Sommereggers Klassikwelt 92: 200 Jahre Freischütz

Als sich am 18. Juni 1821 der Vorhang im von Schinkel neu erbauten Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin hob, war es für die Uraufführung einer neuen Oper von Carl Maria von Weber. „Der Freischütz“ war der Titel des Werkes und griff in seinem Libretto eine alte Volkssage auf.

von Peter Sommeregger

Der Stoff, die Musik, der Komponist und Librettist, alles war Deutsch, und das war für die Oper der damaligen Zeit, die italienisch und französisch dominiert war, völlig neu. Nicht zu Unrecht sprach man später von der Geburtsstunde der Deutschen Oper. Für den großen Erfolg des Werkes sorgte aber die mitreißende Musik Webers, der damit sein bedeutendstes Werk geschaffen hatte. „Sommereggers Klassikwelt 92: 200 Jahre Freischütz“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 74: Chopin für unterwegs

von Jolanta Łada-Zielke

Viele von uns haben abenteuerliche Ausflüge erlebt. Ich reise am häufigsten auf relativ kurzer Strecke zwischen Deutschland und Polen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich gezwungen sein würde, auf dieser Route zu übernachten. Am vergangenen Freitag, 11. Juni, sollte ich von Krakau nach Hamburg mit Zwischenlandung in Warschau zurückfliegen und gegen Abend am Ziel sein, um das Eröffnungskonzert des 3. Chopin-Festivals sehen zu können. Zwar wurde die Veranstaltung online übertragen, aber ich hatte in Polen mein Smartphone als einzige Kontaktmöglichkeit mit Internet dabei. Am liebsten hätte ich gemütlich vor meinem Computerbildschirm gesessen und so wollte ich die Aufführung von Professor Hubert Rutkowski und Severin von Eckardstein, die Klavierduette spielen würden, genießen. „Ladas Klassikwelt 74: Chopin für unterwegs“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 37: Tumult in der Wiener Staatsoper

„Eben war der warme Sopran von Enriqueta Tarrés verklungen, da rief eine Männerstimme aus dem Parkett: „Vivat Caballé!“ Das war sehr unfair und gemein. Nun war für den weiteren Verlauf des Abends die Hölle los.“

von Lothar Schweitzer

Es ging ihr ein fabelhafter Ruf voraus, seit Montserrat Caballé in der New Yorker Carnegie Hall im Jahr 1965 in Donizettis Lucrezia Borgia für Marilyn Horne eingesprungen war. Sechs Jahre mussten wir warten, bis die katalanische Sängerin endlich an der Wiener Staatsoper, an der sie auch später ein rarer Gast blieb, für zwei Abende am 15. und 20. Mai 1971 als Troubadour-Leonore angesagt war. „Schweitzers Klassikwelt 37: Tumult in der Wiener Staatsoper“ weiterlesen

Der Schlauberger 51: Offen für alles – Über besondere Tage im Geschäft

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

von Reinhard Berger

Ob Sie’s glauben oder nicht: Ich bin durchgegangen. Einen ganzen Tag lang. Durch die Tür. Kein Problem. Es war ja auch ein Tag der offenen Tür.

Ich finde diese Einrichtung klasse und mache sogar die ganze Woche Gebrauch davon. Denn dort, wo ich einkaufe, ist fast jeder Tag ein Tag der offenen Tür. Sonst könnten die Kunden ja gar nicht reinkommen. „Der Schlauberger 51: Offen für alles – Über besondere Tage im Geschäft“ weiterlesen

Frauenklang 4: Maria Szymanowska: emanzipierte Klaviervirtuosin und Goethes Muse – Teil 2

Eine der Hauptfiguren des Buches „Musik und Geschlecht“ von Danuta Gwizdalanka ist die polnische Pianistin und Komponistin Maria Szymanowska (1798-1831), die in für die weibliche Emanzipation ungünstigen Zeiten weitreichende Eigenständigkeit zeigte. Frau Gwizdalanka arbeitet derzeit an ihrer umfangreichen Biografie.

Fortsetzung des Gesprächs zwischen Jolanta Łada-Zielke und Danuta Gwizdalanka

In welcher Arbeitsphase an dem Buch über Szymanowska befinden Sie sich jetzt?

Im Moment organisiere ich die gesammelten Materialien und suche nach Antworten auf gründliche Fragen, die während der Arbeit entstanden sind. Eine davon: was hat Maria Szymanowska wirklich dazu bewogen, als Klaviervirtuosin in die Welt zu gehen? Sie selbst sagte und schrieb immer wieder – weshalb ich mir später erlaubt habe, ihre Worte vorsichtig zu zitieren – dass sie sich nach der Scheidung von ihrem Mann zu diesem Schritt entschlossen habe, um den Lebensunterhalt für die Kinder zu verdienen. Sie hatte zwei Töchter und einen Sohn. Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass dies wirklich ihre Hauptmotivation war. Das bezweifelt auch Doris Bischler, die Autorin einer exzellenten Dissertation über Szymanowska, die vor einigen Jahren in Berlin erschienen ist. Warum? Weil es scheint, dass Szymanowska nur versuchen wollte, ein „Star“ zu sein und die Welt zu sehen. Mit 30 Jahren hoffte sie ein außergewöhnliches Abenteuer zu erleben und als Pianistin europäische Hauptstädte zu erobern, natürlich im Vergleich zu den größten Stars der Zeit – den Männern. In diesen Zeiten war das ein äußerst extravaganter Wunsch. „Frauenklang 4: Maria Szymanowska: emanzipierte Klaviervirtuosin und Goethes Muse – Teil 2“ weiterlesen

Daniels Anti-Klassiker 16: Gioachino Rossini – Figaro-Arie aus „Der Barbier von Sevilla“ (1816)

Höchste Zeit, sich als Musikliebhaber neu mit der eigenen CD-Sammlung oder der Streaming-Playlist auseinanderzusetzen. Dabei begegnen einem nicht nur neue oder alte Lieblinge. Einige der sogenannten „Klassiker“ kriegt man so oft zu hören, dass sie zu nerven beginnen. Andere haben völlig zu Unrecht den Ruf eines „Meisterwerks“. Es sind natürlich nicht minderwertige Werke, von denen man so übersättigt wird. Diese sarkastische und schonungslos ehrliche Anti-Serie ist jenen Werken gewidmet, die aus Sicht unseres Autors zu viel Beachtung erhalten.

von Daniel Janz

Was haben die Looney Tunes und eine Rossini-Oper gemeinsam? Beide können so platt sein, als hätte sie eine Dampfwalze überfahren. Zu diesem Eindruck könnte man jedenfalls gelangen, wenn man sich den „Barbier von Sevilla“ anschaut – eine klassische Komödie darüber, dass zwei Männer ein und dieselbe Frau ehelichen wollen und die „wahre Liebe“ sich am Ende nur durch Betrug und viel Hilfe von außen durchsetzen kann. Haargenau so findet man es auch im Cartoon! Trotzdem hat diese Geschichte sich irgendwie so sehr gehalten, dass der Name „Figaro“ heute noch vielen ein Begriff sein dürfte. Wie ist das gekommen? „Daniels Anti-Klassiker 16: Gioachino Rossini – Figaro-Arie aus „Der Barbier von Sevilla“ (1816)“ weiterlesen

Sommereggers Klassikwelt 91: Maria Cebotari – ein viel zu früh verglühter Stern

Der 9. Juni 1949 war der Tag, an dem das viel zu kurze, aber trotzdem an Höhepunkten reiche Leben der rumänischen Sopranistin endete.

von Peter Sommeregger

1910 in Chișinău, damals noch zum russischen Kaiserreich gehörend, geboren war bei dem Arbeiterkind mit 11 Geschwistern das musikalische Talent so offenkundig, dass sie das Konservatorium ihrer Heimatstadt besuchen durfte. Früh wurde sie von dem Schauspieler Graf Alexander Wyrubow entdeckt, der sie künstlerisch unter seine Fittiche nahm und sie auch heiratete. Mit Wyrubow lebte sie anfangs in Moskau und Paris, ehe sie 1929 in Berlin ein weiteres Gesangsstudium begann. „Sommereggers Klassikwelt 91: Maria Cebotari – ein viel zu früh verglühter Stern“ weiterlesen

Rising Stars 8: Miriam Hanika – die Poetin mit dem Englischhorn

Die Entwicklung und Karriere vielversprechender NachwuchskünstlerInnen übt eine unvergleichliche Faszination aus. Es lohnt sich dabei zu sein, wenn herausragende Talente die Leiter Stufe um Stufe hochsteigen, sich weiterentwickeln und ihr Publikum immer wieder von neuem mit Sternstunden überraschen. Wir stellen Ihnen bei Klassik-begeistert jeden zweiten Donnerstag diese Rising Stars vor: junge SängerInnen, DirigentInnen und MusikerInnen mit sehr großen Begabungen, außergewöhnlichem Potenzial und ganz viel Herzblut sowie Charisma.

Miriam Hanika – September (live), Instrumentalstück mit Englischhorn (2021)

von Lorenz Kerscher

Der Name Miriam Hanika ist derzeit noch wenig bekannt, denn es gibt ihn erst seit Beginn dieses Jahres. Es ist der Künstlername, den die klassische Oboistin Miriam Katharina Ströher kürzlich für ihr Wirken als Liedermacherin gewählt hat, nachdem sie in diesem Genre vorher schon einige Jahre als Miriam Green aufgetreten war und zwei CDs veröffentlicht hatte. Nun aber erst einmal der Reihe nach, um den Überblick über das Leben und Wirken der vielseitigen und kreativen Künstlerin nicht zu verlieren! „Rising Stars 8: Miriam Hanika – die Poetin mit dem Englischhorn“ weiterlesen

Frauenklang 4: Frauen in der Musik und Musikwissenschaft – Teil 1

Foto: Musikwissenschaftlerin Danuta Gwizdalanka

Das schöne Geschlecht war in der Musikwelt nicht immer so präsent wie heute. Von Frauen komponierte Musik existiert weitaus länger als Frauenfußball oder Frauenparkplätze. Jedoch sprach man kaum über sie – es sei denn, dass sie die Kunst ihrer männlichen Zeitgenossen weit übertraf. In der Musikgeschichte gab es nicht nur Frauen, die sangen oder Pianoforte spielten; klassik-begeistert-Autorin Jolanta Łada-Zielke weckt sie aus ihrem Schattendasein: die Komponistinnen und Dirigentinnen, bedeutende weibliche Künstlerpersönlichkeiten, über die man zu Unrecht nichts oder zu wenig weiß. Sie präsentiert hervorragende Musikerinnen verschiedener Nationalitäten und Kulturen – aus Vergangenheit und Gegenwart. Höchste Zeit, dass Frauenklang ertönt!

Ein Gespräch mit der polnischen Musikwissenschaftlerin Danuta Gwizdalanka, die als Erste in Polen das Thema „Frauen in der Musikgeschichte“ erarbeitete. Wir unterhalten uns über die feminisierte Musikwissenschaft in Polen und polnische Komponistinnen, die in Deutschland Erfolg hatten.

Interview: Jolanta Łada-Zielke

Frau Gwizdalanka, Ihr Buch „Muzyka i płeć“ (Musik und Geschlecht, Krakau, 2001) war die erste polnische Veröffentlichung, die die Beteiligung von Frauen an der Musikgeschichte beschrieb. Ihre weitere schriftliche Arbeit zu diesem Thema ist eine Monographie über polnische Musik, die anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigkeit Polens auf Englisch und Polnisch herausgegeben wurde. Bald soll die deutsche Ausgabe davon erscheinen. Im Schlusskapitel „Herstoria“ geht es um die Verdienste von Frauen im zwanzigsten Jahrhundert. Von Zeit zu Zeit tritt die Frage in Polen auf, es kommt jedoch spät dazu, die Geschichte der Musik aus einer spezifisch weiblichen Perspektive zu betrachten. Es ist auch ein Thema, das selten diskutiert wird – anders als in Deutschland, England oder in den Vereinigten Staaten. Warum diese Verzögerung – und überhaupt das mangelnde Interesse in dem Bereich?

Einfach ausgedrückt, es besteht kein Bedarf dafür. Die Situation der polnischen Frauen, die sangen, spielten und komponierten unterschied sich zwar deutlich von der Lage ihrer westeuropäischen Kolleginnen. In der Musikwissenschaft, die sich mit dem Studium der Musikgeschichte befasst, war der Unterschied enorm. „Frauenklang 4: Frauen in der Musik und Musikwissenschaft – Teil 1“ weiterlesen

Daniels Anti-Klassiker 15: Wolfgang Amadeus Mozart – Rondo alla Turca („Türkischer Marsch“) aus Klaviersonate Nr. 11 (1783)

Höchste Zeit, sich als Musikliebhaber neu mit der eigenen CD-Sammlung oder der Streaming-Playlist auseinanderzusetzen. Dabei begegnen einem nicht nur neue oder alte Lieblinge. Einige der sogenannten „Klassiker“ kriegt man so oft zu hören, dass sie zu nerven beginnen. Andere haben völlig zu Unrecht den Ruf eines „Meisterwerks“. Es sind natürlich nicht minderwertige Werke, von denen man so übersättigt wird. Diese sarkastische und schonungslos ehrliche Anti-Serie ist jenen Werken gewidmet, die aus Sicht unseres Autors zu viel Beachtung erhalten.

von Daniel Janz

Mit seinem türkischen Marsch hat Mozart, der König aller Wiederholungen, es schon zum zweiten Mal in die Liste überbewerteter Klassiker geschafft. Ob als Klaviersonate oder in der Fassung für Orchester – diese Komposition dürfte sowohl dem häufigen Konzertgänger, als auch dem überzeugten Klassikabstinenzler ein Begriff sein. Geradezu legendär ist der dritte Satz. Zu Unrecht, wie ich finde. „Daniels Anti-Klassiker 15: Wolfgang Amadeus Mozart – Rondo alla Turca („Türkischer Marsch“) aus Klaviersonate Nr. 11 (1783)“ weiterlesen