Albéric Magnards hinreißende „Orchestral Works“ auf CD – Rettet ihn vor dem Vergessenwerden!

CD Besprechung: Albéric Magnard, „Orchestral Works“
Naxos, DDD, 2017-2019

von Dr. Holger Voigt

Das erhalten gebliebene musikalische Oeuvre des weitgehend unbekannten Komponisten besteht aus noch nicht einmal dreißig Werken. Ein großer Teil seiner Arbeiten fiel den Flammen zum Opfer, in denen auch der Leichnam des Komponisten verbrannte, nachdem er von einer deutschen Patrouille erschossen worden war, die im Begriff war, sein Anwesen zu konfiszieren. Die Soldaten trafen auf einen wehrhaften Patrioten, der nicht davor zurückschreckte, mit Waffengewalt gegen die Besatzer vorzugehen. Das passierte am 3. September 1914 in seinem 49. Lebensjahr (Baron, Department Oise, Frankreich). „CD Besprechung: Albéric Magnard, „Orchestral Works““ weiterlesen

Aus der Jugendzeit eines Genies

CD-Rezension: Mendelssohn Project Vol. 1
MDG 9122193-6

String Symphonies 1-3
Piano Concerto A-minor

Herbert Schuch piano
Dogma Chamber Orchestra
Mikhail Gurewitsch concertmaster

von Peter Sommeregger

Unter den großen Komponisten des 19. Jahrhunderts, zu denen Felix Mendelssohn Bartholdy zweifelsfrei gehört, zählt er zu den seltener Aufgeführten. Angesichts der Reichhaltigkeit und des Facettenreichtums seines Oeuvres eigentlich schwer verständlich. Mag sein, dass die Ächtung seiner Musik durch den Nationalsozialismus und den dadurch entstandenen Bruch in seiner Rezeptionsgeschichte immer noch nachwirkt.

Da erfreut es besonders, am Cover dieser neuen CD „Mendelssohn Project Vol. 1“ zu lesen. Offenbar ist eine Reihe von Veröffentlichungen geplant, deren erste CD nun vorliegt und sogleich durch die Frische und Authentizität der Interpretationen besticht. „CD-Rezension: Mendelssohn Project Vol.1, Herbert Schuch, Dogma Chamber Orchestra, Mikhail Gurewitsch“ weiterlesen

Skurrile Belcanto-Ausgrabung: "Matilde di Shabran" vom Festival Rossini in Wildbad

CD-Rezension: Gioachino Rossini, „Matilde di Shabran“
NAXOS 8.660492-94

Górecki Chamber Choir
Passionart Orchestra
José Miguel Pérez-Sierra, Dirigent

von Peter Sommeregger

Diese Oper fällt in die reife Schaffensphase des Komponisten, die er bereits mit weniger als dreißig Lebensjahren erreicht hatte. Geschrieben für ein römisches Theater gehört sie allerdings nicht zu den häufig gespielten Werken des produktiven Opernkomponisten, dem wir über vierzig Opern verdanken. „CD-Rezension: Gioachino Rossini, „Matilde di Shabran“, José Miguel Pérez-Sierra, Passionart Orchestra“ weiterlesen

Zu viel der Vielfalt

Sopranistin Pia Davila, Foto: © Andrej Grilc

CD-Rezension: PIA DAVILA, O Luna mia
GENUIN GEN 21715

Werke von Merula, Romano, Debussy and Seilova

Pia Davila, Sopran
Eric Schneider, Piano
Andreas Nachtsheim, Laute

von Peter Sommeregger

Die 1988 in Berlin geborene Sopranistin Pia Davila legt mit „O Luna mia“ ihr erstes Album vor. Das Konzept dafür ist ausgesprochen eigenwillig, schließt es doch Kompositionen der Renaissance, des Impressionismus und schließlich der Gegenwart ein. „CD-Rezension: PIA DAVILA, O Luna mia“ weiterlesen

Keine CD-Empfehlung: Greller die Glocken nie klingen – Jonas Kaufmanns Weihnachts-Overkill

Klassik vom Feinsten: Die 25 meistgelesenen Beiträge auf Klassik begeistert (1)

Der Beitrag von Peter Sommeregger, Berlin, über die Weihnachts-CDs von Jonas Kaufmann ist der – mit großem Abstand – am meisten gelesene Artikel auf klassik-begeistert.de – obwohl er erst seit 2 Monaten und einer Woche im Netz ist.

3600 Beiträge haben wir als größter Klassik-Blog in Deutschland, Österreich und der Schweiz (google-Ranking) in den vergangenen viereinhalb Jahren veröffentlicht. Jetzt präsentieren wir die 25 meistgelesenen Opern- und Konzertberichte, Interviews, Klassikwelten und Rezensionen – jene Beiträge, die Sie seit Juni 2016 am häufigsten angeklickt haben. Wir wünschen viel Freude beim „Nachblättern“.

„Es geht einem wie bei der Weihnachtsbäckerei: eine zu große Dosis erzeugt Sodbrennen.“

„Niemand kann alles, aber um den Beweis dafür zu erbringen hätte Jonas Kaufmann nicht 42 Weihnachtslieder einspielen müssen. Ein Aufkleber auf dem Album lautet “Jonas Kaufmanns erstes Weihnachtsalbum“. Das klingt ganz nach Plänen für ein weiteres. Bitte nicht!“

1 – CD-Besprechung Jonas Kaufmann: it’s Christmas!
(2 CDs – SONY 19439786762)

von Peter Sommeregger

Seit der Erfindung der Schallplatte haben viele berühmte Sänger auch Weihnachtslieder aufgenommen, und damit ihre Popularität gesteigert, mit guten Verkaufszahlen als erfreulichem Nebeneffekt. Ich besitze eine etwa 1910 aufgenommene Schellackplatte der legendären Mezzo-Sopranistin Ernestine Schumann-Heinck, auf der sie das traditionelle „Stille Nacht“ mit einer Inbrunst singt, die ihre Interpretation zu einem Ereignis macht.

Es verwundert nicht, dass der gegenwärtig bekannteste Tenor der Welt, Jonas Kaufmann, nun ebenfalls dieses lukrative Marktsegment bedient. Das ist sein gutes Recht, und viele, viele Fans werden dieses Doppelalbum zu einem akustischen Blockbuster machen. Die Intervalle zwischen Kaufmanns CD-Produktionen werden allerdings immer kürzer und die Titel nähern sich immer weiter dem Crossover-Bereich. Ganz offensichtlich soll hier die Kuh gemolken werden, solange sie Milch gibt. Dem Tenor, der  aktuell sein Tristan-Debüt vorbereitet, würde man aber vielleicht ein bisschen mehr Besinnung auf Wesentliches wünschen. Der großartige Tenor Rudolf Schock, der seinen guten Ruf durch Dauerpräsenz in seichten Fernsehshows und Operetten ruinierte, sollte Kaufmann ein warnendes Beispiel sein. „Klassik vom Feinsten: Die 25 meistgelesenen Beiträge auf Klassik begeistert (1)“ weiterlesen

Weniger ist mehr: Beethovens „Leonore“ als Kammeroper

DVD-Rezension: Ludwig van Beethoven, „Leonore“
NAXOS DVD 2.110674

Opera Lafayette

Ryan Brown Dirigent
Oriol Tomas Regisseur

von Peter Sommeregger

Beethovens einzige Oper „Fidelio“ hat bekanntlich erst im dritten Anlauf jene Form erhalten, in der sie heute erfolgreich über die Bühnen der Welt geht. Die erste Fassung von 1805, noch unter dem Namen „Leonore“, wird von Zeit zu Zeit auch aufgeführt, musikalisch weicht diese Version in nicht unwesentlichen Passagen von der Endfassung ab.

Das Beethoven-Jahr 2020 erlebte mehrere Versuche, auch die frühe Version zur Diskussion zu stellen. Eine sehens-und hörenswerte Aufführung der Opera Lafayette, einer privatfinanzierten Operntruppe die in Washington und New York verortet ist, wurde im März 2020 für das Label Naxos auf DVD eingespielt. „DVD-Rezension: Ludwig van Beethoven, „Leonore“,
Opera Lafayette“
weiterlesen

Ein spannendes Jugendwerk Meyerbeers

CD-Rezension: Giacomo Meyerbeer, „Romilda e Costanza“
NAXOS 8.660495-97

Górecki Chamber Choir
Passionart Orchestra
Luciano Acocella

von Peter Sommeregger

Lange bevor der deutsch-jüdische Komponist Giacomo Meyerbeer mit seinen Grands Opéras zum Beherrscher der Pariser Opernszene wurde, hatte der als Jakob Liebmann Meyer Beer in Berlin geborene Sohn eines Unternehmers und Bankiers bereits zwei deutsche Opern komponiert, ehe er nach ausgedehnten Studien in Wien, London und Paris schließlich in Italien inspiriert durch Rossini erneut Bühnenwerke komponierte.

Sein erstes erfolgreiches italienisches Werk war die Oper „Romilda e Costanza“, die 1817 in Padua mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Mit dieser Oper löst er sich weitgehend vom Einfluss Rossinis, obwohl an einzelnen Stellen des Werkes noch Anklänge an Rossinis Stil aufblitzen. Als „Genius von der Spree“ wurde der 26-jährige Komponist gar gepriesen, ein großes Lob, das beim Hören dieser ersten Einspielung der Oper doch ein wenig hoch gegriffen scheint. „CD-Rezension: Giacomo Meyerbeer, „Romilda e Costanza““ weiterlesen

„Nightmare before Christmas“ oder: Im Kaufmanns-Laden des schlechten Geschmacks

Weihnachts-Satire

Fotos: YouTube (c): Die Moderatorin Judith Williams und der Tenor Jonas Kaufmann in der Verkaufssendung des Online-Shopping-Kanals HSE24

Wer kurz vor dem Fest noch auf der Suche nach einem stimmungsvollen Geschenk war, wurde vielleicht auch auf dem Online-Shopping-Kanal HSE 24 fündig. Dort wurde unter anderem Jonas Kaufmanns Weihnachts-Doppel-CD it’s Christmas! feilgeboten (https://www.youtube.com/watchv=k3UhnV4PUAw&feature=emb_logo). Der Startenor präsentierte mit der Unternehmerin Judith Williams dort und auch in der „Bunten“ (Heft 50/2020) Weihnachtliches. Unsere davon inspirierte kleine empirische Satire wirft einen Blick in die Backstube und die Sendung mit den beiden.

von Dr. Andreas Ströbl

Winterstürme weh´n weit vom Wonnemond und ich liege am 4. Advent nach einer Ladung köstlicher Kipferl auf dem Biedermeier-Diwan. Frühe Dämmerung schließt mir die vom Jahre müden Augen, und ich kuschele mich wie Wagner in der Villa Wahnfried in schweren roten Samt. Die einführende Pastorale aus Saint-Saëns´ hinreißendem Weihnachtsoratorium tönt im Hintergrund, und die Hirten ziehen vor meinem inneren Blick gen Bethlehems Stall. Die Szenerie verschwimmt, und ich sinke in sanften Schlaf. Plätzchen-Duft erfüllt die blaue Stunde und lässt mich träumen… „Weihnachts-Satire: Jonas Kaufmann zu Gast im Verkaufkanal HSE24
klassik-begeistert.de“
weiterlesen

Von der Vergänglichkeit der Welt – und einer Stimme

Foto: © Simon Fowler / Parlophone Records Ltd

„Vergleicht man diese CD mit seinem großartigen Vivaldi-Programm von 2007, meint man einen anderen Sänger zu hören. Aktuell werden wir Zeugen der Vergänglichkeit einer Stimme.“

CD-Rezension: Philippe Jaroussky – La Vanita del Mondo
Erato 0190295179298

Arien aus Oratorien

Philippe Jaroussky, Countertenor
Ensemble Artaserse

von Peter Sommeregger

Die Pandemie, die nun schon seit Monaten die Welt auf den Kopf stellt, hat auch schmerzliche Auswirkungen auf die Karrieren und Terminpläne von Künstlern. Jeder der Betroffenen sucht nach Möglichkeiten, der erzwungenen Untätigkeit zu entgehen. Der Countertenor Philippe Jaroussky hat den Sommer dieses Jahres für die Produktion eines neuen Albums genutzt.

Das Programm besteht ausschließlich aus Ausschnitten geistlicher Oratorien der Komponisten Torri, Scarlatti, Chelleri, Händel, Caldara, Bononcini, Fago, Hasse und Marcello, sämtlich Meister des Barock, und zum Teil heute vergessen. Einige Titel der CD sind daher sogar Weltersteinspielungen. „CD-Rezension: Philippe Jaroussky – La Vanita del Mondo“ weiterlesen

"Don Giovanni" mal anders

Foto: © Andrea Rossi

„Es spricht für die Qualität von Regie, Darstellern und natürlich auch des Werkes selbst, dass diese höchst spartanische Veranstaltung über zwei Stunden lang fesseln, sogar begeistern kann. Ein Ensemble junger, unverbrauchter Stimmen stand dem Dirigenten Alessandro Quarta zur Verfügung und es gelang ihm, daraus ein stimmiges Ensemble zu formen.“

DVD-Rezension: Alessandro Melani, „L’Empio Punito“
Dynamic 37871

Reate Festival Ensemble

von Peter Sommeregger

Opern des frühbarocken Komponisten Alessandro Melani begegnet man so gut wie nie auf den Spielplänen. Melanis Werk hat seinen Schwerpunkt allerdings auch mehr auf dem Gebiet der Kirchenmusik, er bekleidete die meiste Zeit seines Lebens Ämter als Kapellmeister verschiedener römischer Kirchen.

Neben zahlreichen sakralen Werken schrieb er insgesamt neun Opern. Seine zweite, L’Empio punito (Der bestrafte Bösewicht) von 1669 greift zum ersten Mal den Stoff des Verführers Don Giovanni auf, wobei die Handlung dieser Oper nicht so eindeutig auf den besagten Bösewicht bezogen ist, wie später in Mozarts Werk. Im Rahmen des Reate Festivals in Rom 2019 fand in dem Theater der Villa Torlonia die Aufführung statt, die nun vom Label Dynamic als DVD einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird. „DVD-Rezension: Alessandro Melani, „L’Empio Punito“, Reate Festival Ensemble“ weiterlesen