Die SAMSTAG-PRESSE – 11. September 2021

Foto: staatsoper.de

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die SAMSTAG-PRESSE – 11. September 2021

München
Serge Dorny – der neue Intendant der Bayerischen Staatsoper im Porträt (Podcast)
BR-Klassik.de

Martha Argerich zu Gast beim Musikfest Berlin 2021. Sie, die Herrlichste von allen
Die Pianistin Martha Argerich beglückt beim Musikfest Berlin mit Schumanns Klavierkonzert, begleitet von Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin.
Tagesspiegel.de

„Konzertgänger in Berlin“
Mimoso: Zwei Konzerte des Collegium Vocale Gent mit Philippe Herreweghe
Musikfest ist Gastorchester-Zeit. Das Orchestre des Champs-Élysées ist ein Ensemble, das nicht alle Jahre in Berlin zu hören ist. Aber die Hauptattraktion des Konzerts ist der Chor.
https://hundert11.net/mimoso/

Kollegengespräch zur Lage der Konzertveranstalter in Bayern (Podcast)
BR-Klassik.de   „Die SAMSTAG-PRESSE – 11. September 2021“ weiterlesen

Die FREITAG-PRESSE – 10. September 2021

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die FREITAG-PRESSE – 10.September 2021

Wien/ Staatsoper
„Don Giovanni ist kein trauriger Sack wie Harvey Weinstein“Bezahlartikel
Staatsoperndirektor Bogdan Roščić geht in seine zweite Spielzeit – und setzt seine Erneuerung des Repertoires fort. Mit der „Presse“ sprach er über Wagners Idee der Liebe, über Lockdown-Einsamkeit und den ästhetischen Aufbruch von heute.
Die Presse.com

Österreich/ Bundestheater-Holding
Bundestheater-Chef für härtere Maßnahmen: „Befürworten 2G-Regel“
Theater sind weiterhin auch für Getestete zugänglich. Der Chef der Bundestheater-Holding, Christian Kircher, ist für strengere Maßnahmen. Er glaubt, dass 2G ein Impfanreiz wäre
Der Standard.at

Wien/ Konzerthaus
Flórez im Konzerthaus: Es flehten die Lieder
Der Opernstar gastierte mit einem Klavierbegleiter in Wien.
Wiener Zeitung

Emmanuel Tjeknavorian: „Liebe und Musik kennen kein Alter“
Grüß Gott, Herr Tjeknavorian. Wie würden Sie sich selbst bezeichnen – als Geiger oder als Dirigent?
Ich bin ein Künstler, der musiziert.
Worin liegt der Reiz des Dirigierens? Weshalb zieht es Sie aufs Pult?
Es ist schlicht und ergreifend eine innere Notwendigkeit. Die zweite Frage klingt für meine Ohren wie: „Weshalb atmen Sie?“ – Ich muss es tun, sonst…
Klassik-begeistert.de

Sommereggers Klassikwelt 103: Fünf Tenorstars – Tod im September
Es ist wohl nur Zufall, geschah auch in unterschiedlichen Jahren, aber es mutet seltsam an, dass fünf Tenöre der internationalen Spitzenklasse jeweils an einem 8., 9. oder 10. September starben. Sie alle verdienen, dass man sich ihrer erinnert. Peter Anders hatte bereits vor dem zweiten Weltkrieg eine große Karriere als Opern. Operetten- und Liedsänger, sang in Hamburg, Berlin, Dresden sowie bei den Festspielen von Salzburg und Edinburgh. Nach den Kriegsjahren entwickelte sich seine Stimme zum heldischen Fach, für 1955 war sein Debüt in Bayreuth in Aussicht genommen. Anfang September 1954 erlitt er einen schweren Autounfall, an dessen Folgen er am 10. September 1954 im Hamburger Hafenkrankenhaus starb. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Ohlsdorfer Friedhof.
Von Peter Sommeregger
Klassik-begeistert.de

CD
Tröstliche Musik beim Pandemie-Lockdown
Florenz, ganz Italien im strengen Lockdown. Es ist November 2020 und der große Zubin Mehta setzt ein Konzert mit Chor, Solisten und größerer Orchesterbesetzung durch. Publikum darf nicht im Saal sein, aber das Konzert wird aufgezeichnet und ist jetzt auch als DVD erschienen.
Von Peter Sommeregger
Klassik-begeistert.de

Anna Handler: „Musik ist das, was in uns entsteht oder entstehen kann“
Beim diesjährigen 71. Festival junger Künstler Bayreuth führte Anna Handler den Dirigierworkshop „Den Klang in der Hand zu halten“. Im zweiten Teil des Interviews erzählt sie vom Ablauf dieses Workshops und von ihren Vorbildern in der Dirigentenwelt, unter denen Oksana Lyniv einen besonderen Platz einnimmt.
Anna Handler im Gespräch mit Jolanta Lada-Zielke – Teil 2.
https://klassik-begeistert.de/interview-anna-handler-teil-2-klassik-begeistert-de/  „Die FREITAG-PRESSE – 10. September 2021“ weiterlesen

Emmanuel Tjeknavorian: „Liebe und Musik kennen kein Alter"

Foto: Emmanuel Tjeknavorian © Lukas Beck

Interview: Jürgen Pathy

Grüß Gott, Herr Tjeknavorian. Wie würden Sie sich selbst bezeichnen – als Geiger oder als Dirigent?

Ich bin ein Künstler, der musiziert.

Worin liegt der Reiz des Dirigierens? Weshalb zieht es Sie aufs Pult?

Es ist schlicht und ergreifend eine innere Notwendigkeit. Die zweite Frage klingt für meine Ohren wie: „Weshalb atmen Sie?“ – Ich muss es tun, sonst…

Leidet unter der „Doppel-Belastung“ nicht das Geigenspiel?

„Doppel-Belastung“ – glücklicherweise empfinde ich meine momentan zweigleisige musikalische Tätigkeit alles andere als eine Belastung. Ich bin dankbar, dass ich stets hervorragende Lehrer hatte; mit ihnen habe ich ein zuverlässiges Handwerk gleichermaßen als Dirigent und Geiger erlernt. Das hilft. Mir fällt zu Ihrer Frage ein banaler Vergleich ein: Wenn man schwimmen kann und es viel tut, leidet die Gehfähigkeit ja auch nicht, oder?

Dann stelle ich die Frage andersrum: Gibt es gar eine positive Wechselwirkung? Profitiert der Geiger Tjeknavorian vom Dirigenten und umgekehrt?

Man sollte das nicht überbewerten, aber natürlich ist da etwas wechselseitig befruchtendes dabei. Es ist sicher kein Nachteil, dass ich die Solostimme von Violinkonzerten mit Augen eines Dirigenten betrachten und Symphonien mit Empfindungen eines Instrumentalisten angehen kann.

Woher nehmen Sie das Selbstbewusstsein, sich vor ein Orchester zu stellen? Immerhin sind die Musiker teilweise doppelt so alt wie Sie und verfügen über ein großes Maß an Erfahrung.

Ich sage oft: Liebe und Musik kennen kein Alter. Was ist schon eine „ungeheure Erfahrung“? Erfahrung ist ein bedeutsamer Begriff, besonders für Dirigenten. Doch ich hoffe, dass ich mich niemals für ungeheuer erfahren halten werde; dann könnte einem das notwendige Prickeln abhandenkommen.

Man braucht nicht unbedingt ein großes Selbstbewusstsein, um sich vor ein Orchester zu stellen. Es gibt ja etliche Beispiele in der Musikgeschichte von schüchternen, introvertierten Maestri. Wichtiger erscheint mir, der Glaube an die Kraft der eigenen musikalischen Aussage. Woher man das nehmen kann? Wissen verleiht Stärke – deshalb die ewigen Recherchen und Studien. „Interview: Dirigent Emmanuel Tjeknavorian
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Anna Handler: "Musik ist das, was in uns entsteht oder entstehen kann"

Foto: Anna Handler und die Bayreuth-Dirigentin Oksana Lyniv.
Copyright: Anna Handler.

Anna Handler im Gespräch mit Jolanta Łada-Zielke – Teil 2.

Beim diesjährigen 71. Festival junger Künstler Bayreuth führte Anna Handler den Dirigierworkshop „Den Klang in der Hand zu halten“. Im zweiten Teil des Interviews erzählt sie vom Ablauf dieses Workshops und von ihren Vorbildern in der Dirigentenwelt, unter denen Oksana Lyniv einen besonderen Platz einnimmt.

Liebe Anna, der Titel Ihres Workshops – „Den Klang in der Hand zu halten“ – hing sehr gut mit dem Namen „Enigma“ zusammen. Haben Sie den TeilnehmerInnen die nonverbale Sprache eines Dirigenten erklärt, die nur Musiker verstehen und decodieren können?

Jeder kann lernen, diese Sprache zu decodieren! Man muss mit dieser Gabe nicht geboren werden. Sowohl die linke als auch die rechte Hand haben bestimmte Aufgaben beim Dirigieren. Dazu kommen noch der Gesichtsausdruck und die Körperhaltung. Das alles kann als Werkzeug eingesetzt werden. Der Körper eines Dirigenten ist eigentlich ein Instrument und je besser man damit agiert, desto weniger Worte braucht man, und das ist gut so, denn Gesten sind oft effizienter als Worte.

Der Workshop bestand aus zwei Teilen:

Im ersten Teil beleuchteten wir verbale und nonverbale Kommunikationstechniken. Außerdem besprachen wir die Grundlagen der Dirigiertechnik anhand des ersten Satzes von Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“. Im zweiten Teil hatten die TeilnehmerInnen dann die Möglichkeit, vor den Profi-MusikerInnen von Enigma Classica zu stehen und ihre eigenen Interpretationsideen über die Hände dem Orchester zu vermitteln. Ganz nach dem Motto des Workshops: den Klang in den Händen halten!

Und wie lief der praktische Teil genau ab?

Das zentrale Stück des Workshops, Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ hörten wir gemeinsam an und dann sollte jeder ein Kreuz in die Noten hineinschreiben, wo sich das Gefühl oder der Affekt der Musik verändert. Das war sehr interessant, weil alle Teilnehmer die Kreuze an denselben Stellen machten. Dann haben wir überlegt, wie man die Stimmung, die man dort spürt, körperlich, oder mit den Augen zeigen kann. Die Ergebnisse waren sehr spannend. Viele Teilnehmer hatten bereits Ensemble- oder Chorerfahrung gesammelt, das hat natürlich den Prozess beschleunigt. Besonders spannend war, dass auch Ensemble-Mitglieder von Enigma Classica selbst einmal das Dirigieren ausprobieren wollten. Das war ein richtig toller Perspektivwechsel! „Interview, Anna Handler, Teil 2
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Anna Handler: „Musik mache ich mit Menschen und für Menschen“

Foto: Fabian Wildgrube

Anna Handler im Gespräch mit Jolanta Łada-Zielke – Teil 1.

Dr. Lorenz Kerscher hat Anna Handler unseren Lesern bereits in dem Zyklus „Rising Stars“ vorgestellt:

https://klassik-begeistert.de/rising-stars-11-anna-handler-dirigentin-und-pianistin-die-junge-maestra-mit-eigenem-orchester/#more-29266

Die charismatische junge Dirigentin beginnt gerade ihr Studium an der Juilliard School in New York als Stipendiatin des Kovner-Fellowship-Programms. Die im Jahr 2014 gegründete Gesellschaft Kovner-Fellowship finanziert herausragenden Studenten und Absolventen klassischer Musik eine Weiterbildung an der Juilliard-School. Unser Gespräch beginnt mit diesem Thema; die ersten musikalischen Erfolge hatte Anna bereits in ihrer Kindheit. 

Liebe Anna, wie war das Bewerbungsverfahren für das Kovner-Fellowship Stipendium?

Es begann im Dezember 2020. Zunächst musste ich viele Dokumente, Videos und Empfehlungsschreiben einreichen. Im Januar 2021 erhielt ich die Einladung zu einer Live-Audition, die im März erfolgte. Im April kam die Nachricht, dass ich das Vollstipendium erhalten habe.

Wie hat man das mit der Live-Audition während des Lockdowns gelöst?

Normalerweise fliegt man dafür nach New York und arbeitet mit dem Orchester vor Ort. Aufgrund der Pandemie teilte man den Prozess auf. Zuerst fand ein Online-Theorietest statt, dann gab es ein Interview und ein Vorspiel auf meinem Instrument, dem Klavier. Die Kandidaten wurden immer mehr gefiltert und am Ende blieben nur sechs Personen übrig, Bewerber aus der ganzen Welt. Aufgrund der strengen Einreisebestimmungen in die USA wurde aber beschlossen, dass auch die finale Audition mit Orchester in dem jeweiligen Heimatland der Kandidaten stattfinden sollte. Wir erhielten von der Juilliard School ein Stipendium, um ein Ensemble zu formieren und Materialkosten (Raum und Mikrophonierung) zu decken. Ich engagierte dafür natürlich meine Musikerinnen und Musiker von Enigma Classica.  Die vorgegebenen Prüfungsstücke waren: „Die Geschichte vom Soldaten“ von Igor Stravinsky, „Verklärte Nacht“ von Arnold Schönberg und „Eine kleine Nachtmusik“ von W. A. Mozart. Ganz besonders unterstützt hat mich meine Heimatgemeinde Ottobrunn. Thomas Loderer, unser Bürgermeister, sowie Horst Frank, Leiter unseres Kulturzentrums „Wolf-Ferrari-Haus“, und sein ganzes Team halfen mir mit einer Corona-konformen Organisation, sowie mit dem Raum und der Technik. Dafür bin ich sehr dankbar und es war ein tolles Gefühl, die Freude über die Zusage mit allen teilen zu können!


Fotograf: Fabian Wildgrube

Ich freue mich auch für Sie. Wann haben Sie sich entschieden, Dirigentin zu werden? War das noch in Ihrer Kindheit, als Sie mit Ihrer Schwester Laura musiziert haben?

Richtig, zunächst begann mein Weg über das Singen und Klavierspielen, fast immer gemeinsam mit meiner Schwester Laura. Während meiner Zeit im Kinderchor der Bayerischen Staatsoper erlebte ich natürlich auch die Rolle des Dirigenten, aber es war noch zu abstrakt.  Erst mit vierzehn entstand eine bewusste Auseinandersetzung, als mir Helmut Spindler, mein Geigenlehrer am Pestalozzi- Gymnasium in München, die „Young People’s Concerts“ mit Leonard Bernstein zeigte. Das war eine Art Zündung für mich. Mein Lehrer schlug vor, ein Mini-Ensemble zu organisieren, das ich dirigieren könnte, er schrieb dafür die Arrangements. Dann empfahl er mich für die Ausbildung zum „Junior Assistent Ensemble Leiter“, ein Förderprogramm des Bayerischen Musikrats. Er sah in mir eine Persönlichkeit, die sich dazu eignet, Menschen zu führen und zu begeistern. Ich war schon immer sehr extrovertiert und komme generell auch mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zurecht. Ich übernahm gerne Verantwortung in schulischen Ämtern und hatte Spaß am gemeinsamen Musizieren. Nach dem Abschlussprüfungskonzert dieses Förderprogramms wurde ich als beste Teilnehmerin ausgezeichnet. Ich war fünfzehn und hatte damit überhaupt nicht gerechnet. Aber ich habe stark gespürt, dass das Dirigieren, die Kunst ohne Worte zu führen, eine Art Zauberei ist und mich fasziniert.

Wie ist es mit dem Klavierstudium weitergegangen?

In derselben Zeit studierte ich Klavier als Jungstudentin an der internationalen „Accademia Pianistica di Imola“ in Italien und Klavierspielen hatte damals bei mir auch Priorität. In Imola erhielt ich dann aber auch den ersten richtigen Dirigierunterricht bei Maestro Marco Boni, der mich ebenfalls stark geprägt hat und mich erst kürzlich für ein Gastdirigat in Bologna engagiert hat.  Ich lernte die Symphonien von Beethoven, Mahler und Bruckner durch ihn kennen, die ich dort am Klavier aus den Partituren spielte. Bis heute nimmt das Klavier eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben ein und ich studiere auch weiterhin mit Prof. Henri Sigfridsson an der Folkwang Universität der Künste.

Ihre Eltern sind zwar keine Musiker von Beruf, haben aber Sie und Laura unterstützt?

Ja, und wir sind ihnen dafür sehr dankbar. Unsere Eltern sind beide Ingenieure, kreative Menschen und vor allen Dingen der Musik sehr zugeneigt. Meine Mutter malt selbst und hat uns bereits von einem frühen Alter künstlerisch gefördert. Da meine Eltern jedoch speziell die klassische Musikszene in München, ihre Strukturen und Angebote für Kinder erst nach und nach kennenlernen mussten, haben wir sehr viele verschiedene Lehrer und Wegweiser auf dieser Reise getroffen. Sehr entscheidend waren die Begegnungen mit dem Cellisten und Musikvermittler Heinrich Klug, dem Schauspieler Enrico de Paruta, der Pianistin Bianca Bodalia und dem Geiger Jorge Sutil. Ebenso auch die Bayerische Staatsoper mit ihren Angeboten für Kinder und Jugendliche. Wir sind alle als Familie in die Welt der klassischen Musik hineingewachsen und haben immer gemeinsam die nächste Herausforderung gemeistert. Eine musikalische Karriere kann man meiner Meinung nach, nur sehr schwer – ebenso wie eine sportliche Karriere – ohne finanzielle und mentale Unterstützung schaffen.

Der Glaube an uns und an die Musik, den uns unsere Eltern mitgegeben haben, hat uns sehr bestärkt. Und das Zusammensingen und Zusammenspielen hat uns als Schwestern zusammengeschweißt. Ich kam zum Beispiel an die Klavier Akademie in Imola durch Lauras Geigen-Professor, Zakhar Bron, der die Verbindung herstellte. Unsere Interessen waren immer ähnlich, aber nicht im identischen Bereich, dadurch gab es auch keinen Vergleich. Wir machen zusammen Kammermusik und leiten eben auch gemeinsam „Enigma Classica“. Sie von der Geige, als Konzertmeisterin aus und ich von meinem Pult.

Wie Dr. Lorenz Kerscher geschrieben hat, haben Sie auf kein Engagement gewartet, sondern mit eigener Initiative zwei junge Orchester nacheinander gegründet: New Munich Youth Orchestra und Enigma Classica. War das ein entscheidender Schritt in Ihrer bisherigen Laufbahn?

Ja, auf jeden Fall. Das entspricht einfach meiner Persönlichkeit. Ich mag es, Menschen zu bestimmten Aktionen anzuregen. Kurz vor dem Abitur fuhr ich mit ein paar Freunden mit dem Bus nach Berlin, um die dortige Philharmonie zu besuchen. Auf dem Rückweg schlug ich vor: „Ihr Lieben, wir gründen jetzt ein Orchester und gehen in Grundschulen und in Flüchtlingsheime, um zu musizieren“. So entstand als erstes das New Munich Youth Orchestra (NMYO). Mir war immer wichtig, Musik als etwas Soziales zu verstehen: ich mache das mit anderen Menschen für andere Menschen. Das soll nicht etwas Elitäres, für bestimmte soziale Schichten sein, sondern für alle. Und das ist nach wie vor mein Motto. Aus dem NMYO entwickelte sich dann Enigma Classica. Musikvermittlung ist nach wie vor der Kernbestandteil unserer Identität. „Enigma“ ist mein Lieblingswort, weil mir jedes Musikstück ein Enigma, ein Rätsel ist. Ich habe immer Freude daran, das Rätsel mit anderen Leuten zu lösen, zu dekodieren und dem Publikum dieses Dekodieren näher zu bringen. Meine Musikerinnen und Musiker bei Enigma Classica sind großartig, sie haben dieses Leuchten in den Augen, den Ehrgeiz, die Ausstrahlung, machen alles mit Hingabe und ohne Routine. Wir suchen nach unserem Klang, wir haben Freude an Innovation und haben einfach großen Spaß.

Haben Sie auch schon mit Profi-Orchestern gearbeitet?

Während des Studiums an der Hochschule für Musik Weimar oder während verschiedener Meisterkurse habe ich Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel mit der Staatskapelle Weimar, der Jenaer Philharmonie oder den Bergischen Symphonikern. Zuletzt assistierte ich Daniel Harding bei „Klassik am Odeonsplatz“ mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Mein persönlicher Wunsch ist es, die Musiker mit meiner Faszination für das Stück anzustecken und die Probe als einen Experimentierraum zu verstehen. Mit dem Wort „Dienst“ kann ich leider wenig anfangen, aber das ist eine komplizierte Debatte.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Jolanta Lada-Zielke, 31. August 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Lise Davidsen "Das Publikum in Bayreuth ist sehr enthusiastisch und hingebungsvoll..."

„… aber natürlich gibt es auch Snobismus hier…“

Exklusiv-Interview mit dem Wagner-Stern aus Norwegen – Teil III

In knapp sieben Jahrzehnten gratuliert Dir die norwegische Königin zu Deinem 100. Geburtstag. Über welche Aussage zu Deinem Leben würdest Du Dich freuen?
Lise Davidsen: Ich hoffe, sie sagt, ich hatte eine lange und gute Karriere und meine Familie und Freunde bei mir. Das wäre schön.

Lise Davidsen, * 8. Februar 1987 in Stokke, ist eine norwegische Opernsängerin (Sopran).

Foto: © PER-ERIK SKRAMSTAD

Sie ist mit Abstand der shooting star am Himmel der Wagner-Sängerinnen und bringt die Besucher der Bayreuther Festspiele derzeit mit ihren Darbietungen als Elisabeth („Tannhäuser“) und Sieglinde („Die Walküre“) aus dem Häuschen. Jetzt nimmt sich die große Sängerin auch andere Meilensteine wie Giuseppe Verdi und Richard Strauss vor. Klassik-begeistert.de-Herausgeber Andreas Schmidt traf die Norwegerin im Restaurant „Bürgerreuth“ in Bayreuth. In diesem dritten Teil spricht Lise über ihre Erfahrungen in Bayreuth und verkündet ein definitives Nein zur Rolle der Isolde in den nächsten Jahren.

Klassik begeistert: Hei Lise, Du bist 2019 in das Bayreuther Wasser gesprungen, nach dem Du hier zuvor erst einmal an einem Wettbewerb teilgenommen hattest. Hat Dir das einen unverkrampfteren Zugang zum „Grünen Hügel“ und zum ganzen „Meister-Hype“ verschafft?

Lise Davidsen: Ich mag das Besondere an Bayreuth. Ich denke, das Publikum hier ist sehr enthusiastisch und hingebungsvoll. Die Menschen lieben es, her zu kommen. Natürlich gibt es auch Snobismus hier… „Ich war schon so und so viel mal hier“ … „und ich so viel“… Das gibt es aber auch in München, in London und in der Met in New York. Es gibt immer eine Gruppe von Leuten, die glauben, sie seien besser, die meinen, mehr zu wissen und mehr zu machen. Aber unterm Strich mag ich es in Bayreuth sehr. Das besondere an diesem Festival ist, dass alle hier sind. In München und Wien ist ein Kommen und Gehen, die Musiker kommen und gehen. Hier sind wir hier. Wenn nicht Corona ist, treffen wir uns in der Festspielkantine. Wir gehen nach Theta, essen und trinken ein zünftiges Bier. Wir sitzen alle im selben Boot. Jeder ist entweder ohne Familie oder mit Familie hier. Hier herrscht hoher Druck mit einer Art Festivalgruppen-Feeling. It’s this extremely nerdy group – we play Wagner, we talk Wagner, wie sing Wagner – that’s unique. Normalerweise spielt das Orchester einen Tag Donizetti, dann Wagner, dann Mozart. Hier geht es nur um Wagner. Natürlich ist es hier extrem stressig, und ich bin manchmal so nervös. Aber ich spüre, dass die Leute freundlich sein wollen. „Lise Davidsen, Exklusiv-Interview mit dem Wagner-Stern aus Norwegen – Teil III
klassik-begeistert.de“
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Lise Davidsen: "100 Prozent Kontrolle ist 100 Prozent Wahnsinn"

Exklusiv-Interview mit dem Wagner-Stern aus Norwegen – Teil I

Lise Davidsen, * 8. Februar 1987 in Stokke, ist eine norwegische Opernsängerin (Sopran).

Sie ist mit Abstand der shooting star am Himmel der Wagner-Sängerinnen und bringt die Besucher der Bayreuther Festspiele derzeit mit ihren Darbietungen als Elisabeth („Tannhäuser“) und Sieglinde („Die Walküre“) aus dem Häuschen. Jetzt nimmt sich die große Sängerin auch andere Meilensteine wie Giuseppe Verdi und Richard Strauss vor. Klassik-begeistert.de-Herausgeber Andreas Schmidt traf die Norwegerin im Restaurant „Bürgerreuth“ in Bayreuth und sprach mit ihr zwei Stunden über Diesseitiges und Jenseitiges in der Klassikwelt. Das Interview erscheint in drei Teilen, heute, morgen und übermorgen.

Klassik begeistert: Hei Lise, Du bist in der 12.000-Einwohner-Kleinstadt Stokke in Südnorwegen großgeworden. Kannst Du mir bitte die Klänge, die Bilder, die Gerüche Deiner Heimat beschreiben?

Lise Davidsen (lacht): Mein Neffe Sebastian Gallis Davidsen war Nummer 10.000 in Stokke…  Dort sieht es ungefähr so aus wie die Hügel hinter dem Restaurant „Bürgerreuth“. Wir haben ein kleines Zentrum, und der Zug hält auch bei uns, aber ohne Bahnhof. Wir müssen auch nicht lange zum Meer fahren. Ich bin auf dem Land großgeworden. Es ist ein Ort voller Grün, es ist nicht besonders stressig, und es gibt nicht allzu viele Menschen. Wir haben nicht so viele Wälder wie hier in Franken, und wir haben nicht die hohen Berge, die es anderswo in Norwegen gibt.

Stokke (c) pininterest

Und die Farben und Töne?

Lise Davidsen: Als ich gerade herging von meinem Bayreuther Appartement, dachte ich, das ist ja auch alles so grün wie bei uns in Stokke und ich fühlte mich wie zu Hause. Ich werde sehr ruhig, wenn ich an meine Heimat denke. Manchmal fährt natürlich ein Traktor vorbei (lacht)… Ab und zu mal ein paar Autos und Kinderstimmen.

Deine Familie lebt da noch?

Lise Davidsen: Mein Bruder Øystein Davidsen hat immer in der Gegend gelebt, meine Schwester Elin hat früher in Oslo gelebt, vor einem Jahr ist sie nach Tønsberg gezogen, eine Stadt in der Nähe von Stokke. Meine Eltern sind geschieden und sind aus unserem Haus ausgezogen – aber sie wohnen nicht weit voneinander entfernt in Stokke. „Lise Davidsen, Exklusiv-Interview mit dem Wagner-Stern aus Norwegen, Teil 1 weiterlesen

"Es gibt keine Exzellenz ohne Opfer, und das bedeutet auch, manchmal zu leiden"

Foto: © Alexandra Muravyeva

„Musiker arbeiten auf sehr emotionale Weise, da die Kunst selbst direkt aus der Seele kommt. Es gibt keine Exzellenz ohne Opfer, und das bedeutet auch, manchmal zu leiden.“

Interview mit Laura Pou, Flötistin (MusicAeterna)

Lauras Motto lautet „Life is the only true dream” (Das Leben ist der einzig wahre Traum). Ihre Eltern förderten ihre musikalische Ausbildung. Schon in jungen Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Musizieren im Orchester und hat in vielen Orchestern in und außerhalb Spaniens musikalisch gewirkt, bevor sie Teodor Currentzis 2011 als erste Flötistin des MusicAeterna-Orchesters engagierte. Für sie ist dieses Orchester ihr Lifestyle geworden: „Ich empfinde es als eine Art lebenslanges Lernen von und mit jedem, der daran teilnimmt. Es ist ein ständiger Austausch von kulturellen und emotionalen Beziehungen, wir alle sind durch Musik verbunden, die kein Ende hat“.

Interview: Frank Heublein

Was bedeutet Ihnen Musik?

Es ist meine einzig wahre Stimme, ist wie wenn ich mich morgens im Spiegel betrachte und sehen kann, ob Herz und Verstand miteinander verbunden sind, diskutieren, genießen, voneinander eine Auszeit nehmen, sich gegenseitig entdecken, verliebt sind oder sich hassen. Unkonzentriert sind, miteinander kämpfen, ängstlich sind, sich an den Händen nehmen. Entspannt, verspielt, mutig sind. Spazieren gehen, müde sind, denken, abwesend sind, sich anlächeln… „Interview mit Laura Pou, Flötistin (MusicAeterna)“ weiterlesen

„Die Wege der Karriere haben ihre eigene Dynamik und Logik“

Günther Groissböck. Foto: © Dominik Stixenberger

Sarastro, Wassermann, Veit Pogner, Baron Ochs – wenn ich heute all diese Namen höre, steht sofort vor meinen Augen ein Sänger, der all diese Charaktere erfolgreich verkörpert: Günther Groissböck. Diesen hervorragenden österreichischen Bass muss man den Besuchern der Bayreuther und Salzburger Festspielen nicht vorstellen.

Er studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, bei Robert Holl und José van Dam. Im Jahr 2002 debütierte er als einer der vier Könige in „Die Liebe der Danae“ von Strauss bei den Salzburger Festspielen. Dann arbeitete er an den Opern in Wien und anschließend in Zürich. Groissböck gastierte auf den berühmtesten Opernbühnen der Welt, wie der Metropolitan Opera, La Scala, der Bayerischen und der Berliner Staatsoper, der Opéra National de Paris, de Nederlandse Opera in Amsterdam, in Chicago, Los Angeles, San Francisco, Houston, im Teatro Real in Madrid und Teatro Liceu in Barcelona.

Zu seinem Repertoire gehören große Wagner-Rollen wie Fafner, Fasolt, Hunding, Landgraf, Pogner, König Marke, Gurnemanz und König Heinrich. Als Sarastro debütierte er 2003 in Klosterneuburg und sang diese Partie auch im Opernhaus Zürich, an der Wiener Staatsoper, im Hessischen Staatstheater Wiesbaden und bei den Salzburger Festspielen. Groissböck trat außerdem als Sparafucile in „Rigoletto“, als Orest in der „Elektra“, als Fürst Gremin und als Sekundant Saretzki in „Eugen Oniegin“ sowie als Titelheld in „Boris Godunov“, Kaspar in „Freischütz“ und Wassermann in Dvořáks „Rusalka“ auf. Nach seinem erfolgreichen Debüt als Ochs bei den Salzburger Festspielen 2014 sang Groissböck diese Partie an der Met in New York, sowie in Wien, München und Berlin. Der Künstler tritt auch in Konzerten mit großen Chor- und Orchesterwerken, wie Haydns „Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“, Beethovens „Missa solemnis“ und der Neunten Sinfonie, Bruckners „Te Deum“ sowie Mozarts und Verdis Requien.

Wir trafen uns zum Gespräch auf dem Grünen Hügel in Bayreuth, in der Pause zwischen dem zweiten und dritten Akt von „Tannhäuser“, in dem Günther Groissböck Landgraf Hermann verkörperte.

Interview: Jolanta Łada-Zielke 

Günther, dieses Jahr singen Sie sowohl in Bayreuth als auch in München den Wassermann in „Rusalka“ von Dvořák. Wenn Sie wieder so beschäftigt sind, empfinden Sie das als eine Rückkehr zur Normalität?

Ja, es ist momentan ein Hauch von Normalität: der Puls, das Pensum, die Dichte der Vorstellungen – all das wirkt fast wie früher. Das ist zwar sehr wohltuend, aber von einer richtigen Normalität sind wir noch weit entfernt. Man schaut auf das Publikum und sieht den halbvollen Saal, alle sitzen mit den Masken da. Du spürst sowohl eine ganz andere Distanz zu den Leuten, als auch eine ganz andere Reaktion des Publikums. Ich sage es immer, der Austausch zwischen Bühne und Publikum ist sehr intensiv, obwohl das die Zuschauer oft nicht glauben. Man sieht sofort die Mimik, man fühlt oder sieht, ob etwas dem Publikum gefällt oder nicht. Und jetzt, bei diesen bedeckten Gesichtern, spürt man zwar eine gewisse Reaktion, das ist aber eine Art Sterilität. „Interview mit Günther Groissböck,
Bayreuther Festspiele 2021“
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Frauenklang 7: „In der Orgelmusik spielt das Geschlecht keine Rolle“

Ein Gespräch mit der Organistin Hyunjoo Na 

Während eines einfachen Taufgottesdienstes in St. Ansgarii in Bremen habe ich wieder herausgefunden, wie klein die Musikwelt ist. Zunächst bin ich, wie es häufig heute vorkommt, auf Corona-Einschränkungen gestoßen, diesmal hinsichtlich der musikalischen Begleitung der Zeremonie. Ein Mitglied der Pfarrgemeinde sang allein am Altar und die übrigen Gläubigen durften das nicht mitmachen, obwohl alle Masken trugen. Als ich bei dem Lied „Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen“ anfing, die Melodie eine Terz höher zu summen, hörte ich seitlich sofort: „Bitte nicht mitsingen!“ Ich wollte diese Person fragen, warum wir überhaupt Liederbücher bekommen hatten, wenn wir nur zuhören sollten.

von Jolanta Łada-Zielke

Das unangenehme Gefühl verflog jedoch schnell, als ich die Organistin spielen hörte. Während des Gottesdienstes führte sie zwei klassische Musikstücke aus dem Frühbarock auf. Sie spielte die kleine Orgel am Altar, ich konnte also ihre Hände sehen, wie effizient und mit welchem Gefühl sie sich über das Manual bewegten. Und dieser wunderschöne Klang! Nach dem Gottesdienst ging ich sofort auf sie zu, um ihr gegenüber persönlich meine Begeisterung auszudrücken. Und hier traf mich eine riesige Überraschung; mit freudigem Erstaunen erfuhr ich, dass diese Organistin eine ehemalige Studentin von meinem Professor Joachim Grubich ist. Ihm habe ich einst mein Lied über das Orgelpfeifchen gewidmet. „Frauenklang 7: Interview mit der Organistin Hyunjoo Na “ weiterlesen