Auf den Punkt 98: Oper lebt nicht nur von guten Stimmen

Carmen Giannattasio und Jonathan Tetelman © Bettina Stöß

von Jörn Schmidt

Andreas Schmidt ist der Herausgeber von klassik-begeistert. Demnächst feiert klassik-begeistert Geburtstag. Lieber Andreas, Dein Blog, der Jubilar, – ach was: Dein Baby, Dein Lebenswerk  – wird 10 Jahre alt und ist die Nr.  1 der Klassik-Blogs der DACH-Region  (Google-Ranking). Das habe ich mit 5 Artikeln gefeiert, die hier ab Mittwoch, 17. Juni 2026, zum Jubiläum erscheinen werden.

Ich bin glücklich, dass Du mich vor gar nicht so langer Zeit überredet hast, Teil der klassik-begeistert-Familie zu werden. Auch Du feierst Deine Autoren jeden Tag. Staatstragend wird es, wenn jemand den 100. Beitrag veröffentlicht hat. Das gibt eine dicke öffentliche Belobigung – nur mir hast Du für Folge 100 ein allen zugängliches Disziplinarverfahren angedroht. Ich habe schon überlegt, ob ich mit der nächsten Folge anfange, neu zu nummerieren: 99.1, 99.2, 99.3 und so weiter – so kann ich vielleicht noch Zeit gewinnen …

… dann aber  habe ich gedacht, Angriff ist die beste Verteidigung. Und habe mir überlegt, welches Fehlverhalten mir überhaupt vorzuwerfen ist. Meine typo-Quote ist unauffällig, würde ich sagen. Äußerungsrechtlich abgemahnt wurden meine Artikel auch noch nicht. Geld habe ich ebensowenig  verlangt – nach wie vor ist meine Schreibe pro bono. Wegen Pressekarten nerve ich Dich auch nicht. „Auf den Punkt 98:  Oper lebt nicht nur von guten Stimmen
klassik-begeistert, 10. Juni 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 97:  Was hätte Jürgen Kesting dazu gesagt?

Jürgen Kesting bei einem Podiumsgespräch der Salzburger Festspiele 2019, hinter ihm Jochen Kowalski © SF / Marco Borrelli

Der Journalist, Musikkritiker und Fachbuchautor Jürgen Kesting ist vor wenigen Tagen in Hamburg verstorben. Geboren 1940, wurde er mit einer Generation großer Sänger sozialisiert – Maria Callas, Elisabeth Schwarzkopf, Renata Tebaldi, Fritz Wunderlich, Franco Corelli, Luciano Pavarotti. Man nannte die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts daher auch das zweite Goldene Zeitalter der Oper. Kesting nannte man den Stimmpapst, weil er die Sänger verehrte, liebte und kritisierte.

Richard Wagner  Tristan und Isolde

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Omer Meir Wellber Dirigent

Hamburgische Staatsoper, 7. Juni 2026

von Jörn Schmidt

Ich würde meinen, nicht alle Sänger mochten ihn. Im Nachruf von Dieter David Scholz (nmz) stand, die hätten Kesting dann als „Hals-Nasen-Ohren-Archäologen“ belächelt. Derlei Häme ist die größte Auszeichnung für einen Kritiker – ich schließe damit meine Worte auf den großartigen Kollegen.

„Auf den Punkt 97: Was hätte Jürgen Kesting dazu gesagt?
klassik-begeistert.de, 8. Juni 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 96: Walking in Kiel

John Axelrod © johnaxelrod.com

Walking in Memphis“ ist ein Lied von Marc Cohn aus dem Jahr 1991, eine geniale Mischung aus softem Pop, Blues und Gospel. Cohn wurde von John Axelrod entdeckt, da war der amerikanische Kapellmeister noch Talentscout beim Musikkonzern BMG. Weinhändler war er auch mal, Weinexperte ist er vermutlich immer noch. Der Mann weiß, was gut ist. Weiß man das auch in Kiel?

Giuseppe Verdi    La forza del destino
Die Macht des Schicksals
Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi

Libretto von Francesco Maria Piave und Antonio Ghislanzoni

Philharmonisches Orchester Kiel
John Axelrod   Dirigent

Opernhaus Kiel, 6. Juni 2026

von Jörn Schmidt

Es ist gar nicht so lange her, da wollte das Kieler Opernhaus mit Generalmusikdirektor (GMD) Gabriel Feltz in eine neue Ära starten. Lesen Sie dazu hier bei klassik-begeistert mein Interview mit Gabriel Feltz und Generalintendant Daniel Karasek. Leider können Sie hier auch meinen Nachruf auf Gabriel Feltz lesen, er starb im August 2025 mit nur 54 Jahren. Seither wird ein Nachfolger gesucht. „Auf den Punkt 96: Walking in Kiel / John Axelrod
Opernhaus Kiel, 6. Juni 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 95: Come as you are, sagt Tobias Kratzer. Bitte nicht, sagt Joe Laschet

Fotos © Joe Laschet

Die Mailänder Scala hat unlängst einen Dresscode eingeführt. Nicht gar zu streng, aber immerhin. An der Hamburgischen Staatsoper dagegen heißt es schnöde come as you are  („Komm, wie du bist“)  – Sie könnten dort gerne mal vom Strand direkt in die Oper rübermachen, ohne Probleme zu bekommen… Wer hat Recht, die Intendanz in Mailand oder Hamburg? Ich habe mich dazu mit Joe Laschet unterhalten, Autor und Blogger rund um das Thema Bekleidungskultur und gutes Benehmen – also der perfekte Gesprächspartner. Und ehe Sie fragen: Ja, Armin Laschet (CDU) ist sein Vater.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Joe Laschet

Als Joe Laschet die Osterfestspiele Baden-Baden 2026 besucht hat –  es gab Lohengrin von Richard Wagner – trug er ein weißes Dinnerjacket und seine Frau ein langes Abendkleid. Und die anderen Zuschauer, wie hielten die es mit der Bekleidungskultur, habe ich gefragt. Ebenfalls gut gekleidet? Ja, war die Antwort. Aber: „Jeans und T-Shirt zuweilen auch dort.“ „Auf den Punkt 95: Come as you are, sagt Tobias Kratzer
klassik-begeistert.de, 6. Juni 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 94: Der große PR-Text-Realitäts-Check

Frank Peter Zimmermann © Irène Zandel

Tōru Takemitsu   How Slow the Wind
Ludwig van Beethoven   Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61
César Franck    Sinfonie d-Moll FWV 48

NDR Elbphilharmonie Orchester
Kazuki Yamada   Dirigent

Frank Peter Zimmermann   Violine

Elbphilharmonie, Großer Saal, 4. Juni 2026

von Jörn Schmidt

Mit manchen Texten, die PR-Agenturen zu Programmheften beisteuern, tue ich mich schwer. Manchmal ist der Text nichtssagend, dann wieder wurde für meinen Geschmack zu dick aufgetragen. Daran habe ich mich bereits zwei Mal in meiner Kolumne abgearbeitet (Folgen 41 und 84, wenn es Sie interessiert). Hinter den Kulissen gab’s da flugs Feedback, das Thema hat emotionalisiert. Heute daher eine neue Folge zum Thema.

„Auf den Punkt 94:  Der große PR-Text-Realitäts-Check
Elbphilharmonie, Großer Saal, 4. Juni 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 93: Liebes Mitglied des […] Orchesters!

Foto: de.wikipedia.org Richard Strauss (1864–1949), German composer, silhouette by Hans Schließmann

von Jörn Schmidt

Sie lesen meine Kolumne. Das freut und ehrt mich und zeigt zugleich, dass Sie Selbstreflexion betreiben. Uns verbindet die Liebe zur Musik, doch neulich ist Ihnen die Hutschnur geplatzt. Nach der Lektüre einer Folge meiner Kolumne haben Sie meinem Herausgeber per E-Mail mitgeteilt, dass Ihnen der Tonfall meiner Glosse übelst aufgestoßen sei. Weil Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert, es mit dem Quellenschutz ernst nimmt und mir aus diesem Grund Ihren Namen nicht offenlegt, schreibe ich Ihnen auf diesem Wege.

 Was war passiert? Ich habe mich in beanstandeter Folge an dem Dirigat von Maestro [….] abgearbeitet. Für mich fehlten seiner Anleitung Ihres Orchesters Struktur und Groove. Nach meiner Wahrnehmung wurde das, was an Akzenten fehlte, dem unbedingten Schönklang geopfert. „Auf den Punkt 93: Liebes Mitglied des […] Orchesters!
klassik-begeistert.de, 28. Mai 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 92: Rossini in der Villa Kunterbunt

HSO Il barbiere di Siviglia, Mattia Olivieri, Lilly Jørstad © Tanja Dorendorf

Pippi Langstrumpf wohnt in der Villa Kunterbunt. Was hat diese Information hier zu suchen, fragen Sie? Nun, in Pippis quietschbuntem Haus ist Kindern alles erlaubt, was man dem Nachwuchs sonst gerne abspricht. So wollte es Astrid Lindgren. Im Titelsong der Verfilmung ihrer Romanvorlage gipfelt dieser Lifestyle in dem berühmten Refrain: „Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt!“ Jedenfalls im deutschen Text. Die SPD-Politikerin Andrea Nahles hat das Mal im Bundestag gesungen oder, wie der SPIEGEL damals schrieb, geträllert.

Gioachino Rossini   Il barbiere di Siviglia

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Omer Meir Wellber   Dirigent
Tatjana Gürbaca   Inszenierung

Hamburgische Staatsoper, 17. Mai 2026 +++ PREMIERE +++

 Von Jörn Schmidt

Wie Frau Nahles der Vortrag gelang? Sehen Sie sich das – wenn es wirklich sein muss – bitte selber auf YouTube an. Hier nur so viel: An das durchweg hohe künstlerische Niveau der heutigen Premiere von Gioachino Rossinis  Il barbiere di Siviglia reichte Frau Nahles nicht heran. „Auf den Punkt 92: Rossini in der Villa Kunterbunt
Hamburgische Staatsoper, 17. Mai 2026 +++ PREMIERE +++“
weiterlesen

Auf den Punkt 91: Mach Dein Ding, Anja

Anja Bihlmaier © Nikolai Lund

Auf dem Weg in die Hamburgische Staatsoper  bin ich an einem Zeitungskiosk vorbeigekommen und habe die Schlagzeilen überflogen. Es schadet ja nie, sich weiterzubilden … Ein Titelbild zierte Udo Lindenberg, im Vorfeld seines  80. Geburtstag am 17. Mai. In Hamburg ist Udo eine Ikone. Der Autor  Benjamin von Stuckrad-Barre zählt zu seinen Fans. Einer von Udos Hits heißt „Mein Ding“.

Richard Strauss   Elektra

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Anja Bihlmaier    Dirigentin

Hamburgische Staatsoper,  14., 19. April, 1., 8. Mai 2026

 von Jörn Schmidt

Die Melodie ist eingängig und die Lyrics sind typisch Udo Lindenberg. Ich zitiere den Refrain:

Und ich mach’ mein Ding
Egal, was die andern sagen
Ich geh’ meinen Weg
Ob grade, ob schräg
Das ist egal
Ich mach’ mein Ding
Egal, was die andern labern
Was die Schwachmaten einem so raten
Das ist egal
Ich mach’ mein Ding

„Auf den Punkt 91: Mach Dein Ding, Anja
Hamburgische Staatsoper, 9. Mai 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 90: OMG! Der Herausgeber von klassik-begeistert führt ein Doppelleben

Der Tenor Klaus Florian Vogt und Herausgeber Andreas Schmidt

von Jörn Schmidt

Bald gibt es bei klassik-begeistert etwas zu feiern.  Ahnen Sie vielleicht schon, was der Anlass ist? Dann schreiben Sie es gerne in die Kommentare – zu gewinnen sind 3 mal 2 CDs – (bitte geben Sie Ihre Adresse an, sie wird nicht veröffentlicht). Kleiner Tipp: Auch wenn ich Folge 100 meiner Kolumne „Auf den Punkt“ fest im Blick habe, das feiern wir mitnichten. Stattdessen hat mir Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert, mit Veröffentlichung von Folge 100 ein öffentliches Disziplinarverfahren angedroht. Künstler, über die ich hier geschrieben habe, mögen sich gerne Andreas anschließen …

Damit Andreas auch genug beieinander hat, was er mir in der Disziplinarsache vorwerfen kann, ist die heutige Folge meiner Kolumne eine investigative Glosse. Denn zur Vorbereitung einer noch geheimen Feier haben Andreas und ich uns getroffen und bei köstlichem Szegediner Gulasch geplaudert … und dabei ist Andreas etwas herausgerutscht. Damit Sie das besser einordnen können: Andreas ist ein Klassik-Freak. Er ist Chor-Sänger im Symphonischen Chor Hamburg und Gastsänger der Wiener Singakademie. Er besuchte erstmals im Alter von vier Jahren die Hamburgische Staatsoper mit seiner Mutter und war hin und weg. Zuvörderst ist er Herausgeber von klassik-begeistert, der Nr.  1 der Klassik-Blogs in der DACH-Region (Google-Ranking). „Auf den Punkt 90, Doppelleben
klassik-begeistert.de, 5. Mai 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 89: Rezensentenschelte oder Selbstreflexion?

Yoel Gamzou © Karpati Zarewicz

Mit Maestro Yoel Gamzou am Künstlereingang

Im Vorfeld der Wiederaufnahme von Webers Freischütz hat mir Yoel Gamzou viel Zeit gewährt, bitte lesen Sie den großartigen Interview-Zweiteiler mit vielen spannenden Antworten hier bei klassik-begeistert.  Nach Interviews schreibe ich in der Regel nicht über künstlerische Leistungen meiner Gesprächspartner – das könnte schnell mal missverstanden werden, als anbiedernd oder unverschämt … Daher sagte der Maestro, als wir uns verabschiedet haben: Vielleicht rufen Sie mir nach der Vorstellung, am Künstlereingang, kurz zu, wie es Ihnen gefallen hat. Das wäre klasse. Ich habe das natürlich sofort zugesagt – doch dann kamen mir Zweifel, ob das so klug war …

Carl Maria von Weber   Der Freischütz

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Yoel Gamzou   Dirigent

Hamburgische Staatsoper, 23. April 2026

von Jörn Schmidt

… denn das Verhältnis zwischen Künstler und Kritiker ist nicht immer einfach. Woher kommt das? Nun, Kritiker denken, sie vermitteln zwischen Bühne und Publikum. Ordnen die Dinge ein usf. Mancher Künstler dagegen gewinnt bei der Lektüre unserer Texte offenbar den Eindruck, da sei ein verhinderter Künstler am Werk. Ein Minderbegabter sozusagen … Und da beide Berufsgruppen irgendwie voneinander abhängig sind, gibt das schnell mal eine toxische Mischung. „Auf den Punkt 89: Rezensentenschelte oder Selbstreflexion?
Hamburgische Staatsoper, 25. April 2026“
weiterlesen