Thomas Blondelles Loge ist von absolutem Weltrang

Das Rheingold, Regie: Stefan Herheim, Deutsche Oper Berlin © Bernd Uhlig

Während die Deutsche Oper mit hohen Preisen und überschaubarer Starbesetzung kämpft, überzeugt der musikalische Auftakt des „Rheingold“ unter Donald Runnicles. Eine durchweg starke Sänger-Besetzung entwirrt die handlungsdichte Oper. Stefan Herheims Regieideen wirken hingegen überladen und chaotisch – Augen schließen bleibt die beste Strategie.

Richard Wagner
Das Rheingold (1869)

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Deutsche Oper Berlin

Inszenierung: Stefan Herheim

Deutsche Oper Berlin, 16. Mai 2026

von Arthur Bertelsmann

Während an der Staatsoper zwei Ringzyklen binnen weniger Stunden ausverkauft waren, ist bei der Deutschen Oper am heutigen Abend auch nach über einem Jahr Verkauf noch der ein oder andere Platz freigeblieben.

Grund dürften wohl die gesalzenen Preise – 60 Euro für das Rheingold in der niedrigsten Preisklasse – in Kombination mit der relativ geringen Star-Dichte sein. Und so verwundert es auch nicht sonderlich, dass im Gegensatz zu dem mit internationalen Gästen vollen Lindenoper-Ring im Vorjahr das Deutsche-Opern-Publikum überwiegend aus Berliner Wagnerianern und Opern-Neugierigen besteht. „Richard Wagner, Das Rheingold (1869)
Deutsche Oper Berlin, 16. Mai 2026“
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Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen aus Dallas begeistert

Richard Wagner
Der Ring des Nibelungen

Dallas Symphony Orchestra
Fabio Luisi

Outhere 13 CDs

von Peter Sommeregger

Richard Wagners monumentale Tetralogie gehört auch in den Vereinigten Staaten von Amerika zu den großen Herausforderungen für Opernhäuser und bleibt zumeist den Traditionshäusern in New York, Chicago und San Francisco vorbehalten. „Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen
klassik-begeistert.de, 17. Mai 2026“
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Charlotte Larzeleres tänzerische Romola-Interpretation ist fabelhaft

Louis Musin (Geist der Rose), Louis Haslach (Petruschka), Artem Prokopchuk (Goldener Sklave), Xue Lin (Tamara Karsavina), Callum Linnane (Vaslaw Nijinsky), Charlotte Larzelere (Romola Nijinska), Matias Oberlin (Serge Diaghilew), Ida Stempelmann (Bronislava Nijinska), Francesco Cortese (Stanislaw Nijinsky), Hayley Page (Eleonora Bereda), Pepijn Gelderman (Thomas Nijinsky) (Foto: RW)

Wie Larzeleres Bewegungen mit der musikalischen Line legatohaft verschmelzen, mit welcher fast schon elegischen Schönheit sie ihre Arme zur Musik bewegt, welche Biegsamkeit ihr Körper zeigt und mit welcher Vertrautheit sie sich den schwierigen Hebungen hingibt, ist fabelhaft.

Nijinsky, Ballett von John Neumeier (Choreographie, Bühnenbild und Kostüme)

Musik: Chopin, Schumann, Rimskij-Korsakow und Schostakowitsch (u.a. Sinfonie Nr. 11 g-moll)

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Nathan Brock, musikalische Leitung

Klavier: Ondrej Rudcenko, Viola: Naomi Seiler, Solo-Violine: Konradin Seitzer

Hamburg Ballett, Hamburgische Staatsoper, 16. Mai 2026, 161. Vorstellung seit der Premiere am 02. Juli 2000

von Dr. Ralf Wegner

John Neumeiers mit 60 Tänzerinnen und Tänzern besetztes Nijinsky-Ballett ist Kult und sorgt seit der Premiere im Jahre 2000 unverändert für ausverkaufte Häuser, so auch am gestrigen Abend in der Hamburgischen Staatsoper. John Neumeier war anwesend. Beide Hauptpartien, jene Nijinskys und die seiner Ehefrau Romola, waren neu besetzt. Der Erste Solist des Australian Ballet Callum Linnane tanzte als Gast die Partie von Vaslaw Nijinsky, er wird zur kommenden Saison zum Hamburg Ballett wechseln; die Hamburger Solistin Charlotte Larzelere debütierte als Romola Nijinska. „Nijinsky, Ballett von John Neumeier
Hamburg Ballett, Hamburgische Staatsoper, 16. Mai 2026“
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Das Staatsorchester Rheinische Philharmonie beschert Wonnemomente

© M&B Concerts

Als die ersten Takte von Beethovens Coriolan-Ouvertüre am 16. Mai 2026 durch die VILCO in Bad Vilbel ertönten, war sofort klar: Hier wird heute nicht nur schön musiziert – hier wird gelebt, gerungen und gefeiert. Das Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter der Leitung des Belgiers Michel Tilkin lieferte einen Konzertabend, der von der ersten bis zur letzten Note spürbar war: energiegeladen, farbig und emotional echt. Kein Routinekonzert, sondern ein Abend mit echten Charakteren und großer Hingabe.

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zu „Coriolan“ op. 62

Carl Maria von Weber
Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 1 f-moll op. 73

Antonín  Dvořák
Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88

Staatsorchester Rheinische Philharmonie
Roeland Hendrikx, Klarinette

Michel Tilkin, musikalische Leitung

VILCO Bad Vilbel, 16. Mai 2026

von Dirk Schauß

Ludwig van Beethovens Coriolan-Ouvertüre op. 62 traf wie ein Faustschlag. Schroff, dramatisch und voller innerer Spannung spielte das Orchester das Stück genau so, wie es gemeint ist: kein gefälliges Vorspiel, sondern ein echtes Ringen mit deutlichen Ecken und Kanten. Tilkin trieb die Musiker mit präzisen, energischen Gesten an, das Orchester antwortete mit einem knackigen, transparenten Klang. Die Streicher stürmten mit Vehemenz, die Blechbläser grollten dunkel und bedrohlich. Man spürte die Dringlichkeit und den kämpferischen Geist in jedem Takt. Ein starker, charaktervoller Auftakt, der das Publikum sofort bannte und zeigte, warum Beethoven auch über 200 Jahre später noch so unmittelbar wirkt. „Staatsorchester Rheinische Philharmonie, Michel Tilkin
VILCO Bad Vilbel, 16. Mai 2026“
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Faszinierende Blockflötenwerke sorgen für ungetrübte Begeisterung

© Elisa Meyer

Das Boreas-Quartett Bremen sorgt mit faszinierenden Blockflötenwerken aus Vergangenheit und Gegenwart für ungetrübte Begeisterung

Boreas-Quartett Bremen
„Il Flauto Magico“

Werke von Tarquinio Merula, Johann Sebastian Bach, Fulvio Caldini, Diomedes Cato, Alessandro Poglietti, Sören Sieg, William Byrd, Thomas Tallis und Piet Swerts

Sendesaal Bremen, 16. Mai 2026

von Dr. Gerd Klingeberg

In allen vier Ecken des Bremer Sendesaals tiriliert es hell und frohgemut. Die Flötistinnen des international erfahrenen Boreas-Quartetts Bremen bewegen sich langsam in Richtung Bühne, um dort Merulas berühmte Canzone mit dem treffenden Titel „La Lusignola“ („Die kleine Nachtigall“) gemeinsam in vogelstimmenartiger Leichtigkeit bis zum Ende vorzutragen.

„Boreas-Quartett Bremen, „Il Flauto Magico“
Sendesaal Bremen, 16. Mai 2026“
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DIE SONNTAG-PRESSE – 17. MAI 2026

Stiffelio © Werner Kmetitsch

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE SONNTAG-PRESSE – 17. MAI 2026

Wien
Frontalangriff auf die Ohren: Verdis Stiffelio am Theater an der Wien
Kahl sind die Wände, nüchtern die wenigen Einrichtungsgegenstände. Auf der Bühne hat sich eine kleine Gemeinde eingefunden. Die Männer tragen schwarze Anzüge und lange Bärte, die Frauen einfache Schürzen. Das lange Haar ist züchtig unter weißen Hauben versteckt. Vasily Barkhatov hat seine neue Inszenierung von Giuseppe Verdis Dramma Lirico Stiffelio am Theater an der Wien zu den Amish verlegt.
bachtrack.com/de

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Göttlich-menschliches Beziehungstralala  gebiert strahlenden Bären am Himmel

CD-Besprechung:

Francesco Cavalli
LA CALISTO
Live Mitschnitt vom Festival d’Aix-en-Provence, Juli 2025

harmonia mundi

Zauber für Calisto, Glück für Astronomen: Göttlich-menschliches Beziehungstralala gebiert strahlenden Bären am Himmel

„Wenn man Monteverdi mit Tizian vergleichen kann, dann kann man in seinem Schüler eine Art Veronese sehen.“  Henry Prunières, 1931

von Dr. Ingobert Waltenberger

Kann ein menschliches Wesen das ewige Leben erlangen? Diese Frage beschäftigt nicht nur Nerds mit oder ohne Milliarden am Konto in der Jetztzeit. Sie war offenbar auch seit jeher von theoretischem, d.h. nicht zuletzt mythisch metaphysischem Interesse. „Francesco Cavalli,  La Calisto – Live Mitschnitt
Festival d’Aix-en-Provence, Juli 2025“
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Covent Garden fasziniert mit Samson et Dalila  

Samson et Dalila © 2026 Mihaela Bodlovic

Grandiose Stimmen – eine Dalila, die den Vergleich mit den besten Mezzosopranistinnen weltweit nicht zu scheuen hat und als kongenialer Partner ein Tenor, der alle Register zwischen Sinnlichkeit und Heroismus perfekt beherrscht. Ein großartiger Chor in diesem Werk, das der Komponist ursprünglich als religiöses Oratorium und nicht als Oper konzipiert hatte. Die Inszenierung allerdings befriedigt nicht vollständig.

Camille Saint-Saëns, Samson et Dalila
Libretto Ferdinand Lemaire

Dirigent   Alexander Soddy

Regie   Richard Jones
Bühne   Hyemi Shin
Kostüme   Nicky Gillibrand

Samson   Seokjong Baek
Dalila   Aigul Akhmetshina
Rabbiner   William Thomas
Abimelech   Ossian Huskinson

Chorleitung   William Spaulding

Orchestra of the Royal Opera House

Royal Opera House Covent Garden, 13. Mai 2026

von Dr. Charles E. Ritterband

Zugegeben – dieses hybride Werk, das in GAZA im 12. Jahrhundert
v. Chr. spielt, oszillierend zwischen religiösem Oratorium, Liebesdrama (hoch erotischen Momenten, die im Handumdrehen in Verrat und Hass kippen) und heroischem Freiheitskampf der versklavten Hebräer à la Nabucco – ist kein Sonntagsspaziergang selbst für einen erfahrenen Regisseur. „Camille Saint-Saëns, Samson et Dalila
Royal Opera House Covent Garden, 13. Mai 2026“
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Zwei Stardirigenten geben sich in Wien die Klinke in die Hand

Goldener Saal, Musikverein Wien © Wolf-Dieter Grabner

Eine arbeitsreiche Zeit beschert uns der (informell bezeichnete) Musiksommer. Da könnte man täglich aus Veranstaltungen mit Spitzenkünstlern wählen. Und an diesem Feiertagswochenende (Christi Himmelfahrt) gaben sich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und die Wiener Philharmoniker im Wiener Musikverein die Klinke in die Hand. Und bewiesen, dass sie zu Recht als Weltklasseensembles bezeichnet werden.

Robert Schumann: Symphonie Nr. 2 in C-Dur, op. 61
Igor Strawinsky: Der Feuervogel

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Sir Simon Rattle

Musikverein Wien, 13. Mai 2026, 19.30 Uhr

Joseph Haydn
Symphonie Nr. 102 B-Dur, Hob. I:102
Symphonie Nr. 103 Es-Dur, Hob. I:103 „Mit dem Paukenwirbel“
Symphonie Nr. 104 D-Dur, Hob. I:104 „Salomon“

Wiener Philharmoniker
Riccardo Muti

Musikverein Wien, 14. Mai 2026, 11 Uhr

von Herbert Hiess

Man ist ja schon mehr als verwöhnt, wenn man das Auftreten von zwei solchen Orchestern innerhalb von 16 Stunden als selbstverständlich nimmt. Nicht umsonst bezeichnen manche ausländischen Musikfreunde und – kenner Wien als Paradies der Musik. „Sir Simon Rattle und Riccardo Muti
Musikverein Wien, 13. /14. Mai 2026“
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Klein beleuchtet kurz 73: Wenn der Teodor in die Elphi kommt, dann ist da was los

„Das Publikum konnte sich, nachdem der letzte Ton verklungen war, gar nicht mehr beruhigen – fast wie bei einem Popkonzert gab es Jubelschreie und natürlich standen alle 2100 Leute losgerissen aus ihren Stühlen – irre!“

Utopia mit Vilde Frang und Teodor Currentzis; Foto Patrik Klein

Selbst bei einem Werk wie Alban Bergs Konzert für Violine und Orchester „Dem Andenken eines Engels“ gelingt es Teodor Currentzis mit seinem Orchester Utopia und einem Weltstar an der Geige, Vilde Frang, dem Saal Beifallsstürme zu entlocken, die man hier nur selten erlebt – Man fragt sich immer wieder: Was macht dieser schwarz gekleidete Sonderling als Dirigent da eigentlich und wodurch unterscheidet sich die musikalische Ausdruckskraft von der anderer Top-Dirigenten – der Versuch einer Antwort.

Utopia

Vilde Frang, Violine
Dirigent: Teodor Currentzis

Elbphilharmonie Hamburg, 12. Mai 2026

von Patrik Klein

Wow – hat man den „Titan“ jemals so gehört?!

Currentzis war bereits oft Gast in der Elphi, sei es mit seinem russischen Orchester aus Perm bzw. Sankt Petersburg, mit dem SWR Sinfonie Orchester oder in den letzten Jahren mit dem Festivalorchester à la Bayreuth, das er schlicht Utopia nennt, einem zusammengestellten Projektorchester mit Spitzenmusikern aus ganz Europa. „Klein beleuchtet kurz 73: Wenn der Teodor in die Elphi kommt
Elbphilharmonie, 12. Mai 2026“
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