„Abgesehen davon, wie mysteriös und unvorhersehbar es auch sein mag, geht es im Leben immer noch um Liebe“

Interview am Donnerstag (18): 10 Fragen an den Bassisten und Lautenisten Joel Frederiksen

Joel Frederiksen liebt es schon seit früher Jugend, auf der Bühne zu stehen. Ein Jahr verbrachte er in Japan in der Nähe von Kyoto. Sein Leben drehte sich immer um Musik, Abenteuer, Reisen und Liebe.

Den entscheidenden Schritt für eine professionelle Musikerexistenz ermöglichten ihm exzellente Mentoren: In Minneapolis betrieb er bei Loren Lund intensive Gesangstudien. Seine „halbstündigen“ Lektionen von jeweils 2 ½ Stunden waren für Joel Frederiksens Entwicklung prägend. Sein Studium der Laute absolvierte er beim „Guru“ Pat O’Brien in New York City. Nach seinem Master in Alter Musik konnte er wählen zwischen einer Promotion an der Indiana University oder professionellen Auftritten als Bass-Sänger mit dem Waverly Consort in New York City. Ein Glück für die Welt: Er entschied sich für die professionelle Laufbahn und er selbst hat es nie bereut.

von Frank Heublein

  1. Was bedeutet Ihnen Musik?

Freude, Sehnsucht, Schmerz, Erlösung, Komplexität, einfach sein, das Sein, Natur, Ausdruck, empfänglich zu sein, Klang, Vibration, Sensualität, Tiefe, Liebe, Expression, Intimität, Nähe, Virtuosität, England, Italien, Frankreich, Deutschland, Europa, Amerika, Japan, Syrien, Afrika, Rhythmus, Stimme, Wort, Poesie, Kommunikation, Spüren, Fühlen, Geben, Nehmen, Liebe, Liebe, Liebe.

  1. Gab es so etwas wie einen Weckruf, eine Eingebung, dass Sie sich ausgerechnet der alten Musik verschrieben haben?

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"Wenn wir diese ungünstige Zeit richtig nutzen, können wir dem Publikum nach der Pandemie etwas Besseres bieten"

Foto: © Peter Shannon

Von Beethoven, den Beatles und der Heilkraft der Musik: Der Dirigent Peter Shannon im Interview

Peter Shannon, geboren 1969, begann seine musikalische Ausbildung als Chorknabe im Kirchenchor in Cork. Anschließend studierte er Dirigieren in Dublin, dann in Weimar, und in Karlsruhe. Er wurde zum Dirigenten des Collegium Musicum Orchestra in Heidelberg ernannt, arbeitete auch als Gastdirigent mit dem Warschauer Rundfunk-Sinfonieorchester, dem Irish Radio Concert Orchestra und dem Irish National Symphony Orchestra zusammen. In Deutschland leitete er die Göttinger Philharmoniker, das Philharmonie-Orchester in Baden Baden, Köln, Weimar, und Jena, sowie das Orchester der Staatsoper Halle. Von 2008 bis 2018 war er erster künstlerische Leiter und Dirigent der Savannah Philharmonic in Georgia. Mit diesem Orchester hat er das soziale Projekt „Philharmonic in the Streets“ durchgeführt, dessen Ziel eine vielfältige Zusammenarbeit zwischen den Musikern und Jugendlichen war. Er hat Musikfestivals in Norwegen, Italien, Deutschland und Dänemark durchgeführt, darunter „The Voices of Europe“ von 2009 bis 2011.

Peter Shannon stammt aus einer Mediziner-Familie und führt mit Erfolg eigene Projekte durch, die Musik mit Medizin verbinden. Er hat Programme für Krebs-Patienten entwickelt, darunter auch Kinder, für die er Mozarts „Zauberflöte“ adaptiert hat. Seit seiner Rückkehr nach Irland 2019 leitet er das Irish National Symphony Orchestra und führt zahlreiche Meisterkurse durch. Er pendelt regelmäßig in die USA und auf das europäische Festland, um dort zu dirigieren. Seit sechs Jahren ist er zudem künstlerischer Leiter des Jackson Symphony Orchestra in Tennessee.

Im Gespräch mit Jolanta Łada-Zielke erzählt Peter Shannon von seiner Situation während der Corona-Krise und von seinen vielfältigen Projekten.

von Jolanta Łada-Zielke

Welche Konzertprojekte mussten Sie wegen des Corona-Virus absagen?

Ich musste meine zwei Konzerte mit dem Jackson Symphony Orchestra in Tennessee in den September verschieben. Eins von ihnen heißt „Imagine the Beatles Solo Years“. Sein Programm enthält Beatles-Lieder, arrangiert für ein großes Orchester und eine Band. Das sind Solo-Stücke wie „My Sweet Lord”, „Band on the Run“, oder „Live and let die”, die nach der Trennung der Beatles entstanden sind, als jeder der vier Musiker seine individuelle Karriere weiterführte. Für das andere Projekt waren zwei Symphonien Beethovens – die Erste und die Neunte – vorgesehen. Das Beethoven-Konzert hätte in der ersten Maiwoche stattfinden sollen und wir alle haben gehofft, dass die Pandemie bis dahin vorbei wäre. Es war witzig, wie ich mich auf diese zwei Konzerte gleichzeitig vorbereitet habe; einmal habe ich Beatles-Lieder am Klavier gespielt und zehn Minuten später Beethovens Neunte einstudiert. „Interview am Donnerstag (17): Der Dirigent Peter Shannon“ weiterlesen

10 Fragen an die Sopranistin Katharina Konradi: „Es tut mir richtig gut mich mit Liedern russischer Komponisten zu beschäftigen“

Die in Bischkek geborene Katharina Konradi ist die erste aus Kirgistan stammende Sopranistin im Lied-, Konzert- und Opernfach weltweit. 2009 begann sie ihre Gesangsausbildung bei Julie Kaufmann in Berlin, der ein Masterstudium in Liedgestaltung bei Christiane Iven und Donald Sulzen an der Hochschule für Musik und Theater München folgte. Meisterklassen bei Helmut Deutsch und Klesie Kelly-Moog gaben der Sopranistin weitere musikalische und künstlerische Impulse. Nach ersten Engagements an der Kammeroper München und am Theater Hof wurde Katharina Konradi 2015 für drei Jahre Mitglied im Ensemble des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Infolge ihres bemerkenswerten Debüts in Hamburg (Ännchen in Webers Freischütz) wurde Katharina Konradi mit der Saison 2018/19 ins Ensemble der Staatsoper Hamburg engagiert. Begeistert waren Zuschauer wie Kritiker auch über ihre Auftritte als Zdenka (Arabella, Richard Strauss) in der Semperoper Dresden, als Adele in der „Fledermaus“ (Johann Strauß) in der Elbphilharmonie sowie als Oscar in „Un ballo in maschera“ von Giuseppe Verdi im Haus an der Dammtorstraße.

Foto: Katharina Konradi als Adele und Bo Skovhus als Gabriel von Eisenstein in „Die Fledermaus“ von Johann Strauß in der Elbphilharmonie am 31. Dezember 2018

Interview: Andreas Schmidt

Liebe Katharina Konradi – wie geht es Ihnen in diesen schwierigen Zeiten, wie sieht Ihr Alltag im Moment aus? Wissen Sie noch, was Sie vor einem Jahr getan haben? Welche Vorstellungen und Festivals, an denen Sie beteiligt wären, wurden annulliert?

Als Bühnenkünstlerin fühle ich mich gerade in dieser Zeit ohne einen Zugang zur Bühne etwas verloren, dennoch ist mein Alltag genauso voll wie in den normalen Zeiten. Auf dem Tagesplan stehen zur Zeit keine Reisen und Proben an, aber die Vorbereitung des Repertoires für die eventuell anstehenden Projekte will gepflegt werden. Somit beinhaltet jeder Tag eine bis zwei Übe-Einheiten.Nun gibt es auch genügend Zeit zum Lesen. Dass ist auch ein Bestandteil meines Tagesablaufes. „10 Fragen an die Sopranistin Katharina Konradi
klassik-begeistert.de, Staatsoper Hamburg.de“
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Interview am Donnerstag 16: Der Bassbariton Tomasz Konieczny (Teil 1): „Der Wotan ist meine Lieblingsrolle, mein Lebenswerk"

Foto: © Tomasz Konieczny

Obwohl er eigentlich Regisseur werden wollte, landete er bei der Musik –quasi zufällig, wie er sagt, über Umwege. Tomasz Konieczny singt an allen bedeutenden Opernhäusern dieser Welt: Metropolitan Opera New York, Bayerische Staatsoper, Mailänder Scala und natürlich an der Wiener Staatsoper, von wo aus seine internationale Karriere begonnen hat. Ob der Pole, der zurzeit in Wien weilt, weiterhin so oft an der Wiener Staatsoper auftreten wird wie bisher, welchen Stellenwert der Wotan in seiner Karriere hat und ob er Dominique Meyer an die Scala folgen wird, darüber spricht er mit klassik-begeistert.de .

Interview: Jürgen Pathy

Grüß Gott, Herr Konieczny. Sie haben mal gesagt, obwohl Sie nicht im Ensemble sind, fühlt sich die Wiener Staatsoper für Sie so an, als wäre es ihr Zuhause. Wie sieht ihre Beziehung zur Wiener Staatsoper, an der sie so große Erfolge gefeiert haben, aus? 

Vor 14 Jahren habe ich bei Ioan Holender, der damals als Direktor im Amt gewesen war, vorgesungen. Ich kann mich noch gut erinnern. Es war Wotans Schlussgesang vom „Rheingold“. Ich hatte mich sofort in die Akustik des Hauses verliebt – aber sofort! Es war ein Eindruck, als ob ich ein Theater gefunden hätte, was für mich gemacht wurde – ein Haus, wo meine Stimme gänzlich klingt. Es war mit Abstand mein bestes Vorsingen gewesen, das ich bis dahin gemacht habe.

Was ist das Besondere an der Akustik der Wiener Staatsoper?

Es ist ein großer Raum, mit sehr großzügigen Oberflächen. Häuser wie diese sind für mich immer explizit sehr gut. Man braucht eine große Stimme, um durch das Orchester durchzukommen. Vor allem in der Wiener Staatsoper, wo das Orchester fast auf Parkett-Niveau sitzt. Nicht irgendein Orchester, sondern die Wiener Philharmoniker, die auf jeden Fall mein Lieblingsorchester sind. Die spielen hervorragend, die sind fantastisch. Allerdings muss man wissen, wie man mit ihnen umgeht als Sänger. Wenn man das weiß, ist es das beste Orchester der Welt!

Sie haben den Wotan erwähnt. Ab der kommenden Saison übernimmt Bogdan Roščić das Kommando in der Wiener Staatsoper. Was sagen Sie dazu, dass Sie nun nicht mehr als Wotan dabei sind?

Nun ja. Es ist das Recht einer neuen Direktion, dass sie eigene Sänger bringt. Das ist völlig legitim. Allerdings hängt das vermutlich nicht mit meiner Person zusammen, sondern mit dem Repertoire, das die neue Direktion bringen wird. Immerhin werde ich nächste Saison den Jochanaan singen.

Den Wotan habe ich an der Wiener Staatsoper zum ersten Mal 2011 gesungen. Es war der Walkürenwotan, am 5. Juni 2011. Seit dem habe ich den Wotan jedes Jahr gesungen – ganze 34 Mal! Natürlich finde ich es schade. Aber ich singe die Partie auch woanders. Einen kompletten „Ring“ wird es vorerst an der Wiener Staatsoper sowieso nicht geben – nur die „Walküre“. „Interview am Donnerstag 16: Der Bassbariton Tomasz Konieczny (Teil 1)
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10 Fragen an den Balletttänzer Florian Ulrich Sollfrank: "Ich freue mich einfach darauf, wieder für ein Publikum tanzen zu dürfen"

Florian Ulrich Sollfrank, geboren in Weiden, erhielt seine Ausbildung an der Heinz-Bosl-Stiftung / Hochschule für Musik und Theater in München. Während seiner Studienzeit wurde ihm ein Stipendium von Konstanze Vernon gewährt. Nach bestandenem Diplom wurde er 2012 als Volontär vom Bayerischen Staatsballett übernommen. Zwei Jahre später wechselte er an das Finnische National Ballett in Helsinki. Seit April 2018 ist er wieder festes Ensemblemitglied des Bayerischen Staatsballetts. 

Interview: Barbara Hauter

Was haben Sie vor einem Jahr getan, und wie sieht ihr Alltag heute aus? Wie halten Sie sich fit und geschmeidig? Wie funktionieren die Proben?

Vor einem Jahr haben wir gerade die Ballettfestwoche beendet. Die Ballettfestwoche ist normalerweise der Höhepunkt unserer Spielzeit. Dieses Jahr mussten wir leider darauf verzichten … das schmerzt natürlich sehr, aber die momentane Situation ist eine enorme Ausnahme, alle müssen wir unseren Beitrag leisten und Verantwortung übernehmen. Jetzt trainieren wir über Video-Konferenzschaltung zuhause und halten uns mit Workouts und Pilates fit. Wir hoffen jedoch sehr, dass wir unter Einhaltung strenger Sicherheitsauflagen bald wieder an das Theater zurückkehren und im Studio trainieren dürfen. „10 Fragen an den Balletttänzer Florian Ulrich Sollfrank
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Die MITTWOCH-PRESSE – 27. MAI 2020

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die MITTWOCH-PRESSE – 27. MAI 2020

Foto: Da war die Welt in Barcelona noch in Ordnung: Katharina Wagner (Mitte) u.a. mit Evelyn Herlitzius (2. v.r.) und Klaus Florian Vogt. (c) Instagram

Mitteilung der Bayreuther Festspiele zum Gesundheitszustand von Frau Prof. Katharina Wagner:

Frau Prof. Katharina Wagner ist nach wie vor schwer erkrankt, befindet sich aber inzwischen auf dem Wege der Stabilisierung. Der Genesungsprozess wird noch Monate in Anspruch nehmen. Wir sind in Gedanken bei unserer Festspielleiterin und wünschen baldige Genesung.

Salzburger Festspiele
Rabl-Stadler sieht sich als „Eisbrecherin für die ganze Branche“
Die Präsidentin der Salzburger Festspiele freut sich im ORF-Kulturfernsehen, „die Flinte nicht ins Korn geworfen“ zu haben.
Kurier

Helga Rabl-Stadler: Salzburger Vermählerin von Kultur und Geld
Seit 1995 ist sie Präsidentin der Festspiele, die Rolle als Krisenmanagerin ist ihr nicht fremd
Der Standard

Halbierte Festspiele in Salzburg: Programm ohne Pausen
Das Festival findet nun von 1. bis 30. August statt. 90 Vorstellungen statt ursprünglich 200, nur 70.000 Karten statt 235.000.
Kurier

Helga Rabl-Stadler: Ich würde mich genieren
Helga Rabl-Stadler erklärt, warum die Absage der Salzburger Festspiele keine Option war. Und warum es budgetär „beinhart“ wird.
Kurier

Ritterbands Klassikwelt 13: Mozarts kruder Humor – but Margaret Thatcher was not amused
Mozarts berühmter sechsstimmiger Kanon „Leck mich im Arsch“ (KV 213), der übrigens musikalisch auf dem letzten Satz von Haydns Symphonie No. 3 in G-Dur beruht, vermag diesseits des Ärmelkanals wohl niemanden mehr in Erstaunen oder gar Empörung zu versetzen. Anders die frühere Premierministerin Margaret Thatcher (mit der ich übrigens in den 90er Jahren als NZZ-Korrespondent für Großbritannien ein ausführliches Interview geführt hatte). Sie schaute sich im Londoner West End das damals sehr beliebte Theaterstück „Amadeus“ von Peter Shaffer an – das ja ziemlich großzügig mit den biographischen Fakten umgeht.
Charles E. Ritterband berichtet aus seiner Klassikwelt
Klassik-begeistert

Meine Lieblingsoper: Szenen, die uns nicht loslassen: „Weiße Rose“ von Udo Zimmermann
„Nach dem Termin waren wir mit unsrer Nichte vis à vis der Oper zu einem Kaffee verabredet und konnten unsre Enttäuschung nicht ganz verbergen. Irgendetwas war bei unsrer mit Vorfreude erwarteten Begegnung mit dem Komponisten nicht zur Sprache gekommen.“
Lothar und Sylvia Schweitzer berichten aus Wien
Klassik-begeistert „Die MITTWOCH-PRESSE – 27. MAI 2020“ weiterlesen

10 Fragen an Hellen Kwon: „Jede Bühne, auf der man steht, sollte jedem Sänger der Olymp sein“

Heseon Hellen Kwon (* 11. Januar 1961 in Seoul) ist eine südkoreanische Opernsängerin. Die Koloratursopranistin ist seit 1987 Ensemblemitglied an der Hamburgischen Staatsoper.

Hellen Kwon studierte von 1979 bis 1984 an der Hochschule für Musik Köln bei Dietger Jacob. Im Jahr 1984 gewann sie den ersten Preis der italienischen Novara International Singing Competition. Im selben Jahr debütierte sie als Königin der Nacht am Staatstheater Wiesbaden. Für seine Oper La Foret, die 1986 am Grand Théâtre de Genève uraufgeführt wurde, komponierte Rolf Liebermann eine Rolle für Hellen Kwon. Als Chef der Hamburgischen Staatsoperholte er sie als Ensemblemitglied an das Haus, wo sie seitdem in vielen Rollen Erfolge feierte.

Die Rolle der Königin der Nacht hat sie bisher an allen großen Opernhäusern gesungen, so in Paris, Zürich, an der Bayerischen Staatsoper in München und an der Wiener Staatsoper. Auch zu zahlreichen internationalen Festivals wurde die Sängerin engagiert: 1988 bei den Bayreuther Festspielen, 1989 in Aix en Provence, 1990 in Glyndebourne und 1991 in der Entführung aus dem Serail bei den Salzburger Festspielen. Neben ihrer Operntätigkeit hat sich Hellen Kwon auch im Konzertbereich einen Namen gemacht. Hellen Kwon sang unter namhaften Dirigenten wie James Levine, Vladimir Ashkenazy, Giuseppe Sinopoli, Nikolaus Harnoncourt, Zubin Mehta, Wolfgang Sawallisch und Neville Marriner.

2010 erhielt Hellen Kwon für ihre Rolle in Das Gehege in der Hamburgischen Staatsoper den Rolf-Mares-Preis in der Kategorie „Außergewöhnliche Leistungen Darstellerinnen“. 2011 verlieh ihr der Hamburger Senat auf Anregung von Opernintendantin Simone Young den Ehrentitel Hamburger Kammersängerin. Im Jahr 2012 wurde Hellen Kwon von der koreanischen Regierung mit dem „Order of Civil“ ausgezeichnet. „10 Fragen an Hellen Kwon
Staatsoper Hamburg“
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10 Fragen an den Bassbariton Tomasz Konieczny: "Ich sehe nach vorne mit großer Hoffnung… Ja, die Welt wird nach der Krise besser"

Dieses Interview mit dem weltweit führenden Wotan-/ Wanderer- sowie Alberich-Darsteller, Tomasz Konieczny, entstand während dreier spannender Tage in der Polnischen Botschaft im schönen Wien-Hietzing. Die wunderbare Gastgeberin, Frau Botschafterin Jolanta Roza Kozlowska, ermöglichte dem polnischen Bass und Bassbariton gemeinsam mit seinem in Wien lebenden Pianisten Lech Napierala in einem wunderbaren Salon mit Steinway-Flügel seelenreiche und nachhaltige Proben und Aufnahmen – vor allem von russischen und polnischen Liedern. 

Erfrischende und kreative Gespräche mit Frau Botschafterin Kozlowska sowie der Hietzinger Bezirksvorsteherin Magistra Silke Kobald ließen erahnen, dass in nicht ferner Zukunft neue spannende Kulturprojekte in diesem gesegneten Gemeindebezirk für Aufsehen sorgen werden. Auch die Frau des Pianisten, die Informatikerin Marta Napierała, und die Tochter Hania verfolgten mit Hingabe die Aufnahmen.

Viele Opernfreunde erinnern sich noch gerne an die bedrückend schöne und packende „Walküre“ von Richard Wagner im Mai 2015 – mit Tomasz Konieczny als Wotan und Evelyn Herlitzius als Brünnhilde. Selten wurde diese wundersame Vater-Tochterliebe eindringlicher aufgeführt als unter dem Dirigat von Sir Simon Rattle in der Wiener Staatsoper. 2018 debütierte Konieczny bei den Bayreuther Festspielen als Friedrich von Telramund im Lohengrin unter Christian Thielemann. 2019 erfolgte das Debüt an der Metropolitan Opera New York als Alberich (Dirigat Philippe Jordan). 

Tomasz Konieczny ist am 10. Januar 1972 in Łódź (Lodsch) geboren, der mit knapp 700.000 Einwohnern drittgrößten polnischen Stadt nach Warschau und Krakau.

Interview: Andreas Schmidt, Herausgeber klassik-begeistert.de

Foto: Tomasz Konieczny, der Pianist Lech Napierala und die polnische Botschafterin in Wien, Jolanta Roza Kozlowska während der Proben in der ehrwürdigen Polnischen Botschaft in Wien. Alle Fotos (c) Andreas Schmidt

Klassik-begeistert.de: Lieber Tomasz, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Tomasz Konieczny: Uns geht es gut obwohl ich im Moment von meiner Familie getrennt bin – ich in Wien, wo ich bis Ende meines Gastvertrages an der Wiener Staatsoper dem Arbeitgeber zur Verfügung stehe, meine Frau und meine Söhne verbleiben bei Düsseldorf, wo sich unser Haus befindet, in Ratingen. Wir versuchen fit und kreativ zu bleiben. Der mittlere Sohn macht eine Ausbildung in einem Krankenhaus, der älteste, der Musikwissenschaft studiert, beschäftigt sich im Moment sehr viel mit Audioaufnahmen und der jüngste, siebzehn, ist bereits zum Internat zurückgekehrt, wo der Unterricht zwar noch nicht stattfindet. Aber die jungen Menschen werden von der Leitung des Internats mit verschiedenen Aufgaben betraut, was für sie bestimmt besser ist als zuhause zu sitzen und Filme auf dem Smartphone anzuschauen.

Meine Frau  ist als Schauspielerin  in einer ähnlichen Situation wie ich ohne Beschäftigung, ohne eine Ahnung, wie es weiter geht. Wir warten wie sich die Situation weiter entwickelt. Ob wir bald wieder unsere berufliche Tätigkeiten ausüben dürfen, ist fraglich. Man versucht zu probieren, zu lernen, Briefe zu schreiben, die Unterlagen zu bearbeiten. Alles wofür man in den letzten Jahren keine Zeit hatte. Es ist eine Mischung aus Kreativität und Unmut…

Bislang war es Ihnen noch nicht möglich, nach Polen zu reisen um Ihrer Mutter mit Ihrer Familie die letzte Ruhe zu gewähren….

Möglich wäre es irgendwie schon gewesen. Man könnte aus Wien nach Polen fahren, allerdings rund um Tschechien über Deutschland und nur so, dass man in Polen die zweiwöchige Quarantäne machen müsste. Mein Bruder war in Lodz – meiner Heimatstadt – bei der Mutter, als sie am 5. April verstarb. Wenn ich damals nach Polen gefahren wäre, hätte mein Bruder auch in Quarantäne gemusst. Also zuhause, ohne ausgehen zu dürfen über zwei Wochen. Wir haben uns entschieden die Mutter einzuäschern und die Bestattung erst dann zu machen, wenn meine Familie nach Polen kommen darf. Wir warten sehnsüchtig auf den Tag, wo wir wieder normal zwischen Ländern verreisen dürfen.

Was haben Sie vor einem Jahr getan, und wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Vor einem Jahr endete gerade mein unglaublich erfolgreiches Debüt an der Metropolitan Opera in New York. Ich kam danach nach Wien und hatte hier im Mai ein sehr gelungenes Debüt als Danton an der Wiener Staatsoper. Dann das 150-Jahres-Jubiläum der geliebten Wiener Staatsoper. Das waren wunderbare Zeiten. Ich wurde ja Anfang 2019 Kammersänger der Wiener Staatsoper. Es lagen tolle Perspektiven vor mir. Ich sang wieder meinen geliebten Wotan in Wien.

Jetzt sollten es 17 verschiedene Auftritte an der Wiener Staatsoper sein in der Zeit zwischen März und Juni mit fünf tollen Partien in acht verschiedenen Opern: Rheingold/Wotan, Walküre/Wotan, Siegfried/Wanderer, Cardillac, Kaspar/Freischütz, Fidelio/Pizarro, Arabella/Mandryka. Und ein Abschiedskonzert für Dominique Meyer – ein Direktor, der mir so viel hier in Wien ermöglicht hat, der meine Karriere gefördert hat, der mich über Jahre unterstützte… Alles ist nun weg. Anfangs Juni sollte ich dann nach Bayreuth um wiederum den Telramund sowie den Gunther im neuen Ring zu singen. Auch das wurde mir abgenommen. Ich bin im Prinzip über sechs Monate von März bis Ende August arbeitslos…

Nennen Sie bitte drei Schlagworte, wenn Sie das Wort Corona hören…

Enttäuschung, Schmerz, Unsicherheit.

Welches sind die einschneidendsten Veränderungen seit Ausbruch der Corona-Pandemie? Können Sie ihr auch etwas Positives abgewinnen?

Das Positive ist, dass ich mich jetzt sehr viel mit meinen Partien beschäftige. Ich übe jeden Tag Stücke, für die ich früher kaum Zeit hatte. Ich habe bereits alle Partien aufgefrischt, die ich an der Wiener Staatsoper von März bis Juni singen sollte, und nun bearbeite ich den Fliegenden Holländer, den ich 2023 an der MET und woanders singen werde, sowie Beethoven 9. Symphonie. Ich lerne neues Material für die Liederabende mit meinem Pianisten Lech Napierala, der ein Wiener ist. Eigentlich hatten wir niemals die Zeit um es so genau zu bearbeiten. Wir möchten kreativ sein. Ich habe nun eine professionelle Ausrüstung für die Aufnahmen gekauft, Mikrofone und anderes. Wir nehmen jede Probe auf, die wir dank der Polnischen Botschafterin Frau Jolanta Roza Kozlowska in der Polnischen Botschaft in Wien-Hietzing machen dürfen. Dann hören wir die Aufnahmen gemeinsam an, verbessern und nehmen wieder auf. Es ist eine neue Art Arbeit für mich. Sehr genau und sehr fein. So lerne ich auch meine „Record-Stimme“ zu mögen, die ich normalerweise nicht so gerne aufgenommen höre. Es passiert da etwas sehr Positives während dieser Arbeit. Man könnte sagen, es ist eine innere Reise, eine Wanderung zu Dir selbst. Das ist sehr positiv. Das Wetter ist wunderbar. Ich fahre jeden Tag vom 7. Bezirk mit dem Fahrrad zur Botschaft. Die Bäume blühen, die Vögel singen als ob nichts passiert ist. Ich lebe sehr sparsam. Das ist auch positiv.

Der Rest ist negativ: die Sehnsucht nach der unerwartet verstorbenen Mutter, nach der Familie in Deutschland, die Sehnsucht nach der Wiener Staatsoper und meinem geliebten Wiener Publikum, der beinahe physischer Schmerz, dass man nicht öffentlich singen und darstellen kann. Das man sich nach 13 Jahren an der Wiener Staatsoper nicht richtig verabschieden darf. Die Sehnsucht nach Normalität, die Enttäuschung, dass sich die Kulturpolitiker uns gegenüber sehr distanziert verhalten, als ob es uns gar nicht gebe. Die Ahnung dass alles, was ich mit Liebe und Leidenschaft über die Jahre gemacht habe, so fragil ist. Die Feststellung, dass die Politik, die sich in normalen Zeiten so gerne mit unserem Namen im Rahmen der Kulturnation Österreich schmückt, jetzt von uns ohne jegliche Geste der Solidarität allen freischaffenden Künstlern gegenüber abwendet. Das ist sehr, sehr schmerzhaft und peinlich. Das enttäuscht sehr.

Ich habe gerade die Liste der Opern ausgedruckt, die für Sie ausgefallen sind und ausfallen werden – alle an der Wiener Staatsoper und bei den Bayreuther Festspielen. Das verschlägt einem ja die Sprache, auf was Sie alles verzichten müssen… 33 Opernabende fallen für Sie flach… Das ist ja grausam…

Wir verstehen es, dass mit dem Spielverbot den Schwächsten in der Pandemiezeit geholfen wird. Wir sind gar nicht dagegen. Wir machen alles mit. Und wir haben nur einen Schimmer Hoffnung, dass auch uns in der schweren Zeit mit einer Solidaritätsgeste geholfen wird. Anderseits muss auch ausgesprochen werden, dass die meisten von uns, wenn es nicht anders geht, auch zum Klagen bereit sind. Bald werden wir ja wie verzweifelte wilde Tiere sein. Die Politiker demütigen uns sehr heftig im Moment. Deshalb beschwöre ich die Regierenden: Helft uns zu überstehen. Lasst uns nicht ans Äußerste gehen. Macht mit uns mit.

Der künstlerische persönliche Verlust ist enorm. Ich leide sehr darunter. Ich bin bereit zu arbeiten. Jeden Tag träume ich davon wieder auf der Opernbühne stehen zu dürfen. Jeden Tag hoffe ich, dass es nur ein böser Traum war. Dass ich morgen aufwache und zur Probe in die Oper mit dem Fahrrad fahre… Man kann ja versuchen mit Aufnahmen zu arbeiten. Aber es bringt nichts ohne das Publikum. Wir sind live. Wir arbeiten an einem Stoff, der nur an einem lebendigen Theater aufgeführt werden kann. Das ist unser Glück und jetzt auch unser Fluch…

Sie engagieren sich auch für Freischaffende Künstler in Österreich und haben gerade bei einem vielbeachteten Klassik-Abend in ORF III, wo auch Sie, Juan Diego Flórez und Anna Netrebko auftraten, eine Lanze für die Freien gebrochen…

Ich komme aus Polen. In Polen hat sich vor gar nicht so langer Zeit der Arbeiter Lech Walesa mit Millionen zusammengetan um die Rechte der anderen, um Freiheit und Gerechtigkeit zu erkämpfen. Dieser einfache Arbeiter Lech Walesa wurde zum Präsidenten von Polen, bekam den Nobelpreis und sprach vor dem amerikanischen Senat, wurde berühmt und angesehen. Polen konnte dadurch eine politische Wende erwirken, ohne Blutvergießen – eine Wende, die dann die Berliner Mauer fallen ließ… Man muss Mut haben zu sprechen, wenn Ungerechtigkeit passiert. Warum werden manche Künstler in der Pandemie bezahlt und manche nicht? Warum müssen die freischaffenden Künstler allein diese Last tragen? Die Institutionen werden doch weiter von ihren Trägern subventioniert. Die Kartenverluste werden durch die Kurzarbeiterregelung vom Staat gedeckt. Wo bleibt die Solidarität mit den eigenen Künstlern, die zwar freischaffend, aber als Schmuck für die Institutionen im Alltag taugen? Könnten diese Institutionen – die „Flaggschiffe der Österreichischen Kulturnation“ohne ihre Gäste auskommen? Wer treibt die Touristen nach Wien, nach Salzburg? Nicht zufälligerweise eine berühmte Opernsängerin, die FREISCHAFFEND arbeitet? Gleichzeitig werden die Ensembles in Theatern durchgehend abgebaut. Die zynische Debatte darüber, dass sich die Freischaffenden selbst ihr Los gewählt haben, ist einfach schrecklich.

Wie gelingt es einem Künstler, ohne Publikum bei Laune zu bleiben?

Es gelingt ihm schlecht. Das Publikum ist ein Teil unseres Berufes. Er versucht sich zu retten, indem er übt, denkt, an seiner Stimme arbeitet, seine Diktion verbessert, die Rollen analysiert und neue kennenlernt. Er versucht nicht verrückt zu werden. Er bemüht sich für das Publikum fit, schön und gesund zu bleiben. Er probiert manches aus. Er liest, studiert, diskutiert, analysiert und versucht nicht in die tiefe Depression zu fallen. Es ist für ihn nicht einfach. Doch er bleibt munter und kreativ, willig und leidenschaftlich. Er wird sehr hungrig nach der Arbeit. Der Künstler ist ja bereit jeden Tag wieder auf die Bühne zu gehen. Sofort!

Wir haben uns dreimal in der wunderschönen Polnischen Botschaft im wunderschönen Wien-Hietzing getroffen, wo Sie mit Ihrem Pianisten Lech Napierala neue Stücke einspielen. Sie bereiten auch 10 polnische Stücke vor, die Sie mit dem Krakauer Musikprofessor auch für einen Online-Meisterkurs einspielen wollen. Was können Sie uns über dieses Projekt schon sagen?

Es sind mehrere Projekte, die wir im Sinn haben. Im Moment ist alles möglich. Wir bekamen gerade eine Zusage des Trägers in Polen, die das Projekt des Online-Meisterkurses – eines Workshop mit zehn Polnischen Liedern, darunter zwei Zyklen des polnischen Komponisten Romuald Twardowski, der im Juni 90 wird, sowie zwei Lieder des Vaters der Polnischen Nationaloper, Stanislaw Moniuszko – bewilligt. Das Projekt wirdspeziell für eine interaktive Internetplattform konzipiert. Es wird vier Ebenen beinhalten. Das Onlinekonzert als eine Ebene, dann Einzelunterricht mit dem Pianisten Dr. hab. Lech Napierala über die Interpretation, mein Unterricht als dritte Ebene sowie eine gemeinsame Probe, während der wir an den Liedern zusammen mit dem Pianisten arbeiten werden. Es soll ein Anfang einer Initiative, einer Plattform sein, auf der man in der Zukunft auch andere Werke und Opernmonologe darstellen würde. Das Projekt sollte den jungen Sängern aus der ganzen Welt ein wenig die polnische Kultur näher bringen. Für die Musikfans könnte es gleichzeitig eine Möglichkeit sein ein Onlinekonzert zu besuchen. Für die Gesangstudenten und Pianisten sollte es eine Unterrichtsplattform sein, die ihnen einen Verweis gibt, wie man die polnischen Lieder lernt. Ich träume davon später etwas Ähnliches für polnische Sänger mit Wagnermonologen zu präsentieren…

Abgesehen davon wollen wir in der Polnischen Botschaft ein paar Liederabende von uns Videoaufnehmen. Wir haben zusammen mit dem Pianisten Lech Napierala schon drei CDs aufgenommen: Winterreise (auf Polnisch neu gedichtet von Stanislaw Baranczak), Winterreise im Original sowie Twardowski-Lieder (6 Zyklen). Diese CD sollte im Juni Premiere haben. Der Komponist Romuald Twardowski wird ja im Juni 90. Nun müssen wir auch diese CD-Premiere verschieben. Wir hoffen sie kommt im Oktober 2020 raus. Demnächst wollen wir auch eine CD mit russischen Liedern von Rachmaninow und Mussorgskij herausbringen. Was wir jetzt in der Polnischen Botschaft tun, ist auch eine Art Vorbereitung oder vielleicht so etwas wie „making off“…

Mit welchem musikalischen Werk stimulieren Sie Ihr Immunsystem? Gibt es Musik, die Sie gesund hält oder gesund macht?

Ich liebe Jazz und Bach. Gerade Bach hat für mich etwas sehr Jazziges in sich. „Diese Zeiten sind gewaltig, bringen Herz und Hirn in Not.“ Musik hat immer etwas Heilendes in sich. Ich empfinde es als Segen, dass ich jeden Tag mit der Musik leben kann. Wir betrachten im Moment viele Komponisten: Rachmaninow, Mussorgskij, Mahler, Strauss, Twardowski und…mein Traum: George Gershwin. Davon träume ich, seit ich ein Kind war: Lieder von George Gershwin, auf eine Weise gesungen, wie es damals mit den amerikanischen Liedern George London zu pflegen vermochte. Einfach mit voller Stimme, klassisch gesungen. Das geht! Ich werde es beweisen. Wir werden es mit Lech beweisen (lacht).

Sie sind ja auch gelernter Schauspieler… Sind es auch Filme und Werke der Literatur, die Sie derzeit aufbauen?

Ich gucke, vermutlich wie viele Menschen in der Pandemie, ein paar TV-Serien. Es bringt mir ein wenig Entspannung. Seit jeher habe ich Science-Fiction-Filme gemocht. Die gucke ich auch jetzt gerne. Ich versuche auch Filme anzuschauen, für die ich in der letzten Zeit aufgrund meiner Arbeit und des gefüllten Kalenders keine Zeit hatte. Die Oscarnominierten… Auch die polnischen Filme, die zuletzt entstanden. Wie Andrzej Wajda immer sagte: Man muss die eigene Zeit fühlen, um ein guter Künstler zu sein. Früher hat mich Kino begeistert. Nun begeistert mich die Oper. Ich gehörte zu der kleinen Gruppe der Sängerkollegen, die sehr gerne in die Oper gehen. Live. Oper IMMER live. Aber auch das wurde mir nun abgenommen…

Momentan verbringen viele Musikliebhaber viel Zeit in ihren eigenen vier Wänden. Gibt es ein Buch, eine CD oder auch Streamingangebote, die Sie uns dringend empfehlen würden?

Ich empfehle Bücher. In dieser Zeit Bücher zu lesen, wirkt organisch und echt. Die streamings sind sehr nett. Besonders freue ich mich über meine streamings mit Ring-Auftritte als Wotan an der Wiener Staatsoper. Eine sehr schöne, wenn auch in der jetzigen Situation ein wenig traurige Erinnerung… Allerdings ist es sehr lustig, dass ich mich in mehreren Streamings im Moment finden kann – dabei werden wir, die beteiligten Sänger fast gar nie diesbezüglich angefragt. Und auch natürlich dann die berühmte „Force Majeur“… Ein wenig absurd ist das ganze… Aber es ist gut, dass es die Streamings gibt. So bleiben die Menschen im Kontakt mit der Oper.

Was ich empfehlen würde ist der Kanal von Elisabeth Kulman, Whats opera docs: https://www.youtube.com/channel/UCcS6jR6tVE8Z64GwLIgeaxw

Da kann man, wenn man interessiert ist, die echten Informationen über die Lage der freischaffenden Künstler erfahren.

Kommen wir zur ersten Frage zurück: Wo sehen Sie sich in einem Jahr?

Normalerweise könnte ich Ihnen ganz genau sagen wo ich mich in einem Jahr an dem und den Tag befinde. Nun werden wir ja sehen ob das so wird wie geplant. Wo ich mich sehen möchte? Ich möchte arbeiten. Vernünftig an einem tollen Projekt in einem echten lebendigen Theater an einer echten Opernpartie arbeiten. Ob das die „Patriarchen“ der Politik zulassen, werden wir ja sehen… Denn die Kultur scheint doch für die Regierenden nicht SO wichtig zu sein… Geplant ist es, dass ich am 10. Mai 2021 in Hamburg bin. Mal sehen…

Es gibt Zukunftsforscher, die nach überstandener Corona-Krise eine Verbesserung des Weltklimas – ökologisch wie sozial – prophezeien. Teilen Sie diese Einschätzung? Wie ist Ihre Vision?

Das Leben verläuft nicht linear. Wir haben unsere Höhepunkte und unsere Tiefen. Wenn man einen Höhepunkt erreicht, kann man sicher sein, dass es eine Niederlage geben wird. Nach dem Winter wird das Leben neu geboren. So wird es auch womöglich mit der Welt nach der Coronakrise. Ich hoffe es sehr für meine Kinder, für die Kunst, für die Welt. Wir nehmen es an, so wie es ist. Beim Tod sieht man ein neues Leben. Ein Leben bringt schon von Anfang an einen Tod mit sich. Es kreist alles. Und es ist auch richtig und gut so. Das gibt uns die Möglichkeit uns zu ändern, uns zu entwickeln, aufzuwachen, zu bedenken, aufzubauen. Ich sehe nach vorne mit großer Hoffnung…Ja die Welt wird nach der Krise besser…

Schauen wir in die Glaskugel: Die Heilige Corona, auch Schutzpatronin gegen Seuchen, hat ein Einsehen mit uns und beendet die Pandemie. Alle Musikclubs, Theater und Opernhäuser öffnen wieder. Für Ihren ersten Auftritt haben Sie drei Wünsche frei: Wo, in welcher Produktion und mit wem teilen Sie die Bühne?

Ich hatte bereits einen Wunsch: Ich wollte an meiner geliebten Wiener Staatsoper im Frühling 2020 mit dem Ring, Cardillac, Fidelio, Freischütz und Arabella eine wunderschöne, künstlerisch sehr kreative Zeit erleben. Ich hätte da auf der Bühne die besten Kollegen der Welt gehabt. Ich lebte diesen Traum. Ich habe mich wahnsinnig seit Jahren darauf gefreut. Dann hat der liebe Herr Bundeskanzler Kurz während nur einer Pressekonferenz mir alles abgenommen. Was bringt das, dass ich mir was erträumen werde? Die Planung meiner Auftritte für die Zukunft ist da und fertig. Was es auch sei, welche Opernbühne oder Podium der Welt: ich freue mich drauf wieder normal arbeiten zu dürfen, den Menschen die Emotionen zu zeigen, die Leidenschaft zu entfachen, sich mit den Kritikern auseinanderzusetzen, ich freue mich auf jede Art der künstlerischen Tätigkeit die ich nach dem Ende des Vorstellungsverbotes ausüben kann. Es ist wirklich nicht so wichtig mit wem ich da auf der Bühne stehen werde. Ich werde mich auf jede Kollegin, auf jeden Kollegen sehr freuen. Jede Oper, jedes Konzert wird mir große Freude bereiten. Ich kann es wirklich kaum erwarten…

Ganz herzlichen Dank für dieses Interview, lieber Tomasz Konieczny,
und für die drei wunderschönen und interessanten Tage mit Ihnen in der Polnischen Botschaft in Wien.

Ich danke Ihnen.

Interview: Andreas Schmidt, 19. Mai 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Andreas Schmidt und Tomasz Konieczny in der Polnischen Botschaft in Wien

Ladas Klassikwelt 31: Die Götter sind unter uns – Teil III

Foto: Stephen Gould als Siegfried © Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

„Ich sah Stephen Gould mehrmals im Festspielpark spazieren gehen mit  auf die Noten fixiertem Blick. „Im letzten Jahr habe ich diese Partitur überall hin mitgenommen, wohin ich gegangen bin“, erzählte er mir damals im Interview.“

Ein Gespräch mit dem Heldentenor Stephen Gould und dem Regisseur Tankred Dorst (1925-2017)

von Jolanta Łada-Zielke

Wer ist eigentlich der Hauptheld der Nibelungen-Sage? Einige finden, der tapfere Siegfried, andere meinen, dass sich die Handlung vielmehr auf den Göttervater – Wotan – konzentriere, der Ruhm und Macht seines Königreichs anstrebt, aber seine Träume auf rechte und edelmütige Weise nicht erfüllen kann. In der Inszenierung von Tankred Dorst (Bayreuther Festspiele 2006) war Alberich (Andrew Shore) die zentrale Figur. Zwar verlor er seinen Schatz, blieb aber nicht ohne Einfluss auf die weiteren Ereignisse. Durch sein Handeln bewirkte er schließlich die endgültige Katastrophe. „Ladas Klassikwelt 31: Die Götter sind unter uns – Teil III“ weiterlesen

„In 150 Jahren wird niemand mehr wissen, wer Dieter Bohlen oder Moritz Eggert war, aber man wird sich an das Trautonium erinnern und es feiern“

Foto: Alessandra Schellnegger

Interview am Donnerstag 15: Der Trautoniumspieler Peter Pichler

Peter Pichlers musikalische Wurzeln liegen in der Punkszene. Im Laufe der 1990er Jahre kam er in Kontakt zu einem Instrument namens Trautonium. Dieser Kontakt ist für Peter Pichlers weitere musikalische Entwicklung prägend.

Viele von Ihnen werden von diesem Instrument vielleicht noch nie gehört haben, viele von Ihnen haben es jedoch sehr wahrscheinlich schon einmal gehört: sämtlicher Sound Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ wurde mit dem Trautonium produziert.

von Frank Heublein

Was bedeutet Ihnen Musik?

Das ist natürlich eine hochphilosophische Frage und auf viele Arten beantwortbar … Kurz gesagt: Musik sollte die Möglichkeit bieten, Grenzen zu sprengen und eine weltweite, überirdische, friedliche Form der Kommunikation zwischen den Völkern herstellen. Eine musikalische Sprache zum Guten. Bei mir persönlich wurde die Bedeutung der Musik durch meinen familiären Hintergrund geprägt. Als viertes Kind einer Pension- und Wirtsfamilie war mein Leben vorbestimmt. Musik half mir auszubrechen, mich zu verstecken, mich zu finden an einem geheimen Ort, ohne jegliche Art gesellschaftlicher Beeinflussung. „Interview am Donnerstag 15: Peter Pichler, Trautoniumspieler“ weiterlesen