Anspruchsvolle Liedeinspielungen haben heute Seltenheitswert

CD-Rezension:

VOLUPTÉ
Emma Moore
Klara Hornig

Decurio DEC-005

von Peter Sommeregger

Die Auswahl der auf dieser neuen Lieder-CD vertretenen Komponisten ist ungewöhnlich und macht neugierig. Neben Claude Debussys „Cinq Poèmes de Charles Baudelaire“ trifft man auf die selten zu hörenden „Acht Gesänge nach Rainer Maria Rilke“ von Clemens Krauss, dem berühmten Dirigenten. Viktor Ullmanns „Fünf Liebeslieder nach Ricarda Huch“ runden das ambitionierte Programm ab.

Volupté- das steht für Schwelgen, Wonne, Lust und findet sich nach Meinung der Interpretinnen in diesen Liedern. Der impressionistisch-sinnliche Duktus der Baudelaire-Lieder Debussys setzt sich in den Kompositionen von Krauss in etwas spröderer Form fort, Ullmanns Vertonungen der Lyrik Ricarda Huchs erscheinen hier als die am besten geglückte Verbindung von Text und Musik.

Die aus Australien stammende Sopranistin Emma Moore und die deutsche Pianistin Klara Hornig arbeiteten für dieses Album erstmal zusammen. Hornig, die den Zusammenklang von Lyrik und Musik in das Zentrum ihrer pianistischen Interpretation stellt, fand in der bereits mehrfach ausgezeichneten Sopranistin Emma Moore dafür eine kongeniale Partnerin. „CD-Rezension: VOLUPTÉ, Emma Moore, Klara Hornig
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CD-Sammel-Rezensionen

 

CD-Rezension:

The Clarinet Trio Anthology

Daniel Ottensamer, Klarinette
Stephan Koncz, Violoncello
Christoph Traxler, Klavier

DECCA/Universal Music Nr. 00028948573752

von Herbert Hiess

Die erste CD-Präsentation macht es einem sehr schwer, die Besprechung richtig zuzuordnen. Denn die großartige Box der Klarinettentrios mit dem Namen „Anthology“ wurde im kärntnerischen Taggenbrunn präsentiert.

Diese Location könnte man auch locker in einem Reisemagazin unterbringen, denn der Kärtner Unternehmer Alfred Riedl hat aus der Ruine nächst St. Veit an der Glan ein echtes Juwel mit einem prachtvollen Konzertsaal geschaffen. Dazu errichtete er ein wunderschönes Hotel unterhalb der Burg; umgeben von großartigen Weingärten mit einem ebensolchen Wein. Dazu muss man sagen, dass Kärnten absolut keine „typische“ Weinregion ist.

Also in dem wunderschönen Konzertsaal fand das Konzert mit CD-Präsentation statt. Daniel Ottensamer ist ein würdiger Nachfolger seines zu früh verstorbenen Vaters Ernst Ottensamer (Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker). Daniel selbst ist auch Soloklarinettist des Wiener Meisterorchesters, während sein Bruder Andreas die gleiche Rolle bei den Berliner Philharmonikern hat. „CD-Sammel-Rezensionen
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Elena Margolina brilliert mit Schuberts Klaviersonaten

Der sehr persönliche Stil, der Schuberts Klavierwerke auszeichnet, findet in Margolinas sensibler Umsetzung seine Entsprechung.

CD-Rezension:

Franz Schubert
Klaviersonaten D 850, D 958

Elena Margolina

Ars 38 331

 von Peter Sommeregger

Diese Neueinspielung zweier Klaviersonaten Franz Schuberts setzt ein langfristiges Projekt fort, in dessen Rahmen die aus Russland stammende Pianistin Elena Margolina nach Möglichkeit sämtliche Sonaten des Wiener Komponisten für CDs aufnehmen will. Mehrere Einspielungen sind in den letzten Jahren bereits erschienen, auf der aktuellen CD interpretiert Margolina die Sonaten D 850 und D 958.

Die frühere der beiden Sonaten, in D-Dur, entstanden während eines Sommeraufenthaltes Schuberts im Kurort Bad Gastein 1825, ist schon durch ihre Länge von nahezu 45 Minuten  in die Gattung „grande sonate“ einzuordnen. Vom temperamentvollen Beginn bis zum eher heiteren Rondo-Finale schöpft der Komponist hier das ganze Spektrum seiner künstlerischen Fähigkeiten aus und sorgt für einen ungemein abwechslungsreichen Ablauf. „CD-Rezension: Franz Schubert Klaviersonaten D 850, D 958
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Inspiration populaire: Diese CD ist ein echtes musikalisches Vergnügen!

Die so unterschiedlichen Stücke werden von den beiden Musikerinnen mit großer Virtuosität und Stilsicherheit vorgetragen.

CD-Rezension:

Inspiration populaire

Estelle Revaz
Anaïs Crestin

Solo Musica SM 390

von Peter Sommeregger

Der Titel dieses Albums trifft exakt den Punkt: wir erleben Kompositionen von fünf Komponisten verschiedener Nationalität, die durch Volksmusik ihres Landes und Kulturkreises zu eigenen Werken inspiriert wurden.

Als Interpretinnen erleben wir die Schweizer Cellistin Estelle Revaz, die sich in den Jahren der Pandemie als streitbare Kämpferin für die Wahrnehmung der Probleme von Künstlern in dieser Zeit betätigt hat. Anaïs Crestin ist Französin, lebt aber seit 2007 in Argentinien, wo sie als Pianistin sehr gefragt ist. Während des Lockdowns war es für die beiden Musikerinnen schwierig, ihre Zusammenarbeit fortzusetzen, aber schließlich gelangen im Frühjahr 2021 die hier nun veröffentlichten Aufnahmen.

„CD-Rezension: Inspiration populaire, Estelle Revaz, Anaïs Crestin
klassik-begistert.de 13. Mai 2022“
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Farewells – eine Interpretation von optimaler Authentizität

Zusammen mit dem Pianisten Michael Biel, seit Studienzeiten mit dem Sänger befreundet, nimmt Orliński den Hörer mit auf eine interessante Entdeckungsreise zu selten aufgeführten Liedern polnischer Komponisten.

CD- Rezension:

Farewells

Jakub Józef Orliński
Michael Biel

Erato 0190296269714

von Peter Sommeregger

Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Stabat Mater von Pergolesi überrascht der berühmte Polnische Countertenor mit einer Lieder-CD, die komplett dem polnischen Kunstliederschatz gewidmet ist.

Von den darauf vertretenen Komponisten sind außerhalb Polens eigentlich nur Karol Szymanowski und Stanisław Moniuszko allgemein bekannt, wobei die Bekanntschaft mit diesem uns unbekannten Liedgut durchaus lohnend ist.

Zusammen mit dem Pianisten Michael Biel, seit Studienzeiten mit dem Sänger befreundet, nimmt Orliński den Hörer mit auf eine interessante Entdeckungsreise zu selten aufgeführten Liedern polnischer Komponisten.

Von Moniuszko sind nur zwei Titel vertreten, obwohl der Komponist über 300 Lieder geschrieben hat, die in Polen äußerst populär sind. Dessen Tradition hat Mieczysław Karłowicz, der von 1876 bis 1909 lebte, fortgesetzt. Von seinen insgesamt 22 Liedern sind 12 hier zu hören, die der depressive junge Komponist innerhalb kurzer Zeit schrieb, sich dann aber der Instrumentalmusik zuwandte. Mit nur 32 Jahren wurde er Opfer eines Lawinenunglücks. Der Charakter der Lieder ist lyrisch und spiegelt die Introvertiertheit des Komponisten wieder.

„CD- Rezension: Farewells, Jakub Józef Orliński, Michael Biel
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Der Dirigent als Komponist: Antal Dorátis „Der Künder“ erlebt eine späte Uraufführung

CD-Rezension:

Antal Doráti
Der Künder

Beethoven Academy Orchestra
Teatr Wielki Choir
Martin Fischer-Dieskau  Dirigent

Orfeo C 220313

von Peter Sommeregger

Vielen Liebhabern klassischer Musik wird der aus Ungarn stammende Dirigent Antal Doráti noch ein Begriff sein. Der 1906 in Budapest geborene Sohn aus jüdischer Familie studierte Musik in seiner Heimatstadt und hatte an den Opernhäusern von Dresden und Münster verschiedene Positionen, ehe er 1933 Deutschland verließ. Nach Jahren in Frankreich und Monte Carlo emigrierte er 1939 in die USA, wo er auch eingebürgert wurde. Über die Jahrzehnte etablierte sich Doráti als Leiter von namhaften Orchestern und Opernkompanien, auch für Schallplattenaufnahmen wurde er häufig herangezogen.

Bedeutend ist seine komplette Einspielung sämtlicher Symphonien Joseph Haydns, auch von insgesamt acht Opern dieses Komponisten erschienen Aufnahmen unter seiner Leitung. „CD-Rezension: Antal Doráti, Der Künder,
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Mozarts Jugendwerk liegt hier in kompaktem Format vor

Allen Beteiligten gelingt ein Fest der barocken Oper und eine Entdeckungsreise zu einem erstaunlich reifen Frühwerk Mozarts.

CD-Rezension:

Wolfgang Amadeus Mozart    Lucio Silla

Insula Orchestra
Laurence Equilbey 

Erato 0190296377341

von Peter Sommeregger

Die vom gerade einmal 16-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart, als Auftragswerk für das Mailänder Teatro Regio Ducale geschriebene Oper, Lucio Silla, folgt äußerlich naturgemäß den Konventionen des damaligen Musikgeschmackes. Mozarts Genie verstand es allerdings auch schon sehr früh, die Formensprache der barocken Oper mit lebendigen Charakteren auszufüllen.

Äußerlich folgt der Lucio Silla dem vorgegebenen Schema: der erste Akt dient der Exposition, die Akteure werden in ausladenden Rezitativen und Arien mit ihrer Gemütslage vorgestellt. Im zweiten Akt schreitet die äußere Handlung rasch voran und spitzt sich dramatisch zu. Der dritte Akt scheint auf ein tragisches Ende zuzusteuern, bringt aber schließlich die nicht unbedingt logische Wendung zum glücklichen Ausgang, ermöglicht durch großzügige Milde des Herrschers. In solcher Art konnte das Sujet mühelos als Huldigungsoper auch für aktuelle Machthaber eingesetzt werden. „CD-Rezension: Wolfgang Amadeus Mozart  Lucio Silla,
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Ein beklemmendes Dokument aus Theresienstadt

Ullmann konnte seine Musik selbst nicht mehr hören, aber es ist eine moralische Genugtuung, dass sie mit langer Verzögerung doch noch ihren Weg in die Konzertsäle und Opernhäuser gefunden hat.

CD-Rezension:

Viktor Ullmann
Der Kaiser von Atlantis

Münchner Rundfunkorchester
Patrick Hahn

BR Klassik 900339

von Peter Sommeregger

Die Entstehungsgeschichte dieses „Spiels in einem Akt“ des schlesischen Komponisten Viktor Ullmann ist gleichermaßen spektakulär wie erschütternd. Ullmann, der zuletzt in Prag gelebt hatte, wurde wegen seiner jüdischen Abstammung 1942 in das Lager Theresienstadt deportiert. Später verlegte man ihn in das KZ Auschwitz-Birkenau, wo er im Oktober 1944 ermordet wurde.

Das „Vorzeigelager“ Theresienstadt erlaubte so etwas wie ein kulturelles Leben, was Ullmann zu der Komposition dieses Bühnenwerkes animierte, das er auf einem Text seines Mithäftlings Peter Kein schrieb. Es spiegelt naturgemäß den Zeitgeist und vor allem die extremen Bedingungen, unter denen es entstand. Nach der Vollendung im August 1944 kam es noch zur Generalprobe der Aufführung, danach verboten die Nazis das Werk. Es dauerte bis zum Dezember 1975, ehe das Stück in Amsterdam uraufgeführt wurde. „CD-Rezension:Viktor Ullmann Der Kaiser von Atlantis,
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Ein Agnostiker schreibt eine Messe

CD-Rezension:

Leoš Janáček

Glagolitic Mass
Sinfonietta

Warner Classics 0190296280634

von Peter Sommeregger

Diese Messe des großen Mährischen Komponisten weist gleich mehrere Besonderheiten auf, die sie von anderen geistlichen Chorwerken grundlegend unterscheidet. Leoš Janáček war erklärter Agnostiker, trotzdem entschloss er sich gegen Ende seines Lebens, den Auftrag für die Komposition einer Messe anzunehmen. Einen früheren Versuch in dieser Richtung hatte er abgebrochen, verwendete aber schließlich Teile jener Komposition für die so genannte Glagolitische Messe.

Glagolitisch bedeutet eine Form des Altslawischen, in dieser Sprache sind auch die Messtexte abgefasst. Bei der Einstudierung des Werkes für die Uraufführung in Brünn im Dezember 1927 ergaben sich Vereinfachungen und Veränderungen der Partitur, die den speziellen Umständen dieser Aufführung geschuldet waren. Die hier vorgelegte Einspielung rekonstruiert in weiten Teilen Janáčeks ursprüngliche Partitur, was sie von anderen Aufnahmen unterscheidet. „CD-Rezension: Leoš Janáček, Glagolitic Mass, Sinfonietta,
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Andris Nelsons feiert mit zwei Spitzenorchestern Richard Strauss

CD-Rezension:

Man darf dieser kompakten, eleganten Box getrost prophezeien, dass sie zur neuen Referenzeinspielung der Tondichtungen von Richard Strauss werden wird. Und sie macht Appetit auf Opernaufnahmen unter der Leitung Nelsons.

STRAUSS

Gewandhausorchester Leipzig
Boston Symphony Orchestra

Yuja Wang
Yo-Yo Ma

Andris Nelsons

Deutsche Grammophon 486 2040

von Peter Sommeregger

Der lettische Dirigent Andris Nelsons zählt seit längerer Zeit zu den Stars der internationalen Dirigentenszene. Seit ein paar Jahren leitet er zwei der bedeutendsten Orchester der alten und der neuen Welt. Unter seiner Leitung haben das Leipziger Gewandhausorchester und das Boston Symphony Orchestra eine Kooperation begonnen, die in der Geschichte dieser Orchester, aber auch darüber hinaus einzigartig ist. Zwar hatten die beiden Orchester vor gut hundert Jahren schon einmal den gleichen Chefdirigenten, nämlich Arthur Nikisch. Ein so intensiver Austausch zwischen den beiden Klangkörpern war aber damals schon organisatorisch nicht möglich.

Nelsons ehrgeiziges Projekt, den wesentlichen Teil der Strauss’schen Tondichtungen einzuspielen, hat historische Vorbilder in der Schallplattengeschichte. Clemens Krauss, Freund und Weggefährte von Strauss, realisierte seine Einspielungen in den 1950er Jahren mit den Wiener Philharmonikern für die DECCA, Fritz Reiner spielte wenig später mit dem Chicago Symphony Orchestra ebenfalls mehrere Strauss-Tondichtungen für die Schallplatte ein. Das bisher umfangreichste Projekt dieser Art realisierte Rudolf Kempe in den 1970er Jahren für den EMI-Konzern, inzwischen sind diese als Referenz-Aufnahmen geltenden Einspielungen von Warner in den Katalog übernommen. „CD-Rezension: STRAUSS, Gewandhausorchester Leipzig, Boston Symphony Orchestra,
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