Klassik per Mausklick: Ein Überblick über das aktuelle Streaming-Angebot

Foto: Jonas Kaufmann © Gregor Hohenberg

von Leon Battran

Abgesagt. Cancelled. Annullato. Die Konzert- und Opernhäuser dieser Welt spielen im Moment alle dasselbe Programm. Nämlich überhaupt nichts. Trotzdem lassen sich Musiker, Künstler und Kulturschaffende vom Virus nicht lähmen und machen aus der Situation das beste. Einige geben auf dem Balkon Konzerte für die Nachbarschaft. Viele übertragen auch Konzerte aus den eigenen vier Wänden direkt ins Internet. So bleibt die Kunst lebendig. Und auch das kulturelle Leben bleibt lebendig, denn wir können nach wie vor live dabei sein. Ganz bequem vom heimischen Sofa aus. „Klassik per Mausklick, Streaming-Angebote während der Corona-Krise
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Die Komische Oper Berlin wagt einen optimistischen Ausblick auf die Saison 2020/21

Foto: © Jan Windszus Photography

Komische Oper Berlin, 23. März 2020

von Peter Sommeregger

Nichts geschieht augenblicklich nicht nur im Berliner Kulturbetrieb wie gewohnt, die besonderen Zeiten, die uns das Corona-Virus beschert hat, erfordern den Verzicht auf lieb gewonnene Dinge, wie z.B. die launige jährliche Spielplan-Präsentation durch Barry Kosky, den Intendanten der Komischen Oper.

Nun, Kosky hat auch durch Corona seinen Humor nicht verloren, er präsentiert in einem nahezu halbstündigen Video die Details der kommenden Spielzeit, garniert mit kurzen Statements von Mitwirkenden neuer Produktionen. Sein Optimismus wirkt einmal mehr ansteckend, er lässt keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass die Saison 2020/21 so stattfinden wird, wie er sie ankündigt. Und er hat sich und seinem Haus ein sehr starkes Programm verordnet. „Vorstellung der Spielzeit 2020/21
Komische Oper Berlin, 23. März 2020“
weiterlesen

Klassik und Kultur in Zeiten der Krise: Was hören, was bewegt, was lesen und was sehen die LeserInnen von klassik-begeistert.de?

Foto: Auch der Symphonische Chor Hamburg kann zur Zeit nicht proben. Copyright: Olaf Malzahn (c)

Johannes schreibt:

„Sehr geehrter Herr Schmidt,

im Rahmen ihres LeserInnen-Aufrufs vom 16.03 bei klassik-begeistert.de möchte ich Ihnen einige eigene Eindrücke zum Thema zukommen lassen:

Als Musik- (hauptsächlich Klassik) und Musikwissenschaftsbegeisterter Mensch versuche ich in diesen Tagen mit verschiedenen Musikbeschäftigungen ein gewisses Gegengewicht zu den sehr bedrückenden Nachrichten, die leider momentan zum Alltag gehören, zu schaffen. Ganz oben auf der Liste steht bei mir mindestens eine Gesamtaufnahme von Madama Butterfly, vom Fliegenden Holländer, von der dritten Symphonie von Mahler, von Alcina und vom Rosenkavalier mir anzuhören. „Klassik und Kultur in Zeiten der Krise 2“ weiterlesen

Klassik und Kultur in Zeiten der Krise: Was hören, was bewegt, was lesen und was sehen die LeserInnen von klassik-begeistert.de?

Verdienter Schlussapplaus für alle Beteiligten im Großen Saal der Elbphilharmonie, Symphonischer Chor Hamburg, 23. Februar 2020, César Franck, Les Béatitudes. Foto: Ulrich Poser (c)

Dr. Lorenz Kerscher schreibt aus Penzberg (Bayern):

„Lieber Herr Schmidt,

auf Ihre Fragen bei „Klassik begeistert“ könnte ich Romane schreiben. Da Sie hoffentlich viele Zuschriften bekommen, versuche ich mich kurz zu fassen.

Meine Interessen verteilen sich gleichmäßig auf Oper, Oratorium, Symphonik, Liedkunst und Kammermusik. Ein wenig stilvoller Songwriterpop und Jazz darf auch gerne sein. Außerdem singe ich regelmäßig in einem Oratorienchor und pflege mit Freunden ein wenig Hausmusik.

Als häufiger Besucher der Bayerischen Staatsoper kenne ich auch einige der aufstrebenden Künstler an diesem Haus persönlich, wie z.B. Hanna-Elisabeth Müller, Okka von der Damerau, Selene Zanetti, Galeano Salas, Milan Siljanov etc.
So kam ich auf die Idee, über diese und auch Künstlerinnen und Künstler, die ich aus Videostreams von Aufführungen und Wettbewerben kenne, Artikel in Wikipedia zu schreiben. Das ist mittlerweile ganz schön ausgeufert, wie hier aufgelistet ist:
https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Lorenz_kerscher

Oftmals habe ich dabei auch Artikel aus Klassik begeistert als Quellen benutzt, vielen herzlichen Dank dafür!

Am liebsten entdecke ich unbekannte Juwelen: selten gespielte Werke oder von den Medien zu wenig beachtete Künstler.

z.B.

– Moniuszkos humorvoll-patriotische Oper „Das Gespensterhaus“ – https://youtu.be/Wnh1XTyFZJo

– die 4. Symphonie von Franz Schmidt – https://youtu.be/w_fjFPhrKjw

– die engelsgleich singende Sopranistin Franziska Bobe mit Bachs Hochzeitskantate – https://www.youtube.com/playlist?list=PL9ukUDVOSZOes79-x4fX3Y4C_fa53A2zQ

Ich reise auch gerne mal etwas weiter, um Opernraritäten wie Janaceks Katja Kabanova, Smetanas Dalibor, Berliozs Trojaner oder Massenets Cendrillon live zu erleben und sammle selteneres Repertoire auf CD und DVD. So wird die Zeit nicht lange und auch der derzeitige schmerzliche Verzicht auf das Live-Erlebnis verkraftbar. Ich frage mich nur, was man für die Künstler tun kann, die jetzt existenzbedrohliche Verdienstausfälle hinnehmen müssen!

Das soll jetzt genügen, ansonsten könnte ich mir vorstellen, auch mal etwas für „Klassik begeistert“ zu schreiben!“

Herzliche Grüße
Dr. Lorenz Kerscher

klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at, 20. März 2020

… und wir möchten weiter gerne wissen: Wie holen Sie in diesen Tagen und Wochen, in denen nicht vieles ist wie früher, ein wenig Muße, Erbauung und Entspannung in Ihren Alltag?

Welche CDs hören Sie? Welche Streams und Fernsehsendungen sehen Sie? Welche Schallplatten spielen Sie? Was lesen Sie? Und welche Radiosendungen goutieren Sie?

Welche Komponisten begeistern Sie? Welche Einspielungen sprechen Sie an? Welche Opern und Konzerte schauen Sie sich an? … und was gibt Ihnen die Kultur, die Klassik und die Oper, die Musi – die seichte und die ernste – in dieser Zeit?

Schicken Sie Ihre Eindrücke, Impressionen, Beobachtungen, Hör- und Seherlebnisse bitte – gleich welcher Länge – an:

Wir suchen weitere schreibbegabte Klassikbegeisterte für den größten deutschsprachigen Klassik-Blog (google-Ranking). Machen Sie gerne mit in einem Team von 50 AutorInnen aus 7 Ländern.

Geben Sie gut auf sich acht und kommen Sie gut durch die nächste Zeit.

Die Kronprinzessin: LISE DAVIDSEN singt Wagner und Strauss bei DECCA

Foto: © Ray Burmiston / Decca Classics

CD-Besprechung:
LISE DAVIDSEN – Works by R. Wagner · R. Strauss (Decca)

Lise Davidsen Sopran
Esa-Pekka Salonen Dirigent
Philharmonia Orchestra

von Peter Sommeregger

Seit ihrer Auszeichnung beim Operalia-Wettbewerb 2015 in London gilt die Norwegerin Lise Davidsen als Geheimtipp für das jugendlich-dramatische Sopranfach, mit dem Schwerpunkt auf den Opern Richard Wagners.

Nur vier Jahre später sind manche der Versprechen bereits eingelöst, Davidsen sang 2019 bei den Bayreuther Festspielen die Elisabeth im Tannhäuser, im nächsten Jahr wird der grüne Hügel ihr Sieglinden-Debüt erleben und mit ersten Auftritten als Fidelio-Leonore ist der Weg in die Königsdisziplin des hochdramatischen Sopranfaches eingeleitet. „Lise Davidsen, Esa-Pekka Salonen, Philharmonia Orchestra, Works by R. Wagner · R. Strauss
CD-Besprechung“
weiterlesen

"Ich brauche diese Herausforderung der ständig neuen Projekte"

Foto: © Raphael Faux

Interview am Donnerstag 7: Der Kulturmanager und Musiker Christoph Müller

Christoph Müller wurde in Basel geboren. Er studierte Violoncello in Bern und Zürich. Als Cellist wirkte er u.a. im Basler Kammerorchester, wo er auch die Geschäftsführung übernahm und bis heute als Konzertmanager tätig ist. Seit 2002 ist Christoph Müller Intendant des Gstaad Menuhin Festivals, eines der größten Klassikfestivals der Schweiz.

klassik-begeistert.de hat Christoph Müller in Basel getroffen und mit ihm über den Spagat zwischen dem Musiker- und dem Managerdasein gesprochen.

von Leon Battran

Christoph Müller, Sie sind künstlerischer Leiter und Manager des Gstaad Menuhin Festivals. Darüber hinaus sind Sie Manager des Kammerorchesters Basel und Initiator verschiedener Projekte im Musik- und Kulturbereich. Würden Sie sich als „Macher“ bezeichnen?

Ja, das ist eine gute Bezeichnung. In diese Schublade wurde ich schon gesteckt und das trifft, glaube ich, auch zu. Ich bin einfach jemand, der Sachen ausprobiert und angeht. Klar, einige davon funktionieren, einige funktionieren nicht. Trotzdem mag ich es sehr, eine Idee von Grund auf zu entwickeln und zu versuchen umzusetzen. Das ist etwas, das mein berufliches Leben ausmacht und sicher auch noch ausmachen wird. Aber man muss natürlich den Durchhaltewillen haben und immer dranbleiben. Man kann sich eigentlich nie gehen lassen, aber das ist auch nicht mein Typus. Ich brauche diese Herausforderung der ständig neuen Projekte. „Interview am Donnerstag 7: Christoph Müller, Kulturmanager“ weiterlesen

„Sprecht leise! Haltet Euch zurück!“ – Beethoven was perfectly right!

Ludwig van Beethoven, Fidelio

Libretto: Joseph Ferdinand von Sonnleithner, Stefan von Breuning und Georg Friedrich Treischke

„Sprecht leise! Haltet Euch zurück!
O welche Lust, in freier Luft
Den Atem leicht zu heben!
Nur hier, nur hier ist Leben.
Sprecht leise, haltet Euch zurück!“

von Dr. Holger Voigt

„Social Distancing“ beginnt im Kopf und damit mit dem Sprechen“

Die COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2)-Pandemie lässt gegenwärtig unser aller Leben in den Grundfesten erschüttern. Vielen Verantwortlichen, die noch Anfang Januar nahezu amüsiert auf China blickten und die dortigen Maßnahmen als heillos übertrieben ansahen und gebetsmühlenartig darauf hinwiesen, die „normale“ Grippe sei doch viel gefährlicher und tödlicher, ist mittlerweile ihre eigene Hybris im Hals stecken geblieben. „Gut aufgestellt“ waren wir sicher nie und Pandemiepläne für Grippe und SARS reichen eben nicht aus, wenn eine völlig neuartige Bedrohungslage aufkommt: Das Virus hält sich einfach nicht an Vorschriften und Regularien der Vergangenheit. „Social Distancing, Schutzmaßnahmen,
Leben in Zeiten der Krise“
weiterlesen

Mein erstes klassisches Streaming-Event und warum ich keine Rezension darüber schreibe

Foto: Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Es ist anders als im Saal und muss es meiner Ansicht nach sein. Kamerafahrten, Schnitte, Überblendungen. Das kontextuiert die Musik auf eine andere Art. Die Regie führt meine Aufmerksamkeit, im Saal bin ich es der sie lenkt.

Ein Erfahrungsbericht von Frank Heublein

Mein Thema ist das der Konzentration. Ich glaube, dass ich Konzentration in meiner häuslichen Umgebung für ein Konzert, dass annähernd drei Stunden dauert, lernen muss. Mit dem Gang zum Kulturort bereite ich mich vor, fördere ich die Konzentration auf das Folgende. Das fällt zuhause weg.

Dann sind da Aspekte der Ablenkung: Ich schaffe es nicht, das Essen pünktlich zuzubereiten. Den ersten Teil der Schumannschen Lieder höre ich aus der Küche heraus. Immerhin: Ich habe den Stream mit meiner Anlage verbunden und dadurch eine gute Tonqualität. Essen und zuhören: Das geht schon, es ist aber nicht die Konzentration vorhanden, die ich für eine Rezension von mir selbst erwarte. „5. Akademiekonzert im Stream,
Bayerische Staatsoper“
weiterlesen

Sommereggers Klassikwelt 27: Raus aus dem Hamsterrad!

Foto: Lichtpuenktchen / Pixabay

Immer mehr wird klar: Wir alle sind auf uns selbst zurück geworfen, selbst enge soziale Bindungen können in der gegenwärtigen Situation nur begrenzt gepflegt werden. Selbstgenügsamkeit ist in der Generation Instagram & Co. keine weit verbreitete Eigenschaft, wäre aber ein probates Mittel gegen die nun einsetzende Frustration.

von Peter Sommeregger

Was derzeit weltweit geschieht, ist seit dem Zweiten Weltkrieg ohne Beispiel. Ganze Staaten beginnen sich abzuschotten, das öffentliche Leben kommt mehr und mehr zum Erliegen. Wer hätte so etwas in Friedenszeiten gedacht? Der Virus, der uns das eingebrockt hat, schreibt derzeit Geschichte und wir erleben sie staunend mit. „Sommereggers Klassikwelt 27: Raus aus dem Hamsterrad!“ weiterlesen

Langes Klassikwelt 9: Vom Walkürenritt zu "Pretty Woman". Unordentliche Gedanken

Eigentlich wollte ich mich ernsthaft mit dem Missbrauch von Musik beschäftigen. Bloß: Die Zeiten sind gerade ernst genug. Dann fiel mir der geniale Helmut Dietl ein. Der hat in den 80ern seinen Monaco Franze unter Leuten leiden lassen, die Musikereignisse (miss-)brauchen, um ihren gesellschaftlichen Status zu bestätigen. Dann wurde es unübersichtlich. Und irgendwann landete ich bei Pretty Woman.

von Gabriele Lange

Ganz ehrlich – ich habe meine Probleme mit Richard Wagner. Dafür gibt es zum einen ein paar ernste Gründe. Als jemand, der sich lange mit NS-Propaganda beschäftigt und den zugehörigen Soundtrack intensiv wahrgenommen hat, kann ich diese Musik nicht wirklich romantisch finden. Zum anderen: Wir passen einfach nicht zusammen. „Langes Klassikwelt 9: Vom Walkürenritt zu „Pretty Woman“. Unordentliche Gedanken“ weiterlesen