„Das kalte Herz“ Unter den Linden: Diese Oper scheitert an ihrem Libretto

Rosie Aldridge, Samuel Hasselhorn – UA Das kalte Herz am 11. Januar 2026 Staatsoper Unter den Linden © Bernd Uhlig

Das von Daniel Arkadij Gerzenberg verfasste Libretto hat nur sehr entfernt mit Wilhelm Hauffs populärem Märchen zu tun, greift lediglich wenige Motive und den Vornamen Peter der Hauptfigur auf. Leider wird über die gesamte Spieldauer von nahezu zwei Stunden eine Fülle pseudo-mystischen Geraunes besungen, die zunehmend einschläfernd auf das Publikum wirkt. Ab der Mitte des Stückes mehren sich die diskreten Abgänge mancher Zuschauer aus dem Saal, auch die Husten-Frequenz nimmt deutlich zu, ein untrügliches Indiz für Langeweile.

Das kalte Herz

Matthias Pintscher   Musik
Daniel Arkadij Gerzenberg    Text

Matthias Pintscher   Dirigent

James Darrah Black   Inszenierung

Peter    Samuel Hasselhorn
Mutter    Katarina Bradič
Anubis   Rosie Aldridge
Clara    Sophia Burgos
Azaël    Sunnyi Melles
Alte Frau    Adriane Queiroz
Kind    Otto Glass

Uraufführung Staatsoper Unter den Linden, Berlin am 11. Januar 2026

von Peter Sommeregger

Der erfolgreiche Dirigent und Komponist Matthias Pintscher hat diese, seine insgesamt vierte Oper, als Auftragswerk der Berliner Staatsoper komponiert. „Matthias Pintscher, Das kalte Herz
Uraufführung Staatsoper Unter den Linden, Berlin 11. Januar 2026“
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Wenn es einen Preis für stimmliche Wahrhaftigkeit gibt, gebührt er Elbenita Kajtazi

Elbenita Kajtazi verbeugt sich vor dem Publikum nach der Aufführung (Foto: RW)

Elbenita Kajtazis Piano geht unter die Haut und im Forte überzeugt sie mit stupendem Stimmstrahl. Dabei wirkt sie engelsgleich mit einer vokalen Jungfräulichkeit, die ganz im Kontrast zur Partie der Lebedame Violetta Valéry steht.

Giuseppe Verdi,  La Traviata

Inszenierung   Johannes Erath
Bühne   Annette Julia Kurz

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung   Carlo Goldstein

Hamburgische Staatsoper, 11. Januar 2026

von Dr. Ralf Wegner

In einem Interview vom 11. Dezember 2025 für die Hamburgische Staatsoper erklärte Elbenita Kajtazi zum Bühnenbild dieser „unvergesslichen“ Autoscooter-Traviata: Für mich als Sängerin fühlt sich dieses Bühnenbild unglaublich befreiend an, ich liebe es. Die Leere, das Schwarze, der große offene Raum, all das nimmt der Inszenierung jede Ablenkung und legt den Fokus ganz auf die Figuren und ihre inneren Welten. Es gibt keinen dekorativen Schutz mehr. Man kann sich nicht hinter schönen Kulissen verstecken. Jede Geste, jede Regung hat Gewicht, weil sie sofort sichtbar wird.

„Giuseppe Verdi, La Traviata
Hamburgische Staatsoper, 11. Januar 2026“
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DIE MONTAG-PRESSE – 12. JÄNNER 2026

Staatsoper Berlin Premiere: 11. Januar 2026 Das kalte Herz © Bernd Uhlig

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DIE MONTAG-PRESSE – 12. JÄNNER 2026

Uraufführung in der Berliner Staatsoper: Pintschers „Das kalte Herz“
Sendung „Fazit“.  Audio von Jörn Florian Fuchs (7,31 Minuten)
deutschlandfunkkultur.de

Berlin/Deutsche Oper
Madama Butterfly: An der Deutschen Oper herrschen New Yorker Verhältnisse
Eine Ansage vor dem Vorhang heißt in der Theaterwelt meist nichts Gutes, die Krankheitswelle hat die Opernwelt gerade fest im Griff. Trotz einer angekündigten Indisposition sang Asmik Grigorian eine spektakuläre Butterfly und bekam zurecht stehende Ovationen. Verbesserungswürdig war einzig der störende Nacheinlass Zuspätkommender!
Von Johannes Karl Fischer
Klassik-begeistert.de

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Masako Ohta lässt mich tief in mein Inneres hinein-spüren-hören-erleben

Masako Ohta © Andreas Hein

„Jeder Tag ist eine Reise und die Reise an sich ist das Zuhause“. Haiku Lyrik soll laut Masako Ohta Assoziationen in mir wecken. So inspirieren mich die Haikus, die Musik zu hören, als würden die Töne in meinem Inneren aufgehen wie Blütenkelche im Zeitraffer: plopp plopp plopp.

Haiku-a-la-vier Winter 2026
Piano und Vortrag Masako Ohta

Arbeitszentrum der Anthroposophischen Gesellschaft, München, 10. Januar 2026

von Frank Heublein

An diesem Abend nimmt mich die Pianistin Masako Ohta auf eine Reise mit. Japanische Haiku Lyrik: 5 Silben – 7 Silben – 5 Silben, dieser Silbenrhythmus ist ins Deutsche direkt nicht übersetzbar. Verbunden mit Solopianostücken. Diese Haiku-Reisen durch die Jahreszeiten macht sie seit einigen Jahren. Sehr innige Konzerte. Ich lasse mich hineinfallen in die zweisprachig vorgetragene Lyrik wie auch in die ganze wunderbare klangliche Vielfalt, die Ohta mir präsentiert. Vom japanischen Mittelalter zur europäischen Romantik, Impressionismus, einem impressionistischen Stück von John Cage bis zu Pärts Komposition Für Alina und Ryūichi Sakamotos Energy flow als Zugabe. „Haiku-a-la-vier Winter 2026 Masako Ohta
Anthroposophischen Gesellschaft, München, 10. Januar 2026“
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Madama Butterfly: An der Deutschen Oper herrschen New Yorker Verhältnisse

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel

Eine Ansage vor dem Vorhang heißt in der Theaterwelt meist nichts Gutes, die Krankheitswelle hat die Opernwelt gerade fest im Griff. Trotz einer angekündigten Indisposition sang Asmik Grigorian eine spektakuläre Butterfly und bekam zurecht stehende Ovationen. Verbesserungswürdig war einzig der störende Nacheinlass Zuspätkommender!

Madama Butterfly
Musik von Giacomo Puccini

Tragedia giapponese in drei Akten
Libretto von Luigi Illica und Giuseppe Giacosa
nach „Madame Butterfly“ von David Belasco

Uraufführung am 17. Februar 1904 in Mailand
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 20. Juni 1987

Deutsche Oper Berlin, 10. Januar 2026

von Johannes Karl Fischer

Erst am Neujahrstag hatte Joseph Calleja in Hamburg eine stimmliche Heldentat hinterlegt und Cavaradossi hörbar erkrankt gesungen. An diesem Abend erwischte es Asmik Grigorian. Sie möchte sich im Voraus entschuldigen, falls sie sich etwas zurücknehmen müsse, hieß es. „Giacomo Puccini, Madama Butterfly
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DIE SONNTAG-PRESSE – 11. JANUAR 2026

Nicole Car (Rusalka) und Piotr Beczała (Der Prinz) © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

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DIE SONNTAG-PRESSE – 11. JANUAR 2026

Wien/Staatsoper
Piotr Beczała in „Rusalka“: Märchenzauber mit kleinen Hindernissen (Bezahlartikel)
Dvořáks „Rusalka“, weitgehend neu besetzt an der Staatsoper: Nicole Car in der Titelrolle ist gut, aber Piotr Beczała als längst bewährter Prinz überstrahlt alle.
DiePresse.com

Sa., 10. Jänner 2026: Antonín Dvořák, Rusalka
Im verschneiten Wien begab ich mich heute in die Staatsoper zur Inszenierungsbedingt fast durchgehend verschneiten „Rusalka“: Stark verbessert hat sich Nicole Car, denn wo sie vorgestern mit (leider bestens vernehmbaren) unangenehmen Tönen aufwartete, zeigte sie heute leiseren und innigeren Gesang.
forumconbrio.com

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Beethoven trotzt dem Winterwetter!

Laeiszhalle © Thies Rätzke

Anschlagsprobleme am Klavier, eine witterungsbedingt verschobene Generalprobe, egal. Gemeinsam mit einem sensationellen Debüt der Pianistin Alexandra Dovgan heiterten die Hamburger Symphoniker das Publikum an diesem verschneiten Freitag musikalisch auf. Passender zu Beethoven hätte die Stimmung nicht sein können!

Symphoniker Hamburg
Pierre Bleuse, Dirigent

Alexandra Dovgan, Klavier

Werke von Ludwig van Beethoven, Manuel de Falla und Maurice Ravel

Laeiszhalle Hamburg, 9. Januar 2026

von Johannes Karl Fischer

Ein bisschen Wintereinbruch, Schnee bedeckt die Straßen, und schon liest man in jeder zweiten Tageszeitung im Norden: „Schneechaos“. Bei der schweizerischen Bundesbahn würde man das wohl Satire nennen. In Hamburg leider nichts Neues. Erstaunlich tapfer schlug sich das Klassikpublikum in die Laeiszhalle, beim ausverkauften Haspa Neujahrskonzert blieben nur noch sehr vereinzelt Plätze frei. Kein Wunder, passender zu Beethoven hätte die Stimmung nicht sein können. Anekdoten über stundenlange Uraufführungen im winterig vereisten Wien gibt’s genug. Damals halt ohne Heizung. Manchmal hat man das Gefühl, das gehört schon fast zu dieser Musik. „Symphoniker Hamburg, Pierre Bleuse, Dirigent
Laeiszhalle Hamburg, 9. Januar 2026“
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Das Doppel-Ballett Romantic Evolution/s zieht trotz des sperrigen Namens zunehmend Publikum ins Haus

Ensemble 2. Akt La Sylphide (Foto: RW)

Wie Silvia Azzoni der triebhaften, den dunklen Mächten verbundenen Madge tänzerisch Kraft verleiht, zeugt von großer darstellerischer Kunst. Allein der Wandel im mimischen Ausdruck von der triumphierenden bösen Hexe hin zur in ihr reifenden Erkenntnis, dass sie dereinst dafür wird bezahlen müssen, erweist sich als unter die Haut gehender Schlusspunkt in Bournonvilles La Sylphide.

La Sylphide, Ballett von August Bournonville
Äther, Ballett von Aleix Martínez

Musik von Herman Severin Løvenskjold; Peteris Vasks, Arvo Pärt, Arnau Obiols

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung   Henrik Vagn Christensen

Hamburgische Staatsoper, 9. Januar 2026

von Dr. Ralf Wegner

Es ist ein langer Abend mit drei Akten und zwei Pausen; das Stück Äther von Aleix Martínez, der diesmal die Hauptpartie von Jack Bruce wegen dessen Erkrankung übernommen hatte, war mit 50 Minuten der längste. Die formalen Qualitäten was Soli, Pas de deux und Ensembleformationen betrifft, stimmen immer noch, aber inhaltlich erschloss sich mir das Stück immer weniger. Unverändert bewundernswert ist es, Ida Stempelmann beim Derwisch-Drehen zuzuschauen oder am Ende Florian Pohl und Hayley Page beim Schluss-Pas de deux. Dazu sang Katja Pieweck wunderschön My Heart’s in the Highlands.

„La Sylphide/Äther
Hamburgische Staatsoper, 9, Januar 2026“
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„Fledermaus“ in Wien: Jonas Kaufmann behauptet sich in der Niavarani-Show

Diana Damrau (Rosalinde) und Jonas Kaufmann (Eisenstein) © Michael Pöhn

 

Michael Niavarani mag den Landsleuten in Deutschland vielleicht kein Begriff sein. In Österreich spielt der gebürtige Wiener mit persischen Wurzeln in der Topliga der Kabarettisten. Als Frosch setzt er an der Wiener Staatsoper nicht nur Akzente, sondern vereinnahmt diese Partie. Jonas Kaufmann gesellt sich als ausgezeichneter Sängerdarsteller dazu. Fledermaus in Wien – des is a Mordsgaudi.

Johann Strauss, Die Fledermaus
Libretto von Karl Haffner und Richard Genée
Wiener Staatsoper, 6. Januar 2026

von Jürgen Pathy

Nach der Vorstellung herrscht bei Teilen des Publikums Verwirrung. „Das muss ein Double gewesen sein“, zeigt sich ein Gast ungläubig. Dass der so gut Wienerisch spricht, verdeutliche diese Vermutung nur. Nein, Jonas Kaufmann war es an diesem Abend wirklich. Als Eisenstein brilliert der deutsche Startenor an der Wiener Staatsoper so richtig. Dass er angeblich ein „viel fescherer Kerl“ sei, mit weniger Leibesfülle und größerer Präsenz, macht den Herrn ebenfalls stutzig.

„Johann Strauss, Die Fledermaus
Wiener Staatsoper, 6. Januar 2026“
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Schweitzers Klassikwelt 154: Wie sich Stimmen ändern, Teil II 

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Dem „Fidelio“, in der dreiaktigen Urfassung „Leonore“ genannt, diente als Vorlage die Oper „Leonore, oder Die eheliche Liebe“ 1798 von Pierre Gaveaux. Im Personenverzeichnis lesen wir an der Spitze irritiert:

„Dom Fernand, Minister und Grande von Spanien (Basse Taille)“ Basse Taille wörtlich übersetzt: Niedere Gürtellinie. Als Nächstes steht: „Dom Pizarre, Gouverneur eines Staatsgefängnisses (2nde Haute-Contre)“ Und darunter lesen wir: „Florestan, Gefangener (1ière Haute-Contre)“. Wir recherchieren im Internet. Haute-contre: Stimmumfang in der Barockzeit, eine Männerstimme mit besonders hohem Tonumfang. „Schweitzers Klassikwelt 154: Wie sich Stimmen ändern, Teil II 
klassik-begeistert.de, 7. Januar 2026“
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