Der Schlauberger 2: Die Joghurt klingt blöd, oder? Dann lieber den Gulasch

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer, Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

von Reinhard Berger

So. Nun ist es passiert. Das Virus ist auch in meiner Sprachkolumne angekommen. Oder der Virus?

Der Duden lässt beides zu. In der medizinischen Fachsprache wird die sächliche Form, also das Virus, verwendet. Beim Computervirus hat sich die männliche Form, der Virus, durchgesetzt. Einen weiblichen Virus gibt es nicht. Dafür aber fast 40 Substantive, auf die alle drei Artikel der, die, das, passen. „Die Joghurt“ klingt blöd, ist aber richtig.

Zwei Artikel für denselben Begriff kommen häufiger vor: der oder die Fussel, der oder das Barock, der oder das Gulasch … „Der Schlauberger 2: Die Joghurt klingt blöd, oder? Dann lieber den Gulasch
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Lieses Klassikwelt 37: Blockflöte

von Kirsten Liese
Foto: (c) pininterest

An diesem Freitag feiert die Blockflötenwelt den 90. Geburtstag von Hans-Martin Linde. Er war neben Frans Brüggen einer der größten Blockflötenvirtuosen seiner Zeit, unterrichtete an der renommierten Baseler Schola cantorum basiliensis  und schrieb zeitgenössische Werke, unter denen mir vor allem eines in Erinnerung blieb, das ich selber einmal gespielt habe: Music for a bird,  ein Stück, das tatsächlich tönt wie eine naturalistische Imitation eines Vogelgesangs.

Mit meinen Gedanken an Linde gehen für mich Erinnerungen an dieses Instrument einher, das ich zu Unrecht lange Zeit stiefmütterlich behandelte und über das ich bislang noch nicht einmal eine Zeile geschrieben habe. Nun wird es Zeit für eine Revision, dies auch in Erinnerung an die wunderbare Musikerin Jeanette Chemin-Petit, Tochter des Berliner Komponisten Hans Chemin-Petit, die zeitweise  meine Lehrerin war. Sie starb viel zu früh an Krebs. „Lieses Klassikwelt 37: Blockflöte
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Der Schlauberger 1: Rezyklate, aber nur post-consum. Heute: ganz ohne Corona

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird zwar unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

von Reinhard Berger

Kunde im Schreibwarenladen: „Guten Tag, ich hätte gern einen Bleistift.“ – Verkäufer: „Soll er aus Post-Consumer-Recyclingmaterialien bestehen oder aus Rezyklaten aus sogenannten Post-Consumer-Abfällen?“ – „Einen Bleistift, bitte.“ – „Sie meinen einen Gegenstand, der als Hauptfunktion das Schreiben, das Malen und Zeichnen sowie Markieren auf verschiedenen Untergründen hat?“ – „Nur einen Blei …“ – „Sag ich doch. Ein Gerät, dessen generelle gemeinsame Aufbau die Form eines Stiftes hat.“ – „Aber zum Anfassen.“ – „Natürlich mit Schaft. Das ist tragendes Bauteil eines Schreibgerätes, welches formgebend für den Stift ist und welches direkten Kontakt mit der Haut hat.“ „Der Schlauberger 1
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Sommereggers Klassikwelt 37: Constanze Mozart – die unterschätzte Witwe

von Peter Sommeregger

Bild: Maria Constanze Cäcilia Josepha Johanna Bailón Alosia Weber
5. Januar 1762, Zell im Wiesental

Die landläufige Meinung über die Witwe des wahrscheinlich größten musikalischen Genies aller Zeiten ist eher negativ besetzt. Wusste Constanze Mozart überhaupt, mit wem sie da verheiratet war? Als oberflächliche Person, welche die angeschlagenen Finanzen ihres Gatten durch Badekuren noch weiter belastete, oberflächlich war, und diesem Genie mehr schadete, als nützte?

Wer sich die Mühe macht, und seriöse Quellen zu Rate zieht, trifft auf eine völlig unterschiedliche Person. Die 1762 geborene Tochter Franz Fridolin Webers, der am Mannheimer Theater beschäftigt war, hatte noch drei Schwestern, die sämtlich musikalisch erzogen wurden. Mozart kam bei seinen Mannheimer Aufenthalten 1777 in Kontakt mit der Familie und verliebte sich erst in die zweitgeborene Aloisia, die ihn allerdings abwies. „Sommereggers Klassikwelt 37: Constanze Mozart – die unterschätzte Witwe“ weiterlesen

Frau Lange hört zu (14): Nicht immer „A Song of Joy“ …

Eine Coverversion kann eine Hommage sein, eine aufregende Neuinterpretation – oder eigene Ideenlosigkeit kaschieren. Manchmal möchte ein Musiker auch einfach seine Virtuosität beweisen, sein Ego streicheln, aus einer Schublade ausbrechen oder sich eine neue Zielgruppe erschließen. Wenn sich Klassik und Rock begegnen, kann das Ergebnis faszinieren – oder grausen.

von Gabriele Lange

Als ich die erste Coverversion eines klassischen Stücks hörte, war ich neun oder zehn Jahre alt und konnte sofort mitsingen. Oft genug lief Miguel Rios‘ pathetischer „Song of Joy“ ja im Radio und im Fernsehen. Dass die Melodie eigentlich von einem Herrn namens Beethoven stammte, wurde gelegentlich in der Anmoderation erzählt. Die Neunte stand dann bald neben Adamo und Alexandra im Plattenregal meiner Eltern. Einige Jahre später war ich alt genug, um mir Kubricks „Clockwork Orange“ anzusehen. Darin gab es nicht nur eine „klassische“ Einspielung der Sinfonie zu hören, sondern auch die brutal effektive Synthesizer-Version von Wendy Carlos. (Auch Purcells „Music for the Funeral of Queen Mary“ wurde hier übrigens faszinierend neu interpretiert.) Der teuflisch begabte Ritchie Blackmore von Deep Purple nahm sich noch mehr Freiheiten mit Beethovens Motiv und entwickelt daraus mal eben ein Gitarrensolo (ab Min 3:00). Nach einem Purple-Konzert war ich übrigens einige Tage lang fast so taub wie Beethoven. Aber das ist ein anderes Thema. „Frau Lange hört zu (14): Nicht immer „A Song of Joy“ …“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 33: Wahnfried

von Jolanta Łada-Zielke

#WirBleibenzuHause – trotz aller Lockerungen, die nach und nach eingeführt werden, ist dieses Sprichwort immer noch aktuell. Während der noch andauernden Pandemie fühlen wir uns zu Hause am sichersten.

Was ist aber mein Zuhause? Ich habe meinen Wohnort schon vielmals gewechselt und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mehr von Menschen als von Orten angezogen bin. Es gibt aber eine Stadt, in der ich mich am wohlsten fühle; dort, wo mein Lieblingskomponist sein Zuhause fand und den Traum seines Lebens erfüllte. „Ladas Klassikwelt 33
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Ritterbands Klassikwelt 13: Mozarts kruder Humor – but Margaret Thatcher was not amused

Mozarts berühmter sechsstimmiger Kanon „Leck mich im Arsch“ (KV 213), der übrigens musikalisch auf dem letzten Satz von Haydns Symphonie No. 3 in G-Dur beruht, vermag diesseits des Ärmelkanals wohl niemanden mehr in Erstaunen oder gar Empörung zu versetzen. Anders die frühere Premierministerin Margaret Thatcher (mit der ich übrigens in den 90er Jahren als NZZ-Korrespondent für Großbritannien ein ausführliches Interview geführt hatte). Sie schaute sich im Londoner West End das damals sehr beliebte Theaterstück „Amadeus“ von Peter Shaffer an – das ja ziemlich großzügig mit den biographischen Fakten umgeht.

von Charles E. Ritterband

Unbelehrbare Premierministerin

Der Regisseur von „Amadeus“, Peter Hall – Gründer übrigens der Royal Shakespeare Company – erinnert sich an den Theaterbesuch der Iron Lady: „Sie war nicht erfreut. In ihrem berüchtigten Gouvernanten-Stil tadelte sie mich heftig dafür, Mozart als Lausbub mit einer Vorliebe für obszöne Kraftausdrücke auf die Bühne zu bringen. Es sei doch undenkbar, argumentierte Thatcher, dass ein Mann, der so exquisite und elegante Musik geschaffen habe, derart unsägliche Dinge gesagt und geschrieben haben soll. „Ritterbands Klassikwelt 13: Mozarts kruder Humor – but Margaret Thatcher was not amused“ weiterlesen

Lieses Klassikwelt 36: Eberhard und Lenchen

von Kirsten Liese

Nichts mehr ist wie es einmal war, wenig von dem übrig, was mir einmal etwas bedeutete. Deshalb haben schöne Erinnerungen an Vergangenes für mich großes Gewicht.

Die langjährige Freundschaft meiner Familie mit Eberhard Finke  – von 1950 bis 1985 Erster Solocellist der Berliner Philharmoniker –  ist ein Teil dieser kostbaren Erinnerungen. Meine heutige Klassikwelt ist ihm gewidmet, er wäre am 19. Mai 100 Jahre alt geworden. Ich bin froh, dass er die aktuelle große Krise nicht mehr miterleben muss,  zugleich vermisse ich ihn und seine liebe Frau Rosemarie sehr. Er war ein ausgesprochen feiner, nobler Mensch,

Die Bekanntschaft begann, als ich ungefähr zehn Jahre alt war. Damals hatte sich meine Mutter mit Anfang 40 verspätet ihren Traum erfüllt,  das Cellospiel zu erlernen. Ihr erster Lehrer war ein Schüler von Eberhard und stellte den Kontakt her, als es darum ging, ein gutes Instrument zu kaufen. Man war sich sympathisch, und so blieb es nicht bei einer einmaligen Begegnung. „Lieses Klassikwelt 36: Eberhard und Lenchen,,
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Sommereggers Klassikwelt 36: Birgit Nilsson – Bigger than life

Den stärksten Eindruck hinterließ eine Siegfried-Aufführung mit ihr und Jean Cox, bei der sie ein Schluss-C in den Raum stellte, das atemberaubend mächtig und trotzdem wunderschön war. Wer das gehört hat, kann mit heutigen Wagner-Sängerinnen einfach nicht glücklich werden.

von Peter Sommeregger

Die am 17. Mai 1918 als einziges Kind eines Bauern im schwedischen Vastra Karup geborene ‎Märta Birgit Svensson sollte nach den Vorstellungen ihrer Eltern einen klar vorgezeichneten Weg einschlagen: einen Bauern heiraten und selbst Bäuerin sein. Es müssen die Gene ihrer Musik liebenden, und selbst gerne singenden Mutter gewesen sein, die in der jungen Birgit die Oberhand gewannen und sie einen Weg einschlagen ließen, der sie später bis auf olympische Höhen der Gesangskunst führen sollte. „Sommereggers Klassikwelt 36: Birgit Nilsson – Bigger than life“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 32: Digitale Chorproben – eine Übergangslösung während der Quarantäne

„Würden wir es wieder machen wollen?“, stellt das Vorstandmitglied eines führenden Hamburger Chores die rhetorische Frage und beantwortet sie sofort:„ Ja, auf jeden Fall, in Corona- Zeiten muss man sich den Klang der anderen halt hinzudenken. Und wir werden weitermachen: die nächsten digitalen Probentermine sind schon angesetzt.“

Foto: Der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor in der Laeiszhalle in Hamburg

von Jolanta Łada-Zielke

„Warum ist das Netz gegeben dem mühseligen Chorsänger…“ – so kann man den Text einer der „Zwei Motetten“ von Johannes Brahms paraphrasieren. Der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor aus Hamburg hat geplant, im Mai und Juni drei Konzerte mit dem Stück und anderen Brahms-a-capella-Werken aufzuführen. Aufgrund der Pandemie soll er nur einmal im September mit diesem Repertoire auftreten. Proben sind wegen Ansteckungsgefahr verboten, aber das Programm muss irgendwann geübt werden. Deswegen ist der Chorvorstand auf die Idee gekommen, Online-Proben zu organisieren. „Digitale Chorproben – eine Übergangslösung während der Quarantäne
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