Mit der Wiederaufnahme von Verdis Luisa Miller setzt die Hamburgische Staatsoper einen Meilenstein

 

Colin Aikins (Un Contadino), Alexander Roslavets (Wurm), Gábor Bretz (Il Conte di Walter), Hovhannes Ayvazyan (Rodolfo), Elbenita Kajtazi (Luisa), Pavel Yankovsky (Miller), Kristina Stanek (Federica), Mariana Poltorak (Laura) (Foto: RW)

Wer Verdigesang vom Feinsten hören möchte, sollte sich diese Luisa Miller-Serie in der Hamburgischen Staatsoper nicht entgehen lassen.

Luisa Miller, Melodramma tragico in drei Akten nach Schillers Trauerspiel Kabale und Liebe

Komposition: Giuseppe Verdi

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung: Henrik Nánási

Inszenierung: Andreas Homoki
Bühnenbild: Paul Zoller
Kostüme: Gideon Davey

Hamburgische Staatsoper, 24. Mai 2026

von Dr. Ralf Wegner

Luisa Miller nach Schillers Trauerspiel Kabale und Liebe gehört nicht zu den bekanntesten Opern Verdis und verfügt auch nicht über Ohrwürmer, die nach der Aufführung noch länger im Gedächtnis bleiben. Wer aber Verdigesang vom Feinsten hören möchte, sollte sich diese Serie in der Hamburgischen Staatsoper nicht entgehen lassen. „Luisa Miller, Melodramma tragico von Giuseppe Verdi
Hamburgische Staatsoper, 24. Mai 2026“
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Die Staatsoper für alle feiert mit grandiosen Sängern das Grundgesetz

Staatsoper für alle 2026 | 23. Mai 2026 | Live-Übertragung von Nabucco auf dem Bebelplatz © Peter Adamik

Staatsoper für alle in Berlin. So wörtlich wie in dieser Stadt wird das nirgends zelebriert: Alle, alle, alle sind sie da: Die Leute mit Picknickdecke, die Influencer mit den geilen Klamotten, die Herren mit Fliege und die Damen mit den tiefen Ausschnitten. Die Schauspieler aus allen Ecken der Republik, die Vertreter des Sponsors und die Presse von klassik-begeistert bis Super-Illu. Wenn man die Augen ein wenig zukneift, sieht man das Personal vieler Opern in den 30.000 Leuten auf dem Bebelplatz vor der großen Freiluftbühne und bei den geladenen sowie zahlenden Gästen im Opernhaus Unter den Linden.

Da ist eine Papagena mit Federn an den Blazerärmeln. Dort flüstern Valzacchi und Annina aus dem Rosenkavalier. Neben ihnen hält die elegante Elisabeth von Valois in Begleitung ihres schon etwas älteren Gemahls Philipp II. Ausschau nach – ja, wo ist eigentlich Don Carlo? Wir sehen nur Fiordiligi und Dorabella aus Così fan tutte. Offenbar sind die beiden jetzt ein Paar, ebenso wie ihre ehemaligen Liebhaber Guglielmo und Ferrando. Auch eine Lösung! Das bunte Völkchen, vom Sponsor auf den 1. Rang und in den Apollosaal sowie auf den Bebelplatz eingeladen, schwatzt bald über alle Rollengrenzen hinweg miteinander. Es gibt italienische Oper, und die Stimmung ist heiter bis sonnig. Draußen knallen erst 30°, später 27°C aufs Pflaster. Drinnen tut die Klimaanlage, was sie kann.

Giuseppe Verdi
Nabucco
Dramma lirico in vier Teilen (1842)
Text von Temistocle Solera

Musikalische Leitung   Francesco Lanzilotta

Inszenierung   Emma Dante
Bühne   Carmine Maringola
Kostüme   Vanessa Sannino

Nabucco   Ariunbaatar Ganbaatar
Abigaille   Lidia Fridman
Ismaele   Andrés Moreno García
Fenena   Elena Maximova
Zaccaria   Tareq Nazmi
Anna   Clara Nadeshdin
Abdallo   Junho Hwang
Hohepriester des Baal   Hanseong Yun

Staatsopernchor
Staatskapelle Berlin

Staatsoper Unter den Linden, 23. Mai 2026

 von Sandra Grohmann

Feststimmung im Haus Unter den Linden. Ein bayerischer Automobilhersteller, der Sponsor von Staatsoper für alle, lässt sich nicht lumpen, finanziert ein rauschendes Fest für alle und verkündet noch am Abend, dass die Partnerschaft trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten durch einen just unterzeichneten Dreijahresvertrag gesichert ist. Das kann man nur wertschätzend anerkennen!

„Staatsoper für alle – Giuseppe Verdi, Nabucco
Staatsoper Unter den Linden, 23. Mai 2026“
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Rudis Klassikwelt 10: Bringt meine Asche nach Wien – Alexander Zemlinsky auf der Bühne der Josefstadt

Martin Vischer (Zemlinsky der Jüngere), Günter Franzmeier (Zemlinsky der Ältere) © Moritz Schell

Im Juli 1985 wurde die Urne mit der Asche Alexander Zemlinskys nach Wien überführt und in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Das ist der Ausgangs- und Endpunkt des  Theaterstücks Zemlinskyvon Felix Mitterer. Es entstand als Auftragswerk des Alexander Zemlinsky Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aus Anlass des 150. Geburtstags des Komponisten und wurde im März 2026 im Theater in der Josefstadt uraufgeführt.

Felix Mitterer    Zemlinsky

Regie:  Stephanie Mohr
Bühnenbild:  Miriam Busch
Kostüme:  Nini von Selzam

Musikalische Leitung: Wolfgang Schlögl
Choreografie „Broadway“: Kimberly Rydell

Wien, Theater in der Josefstadt, 22. Mai 2026

von Dr. Rudi Frühwirth

Peter Sommeregger hat in seiner Klassikwelt 206 den schwierigen Lebensweg Alexander Zemlinskys einfühlsam beschrieben. Den bedeutenden, viel zu lange sträflich vernachlässigten Komponisten im Mittelpunkt eines Theaterstücks zu sehen, berührt emotional freilich noch viel tiefer, vor allem dank der empathischen Inszenierung von Stephanie Mohr und den exzellenten schauspielerischen Leistungen. „Felix Mitterer, Zemlinsky, Auftragswerk
Theater in der Josefstadt, Wien, 22. Mai 2026“
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DIE MONTAG-PRESSE – 25. MAI 2026

DOB Siegfried, Ya-Chung Huang © Bernd Uhlig

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DIE MONTAG-PRESSE – 25. MAI 2026

Berlin/Deutsche Oper
Gigantische Stimmen retten einen schier unendlichen „Siegfried“
Überlange Unterbrechungen, eine überladene Inszenierung und ein zäher Meta-Wagner drohen diesen Siegfried zur Geduldsprobe zu machen. Donald Runnicles, ein herausragendes Sängerensemble und vor allem Ya-Chung Huang als unwahrscheinlich intensiver Mime verwandeln den Abend schließlich doch in ein nur selten erlebbares Kunstereignis.
Von Arthur Bertelsmann
Klassik-begeistert.de

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Gigantische Stimmen retten einen schier unendlichen „Siegfried“

DOB Siegfried  © Bernd Uhlig

Überlange Unterbrechungen, eine überladene Inszenierung und ein zäher Meta-Wagner drohen diesen Siegfried zur Geduldsprobe zu machen. Donald Runnicles, ein herausragendes Sängerensemble und vor allem Ya-Chung Huang als unwahrscheinlich intensiver Mime verwandeln den Abend schließlich doch in ein nur selten erlebbares Kunstereignis.

Richard Wagner
Siegfried (1876)

Musikalische Leitung: Donald Runnicles

Inszenierung: Stefan Herheim

Deutsche Oper Berlin, 23. Mai 2026

von Arthur Bertelsmann

Mit der guten Auslastung der Walküre kann der Siegfried nicht mithalten – DFB-Pokal-Entschiedspiel und Karneval der Kulturen sei Dank. Dass der dritte Teil des Festspiel zudem als der musikalisch uneingängigste gilt, tut sein Übriges, und so bleiben gute Hundert Plätze verwaist. „Richard Wagner, Siegfried (1876), Donald Runnicles
Deutsche Oper Berlin, 23. Mai 2026“
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DIE SONNTAG-PRESSE – 24. MAI 2026

Peter Rose (Sir Morosus), Brenda Rae (Aminta), Serafina Starke (Isotta), Samuel Hasselhorn (Barbier Schneidebart), Ensemble © Bernd Uhlig

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DIE SONNTAG-PRESSE – 24. MAI 2026

Berlin/Staatsoper
Thielemann führt auch die zweite Berliner Schweigsame Frau zum Erfolg
Ein Jahr nach der Premiere begeistert die Staatsoper Unter den  Linden mit Richard Strauss’ leider recht rarem Werk „Die schweigsame Frau“. Dieser köstliche und musikalisch exzellente Strauss-Abend stand den deutlich populäreren Werken um nichts nach. Bereits mit der Premierenserie von Strauss’ Die schweigsame Frau letzten Sommer – übrigens die Erstaufführung dieses Werks überhaupt an der Lindenoper – hatten Christian Thielemann und sein Gesangensemble für Furore gesorgt. In fast identischer Besetzung kehrte das Werk nun zurück und lieferte einen ähnlich stimmigen Strauss-Abend wie die Kassenknaller Rosenkavalier, Elektra, Salome. Diese köstliche Komödie verdient dringend einen Stammplatz auf den Spielplänen der Opernwelt!
Von Johannes Karl Fischer
Klassik-begeistert.de

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Nézet-Séguin macht Mahlers 3. zum empathischen Ereignis

Foto: Archiv Yannick Nézet-Séguin © Michael Trippel

Gustav Mahler
Symphonie Nr. 3 d-Moll

Joyce DiDonato  Mezzosopran

Damen des Rundfunkchors Berlin
Knaben des Staats-und
Domchors Berlin

Yannick Nézet-Séguin  Dirigent
Berliner Philharmoniker

Philharmonie Berlin, 21. Mai 2026

 von Peter Sommeregger

Gustav Mahlers dritte Symphonie sprengte schon vom geforderten Apparat die Dimensionen der Symphonik des ausgehenden 19. Jahrhunderts, mit knapp 100 Minuten Dauer ist sie auch die längste Symphonie Mahlers. Die Interpretation und Aufführung dieses Mammutwerkes verlangt nach Kräften der Spitzenklasse, und die standen bei dieser Aufführungsserie in der Berliner Philharmonie zur Verfügung. „Mahlers 3. mit Yannick Nézet-Séguin und Joyce DiDonato
Philharmonie Berlin, 21. Mai 2026“
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Hamburg: Ein halbleerer Saal grüßt Kratzers köstliches Kunstwerk

Eine Tragödie war die Auslastung. In dem Haus mit 1,690 Plätzen nahmen gerade einmal gut 600 Gäste Platz, „halbleer“ wäre wohl Euphemismus. 1.000 (!!) freie Plätze an einem Abend, so viele dürften an der Wiener Staatsoper aufsummiert über die ganze Spielzeit nicht frei bleiben.

Frauenliebe und -sterben © Matthias Baus

Drei Werke, drei Epochen, ein spannender, kurzweiliger Opernabend und viele neue Entdeckungen selbst für eingefleischte Opernfans. Kratzers Kreativität lässt in seiner dritten Produktion in Hamburg nicht nach, auch das Gesangensemble überzeugt und das Philharmonische Staatsorchester spielt auf Spitzenniveau.

Frauenliebe und -sterben

Robert Schumann: Frauenliebe und -leben
Béla Bartók: Herzog Blaubarts Burg
Alexander Zemlinsky: Eine florentinische Tragödie

Tobias Kratzer, Regie
Karina Canellakis, Dirigat

Hamburgische Staatsoper, 22. Mai 2026

von Johannes Karl Fischer

So eine kurzweilige und kreative Regiearbeit hat die Opernwelt schon lange nicht mehr gesehen! Tobias Kratzer, Intendant und in dieser Spielzeit „Chefregisseur“ an der Hamburgischen Staatsoper, fusioniert Drama mit Kunstlied und entdeckt dabei völlig neue Facetten dieser gänzlich verschiedenen Werke. Jede Szene, jede Note weckt die Neugier auf das, was als nächstes kommt. Gemeinsame Nenner: Gefühle, Liebesgefühle, starke Emotionen. Ein bisschen als würde man durch die verwinkelten Gassen Venedigs spazieren und alle drei Meter neugierig um die nächste Ecke nach einem weiteren malerischen Lagunenblick gucken…  „Frauenliebe und -sterben, Tobias Kratzer, Regie
Hamburgische Staatsoper, 22. Mai 2026“
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La Traviata in Wiesbaden: Auch Starsänger können eine sinnlose Regie nicht retten

Foto: Jean-Nico Schambourg

Was an einem drittklassigen Haus mit eigenem Ensemble vielleicht als ausgefallenen  intellektueller Regieeinfall durchgehen kann, verflacht total, wenn Gastsänger zu Festaufführungen antreten und sich mehr schlecht als recht in einer sinnlosen Inszenierung über die Bühne retten. So geschehen an diesem Abend in der Aufführung von Verdis La Traviata am Staatstheater in Wiesbaden. Der Abend wird durch die musikalische Leistung der Gastsänger Rachel Willis-Sørensen, Saimir Pirgu und Quinn Kelsey sowie des sehr gut disponiertem Orchester gerettet.

Giuseppe Verdi (1813-1901)  LA TRAVIATA
Oper in drei Akten (Libretto von Francesco Maria Piave)


Musikalische Leitung   Leo McFall
Inszenierung                   Tom Goossens
Bühne                                 Bart von Merode
Kostüme                            Sieske Van Aerde,                                                 Lena Mariën

Hessisches Staatstheater Wiesbaden, 22. Mai 2026

von Jean-Nico Schambourg

In der Mitte der ansonsten leeren Bühne eine große quadratische Plattform, auf der sich nur die Sänger befinden. Alle anderen stehen um diese Plattform wie Außenstehende oder Außenseiter herum. In einigen Szenen darf dann der Chor geräuschvoll über diese Plattform trampeln, auf der ansonsten nur manchmal bei offener Bühne die Teppiche ausgetauscht werden. Sonst noch ein Einfall? Ach ja, da gibt es noch ein Mischpult, das zwischen den Hauptcharakteren hin und her ausgehändigt wird. Den Sinn davon erkannte ich nicht. Ansonsten: viel Rampensingen!

„Giuseppe Verdi, La Traviata
Hessisches Staatstheater Wiesbaden, 22. Mai 2026“
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Bariton Mattia Olivieri und Regisseurin Tatjana Gürbaca ticken gleich, wenn es ums Geld geht…Teil II

Mattia Olivieri © Michele Monasta

Mattia Olivieri reiht sich gerade ein in die Tradition großer italienischer Baritone wie Leo Nucci und Lucio Gallo. Engagements führten ihn an die größten Häuser, wie an das Teatro alla Scala Mailand, die Wiener Staatsoper, die Royal Opera Covent Garden London und die Metropolitan Opera New York. Im Mai 2026 fand der Italiener den Weg nach Hamburg, im Lastenheft stand Figaro aus Gioachino Rossinis Il barbiere di Siviglia.
Am Tag vor der umjubelten Premiere (Inszenierung: Tatjana Gürbaca) haben wir an der Hamburgischen Staatsoper ein sehr entspanntes Gespräch geführt über Richard Wagner, Rossini und Geld. Außerdem haben wir Hamburg und Venedig verglichen. Sie ahnen, wie das ausging…

Jörn Schmidt im Gespräch mit Mattia Olivieri (Teil II)

klassik-begeistert: Wäre ein eigenes Crossover-Projekt, oder ein Pop-Album, eine Herzensangelegenheit von Ihnen? So wie sich Erwin Schrott gerade dem Tango widmet?

Mattia Olivieri: Never say never! Wenn sich die Gelegenheit ergibt, warum nicht? Ich habe mich nie von der Popmusik losgesagt… ein Duett mit einem Popstar, das wäre großartig.

Mattia Olivieri © instagram

klassik-begeistert: Wird Ihr Weg Sie zu Richard Wagner führen? „Interview: kb im Gespräch mit Mattia Olivieri, Bariton, Teil II
Hamburgische Staatsoper, 21. Mai 2026“
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