Brillanz der Empfindungskraft: Martha Argerich glänzt mit den Symphonikern Hamburg

Foto: © Daniel Dittus, Martha Argerich
Laeiszhalle, Hamburg, 23. Juni 2019
Konzert im Rahmen des Martha Argerich Festivals
Martha Argerich, Klavier
Symphoniker Hamburg, Leitung: Sylvain Cambreling

Anton von Webern, Passacaglia für Orchester op. 1
Sergej Prokofiew, Klavierkonzert Nr. 3 C-Dur op. 26
Peter I. Tschaikowsky, Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64

von Elzbieta Rydz

Der Einstieg in den Abend ist kein leichter: die Passacaglia von Anton von Webern. Die Einsätze aus dem Off heraus gemeinsam zu positionieren erfordert höchste Konzentration und Augenkontakt zu anderen Instrumenten-Gruppen. Die volle Aufmerksamkeit der Musiker ist beim Dirigenten, der Klangkörper erwacht zum Leben und wächst zusammen. Genau diese Einheit brauchen die Symphoniker Hamburg für das  folgende Klavierkonzert Nr. 3 von Sergej Prokofjew. „Martha Argerich Festival, Symphoniker Hamburg, Martha Argerich,
Laeiszhalle, Hamburg, 23. Juni 2019“
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Sehr viele freie Plätze bei der Premiere: Zwiespältiger "Hamlet" an der Deutschen Oper Berlin

Foto: Diana Damrau, © Jiyang Chen
Deutsche Oper Berlin
, 24. Juni 2019
Ambroise Thomas,  Hamlet, konzertante Premiere

von Peter Sommeregger

Ambroise Thomas‘ große Shakespeare-Oper „Hamlet“ konnte auf deutschen Bühnen nie so recht heimisch werden, was erstaunt, ist es doch ein ausgesprochen wirkungsvolles Werk, das außerdem noch über dankbare Aufgaben für Sänger verfügt.

Es ist ein Verdienst der Deutschen Oper Berlin, wenn schon keine szenische Realisierung, so doch wenigstens drei konzertante Aufführungen anzubieten. Enttäuschend, dass schon am Premierenabend viele, sehr viele Plätze frei blieben. Dabei hatte man an der Bismarckstraße doch eine sehr respektable Sängerbesetzung aufgeboten. Allen voran den Bassbariton Florian Sempey, der mit seinem schönen, runden Bassbariton aus dem Vollen schöpfen kann. Schade nur, dass er mehr das Raubein in der Person Hamlets hervorkehrt – die grüblerische, gebrochene Natur des unglücklichen Dänenprinzen bleibt er uns weitgehend schuldig. Ein wenig mehr geschmeidige Eleganz hätte dieser Interpretation gut getan. „Ambroise Thomas,  Hamlet, konzertante Premiere,
Deutsche Oper Berlin, 24. Juni 2019“
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"Otello" in Wien: ein nicht unerwarteter Totalausfall und recht gute Schadensbegrenzung

Foto: Aleksandrs Antonenko als Otello © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn
Wiener Staatsoper, 24. Juni 2019, zweite Aufführung dieser Neuinszenierung (Premiere am 20. Juni 2019)
Giuseppe Verdi, Otello

Von Manfred A. Schmid (onlinemerker.com)

Dass Aleksandrs Antonenko in einer tiefen Stimmkrise steckt, weiß man nicht erst aus der Wiener Otello-Premiere vor wenige Tagen. Seit Jahresbeginn schon macht er mehr durch Absagen Schlagzeilen als durch höchst unsicher gewordene Auftritte: Im Jänner stieg er nach Verrissen seiner Leistung als Hermann in Tschaikowskys Pique Dame an der Royal Opera Covent Garden aus. Im März musste er an der MET nach einem verhauten ersten Akt in Samson et Delilah durch Gregory Kunde ersetzt werden. Im Monat darauf folgte die nächste Niederlage, als er in der Titelpartie des Pariser Otello nach nur einer mäßigen Vorstellung das Handtuch warf.

Angesichts dieser eindeutig negativen Bilanz kann man sich nur wundern, wenn nun in Wien bei der zweiten Otello-Aufführung in der Pause – nach zwei von ihm in elendiger stimmlicher Verfassung gesungenen Akten – tolldreist von einer plötzlichen Indisposition infolge einer Verkühlung gefaselt wird. So wird Antonenko also zunächst als Retter des Abends präsentiert und beim Schlussbeifall dann tatsächlich noch als ein solcher gefeiert! Geht´s noch? „Giuseppe Verdi, Otello,
Wiener Staatsoper, 24. Juni 2019“
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Die DIENSTAG-PRESSE – 25. JUNI 2019

Foto: Deutsche Oper Berlin, © Leo Seidel
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Die DIENSTAG-PRESSE – 25. JUNI 2019

Komponist Iván Eröd (83) verstorben
Der österreichische Komponist mit ungarischen Wurzeln schuf Orchesterwerke und Opern und war ein prägender Lehrer
https://kurier.at/kultur/komponist-ivan-eroed-83-verstorben/400532572

Berlin
Deutsche Oper Berlin: ein konzertanter Hamlet mit Damrau, Sempey, Testé, Hubaux
Feiner Abschluss einer gelungenen Saison: Mit einem ansprechend besetzten Hamlet lockt die Deutsche Oper Fans der französischen Singkunst ins Haus. Eine souveräne Diana Damrau (nur mit den Spitzentönen meint sie es manchmal zu gut) als Ophélia, der kraftvoll lyrische Florian Sempey in der Titelrolle, eine hinreißende quicklebendige Ève-Maud Hubeaux und ein Nicolas Testé mit feinkörniger Schwärze treffen ins Herz von Ambroise Thomas‘ Meisterwerk. Yves Abel zeigt am Pult viel Verständnis für den feinfühligen Charme der Partitur. Viel Applaus.
Konzert- Opernkritik Berlin

Rheingau Musikfestival/ Kloster Eberbach
Gänsehaut schon zu Beginn
Trauer, Demut, Hoffnungsschimmer. Im Sakralwerk „Stabat mater“ hat Antonín Dvorák den Tod der eigenen Kinder verarbeitet. Das Rheingau Musik-Festival eröffnet damit den Konzertreigen in Kloster Eberbach.
Giessener Allgemeine

Zürich
Gewusel in Babylon – Verdis «Nabucco» am Opernhaus Zürich
Zum Ausklang der Saison inszeniert Andreas Homoki Giuseppe Verdis berühmte Freiheitsoper. Ihre packende Dynamik gewinnt die Produktion allerdings vor allem durch den Mann am Pult.
Neue Zürcher Zeitung

Wien/Musikverein
Bruckner Orchester und Markus Poschner im Musikverein
Man meint zu hören, dass Bruckner an der Donau gewirkt hat, die zahlreichen Stimmenströmungen vermengen sich behände –
https://derstandard.at/2000105356462/Bruckner-Orchester „Die DIENSTAG-PRESSE – 25. JUNI 2019“ weiterlesen

Grandiose Virtuosität eröffnet das Martha Argerich Festival in Hamburg

Foto: © Adriano Heitman
Martha Argerich Festival, Eröffnungskonzert
„Mitreißende Entdeckungsreise“
Veranstalter: Symphoniker Hamburg, Intendant: Daniel Kühnel
Laeiszhalle, Hamburg, 20. Juni 2019

von Dr. Holger Voigt

Am Anfang war da eine Idee. Flüchtig zwar, aber immer wiederkehrend. Dann wurde die Idee kommuniziert, und alle Angesprochenen zeigten sich begeistert. Dann wurden Bedenken aus dem Weg geräumt und dem Ganzen eine Organisationsstruktur gegeben. Und schließlich sprangen engagierte Sponsoren zur Seite, um an der Realisation teilzuhaben: Eine neue „Hamburgensie“ war geboren – Das Martha Argerich Festival! „Martha Argerich Festival, Eröffnungskonzert,
Laeiszhalle, Hamburg, 20. Juni 2019“
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Die MONTAG-PRESSE – 24. JUNI 2019

Foto: Bryn Terfel © Adam Barker / DG
Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die MONTAG-PRESSE – 24. JUNI 2019

Innsbruck
Österreichischer Musiktheaterpreis verliehen
Im Tiroler Landestheater ist gestern Abend der österreichische Musiktheaterpreis zum siebenten Mal verliehen worden. Je drei Auszeichnungen gingen an das Tiroler Landestheater und die Oper Graz. Zur besten Sängerin wurde Asmik Grigorian für ihre Salome bei den Salzburger Festspielen gekürt, bester Sänger wurde Pavel Petrov für seinen Lenski in „Eugen Onegin“ an der Oper Graz.
https://orf.at/stories/3127821/

London
Bryn Terfel – eine Naturgewalt als Boris Godunov im Royal Opera House in London
Der grossartige walisische Bassbariton Bryn Terfel schien als Zar Boris Godunov mit seiner Donnerstimme alles von der Bühne zu fegen. Obwohl – nach zahlreichen glanzvollen Auftritten in einem weiten Opernspektrum von Mozart über Wagner bis Richard Strauss – stimmlich vermehrt zu einer gewissen Härte und Trockenheit neigend ist Bryn Terfels Stimme in dieser Produktion von überragender Dominanz und unerreichter Stärke. Aber es ist nicht nur die imposante Stimme – Terfel erklimmt in der Darstellung des von Visionen und schrecklichen Schuldgefühlen heimgesuchten Machtmenschen Godunov auch schauspielerisch schwindelnde Höhen. Mit seinem irren Blick und der wehenden, wirren grauen Mähne zieht er das gleichermassen fachkundige und verwöhnte Publikum des Königlichen Opernhauses in seinen Bann – von Anfang bis Ende dieser vom ersten bis zum letzten Moment das Publikum atemlos in ihrem Bann haltenden Inszenierung von Musorgskys Oper.
Dr. Charles E. Ritterband berichtet aus dem Royal Opera House in London.
Klassik-begeistert

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Zum Träumen schön: eine Nacht mit Fryderyk Chopin im Museum

Foto: Der Spiegelsaal aus dem ehemaligen Palais Budge in Harvestehude wurde 1987 im Nordhof des MKG (c) wiederaufgebaut.

2. Chopin-Festival Hamburg
Museum für Kunst und Gewerbe (MKG Hamburg),
21. Juni 2019
Konzert mit Janusz Olejniczak 

von Elzbieta Rydz

Das 2. Chopin-Festival Hamburg 2019, organisiert von der Chopin-Gesellschaft Hamburg & Sachsenwald e.V., spannt einen Bogen zwischen Chopins Lebens- und Wirkenszeit sowie der Moderne. Die Instrumente werden in einen aktiven Wettbewerb „geschickt“ und immer wieder wird die im Raum mitschwingende Frage gestellt: mit welchem Instrument können die feinsten emotionalen und psychischen Zustände, das Doppelte des Ausdrucks, das Gefühl ausgedrückt werden?

Im Ausstellungssaal des Museums für Kunst und Gewerbe im Herzen Hamburgs beginnt der erste Teil des Konzertes. Der Zuhörer wird auf die Reise ins Klanglabor der Vergangenheit mitgenommen. Janusz Olejniczak zaubert abwechselnd mit seinen Händen auf dem historischen Pariser Pleyer Flügel (Baujahr 1847, dem Lieblingsinstrument Chopins) und dem Broadwood (London 1841) sechs Mazurken, zwei Nocturnes, eine Polonaise. „2. Chopin-Festival Hamburg, Konzert mit Janusz Olejniczak,
Museum für Kunst und Gewerbe (MKG Hamburg), 21. Juni 2019“
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Russisches vom Feinsten: Trifonov und Nelsons brillieren in der Philharmonie Berlin

Foto: Andris Nelsons, © Marco Borggreve
Philharmonie Berlin, 22. Juni 2019

Daniil Trifonov Klavier
Andris Nelsons Dirigent
Alexander Skrjabin Klavierkonzert fis-Moll op.20
Dmitri Schostakowitsch Symphonie Nr.11 g-Moll op.103 „Das Jahr 1905“

von Peter Sommeregger

Der erst 28 Jahre alte Pianist Daniil Trifonov hat spätestens seit dem Gewinn des Rubinstein-Wettbewerbs 2011 in Tel Aviv zur internationalen Spitzenklasse der Pianisten aufgeschlossen. Neben der virtuosen Beherrschung „seines“ Instruments ist es vor allem die ungewöhnliche Mischung aus virilem, kräftigem Anschlag und verträumter Sanftmut, die für den Ausnahmekünstler einnehmen. Trifonov scheint am Flügel streckenweise wie entrückt, man meint ein leises Lächeln in seinen Zügen zu erkennen, dann wieder wirkt es, als würde er weinen. Vielleicht als Selbstschutz gedacht, versteckt er sein Gesicht teilweise hinter langen, in die Stirne fallenden Haaren, auch das ist inzwischen zu einem seiner Markenzeichen geworden. „Daniil Trifonov, Andris Nelsons,
Philharmonie Berlin, 22. Juni 2019“
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Ein fulminanter "Nabucco" bewegt vor den Mauern Jerusalems

Foto: Eithan Elkins (c); Der Gefangenenchor
The Israeli Opera Tel-Aviv-Yafo
, 20. Juni 2019
Giuseppe Verdi, Nabucco, The Opera Festival Jerusalem

Von Charles E. Ritterband

Die Israeli Opera Tel-Aviv-Yafo pflegt in den heissen Sommermonaten spektakuläre Orte zu bespielen: Unvergessen sind die grossartigen Opernaufführungen vor der geschichtsträchtigen, markanten Naturkulisse des Masada-Felsmassivs in der Wüste von Judäa am Toten Meer, im römischen Theater von Caesarea oder in den mittelalterlichen Gewölben der Kreuzfahrerstadt Akko.

Auch dieses Jahr hat die 1985 gegründete israelische Oper einen einzigartigen Schauplatz gewählt: Den sogenannten Sultan`s Pool (offiziell: Merrill Hassenfeld Amphitheater) unterhalb der Jerusalemer Stadtmauer. Nur an einem Abend wurde hier jene Oper aufgeführt, welche den Genius Loci und die Geschichte des biblischen Jerusalem am besten verkörpert: Nabucco – die italienische Variante für den babylonischen König Nebukadnezar. Die Zeit der Handlung ist das Jahr 586 vor Christus, die Schauplätze sind Jerusalem und Babylon. Die Tribüne für 6000 Zuschauer und die improvisierte Bühne mit ihrer High-Tech-Einrichtung befindet sich in einem riesigen ehemaligen Wasserreservoir aus der Zeit Herodes des Großen – also der Epoche der römischen Fremdherrschaft über Palästina. Ein historisches Echo also der Unterjochung und Verschleppung des jüdischen Volkes durch die Babylonier – und damit ist der Bogen gespannt zwischen dem Aufführungsort dieses „Nabucco“ und dem geschichtlichen Hintergrund der Handlung. „Giuseppe Verdi, Nabucco, The Opera Festival Jerusalem,
The Israeli Opera Tel-Aviv-Yafo, 20. Juni 2019“
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Bryn Terfel – eine Naturgewalt als Boris Godunov im Royal Opera House in London

Foto: © Adam Barker
The Royal Opera (ROH) Covent Garden, London, 19. Juni 2019,
Modest Petrovich Musorgsky, Boris Godunov (Originalfassung)

von Charles E. Ritterband

Der grossartige walisische Bassbariton Bryn Terfel schien als Zar Boris Godunov mit seiner Donnerstimme alles von der Bühne zu fegen. Obwohl – nach zahlreichen glanzvollen Auftritten in einem weiten Opernspektrum von Mozart über Wagner bis Richard Strauss – stimmlich vermehrt zu einer gewissen Härte und Trockenheit neigend ist Bryn Terfels Stimme in dieser Produktion von überragender Dominanz und unerreichter Stärke. Aber es ist nicht nur die imposante Stimme – Terfel erklimmt in der Darstellung des von Visionen und schrecklichen Schuldgefühlen heimgesuchten Machtmenschen Godunov auch schauspielerisch schwindelnde Höhen. Mit seinem irren Blick und der wehenden, wirren grauen Mähne zieht er das gleichermassen fachkundige und verwöhnte Publikum des Königlichen Opernhauses in seinen Bann – von Anfang bis Ende dieser vom ersten bis zum letzten Moment das Publikum atemlos in ihrem Bann haltenden Inszenierung von Musorgskys Oper. „Modest Petrovich Musorgsky, Boris Godunov,
The Royal Opera (ROH) Covent Garden, London, 19. Juni 2019“
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