Dubliner Luft belebt Händels Geniestreich – ohne viktorianischen Staub

CD/Blu-ray Besprechung:

Wer dachte, er wisse schon alles über den Messiah, sollte dringend seine Ohren auf die grüne Insel ausrichten. Diese Aufnahme räumt gründlich mit dem viktorianischen Ballast auf und zeigt Händel so, wie er wahrscheinlich selbst gern gehört werden wollte: lebendig, nahbar und mit einem verschmitzten Augenzwinkern.

George Frideric Handel
Messiah , HWV56

Irish Baroque Choir and Orchestra
Peter Whelan, musikalische Leitung

Linn, CDK761

von Dirk Schauß

Warum noch ein Messiah? Weil es bislang keine Aufnahme auf historischen Instrumenten von einem irischen Ensemble gab – obwohl genau dieses Werk 1742 in Dublin seine triumphale Uraufführung erlebte. Fast drei Jahrhunderte später schließt das Irish Baroque Orchestra unter Peter Whelan diese Lücke und liefert pünktlich zu seinem 30-jährigen Jubiläum die erste authentische irische Deutung auf CD. Ein spätes, aber umso verdientes Heimspiel. „CD/Blu-ray Besprechung: George Frideric Handel, Messiah , HWV56
klassik-begeistert.de, 1. April 2026“
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Anne-Sophie Mutter sprengt die Grenzen der Tradition

CD/Blu-ray Besprechung:

East Meets West
Aftab Darvishi – Unsuk Chin – Jörg Widmann – Thomas Adès

Anne-Sophie Mutter (violin)
Nancy Zhou (violin)
Ye-Eun Choi (violin)
Muriel Razavi (viola)
Pablo Ferrández (cello)
Stephanie Gonley (violin)

London Symphony Orchestra
Thomas Adès, musikalische Leitung

Alpha Classics, Alpha 1244

von Dirk Schauß

Wenn eine Künstlerin nach fünf Jahrzehnten auf den Weltbühnen ihr Jubiläum nicht mit einer sentimentalen Rückschau auf das vertraute Repertoire feiert, sondern eine eigene Editionsreihe für die Gegenwart gründet, dann ist das eine klare Aussage. Mit „ASM Forte Forward“ bei Alpha Classics emanzipiert sich Anne-Sophie Mutter endgültig von den Erwartungen des klassischen Establishments. Das erste Album dieser Reihe trägt den programmatischen Titel „East Meets West“ und ist weit mehr als eine Zusammenstellung zeitgenössischer Werke. Es ist eine Demonstration: Die Violine wird hier zum Medium globaler Diskurse. „CD/Blu-ray Besprechung: East Meets West, Aftab Darvishi, Anne-Sophie Mutter (violin)
klassik-begeistert.de, 30. März 2026“
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Carmen 1875 – wie neu erstrahlt in Versailles

CD/Blu-ray Besprechung:

Wer glaubt, über Bizets Carmen sei bereits alles gesagt, irrt gewaltig. Manchmal braucht es einen mutigen Schritt zurück, um einem Werk seine ursprüngliche Frische und Leuchtkraft zurückzugeben. Genau das ist in der Opéra Royal von Versailles gelungen – und zum Glück auf DVD und CD festgehalten.

Georges Bizet
Carmen

Choeur et Orchestre de l’Opéra Royal
Hervé Niquet, musikalische Leitung

Audio- und DVD-Aufnahme in einer Box
Chateau de Versailles, CVS165

von Dirk Schauß

Diese Produktion versetzt uns zurück ins Jahr 1875, zur Uraufführung in der Pariser Opéra comique. Hervé Niquet leitet das Orchestre de l’Opéra Royal auf historischen Instrumenten. Der Klang gewinnt an Transparenz und Detailreichtum: dunkle Cornets, eine zarte Harfe im Duett mit Micaëla oder scharfe Streicherakzente treten plötzlich klar hervor. Statt der üblichen schweren, rubato-beladenen Deutungen entsteht eine direkte, fast klassizistische Lesart, die der Partitur Luft lässt. Allerdings wirkt das Dirigat mitunter etwas straff und metronomisch, was an manchen Stellen die dramatische Plastizität etwas einschränkt. Dennoch bleibt diese Durchhörbarkeit eine echte Bereicherung. „CD/Blu-ray Besprechung: Georges Bizet, Carmen, Audio- und DVD-Aufnahme
klassik-begeistert.de, 27. März 2026“
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Mit „Sosarme“ wurde eine selten zu hörende Händel-Oper neu eingespielt

Haendel
Sosarme

Orchestre de l’Opéra Royal
Marco Angioloni

CVS 160

von Peter Sommeregger

Die 1732 im King’s Theatre am Londoner Haymarket uraufgeführte Opera seria stammt aus der mittleren Schaffensperiode des Komponisten. Sie war die drittletzte, die für das Theater am Haymarket geschrieben wurde, danach wurden Händels Opern im neuen Opernhaus Covent Garden uraufgeführt. „Haendel, Sosarme, Orchestre de l’Opéra Royal, Marco Angioloni
klassik-begeistert.de, 27. März 2026“
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Paavo Järvi navigiert stilsicher durch Mahlers Siebte

CD/Blu-ray Besprechung:

Mahlers siebte Sinfonie gilt unter Dirigenten als einer der anspruchsvollsten Gipfel im sinfonischen Achttausender-Himalaya – ein Werk, das sich weder leicht besteigen noch besonders gemütlich anhören lässt. Zwischen nächtlichem Gruseln, Kuhglocken-Alarm, Mandolinen-Serenade und einem Finale, das in strahlendem C-Dur plötzlich den Optimismus ausrufen will (ob ernst gemeint oder mit Augenzwinkern, darüber streiten die Mahler-Forscher bis heute). Paavo Järvi und das Tonhalle-Orchester Zürich haben sich in ihrer fortlaufenden Mahler-Reihe genau diesem sperrigen Koloss gestellt.

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 7 e-moll

Tonhalle-Orchester Zürich
Paavo Järvi, musikalische Leitung

Alpha Classics, ALPHA1206

von Dirk Schauß

Wer Järvi kennt, erwartet keine verträumte Schwelgerei. Er dirigiert wie ein Architekt mit Pulsmesser: präzise, zielgerichtet, emotional pointiert – ohne je ins Sentimentale abzurutschen. Das Ergebnis ist eine Aufnahme, die Mahler nicht als ewigen Melancholiker, sondern als scharfsinnigen, modernen Denker zeigt, der 1904/05 am Wörthersee eine Klangwelt entworfen hat, in der die Natur nicht nur summt, sondern – um Mahler selbst zu zitieren – tatsächlich brüllt. „CD/Blu-ray Besprechung: Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 7 e-moll, Paavo Järvi, musikalische Leitung
klassik-begeistert.de 24. März 2026“
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Die Stars dieser „Elektra“ sind das Orchester und der Dirigent

CD/Blu-ray:

Richard Strauss
Elektra

Bergen Philharmonic Orchestra and Chorus
Edward Gardner

Chandos CHSA 5375(2)

von Peter Sommeregger

Diese Neueinspielung von Strauss’ Elektra geht auf eine konzertante Aufführung im norwegischen Bergen vom Dezember 2023 zurück. Der aufstrebende Dirigent Edward Gardner beendete in dieser Saison seine langjährige Chefposition mit dem Bergen Philharmonic Orchestra, dem er aber weiterhin als Gastdirigent verbunden ist. „CD/Blu-ray: Strauss, Elektra, Edward Gardner Dirigent
klassik-begeistert.de, 24. März 2026“
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Tarmo Peltokoski durchbricht die Wagner-Tradition

CD/Blu-ray Besprechung:

Für Fachpublikum und Wagner-Freunde ein Muss: interpretatorisch frisch, handwerklich makellos und Zeugnis einer der spannendsten Dirigenten-Orchester-Verbindungen der Gegenwart. Peltokoski beweist, dass Wagner keine Frage des Alters, sondern geistiger Durchdringung ist – und alles deutet darauf hin, dass er diesen radikal-ehrfürchtigen Weg konsequent weitergehen wird.

Richard Wagner
Der Ring des Nibelungen

An Orchestral Adventure (Arr. Henk de Vlieger)

Hong Kong Philharmonic
Tarmo Peltokoski, musikalische Leitung

Deutsche Grammophon, digitales Album

von Dirk Schauß

Während manche Dirigentenkarrieren über Jahrzehnte wie eine Belagerung Stein auf Stein schichten, bis ein Monument der Autorität steht, tritt Tarmo Peltokoski mit 25 Jahren anders auf.

Sein Debütalbum für Deutsche Grammophon mit dem Hong Kong Philharmonic Orchestra ist kein vorsichtiges Anklopfen, sondern ein orchestraler Paukenschlag: Eine siebzigminütige Orchestrierung von Wagners „Ring“ – Henk de Vliegers geschickte Komprimierung der Tetralogie zum „Orchestral Adventure“. Wer hier nur ein „Best-of“ für Eilige vermutet, unterschätzt die intellektuelle und dramatische Durchdringung, mit der Peltokoski diesen symphonischen Riesen angeht.

Die Aufnahme packt, schüttelt und entlässt den Hörer erst nach dem letzten Ton der „Opfertat“ in die Realität. „Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen, Tarmo Peltokoski
klassik-begeistert.de, 22. März 2026“
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Mehr Walton wagen!

Kazuki Yamada, William Walton, Symphonies 1, 2; Orb and Sceptre

CD/Blu-ray Besprechung:

Kazuki Yamada legt für sein DG-Debüt eine souverän musizierte Walton-CD mit dem CBSO vor.

Deutsche Grammophon, DG 486 8227

William Walton (1902-1983) – Sinfonien 1 & 2; Orb and Sceptre

City of Birmingham Symphony Orchestra
Kazuki Yamada, Dirigent

von Brian Cooper, Bonn

Haben wir ein Walton-Jahr? Tatsächlich nein, aber es scheint, als würde dieser Tage allenthalben, allmählich, mehr von diesem spannenden englischen Komponisten gespielt.

Klaus Mäkelä bringt in seiner kommenden ersten Europa-Tournee mit dem Chicago Symphony Orchestra im Januar 2027 sogar Belshazzar’s Feast auf die Bühne, mit dem grandiosen Solisten Thomas Hampson, der das Werk bereits 1997 mit Simon Rattle und dem City of Birmingham Symphony Orchestra aufnahm. „CD/Blu-ray Besprechung: William Walton, Sinfonien 1 & 2; Orb and Sceptre, Kazuki Yamada
klassik-begeistert.de, 20. März 2026“
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Elsa Dreisig versucht sich in einem vielschichtigen Repertoire

CD/Blu-ray Besprechung:

Dankbar kann man dieses Album als Bereicherung durch selten Gehörtes begrüßen, Elsa Dreisigs weitere Entwicklung wird man aufmerksam begleiten.

Elsa Dreisig
Invocation

Orchestra & Coro dell’Opera Carlo Felice Genova
Massimo Zanetti

Erato 5026854093710

von Peter Sommeregger

Die Sopranistin Elsa Dreisig begann ihre Karriere mit Partien des lyrischen Sopranfaches, inzwischen ist ihre Stimme gereift, und sie hat auch dramatische Rollen in ihr Repertoire aufgenommen. „CD/Blu-ray Besprechung: Elsa Dreisig, Invocation
klassik-begeistert.de, 20. März 2026“
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Erneut entreißt Palazzetto Bru Zane eine Oper der Vergessenheit

CD/Blu-ray Besprechung:

Clémence de Grandval
Mazeppa

Münchner Rundfunkorchester

Chor des Bayerischen Rundfunks
Mihhail Gerts

Palazzetto Bru Zane 46

von Peter Sommeregger

Die französische Komponistin Clémence de Grandval ist heute fast vollständig vergessen, obwohl sie zu Lebzeiten mit ihren Kompositionen verschiedener Gattungen höchst erfolgreich war.

Geboren 1828 in eine adelige Offiziersfamilie, heiratete sie später auch einen Grafen, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlaubten es ihr, ohne Unterstützung ihre musikalischen Studien und später ihre Arbeit als Komponistin zu realisieren. Unterricht erhielt sie, um einige zu nennen, von Friedrich von Flotow und Camille Saint-Saëns. Neben geistlicher und Kammermusik schrieb sie auch mehrere Opern. „CD: Clémence de Grandval, Mazeppa, Mihhail Gerts Dirigent
klassik-begeistert.de, 17. März 2026“
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