Barrie Kosky beschert der Wiener Staatsoper eine Neuinszenierung von Mozarts Da Ponte-Trilogie

Barrie Kosky © Jürgen Pathy

Blu-ray/CD-Besprechung:

Das vielleicht Wichtigste bei Mozart gelingt: Stimmtypen und -Farben passen gut zusammen und das führt in den Ensembles zu wohlklingender Harmonie. Philippe Jordan kennt seinen Mozart und sorgt für gut koordinierte Abläufe.

Wolfgang Amadeus Mozart
Le nozze di Figaro
Don Giovanni
Così fan tutte

Chor und Orchester der Wiener Staatsoper

Philippe Jordan  Dirigent
Barrie Kosky  Regie

Unitel 769904, 770604,771004

von Peter Sommeregger

Mozarts Figaro ist seit seiner Wiener Uraufführung im Jahr 1786 eine der erfolgreichsten Opern der Geschichte. Die zahllosen Inszenierungen, die das Werk hier erlebt hat, werden nun von einer aktuellen Neuproduktion in der Regie von Barrie Kosky abgelöst.

Kosky greift zu einem geschickten Trick, um Liebhabern traditioneller Regie und solchen, die es etwas moderner mögen, gleichermaßen gerecht zu werden. Die Bühnenbilder zeigen tatsächlich die barocke Welt des Adels, während die Kostüme zeitgenössisch, zum Teil auch mit historischen Anklängen gehalten sind. So führt er moderne Menschen in historischem Ambiente vor und versöhnt damit die Epochen. Lediglich im vierten Akt löst er das Problem der handlungstechnischen Unübersichtlichkeit durch Klappen im Gartenboden, aus dem und in den die Protagonisten auf originelle Weise abtauchen. „Wolfgang Amadeus Mozart, Le nozze di Figaro / Don Giovanni / Così fan tutte
klassik-begeistert.de, 7. Juni 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 96: Walking in Kiel

John Axelrod © johnaxelrod.com

Walking in Memphis“ ist ein Lied von Marc Cohn aus dem Jahr 1991, eine geniale Mischung aus softem Pop, Blues und Gospel. Cohn wurde von John Axelrod entdeckt, da war der amerikanische Kapellmeister noch Talentscout beim Musikkonzern BMG. Weinhändler war er auch mal, Weinexperte ist er vermutlich immer noch. Der Mann weiß, was gut ist. Weiß man das auch in Kiel?

Giuseppe Verdi    La forza del destino
Die Macht des Schicksals
Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi

Libretto von Francesco Maria Piave und Antonio Ghislanzoni

Philharmonisches Orchester Kiel
John Axelrod   Dirigent

Opernhaus Kiel, 6. Juni 2026

von Jörn Schmidt

Es ist gar nicht so lange her, da wollte das Kieler Opernhaus mit Generalmusikdirektor (GMD) Gabriel Feltz in eine neue Ära starten. Lesen Sie dazu hier bei klassik-begeistert mein Interview mit Gabriel Feltz und Generalintendant Daniel Karasek. Leider können Sie hier auch meinen Nachruf auf Gabriel Feltz lesen, er starb im August 2025 mit nur 54 Jahren. Seither wird ein Nachfolger gesucht. „Auf den Punkt 96: Walking in Kiel / John Axelrod
Opernhaus Kiel, 6. Juni 2026“
weiterlesen

DIE SONNTAG-PRESSE – 7. JUNI 2026

Cantare amantis est © Marco Borrelli

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE SONNTAG-PRESSE – 7. JUNI 2026

Ravenna/Palazzo Mauro de André
„Cantare amantis est“: Riccardo Mutis einzigartiges Chorfestival mit 3600 Teilnehmern
Als es an die Musik geht, verflüchtigt sich die Stadionatmosphäre, zumal Muti vier Stücke mit vielen leisen Stellen ausgesucht hat, die er in dieser Dynamik auch von den Chören, überwiegend Laien, einfordert. Und das funktioniert sagenhaft gut, ganz gleich ob in Mozarts Ave verum, im Prolog zu Arrigo Boitos Oper Mefistofele oder einem Part aus Verdis Requiem, in dem der Komponist mehrfach sogar ein drei- bis vierfaches Pianissimo einfordert.
Von Kirsten Liese
Klassik-begeistert.de

„DIE SONNTAG-PRESSE — 7. JUNI 2026“ weiterlesen

Alexander Ivanov, Organist an St. Severin (Sylt): „Stellen Sie sich vor, es hätte in Köthen eine Oper gegeben“

Alexander Ivanov © st.-severin.de

Wenn als Insulaner unterwegs auf dem Festland, werde ich häufig auf Sylt angesprochen. Öfter als man denkt ist St. Severin Thema, die Kirche der Keitumer. Ich bin dann  immer ein wenig verblüfft, denn es geht in den Gesprächen nicht um Religion oder die Geschichte der wunderschönen Kirche, sondern um die Kirche als Eventlocation. Klar, u.a. haben Christian Lindner (FDP) und Franca Lehfeldt dort geheiratet. Die Liste der Prominenten ließe sich fortsetzen. St. Severin ist indes viel mehr. Insbesondere gibt es dort Kirchenmusik vom Feinsten – mit dem Keitumer Kirchenmusiker, dem großartigen Organisten Alexander Ivanov,  dem phantastischen Countertenor Dmitry Egorov und vielen fabelhaften Gästen.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Pastorin Susanne Zingel und Kirchenmusiker Alexander Ivanov (Teil I)

klassik-begeistert:  Als Verkündigung im engeren Sinn wird die Predigt in einem Gottesdienst bezeichnet, vor allem im evangelischen Sprachgebrauch. Steht bei Wikipedia. Kein Wort zur Kirchenmusik. Da fehlt doch was?  „Interview: Pastorin Susanne Zingel/Kirchenmusiker Alexander Ivanov, Teil I
St. Severin, Sylt, Juni 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 95: Come as you are, sagt Tobias Kratzer. Bitte nicht, sagt Joe Laschet

Fotos © Joe Laschet

Die Mailänder Scala hat unlängst einen Dresscode eingeführt. Nicht gar zu streng, aber immerhin. An der Hamburgischen Staatsoper dagegen heißt es schnöde come as you are  („Komm, wie du bist“)  – Sie könnten dort gerne mal vom Strand direkt in die Oper rübermachen, ohne Probleme zu bekommen… Wer hat Recht, die Intendanz in Mailand oder Hamburg? Ich habe mich dazu mit Joe Laschet unterhalten, Autor und Blogger rund um das Thema Bekleidungskultur und gutes Benehmen – also der perfekte Gesprächspartner. Und ehe Sie fragen: Ja, Armin Laschet (CDU) ist sein Vater.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Joe Laschet

Als Joe Laschet die Osterfestspiele Baden-Baden 2026 besucht hat –  es gab Lohengrin von Richard Wagner – trug er ein weißes Dinnerjacket und seine Frau ein langes Abendkleid. Und die anderen Zuschauer, wie hielten die es mit der Bekleidungskultur, habe ich gefragt. Ebenfalls gut gekleidet? Ja, war die Antwort. Aber: „Jeans und T-Shirt zuweilen auch dort.“ „Auf den Punkt 95: Come as you are, sagt Tobias Kratzer
klassik-begeistert.de, 6. Juni 2026“
weiterlesen

Heras-Casados „Ring“‐Dirigat vollzieht eine spannende Wendung

Pablo Heras-Casado © Fernando Sancho

Der 1. Ring-Durchgang von Pablo Heras-Casado an der Wiener Staatsoper ist Geschichte. Im Gegensatz zu anderen Meinungen sehe ich eine klare positive Entwicklung. Seit dem „Rheingold“ hat Heras-Casados Zugriff auf die Partitur eine stärkere musikalische Ausdruckskraft gefunden. Der erste Akt der „Götterdämmerung“ ist beim Spanier eines: ein Epos mit Sog, das als cineastisches Pendant mit Klassikern wie „Jenseits von Afrika“ oder „Apocalypse Now“ gleichzusetzen ist. Bislang hatte kein Dirigent der letzten Jahre es geschafft, mich zwei Stunden lang an diese Musik zu fesseln. Heras-Casado gelingt genau das.

Richard Wagner, Götterdämmerung

Wiener Staatsoper, 4. Juni 2026

von Jürgen Pathy

Warum manche eine negative Entwicklung ausmachen wollen, kann nur an einem liegen: Sie sehen Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ zu stark von der Theaterseite. Das heißt, sie stellen Text und Libretto in den Mittelpunkt. Anders ist nicht zu erklären, dass das „Rheingold“ hochgejubelt wurde, während man bereits in der „Walküre“ und im „Siegfried“ eine negative Entwicklung verspürt. Durch die Dehnung der Partitur hatte Heras-Casado die Sänger im „Rheingold“ dazu gezwungen, so zu singen, wie es vor 50 Jahren noch üblich war. Der musikalischen Kraft der Partitur war das keine Hilfe, weil vieles dadurch zerfallen war. Statt Spannung hat Heras-Casado damit das Gegenteil erreicht.

„Richard Wagner, Götterdämmerung
Wiener Staatsoper, 4. Juni 2026“
weiterlesen

Klein beleuchtet kurz 74: Zweimal Daniele Gatti und nie wieder

Verdi Requiem mit Eleonora Buratto, Elīna Garanča, Benjamin Bernheim, Riccardo Zanellato; Foto Patrik Klein

 Ein Doppelkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden in der ausverkauften Elbphilharmonie Hamburg wurde unter dem Dirigat von Daniele Gatti zum Stresstest der Langeweile – mein Fazit: ich werde künftig einen Bogen um seine Dirigate machen – sorry.

Sächsische Staatskapelle Dresden
Dirigent: Daniele Gatti

Elbphilharmonie, 2./3. Juni 2026

von Patrik Klein

Bereits letztes Jahr in Bayreuth bei den Meistersingern von Nürnberg kam nicht nur mir ein Schub erheblicher Zweifel angesichts des flauen Dirigats, das auf dem Grünen Hügel mit vielen Buhs im Publikum goutiert wurde. Damals tat ich das ab als, naja so schlimm war es nun doch nicht. Man hatte sich an den großen Stimmen, vor allem an der des neuen Stolzings Michael Spyres  genüsslich hören können. „Klein beleuchtet kurz 74: Daniele Gatti
Elbphilharmonie, 2./3. Juni 2026“
weiterlesen

Robert Wilson haucht Shakespeare ein gewaltiges Leben ein

The Tempest © Gergana Damianova

Wiener Festwochen – Burgtheater, Wien, 5. Juni 2026

William Shakespeare    The Tempest (Der Sturm)

Eine Produktion des Iwan Wazow Nationaltheaters (Sofia)
Regie, Bühnenbild, Lichtdesign: Robert Wilson

von Herbert Hiess

„Der Stoff aus dem die Träume sind“ – das ist eines der berühmtesten Zitate Shakespeares, das sich sogar in unserem Alltag niedergelassen hat. Und der letztes Jahr verstorbene geniale Regisseur führt uns passend zu dem Zitat in eine fast surreale Traumwelt.

Ungewöhnlich, dass man in unserem „klassik-begeistert“-Forum einmal ein Schauspiel bespricht. Nur war diese Produktion so beeindruckend, dass das auch hier nicht unerwähnt bleiben darf und soll. „Wiener Festwochen, William Shakespeare, The Tempest
Burgtheater, Wien, 5. Juni 2026 “
weiterlesen

„Cantare amantis est“: Riccardo Mutis einzigartiges Chorfestival mit 3600 Teilnehmern

Cantare amantis est © Marco Borrelli

Als es an die Musik geht, verflüchtigt sich die Stadionatmosphäre, zumal Muti vier Stücke mit vielen leisen Stellen ausgesucht hat, die er in dieser Dynamik auch von den Chören, überwiegend Laien, einfordert. Und das funktioniert sagenhaft gut, ganz gleich ob in Mozarts Ave verum, im Prolog zu Arrigo Boitos Oper Mefistofele oder einem Part aus Verdis Requiem, in dem der Komponist mehrfach sogar ein drei- bis vierfaches Pianissimo einfordert.

Wolfgang Amadeus Mozart: Ave verum corpus
Vincenzo Bellini: „Casta Diva“ aus der Oper „Norma“
Arrigo Boito: Prologo in cielo aus der Oper „Mefistofele“
Giuseppe Verdi: Ausschnitt aus dem Requiem

Davide Cavalli, Klavier
Maria Grazia Schiavo, Sopran
Isabella Lozzi, Flöte

Riccardo Muti, Leitung

Palazzo Mauro de André, Ravenna, 1. und 2. Juni 2026

von Kirsten Liese

Die Euphorie setzt schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn ein: Mit La-Ola-Wellen stimmen sich die Teilnehmer auf das zweitägige Singfest in der ehemaligen Sporthalle Pala de André ein. „„Cantare amantis est“, Riccardo Muti, Leitung
Palazzo Mauro de André, Ravenna, 1./2. Juni 2026“
weiterlesen

„Vivaldi und ich“ macht große Lust, mehr von Vivaldi zu erfahren

Primavera, Michele Riondino © Kimberley Ross

Der Film läuft nicht in den großen Berliner Kinos. In einigen der Kleineren findet er eine Nische zwischen all den Blockbustern.

So trifft man sich am Mittwochnachmittag in einem Kiez-Kino nahe des Müggelsees um gemeinsam dem unbekannten Vivaldi nachzuspüren. Und bemerkt, wie wohltuend seine Musik auch jenseits der „Vier Jahreszeiten“ klingt.

VIVALDI UND ICH
(Originaltitel: Primavera)

Ein italienisch-französischer Kinofilm (2025)

von Damiano Michieletto (Regie) und Ludovica Rampoldi (Drehbuch),
angelehnt an den Roman „Stabat Mater“ von Tiziano Scarpa

Musik von Fabio Massimo Capogrosso,
unter Verwendung von Musikstücken Antonio Vivaldis

Kinostarts in Deutschland und Österreich am 21./ 22. Mai 2026

Kino Union, Berlin-Friedrichshagen, 3. Juni 2026

von Ralf Krüger

Wir lernen „Don Antonio“ Vivaldi als einen nicht unattraktiven Enddreißiger kennen. Gesundheitliche Probleme und ein stetiger Husten quälen ihn. Die kirchliche Leitung eines Venezianischen Waisenhauses für Mädchen und junge Frauen verpflichtet ihn als musikalischen Leiter ihres Orchesters. Die regelmäßigen Sonntagskonzerte in der hauseigenen Kapelle sind bis dato nicht so gut besucht, wie in anderen Einrichtungen. Man will von seiner Popularität profitieren, erlaubt ihm, neue Instrumente zu kaufen und die Musik seiner Zeit ein wenig aufzupeppen. Der Erfolg bleibt nicht aus. „„Vivaldi und ich“ (Originaltitel: „Primavera“)
Kino Union, Berlin-Friedrichshagen, 3. Juni 2026“
weiterlesen