Mit Hingabe und Perfektion gelingt Jan Vogler ein beeindruckendes musikalisches Statement

Foto: © Marco Grob

CD-Besprechung: Jan Vogler »Three Continents«
(Veröffentlichung: 19. Juni 2020 bei SONY Classical)

Nico Muhly, Sven Helbig, Zhou Long: Konzert für Violoncello und Orchester „Drei Kontinente“

Jan Vogler, Cello

WDR Sinfonieorchester
Cristian Măcelaru, Dirigent

Dmitri Schostakowitsch: Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 op. 126

Orchester des Mariinsky-Theaters
Valery Gergiev, Dirigent

von Pauline Lehmann

Nach dem 24 Stunden-Livestream-Festival warten die Dresdner Musikfestspiele nun mit Nachschub auf: Das neue Album des Cellisten und Intendanten, Jan Vogler, birgt auch wieder diesen wehmütigen Schulterblick auf vergangene Festspieltage – doch damit lange nicht genug. „Jan Vogler, Cristian Măcelaru, Valery Gergiev, »Three Continents«,
CD-Besprechung“
weiterlesen

Unsre Lieblingsoper (38), ein Lieblingsthema: Pinocchio

Foto: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Der Komponist machte uns neugierig, haben wir doch am 24.12.2016 im Deutschen Fernsehen eine Christmette aus dem Dom von Hildesheim mit Messliedern von Pierangelo Valtinoni miterlebt. Deshalb besuchten wir in der Wiener Volksoper die Vorstellung vom 8. Januar 2019.

© Dieter Wuschanski Oper Chemnitz Pinocchio: Inga Lampert, Blaue Fee: Judith Kuhn

Wir kannten bisher die Oper „Pinocchios Abenteuer“ von Jonathan Dove aus Chemnitz (2008), wo uns besonders die Fee mit dem türkisblauen Haar in Person von Judith Kuhn im Gedächtnis blieb, die in letzter Zeit die Cio-Cio-San im Stadttheater Bremerhaven und im Landestheater Coburg die Rusalka sang. Noch im selben Jahr 2008 besuchten wir das schwungvolle Musical (Musik: Pavel Singer, Buch und Inszenierung: Beppo Binder) im Stadttheater Baden. Wir wollen die drei Versionen nicht gegeneinander ausspielen. Auch nicht Oper versus Musical. Jedes Werk für sich hat seinen Reiz. „Meine Lieblingsoper 38: „Pinocchio“ von Pierangelo Valtinoni“ weiterlesen

Die MITTWOCH-PRESSE – 17. JUNI 2020

Foto: © Salzburg Touristik

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die MITTWOCH-PRESSE – 17. JUNI 2020

Kommentar
Zauderer und Taktiker
Wie die Salzburger hätten sie’s alle machen sollen: abwarten, bis dem Virus der Heißhunger vergangen ist. Bis man weiß, wie man es austrickst, ohne auf Veranstaltungen verzichten zu müssen. Hätte doch funktioniert, Freiluft zumal, in Mörbisch, Bregenz, St. Margarethen, Klosterneuburg. Jetzt stehen sie alle da als Zauderer – und die Salzburger Festspiele samt einiger anderer Sommerspiele als Taktiker. Was jetzt, etwa von Bregenz, nachgeliefert wird, schaut nach Aufzeigen aus, nicht nach Wortmeldung. Nur den Nervenstarken gehört der Kultursommer.
Wiener Zeitung

Wien
Mozart- und Strauss-Konzerten fehlen Touristen
Im Sommer übernimmt in der „Welthauptstadt der Musik“ traditionell der Klassiktourismus das Ruder. Doch die Veranstalter von Mozart- und Strauss-Konzerten für Touristen stehen heuer wohl ohne Publikum da.
https://wien.orf.at/stories/3053367/

Wien/ Staatsoper
Dominique Meyer über Richard Lugner: „Er ist eine Nichtperson“
Der scheidende Staatsoperndirektor spricht über den Opernball, eine sogenannte Elite – und Baumeister Richard Lugner.
Kurier

Star-Tenor Jonas Kaufmann über seine neue „Otello“-Aufnahme: „Otellos Hautfarbe ist sein Stigma“
BR-Klassik

Berlin
Konzerthaus-Intendant: Das analoge Konzert ist nicht ersetzbar
Zum Saisonende spielt das Konzerthausorchester auf dem Gendarmenmarkt. Intendant Sebastian Nordmann über Corona und Zukunftsmodelle.
Berliner Morgenpost

Wien/ Staatsoper
Das sind echte Emotionen, keine Fälschungen Bezahlartikel
Wagner-Diva Camilla Nylund erzählte in der Staatsoper über Frauenliebe und -leben.
Die Presse

Köln
Oper kehrt zurück ins Rampenlicht
Mit neun Premieren und sechs Wiederaufnahmen kehrt die Kölner Oper im Oktober zurück ins Rampenlicht. Dazu kommen zwei weitere Premieren in der Kinderoper sowie drei Tanzproduktionen. Zeitgenössische Opern finden sich im Spielplan genauso wie Klassiker der Opernliteratur.
https://www.wz.de/nrw/burscheid-und-region/koeln_leverkusen/oper-kehrt

Salzburg/ Philharmonie/ Interview
Noch ist die Krise nicht vorbei
Ohne Geld keine Musik hieß es für Musikerinnen und Musiker. Nicht wenigen der 130 freischaffenden Mitglieder der Philharmonie Salzburg stand finanziell das Wasser bis zum Hals. Und darüber. Das Orchester half aus, so gut es ging. Autokonzert und Autokino ermöglichen erste Einnahmen. Aber die Krise und ihre wirtschaftlichen und sozialen Folgen sind noch nicht überstanden. Die Dirigentin Elisabeth Fuchs im Gespräch.
DrehpunktKultur „Die MITTWOCH-PRESSE – 17. JUNI 2020“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 7: Aus dem Zeitalter der LP – Tiefland

Foto: Gré Brouwenstijn (1968) © Ron Kroon / Anefo / CC BY-SA 3.0 NL (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/nl/deed.en)

„Halte ich heute diese alte Schallplatte, die ich mangels eines Plattenspielers derzeit nicht zum Leben erwecken kann, in den Händen, so höre ich unwillkürlich Stimmen, die nicht aus meiner Erinnerung weichen. Da klingen der dunkel timbrierte Sopran der Brouwenstijn und ein heller Sopran (Dodi Protero), wie das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels.“

von Lothar Schweitzer

Jeden Monatsanfang ging ich als Fünfzehnjähriger nach Erhalt des Taschengelds in ein Schallplattengeschäft, um mir eine LP auszusuchen. In der Regel waren es Opernquerschnitte. Warum ich gerade diese mir noch unbekannte Oper ausgesucht habe, ist mir heute ein Rätsel. Das düster gehaltene Layout zeigt das Schwarzweiß-Foto eines nicht gerade attraktiven Gebirgsdorfs. Der Rand des Umschlags ist in nicht sehr farbenfrohem Violett gehalten. Die Besetzung ist schwarz auf ebenfalls violettem Hintergrund aufgedruckt, Namen, die mir damals nichts bedeuteten. Ausnahme allein Paul Schöffler, den ich Monate zuvor an der Wiener Staatsoper in der Titelpartie von Hindemiths „Mathis der Maler“ gehört hatte und dessen Timbre mir trotz Höhenschwierigkeiten an dem Abend ausnehmend gut gefiel. Vielleicht war Schöffler der Grund meiner Wahl. „Schweitzers Klassikwelt 7: Aus dem Zeitalter der LP – Tiefland“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 36: Ein künstlerischer Mittsommernachtsalptraum?

Am Johannistag finden häufig Konzerte mit Carl Orffs „Carmina Burana“ statt, weil das Werk thematisch zum Mittsommer passt. 2006 wurde der Chor der Kantorei Sankt Barbara, in dem auch ich sang, eingeladen, das Stück im Rahmen der jährlichen Veranstaltung „Wianki“ (Kränze) in Krakau aufzuführen.

Von Jolanta Lada-Zielke

Der Name „Wianki“ stammt aus der alten slawischen Volkstradition, nach der die jungen Mädchen in der Mittsommernacht Kränze banden und sie in einen Fluss oder Bach warfen. Die jungen Männer standen derweil am anderen Ufer. Derjenige, der den Kranz eines bestimmten Mädchens herausfischte, würde sie später zu seiner Ehefrau nehmen. „Ladas Klassikwelt 36: Ein künstlerischer Mittsommernachtsalptraum?“ weiterlesen

„Abgesehen davon, wie mysteriös und unvorhersehbar es auch sein mag, geht es im Leben immer noch um Liebe“

Interview am Donnerstag (18): 10 Fragen an den Bassisten und Lautenisten Joel Frederiksen

Joel Frederiksen liebt es schon seit früher Jugend, auf der Bühne zu stehen. Ein Jahr verbrachte er in Japan in der Nähe von Kyoto. Sein Leben drehte sich immer um Musik, Abenteuer, Reisen und Liebe.

Den entscheidenden Schritt für eine professionelle Musikerexistenz ermöglichten ihm exzellente Mentoren: In Minneapolis betrieb er bei Loren Lund intensive Gesangstudien. Seine „halbstündigen“ Lektionen von jeweils 2 ½ Stunden waren für Joel Frederiksens Entwicklung prägend. Sein Studium der Laute absolvierte er beim „Guru“ Pat O’Brien in New York City. Nach seinem Master in Alter Musik konnte er wählen zwischen einer Promotion an der Indiana University oder professionellen Auftritten als Bass-Sänger mit dem Waverly Consort in New York City. Ein Glück für die Welt: Er entschied sich für die professionelle Laufbahn und er selbst hat es nie bereut.

von Frank Heublein

  1. Was bedeutet Ihnen Musik?

Freude, Sehnsucht, Schmerz, Erlösung, Komplexität, einfach sein, das Sein, Natur, Ausdruck, empfänglich zu sein, Klang, Vibration, Sensualität, Tiefe, Liebe, Expression, Intimität, Nähe, Virtuosität, England, Italien, Frankreich, Deutschland, Europa, Amerika, Japan, Syrien, Afrika, Rhythmus, Stimme, Wort, Poesie, Kommunikation, Spüren, Fühlen, Geben, Nehmen, Liebe, Liebe, Liebe.

  1. Gab es so etwas wie einen Weckruf, eine Eingebung, dass Sie sich ausgerechnet der alten Musik verschrieben haben?

„Interview am Donnerstag (18): Der Bassist und Lautenist Joel Frederiksen“ weiterlesen

Sommereggers Klassikwelt 39: Von der Singakademie zum Maxim-Gorki-Theater

Das schöne, aber unauffällige klassizistische Gebäude, das in Berlin ein wenig versteckt hinter der Schinkel-Wache Unter den Linden und dem so genannten Kastanienwäldchen liegt, ist ein höchst geschichtsträchtiger Ort. Seine Geschichte spiegelt die an Katastrophen und politischen Umwälzungen reiche Historie dieser Stadt wider.

von Peter Sommeregger

Über dem Eingang prangt heute der Schriftzug „Maxim Gorki Theater“, aber das war keineswegs immer so. Die Baugeschichte allein ist reich an Planänderungen, Umbauten, Zerstörungen und schließlich neuer Bestimmung des weißen Hauses. Der Leiter der Singakademie Berlin, Friedrich Carl Zelter, der mit dem Architekten Karl Friedrich Schinkel befreundet war, hatte ihn um einen Entwurf für den ersten öffentlichen Konzertsaal Berlins gebeten. Schinkels Pläne wurden verschiedentlich verändert, die endgültige Bauleitung übernimmt Karl Theodor Ottmer, 1827 kann das Gebäude eingeweiht werden. Die Akustik des Neubaus ist hervorragend geglückt und über die Jahre konzertieren bedeutende Musiker wie u. a. Niccolò Paganini, Franz Liszt, Clara und Robert Schumann, Anton Grigorjewitsch Rubinstein und Johannes Brahms in dem Konzertsaal. Hier findet auch am 11. März 1829 die legendäre Wiederaufführung von Bachs Matthäuspassion unter dem erst 20-jährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy statt. „Sommereggers Klassikwelt 39: Von der Singakademie zum Maxim-Gorki-Theater“ weiterlesen

Salzburger Festspiele 2020 mit überraschend üppigem Programm: 2 Opern, 3 Theaterproduktionen und 53 Konzerte

Foto: v.l.n.r. Lukas Crepaz, Helga Rabl-Stadler und Markus Hinterhäuser. © Neumayr/Leo

Das Programm der Salzburger Festspiele, das wegen des Coronavirus gekürzt werden musste, fällt üppiger aus als gedacht: Mit „Elektra“ und „Cosi fan tutte“ stehen gleich zwei Opernneuproduktionen am Programm. Das haben Präsidentin Helga Rabl-Stadler, die ihren auslaufenden Vertrag um ein Jahr verlängern dürfte, und Intendant Markus Hinterhäuser am Dienstag verkündet.

von Jürgen Pathy

„Elektra“ und „Così fan tutte“

„Elektra“, mit der die Festspiele am 1. August eröffnet werden, inszeniert der Pole Krzysztof Warlikowski. Die musikalische Leitung obliegt Franz Welser-Möst, der die Wiener Philharmoniker dirigieren wird. Asmik Grigorian, die 2018 als Salome eingeschlagen hat wie eine Bombe, singt die Titelpartie. Die zweite Oper, ebenfalls eine Neuproduktion, liegt in der Hand von Christof Loy. Der deutsche Regisseur inszeniert Mozarts „Così fan tutte“. Dirigieren wird mit Joana Mallwitz eine Newcomerin, die 2019 von der Fach-Zeitschrift Opernwelt zur Dirigentin des Jahres gewählt wurde. Marianne Crebassa singt die Dorabella. „Salzburger Festspiele, Programm 2020“ weiterlesen

Frau Lange hört zu (15): Apfelstrudel für Kim Jong-un

Bild: Album artwork by Valnoir

Wir leben in einer Zeit, in der Dystopien Realität werden. Nicht nur was die Pandemie betrifft, auf die uns etwa Stephen King, Michael Crichton und Terry Gilliam vorbereitet haben. Vor dem, was in den USA, Brasilien, Ungarn, der Türkei … geschieht, haben uns George Orwell oder Margaret Atwood gewarnt. „Laibach“ liefert bereits seit vier Jahrzehnten dafür den Soundtrack.

von Gabriele Lange

„All art is subject to political manipulation (…),
except for that which speaks the language of this same manipulation.“

Laibach, „Manifest”

Eines der faszinierendsten Konzerte meines Lebens war Laibach „The Sound of Music“. Eine Avantgarde-Industrial-Band spielte Songs aus dem zuckersüßen Musical von Rodgers & Hammerstein. Und präsentierte damit eine irritierende Schnittmenge aus Hollywoodunterhaltung, Heimatkitsch und totalitärer Propaganda. Klingt seltsam? Es wird noch bizarrer. Jahre bevor das Album herauskam hatte Laibach ebendiese Songs in Nordkorea gespielt. 2015, zum 70. Jubiläum der Befreiung von der japanischen Besatzung. Mitten im Konflikt um die nukleare Aufrüstung Nordkoreas. Als erste ausländische Rockband, die dort überhaupt je auftreten durfte. Es gibt einen Dokumentarfilm darüber (Liberation Day).

Das hätte schiefgehen können, denn diese Diktatur ist unerbittlich. Auch gegen Ausländer. Damit sich ermessen lässt, was für ein irrwitziges Kunststück Laibach da gelungen ist – und wie das klappen konnte –, muss ich etwas ausholen. „Frau Lange hört zu (15): Apfelstrudel für Kim Jong-un“ weiterlesen

Eine interessante Veröffentlichung fernab des musikalischen Mainstreams: Igor Kuljerićs "Glagolitisches Requiem" mit Ivan Repušić

Foto: © Studio Mierswa-Kluska

Igor Kuljerić, Glagolitisches Requiem
Jakov Gotovac, Hymne an die Freiheit

Chor des Bayerischen Rundfunks
Münchner Rundfunkorchester
Dirigent: Ivan Repušić

von Peter Sommeregger

Der kroatische Dirigent Ivan Repušić ist seit der Saison 2017/18 Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters. Es verwundert also nicht, dass er die sakrale Komposition seines 2006 verstorbenen Landsmannes Igor Kuljeric, der in seiner Zeit eine zentrale Figur des kroatischen Musiklebens war, mit „seinem“ Münchner Rundfunkorchester aufführen wollte. Das 1996 uraufgeführte Werk feierte zu diesem Zeitpunkt auch die endlich nach langer Zeit und einem blutigen Krieg erlangte staatliche Unabhängigkeit Kroatiens. Kuljeric greift gleichermaßen auf traditionelle Strukturen der heimatlichen Sakralmusik zurück wie auch auf moderne Stilelemente. Orgel, Harfe, Glocken und Vibrafon tragen wesentlich zum polyphonen Klangbild bei. Ein gemischter Chor und vier Solisten bilden den mächtigen Apparat, der für die Realisierung des Requiems erforderlich ist. „Ivan Repušić, Igor Kuljerić, Glagolitisches Requiem,
CD-Besprechung“
weiterlesen