Ladas Klassikwelt 31: Die Götter sind unter uns – Teil III

Foto: Stephen Gould als Siegfried © Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

„Ich sah Stephen Gould mehrmals im Festspielpark spazieren gehen mit  auf die Noten fixiertem Blick. „Im letzten Jahr habe ich diese Partitur überall hin mitgenommen, wohin ich gegangen bin“, erzählte er mir damals im Interview.“

Ein Gespräch mit dem Heldentenor Stephen Gould und dem Regisseur Tankred Dorst (1925-2017)

von Jolanta Łada-Zielke

Wer ist eigentlich der Hauptheld der Nibelungen-Sage? Einige finden, der tapfere Siegfried, andere meinen, dass sich die Handlung vielmehr auf den Göttervater – Wotan – konzentriere, der Ruhm und Macht seines Königreichs anstrebt, aber seine Träume auf rechte und edelmütige Weise nicht erfüllen kann. In der Inszenierung von Tankred Dorst (Bayreuther Festspiele 2006) war Alberich (Andrew Shore) die zentrale Figur. Zwar verlor er seinen Schatz, blieb aber nicht ohne Einfluss auf die weiteren Ereignisse. Durch sein Handeln bewirkte er schließlich die endgültige Katastrophe. „Ladas Klassikwelt 31: Die Götter sind unter uns – Teil III“ weiterlesen

„In 150 Jahren wird niemand mehr wissen, wer Dieter Bohlen oder Moritz Eggert war, aber man wird sich an das Trautonium erinnern und es feiern“

Foto: Alessandra Schellnegger

Interview am Donnerstag 15: Der Trautoniumspieler Peter Pichler

Peter Pichlers musikalische Wurzeln liegen in der Punkszene. Im Laufe der 1990er Jahre kam er in Kontakt zu einem Instrument namens Trautonium. Dieser Kontakt ist für Peter Pichlers weitere musikalische Entwicklung prägend.

Viele von Ihnen werden von diesem Instrument vielleicht noch nie gehört haben, viele von Ihnen haben es jedoch sehr wahrscheinlich schon einmal gehört: sämtlicher Sound Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ wurde mit dem Trautonium produziert.

von Frank Heublein

Was bedeutet Ihnen Musik?

Das ist natürlich eine hochphilosophische Frage und auf viele Arten beantwortbar … Kurz gesagt: Musik sollte die Möglichkeit bieten, Grenzen zu sprengen und eine weltweite, überirdische, friedliche Form der Kommunikation zwischen den Völkern herstellen. Eine musikalische Sprache zum Guten. Bei mir persönlich wurde die Bedeutung der Musik durch meinen familiären Hintergrund geprägt. Als viertes Kind einer Pension- und Wirtsfamilie war mein Leben vorbestimmt. Musik half mir auszubrechen, mich zu verstecken, mich zu finden an einem geheimen Ort, ohne jegliche Art gesellschaftlicher Beeinflussung. „Interview am Donnerstag 15: Peter Pichler, Trautoniumspieler“ weiterlesen

10 Fragen an die Sopranistin Anna Lichorowicz: „Der morgendliche Vogelgesang ist Balsam für meine künstlerische Seele“

Die polnische Sopranistin Anna Lichorowicz ist Solistin an der Oper Breslau (Opera Wrocławska). 2007 absolvierte sie mit Auszeichung ihr Gesangsstudium der Musikhochschule in Krakau. Dort wurde sie 2018 zum Doktor der Kunst promoviert. Zu ihren Solo-Leistungen zählen über 400 Opernvorstellungen und rund 500 Konzertauftritte.

Anna Lichorowicz  war die erste Preisträgerin des Gesangswettbewerbs am Festival Oper Oder-Spree. Für ihre künstlerischen Leistungen erhielt sie die Prometheus-Statuette – den Preis der polnischen Bühnen. „Interview: 10 Fragen an die Sopranistin Anna Lichorowicz
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Ladas Klassikwelt 30: Die Götter sind unter uns – Teil II

„In einer anderen Inszenierung mag Walhalla wie die Wall Street aussehen, Siegfried ist ein Hippie und Wotan der Leiter eines großen Konzerns. Aber ich beschloss, diese Geschichte so einfach wie möglich zu erzählen.“

Ein Gespräch mit Tankred Dorst (1925-2017)

Foto: Jolanta Lada-Zielke mit dem Regisseur und Dramatiker Tankred Dorst. Das Bild entstand im Jahr 2006 im Restaurant Bürgerreuth in Bayreuth.

von Jolanta Lada-Zielke

Zurück zu Wagners „Ring“ in der Inszenierung von Tankred Dorst bei den Bayreuther Festspielen 2006:

In der letzten Vorstellung von „Die Walküre“ in der Saison 2006 gab es eine Änderung in der Besetzung des Siegmunds: Anstelle von Endrik Wottrich trat Robert Dean Smith auf, der zu dieser Zeit auch den Tristan sang. Eine Professorin der Musikwissenschaft aus Serbien, die im Festspielhaus neben mir saß, fragte erstaunt: „Haben die so viele Sänger zur Verfügung, dass sie so schnell einen Ersatz gefunden haben?“ Ich wusste nicht, ob Smith als Ersatz für Wottrich vorgesehen, oder ob das eine unerwartete Vertretung war. „Ladas Klassikwelt 30: Die Götter sind unter uns – Teil II“ weiterlesen

Interview am Donnerstag 14: „Außer an der Wiener Staatsoper akzeptieren alle Konzertorchester und Opernhäuser der Welt meine Materialien“

Foto: Hartmut Haenchen © Riccardo Musacchio

Interview am Donnerstag 14: Der Dirigent Hartmut Haenchen

Er zählt zu den ganz Großen seines Fachs: Hartmut Haenchen, geboren am 21. März 1943 in Dresden, Träger des Bundesverdienstkreuzes, Dirigent des Jahres 2017 (Opernwelt) und gern gesehener Gast an den Opernhäusern in Berlin, Paris, Madrid und Genf. Als Zweijähriger erlebt er den Angriff der Alliierten hautnah – und erinnert sich noch an das Flammeninferno, erzählt der heute 77-Jährige in einem Interview. Vielleicht hat er den „Ring des Nibelungen“, bei dem der Sitz der Götter ebenfalls in den Flammen endet, deshalb sage und schreibe 36 Mal dirigiert. Bis heute einsamer Rekord.

Haenchen gilt als unbequem, als einer, der fast keine Kompromisse eingeht – sowohl künstlerisch als auch politisch nicht. Lange Zeit wurde seine Karriere von der DDR-Führung sabotiert. Obwohl Wolfgang Wagner bereits 1980 rief, erfuhr Haenchen erst Jahre später davon. Sein Debüt im „mystischen Abgrund“ des Bayreuther Festspielhauses folgt dennoch: 2016 und 2017 dirigierte er nicht irgendeine Oper, sondern den „Parsifal“ – Wagners „Bühnenweihfestspiel „, das extra für das Bayreuther Festspielhaus konzipiert wurde.

In dieser Saison hätte er an der Wiener Staatsoper dirigieren sollen – ebenfalls den „Parsifal“. Aufgrund der Corona-Pandemie folgte die Absage. Wie er sich deswegen fühlt, warum er nur seinem eigenen Orchestermaterial vertraut und warum er oft ohne Taktstock dirigiert, erzählt er im Interview mit klassik-begeistert.de.

von Jürgen Pathy 

Grüß Gott, Herr Haenchen. In einem Gespräch erzählen Sie, Ihre ersten Erfahrungen als Dirigent haben Sie bereits mit 15 Jahren gemacht. Wie kam es dazu?

Genau an meinem 15. Geburtstag durfte ich mein erstes Konzert mit Chor, kleinem Orchester und Solisten dirigieren. Die Kirche in meinem Heimatort, der damals noch nicht zu Dresden gehörte, hatte keinen Kantor. Man fragte mich, da man wusste, dass ich Mitglied des Dresdner Kreuzchores war, ob ich einspringen könnte, den Chor zu leiten und die Gottesdienste zu spielen. Aus diesem Einspringen wurde eine Verbindung für mehrere Jahre. Und so baute ich auch regelmäßige Konzerte in der Kirche auf.

Für mich war das die ideale Möglichkeit, der Erfüllung meines Berufswunsches, Dirigent zu werden, einfach durch die Praxis näherzukommen. Für mich ist es heute rätselhaft, dass alle Mitwirkenden, die ja viel – zum Teil sehr viel – älter waren, mir folgten. Schließlich habe ich einige Jahre später mit dieser Kantorei mein Aufnahmeprüfungskonzert gemacht. Aber schon damals habe ich mich sehr mit Aufführungspraxis beschäftigt und ein „Requiem“ von Johann Adolf Hasse wieder ausgegraben und das gesamte Aufführungsmaterial handschriftlich hergestellt. „Interview am Donnerstag 14: Der Dirigent Hartmut Haenchen
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Ladas Klassikwelt 29: Die Götter sind unter uns – Teil I

„Die Welt erscheint uns eindeutig, hat aber auch eine ganz andere Dimension. Neben Wotan, Mime, Alberich treten moderne Menschen auf der Bühne auf: Ingenieure, die die Geräte kontrollieren, Techniker im Wald, ein Liebespaar. Mythologische und moderne Charaktere existieren nebeneinander ohne gegenseitigen Kontakt. Die Zuschauer haben die Möglichkeit, beide zu beobachten, aber sie können sich nicht sehen – wie bei Hoffmann.“

Ein Gespräch mit Tankred Dorst (1925-2017)

Foto: Jolanta Lada-Zielke mit dem Regisseur und Dramatiker Tankred Dorst. Das Bild entstand im Jahr 2006 im Restaurant Bürgerreuth in Bayreuth.

von Jolanta Lada-Zielke

Die neue Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth wurde wegen der Corona-Krise abgesagt. Jedoch kann man sich an die früheren Produktionen der Tetralogie Wagners erinnern, die einen wichtigen Platz nicht nur in der Geschichte der Bayreuther Festspiele einnehmen. Im Jahr 2006, also zum 130-jährigen Jubiläum der Uraufführung des „ Rings“ am Grünen Hügel wurde die Inszenierung von Tankred Dorst präsentiert. Der Regisseur stand vor einer Herausforderung: Seine Interpretation sollte außergewöhnlich sein, aber auch die traditionellen Geschmäcker im Publikum ansprechen. „Ladas Klassikwelt 29: Die Götter sind unter uns – Teil I“ weiterlesen

10 Fragen an Agnieszka und Tomasz Kuk: Nach der Pandemie am liebsten nach Bayreuth!

Ein Gespräch mit Agnieszka und Tomasz Kuk – nicht nur über Coronavirus

Agnieszka und Tomasz Kuk sind Ehepaar und Opernsänger mit über zwanzigjähriger  Erfahrung. Beide absolvierten das Gesangsstudium an der Musikhochschule in Krakau, Agnieszka als dramatische Sopranistin und Tomasz als Heldentenor. Anfangs verliefen ihre beruflichen Wege getrennt – seit vier Jahren treten sie gemeinsam auf Bühnen auf. Bisher sangen sie die Partien der berühmten Liebespaare in Opern wie  „Tannhäuser“, „Tosca“, „Halka“, „Turandot“, „Die Lustige Witwe“ und „Madame Butterfly“.

Interview: Jolanta Lada-Zielke
Fotos: Ryszard Kornecki / Marcin Wojciechowski / Andrzej Kalinowski / privat (c). Aufmacherbild: Halka 2016, Lodz.

klassik-begeistert.de: Wie waren eure Karrierewege?

A.K: In den frühen neunziger Jahren haben wir gerade eine Familie gegründet und hatten einen kleinen Sohn. Also beschlossen wir, dass zunächst nur Tomasz seine Karriere weiterentwickelt. Direkt nach der Wende hatten künstlerische Agenturen in Polen keine große Erfahrung, und auf dem westlichen Markt gab es eine Nachfrage nach Heldentenören. Deswegen fing ich an, Tomasz im Westen zu promoten. Ich führte seine Korrespondenz, betreute die Verträge und buchte Hotels. Wir unterzeichneten viele günstige Verträge mit deutschen und österreichischen Vertretern. Manchmal überschnitten sich Verträge vorübergehend. Es gab Momente, als Tomasz von fünf verschiedenen konkurrierenden Agenturen vertreten wurde. Ich versuchte ihm Stress zu ersparen und die profitabelsten Angebote auszuwählen.

T.K: Nach meinem Abschluss engagierte ich mich auch an der Krakauer Oper. Mit dem Opernensemble machten wir dreiwöchige und monatliche Tourneen nach Deutschland, in die Schweiz, nach England. Es war anstrengend, weil wir mit dem Bus reisten, aber das Arbeitsklima war toll. Außerdem habe ich Verträge mit ausländischen Agenturen abgeschlossen. „10 Fragen an Agnieszka und Tomasz Kuk: Nach der Pandemie am liebsten nach Bayreuth!
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"Die Emotionen der Zuschauer gehören zum Gesamtwerk"

Foto: © 2009 | Daniel Bruengger

Interview am Donnerstag 12: Wagnertenor Stephen Gould (Bayreuther Festspiele 2019)

von Jolanta Lada-Zielke 

Stephen Gould ist Heldentenor, kommt aus Virginia und studierte am New England Conservatory of Music in Boston. 2015 wurde er zum Österreichischen Kammersänger ernannt. In Bayreuth debütierte er 2004 als Tannhäuser, danach sang er 2006 – 2008 Siegfried im „Ring des Nibelungen“ unter der Regie von Tankred Dorst. 2019 sang er wieder die Titelrolle in Katharina Wagners Inszenierung von „Tristan und Isolde“.

klassik-begeistert.de-Autorin Jolanta Lada-Zielke, Kulturjournalistin und -reporterin aus Polen, Korrespondentin der Musikfachzeitschrift „Ruch Muzyczny“ sowie der Theaterzeitung „Didaskalia“ hat Stephen Gould schon zum dritten Mal in Bayreuth getroffen. Diesmal hat sie mit ihm über Wagners „Tristan und Isolde“ gesprochen.

„Interview am Donnerstag 12: Stephen Gould, Tenor“ weiterlesen

10 Fragen an Lucio Golino, Maestro suggeritore an der Wiener Staatsoper: „Überall wird mit Wasser gekocht"

Interview mit Lucio Golino, der als Maestro suggeritore an der Wiener Staatsoper und bei den Bayreuther Festspielen arbeitet.

Fotos: Lucio Golino / Wiener Staatsoper © Michael Pöhn / Jürgen Pathy

Sagen Sie niemals Souffleur zu ihm. Der Maestro suggeritore kann viel mehr als nur „einsagen“, schrieb der Kurier in einer Sonderausgabe zum 150. Jubiläum der Wiener Staatsoper. Lucio Golino ist einer von ihnen. Er spricht zwei Fremdsprachen, ist quasi der Dirigent für die Sänger und hat eine Ausbildung als Kapellmeister. Ohne ihn ginge in einem Haus, wie der Wiener Staatsoper, wo beinahe an 300 Tagen im Jahr eine Aufführung stattfindet, wenig. Die Sänger verlassen sich auf ihn. Der Maestro ist Freund, Stütze und Sicherheitsnetz zugleich. Er schenkt ihnen die absolute Aufmerksamkeit, wiegt sie in Sicherheit und schützt sie vor dem Totalausfall. Und sie danken es ihm auch.

Achten sie Mal auf den kleinen Kasten, der vom Zuschauerraum nicht einsehbar ist und der ganz unscheinbar an der vorderen Kante der Bühne aus dem Boden ragt. Vor allem zum Ende hin, wenn alle im Schlussapplaus baden. Sollte einer der Sänger sein Haupt beugen, die Hand in Richtung Kasten strecken und voller Demut danken, dann wissen sie, heute war mal wieder Feuer auf dem Dach – und die gute Seele, der Maestro suggeritore, hat es gelöscht. Von den meisten unbemerkt, in aller Bescheidenheit. Entweder lautstark oder ohne Worte. Denn: „Wenn es laut ist, kann ich schreien. Wenn es leise ist, muss ich nur laut denken.“ (Lucio Golino, in der Dokumentation „Backstage Wiener Staatsoper“).

Zusätzlich leitet Lucio Golino den Kinder- und den Jugendchor der Volksoper Wien, hält Vorträge und gibt Meisterklassen im In- und Ausland. Er ist Absolvent der Kapellmeisterklasse an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Kurz nachdem er dieses Studium 1995 mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, übernahm er eine prestigeträchtige Aufgabe. Von 1996 – 2003 war er bei den Wiener Sängerknaben als Dirigent und Kapellmeister engagiert. Diesen weltberühmten Chor führte er erfolgreich durch zahlreiche Tourneen im In- und Ausland.

Mit klassik-begeistert sprach der aus Bozen (Südtirol) stammende Italiener, der seit 1989 in Wien lebt, über seine Arbeit an der Wiener Staatsoper, im Bayreuther Festspielhaus und gibt einen Tipp, wie man den Hörgenuss, egal ob Konzert oder Oper, noch steigern kann. „10 Fragen an Lucio Golino, Maestro suggeritore an der Wiener Staatsoper
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10 Fragen an den Bassbariton und Bass Kammersänger Wolfgang Bankl: Entscheidend ist, dass ein Stück nicht seine Poesie verlieren darf

„Persönlich ist es mir noch nie passiert, dass mich eine Vorgabe eines Regisseurs daran gehindert hätte eine Top-Performance abzuliefern. Entscheidend ist glaube ich, dass ein Stück nicht seine Poesie verlieren darf. Solange die erhalten bleibt, kann man als Regisseur nichts grundsätzlich falsch machen.“

Die Rolle des Ochs auf Lerchenau („Der Rosenkavalier“) wurde in den vergangenen Saisonen für Wolfgang Bankl gleichsam zu einem zweiten Ich, denn er sang die Partie nicht nur in Wien, sondern auch in Straßburg, Dresden, Graz und Kopenhagen. Kammersänger Wolfgang Bankl ist einer der weltweit – von Wien, Zürich, München und der Mailänder Scala bis Tokyo und Paris, von Peking bis Tel Aviv – gefeierten Bassbaritone im Richard-Strauss-Repertoire und im Wagner-Fach. Er arbeitet mit den namhaftesten Dirigenten der großen Opernhäuser.

Interview: Charles E. Ritterband

Wolfgang Bankl ist einer der führenden Bassbaritone im Richard-Strauss und Richard Wagner Fach. 1993 trat er dem Ensemble der Wiener Staatsoper bei, wo er auch die Partien des Graf Waldner (»Arabella«), Rocco (»Fidelio«), Mathieu (»Andrea Chénier«) und Baron Ochs auf Lerchenau (»Der Rosenkavalier«) gesungen hat. Die letztgenannte Rolle wurde in den vergangenen Saisonen für Wolfgang Bankl fast zu einem zweiten Ich, denn er sang die Partie nicht nur in Wien, sondern auch in einer Neueinstudierung an der Opéra national du Rhin in Straßburg, an der Semperoper Dresden unter der Leitung von Christian Thielemann, an der Oper Graz und an der Royal Danish Opera in Kopenhagen. In der Spielzeit 2019/20 sang er die Partie des Duke in der Uraufführung von »Orlando« (Olga Neuwirth) an der Wiener Staatsoper. Zu seinem Repertoire zählen Rollen wie Boris Ismailow (»Lady Macbeth von Mzensk«), Doktor Bartolo (»Il barbiere di Siviglia«), Daland (»Der fliegende Holländer«) und Gurnemanz (»Parsifal«). Wolfgang Bankl stammt aus Wien und absolvierte ursprünglich eine Ausbildung zum Geiger. Danach studierte er Gesang, Oper sowie Lied und Oratorium am Konservatorium der Stadt Wien. Er ist zusammen mit dem Dirigenten Norbert Pfafflmeyer eines der Gründungsmitglieder des fahrenden Kammermusikfestivals Giro d’arte. Er arbeitet regelmäßig mit Dirigenten wie Bertrand de Billy, Zubin Mehta, Philippe Jordan, Simone Young, Ingo Metzmacher und Marco Armiliato zusammen. Seit 2007 ist er Dozent bei der internationalen Sommerakademie Allegro Vivo. Wolfgang Bankl ist seit 2014 Österreichischer Kammersänger.

klassik-begeistert.de: Wie und wo trifft Dich der Corona-Lockdown? Kann überhaupt schon geplant werden – Proben, Premieren? Welche Vorstellungen und Festivals, an denen Du beteiligt wärest, wurden annulliert?

Wolfgang Bankl: In der Wiener Staatsoper, meinem Stammhaus, stehen die Räder seit Mitte März still. Leider fallen hier für mich drei Vorstellungsserien aus, denen ich mit großer Freude entgegengeblickt habe: Rosenkavalier, Arabella und Cardillac. Daneben hatte ich zwei Serien von Liederabenden geplant. Alle mussten abgesagt werden. Besonders leid tut es mir, dass dadurch die Jedermannmonologe von Frank Martin jetzt nicht zur Aufführung gelangen – ein Werk, das viel zu selten gegeben wird. Lediglich für  ein Konzert, das mir besonders am Herzen liegt, gibt es schon einen Ersatztermin in der nächsten Saison: Eine Hommage an Friedrich Gulda, wo ich die Ehre haben werde sowohl seine Lieder als Sänger zu interpretieren als auch in seinen Orchesterwerken den E-Bass zupfen zu dürfen. „10 Fragen an den Bassbariton und Bass Kammersänger Wolfgang Bankl
Wiener Staatsoper, klassik-begeistert.de“
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