Schweitzers Klassikwelt 158: Ein kleiner Kreis beachtenswerter Mezzosoprane und Altistinnen, Teil I

Giulietta Simionato – Foto Fayer, Wien

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Es war vor sechsundsechzig Jahren. Ihre markanten Gesichtszüge sind mir mehr in Erinnerung haften geblieben als ihre Stimme, die mich in der Partie der Eboli begeisterte. Rätselhaft, warum ich ihre Amneris in meiner „Verdi-Periode“ versäumte, noch dazu im Verband mit den Baritongrößen Protti und Bastianini.

Ab 1961 war eine lange Zeit mein Interesse mehr an Wagner und Strauss ausgerichtet. Diese Komponisten fehlten in ihrem Repertoire an der Wiener Staatsoper. Sie wirkte aber in der Altpartie auch in der Produktion von Glucks „Orpheus und Eurydike“ mit, die vom 15. Dezember 1959 bis 2. Jänner 1960 im Ganzen nur drei Vorstellungen erreichte. „Schweitzers Klassikwelt 158: Ein kleiner Kreis beachtenswerter Mezzosoprane und Altistinnen, Teil I“ weiterlesen

Michael Wolffsohn plädiert für eine endgültige „Entnazifizierung“ Karajans

Buchbesprechung:

Ein wenig ermüdend ist die Endlosschleife, in der Wolffsohn immer wieder den Gegensatz zwischen Formal- und Gesinnungsnazi betont. Sein Buch und die ersten Reaktionen darauf sind aber nur der Beweis dafür, dass das Kapitel Karajan und der Nationalsozialismus längst noch nicht geschlossen ist.

Michael Wolffsohn
Genie und Gewissen

Herbert von Karajan zwischen Musik und Nationalsozialismus

Herder

von Peter Sommeregger

 Auch fast vier Jahrzehnte nach dem Tod des gefeierten Dirigenten Herbert von Karajan ist sich die Nachwelt uneins, was dessen Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus betrifft. Ursprünglich war man noch diskret darüber hinweggegangen, aber spätestens seit den 1980er Jahren wurde speziell die – von ihm nie geleugnete –  Mitgliedschaft in der NSDAP kritisch hinterfragt. Das führte auch zur Entfernung einer Büste im Aachener Theater, dessen GMD er einst gewesen war, selbst in seiner Geburtsstadt Salzburg erwog man ernsthaft, den Herbert-von-Karajan-Platz wieder umzubenennen. „Buchbesprechung: Michael Wolffsohn, Genie und Gewissen – Herbert von Karajan
klassik-begeistert.de, 2. März 2026“
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Klein beleuchtet kurz 69: Wann tun Sie endlich etwas dagegen, Herr Lieben-Seutter?

London Philharmonic Orchestra, Karina Canellakis – Foto: Patrik Klein

Wenn die Insassen von acht Reisebussen das London Philharmonic Orchestra zersägen.

London Philharmonic Orchestra

Alexander Malofeev, Klavier
Karina Canellakis,Dirigentin

von Patrik Klein

Nach vier kulturlosen Wochen in den Tropen war man ausgehungert nach Musik, nach klassischer Musik, ja nach berührender Musik.

Und eigentlich darf man sicher sein, dass wenn man ein Ticket für das London Philharmonic Orchestra hat, dass es gut wird – manchmal sogar sehr gut – gelegentlich sogar exzellent.

Gestern Abend war es anders. Es kann jedoch auch sein, dass mir der Hörgenuss durch das ungehörige Publikum dermaßen verhagelt wurde, dass ich die Feinheiten überhörte, nicht wahrnahm, sondern einfach nur genervt war. „London Philharmonic Orchestra, Alexander Malofeev, Klavier
Elbphilharmonie, 25. Februar 2026“
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Riccardo und Chiara Muti durchdringen „Macbeth“ in Turin als packenden Psychothriller

Macbeth Klavierhauptprobe © Daniele Ratti

Ich kann es immer wieder nur sagen: Wer Verdi liebt, sollte Riccardo Muti hören. So akribisch wie er feilt kein Zweiter an Text, dynamischen und klanglichen Feinheiten. Sein jüngster „Macbeth“ in Turin gibt davon eindrücklich Zeugnis. Dies auch dank einer stimmigen, intellektuell anspruchsvollen Regie und Sängerdarstellern, die im Laufe des Abends über sich hinauswachsen.

Giuseppe Verdi     Macbeth

Musikalische Leitung    Riccardo Muti

Regie    Chiara Muti
Bühnenbild     Alessandro Camera
Kostüme    Ursula Patzak
Choreografie    Simone Valastro
Choreinstudierung    Piero Monti

Chor und Orchester des Teatro Regio Torino

Teatro Regio Torino, 26. Februar 2026

von Kirsten Liese

Francesco Maria Piave schrieb das Libretto zu Verdis „Macbeth“, aber kluge Regisseure beschäftigen sich auch mit der literarischen Vorlage von Shakespeare. Zumal in einer Zusammenarbeit mit Riccardo Muti, der in seinen Einstudierungen stets dem Dichter große Bedeutung gibt.

Bei Peter Stein, mit dem Muti das Musikdrama 2011 in der Salzburger Felsenreitschule einstudierte, war das ebenso eindrücklich zu erleben wie nun in der Inszenierung seiner Tochter Chiara Muti in ihrer dritten Zusammenarbeit nach „Così fan tutte“ (2018 zunächst in Neapel, 2021 dann in Turin) und „Don Giovanni“ (2022). „Giuseppe Verdi, Macbeth, Musikalische Leitung Riccardo Muti
Teatro Regio Torino, 26. Februar 2026“
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Thielemanns Dresdner „Tristan“: Es reicht nur zu gebremster Liebesglut

CD/Blu-ray Besprechung:

Richard Wagner
Tristan und Isolde

Klaus Florian Vogt  Tristan
Camilla Nylund  Isolde
Georg Zeppenfeld  König Marke
Martin Gantner  Kurwenal
Tanja Ariane Baumgartner  Brangäne

Sächsische Staatskapelle Dresden
Christian Thielemann  Dirigent

C Major Blu-ray 770804

 von Peter Sommeregger

 Am Ende seiner langjährigen Tätigkeit in Dresden wollte Christian Thielemann 2024 noch einen letzten Höhepunkt setzen, nämlich eine Serie von Aufführungen von Wagners „Tristan und Isolde“. Mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden im Graben der Semperoper, von Richard Wagner selbst einst als „Wunderharfe“ gepriesen, war schon eine optimale Voraussetzung geschaffen. „CD/Blu-ray Besprechung: Richard Wagner, Tristan und Isolde
klassik-begeistert.de, 2. März 2026“
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Doulce Mémoire besingt ein ewiges Vermächtnis

CD/Blu-ray-Besprechung:

Lasso   Agostini
Lagrime di San Pietro

Doulce Mémoire

Denis Raisin Dadre, musikalische Leitung

Alpha Classics, Alpha1209

von Dirk Schauß

Manche Alben scheinen nicht einfach nur veröffentlicht zu werden; sie ereignen sich wie ein Schicksalsschlag. Wenn das französische Ensemble Doulce Mémoire unter der Leitung von Denis Raisin Dadre nun ein Programm vorlegt, das sich den „Tränen“ widmet, dann schwingt von der ersten Sekunde an eine Metaphysik mit, die weit über das bloße Abspielen von Renaissance-Noten hinausgeht. „CD/Blu-ray-Besprechung: Lasso Agostini, Lagrime di San Pietro
klassik-begeistert.de, 2. März 2026“
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DIE MONTAG-PRESSE – 2. MÄRZ 2026

Svatopluk Sem, Vera-Lotte Boecker © Monika Rittershaus

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE MONTAG-PRESSE – 2. MÄRZ 2026

Berlin/Staatsoper
Minimalistisch und poetisch in einem: Berlin krönt seinen Janáček-Zyklus mit „Das schlaue Füchslein“
Die größte Aufmerksamkeit galt der Berliner Staatskapelle, die vor wenigen Tagen als bestes Orchester mit einem Award der Zeitschrift „Oper!“ ausgezeichnet worden war. Ihr schöner, zu der böhmischen Musik passender warmer Klang und die Klasse jeder einzelnen Sektion war nicht zu überhören, farbenreich brachte sie die Partitur zum Leuchten. Seitens der dynamischen Gestaltung blieb allerdings noch Luft nach oben. Ted Huffmans Inszenierung wartet mit fantasiereichen Kostümen und virtuoser Akrobatik auf.
Von Kirsten Liese
Klassik-begeistert.de

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Das Theater an der Wien bringt ein barockes Musical in größter Vollendung

L’Opera Seria © Werner Kmetitsch

1769 wurde Gassmanns Oper in drei Akten im Wiener Burgtheater uraufgeführt. Das Stück ist eine authentische (bis heute offensichtliche) Parodie auf das allgemein übliche „Theaterleben“. Dabei wird kein Klischee ausgelassen. Eine Renommeeleistung vom grandiosen Regieteam und den exzellenten Sängern

Florian Leopold Gassmann                            L’Opera Seria
Commedia per Musica in drei Akten
Libretto von Ranieri de’ Calzabigi

Mit: Pietro Spagnoli, Roberto de Candia, Petr Nekoranec, Josh Lovell, Julie Fuchs, Andrea Carroll, Serena Gamberoni u.a.

Statisterie des MusikTheaters an der Wien
Les Talens Lyriques

Dirigent: Christophe Rousset

Regieteam: Laurent Pelly, Elisabeth de Ereno, u.a.

MusikTheater an der Wien, 28. Februar 2026 PREMIERE

von Herbert Hiess

Florian Leopold Gassmann als Komponist ist selbst bei  eingefleischten Musikfreunden ein unbeschriebenes Blatt; der Mozart-Zeitgenosse zeichnet sich durch eine hochprofessionelle Instrumentierung aus – wenn auch mit wenig bemerkenswerten (musikalischen) Einfällen. Aber immerhin schafft er es, vor allem in Akt zwei und drei, einem interessanten musikalischen Verlauf zu präsentieren. „Florian Leopold Gassmann, L’Opera Seria / grandioses Regieteam
MusikTheater a.d. Wien, 28. Februar 2026 PREMIERE“
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Minimalistisch und poetisch in einem: Berlin krönt seinen Janáček-Zyklus mit „Das schlaue Füchslein“

Magdalena Kožená, Vera-Lotte Boecker © Monika Rittershaus

Die größte Aufmerksamkeit galt der Berliner Staatskapelle, die vor wenigen Tagen als bestes Orchester mit einem Award der Zeitschrift „Oper!“ ausgezeichnet worden war. Ihr schöner, zu der böhmischen Musik passender warmer Klang und die Klasse jeder einzelnen Sektion war nicht zu überhören, farbenreich brachte sie die Partitur zum Leuchten. Seitens der dynamischen Gestaltung blieb allerdings noch Luft nach oben. Ted Hufmans Inszenierung wartet mit fantasiereichen Kostümen und virtuoser Akrobatik auf.

Leoš Janáček  „Das schlaue Füchslein“

Musikalische Leitung: Sir Simon Rattle

Inszenierung: Ted Huffman
Bühne: Nadja Sofie Eller
Kostüme: Astrid Klein

Einstudierung Chor: Dani Juris
Staatsopernchor, Kinderchor der Staatsoper

Staatskapelle Berlin

Staatsoper Unter den Linden, 28. Februar 2026,  Premiere

von Kirsten Liese

„Am Ende der Oper weine ich, weil sie eine tiefe Wahrheit erzählt“, sagt Simon Rattle. Mir geht es ähnlich, aber auch, weil „Das schlaue Füchslein“ den grausamen Umgang der Menschen mit den Tieren berührt. – Zu einer Zeit, in der noch kein Bewusstsein dafür herrschte, wieviel Leid in einem Pelzmantel steckt.

Jedenfalls kommt mir keine zweite Oper in den Kopf, die Mitgefühl mit den Bewohnern des Waldes derart explizit zum Ausdruck bringen würde wie dieses bezaubernde Werk von Leoš Janáček, dessen Aufführungsgeschichte in Berlin bedeutsame Stationen erlebte. „Janáček, Das schlaue Füchslein, Staatskapelle Berlin, Sir Simon Rattle
Staatsoper Unter den Linden, 28. Februar 2026,  Premiere“
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„Die Zauberflöte“, mon amour: Eine Liebeserklärung an Mozarts Geniestreich

Foto: Michael Pöhn / Wiener Staatsoper

Oft belächelt, nie erreicht: Es hat einen Grund, warum die „Zauberflöte“ zur meistgespielten Oper der Welt zählt – und mit zu den besten zählt. Uraufgeführt 1791 und zu Recht auf den Spielplänen weltweit omnipräsent.

von Jürgen Pathy

Zeigt mir eine Oper, die so vieles auf einem Fleck vereint wie die „Zauberflöte“ – gibt es kaum. Mozarts Geniestreich in Kooperation mit Emanuel Schikaneder lässt vieles zu, schon in der Interpretation der Regie. Man kann sie als Märchen auf die Bühne bringen, als Kasperltheater und als Klamauk, was oft so passiert, oder aber als hochintellektuelle Deutung. Stichwort: Aufklärung, Erleuchtung. Das heißt: Sie ist für Fünfjährige genauso reizvoll wie für 80-Jährige.

„Warum Mozarts Zauberflöte so genial ist
klassik-begeistert.de, 1. März 2026“
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