Es gelingt eine Aufführung von großer Geschlossenheit und Intensität

DVD Blu-Ray Rezension:

Leoš Janáček
Jenůfa

Staatskapelle Berlin
Simon Rattle Dirigent

Unitel 760504

von Peter Sommeregger

Die im Jahr 2021 bedingt durch die Pandemie nur im Livestream zu erlebende Jenůfa-Premiere an der Berliner Staatsoper ist nun auch als DVD/Blu-Ray erschienen. Ein willkommener Anlass den damaligen Eindruck zu vertiefen.

Offenbar hat sich der Regisseur Damiano Michieletto für  das Thema Reduktion als Programm entschieden. Ein Bühnenbild im eigentlichen Sinn gibt es nicht, der Bühnenraum ist durch Milchglaswände begrenzt, auf Sitzbänken und Tischen sind Gegenstände zu sehen, die jeweils einer der handelnden Personen zuzuordnen sind. Bei  der Küsterin sind es sakrale Gegenstände und Kerzen.

Dörfliches Ambiente wird ausgespart, insgesamt verträgt das anrührende Drama um das junge Mädchen Jenůfa diese radikal entkernte Lesart aber gut, das komplizierte Beziehungsgeflecht der handelnden Personen wird in der ausgefeilten Personenregie gut nachvollziehbar dargestellt. Die Kostüme Carla Tetis, zumeist schlichte Alltagskleidung, waren nicht alle stimmig, warum der fesche Števa einen hässlichen Tarnanzug tragen muss, obwohl er doch gerade dem Militär entronnen ist, bleibt offen. „DVD Blu-Ray Rezension: Leoš Janáček, Jenůfa,
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Olga Neuwirths „Orlando“ an der Wiener Staatsoper: Materialschlacht mit Schwächen

DVD-Rezension:

Olga Neuwirth  Orlando

Catherine Filloux und Olga Neuwirth: Libretto

Unitel 760804

Mitschnitt der Uraufführung an der Wiener Staatsoper am 8. Dezember 2019

von Peter Sommeregger

Die ehrwürdige Wiener Staatsoper hat sich während der Direktion Dominique Meyers nicht unbedingt den Ruf einer besonders kreativen Bühne erworben. Aber  wenige Monate vor dem Ende seiner Amtszeit, brachte Meyer die von ihm an Olga Neuwirth in Auftrag gegebene Oper Orlando zur Uraufführung. Das erforderte einen Kraftakt, der wohl sämtliche technischen und künstlerischen Ressourcen des Hauses an seine Grenzen stoßen ließ.

Aber der Reihe nach: Olga Neuwirth hat sich als literarische Vorlage Virginia Woolfs Kultroman Orlando gewählt, geradezu eine Ikone der Transgenderthematik, verwandelt sich doch der englische Edelmann Orlando im Laufe der Handlung in eine Frau. Neuwirth, die sich zusammen mit Catherine Filloux auch für das Libretto in englischer Sprache verantwortlich zeichnet, spinnt die Handlung aber noch weiter bis in die Gegenwart.

Der Apparat, der für diese auch optische Reise durch mehrere Jahrhunderte aufgeboten wird, ist gewaltig. Videoinstallationen, die in diesem Kontext endlich einmal sinnvoll eingesetzt sind, sowie flexible Versatzstücke ermöglichen schnelle Wechsel der Szenerie. Ein Ensemble von über dreißig Solisten, Chor, Kinderchor, Statisterie und Bühnenmusik wollen gut koordiniert sein. Das gelingt der Regisseurin Polly Graham durchaus, für eine erkennbare eigene dramaturgische Handschrift bleibt aber bei dieser von den Videos Will Dukes, den gelungenen Bühnenbildern von Roy Spahn, vor allem aber den prächtigen, höchst artifiziellen Kostümen des Labels „Comme des Garçons“ dominierten Szene wenig Raum. „DVD-Rezension: Olga Neuwirth, Orlando,
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Mit dem Duo GIOVIVO beschwingt durch trübe Zeiten

Bild: Genuin

CD-Rezension:

Duo GIOVIVO
Serendipity

Fabian Bloch: Euphonium, Wunderhorn, Alphorn, Piano
Muriel Zeiter: Piano, Violine, Querflöte

von Daniel Janz

Wem ist in diesen Tagen wohl nicht nach ein wenig Ablenkung? Nach leicht beschwingter Begleitung, nach ein wenig Entspannung von der Tristesse der alltäglichen Informationsflut oder einfach nur schöner Unterhaltung? Wer diese in Form von Musik sucht, hat mit dem jüngst erschienenen Album „Serendipity“ vom Duo GIOVIVO nun seit dem 4. Februar ein neues Instrument zur Verfügung.

Das Duo GIOVIVO – das sind Fabian Bloch und Muriel Zeiter. Es ist noch nicht so lange her, dass die beiden jungen Instrumentalisten ihre Ausbildung in Bern sowie am renommierten Royal Northern College of Music in Manchester abgeschlossen haben. In dieser Zeit fanden sie auch als Duo zusammen und sind seit 2019 in dieser Kombination auch tätig. Bestätigt werden sie dabei inzwischen durch eine Reihe von erfolgreichen Auftritten und Engagements. Laut Fabian Bloch ist es ihnen beispielsweise auch zu verdanken, dass zum allerersten Mal in der Geschichte ein Schweizer Alphorn im Gewandhaus Leipzig erklungen ist. „CD-Rezension: Duo GIOVIVO, Album „Serendipity“,
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Power-Stimme aus der Ukraine: Oksana Dyka

CD-Rezension:

In questa reggia

Puccini & Verdi Arias
Oksana Dyka

Constantine Orbelian  Dirigent
Kaunas City Symphony Orchestra

DELOS DE 3586

von Peter Sommeregger

Die ukrainische Sopranistin Oksana Dyka wurde nach ihrem Studium in Kiew für einige Jahre der Star der Kiewer Nationaloper. Danach entwickelte sich ihre Karriere auch international, heute kann man der Sängerin an vielen Opernhäusern der Welt begegnen.

Ihr Repertoire hat die Künstlerin in Richtung der großen dramatischen Partien entwickelt. Ihrer neuen Glanzrolle, Puccinis Turandot, gilt auch der Titel und der erste Track ihrer Solo-CD. „CD-Rezension: Oksana Dyka, In questa reggia, Puccini & Verdi Arias,
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Händels „Saul“ als packendes Familiendrama

DVD-Rezension:

George Frideric Handel
Saul

Freiburger Barockorchester
Christopher Moulds

Unitel 805604

von Peter Sommeregger

Der Komponist Händel hatte bereits eine große Zahl an erfolgreichen Opern geschrieben, als sich der musikalische Trend der Zeit ab ca. 1730 wandelte, und das Publikum eher nach Oratorien verlangte. Für den flexiblen Tonsetzer war das kein Problem, wobei man Händels Oratorien durchaus den Opernkomponisten anmerkt, was ja kein Nachteil ist.

Auch beim Oratorium „Saul“, kurz vor dem besonders erfolgreichen „Messias“ entstanden, bleibt die musikalische Dramaturgie einer Oper präsent. So bietet sich wie bei nicht wenige der Oratorien Händels eine szenische Aufführung an.

Im Theater an der Wien nahm sich Claus Guth im letzten Jahr des Werkes an und realisierte mit einem sehr homogenen Ensemble von Solisten eine überzeugende, starke Deutung in Form einer Familienaufstellung. Die Familie König Sauls verfällt der Verzauberung durch den einfachen Knaben David, der sich anschickt, durch seine Heldentaten den König zu übertrumpfen. Währen Saul versucht, David zu töten, erliegen seine drei Kinder dem Charisma des Jünglings. „DVD Rezension: George Frideric Handel, Saul,
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Mendelssohn als emotionale Stütze

CD- Rezension:

Mendelssohn

Piano Concertos
Capriccio Brillant

Lars Vogt
Orchestre de Chambre de Paris

Ondine Ode 1400-2

von Peter Sommeregger

 Die gute Nachricht ist, dass eine neue Einspielung mit Lars Vogt auf dem Markt ist. Nachdem der Pianist im Vorjahr seine schwere Krebserkrankung öffentlich machte, gibt diese Veröffentlichung Anlass zur Hoffnung, und zeigt den Künstler auf der Höhe seines Könnens.

Es ist vielleicht kein Zufall, dass Vogt und das von ihm geleitete Orchestre de Chambre de Paris für diese CD ein reines Mendelssohn-Programm gewählt haben. Mendelssohns zwei Klavierkonzerte haben trotz der Moll-Tonarten eine Art von heiter-freundlichem Unterton, der für den Romantiker Mendelssohn nicht untypisch ist. „CD-Rezension: Mendelssohn, Piano Concertos, Capriccio Brillant, Lars Vogt
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

CD-Rezension: Korngold, Die tote Stadt – ein emotionales Kammerspiel

CD-Rezension

Korngold Die tote Stadt

Finnish National Opera
Mikko Franck

Opus Arte OACD 9050D

von Peter Sommeregger

Die nach ihrer Uraufführung weltweit erfolgreiche Oper Erich Wolfgang Korngolds geriet nach dem Verbot von Korngolds gesamtem Werk durch die Nationalsozialisten in Vergessenheit. Die inzwischen weltweite Renaissance seiner Werke nahm mit dieser Oper ihren Anfang, inzwischen findet sie sich wieder auf internationalen Spielplänen.

Der nun auch als CD vorgelegte Mitschnitt stammt bereits aus dem Jahr 2010 und ist als DVD schon längere Zeit im Handel. Möglicherweise ist es die gewachsene Popularität der Hauptdarsteller und des Dirigenten Mikko Franck, die nun zur Veröffentlichung der Produktion der Finnischen Nationaloper geführt hat.

Dieses Werk wird hauptsächlich von dem Witwer Paul, und der Reinkarnation seiner verstorbenen Frau Marie in Gestalt der Tänzerin Marietta getragen. Es ist ein emotionales Kammerspiel, nur unterbrochen durch den Auftritt von Mitgliedern der Theatertruppe, der Marietta angehört. Am Ende erwacht Paul aus einem düsteren Traum und erkennt, dass er sich aus seiner Trauer und dem Kult um die Verstorbene lösen muss.

„CD-Rezension: Korngold, Die tote Stadt,
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Kämpferisch präsentiert Lena Belkina ihre neue CD in Wien

Foto: Lena Belkina ©

Mozarthaus, Wien, 19. März 2022

Benefiz / CD-Präsentation „Spring Night“
Lena Belkina,
Mezzosopran
Matthias Samuil,
Klavier

von Jürgen Pathy

Tief erschüttert. Dass Lena Belkina, die aktuellen Umstände in ihrer Heimat nicht kaltlassen, spürt man sofort. Nicht nur, weil die in der Ukraine aufgewachsene Sängerin zu Beginn ihrer CD-Präsentation schwer mit den Tränen zu kämpfen hat, sondern auch wegen der Programmauswahl, die sie anscheinend wegen der aktuellen Lage geändert hat. Eigentlich hätte ihre CD-Präsentation mit Mozarts Arie „Partoma tu ben mio“ des Sesto beginnen sollen – zumindest findet man das so im „Netz“. Geworden sind es aber andere Hosenrollen, mit denen sie Samstagabend im Wiener Mozarthaus dann beginnt.

Es sind drei Rollen, in die man einiges hinein interpretieren könnte. Zum einen die Anfangsarie aus dem „Rosenkavalier“, wo der blutjunge Octavian sich mit der Fürstin vergnügt. Zum anderen zwei Arien, die enormen Kampfgeist ausdrücken. Eine ist „Romeo“ aus Bellinis Oper „I Capuleti e i Monntechi“ und eine aus Rossinis opera seria „Tancredi“ – einem „anderen Helden“, wie Lena Belkina erklärt, die vor einigen Liedern und Arien eine kurze Ansprache hält.

„Lena Belkina, Benefiz / CD-Präsentation „Spring Night“,
Mozarthaus, Wien, 19. März 2022“
weiterlesen

Benjamin Bernheim mischt Italienisches mit Französischem stilsicher und brillant

CD-Rezension

Benjamin Bernheim
Boulevard des Italiens

Orchestra del Teatro Comunale di Bologna
Frédéric Chaslin

Deutsche Grammophon 486 1964

von Peter Sommeregger

Der französische Tenor Benjamin Bernheim hat sich in den letzten Jahren zum großen Hoffnungsträger seines notorisch unterbesetzten Stimmfaches entwickelt. Noch bewegt er sich eher im lyrischen Fach, aber seine kräftige, schön gebildete Stimme lässt einen allmählichen Übergang zum Spinto-Fach vermuten. Bernheim verfügt über etwas, das man nicht lernen kann, nämlich ein charakteristisches persönliches Timbre, das man nach wenigen Tönen erkennt.

Das Konzept seines neuen, zweiten Recitals für die Deutsche Grammophon spielt mit der Wechselwirkung italienischer Komponisten mit der französischen Grand Opéra. Die sorgfältig ausgewählten Arien und Szenen dieser CD sind sämtlich von italienischen Komponisten auf französische Libretti geschrieben, und wurden für die Aufführungen in Paris, der damaligen Opernhauptstadt umgearbeitet. „CD-Rezension: Benjamin Bernheim, Boulevard des Italiens,
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Giordanos „Siberia“ beim Maggio Musicale Fiorentino: Graue Mäuse im Permafrost

DVD-Rezension:

Umberto Giordano  SIBERIA

Orchestra e Coro del Maggio Musicale Fiorentino
Gianandrea Noseda

DYNAMIC 57928

von Peter Sommeregger

 Die Opern Umberto Giordanos erleben außerhalb Italiens mit Ausnahme des „Andrea Chénier“ nur selten Aufführungen, was man in Anbetracht ihrer musikalischen Qualitäten bedauern muss.

In Florenz hat man am 7. Juli 2021 eine neue Produktion von „Siberia“ vorgestellt. Dieses düstere Werk hat den freiwilligen Opfergang einer Frau zum Thema, die ihrem Geliebten, der ihretwegen zum Mörder wurde, in die Verbannung nach Sibirien folgt. Der Handlungsablauf ist gut gegliedert, zwei der drei Akte spielen bereits in Sibirien und sind entsprechend von grauer Tristesse gezeichnet. Giordanos Musik spricht aber eine ganz andere Sprache, die starken Emotionen speziell der Hauptfigur Stephana und ihres Geliebten Vassili finden in großen melodischen Bögen ihren Ausdruck. Auch der grimmige Bösewicht Glèby wird vom Komponisten gut charakterisiert, selbst den Nebenrollen wird durchaus musikalisches Profil verliehen.

„DVD-Rezension: Umberto Giordano, SIBERIA,
klassik-begeistert.de“
weiterlesen