DIE FREITAG-PRESSE – 3. JULI 2026

Ksenija Sidorova © Benne Ochs

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DIE FREITAG-PRESSE – 3. JULI 2026

Interview
Bei Ksenija Sidorova in Therapie …
Als kleiner Junge war ich mit meiner Mutter bei einem Auftritt des Sylter Shanty Chor, einige der – aus meiner seinerzeitigen Perspektive – doch schon recht alten Männer in maritimer Kleidung haben Akkordeon gespielt. Meine Mutter hat mich früh für Musik zu begeistern vermocht – ich danke Dir dafür sehr herzlich! Aber Männer mit grauem Bart und Akkordeon – da wollte ich einfach nur schnell weg. Das Unbehagen, das diese seltsamen Quetschkommoden in mir ausgelöst haben, war nicht unbedingt traumatisch – trotzdem habe ich mir jetzt, nach all den Jahren, jemanden gesucht, mit dem ich darüber sprechen konnte:  Ksenija Sidorova, gefeierte lettische Akkordeon-Virtuosin und Porträtkünstlerin des Schleswig-Holstein Musik Festivals 2026 (SHMF – 4. Juli – 30. August 2026). Am 4. Juli präsentiert sie in der Elbphilharmonie die Uraufführung eines Konzerts, das eigens für sie entstanden ist, komponiert von Fazıl Say.
Jörn Schmidt im Gespräch mit Ksenija Sidorova
Klassik-begeistert.de

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„Entführung aus dem Serail“: Mozarts Meisterwerk verkommt zur plumpen Sitcom

Der Geist Mozarts glänzt an diesem Abend eindeutig durch Abwesenheit, und die Intendanz muss sich fragen lassen, ob das Sitcom-Niveau der neue Geist des Hauses sein soll. Welches Publikum man sich damit ins Haus holt, war an diesem Abend zu erleben.

Bülent Ceylan (Bassa Selim) ©  Stephan Rabold

Die Entführung aus dem Serail

Singspiel in drei Akten (1782)

Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Text von Johann Gottlieb Stephanie

Bassa Selim  Bülent Ceylan
Konstanze   Adela Zaharia
Blonde   Serafina Starke
Belmonte  Syabonga Maqungo
Pedrillo   Michael Laurenz
Osmin   David Steffens

Inszenierung   Andrea Moses
Bühne   Raimund Bauer
Kostüme   Anja Rabes

Dirigent   Thomas Guggeis

Staatsoper Unter den Linden, Premiere, 27. Juni 2026

von Peter Sommeregger

Gleich nach der sehr flott dirigierten Ouvertüre meint man, sich im falschen Theater zu befinden. Ist das nicht die erfolgreiche deutsch-türkische Sitcom „Gutes Wedding/Schlechtes Wedding“?

Ein gut gelaunter türkischer Comedian beginnt eine Conference, die man ihm im erwähnten Stehgreif-Theater nicht hätte durchgehen lassen. Das Publikum Unter den Linden jedoch belohnt ihn mit schenkelklopfendem Beifall. Was nun über drei zähe Stunden abläuft, ist hilfloses Rampentheater, immer wieder unterbrochen durch flache, unpassende Witze, die nicht selten sogar den Ablauf der Musik stören. „W.A. Mozart, Die Entführung aus dem Serail
Staatsoper Unter den Linden, Premiere, 27. Juni 2026“
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DIE DONNERSTAG-PRESSE – 2. JULI 2026

Grigory Sokolov © Klaus Rudolph

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DIE DONNERSTAG-PRESSE – 2. JULI 2026

Köln/Philharmonie
Sokolov zelebriert mit einem Hochamt feinsten Klavierspiels
Vor zweieinhalb Monaten ist er 76 geworden, und noch immer gastiert er Jahr für Jahr in Köln und anderswo. Der Termin für den kommenden Sommer wurde soeben bekanntgegeben. An die 70 Konzerte sollen es sein, die Grigory Sokolov jährlich gibt. Längst gibt er nur noch Rezitale, mit Orchestern spielt er schon lange nicht mehr – angeblich wegen zu limitierter Probenzeiten. Auch das ist ein Indiz für seinen Perfektionsdrang und eine kompromisslose Haltung gegenüber der eigenen Kunst.
Vor zweieinhalb Monaten ist er 76 geworden, und noch immer gastiert er Jahr für Jahr in Köln und anderswo. Der Termin für den kommenden Sommer wurde soeben bekanntgegeben. An die 70 Konzerte sollen es sein, die Grigory Sokolov jährlich gibt. Längst gibt er nur noch Rezitale, mit Orchestern spielt er schon lange nicht mehr – angeblich wegen zu limitierter Probenzeiten. Auch das ist ein Indiz für seinen Perfektionsdrang und eine kompromisslose Haltung gegenüber der eigenen Kunst.
Von Brian Cooper
Klassik-begeistert.de

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Bei Ksenija Sidorova in Therapie …

Ksenija Sidorova © Benne Ochs

Als kleiner Junge war ich mit meiner Mutter bei einem Auftritt des Sylter Shanty Chor, einige der – aus meiner seinerzeitigen Perspektive – doch schon recht alten Männer in maritimer Kleidung haben Akkordeon gespielt. Meine Mutter hat mich früh für Musik zu begeistern vermocht – ich danke Dir dafür sehr herzlich! Aber Männer mit grauem Bart und Akkordeon – da wollte ich einfach nur schnell weg. Das Unbehagen, das diese seltsamen Quetschkommoden in mir ausgelöst haben, war nicht unbedingt traumatisch – trotzdem habe ich mir jetzt, nach all den Jahren, jemanden gesucht, mit dem ich darüber sprechen konnte:  Ksenija Sidorova, gefeierte lettische Akkordeon-Virtuosin und Porträtkünstlerin des Schleswig-Holstein Musik Festivals 2026 (SHMF – 4. Juli – 30. August 2026).

Am 4. Juli präsentiert sie in der Elbphilharmonie die Uraufführung eines Konzerts, das eigens für sie entstanden ist, komponiert von Fazıl Say.

Jörn Schmidt im Gespräch mit Ksenija Sidorova

klassik-begeistert:  Was ist damals auf Sylt schiefgelaufen?

Ksenija Sidorova: [greift den Scherz sofort auf und lacht herzlich] Das kann ich mir gar nicht vorstellen, dass Sie da weggerannt sind … Vielleicht waren die Instrumente nicht so gut gestimmt. Oder sie mögen einfach keine Shantys …So oder so ist das Akkordeon ein sehr zugewandtes Instrument, das man nicht fürchten muss. Gerade die modernen Instrumente haben eine wunderbare Klangkultur. Hält Ihr Unbehagen denn an oder hat es sich über die Jahre gelegt? „Interview: Ksenija Sidorova, lettische Akkordeon-Virtuosin
Schleswig-Holstein Musik Festivals 2026“
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„Onegin“ begeistert mit perfektem Ambiente und hinreißender Musik

The Grange-Festival – Eugen Onegin © Richard Hubert Smith

„Onegin“, eine der besten Opern im weltweiten Repertoire und die am häufigsten aufgeführte russische Oper, hat längst in den aufwendigsten und besten Inszenierungen die Met, die Royal Opera London, die Wiener Staatsoper und natürlich das Bolschoi erobert.

Zweifellos nicht in einem perfekteren Ambiente als hier im bukolischen Ambiente des Grange Festival, im agrarischen Buckinghamshire, acht Meilen von Winchester entfernt.

Eugen Onegin

Komponist Pjotr I. Tschaikowski.

Libretto von Pjotr I. Tschaikowski und Konstantin S. Schilowsky nach dem Versroman von Alexander Puschkin.

Dirigentin:  Lidiya Yankovskaya

Regie:  Max Webster
Bühne:  Frankie Bradshaw
Choreographie:  Arthur Pita

Bournemouth Symphony Orchestra
The Grange Festival Chorus 

The Grange Festival, 30. Juni 2026

von Dr. Charles E. Ritterband

Das intime Auditorium mit seinen nur 600 Plätzen in einem Landhaus mit griechischen Säulen und dekadentem Charme, umgeben von weit ausladenden Weiden und einem großen Teich, an dessen Rand Kühe weiden – der perfekte Rahmen zur ländlichen Idylle des Landsitzes im zaristischen Russland, in dem die Schwestern Tatjana und Olga aufwuchsen – und von wo aus das Drama seinen tragischen Lauf nimmt. „Pjotr I. Tschaikowski, Eugen Onegin
The Grange Festival, 30. Juni 2026“
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DIE MITTWOCH-PRESSE – 1. JULI 2026

Ain Anger (Hunding), Joachim Bäckström (Siegmund), Irene Roberts (Sieglinde), Miina-Liisa Värelä (Brünnhilde), Nicholas Brownlee (Wotan) & Ekaterina Gubanova (Fricka) (Foto: RW)

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DIE MITTWOCH-PRESSE – 1. JULI 2026

München/Bayerische Staatsoper
Hätten doch alle wie Wotan gesungen
Was man sonst nie erlebt, es gab zu Beginn des dritten Aufzugs Zwischenbeifall. Die Ursache: Eine herabgezogene Leinwand zeigte die prächtig kostümierten Walküren, wie sie zu Pferde die Münchner Residenz verlassen und in der Stadt verunfallte, ertrunkene oder getötete Mitbürger aufsammeln und, später, real auf der Bühne, in das als Leichenhalle dienende Nationaltheater verfrachten. Dort liegen sie zunächst entblößt auf Bahren, werden gewaschen, durch Zauber wiederbelebt und als Krieger ohne eigenen Willen eingekleidet. Doch dazu und weiteren Einfällen des Regisseurs Tobias Kratzer später. Denn zu meinem großen Leidwesen geriet der erste Aufzug zu den gesanglich schwächsten, die ich je erlebt habe. Joachim Bäckströms (Siegmund) Tenor klang eng mit leicht blechigem Timbre, ohne die nötige Farbmodulation. Alles hörte sich an wie gesungenes e oder ä. Die lyrischen Passagen blieben flach, ohne tiefere emotionale Gestaltung und am Ende des ersten Aufzugs beim so blühe denn, Wälsungen-Blut verrutschte noch die Stimme.
Von Dr. Ralf Wegner
Klassik-begeistert.de

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Grigory Sokolov zelebriert ein Hochamt feinsten Klavierspiels

Grigory Sokolov © Klaus Rudolph

 

Tiefgründiger geht es nicht: Der russische Meisterpianist gastiert mit Werken von Beethoven und Schubert in der Kölner Philharmonie.

Ludwig van Beethoven (1770-1827) – Sonate für Klavier Nr. 4 Es-Dur op. 7; sechs Bagatellen op. 126 für Klavier

Franz Schubert (1797-1828) – Sonate für Klavier B-Dur D 960

Grigory Sokolov, Klavier

Kölner Philharmonie, 29. Juni 2026

von Brian Cooper

Vor zweieinhalb Monaten ist er 76 geworden, und noch immer gastiert er Jahr für Jahr in Köln und anderswo. Der Termin für den kommenden Sommer wurde soeben bekanntgegeben. An die 70 Konzerte sollen es sein, die Grigory Sokolov jährlich gibt. Längst gibt er nur noch Rezitale, mit Orchestern spielt er schon lange nicht mehr – angeblich wegen zu limitierter Probenzeiten. Auch das ist ein Indiz für seinen Perfektionsdrang und eine kompromisslose Haltung gegenüber der eigenen Kunst. „Grigory Sokolov, Beethoven und Schubert
 Kölner Philharmonie, 29. Juni 2026“
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„Was ist diese Kadenz, die ins Freie führt?“

Streichsextett, Foto: Andreas Ströbl

Kammerkonzert mit Werken von Webern, Berg und Schönberg

Anton (von) Webern, Zwei Stücke für Violoncello und Klavier, Variationen für Klavier op. 27 und Drei kleine Stücke op. 11

Alban Berg, Sieben frühe Lieder

Arnold Schönberg, „Verklärte Nacht“ für Streichsextett op. 4

Sophie Naubert, Sopran
Carlos Johnson und Joo-Hyun Kang, Violine
Christian Jonkisch und Eunsoo Na, Viola
Hans-Christian Schwarz und Semin Jeon, Violoncello

Youngho Park, Klavier

Lübeck, Haus Eden, Begleitprogramm zur Oper „Wozzeck“ von Alban Berg Juni 2026, 30. Juni 2026

von Dr. Andreas Ströbl

Nun ist sie Geschichte, die großartige „Wozzeck“-Inszenierung von Brigitte Fassbaender; die letzte Vorstellung liegt gerade mal eine knappe Woche zurück (https://klassik-begeistert.de/alban-berg-wozzeck-theater-luebeck-25-juni-2026/). Als musikalisches Nachbeben zu diesem Psychodrama durften die Lübecker am 30. Juni 2026 im „Haus Eden“ ein atmosphärisch dichtes Kammerkonzert erleben, das vor allem auf die frühe Phase der „Zweiten Wiener Schule“ rekurrierte und damit ein letztes Aufblühen der Spätromantik beschwor. Dramaturg Jens Ponath setzte das Zitat von Ingeborg Bachmann, „Was ist diese Kadenz, die ins Freie führt?“, gleichsam als Motto über diesen Abend. Es stammt aus dem Essay „Die wunderliche Musik“ der Dichterin, deren 100. Geburtstag vor wenigen Tagen begangen wurde.

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Hätten doch alle wie Wotan gesungen

Das Ensemble vor dem Vorhang: Fricka, Loge, die acht Walküren, Wotan, Siegmund, Brünnhilde, Sieglinde und der Dirigent Vladimir Jurowski (Foto: RW)

Tobias Kratzers Inszenierung ist im besten Sinne des Wortes konservativ. Er dringt weit in den Wagner’schen Ringkosmos vor. Er nimmt das Libretto ernst, zeigt Empathie für alle Personen, auch wenn sie zu den „Bösen“ zählen. Er richtet nicht, er berichtet.

Die Walküre, Oper von Richard Wagner

Bayerisches Staatsorchester
Leitung   Vladimir Jurowski

Inszenierung   Tobias Kratzer

Bühne und Kostüme   Rainer Sellmaier
Video   Manuel Braun, Jonas Dahl, Janic Bebi

Münchner Opernfestspiele, Nationaltheater, München, 28. Juni 2026

von Dr. Ralf Wegner

Was man sonst nie erlebt, es gab zu Beginn des dritten Aufzugs Zwischenbeifall. Die Ursache: Eine herabgezogene Leinwand zeigte die prächtig kostümierten Walküren, wie sie zu Pferde die Münchner Residenz verlassen und in der Stadt verunfallte, ertrunkene oder getötete Mitbürger aufsammeln und, später, real auf der Bühne, in das als Leichenhalle dienende Nationaltheater verfrachten. Dort liegen sie zunächst entblößt auf Bahren, werden gewaschen, durch Zauber wiederbelebt und als Krieger ohne eigenen Willen eingekleidet. „Richard Wagner, Die Walküre, Regie Tobias Kratzer
Nationaltheater München, 28. Juni 2026“
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Liebreiz und Brillianz: Lisette Oropesa ist eine perfekte Lucia di Lammermoor

CD/DVD-Besprechung:

Das Ergebnis ist eine vokal glanzvolle, und szenisch zumindest ansprechende Aufführung.

Gaetano Donizetti
Lucia di Lammermoor

Lucia    Lisette Oropesa
Edgardo    Juan Diego Flórez 
Enrico     Boris Pinkhasovich

Dirigent    Riccardo Chailly

Orchestra and Chorus of Teatro alla Scala

C-major 772504

von Peter Sommeregger

Donizettis beliebteste Oper ist das perfekte Vehikel für eine Koloratursopranistin mit sicherer Höhe und Virtuosität im Vortrag. Mit der Besetzung der Titelrolle steht und fällt eine Aufführung dieser Oper. „Gaetano Donizetti, Lucia di Lammermoor
klassik-begeistert.de, 30. Juni 2026“
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