss-Expertin zu bezeichnen. Und die Schwierigkeiten der Terminplanung: Was fünf Jahre im Voraus geplant werden muss, kann zwei Jahre vorher eng wirken und zwar durch dazugekommene Interviews, Fernsehauftritte, Reiterwettbewerbe der eigenen Kinder, Krankheiten. „Schweitzers Klassikwelt 22: Renée Fleming – Die Biografie meiner Stimme (2. Teil)“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 21: Renée Fleming – Die Biografie meiner Stimme (1. Teil)

Was für ein Unterschied zwischen der Autobiografie der Ira Malaniuk und jetzt Flemings (Geburtsjahrgang 1959) ebenfalls selbstverfasster Lebensbeschreibung! Im ersteren Fall lasen wir über die sicher mit gerechtfertigtem Stolz vorgebrachte Aneinanderreihung erfolgreicher Opernabende, hier staunen wir über die bezwingende Art von Ehrlichkeit ihre zu überbrückenden Schwierigkeiten im Kunstgesang nicht zu verheimlichen. In so manchen Absätzen und Zeilen steckt obendrein ein Hauch von Poesie.

von Lothar Schweitzer

Das Porträtfoto auf der Vorderseite der Schutzhülle zeigt ausdrucksvolle blaue Augen. Nach meinen Vorstellungen verrät das Gesicht die typische Amerikanerin. Die Künstlerin selbst beschreibt sich mit vererbten slawischen Gesichtszügen, die das Gesicht nicht zu schmal erscheinen lassen, was auf der Bühne von Vorteil sein soll. „Schweitzers Klassikwelt 21: Renée Fleming – Die Biografie meiner Stimme (1. Teil)“ weiterlesen

Barockes Gender-Verwirrspiel

Foto: © Innsbrucker Festwochen / Rupert Larl

„In Zeiten, in denen die Genderdebatte und die Emanzipation von der Norm abweichender Geschlechterrollen ein viel diskutiertes Thema ist, trifft diese Tragikomödie einen sensiblen Nerv und der Regisseur Stefano Vizioli spielt virtuos mit den immer neuen Verwicklungen der Handlung, die nahezu drei Stunden lang durchaus spannend bleibt, und immer neue Überraschungen bereit hält.“

DVD-Rezension: Pietro Antonio Cesti, La Dori
NAXOS 2.110676

Accademia Bizantina
Ottavio Dantone

von Peter Sommeregger

Neben Francesco Cavalli gilt Pietro Antonio Cesti als einer der herausragenden Komponisten der venezianischen Oper der Barockzeit. 1652 wurde er an die Hofkapelle des Erzherzogs Ferdinand Karl berufen, und entfaltete in Innsbruck eine erfolgreiche Tätigkeit. Als dritte der für Innsbruck geschriebenen Opern erlebte 1657 La Dori hier ihre Uraufführung. „DVD-Rezension: Pietro Antonio Cesti, La Dori, Accademia Bizantina, Ottavio Dantone“ weiterlesen

Der Schlauberger 26: Volle Transparenz – Heute: Die Überseeische

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

von Reinhard Berger

Ist schon eine Weile her, als das passierte: Donald Trump wettert und flötet gleichzeitig, und unsere Kanzlerin bleibt völlig cool. Kein Wunder, sie ist ja auch eine überzeugte Transatlantikerin, wie Regierungssprecher Steffen Seibert gerade erst bestätigt hat. „Der Schlauberger 26: Volle Transparenz – Heute: Die Überseeische“ weiterlesen