Brandenburger Theater, La Traviata © Opernfotografie Detlef Kurth
Giuseppe Verdi
La Traviata
Oper in drei Akten – Musiktheater
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln / Libretto von Francesco Maria Piave
Natalia Baldus Violetta Valéry
Sotiris Charalampus Alfredo Germont
Frederic Baldus Giorgio Germont
Dr. Alexander Busche Inszenierung
Andreas Spering Musikalische Leitung
Brandenburger Symphoniker
Extra Chor Brandenburg
Brandenburger Theater, Dernière, 20. Oktober 2024
von Peter Sommeregger
Es verdient Respekt, wenn ein Mehrsparten-Theater wie jenes der Stadt Brandenburg sich auch an große Opern wagt. Prächtige Ausstattungen lässt das schmale Budget mit Sicherheit nicht zu, aber auch hier gilt: wer kein Geld hat, muss Phantasie haben.
Der Regisseur und Intendant Alexander Busche hat sich einmal mehr an einer große Oper versucht, und macht aus der Not eine Tugend. Das Drama um die Lebedame Violetta im Paris des 19. Jahrhunderts siedelt er vom Beginn nicht im dekadenten Luxus an, sondern zeigt Violettas kurzes Liebesglück und ihren Tod sehr reduziert, komplett auf ein Podium in der Bühnenmitte konzentriert. Hier spielt sich wie in einem Kaleidoskop das Verhängnis ab.
Eine Traviata-Aufführung steht und fällt mit der Besetzung der Violetta und des Alfredo. Und hier kann die Brandenburger Bühne kräftig punkten. Natalia Baldus verfügt über einen höhensicheren lyrischen Sopran, der Schmelz und Liebreiz transportiert und die Zerbrochenheit der jungen Frau glaubwürdig abbildet. Ihr schönes Timbre setzt sie gekonnt ein, aber auch die Verzweiflung am Ende kann sie gut vermitteln. Hier erkennt man das Potential für größere Aufgaben und Häuser.
Sotiris Charalampous singt einen selbstbewussten, kämpferischen Alfredo. Sein kräftiger Tenor mit schöner baritonaler Komponente weist schon über das lyrische Fach hinaus , hat Glanz und Attacke. Da meint man, schon einen Lyonel, einen Pinkerton, gar einen Rigoletto-Herzog zu ahnen.
Die beiden jugendlichen Sänger sind wie zwei Perlen in der etwas düster geratenen „Auster“ dieser Produktion. Frederik Baldus als Vater Germont kann bei diesen Höhenflügen nicht ganz mithalten, liefert aber dennoch eine solide Leistung ab. Die kleinen Rollen sind aus dem Ensemble stimmig besetzt. Am Pult der Brandenburger Symphoniker leitet Andreas Spering die Aufführung mehr als nur solide, achtet auf die Sänger und behält das Heft fest in der Hand.
Wieder einmal eine positive Überraschung, was in der sogenannten „Provinz“ alles möglich ist.
Peter Sommeregger, 21. Oktober 2024, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Richard Strauss, Elektra Brandenburger Theater, 24. Mai 2024 Premiere