Die Deutsche Oper Berlin entstaubt eine deutsche Komödie

„Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing © Thomas Aurin

Wer ist schon unter einem fliegenden Einhorn geboren? Nur der geliebte Zar des „Volkszarentum Tschirikistan“! So nennt Regisseur Martin G. Berger den Operettenstaat, in den er die Handlung der Opernkomödie Zar und Zimmermann kurzerhand verlegt hat. Die zahlreichen Inbezugnahmen von Popkultur und Komödientradition beginnen bereits im Videovorspann, der im Stil von Greta Gerwigs „Barbie“ (aber sicher lassen sich auch andere Filme assoziieren) den bis ins Alberne reichenden Ton für den gesamten Abend setzt.

Albert Lortzing
Zar und Zimmermann

Musik und Libretto von Albert Lortzing
in einer Sprechtextfassung von Martin G. Berger

Antonello Manacorda  Musikalische Leitung
Martin G. Berger  Inszenierung

Sarah-Katharina Karl  Bühne
Esther Bialas  Kostüme
Sascha Zauner  Licht
Vincent Stefan  Video
Alexander Choeb vKlanggestaltung
Marie-Christin Zeisset  Choreografie
Thomas Richter  Chor
Jörg Königsdorf  Dramaturgie

Das Orchester der Deutschen Oper Berlin

Der Chor der Deutschen Oper Berlin
Tänzer*innen des Opernballetts der Deutschen Oper berlin
Die Statisterie der Deutschen Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin, Premiere, 20. Juni 2026

von Sandra Grohmann

Das Publikum der Deutschen Oper Berlin folgt ganz überwiegend bereitwillig dieser Interpretation, die das im Original Ungesagte in eine deutliche Sprache übersetzt, ohne den Kern des Werkes anzugreifen. Dem Haus ist damit ein Coup gelungen, der in der Tradition des Musiktheaters steht, wie es an der Komischen Oper Berlin von Walter Felsenstein begründet und bereits von seinem Meisterschüler Götz Friedrich an die Deutsche Oper Berlin übernommen wurde. Geadelt wurde der Abend durch einige wenige, wenn auch lautstarke Buhrufe. Ohne diese hätten wir an der Wirkmacht der Aufführung womöglich zweifeln müssen.

„Das Originalstück hätten wir schon gern gesehen“, sagen unsere Tischnachbarn in der Pause, „das kennen wir noch nicht.“ Deshalb konnten sie auch die Frage, was sie denn am Original vermissen, nicht beantworten.

„Albert Lortzing, Zar und Zimmermann
Deutsche Oper Berlin, Premiere, 20. Juni 2026“
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„Ich bin ein Zar, holt mich hier raus!" – so wird es nichts mit Lortzing!

„Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing © Thomas Aurin

ZAR UND ZIMMERMANN
Musik und Libretto von Albert Lortzing
in einer Sprechtextfassung von Martin G. Berger

Deutsche Oper Berlin, Premiere, 20. Juni 2026

von Dr. Ingobert Waltenberger

Komische Opern des Berliner Allround-Künstlers Albert Lortzing heute in Deutschland aufzuführen, ist ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Die jetzige Premiere des Stücks ist deshalb nicht grundlos die erste Neuinszenierung hierzulande seit 25 Jahren. Das sagt viel darüber aus, wie sehr die deutsche Spieloper trotz vieler kompositorisch und dramaturgisch geschickter Schachzüge des auch als Schauspieler, Sänger und Cellist erfolgreichen Musikers Lortzing im sich wandelnden Publikumsgeschmack doch biedermeierlich arg zeitgebunden gibt und schwer aktualisierbar scheint. Da helfen auch die einzelnen Hits, die flotten Aktschlüsse nach Rossini-Art sowie das Libretto auf eine französische Vorlage nicht viel. „Albert Lortzing, Zar und Zimmermann
Deutsche Oper Berlin, Premiere, 20. Juni 2026“
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Beim Sommernachtskonzert zieht Wotan ins Schloss Schönbrunn ein

Foto: Lorenzo Viotti © Márcia Lessa

Sommernachtskonzert, Schönbrunn, Wien, 19. Juni 2026

Wiener Philharmoniker

Lorenzo Viotti, Dirigent

von Jürgen Pathy

„Sie sehen aus, als wären Sie aus einer Modezeitschrift gefallen.“ Das Kompliment nehme ich gerne an. Wann sonst sollte ich mich in Schale werfen als beim Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker? Die Dame in der Straßenbahnlinie 10 hatte fest versprochen, sie würde auch noch einen Abstecher nach Schönbrunn machen. „Sommernachtskonzert Wiener Philharmoniker Lorenzo Viotti
Schönbrunn, Wien, 19. Juni 2026“
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Bei Alexei Ratmanskys Ballett Wunderland bleibt das Wunder aus

Olivia Betteridge (Alice) und Daniele Bonelli (Der Weiße Ritter) (Foto: RW)

Wer choreographische Tiefe erwartet sowie sehen und hören möchte, wie Tanz und Musik miteinander verschmelzen, wird von Alexei Ratmanskys Ballett Wunderland eher enttäuscht sein. Wem es schon immer darum ging, den Personenkosmos von Lewis Carroll in schönen Dekorationen und wundervollen Kostümierungen auf der Bühne zu erleben, der wird wohl beglückt nach Hause gehen.

Wunderland,  Ballett von Alexei Ratmansky nach Lewis Carroll

Bühnenbild:  Sebastian Hannak
Kostüme:  David Szauder
Musik arrangiert und orchestriert von:  Philip Feeney

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung:  Vello Pähn

Hamburg Ballett, Uraufführung in der Hamburgischen Staatsoper, 20. Juni 2026

von Dr. Ralf Wegner

Man tat ein wenig so, als ob in der Hamburgischen Staatsoper ein bisher nie dagewesenes Ballettereignis bevorstünde. Alexei Ratmansky sollte die von Lewis Caroll erdachte Geschichten von Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln zu einem Ballettabend zusammenfassen. Aus der Besetzung wurde bis zuletzt ein Geheimnis gemacht, erst einen  Tag vor der Premiere erschien diese auf der Internetseite des Hamburg Balletts. So als ob alle Hamburger Tänzerinnen und Tänzer stupende und ersatzlos austauschbar seien. „Wunderland, Ballett von Alexei Ratmansky
Uraufführung, Hamburgische Staatsoper, 20. Juni 2026“
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Zwischen Messiaen und Mahler: Ein Vormittag führt in den Sopran-Himmel

Siobhan Stagg, Sopran © Simon Pauly

So kann es gehen, wenn man an einem heißen Sommermorgen um elf Uhr ein klimatisiertes Theater betritt und sich auf ein Konzert einlässt, das einen am Ende mit spätromantischen Gefühlswellen komplett auf den Siedepunkt bringt. Das ist die Kurzversion eines vorweggenommenen Fazits zu einem ganz besonderen Vormittag.

8. Sinfoniekonzert

Olivier Messiaens – Les offrandes oubliées
Alban Berg – Sieben frühe Lieder
Gustav Mahler – Sinfonie Nr. 4 G-Dur

Staatsorchester Darmstadt 

Siobhan Stagg, Sopran
Daniel Cohen,
musikalische Leitung

Staatstheater Darmstadt, 21. Juni 2026

von Dirk Schauß

Den Anfang machte Olivier Messiaens Les offrandes oubliées (Die vergessenen Opfergaben), 1930 als eine Art Gesellenstück zum Abschluss seines Kompositionsstudiums bei Paul Dukas entstanden.
Der damals 22-jährige Messiaen, geprägt durch sein katholisch-literarisches Elternhaus, skizzierte den religiösen Gehalt seiner dreiteiligen „Meditation“ selbst in einem vorangestellten Text: das Vergessen Gottes in einer von Sünde zernagten Welt.

„Staatsorchester Darmstadt, Siobhan Stagg, Sopran, Daniel Cohen
Staatstheater Darmstadt, 21. Juni 2026“
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Parsifal versinkt im KI-Sumpf

Foto: Parsifal @ Nurith-Wagner-Strauss

Wiener Festwochen 

In Wien hatte man wieder die Gelegenheit, Richard Wagners „Parsifal“ zu erleben; wenn auch nur für ein paar Aufführungen. Die aus Belgien importierte Produktion ist ein szenisch totaler Flop, was schade ist, denn musikalisch ist es ein mehr als achtbares Projekt. Es blättert  halt wieder mal die Indolenz und Ahnungslosigkeit der Intendanten auf, die eine solche Produktion überhaupt machbar machen!

Richard Wagner Parsifal
Bühnenweihefestspiel in drei Akten

Besetzung: Russell Thomas, Albert Dohmen, Dshamilja Kaiser, Kartal Karagedik und andere

Arnold Schoenberg Chor, Gumpoldskirchner Spatzen

ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Dirigentin: Yi-Chen Lin

Regie und Konzept: Susanne Kennedy & Markus Selg

Museumsquartier Halle E, 19. Juni 2026  

von Herbert Hiess

„Weißt du, was du sahst“ – diese vorwurfsvolle Frage Gurnemanz an Parsifal hätte man eigentlich dem Publikum stellen sollen. Wahrscheinlich würde da als Antwort ein klares Nein zu hören sein. „Wiener Festwochen Richard Wagner Parsifal
Museumsquartier Halle E, 19. Juni 2026  “
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Herzensangelegenheit: Eine klassik-begeistert-Stiftung –Teil V, kb wird 10

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Mittsommer 2026 wird klassik-begeistert 10 Jahre alt, das muss gefeiert werden! In 5 Folgen gewähren wir einen Blick hinter die Kulissen. 

von Jörn Schmidt

Das sind unsere Pläne für die nächsten 10 Jahre klassik-begeistert … Andreas Schmidt ist Magister Artium, Journalist (Henri-Nannen-Schule), Chor-Sänger (Symphonischer Chor Hamburg, Gastsänger Wiener Singakademie) und, was er gerne mal unter den Tisch fallen lässt, Bankkaufmann. Er liebt Bach, Brahms und Wagner und ging schon als
4-Jähriger mit seiner Mutter in die Hamburgische Staatsoper. Zuvörderst ist er natürlich Herausgeber von klassik-begeistert, der Nr.  1 der Klassik-Blogs in der DACH-Region (Google-Ranking) mit bislang 12.000 Beiträgen. Andreas gibt einen Ausblick, wie es weiter geht …

„10 Jahre klassik-begeistert +++ der Nr.-1-Klassik-Blog feiert 5 Tage lang +++ Teil V, 21. Juni 2026“ weiterlesen

Die Komische Oper überrascht mit einer ungewöhnlichen Revue

Mokka Hits KOB © Jan Windszus Photography

Heißer Sommer in Berlin und als großes Arrangement auf der Bühne:
Die Komische Oper überrascht mit einer ungewöhnlichen Revue

Mokka-Hits und Milchbar-Träume

Eine Revue von Axel Ranisch (Inszenierung)
und Adam Benzwi (Musikalische Leitung)

Komparserie, Chorsolisten und Orchester der Komischen Oper

Bühnenbild:  Saskia Wunsch
Kostüme:  Alfred Mayerhofer
Choreografie:  Christopher Tölle

Komische Oper Berlin im Schillertheater, 19. Juni 2026

von Ralf Krüger

Das Rätselraten um diese Produktion währte über ein Jahr. Genau genommen von der Spielplanpräsentation der Saison 2025/26 bis hin zur Premiere. Der in der DDR sozialisierte Mensch, umgangssprachlich „Ossi“ genannt, erkannte in dem Titel den Namen eines Cafés in der damaligen Mitte Ostberlins. Die „Mokka-Milch-Eisbar“ in der Karl-Marx-Allee neben dem großen Kino wurde Ende 1960er-Jahre in einem Song verewigt und erlangte so Kultstatus. „Mokka-Hits und Milchbar-Träume Revue
Komische Oper Berlin im Schillertheater, 19. Juni 2026“
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Verdis Otello begeistert das Lütticher Publikum

Leva, Ganci © J. Berger ORW-Liège

Mit Verdis Otello beschließt die Oper in Lüttich ihre sehr interessante Saison 2025/2026. International bewährte Sänger unter der Leitung des Dirigenten Francesco Lanzillotta sorgen für einen musikalisch gelungenen Abend. Die Inszenierung von Allex Aguilera und seinem Team stellt ihnen einen szenischen Rahmen zur Verfügung, in dem sie sich problemlos entfalten können, ohne von absurden Regiemätzchen gestört zu werden.

Giuseppe Verdi (1813-1901),  Otello
Oper in vier Akten (Libretto von Arrigo Boito)

Musikalische Leitung:  Francesco Lanzillotta

Inszenierung:  Allex Aguilera
Bühne:  Bruno de Lavenère
Kostüme:  Françoise Raybaud

Opéra Royal de Wallonie, Lüttich, 19. Juni 2026

 von Jean-Nico Schambourg

Im Programmheft kündigt der Regisseur Allex Aguilera an in seiner Inszenierung sei Desdemona nicht ein naives unschuldiges Opfer, sondern eine Frau, die versucht auf Basis von Koexistenz sich durchzuschlagen. Allerdings zeigt das Libretto der Oper doch deutlich, dass Desdemona ein Opfer der männlichen Dominanz und Gewalt ist, gegen die sie sich nicht wehren kann. Dieser Fakt ist leider zeitlos. War zu Verdis Zeiten, wie schon zu Shakespeares Zeiten, die Frau dem Willen des Mannes ausgeliefert, so hat sich seither nicht sehr viel geändert.

„Giuseppe Verdi, Otello
Opéra Royal de Wallonie, Lüttich, 19. Juni 2026“
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DIE SONNTAG-PRESSE – 21. JUNI 2026

© Simon Redel

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE SONNTAG-PRESSE – 21. JUNI 2026

Neumünster
Der Chorgesang beim Liverpool Oratorio triumphiert in Neumünster
Die Grundidee des Konzerts war, in einem großen Event zu zeigen, wie lebendig die (Amateur-) Chorszene in Schleswig-Holstein und Hamburg ist und durch die Aufführung des selten zu hörenden „Liverpool Oratorio“ von Paul McCartney und Carl Davis die klanglichen Möglichkeiten des Chorgesangs zu präsentieren.Dazu wurde ein Chor zusammengestellt, der aus etwa 500 Sängerinnen und Sängern bestand und der sich zusammensetzte aus 15 Chören. Schon der Anblick des riesigen Chorblocks in der Halle war unglaublich eindrucksvoll. Der optische Eindruck wurde aber durch die Musik noch übertroffen.  Das Liverpool Oratorio ist so vielseitig wie die teilnehmenden Chöre, es entzieht sich deshalb trotz des Namens einer Genrezuordnung.
Von Carsten Ingwersen
Klassik-begeistert.de

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