Das Singfest Nova Civitas 2022 offeriert „Liedkunst für den Frieden“

Foto: © Bruno Fidrych

Zahlreiche Dichter schrieben über die Macht des Liedes, betonten seine Universalität und Vielfältigkeit, den Reichtum an Inspirationsquellen von der Volksmusik bis zur modernen Musik, sowie seine Wirkung auf das Publikum. Das alles können die Gäste des Sängerfestes Singfest Nova Civitas 2022 erleben, das vom 12. bis 14. Juni 2022 im historischen Neukloster in Wiener Neustadt stattfindet. An dem Festival, dessen Motto „Liedkunst für den Frieden“ lautet,  treten Künstler aus Polen, der Ukraine und der Slowakei auf. Die Veranstaltung organisiert der Verband Classic Nova Civitas, gegründet vom berühmten Künstlerduo Tomasz Konieczny und Lech Napierała.

Tomasz Konieczny verrät uns ein paar Details über dieses wertvolle Projekt.

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von Jolanta Łada-Zielke

klassik-begeistert: Ist das Singfest Nova Civitas die Gründungsveranstaltung des Vereins Classic Nova Civitas?

Tomasz Konieczny: Ja, dies ist das erste Festival unter der Schirmherrschaft unseres Vereins, aber es findet bereits zum zweiten Mal statt. Letztes Jahr organisierte es eine andere kulturelle Institution. Die Teilnehmer dieser Veranstaltung beschlossen jedoch, es selbst weiterzumachen. So entstand die Idee, den Verband Classic Nova Civitas zu gründen. Sein Präsident ist
Dr. Joachim Reiber, ein deutscher Historiker, Germanist, Schriftsteller und Musikjournalist, der die Zeitschrift des Wiener Musikvereins herausgibt.

Außerdem bereitet er Werbematerialien für Konzerte vor und pflegt die Pressekontakte. Dr. Reiber ist auch ein leidenschaftlicher Hobbysänger.  Er nahm einst an der Kameralistik- und Liedinterpretation Unterricht bei Lech Napierała. Das Lied ist eines seiner Lieblingsgenres. Wir hätten uns keinen besseren Vorsitzenden vorstellen können. Mit Beginn der nächsten Theatersaison geht Joachim Reiber in den Ruhestand, weshalb er sich bereit erklärt hat, unser Präsident zu werden. Gemeinsam mit dem Grafiker Adam Dudek haben sie ein wunderschönes Programmheft zum diesjährigen Festival erstellt.

klassik-begeistert: Was sind Eure Ziele?

Tomasz Konieczny: Zunächst wollen wir die polnische Kultur im deutschsprachigen Raum fördern, sowie junge Künstler aus Polen und Österreich unterstützen, vor allem Pianisten und Sänger, die an Opernstudios oder ähnlichen Institutionen studieren. Unser bisher inoffizieller Partner ist die Opernakademie am Teatr Wielki – Polnische Nationaloper in Warschau. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir dafür auch die Opernschule der Wiener Staatsoper gewinnen könnten.

klassik-begeistert: Für das Singfest Nova Civitas macht die Werbung nicht nur Pater Michael Weiss, Pfarrer und Prior vom Neukloster, in welchem die Konzerte stattfinden, sondern auch Klaus Schneeberger – der Bürgermeister von Wiener Neustadt.

Tomasz Konieczny: Ohne die Mithilfe des Bürgermeisters Herrn Schneeberger und zweier weiterer Institutionen wäre dieses Fest gar nicht zustande gekommen. Der Bürgermeister sagte sofort zu, einer unserer Hauptsponsoren und Mitorganisatoren zu sein. Die Stadt Neustadt selbst bietet uns finanzielle Unterstützung an. Auch das Land Niederösterreich hilft uns in ähnlicher Weise. Unser dritter Partner ist die Klaviermanufaktur Bösendorfer, mit dem Sitz in Wiener Neustadt, die uns bereits zum zweiten Mal eines ihrer wertvollen Instrumente zur Verfügung stellt. In diesem Jahr ist es ein neues Modell eines Konzertflügels. Wir sind allen unseren Partnern, Mitorganisatoren und Sponsoren sehr dankbar.

klassik-begeistert: Wie habt Ihr das Programm des Festivals gestaltet? „Singfest Nova Civitas 2022, „Liedkunst für den Frieden“
Neukloster in Wiener Neustadt vom 2. bis 14. Juni 2022“
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Die Akademie des NDR Elbphilharmonie Orchesters Hamburg feiert Jubiläum

Lucie Krysatis und Jens Plücker beim Interview mit klassik-begeistert;
Foto Patrik Klein ©

2012 bis 2022: 10 Jahre erfolgreiche Vorbereitung für junge NachwuchsmusikerInnen

Zwölf StipendiatInnen werden jährlich auf die späteren Anforderungen des künftigen Berufslebens als OrchestermusikerInnen vorbereitet.

Der heutige Vorstand der Akademie Christoph Rocholl, selbst erfahrener Cellist beim NDR Elbphilharmonie Orchester, definiert die Ziele der Akademie: „Wir möchten jungen Musikern wertvolle Anregungen für die engagierte Auseinandersetzung mit ihrem Instrument geben und ihnen das Erlebnis ermöglichen, auf höchstem Niveau zu musizieren.“

Den gerade von den Musikhochschulen kommenden jungen MusikerInnen werden MentorInnen aus dem Orchester zugeordnet, die sie auf ihrem Weg zur weiteren Berufswahl begleiten. Den jungen KünstlerInnen wird die Möglichkeit gegeben, sich individuell weiterzuentwickeln, bei Konzerten auf dem Podium der Elbphilharmonie dabei zu sein, eigene Kammerkonzerte zusammen mit erfahrenen MusikerInnen aufzuführen und in dem  von der Akademie mit gegründeten NDR Jugendorchester mitzuspielen.

Der Intendant des NDR und zugleich Ehrenvorsitzender der Akademie des NDR Elbphilharmonie Orchesters Joachim Knuth:

„Die Akademie des NDR Elbphilharmonie Orchesters bedeutet Verantwortung und Chance zugleich. Als Mentoren geben die Musikerinnen und Musiker ihr wertvolles Wissen ehrenamtlich an den Nachwuchs weiter. Die jungen Talente haben die Möglichkeit, wie die Profis zu arbeiten und Erfahrungen für ihren weiteren künstlerischen Weg zu sammeln. Die besondere Klangkultur des NDR Elbphilharmonie Orchesters wird durch dieses intensive Engagement von der nächsten Generation weitergetragen.“

Die Akademie feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum und geht dazu auch mit einer überregionalen Medienkommunikation an die Öffentlichkeit.

„Klassik-begeistert“, häufiger Gast in der Elbphilharmonie Hamburg, begleitet eine Akademistin und ihren Mentoren bei einer Probe für ein Konzert.

Interview mit der Stipendiatin Lucie Krysatis (Horn) und dem Geschäftsführer der Akademie und ersten Hornisten des NDR Elbphilharmonie Orchesters Hamburg Jens Plücker im Rahmen einer gemeinsamen Probe der konzertanten Oper „Rusalka“ von Antonín Dvořák in der Elbphilharmonie Hamburg

Klassik-begeistert: Liebe Frau Krysatis, Sie spielen Horn und proben hier heute zusammen mit einem großen, berühmten Orchester mit dem weltbekannten Dirigenten Alan Gilbert und einer Riege namhafter internationaler Sängerinnen und Sänger. Wie geht es Ihnen damit? Wie aufregend ist das für Sie?

Lucie Krysatis: Das ist sicherlich für mich immer noch etwas aufregend, aber wenn ich mich jetzt an meine Anfangszeit im Herbst vor einem Jahr erinnere, dann ist das doch nicht mehr vergleichbar. Man gewöhnt sich schon daran, an einem großen Haus und in einem großen Orchester zu arbeiten. Mittlerweile kann ich sagen, dass ich nicht mehr so aufgeregt bin. Seit August 2021 bin ich nun bei der Akademie, habe mein Studium seither ruhen lassen und habe bereits eine gewisse Routine bekommen. „Interview NDR Akademie, Lucie Krysatis und Jens Plücker
Klassik“
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Georg Zeppenfeld: „Ich halte mich nicht für einen reinen Wagner-Sänger“

Foto: © Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Exklusiv-Interview mit dem Bass  Georg Zeppenfeld – Teil 2

von Jolanta Łada-Zielke

Wir haben uns in der Staatsoper Hamburg unterhalten, wo sich Georg Zeppenfeld gerade in der Rolle des Landgrafen Hermann in der neuen Tannhäuser-Inszenierung von Kornél Mundruczó hervorgetan hat. Der Bassist hat bereits so viele Wagner-Rollen gesungen, dass man ihn fast ausschließlich mit diesem Komponisten verbindet. Obwohl ich Wagner selbst liebe, wollte ich wissen, ob eine solche Assoziierung für einen Sänger nicht einschränkend sei.

klassik-begeistert: Herr Zeppenfeld, Sie haben schon viele Wagner-Rollen gesungen (Fasolt, Landgraf Herrmann, König Marke, König Heinrich, Hunding, Veit Pogner, Hans Sachs, Daland und Gurnemanz) und man bezeichnet Sie bereits als „Wagner-Sänger“. Haben Sie keine Angst davor, dass man Sie in eine solche „Schublade“ stecken würde?

Georg Zeppenfeld: Diese Sorge habe ich durchaus. Deshalb wehre ich mich gegen diese Bezeichnung. Ich weiß auch nicht, was man heute unter „Wagner-Sänger“ verstehen soll. Vor dreißig Jahren hat man im Wagner-Repertoire andere Stimmen als meine erwartet. Wie gesagt, meine ist
a priori lyrisch. Ich arbeite mehr mit Farben und Linien, mit einer gewissen Geschmeidigkeit und stimmlichen Eleganz, die ich nicht verlieren möchte. Für Wagner-Gesang ist das alles sehr angebracht und ich sehe in den Partituren, dass man es einfach braucht. Vor einigen Jahrzehnten benötigte man für Wagners Werke eine große, stämmige Stimme, um jedes Orchestergetöse übertönen zu können. Die wichtigste Voraussetzung der Bassstimmen war auch eine gewisse „Schwärze“. Ich habe schon gute 25 Jahre auf der Bühne verbracht und bin mir sicher, dass ich davon genügend mitbringe, um dieses Repertoire gut singen zu können. Das ist aber für mich nicht alles und reicht mir nicht aus. Deswegen würde ich unter Wagner-Sänger einen solchen verstehen, der vieles anderes dafür aufgegeben hat, was ich nicht aufgeben möchte. Die Farbigkeit ist mir viel wichtiger und ich bin sehr froh, dass man sie heute beim Wagner-Gesang akzeptiert und sogar verlangt. Daher haben sich die Zeiten und die Ansichten der Dirigenten geändert. Für mich ist ein solches Berufsleben interessanter, in dem man sich nicht auf 2-3 Komponisten konzentriert, sondern ein breites Repertoire abbilden kann. Solange ich singen kann, möchte ich eine Gelegenheit dazu haben. Deshalb halte ich mich nicht für einen reinen Wagner-Sänger. „Exklusiv-Interview Georg Zeppenfeld
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Georg Zeppenfeld: „Hans Sachs steht mir näher als Wotan“

Foto:  © Matthias Creutziger

Exklusiv-Interview mit dem Bass Georg Zeppenfeld – Teil 1

von Jolanta Łada-Zielke

Die Salzburger und Bayreuther Festspielgäste bewundern Georg Zeppenfeld nicht nur für seine  schöne, tiefe Bassstimme, sondern auch für seine großartige Diktion. Seit Ende April 2022 erlebt ihn das Publikum der Staatsoper Hamburg als Landgraf Hermann in der neuen Tannhäuser-Inszenierung von Kornél Mundruczó und unter der Leitung von Kent Nagano.

Nach dem Abschluss seines Konzert- und Operngesangsstudiums in Detmold und Köln kamen seine ersten festen Engagements an den Opernhäusern Münster und Bonn, dann von 2001 bis 2005 an der  Semperoper Dresden. Heute tritt er in Dresden als Gast auf und 2015 wurde ihm der Titel des Kammersängers verliehen. Seine berühmtesten Rollen in der Semperoper sind Hans Sachs, Ramfis und Sarastro. Diese Partie führte er unter Claudio Abbado in Baden-Baden, an der San Francisco Opera, der New Yorker MET, der Wiener Staatsoper, bei den Salzburger Festspielen (unter Harnoncourt), am Royal Opera House Covent Garden in London, der Oper Zürich und der Bayerischen Staatsoper auf. Als Konzertsolist sang er bis heute Basspartien in Oratorien von Barock bis Spätromantik. „Exklusiv-Interview Georg Zeppenfeld
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Interview mit Axel Ranisch: "Ohne Vergnügen würde ich diesen Job nicht machen"

Ich bin ein Klassiknerd seit Kindertagen, habe es aber nie für möglich gehalten selbst Opern inszenieren zu dürfen.

Opéra de Lyon, 18. März 2022 (Premiere)

Ein Interview von Patrik Klein mit Axel Ranisch, Regisseur von Giuseppe Verdis Rigoletto 

Axel Ranisch im Gespräch in der Opéra de Lyon; Foto Patrik Klein, Hamburg ©

klassik-begeistert: Lieber Herr Ranisch, man kennt Sie in Deutschland als einen vielseitigen Künstler, Schauspieler und Regisseur. Auch ich wurde auf Sie aufmerksam als Polizeikollege Schröder  von Kommissar Zorn in der Kriminalreihe aus Halle und als Regisseur zweier „Tatorte“ mit Lena Odenthal. Ihre sympathische und „schlitzohrige“ Art hat mir sofort imponiert. Wie kam es zu Ihrer künstlerischen Vielseitigkeit? Was treibt Sie an?

Axel Ranisch: Ja, das war in Halle eine schöne und dankbare Rolle. Ich hab es geliebt, das fleißige Bienchen zu spielen, das ständig vom griesgrämigen Chef einen auf den Deckel kriegt. 12 Romane von Stephan Ludwig gibt es, leider wurden nur fünf davon verfilmt. Vielleicht gibt es ja irgendwann nochmal ein Wiedersehen…

Das genreübergreifende Tanzen auf mehreren Hochzeiten war selten eine Eigeninitiative von mir. Es ging immer von Leuten aus, die mir etwas zutrauten, was ich mir selbst noch nicht zugetraut hatte. Ich habe Regie studiert. Filmemachen habe ich also gelernt. Das ist mein Beruf. Selbst vor der Kamera zu stehen habe ich nie in Erwägung gezogen, auch wenn ich als Jugendlicher gerne Theater spielte. Als 2010 die erste große Schauspielanfrage für einen österreichischen Kinofilm von David Schalko kam, war ich völlig überrascht. Ich bin schon ein Leben lang neugierig und bin auch deswegen immer gerne ins kalte Wasser gesprungen. Genauso verhält es sich mit der Oper.

Ich bin ein Klassiknerd seit Kindertagen, habe es aber nie für möglich gehalten selbst Opern inszenieren zu dürfen. Dann kam Nikolaus Bachler (Intendant Bayerische Staatsoper München 2008 – 2021) und hat mich an sein Haus geholt. Er hatte meinen ersten Kinofilm „Dicke Mädchen“ gesehen, meine Musikalität darin erkannt und mir daraufhin angeboten, mich doch mal im Musiktheater auszuprobieren. Das hat dann mit einer kleinen Produktion während der Sommerfestspiele im Theatiner Filmtheater angefangen und wurde dann mit jedem Mal größer. Ähnlich bin ich auch zu meinem ersten Roman „Nackt über Berlin“ gekommen oder zum Podcast „Klassik drastisch“ auf Deutschlandfunk Kultur, wo ich zusammen mit David Striesow über Musik schwärmen darf. „Interview von Patrik Klein mit Axel Ranisch,
Opéra de Lyon, 18. März 2022“
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Lena Belkina: "Ich fühle mich als ein 'Soldat an der Kulturfront'"

Foto: Lena Belkina, © A. Bofill

Interview mit der ukrainischen Mezzosopranistin Lena Belkina über Kunst in Zeiten der Bedrohung

von Dr. Lorenz Kerscher

klassik-begeistert: Sie sind Staatsbürgerin der Ukraine und dort aufgewachsen, bis Ihre internationale Karriere Sie bald in westliche Länder führte. Wie geht es Ihnen jetzt, wenn Sie an Ihre bedrohte Heimat denken?

Lena Belkina: Es gibt keinen Grund und keine Rechtfertigung für die Tötung von Zivilisten, insbesondere von Frauen und Kindern. Putin nennt den blutigen Krieg in der Ukraine eine „spezielle Entnazifizierungsoperation“. Es wurde nachweislich das Theater in Mariupol bombardiert, in dem sich Frauen und Kinder vor den Bomben schützten. Das Theater wurde sogar mit dem Begriff „Kinder“ gekennzeichnet, damit dies für die Angreifer ersichtlich ist. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Das ist also keine „Entnazifizierung“, sondern Völkermord.

Das Problem der Bewohner des kriegführenden Landes und ihres Präsidenten ist, dass sie die Ukraine als Staat ablehnen, sie wollen uns zu einem Teil ihres Landes machen. Jeder Ukrainer, der kämpft und sein Recht verteidigt, in einem freien Land zu leben, ist ein Held. Leider ist diese Freiheit mit einem sehr hohen Preis verbunden. Unsere Soldaten riskieren ihr Leben für die Zukunft unserer Heimat.

Dieser Krieg, den Russland grundlos begonnen hat, wird auf vielen Ebenen geführt. Die gesamte westliche Welt hat – mit ein paar wenigen Ausnahmen – historisch einzigartige Sanktionen gegen den Aggressor beschlossen. Es ist daher mittlerweile auch ein Wirtschaftskrieg. Ich fühle mich sozusagen als ein „Soldat an der Kulturfront“. „Interview: mit der ukrainischen Mezzosopranistin Lena Belkina über Kunst in Zeiten der Bedrohung,
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Das Ballett Cracovia Danza tanzt den ukrainischen Hopak

Foto: Romana-Agnel-fot.Innee-Singh-New-Delhi (c)

Kann man gleichzeitig kämpfen und tanzen? Wenn ja, denn beim Hopak. Dieser und andere ukrainische Tänze gehören zu dem Repertoire des professionellen Hofballetts Cracovia Danza aus Krakau. Seine Gründerin und künstlerische Leiterin sowie Tänzerin, Choreographin, Tanzpädagogin und Kunsthistorikerin Romana Agnel ist unseren Lesern schon bekannt. Sie erzählt von den vergangenen und bevorstehenden Tanzprojekten des Ensembles, die sich auf die polnisch-ukrainische Kultur beziehen.

von Jolanta Łada-Zielke

klassik-begeistert: Seit wann hat das Hofballett Cracovia Danza ukrainische Volkstänze im Repertoire?

Romana Agnel: Schon seit langem. 2002 machten wir das Projekt „Ballet des nations“ (Ballett der Nationen). Diese Aufführung präsentierte die Tanzkultur des 18. Jahrhunderts in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Damals zeigten wir zum ersten Mal eine choreografische Form des Kosakentanzes aus dieser Zeit. Ich lernte ukrainische und huzulische Tänze bereits während meines Studiums in Paris kennen, darunter den Hopak. Diese gehören zu den sogenannten charakteristischen Tänzen, auf die ich mich spezialisiere. Das Thema lag mir immer am Herzen, weshalb ich mit Leichtigkeit und Freude eine solche Choreographie gestaltet habe. Für den Kosakentanz habe ich mir ein spezielles Kostüm fertigen lassen.

 klassik-begeistert: Das „Ballet des nations“ war aber nicht das einzige derartige Projekt?

Romana Agnel: Später lud uns die Nationalphilharmonie in Warschau ein, an einem Bildungsprogramm teilzunehmen, das den charakteristischen Tänzen Mitteleuropas gewidmet ist, während dessen wir ukrainische Tänze zu live gespielter Akkordeonmusik präsentierten. Wir organisierten auch einen Tanztag, kombiniert mit einer Aufführung von den für unsere Region charakteristischen Tänzen. Wir führten ukrainische, hauptsächlich den Hopak und huzulische Tänze auf. Dann fingen wir eine Zusammenarbeit mit dem „Teatr Piosenki” (Liedertheater) an, mit dem wir die „Mathematische Oper“ vorbereitet haben, die ukrainische Themen berührt.

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Andreas Ottensamer: „Wenn man so auch junges Publikum anspricht, dann ist das der beste Weg."

Foto: Andreas Ottensamer © Stefan Höderath

Er zählt zur neuen Generation. Einer Zunft von Musikern, die mit der Zeit gehen. Neben anderen jungen Kollegen, zeigt sich Andreas Ottensamer auch oft von der „coolen“ Seite: modisch, sportlich, mit gestähltem Sixpack. Via Social Media genehmigt der Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker viele Einblicke. Warum sich das nicht unbedingt mit dem Klischee des eher verstaubten Klassikbetriebs schneidet, erzählt er im Exklusiv-Interview.

Interview: Jürgen Pathy

Andreas Ottensamer setzt den Termin für das Gespräch um 11:00 Uhr vormittags an. Einer Uhrzeit, um die so manch anderer Musiker vermutlich noch im Tiefschlaf verweilt. „Ich habe es gerade noch so geschafft“, entgegnet er schlagfertig, ob des Klischees, das ich natürlich gerne einwerfe, um die Stimmung zu lockern. Der 31-Jährige Feschak, der aus einer bekannten Musikerfamilie stammt, wirkt überrascht, als ihn mein Skype-Anruf ereilt. Wo er gerade weilt, erfahre ich nicht. Nur, dass er im Moment keine Möglichkeit habe, das Interview via Onlinetools wie Zoom oder Skype zu führen. Kein Problem. Papier und Stift liegen bereit.

Nur meinen „Schummelzettel“ nimmt er so ein wenig aus dem Spiel. Spezialfragen, wie er zu den alten Meistern der Klarinette stehe. Insbesondere zur „vibratoarmen“ Klangkultur, wie sie der Wiener Alfred Prinz oder der deutsche Karl Leister gepflegt haben. Diese Fragen habe ich bei einem anderen Skype-Kontakt gebunkert, der sie mir gesteckt hat. „Ich spiele selbst gerne Vibrato“, lautet die Quintessenz seiner ausführlichen Antwort. „Hauptsächlich aber dort, wo es stilistisch passt – Debussy, Poulenc, dort ist es deutlich passender, als bei der deutschen Romantik oder Mozart, wo es stilistisch weniger passt“. Für Mozarts Klarinettenkonzert übrigens, da hat er sich tatsächlich eine Bassetklarinette machen lassen.

„Interview: Andreas Ottensamer, Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker,
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Der ukrainische Komponist und Cellist Zoltan Almashi: „Ich glaube an einen Sieg der Ukraine“

Foto: Zoltan-Almashi, (c) Ivanko Dovhanyk

Gespräch mit Zoltan Almashi (Золтан Алмаші) Ukrainischer Komponist und Cellist

 In Zoltans Werken spüre ich die Ukraine –  die, die ich in meiner Kindheit aus Romanen des 19. Jahrhunderts oder aus Dumki (ukrainische Volkslieder) kennengelernt habe. In dieser Musik steckt eine tiefe, herzzerreißende Sehnsucht und gleichzeitig eine beruhigende Süße. All dies entdeckte ich, als ich zum Beispiel seine Symphonie Nr. 2 „Die Insel“, „Die vier Jahreszeiten“ für Klavier, Violine und Violoncello, oder das Konzert für Kontrabass und Streichorchester höre.

Am 24. Februar sollte ich mit ihm ein Interview über die aktuelle Situation von Komponisten und Musikern in der Ukraine durchführen. Wir haben uns erst drei Tage später unterhalten, als Zoltan aus Kiew nach Lemberg (Lviv) verreist ist.

von Jolanta Łada-Zielke

klassik-begeistert: Wie war der 24. Februar für dich?

Zoltan Almashi: Ich bin aufgewacht und habe Dutzende verpasster Anrufe von Freunden gesehen… Schock, und Verwirrung.  Ja, meine Reaktion war vor allem Verwirrung.

klassik-begeistert: Konntest du dich mit deiner Familie schnell an einen sicheren Ort begeben?

Zoltan Almashi: Wie sich herausstellte, haben wir in der Nähe viel Platz um uns zu verstecken. Und in meinem Haus gibt es einen Keller und einen Tiefparkplatz in der Nachbarschaft. Die U-Bahn ist nicht in meiner Nähe, aber ich habe sie trotzdem erreicht. Natürlich ist die U-Bahn der sicherste Ort. Was mir aufgefallen ist – wie viele wunderbare Menschen leben in meiner Stadt! Im Alltag ist es nicht so offensichtlich.

klassik-begeistert: Wie sieht das aus?

Zoltan Almashi: Alle helfen einander, sowohl psychisch als auch finanziell. Ich beobachte einen seltsamen Zusammenhalt der ukrainischen Nation (das gilt natürlich nicht für prorussische Sympathisanten, Provokateure und geheime Feinde). Alle Missverständnisse und Streitigkeiten lassen wir für später. Die Regierung, der Präsident und die Stadtverwaltung verhalten sich richtig und mutig. Ich glaube, wir werden siegen! Aber vor allem mit Hilfe der ganzen Welt, vor allem der Vereinigten Staaten und der europäischen Länder. „Interview: Zoltan Almashi (Золтан Алмаші) Ukrainischer Komponist und Cellist,
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Interview Carlo Rizzi: "Ich würde gerne wie eine Fliege an der Wand dabei sein um zu sehen, wie Bach und Mozart komponieren, wie sie schreiben, wie diese unglaubliche Musik, die sie in ihrem Kopf hatten, aufs Papier kommt"

Interview mit Carlo Rizzi für Klassik begeistert 

Foto: The Hallé © – Carlo Rizzi

Carlo Rizzi, geboren 1960 in Mailand, studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt Klavier, Komposition und Dirigieren. Er zählt zu den weltweit führenden Operndirigenten und ist ein gefragter Gastkünstler an den renommiertesten Veranstaltungsorten und Festivals weltweit. Er ist in Opernhäusern wie Konzertsälen gleichermaßen zuhause und hat mittlerweile über 100 Opern aufgeführt. Im Jahre 2019 wurde Rizzi zum Musikdirektor der in London ansässigen Opera Rara ernannt, die sich der Wiederbelebung und Wiederaufnahme unentdeckter bzw. unterbewerteter Werke berühmter und vernachlässigter Opernkomponisten widmet. Rizzi ist Ehrendirigent der Welsh National Opera, bei der er als Musikdirektor tätig war. Er erhält unter anderem langjährige Beziehungen zum Teatro alla Scala, dem Royal Opera House Covent Garden und der Metropolitan Opera in New York. Er ist vom 20. Februar 2022 bis zum 4. März 2022 an der Bayerischen Staatsoper in München zu erleben als Musikalischer Leiter von Puccinis „Tosca“.

von Dr. Petra Spelzhaus

Klassik begeistert / Petra Spelzhaus: Im Januar haben Sie die „Tosca“ an der Metropolitan Opera in New York dirigiert. Das Theater und das Orchester dort kennen Sie sehr gut. In wenigen Tagen dirigieren Sie dieselbe Oper an der Bayerischen Staatsoper in München. Was ist der Unterschied? „Interview mit Carlo Rizzi für Klassik begeistert
klassik-begeistert.de, 22.2.22“
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