Interview Xavier de Maistre: „Kultur ist ein einendes Element, das beschützt werden muss!“

„Harfe auswendig zu spielen ist eine große Herausforderung und eine hohe Kunst, deswegen tendiere ich dazu die Harfe als höchst intellektuelles Instrument zu betrachten.“

Foto: https://www.rbartists.at (c)

Die Karriere des Harfenisten Xavier de Maistre (* 22. Oktober 1973 in Toulon, Frankreich) ist einzigartig. Als einer der innovativsten und hervorragendsten Musiker seiner Generation definiert er die Grenzen seines Instruments laufend neu. Wie kein anderer ist ihm der Schritt vom Orchestermusiker, zuletzt bei den Wiener Philharmonikern, zum weltweit gefeierten Harfensolisten geglückt. Innerhalb der letzten Dekade befreite de Maistre das Instrument von Klischeebildern und etablierte die Harfe als solistisches Instrument. Davon zeugt sein neues Album „Serenata Latina“, in dem sich de Maistre zusammen mit Rolando Villazón der lateinamerikanischen Liedtradition annimmt. Mit Klassik begeistert hat sich de Maistre über das aktuelle Welt- und Musikgeschehen ausgetauscht.

von Antonia Tremmel-Scheinost, London

Klassik begeistert: Herr de Maistre, wie geht es Ihnen im Umgang mit der Pandemie?

Xavier de Maistre: Die Krise sorgt global für große Unsicherheit, die natürlich auch an mir nagt. Das Leben ist unberechenbar geworden. Es ist kompliziert für uns Künstler… Ich bin es gewohnt auf Jahre im Voraus mein Leben zu organisieren und plötzlich weiß ich nicht mehr wie die nächsten Wochen, oder sogar der nächste Tag aussieht. Die Pandemie hat eine große Umstellung, ja eine Zäsur in mein Leben gebracht. Man kann sich nur gedulden und hoffen, dass bald wieder Normalität einkehrt.

Hat die Politik Kunst und Kultur in der Corona-Krise vergessen?

Xavier de Maistre: Ich kann viele Schritte der Politik gut nachvollziehen, jedoch habe ich beispielsweise nicht verstanden, warum im Sommer viele Festivals abgesagt wurden, die im Freien stattgefunden hätten und ausgeklügelte Präventionskonzepte vorgestellt hatten. Österreich hat das Kulturgeschehen zwischen der ersten und zweiten Welle recht gut gemanagt, von Deutschland hingegen bin ich sehr enttäuscht. Ich hatte den Eindruck, dass Kultur von der dortigen Politik für überhaupt nicht wichtig gehalten wird. Es ist lächerlich Konzerte vor 200 anstatt vor 2000 Leuten spielen zu müssen. Das macht für mich keinen Sinn. Im Gegensatz dazu haben die Salzburger Festspiele und die Wiener Staatsoper sehr gute Zeichen gesetzt. Das muss man wirklich anerkennen. „Interview Xavier de Maistre, Harfenist
klassik-begeistert.de“
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Die SONNTAG-PRESSE – 29. NOVEMBER 2020

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die SONNTAG-PRESSE – 29. NOVEMBER 2020

Foto: Die Netrebkos proben Giuseppe Verdis „Il Trovatore“ in St. Petersburg für heute, Sonntag, 29. November

Wien
Neujahrskonzert 2021 wohl ohne Publikum
Kulturminister Werner Kogler geht von leeren Rängen aus.
Das Neujahrskonzert 2021 scheint zwar stattzufinden, jedoch vor leeren Rängen. Davon geht Kulturminister Werner Kogler (Grüne) aus. Wenn Salzburg gegen Bayern München im leeren Stadion spielen könne, müsse auch das Neujahrskonzert möglich sein, sagte er in der „Tiroler Tageszeitung“. „Also ich denke, es wird ein Neujahrskonzert geben, aber ich fürchte ohne Publikum.“ Die Philharmoniker hatten zuletzt betont, zur Not auch im leeren Wiener Musikverein zu spielen.
Wiener Zeitung

Wien/ Theater an der Wien
Alfred Dorfer: „Meine Handschrift soll nicht erkennbar sein“
Alfred Dorfer mutiert zum Opern-Regisseur. Sein „Le Nozze di Figaro“ wird Sonntag im TV gezeigt. Ein Talk über Mozart, Ängste und die Zukunft.
https://www.heute.at/s/dorfer-meine-handschrift-soll-nicht-erkennbar-sein-100114707

Lieses Klassikwelt 63: Wenn das Theater zur Hölle wird
Das Neujahrskonzert 2021 scheint zwar stattzufinden, jedoch vor leeren Rängen. Davon geht Kulturminister Werner Kogler (Grüne) aus. Wenn Salzburg gegen Bayern München im leeren Stadion spielen könne, müsse auch das Neujahrskonzert möglich sein, sagte er in der „Tiroler Tageszeitung“. „Also ich denke, es wird ein Neujahrskonzert geben, aber ich fürchte ohne Publikum.“ Die Philharmoniker hatten zuletzt betont, zur Not auch im leeren Wiener Musikverein zu spielen.
Es erschüttern immer wieder Berichte von Intendanten, Regisseuren oder Dirigenten, die ihren Kolleginnen und Kollegen das Leben zur Hölle machen. Oft schweigen die Betroffenen darüber, verfügen ihre Chefs doch meist über gute Seilschaften und Netzwerke. Für jemanden, der es riskiert, sich mit einem Mächtigen anzulegen, könnte es in der Theaterwelt, in der nahezu jeder jeden kennt, schwer werden anderswo Fuß zu fassen. Eine Krähe hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus.Das Badische Staatstheater Karlsruhe stellt in dieser Hinsicht sicherlich keinen Einzel-, aber einen Extremfall dar. Bei meinen Recherchen taten sich jedenfalls Abgründe auf, die ich in einem solchen Ort niemals erwartet hätte. Schon Heerscharen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind aus diesem Betrieb geflohen, genauer gesagt vor dem Intendanten Peter Spuhler. Die Fluktuation ist immens. Allein vier Operndirektorinnen – Joscha Schabak, Bernd Feuchtner, Michael Fichtenholz und Nicole Braunger – haben gekündigt, seit der Choleriker in der Spielzeit 2011/12 ans Badische Staatstheater kam; auch in der Orchesterdirektion gab es schon drei Wechsel, zwischen 20 und 30 zudem in der Kommunikations- und Marketingabteilung.
Lieses Klassikwelt 63: Wenn das Theater zur Hölle wird
von Kirsten Liese
Klassik-begeistert

Wien/ Wien-Holding
Christian Kircher: „Derzeit wird jeden Tag Geld verbrannt“ Bezahlartikel
Der Chef der Bundestheater-Holding spricht sich dafür aus, mit der Wiedereröffnung zuzuwarten – und dann mit einer vernünftigen Besucherzahl.
Kurier

Wien/ Staatsoper
Per Schnelltest in die Wiener Staatsoper?
Intendant Bogdan Roščić hat Ideen für die Zeit nach dem Lockdown. Im Dezember singen Netrebko & Co. garantiert vor ORF-Kameras.
Salzburger Nachrichten

Mailand
Saisoneröffnung an der Mailänder Scala
https://www.prisma.de/tv-programm/Saisoneroeffnung

München/Gärtnerplatztheater
»Verehrtes Publikum, jetzt kein Verdruß: Wir wissen wohl, das ist kein rechter Schluß.«*
Die Orchestervorstände der Bayerischen Staatstheater wenden sich öffentlich an ihr Publikum.
Der Epilog aus »Der gute Mensch von Sezuan« von Bertolt Brecht gibt in vielen seiner Zeilen die aktuelle Lage der Kulturinstitutionen und ihren Mitarbeiter/innen in Deutschland und weltweit wieder
Gärtnerplatztheater.de

Visionäre und Verwalter
Ist die Pandemie auch eine Chance, um der alten Dame Oper eine Frischzellenkur zu verpassen? Mutige Macher setzen Hoffnungszeichen. Eine Zwischenbilanz.
https://www.concerti.de/oper/feuilleton/feuilleton-opern-waehrend-corona/

München/ Gärtnerplatztheater
Interview mit Anthony Bramall: „Wenn kein Publikum da ist, fehlt uns die Reaktion – das ist wie ein Witz, den man allein im Wald erzählt“….
„Mein Wunsch ist daher, wenn wir wieder auf haben: Kommen Sie in Strömen. Haben Sie keine Angst. Theater ist einer der sichersten Orte, an denen man überhaupt sein kann.“
Theater suchen verzweifelt nach Wegen, wie sie trotz der Corona-Beschränkungen ihre Stücke auf die Bühne bringen können. Es wird gestreamt und gemäß Hygiene-Vorgaben umarrangiert. Anthony Bramall (geboren 1957 in London als Sohn einer Wienerin und eines Engländers), seit 2017 Chef-Dirigent des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München, hat mir Einblick in seine Arbeit in diesen besonderen Zeiten gegeben.
Klassik-begeistert: Herr Bramall, wie geht es Ihnen mit der Situation im Moment?
Anthony Bramall: Unsere Situation ist eine Herausforderung. Aber es ist schön, wenn wir Sachen machen wie unseren „Hänsel und Gretel“ Live Stream am letzten Wochenende. Wir hatten ein Neuarrangement wegen der Kontaktbeschränkungen. Es kam wahnsinnig gut an. Wir hatten über 10 000 Klicks und ganz tolle Reaktionen von unserem Online-Publikum. Und auch die 50 hausinternen Zuschauer, die im Publikum sitzen durften, waren hellauf begeistert. Wenn wir sehen können, dass wir etwas künstlerisch Wertvolles machen können trotz Beschränkungen, dann ist das sehr befriedigend.
Von Barbara Hauter
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Interview mit Anthony Bramall: „Wenn kein Publikum da ist, fehlt uns die Reaktion – das ist wie ein Witz, den man allein im Wald erzählt“

„Mein Wunsch ist daher, wenn wir wieder auf haben: Kommen Sie in Strömen. Haben Sie keine Angst. Theater ist einer der sichersten Orte, an denen man überhaupt sein kann.“

Gespräch mit Anthony Bramall, Chefdirigent des Staatstheaters am Gärtnerplatz, München

von Barbara Hauter, München

Theater suchen verzweifelt nach Wegen, wie sie trotz der Corona-Beschränkungen ihre Stücke auf die Bühne bringen können. Es wird gestreamt und gemäß Hygiene-Vorgaben umarrangiert. Anthony Bramall (geboren 1957 in London als Sohn einer Wienerin und eines Engländers), seit 2017 Chef-Dirigent des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München, hat mir Einblick in seine Arbeit in diesen besonderen Zeiten gegeben.

Klassik-begeistert: Herr Bramall, wie geht es Ihnen mit der Situation im Moment?

Anthony Bramall: Unsere Situation ist eine Herausforderung. Aber es ist schön, wenn wir Sachen machen wie unseren „Hänsel und Gretel“ Live Stream am letzten Wochenende. Wir hatten ein Neuarrangement wegen der Kontaktbeschränkungen. Es kam wahnsinnig gut an. Wir hatten über 10 000 Klicks und ganz tolle Reaktionen von unserem Online-Publikum. Und auch die 50 hausinternen Zuschauer, die im Publikum sitzen durften, waren hellauf begeistert. Wenn wir sehen können, dass wir etwas künstlerisch Wertvolles machen können trotz Beschränkungen, dann ist das sehr befriedigend. „Interview mit Anthony Bramall
Staatstheater am Gärtnerplatztheater“
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Interview mit dem Gärtnerplatztheater-Chef: „Ohne Kunst und Kultur entwickeln wir uns zu einer Barbarengesellschaft“

„Aber egal was wir tun, wie gut unsere Hygienekonzepte sind, wir werden ja eh zugemacht. Das stinkt mir. Es geht um Wertschätzung. Das fordere ich ein. Ich erwarte einen Kampf der Kulturminister. Sie müssen aufs Volk hören, das in die Oper will.“

exklusiv von Barbara Hauter, Journalistin, München

Fotos: Christian POGO Zach (c)

Ich bin wütend. Wenn ich Eyeliner und Spitzenunterwäsche kaufe, ist das systemrelevant. Und daher erlaubt. Meinen Verstand mit der Oper „Die Kluge“ und mein Herz mit einem Ballett wie „Undine“ zu füttern, gilt als irrelevanter Freizeitspaß und ist daher unmöglich. Mein Lieblingstheater, das Haus am Münchner Gärtnerplatz, muss geschlossen bleiben. Dabei hat es nachweislich noch keine Infektion in einem Spielhaus gegeben. Zu gut sind die Sicherheitsvorkehrungen in den Theatern. Im Gärtnerplatztheater saßen wir  – mit Maske natürlich – so isoliert und von der Lüftungsanlage mit Frischluft umweht, dass ich mich erheblich sicherer fühlte als in der U6. Wenn ich schon so wütend bin – wie muss es da dem Intendanten des Gärtnerplatztheaters gehen? Josef Ernst Köpplinger, seit Spielzeit 2012/13 Staatsintendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz, München hatte Zeit für ein Gespräch mit mir. „Interview: Josef E. Köpplinger, Staatsintendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz, München weiterlesen

"In Bayreuth sind die späten Jahre besser als die Debüts"

Foto: Tomasz Konieczny als Telramund im Bayreuther „Lohengrin“ (2018) © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Interview am Donnerstag: Tomasz Konieczny (Teil 2)

Von seiner großen Liebe, der Wiener Staatsoper, hat er im ersten Teil geschwärmt. Im zweiten Teil des Interviews, das Tomasz Konieczny mit klassik-begeistert.de geführt hat, verrät der gebürtige Pole, was das Besondere ist am Bayreuther Festspielhaus. Worauf man als Sänger achten muss. 2018 hat Tomasz Konieczny als Telramund sein Debüt in Bayreuth gefeiert. Was er zur aktuellen „Lohengrin“-Inszenierung zu sagen hat, mit welcher Partie er auf dem Grünen Hügel am liebsten debütiert hätte, und ob er den Wotan dort auch noch gerne singen würde, all das erzählt er im Gespräch mit Jürgen Pathy.

Interview: Jürgen Pathy

Herr Konieczny, Sie haben 2018 in Bayreuth debütiert. Was ist das Besondere, worauf ein Sänger in Bayreuth achten muss?

Das Festspielhaus in Bayreuth ist ein Raum, der für einen Sänger-Darsteller hervorragend ist. Und zwar in dem Sinne, dass es nicht so wahnsinnig groß ist von der Oberfläche. Die Atmosphäre, die in Bayreuth herrscht, ist sehr intim. Man braucht nicht so viel Stimme einsetzen, wie in anderen Häusern. Im Gegensatz zur Wiener Staatsoper sitzt das Orchester in Bayreuth sehr tief und ist teilweise von der Bühne bedeckt. Deshalb ist die Lautstärke um einiges geringer. Das heißt aber nicht, das wir weniger hören. Ganz im Gegenteil. Wir Sänger auf der Bühne hören alles sehr deutlich, wunderschön und klar. „„Wir sollten im Leben das tun, was wir lieben“
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Von Fashion-Victims und Weinkennern, HSV-Fans und Vatersöhnchen – den Hamburger Künstler Attila Abbassian interessiert die Persönlichkeit hinter dem großen Genius

„Ich bewundere die Komponisten dafür, was sie geschaffen haben, dennoch waren auch sie nur Menschen“

Attila Abbassian (32), deutscher Künstler persischer Herkunft, studierte zwei Jahre lang Kunst, dann wechselte er zum Lehramtsstudium. Jetzt arbeitet er als Lehrer für Physik und Politik und beschäftigt sich hobbymäßig mit angewandter Kunst und Musik. Seine humorvollen Darstellungen klassischer Komponisten, unter anderem auf Stoffbeuteln, haben mein Interesse geweckt. Deswegen habe ich Attila und seine Freundin Barbara in ihrer Wohnung in Hamburg besucht und mit ihm gesprochen: über seine Lieblingskomponisten, ihre Geschichten und darüber, wie sie ihn zu seinen künstlerischen Arbeiten inspirieren.

Interview: Jolanta Łada-Zielke

Attila, warum hast Du Dein Kunststudium abgebrochen?

Aus heutiger Sicht finde ich, das war die richtige Entscheidung, denn ich habe während des Studiums viele negative Erfahrungen gemacht. Dort wurde alles sehr subjektiv beurteilt, es gab einige zwischenmenschliche Differenzen und ich wurde sehr unter Druck gesetzt. Ähnliches ist mir auch über das Musikstudium zu Ohren gekommen. Ich liebe Musik sehr, wollte dieses Fach aber nicht studieren, um meine Leidenschaft dafür nicht kaputt machen zu lassen. Jetzt bin ich Lehrer für Physik und Politik und in meiner Freizeit beschäftige ich mich mit Kunst und Musik. Ich spiele gerne Klavier, habe auch einige Zeit als Klavierlehrer gearbeitet. Außerdem interessiere ich mich sehr für das Leben von Komponisten. Mein Lieblingskomponist ist Beethoven, ich lese viel über ihn. Das alles macht mich glücklich. „Von Fashion-Victims und Weinkennern, HSV-Fans und Vatersöhnchen – den Hamburger Künstler Attila Abbassian interessiert die Persönlichkeit hinter dem großen Genius
Interview“
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"Routine gehört nicht auf die Bühne, sondern neue Entdeckungen und Entwicklungen" – 9 Fragen an die israelische Sopranistin Chen Reiss

Chen Reiss: „Rising Star“ der Wiener Staatsoper

Die in Holon, einer kleinen Stadt südlich von Tel Aviv, geborene Sopranistin Chen Reiss tritt in wichtigen Rollen an führenden internationalen Opernhäusern auf – vor allem in der Wiener Staatsoper, aber auch in der Bayerischen und der Hamburger Staatsoper, der Deutschen Oper Berlin, der Semperoper Dresden, dem Théatre des Champs-Elysée, der Royal Opera Covent Garden, London, dem Maggio Musicale Fiorentino, in Tokio, Philadelphia, Barcelona und Madrid, der Israeli Opera und der Mailänder Scala. Sie trat auf mit namhaften Orchestern wie den Wiener und den Münchner Philharmonikern sowie dem Concertgebouw-Orchester, in der New Yorker Carnegie Hall wirkte sie bei Mahlers 8. Sinfonie mit. 2014 wurde Chen Reiss die Ehre zuteil, in der weltweit übertragenen Mitternachtsmesse für Papst Franziskus das „Et incarnatus est“ aus Mozarts Großer Messe in c-Moll zu singen. Sie sang am Lucerne Festival ebenso wie in den BBC-Proms an der Londoner Royal Albert Hall. 2006 wirkte sie mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle im Soundtrack des Films „Das Parfum“ mit. „„Routine gehört nicht auf die Bühne, sondern neue Entdeckungen und Entwicklungen“ – 9 Fragen an die israelische Sopranistin Chen Reiss“ weiterlesen

"In der Musik geht es um das Leben und das Menschsein" – 10 Fragen an den Klarinettisten Florian Schüle

Foto: © Alexandra Muravyeva

„Die Musik ist unsere gemeinsame Sprache. Wenn man sich dessen bewusst ist, staunt man fast, wie einfach Weltfrieden und respektvolles Miteinander möglich sind.“

Florian Schüle ist Soloklarinettist in Teodor Currentzis‘ MusicAeterna-Ensemble. Unter Currentzis wirkte er auch in Peter Sellars Inszenierung von Mozarts La Clemenza di Tito bei den Salzburger Festspielen 2017 mit. Dabei performte er (teilweise im Liegen) den Solopart der Klarinette in Sestos „Parto“-Arie direkt auf der Bühne an der Seite der französischen Mezzosopranistin Marianne Crebassa.

Florian Schüle spielt sowohl moderne als auch historische Instrumente. Er ist außerdem in der Badischen Philharmonie Pforzheim und im Balthasar-Neumann-Ensemble (Leitung: Thomas Hengelbrock) aktiv. Hier ist er auch musikalischer Beirat und Dozent der Balthasar-Neumann-Akademie. Ab dem kommenden Semester hat er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik in Freiburg inne.

Interview: Frank Heublein

1. Was bedeutet Ihnen Musik?

Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich habe mich stets für die verschiedensten Arten von Musik interessiert. Sie ist ein fester Bestandteil unseres Daseins und Ausdrucksform menschlicher Regungen, die alle Menschen verbindet. Musik ist „in Töne gegossenes Leben“, ein Leitspruch von Thomas Hengelbrock, den ich auch teile. „„In der Musik geht es um das Leben und das Menschsein“
10 Fragen an den Klarinettisten Florian Schüle“
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"Wagners Musik gewinnt auf der Orgel neue Farben und Ausdrucksmöglichkeiten"

Foto: © Christine Schneider

Festival junger Künstler Bayreuth 2020
Interview mit dem Konzertorganisten und Dirigenten Hansjörg Albrecht

Hansjörg Albrecht zählt zu den wenigen Künstlern, die international sowohl als Dirigent als auch als Konzertorganist regelmäßig präsent sind. Er gilt als musikalischer Grenzgänger und Querdenker ohne Berührungsängste. Als Dirigent geht er konsequent eigene Wege – zwischen Archiv und Neuschöpfung und mit einem umfangreichen Repertoire von Bach bis Gubaidulina. Mit seinen Orgeltranskritptionen etablierte er sich als Spezialist unter den Virtuosen seines Instruments. Beim Label Oehms Classics legte er bisher über 25 vielbeachtete CDs vor. 2013 wurde er für einen Grammy Award Nominiert.

Anlässlich des Konzerts „Wagner vermisst seine Festspiele“, das der Organist zusammen mit dem Perkussionisten Christian Felix Benning im Rahmen des „Festival junger Künstler Bayreuth“ aufgeführt hat, hat klassik-begeistert.de Hansjörg Albrecht zum Gespräch getroffen.

Interview: Jolanta Łada-Zielke

Der Münchener Bach-Chor, dessen künstlerischer Leiter Sie sind, gedenkt  Ende Juli traditionell mit einem Konzert Bachs Todestag. 2020 sind genau 270 Jahre seit dem Tod des Komponisten vergangen, aber Konzerte mit großen Ensembles (vor allem mit Chören) sind aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Haben Sie unter diesen schwierigen Bedingungen doch einen Auftritt mit Ihrem Chor organisieren können?

Hansjörg Albrecht: Aufgrund der andauernden Pandemie und der Ängste an vielen Orten, möglicherweise etwas falsch zu machen (und auch den organisatorisch-logistischen Mehraufwand zu scheuen), konnte leider kein Chorkonzert zum 270. Bach-Todestag stattfinden, obwohl wir alles versucht haben, um in eine der großen Kirchen in München hineinzukommen. Ich habe zwei Orgel-Choralbearbeitungen Bachs über „Jesu, meine Freude“ in der barocken Stadtkirche St. Peter in München eingespielt. Mit dem Bach-Chor haben wir in einer der großen Hallen der Messe München die Eingangsstrophe der gleichnamigen Bach-Motette fürs Netz aufgezeichnet – in einem großen Kreis aufgestellt und mit fliegender Kamera aus der Vogelperspektive gefilmt. Das war unsere spezielle musikalische Botschaft. Mir war es ganz wichtig, ein solch kleines Zeichen zu setzen, und zwar, um zu zeigen, dass der Münchener Bach-Chor A: noch da ist, und B: dass man solche zur Tradition gewordenen Konzerttermine jetzt nach Möglichkeit zumindest in einer „Ersatzform“ erhalten soll, damit nicht alles der Pandemie zum Opfer fällt. „„Wagners Musik gewinnt auf der Orgel neue Farben und Ausdrucksmöglichkeiten“,
Der Organist Hansjörg Albrecht im interview“
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"Die ganze Kunst- und Kulturszene in Bayreuth hat sich zusammengeschlossen"

Foto: Dr. Sissy Thammer © H. Wagner, Glashütten

Anders als die Richard-Wagner-Festspiele kann das Festival junger Künstler Bayreuth auch in diesem Jahr mit einem vielfältigen, wenn auch entsprechend reduzierten Programm aufwarten. Bereits seit 1950 widmet sich das Festival parallel zu den großen Opernfestspielen dem internationalen musikalischen Nachwuchs. Dr. Sissy Thammer ist seit 1986 Intendantin des Festivals junger Künstler. 1997 wurde sie für ihr Engagement von der Europäischen Bewegung Deutschland mit dem Preis „Frauen Europas“ ausgezeichnet.

Im Interview spricht Sissy Thammer über den Festivalbetrieb in Zeiten von Corona. Das Gespräch führte Jolanta Łada-Zielke in Bayreuth.

Wie ist es Ihnen gelungen, trotz allen Einschränkungen und Ängsten das 70. Festival junger Künstler Bayreuth zu organisieren?

Sissy Thammer: Als der Lockdown und der Shutdown im März kamen, waren wir bereits im sechsten Monat unseres Wirtschaftsjahres. Es war mir vollkommen klar, dass dieses Festival junger Künstler Bayreuth diese Pandemie inhaltlich überleben muss. Wir werden gefördert für unsere Projekte, und wenn wir keine liefern, entfällt unser Sinn. Das war das Grundproblem und wir haben sofort darüber nachgedacht, wie wir unserer Aufgabenstellung der Welt gegenüber nachkommen können. Es wäre möglich gewesen, dass das Festival ganz hätte ausfallen müssen; dann hätten wir das akzeptiert. Aber zunächst war unsere Kreativität gefragt. Es wäre falsch gewesen, das Festival „in der alten Form“ im Jubiläumsjahr zu organisieren. Ursprünglich hatten wir eine riesige Theatervorstellung mit Carl Orffs „Prometheus“ geplant, eine Aufführung Ludwig van Beethovens „Eroica“ und ein großes Barockkonzert. Ich dachte, wenn wir beginnen, hier Abstriche zu machen und etwas runter zu kürzen, führt uns das nicht ans Ziel. Wir haben einfach ganz schnell begriffen, dass wir die größten Veranstaltungen, Jubiläumspartys und Empfänge komplett ins nächste Jahr verschieben müssen. Das ist gelungen, weil uns viele öffentliche Institutionen und private Personen geholfen haben. „„Die ganze Kunst- und Kulturszene in Bayreuth hat sich zusammengeschlossen“ – Festivalintendantin Sissy Thammer im Interview“ weiterlesen