Wenn niemand mehr zuhört – im Escape Room der Figuren

Foto © Tianye Dong

Ein Gespräch mit Prof. Manuela Uhl geführt von Getong Feng
zu Die Walküre im Rahmen von „Bayreuth in Shanghai“ (2026)

Von ihrer Interpretation der Sieglinde am National Centre for the Performing Arts im Jahr 2025 bis zu ihrem erneuten Verkörperung in Katharina Wagners Inszenierung von Die Walküre bei „Bayreuth in Shanghai“ im April 2026 setzt Prof. Manuela Uhl ihre intensive Auseinandersetzung mit dieser Figur fort. Dabei eröffnet sie zugleich neue Perspektiven auf die vielschichtigen Frauenfiguren in Wagners Ring-Zyklus und auf deren Bedeutung im Kontext des zeitgenössischen Regietheaters. „Interview: kb im Gespräch mit Prof. Manuela Uhl, Sopranistin
klassik-begeistert.de, 29. Mai“
weiterlesen

Ein Hotel präsentiert sich als Weltbühne

Mélissa Petit (Contessa di Folleville), Ensemble, Tänzer·innen © SF/Monika Rittershaus

Il viaggio a Reims bei den Salzburger Pfingstfestspielen 2026

Mit Il viaggio a Reims eröffnet Barrie Kosky im Haus für Mozart bei den Salzburger Pfingstfestspielen 2026 einen Opernabend, der die selbstreflexive Anlage von Rossinis Werk konsequent freilegt. Bereits Rossinis Oper selbst erscheint als ein Spiel über die Oper, über theatrale Rollenbilder und über die Künstlichkeit musikalischer Darstellung. Die ursprüngliche Handlung, in der eine Gruppe adeliger Gäste aus verschiedenen europäischen Nationen zur Krönung des französischen Königs Karl X. nach Reims reist, wird in Koskys Inszenierung in eine Geburtstagsgala der fiktiven Gesangsdiva La Ceci verwandelt. Dadurch tritt der historische Bezug stärker in den Hintergrund, während die Oper noch deutlicher als bewusst künstlich konstruierte Theaterwelt erscheint, in der Gesellschaftsbild, Musiktheater und Selbstreflexion ineinandergreifen.

Gioachino Rossini (1792 – 1868)
IL VIAGGIO A REIMS ossia L’ALBERGO DEL GIGLIO D’ORO

Dramma giocoso in einem Akt (1825)
Libretto von Luigi Balocchi, teilweise basierend auf dem Roman Corinne, ou l’Italie von Madame de Staël

Musikalische Leitung Gianluca Capuano

Regie  Barrie Kosky
Bühne  Rufus Didwiszus
Kostüme  Victoria Behr
Licht  Franck Evin
Dramaturgie  Christian Arseni

Haus für Mozart, Salzburg, 25. Mai 2026

 von Getong Feng

Am 22. Mai 2026 feierte Il viaggio a Reims in der Regie von Barrie Kosky im Haus für Mozart bei den Salzburger Pfingstfestspiele eine erfolgreiche Premiere. „Gioachino Rossini, Il viaggio a Reims, Regie Barrie Kosky
Haus für Mozart, Salzburg 25. Mai 2026“
weiterlesen

DIE FREITAG-PRESSE – 29. MAI 2026

Ensemble © SF/Monika Rittershaus

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE FREITAG-PRESSE – 29. MAI 2026

Salzburg/Pfingstfestspiele
Salzburgs „Il viaggio a Reims“ amüsiert mich köstlich
Die Party endet in Salzburg nicht auf der Bühne. Sie erfasst das gesamte Haus. Alle Stimmen sind mit einer Lockerheit und Elastizität ausgestattet, die die extremen musikalischen Wendungen Rossinis Komposition mühelos bewältigen. Der Spielwitz ist groß. Die Sängerinnen und Sänger lassen es aussehen und -hören als wäre es ganz leicht.
Von Frank Heublein
Klassik-begeistert.de

„DIE FREITAG-PRESSE – 29. MAI 2026“ weiterlesen

Wagners Götterdämmerung „in historisch informierter  Aufführungspraxis“ hinterlässt in der Elphi einen zwiespältigen Eindruck

Das Dresdner Festspielorchester mit Olivia Vermeulen (Waltraute), Sophia Brommer (Gutrune), Patrick Zielke (Hagen), Young Woo Kim (Siegfried), Åsa Jäger (Brünnhilde), Marie-Luise Dressen (zweite Norn), Valentina Farcas (dritte Norn), Jasmin Etminan (erste Norn), Kent Nagano (musikalische Leitung) (Foto: RW)

Dem wohl intendierten Stil des schönen Singens kamen vor allem die Rheintöchter Ania Vegri, Ida Aldrian und Eva Vogel sowie der Bariton Johannes Kammler als Gunther nach. Young Woo Kim (Siegfried) und Åsa Jäger (Brünnhilde) verließen sich dagegen zu sehr auf ihre außerordentliche Schallkraft.

 Richard Wagner    Götterdämmerung „The Wagner Cycles“

Ein Projekt der Dresdner Musikfestspiele zur historisch informierten Aufführungspraxis

Dresdner Festspielorchester, Concerto Köln, Leitung Kent Nagano

Dresdner Festspielchor der Richard-Wagner-Akademie und Chor der Klangverwaltung

Internationales Musikfest Hamburg

Elbphilharmonie, 26. Mai 2026

von Dr. Ralf Wegner

Lang, lang ist es her: Die letzte Götterdämmerung wurde 2018 an der Hamburgischen Staatsoper gespielt, unter Kent Nagano mit einem herausragenden Andreas Schager als Siegfried. Seitdem besteht Ringabstinenz in Hamburg. Jetzt stand dieses riesige Werk in annähernd halbkonzertanter Fassung erneut auf dem Programm, wieder unter Kent Nagano, aber nicht in der Oper, sondern in der Elbphilharmonie. Das besondere sollte eine „historisch informierte Aufführungspraxis“ sein, also eine Aufführung, welche instrumentale und gesangliche Aspekte der Wagnerzeit in den Vordergrund stellt. „ Richard Wagner, Götterdämmerung, „The Wagner Cycles“
Elbphilharmonie, 26. Mai 2026“
weiterlesen

Der RING und die „Götterdämmerung“: Warum man sich dieses 15-stündige, größenwahnsinnige Opernprojekt antut – trotz strahlendem Sonnenschein

Dieser von Dirigent und Orchester so wunderbar gespielter Schluss erinnert wieder einmal daran, warum man sich dieses 14-stündige, größenwahnsinnige Opernprojekt antut – und es bei jeder Aufführung mehr verehrt.

Deutsche Oper Berlin, 25.  Mai 2026
Fotos © Bernd Uhlig

Mit einer wirkungsvoll düster aufgeladenen „Götterdämmerung“ endet der „Ring des Nibelungen“ an der Deutschen Oper Berlin. Während Stefan Herheims Inszenierung erneut zwischen starken Bildern und rätselhaften Ideen schwankt, tragen Sänger und Orchester den Abend zu einem überwältigenden musikalischen Finale.

Richard Wagner, Götterdämmerung  (1876)

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Deutsche Oper Berlin
Inszenierung: Stefan Herheim

von Arthur Bertelsmann

Mit gemischten Gefühlen geht man zum großen Ring-Finale Richtung Deutsche Oper: Beseelt aufgrund der Weltklasse-Sänger und des experimentierfreudigen Dirigats, genervt wegen der miserablen Organisation – und angesichts der Tatsache, einen der ersten wunderschönen Sommertage überwiegend im dunklen Opernsaal zu verbringen. „Richard Wagner, Götterdämmerung
Deutsche Oper Berlin, 25.  Mai 2026“
weiterlesen

Festival junger Künstler Bayreuth: „Wir sind jetzt und hier da“

Prof. Fredrik Schwenk © Festival junger Künstler Bayreuth

Das Festival junger Künstler Bayreuth – die „Tochter“ der Richard-Wagner-Festspiele – steht im Jubiläumsjahr im Einklang mit dem Festspielhaus. 

Studierende der Musikstudiengänge aus verschiedenen Kulturkreisen treffen sich dieses Jahr in Bayreuth unter dem Motto RE:SONANZ, was „Zuhören, Antworten und Mitschwingen“ bedeutet. Dadurch sollen nicht nur künstlerische Inspirationen, sondern auch Vertrauen, Dialog und Friedensperspektiven entstehen. Das Programm umfasst vier große Projekte, darunter zwei in Zusammenarbeit mit den Bayreuther Festspielen. Über die Details spricht der künstlerische Leiter des Festivals, Prof. Fredrik Schwenk.

von Jolanta Łada-Zielke

klassik-begeistert: Das Wortspiel RE:SONANZ und die Begriffe „Mithören“ und „Mitschwingen“ kann man auf unterschiedliche Weise verstehen. Was ist die Hauptbedeutung dahinter? „Interview: RE:SONANZ Prof. Fredrik Schwenk, Bayreuth
Bayreuth, 27. Mai 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 93: Liebes Mitglied des […] Orchesters!

Foto: de.wikipedia.org Richard Strauss (1864–1949), German composer, silhouette by Hans Schließmann

von Jörn Schmidt

Sie lesen meine Kolumne. Das freut und ehrt mich und zeigt zugleich, dass Sie Selbstreflexion betreiben. Uns verbindet die Liebe zur Musik, doch neulich ist Ihnen die Hutschnur geplatzt. Nach der Lektüre einer Folge meiner Kolumne haben Sie meinem Herausgeber per E-Mail mitgeteilt, dass Ihnen der Tonfall meiner Glosse übelst aufgestoßen sei. Weil Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert, es mit dem Quellenschutz ernst nimmt und mir aus diesem Grund Ihren Namen nicht offenlegt, schreibe ich Ihnen auf diesem Wege.

 Was war passiert? Ich habe mich in beanstandeter Folge an dem Dirigat von Maestro [….] abgearbeitet. Für mich fehlten seiner Anleitung Ihres Orchesters Struktur und Groove. Nach meiner Wahrnehmung wurde das, was an Akzenten fehlte, dem unbedingten Schönklang geopfert. „Auf den Punkt 93: Liebes Mitglied des […] Orchesters!
klassik-begeistert.de, 28. Mai 2026“
weiterlesen

„Die Walküre“ in Wien: Bei Pablo Heras-Casado weht ein anderer Wind

Pablo Heras-Casado © Javier Salas

Pablo Heras-Casado kann man eines nicht absprechen: eine deutliche Handschrift. Nachdem er „Das Rheingold“ an der Wiener Staatsoper komplett gegen den Strich gebürstet hatte, nähert sich der Spanier bei der „Walküre“ schon eher der „Normalität“ an. Normal ist bei Wagners Meisterwerk ein gewagtes Wort, aber bislang haben die letzten Ring-Dirigenten keine außergewöhnlichen Dinge aus der Partitur gelesen. Bei Heras-Casado ist das anders.

Richard Wagner, Die Walküre
Erster Tag des Bühnenfestspiels »Der Ring des Nibelungen«

Wiener Staatsoper,
25. Mai 2026

von Jürgen Pathy

Das Vorspiel der „Walküre“ nimmt Pablo Heras-Casado zügig, flott, rasant. Überraschend „normal“, nachdem er das „Rheingold“-Vorspiel in einem enorm langsamen Guss hat formen wollen. Doch danach drückt er der Partitur seinen eigenen Stempel auf. Es sind gar nicht so sehr die Tempi, die er definitiv langsamer wählt als andere. Es ist der Zugang, die Atmosphäre, in der man sich wiederfindet. Es wirkt, als wolle er Wagner spielen lassen wie Barock.

„Richard Wagner, Die Walküre, Pablo Heras-Casado
Wiener Staatsoper, 25. Mai 2026“
weiterlesen

Salzburgs „Il viaggio a Reims“ amüsiert mich köstlich

Ensemble © SF/Monika Rittershaus

Die Party endet in Salzburg nicht auf der Bühne. Sie erfasst das gesamte Haus. Alle Stimmen sind mit einer Lockerheit und Elastizität ausgestattet, die die extremen musikalischen Wendungen Rossinis Komposition mühelos bewältigen. Der Spielwitz ist groß. Die Sängerinnen und Sänger lassen es aussehen und -hören als wäre es ganz leicht.

Il viaggio a Reims (1825)
Dramma giocoso in einem Akt
Komponist Gioachino Rossini

Libretto von Luigi Balocchi, teilweise basierend auf dem Roman Corinne, ou L’Italie von Madame de Staël

Musikalische Leitung Gianluca Capuano
Regie Barrie Kosky
Bühne Rufus Didwiszus
Kostüme Victoria Behr

Corinna   Cecilia Bartoli
Marchesa Melibea   Marina Viotti
Contessa di Folleville   Mélissa Petit
Madama Cortese   Tara Erraught
Cavalier Belfiore   Edgardo Rocha
Conte di Libenskof   Dmitry Korchak
Lord Sidney   Ildebrando D’Arcangelo
Don Profondo   Florian Sempey
Barone di Trombonok   Misha Kiria
Don Alvaro   Peter Kellner

Chœur de l’Opéra de Monte-Carlo
Les Musiciens du Prince – Monaco

Haus für Mozart, Salzburg, 25. Mai 2026

von Frank Heublein

An diesem Abend wird bei den Pfingstfestspielen in Salzburg im Haus für Mozart Gioachinos Rossinis „Il viaggio a Reims“ zum zweiten Mal aufgeführt.

„Gioachino Rossini, Il viaggio a Reims (1825)
Haus für Mozart, Salzburg, 25. Mai 2026“
weiterlesen

Gigantische Stimmen retten einen schier unendlichen „Siegfried“

DOB Siegfried  © Bernd Uhlig

Überlange Unterbrechungen, eine überladene Inszenierung und ein zäher Meta-Wagner drohen diesen Siegfried zur Geduldsprobe zu machen. Donald Runnicles, ein herausragendes Sängerensemble und vor allem Ya-Chung Huang als unwahrscheinlich intensiver Mime verwandeln den Abend schließlich doch in ein nur selten erlebbares Kunstereignis.

Richard Wagner
Siegfried (1876)

Musikalische Leitung: Donald Runnicles

Inszenierung: Stefan Herheim

Deutsche Oper Berlin, 23. Mai 2026

von Arthur Bertelsmann

Mit der guten Auslastung der Walküre kann der Siegfried nicht mithalten – DFB-Pokal-Entschiedspiel und Karneval der Kulturen sei Dank. Dass der dritte Teil des Festspiel zudem als der musikalisch uneingängigste gilt, tut sein Übriges, und so bleiben gute Hundert Plätze verwaist. „Richard Wagner, Siegfried (1876), Donald Runnicles
Deutsche Oper Berlin, 23. Mai 2026“
weiterlesen