Lalandes Tafelmusik schenkt ein bisschen Wein aus dem Lautsprecher

Stellen Sie sich vor: Versailles ist weit, der König speist noch nicht, und in Lalandes Haus wird geprobt. Der Koch Massialot kommt nicht nur mit Speisen und Getränken, sondern liest auch Briefe und Zeitungen vor, die die Postkutsche gebracht hat. Genau dieses Bild hat sich Hervé Niquet für sein neues Album ausgedacht – und es funktioniert wunderbar. Man sitzt quasi mit am Tisch, die Musik spielt direkt vor einem, und zwischendurch darf auch einmal herzlich gelacht werden.

LALANDE
Suites pour les Soupers du Roy

Hervé Niquet & Le Concert Spirituel 

Alpha Classics, ALPHA1272

von Dirk Schauß 

„Lalande, Suites pour les Soupers du Roy, Hervé Niquet & Le Concert Spirituel 
klassik-begeistert.de, 8. Oktober 2026“
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Geneva Lewis zaubert feine Kontraste mit Barber · Zorn · Glass

CD-Besprechung:

Barber – Zorn – Glass

Geneva Lewis, Violine
BBC Scottish Symphony Orchesta
Gemma New, musikalische Leitung

Delos, DE3638

von Dirk Schauß

Frauen-Power in Reinkultur – und zwar mit offener Flamme. Geneva Lewis, von 2022 bis 2024 BBC New Generation Artist, Avery-Fisher- und Borletti-Buitoni-Preisträgerin, legt mit diesem Debütalbum ein hochkarätiges, rein amerikanisches Programm vor. Drei Werke, die sie „so tief liebt“, wie sie selbst schreibt: Barbers Violinkonzert als alten, teuren Freund, in dem man fliegen kann; Zorns Partita for the Firebird, in der „jede Note brennt und dein ganzes Selbst fordert“; und Glass’ erstes Violinkonzert, das ihr monatelang im Kopf herumgeisterte. Das Ergebnis fühlt sich lebendig an – genau so, wie sie es wollte.

„Barber – Zorn – Glass, Geneva Lewis, Violine
klassik-begeistert.de, 8. Oktober 2026“
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War Emma Bovarys Leben tatsächlich so trist grau, wie es Christian Spuck beim Berliner Staatsballett zeigt?

Einzelvorhang für Polina Semionova als Emma Bovary (Foto: RW)

Polina Semionova ist eine großartige Tänzerin. Wie sie aus der Körpermitte heraus Körperspannung erzeugt, diese bei den Hebungen wie eingefroren hält, und danach mit fließenden, eleganten Bewegungen weiter tanzt, ist beeindruckend. Vom Typus her ist sie aber keine Emma Bovary.

Bovary, Tanzstück von Christian Spuck nach dem Roman von Gustave Flaubert

Musik u.a. von Camille Saint Saëns, Thierry Pécou, György Ligeti

Choreographie und Inszenierung: Christian Spuck
Bühne: Rufus Didwiszus, Kostüme: Emma Ryott

Orchester der Deutschen Oper Berlin, musikalische Leitung: Robert Reimer

Klavier: Alina Pronina, Stimme: Marina Frenk

Staatsballett Berlin, Deutsche Oper, 6. Oktober 2026

von Dr. Ralf Wegner

„Bovary, Tanzstück, Choreographie Christian Spuck, Staatsballett Berlin
Deutsche Oper, 6. Oktober 2026“
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DIE DONNERSTAG-PRESSE – 8. OKTOBER 2026

Hamburgische Staatsoper, Aussenansicht Seite Nacht © Niklas Marc Heinecke

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE DONNERSTAG-PRESSE – 8. OKTOBER 2026

Wien
Kunst- und Kulturbericht 2025: Ausgaben sanken um 1,47 Prozent
Die Budgetausgaben im Kulturbereich sanken von 632,49 auf 623,19 Millionen Euro. Kulturminister Babler spricht von „schwierigen Rahmenbedingungen“. „Gerade in Zeiten knapper Mittel zeigt sich, wie unverzichtbar öffentliche Kulturausgaben sind: Sie bilden eine Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt, künstlerische Innovation und internationale Sichtbarkeit, und sie entfalten auch eine messbare wirtschaftliche Wirkung. Kunst und Kultur setzen Impulse für Tourismus und Stadtentwicklung, schaffen Arbeitsplätze und tragen zur Wertschöpfung bei“, so Babler, der als neu entstandene Initiativen exemplarisch das Gold & Pech Theater in der Steiermark und das Tanzfestival Zugzwang in Kärnten anführt. „All das unterstreicht die Bedeutung stabiler Rahmenbedingungen und verlässlicher Förderung, gerade auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.“
DerStandard.at

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Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker: Dieser Bruckner macht süchtig

Archiv: Wiener Philharmoniker Riccardo Muti © Marco Borrelli

Die Wiener Musikwelt befindet sich im Bruckner-Muti-Fieber. Und das erscheint allzu verständlich, lässt sich doch ein vergleichbar klanglicher Reichtum in diesem Monumentalwerk des österreichischen Spätromantikers höchst selten vernehmen. Zudem wird hier nahezu priesterlich die Musik mit der großen Gesanglichkeit unter weiten Atembögen zelebriert, auf die sich Wiener Philharmoniker in so unnachahmlicher Weise verstehen. 

Musikverein Wien, 5. Oktober 2026

Anton Bruckner: Symphonie Nr. 8 in c-moll

Dirigent: Riccardo Muti
Wiener Philharmoniker

von Kirsten Liese

Die unzähligen Details, die diesen phänomenalen Abend auszeichnen, der in die Orchestergeschichte eingeht, lassen sich kaum in Worte fassen. Selbst der beste Kritiker kapituliert dabei ehrfurchtsvoll vor seinen sprachlichen Möglichkeiten.

„Riccardo Muti, Wiener Philharmoniker, Anton Bruckner, Symphonie Nr. 8 in c-moll
Musikverein Wien, 5. Oktober 2026“
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Zwischen den Sätzen 6: Karasek schickt Tannhäuser mal wieder ins Bordell

Daniel Karasek (c) Theater Kiel

Kiel ist eine Hafenstadt, dort gibt’s sicher auch ein Bordell. Bevor Sie fragen, ob das Daniel Karasek, den großartigen Generalintendanten des Theaters Kiel, für die Neuproduktion des lang ersehnten Kieler Tannhäuser inspiriert hat oder gar Recherche vor Ort von Nöten war: Das weiß ich nicht und tut auch nichts zur Sache. Hier geht es nur darum, wo Karasek den ersten Aufzug angesiedelt hat: Im Milieu eines zeitgenössischen Bordells.

Richard Wagner   Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg

(Pariser Fassung)

Philharmonisches Orchester Kiel
Opernchor des Theaters Kiel

Felix Pätzold   Dirigent

Daniel Karasek   Regie

Opernhaus des Theaters Kiel  4. Oktober 2026

von Jörn Schmidt „Zwischen den Sätzen 6: Karasek schickt Tannhäuser mal wieder ins Bordell
Theater Kiel, 4. Oktober 2026“
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Michael Spyres, Jakub Józef Orliński und Louise Alder ernten Jubelstürme

Louise Alder als Semele © Geoffroy Schied


Drei Jahre nach der Festspielpremiere im Prinzregententheater zieht Semele ins angestammte Nationaltheater um. Mit großartigem Erfolg. Sängerisch überzeugend allen voran Louise Alder mit tollem Timbre. Das Orchester hält die Spannung aufrecht, ist dynamisch. Ein bisschen Komik, ein bisschen Rache, ein bisschen Action, natürlich viel Dramatik. Lohnt sich.

Nationaltheater, München, 25. September 2026

Semele
Oper nach Art eines Oratoriums (1743)

Komponist  Georg Friedrich Händel
Libretto nach  William Congreve

Musikalische Leitung  Leonardo García Alarcón

Inszenierung  Claus Guth
Bühne  Michael Levine

Semele  Louise Alder
Jupiter  Michael Spyres
Athamas  Jakub Józef Orliński
Juno  Marina Viotti
Ino  Avery Amereau
Wedding Planer / Iris  Sarah Dufresne
Cadmus/Somnus  Sam Carl

Bayerisches Staatsorchester
Bayerischer Staatsopernchor
Opernballett der Bayerischen Staatsoper

von Frank Heublein

„Georg Friedrich Händel, Semele, Michael Spyres und Jakub Józef Orliński
Nationaltheater, München, 25. September 2026“
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PREMIERE SEMPEROPER: Dresdner Publikum feiert „Un ballo in maschera“ mit frenetischem Beifall

Semperoper Dresden, 4. Oktober 2026

Giuseppe Verdi, Un ballo in maschera

Musikalische Leitung:  Daniele Gatti
Sächsische Staatskapelle Dresden
Inszenierung:  Angela Denoke
Bühne/Kostüme:  Tino Dintler/Okarina Peter

Riccardo   Francesco Meli
Renato       Germán Enrique Alcántara
Amelia       Nicole Car
Ulrica         Yulia Matochkina
Oscar          Rosalia Cid

von Henriette Müller

Womit vermag ein Regisseur heutzutage das Publikum ins Theater zu locken und gleichzeitig zu Beifallsstürmen hinzureißen?

Angela Denoke hat offenbar den Schlüssel dazu gefunden!

Selbst als Opernsängerin tätig, kann sie natürlich aus ihrer eigenen reichen Erfahrung schöpfen.

„Giuseppe Verdi, Un ballo in maschera
Semperoper Dresden, 4. Oktober 2026“
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John Crankos Ballett Onegin altert nicht

Anastasiia Turianska (Madame Larina, Mutter von Tatjana und Olga), Johannes Goldbach (Fürst Gremin), SeoHyeon Jeong (Tatjana), Richard House (Onegin), Soomin Kim (Olga), Joseph Ducille (Lenski), Andrea Hilger (Amme) (Foto: RW)

Das Bühnenbild schuf Jürgen Rose. Es ist sicher einer der schönsten Ballettdekorationen, die man heute noch sehen kann. Allein das lohnt schon den Weg nach Dresden. Vom Tänzerischen her nahm SeoHyeon Jeong als Tatjana für sich ein. Wie sie sich im ersten großen Pas de deux von ihrem Partner herumwirbeln ließ, war beeindruckend, auch darstellerisch durchlebte sie ihre Partie überzeugend.

Onegin, Ballett von John Cranko in drei Akten nach Alexander Puschkin

Choreographie und Inszenierung:  John Cranko
Bühne und Kostüme:  Jürgen Rose
Ausstattung:  Originalproduktion des Hamburg Ballett

Musik:  Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, eingerichtet und instrumentiert von Kurt-Heinz Stolze

Sächsische Staatskapelle Dresden, Leitung:  Simon Hewett

Semperoper Ballett, 5. Oktober 2026

von Dr. Ralf Wegner „Onegin, Ballett von John Cranko nach Alexander Puschkin
Semperoper Ballett, 5. Oktober 2026“
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Daniels Anti-Klassiker 51: Sind Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ wirklich so genial?

Neale Osborne – Modest Mussorgsky Russian composer 1839-1881 – (MeisterDrucke)

Höchste Zeit sich als Musikliebhaber einmal neu mit der eigenen CD-Sammlung oder der Streaming-Playlist auseinanderzusetzen.

Dabei begegnen einem nicht nur neue oder alte Lieblinge. Einige der so genannten „Klassiker“ kriegt man so oft zu hören, dass sie zu nerven beginnen. Andere haben völlig zu Unrecht den Ruf eines „Meisterwerks“. Es sind natürlich nicht minderwertige Werke, von denen man so übersättigt wird. Diese teilweise sarkastische, teilweise brutal ehrliche Anti-Serie ist jenen Werken gewidmet, die aus Sicht unseres Autors zu viel Beachtung erhalten.

von Daniel Janz

Durch die Promenade schreitet man von einem Gemälde zum anderen, lässt es auf sich wirken und genießt. Was gut in einem Museum stattfinden könnte, lässt sich in der Komposition „Bilder einer Ausstellung“ auch musikalisch nachempfinden. Aber Moment – wer das Werk kennt, weiß, dass davon zwei Versionen bekannt sind und sogar noch mehr existieren. Doch welche ist nun eigentlich die legitime, das „wahre“ Werk? „Daniels Anti-Klassiker 51: Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“
klassik-begeistert.de, 7. Oktober 2026“
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