Das Verdi-Requiem bringt die „Elphi“ zum Beben

Verdi-Requiem HH Solisten © Oliver Killig

Das wuchtigste Requiem der Musikgeschichte, eine Weltstar-Besetzung und dies noch in einem der akustisch besten Konzertsäle überhaupt – was kann man da noch falsch machen? Am 3. Juni 2026 wurde den im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie versammelten Nordlichtern vermittelt, wie einem nach Meinung eines katholischen Tonsetzers am Jüngsten Tag all das um die Ohren gehauen wird, was man sich auf Erden hat zuschulden kommen lassen.

Abschlusskonzert des Internationalen Musikfestes Hamburg

Giuseppe Verdi, Messa da Requiem

Eleonora Buratto, Sopran
Elīna Garanča, Mezzosopran
Benjamin Bernheim, Tenor
Riccardo Zanellato, Bass

Daniele Gatti, Dirigent
Sächsische Staatskapelle Dresden

Sächsischer Staatsopernchor Dresden

Elbphilharmonie, Großer Saal, 3. Juni 2026

von Dr. Regina und Dr. Andreas Ströbl

Orchestrale Klanggewalt vom Feinsten

Um es gleich vorweg zu sagen: Makellos beeindruckend ist an diesem Vorabend des Fronleichnam-Feiertages die Leistung der Sächsischen Staatskapelle Dresden. In den ersten Takten streicheln die Cellisten ihre Instrumente geradezu mit dem Bogen; es entsteht eine samtweiche Sanftheit, die noch nichts vom drohenden Endgericht ahnen lässt. Die Geigen entwerfen mehrfach an diesem Abend eine zauberhafte Feinheit, wie ein magisch gewobenes schillerndes Textil, das durch den Saal schwebt. Flöten in flinken, kristallinen Linien schenken eine feintönende Ergänzung zu den seelenvoll ins Innere dringenden anderen Holzbläsern. Continue reading “Giuseppe Verdi, Messa da Requiem, Sächsische Staatskapelle Dresden
Elbphilharmonie, 3. Juni 2026″

Klein beleuchtet kurz 74: Zweimal Daniele Gatti und nie wieder

(Verdi Requiem mit Eleonora Buratto, Elina Garanca, Benjamin Bernheim, Riccardo Zanellato; Foto Patrik Klein)

 Ein Doppelkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden in der ausverkauften Elbphilharmonie Hamburg wurde unter dem Dirigat von Daniele Gatti zum Stresstest der Langeweile – mein Fazit: ich werde künftig einen Bogen um seine Dirigate machen – sorry.

Sächsische Staatskapelle Dresden
Dirigent: Daniele Gatti

Elbphilharmonie, 2./3. Juni 2026

von Patrik Klein

Bereits letztes Jahr in Bayreuth bei den Meistersingern von Nürnberg kam nicht nur mir ein Schub erheblicher Zweifel angesichts des flauen Dirigats, das auf dem Grünen Hügel mit vielen Buhs im Publikum goutiert wurde. Damals tat ich das ab als, naja so schlimm war es nun doch nicht. Man hatte sich an den großen Stimmen, vor allem an der des neuen Stolzings Michael Spyres  genüsslich hören können. Continue reading “Klein beleuchtet kurz 74: Daniele Gatti
Elbphilharmonie, 2./3. Juni 2026″

DIE DONNERSTAG-PRESSE – 4. JUNI 2026

Arthur Bruce (Wozzeck) mit Opernchor des Oldenburgischen Staatstheaters© Stephan Walzl

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE DONNERSTAG-PRESSE – 4. JUNI 2026

Oldenburg
Ambivalentes Stück, hervorragende Umsetzung: Gurlitts Wozzeck reüssiert in Oldenburg
Gurlitts 1926, nur vier Monate nach Alban Bergs bahnbrechendem Wozzeck, in Bremen uraufgeführte dritte Oper, hinterlässt einen unentschlossen Eindruck, was die Musik, die Szenenfolge und den Schluss betrifft. Anders als Berg, verbindet er die Szenen nicht durch Zwischenspiele, sondern betrachtet jede Szene für sich. Und darin liegt ein Grundproblem dieser Komposition, die Musik mäandert um sich selbst, ohne den Figuren und dem Stück Profil zu geben und einen gedanklichen Bogen über das Werk zu spannen. Dadurch bleiben die Personen merkwürdig fremd, ihr Schicksal berührt musikalisch nicht. Wäre da nicht die hervorragende Inszenierung von Generalintendant Georg Heckel. Er schafft genau das, was Gurlitt nicht gelingt.
Von Axel Wuttke
Klassik-begeistert.de

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Kahchun Wong im Gespräch: Schostakowitsch, Mahler und zwei Orchesterwelten

Kahchun Wong © Dirk Schauß

Ein Dirigent ringt unentwegt um die Gunst der hundert Seelen auf dem Podium. Kahchun Wong, Chefdirigent des Japan Philharmonic Orchestra und des Hallé Orchestra in Manchester, gab kürzlich sein mit Spannung erwartetes Debüt beim hr-Sinfonieorchester in Frankfurt – mit einem anspruchsvollen reinen Schostakowitsch-Programm. Das Gespräch mit ihm und unserem Autor, Dirk Schauß, wurde zu einem bemerkenswert offenen und persönlichen Austausch, der tief in die musikalische Arbeit, die Psychologie von Orchestern und seine eigene künstlerische Entwicklung eintaucht.

Das Gespräch fand am 19. Mai 2026 statt und wurde in englischer Sprache geführt.

von Dirk Schauß

Debüt und Schostakowitsch in Frankfurt, Teil I

klassik-begeistert: Herr Wong, Sie dirigieren in diesen Tagen zum ersten Mal das hr-Sinfonieorchester. Wie ist Ihr erster Eindruck von den Frankfurtern?

Kahchun Wong: Das stimmt, es ist mein absolutes Debüt hier. Und ich muss sagen: Das ist ein verdammt gutes Orchester. Unglaublich diszipliniert und mit einer spürbaren Begeisterung bei der Sache. Wir haben heute den zweiten Probentag hinter uns. Schon am ersten Tag war ich beeindruckt, mit welcher Ernsthaftigkeit sich die Musiker einer so anspruchsvollen Partitur wie Schostakowitschs Fünfter Sinfonie nähern. Das hatte streckenweise die Präzision einer Studioaufnahme. Wir versuchen wirklich, in jeder Phrase den Kern der Musik freizulegen. Dass die Musiker so mikrofonerfahren sind, merkt man sofort an ihrer enormen Klangsensibilität. Es ist eine wahre Freude. Das werden zwei hervorragende Konzerte. Continue reading “Interview: kb im Gespräch mit Kahchun Wong, Dirigent
klassik-begeistert.de, 3. Juni 2026″

Würzburg: Pierre-Laurent Aimard bringt Skrjabin zum Mozartfest 

Fotos: Pierre Laurent Aimard © Dita Vollmond

Beim Würzburger Mozartfest begeisterte der Pianist Pierre-Laurent Aimard vor allem mit einer atemberaubenden Darbietung der extrem virtuosen zehnte Klaviersonate von Alexander Skrjabin und den kaum gespielten Variationen von Olivier Knussen. Weniger überzeugend spielte er hingegen Mozarts A-Dur-Schlagersonate samt Rondo alla Turca.   

Mozartfest Würzburg

Pierre-Laurent Aimard, Klavier

Werke von Wolfgang Amadeus Mozart. Ludwig van Beethoven, Oliver Knussen und Alexander Skrjabin

Residenz Würzburg, Kaisersaal, 2. Juni 2026

von Johannes Karl Fischer

Alle Jahre wieder gastiert beim Würzburger die künstlerische Extraklasse mit vielen spannenden und abwechslungsreichen Programmen in Unterfranken. Da war der gestrige Abend keine Ausnahme. Das zahlreiche Publikum im prächtigen, mit Goldgesims verzierte Kaisersaal Würzburger Residenz erwartete gespannt den Klavierabend mit Skrjabin, Beethoven und natürlich Mozart. Auch die Engel auf den Alfresco-Gemälden blickten über den Flügel, man fühlte sich wie in den heiligen Mozart-Hallen eines barocken Schlosses. Continue reading “Mozartfest Würzburg Pierre-Laurent Aimard, Klavier
Residenz Würzburg, Kaisersaal, 2. Juni 2026″

DIE MITTWOCH-PRESSE – 3. JUNI 2026

Vladimir Jurowski, Portrait © Geoffroy Schied

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE MITTWOCH-PRESSE – 3. JUNI 2026

Wer wird Nachfolger von Vladimir Jurowsky als Musikchef der Bayerischen Staatsoper?
Sendung „Tonart“. Audio von Jörn Florian Fuchs (7,05 Minuten)
deutschlandfunkkultur.de

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Wir fiebern unserem Auftritt in der Elbphilharmonie entgegen, Teil II

Das Hamburger Kammerballett: Nataliia Hurska, Valerii Liubenko, Viktoriia Miroshyna, Veronika Hordina, Alisa Nikitina, Vladyslav Bondar (Foto: Christina Gotz)

Interview mit Edvin Revazov, dem künstlerischen Leiter und der
Geschäftsführerin Isabelle Rohlfs vom Hamburger Kammerballett,
am 19. Mai 2026, Teil II

Bei der Uraufführung am 6. Juni 2026 handelt sich um ein abstraktes Ballett, welches von der Handlung her den wechselnden Jahreszeiten folgt. Im Mittelpunkt jeder Jahreszeit steht ein anderes Tanzpaar, welches sich während der vorüberziehenden Jahreszeiten noch einmal ihr vergangenes Leben vergegenwärtigt. Es handelt sich um Erinnerungsbilder des Lebens.

von Dr. Ralf Wegner

klassik-begeistert: Frau Rohlfs, Die Möglichkeiten für ein Handlungsballett wie Lulu mit nur wenigen Tänzerinnen und Tänzern sind natürlich begrenzt. Wie sieht es denn mit einer Vergrößerung des Ensembles aus? Continue reading “Edvin Revazov und GF Isabelle Rohlfs, Hamburger Kammerballett, Teil II
klassik-begeistert.de, 3. Juni 2026″

Zwischen Göttlichkeit und Menschlichkeit

Fotos: NCPA / XIAOJING WANG / FEI FANG

Getong Feng im Gespräch mit Maida Hundeling über Brünnhilde und die NCPA-Produktion von Wagners Siegfried in Beijing

In diesem Jahr übernahm die deutsche Sopranistin Maida Hundeling in der NCPA-Produktion von Wagners Siegfried in Beijing die zentrale Rolle der Brünnhilde. Als eine der prägenden dramatischen Sopranistinnen auf den internationalen Wagner-Bühnen verleiht sie Brünnhilde eine gleichermaßen kraftvolle wie vielschichtige Gegenwärtigkeit.

Im Gespräch mit Getong Feng, Doktorandin der Neueren deutschen Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München spricht Maida Hundeling über Brünnhildes Weg zwischen Göttlichkeit und Menschlichkeit, über Erinnerung, Angst und Liebe in Wagners Siegfried sowie über ihre Erfahrungen mit Wagner und Turandot in Peking.

klassik-begeistert: Könnten Sie uns erzählen, wie Sie Ihre Karriere begonnen haben?

Maida Hundeling: Ich habe als Kind im Kirchenchor angefangen zu singen, später dann im Jugendchor. Das hat mir immer große Freude gemacht. Schon damals hieß es oft, meine Stimme sei ungewöhnlich kräftig. Irgendwann kam dann der Vorschlag, Gesangsunterricht an der Musikschule in meiner Heimatstadt zu nehmen. Mein erster Lehrer war großartig. Er hat offenbar sehr früh erkannt, welches Potenzial in der Stimme steckt. Während der Ausbildung habe ich schon begonnen, Wagner-Arien auszuprobieren, unter anderem die Senta. Continue reading “kb im Gespräch mit Maida Hundeling, Sopran
klassik-begeistert.de, 2. Juni 2026″

Gatti und Dresdner lassen Wagner und Debussy erstrahlen

Public Viewing auf dem Opernplatz vor der Alten Oper Frankfurt © Alte Oper Frankfurt/Wonge Bergmann

PROGRAMM

Richard Wagner
Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg“

Camille Saint-Saëns
Cellokonzert Nr. 1 a-moll op. 33

Richard Wagner
Vorspiel zum dritten Aufzug und Karfreitagszauber aus „Parsifal“

Claude Debussy
La Mer

Sächsische Staatskapelle Dresden

GAUTIER CAPUÇON, Violoncello
DANIELE GATTI, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 1. Juni 2026

von Dirk Schauß

Es war ein richtiges Orchesterfest an diesem lauen ersten Juniabend. Vor der Alten Oper herrschte eine sommerliche Atmosphäre. Viele Menschen hatten sich nicht nur im großen Saal eingefunden, sondern auch auf dem Opernvorplatz, wo das Konzert per Kamera live übertragen wurde. Draußen die Vorfreude – und drinnen wurde sie mehr als erfüllt. Continue reading “Sächsische Staatskapelle Dresden, Daniele Gatti
Alte Oper Frankfurt,1. Juni 2026″

Ambivalentes Stück, hervorragende Umsetzung: Gurlitts Wozzeck reüssiert in Oldenburg

Arthur Bruce (Wozzeck) mit Opernchor des Oldenburgischen Staatstheaters © Stephan Walzl

WOZZECK

von Manfred Gurlitt

Musikalische Tragödie in 18 Szenen und 1 Epilog
Nach dem Dramenfragment »Woyzeck« von Georg Büchner
Ergänzt um Perspektiven aus »Wozzeck« von Alban Berg

Wozzeck:  Arthur Bruce
Marie: 
Stephanie Hershaw
Hauptmann:  Chanhee Cho
Doktor: 
Johannes Leander Maas
Andres: 
Seumas Begg
Tambourmajor: 
KS Paul Brady
Margaret / alte Frau: 
Dorothee Bienert


Opernchor des Oldenburgischen Staatstheaters
Kinder- und Jugendchor des Oldenburgischen Staatstheaters
Oldenburgisches Staatsorchester

Musikalische Leitung:  Vito Cristofaro
Regie:  Generalintendant
Georg Heckel


Oldenburgisches Staatstheater, Premiere 29. Mai 2026

von Axel Wuttke

Gurlitts 1926, nur vier Monate nach Alban Bergs bahnbrechendem Wozzeck, in Bremen uraufgeführte dritte Oper, hinterlässt einen unentschlossen Eindruck, was die Musik, die Szenenfolge und den Schluss betrifft. Anders als Berg, verbindet er die Szenen nicht durch Zwischenspiele, sondern betrachtet jede Szene für sich. Und darin liegt ein Grundproblem dieser Komposition, die Musik mäandert um sich selbst, ohne den Figuren und dem Stück Profil zu geben und einen gedanklichen Bogen über das Werk zu spannen. Dadurch bleiben die Personen merkwürdig fremd, ihr Schicksal berührt musikalisch nicht. Wäre da nicht die hervorragende Inszenierung von Generalintendant Georg Heckel. Er schafft genau das, was Gurlitt nicht gelingt.

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Oldenburgisches Staatstheater, Premiere 29. Mai 2026″