Interview mit dem Regisseur Maximilian Berling: „Anna Bolena ist ein wahnsinnig spannendes Stück – ein vertonter Politthriller“

Stückeinführung mit Regisseur Maximilian Berling

Ganz neu: Als besonderen Service bieten wir Ihnen Stückeinführungen zu den Premieren des Gärtnerplatztheaters München. Den Anfang macht die Oper Anna Bolena von Gaetano Donizetti. Die Premiere am Freitag, 4. Dezember 2020, wird um 19 Uhr auf der Website vom Gärtnerplatztheater gestreamt.

Darum geht es: König Heinrich VIII. hat eine neue Mätresse, Jane Seymour, die Kammerzofe seiner zweiten Gattin Anna Bolena. Nun versucht er, seine Gemahlin des Betrugs zu überführen, um sie loszuwerden. Die Intrige des Königs gelingt und Anna wird hingerichtet.

Der Regisseur Maximilian Berling hatte noch kurz vor der Premiere Zeit für ein Gespräch mit mir.

von Barbara Hauter

Klassik begeistert: Was erwartet uns bei der Premiere am Freitag?

Maximilian Berling: „Anna Bolena“ ist ein wahnsinnig spannendes Stück, es ist eigentlich ein vertonter Politthriller. Ein Stück über Intrigen am Königshof, Liebe, Macht, Eifersucht, das auch mit dem Tod endet. Das Ganze passiert in einem halbszenischen Format, es ist also keine reine konzertante Aufführung. Das Orchester sitzt im Graben, aber auf der Bühne sind Chor und Solisten mit den Noten, die Solisten tragen Kostüme und die Interaktion zwischen ihnen ist inszeniert. Wir haben für die Figuren viel psychologisch gearbeitet. „Interview Regisseur Maximilian Berling, Anna Bolena
Staatstheater am Gärtnerplatz“
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Interview Xavier de Maistre: „Kultur ist ein einendes Element, das beschützt werden muss!“

„Harfe auswendig zu spielen ist eine große Herausforderung und eine hohe Kunst, deswegen tendiere ich dazu die Harfe als höchst intellektuelles Instrument zu betrachten.“

Foto: https://www.rbartists.at (c)

Die Karriere des Harfenisten Xavier de Maistre (* 22. Oktober 1973 in Toulon, Frankreich) ist einzigartig. Als einer der innovativsten und hervorragendsten Musiker seiner Generation definiert er die Grenzen seines Instruments laufend neu. Wie kein anderer ist ihm der Schritt vom Orchestermusiker, zuletzt bei den Wiener Philharmonikern, zum weltweit gefeierten Harfensolisten geglückt. Innerhalb der letzten Dekade befreite de Maistre das Instrument von Klischeebildern und etablierte die Harfe als solistisches Instrument. Davon zeugt sein neues Album „Serenata Latina“, in dem sich de Maistre zusammen mit Rolando Villazón der lateinamerikanischen Liedtradition annimmt. Mit Klassik begeistert hat sich de Maistre über das aktuelle Welt- und Musikgeschehen ausgetauscht.

von Antonia Tremmel-Scheinost, London

Klassik begeistert: Herr de Maistre, wie geht es Ihnen im Umgang mit der Pandemie?

Xavier de Maistre: Die Krise sorgt global für große Unsicherheit, die natürlich auch an mir nagt. Das Leben ist unberechenbar geworden. Es ist kompliziert für uns Künstler… Ich bin es gewohnt auf Jahre im Voraus mein Leben zu organisieren und plötzlich weiß ich nicht mehr wie die nächsten Wochen, oder sogar der nächste Tag aussieht. Die Pandemie hat eine große Umstellung, ja eine Zäsur in mein Leben gebracht. Man kann sich nur gedulden und hoffen, dass bald wieder Normalität einkehrt.

Hat die Politik Kunst und Kultur in der Corona-Krise vergessen?

Xavier de Maistre: Ich kann viele Schritte der Politik gut nachvollziehen, jedoch habe ich beispielsweise nicht verstanden, warum im Sommer viele Festivals abgesagt wurden, die im Freien stattgefunden hätten und ausgeklügelte Präventionskonzepte vorgestellt hatten. Österreich hat das Kulturgeschehen zwischen der ersten und zweiten Welle recht gut gemanagt, von Deutschland hingegen bin ich sehr enttäuscht. Ich hatte den Eindruck, dass Kultur von der dortigen Politik für überhaupt nicht wichtig gehalten wird. Es ist lächerlich Konzerte vor 200 anstatt vor 2000 Leuten spielen zu müssen. Das macht für mich keinen Sinn. Im Gegensatz dazu haben die Salzburger Festspiele und die Wiener Staatsoper sehr gute Zeichen gesetzt. Das muss man wirklich anerkennen. „Interview Xavier de Maistre, Harfenist
klassik-begeistert.de“
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Die DONNERSTAG-PRESSE – 3. DEZEMBER 2020

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die DONNERSTAG-PRESSE – 3. DEZEMBER 2020

HEUTE ERÖFFNUNG EINES NEU ERBAUTEN KONZERT-KOMPLEXES IN ANKARA, TÜRKEI. Und wer eröffnet? Die rumänische Sopranistin Angela Gheorgiu, die sich immer noch hervorragend vermarktet. Fotos: Instagram (c)

Mailand
Der Scala fehlen 26 Millionen Euro
Der Kultur-Lockdown in Italien stürzt das bedeutendste Opernhaus des Landes in die Krise.
Wiener Zeitung

Mailänder Scala: 26 Millionen Euro fehlende Einnahmen
Intendant Dominique Meyer: „Die Unsicherheit ist unser größtes Problem.“ Noch ist unklar, wann das italienische Opernhaus wieder öffnen kann
Der Standard

Wien/ Staatsoper
Roščić gratuliert den Museen zum Dreier in der Corona-Lotterie
Im Gespräch mit dem KURIER kommentiert der Staatsoperndirektor die Entscheidung der Regierung, die Theater geschlossen zu halten
Kurier

Österreich
Vor 7. Jänner ist hier keine Perspektive“
Nur in zwei Bereichen gibt’s eine gute Botschaft: Die Museen dürfen ab kommendem Montag (7.12.) wieder öffnen. Auch Bibliotheken und Büchereien wird man wieder besuchen dürfen. Alle anderen hat Vizekanzler und Kulturminister Werner Kogler im Pressegespräch heute Dienstag (2.12.) nach dem Ministerrat wissen lassen: „Es geht halt im Moment noch nicht.“
DrehpunktKultur

München
„Die Zunge spitzen“: Ailyn Pérez über die Online-Premiere „Falstaff“
Die Staatsoper brachte am Mittwoch Verdis „Falstaff“ als Premiere online im Nationaltheater heraus. Die amerikanische Sopranistin Ailyn Pérez sang die Alice.
Münchner Abendzeitung

Köln
Oper Köln streamt Premiere zu „Die tote Stadt“
Genau 100 Jahre nach der Uraufführung kehrt Erich Wolfgang Korngolds Stück zurück an die Oper Köln – als Livestream mit „pay as you wish“.
https://kulturnews.de/oper-koeln-streamt-premiere-zu-die-tote-stadt/

Sommereggers Klassikwelt 64. Wilhelmine Schröder-Devrient – Richard Wagners Dresdner Muse
Die am 6. Dezember 1804 in Hamburg geborene Wilhelmine Schröder ist bis heute in der Geschichte der Oper das Urbild einer deutschen Primadonna. Ihr bewegtes Leben, obwohl mit 56 Jahren bedauerlich kurz, enthält Stoff genug für mehrere Dramen- oder eine Oper.
Als Kind eines Schauspieler-Ehepaares schien für sie der Weg auf die Bühne vorbestimmt. Sie erhielt anfangs Ballettunterricht, trat bereits mit fünf Jahren erstmals auf, nach der Übersiedlung der Mutter nach Wien wurde sie dort Mitglied eines Kinderballetts. Parallel wurde sie zur Schauspielerin ausgebildet und debütierte mit nur 15 Jahren am Wiener Burgtheater, entschloss sich aber, Sängerin zu werden. Nach ihrer Gesangsausbildung debütierte sie als Pamina in Mozarts „Zauberflöte“, bald darauf sang sie mit 17 Jahren Beethovens Leonore im „Fidelio“. Der Komponist soll von ihrer Rollengestaltung sehr beeindruckt gewesen sein.
Klassik-begeistert

Meine Lieblingssymphonie: Anton Bruckners Neunte
Zum Hörer symphonischer Musik wurde ich im Alter von 13 Jahren, als mich meine Klavierlehrerin anhand vierhändiger Klavierauszüge im Blattspielen zu unterweisen versuchte. Um das Übungsbeispiel wenigstens aus dem Gehör einigermaßen hinzubekommen, kramte ich Mozarts Jupitersymphonie aus meines Vaters Plattenschrank und ließ sie in Endlosschleife laufen. Das nervte ihn wohl, denn er legte mir bald weitere Schallplatten auf den Tisch und gab den eindringlichen Rat, auch diese anzuhören.
Lorenz Kerscher berichtet über seine Lieblingssymphonie.
Klassik-begeistert

CD: Joyce DiDonato & Brentano String Quartet, 2. Dezember 2020
„Ein wunderbarer Mitschnitt eines wunderbaren Konzertes in einem wunderbaren Album! Tipp: Weihnachten steht bald schon wieder vor der Tür.
Von Dr. Holger Voigt
Klassik-begeistert „Die DONNERSTAG-PRESSE – 3. DEZEMBER 2020“ weiterlesen

Er klingt eng und gepresst: Jonas Kaufmann singt in Deutschlands bestem Opernhaus und muss sich fragen lassen, wohin er eigentlich will

„Hört man noch einmal in Kaufmanns Plattenaufnahme der Butterfly hinein, die 2008 entstand, ist der Eindruck ein völlig anderer: Die Stimme strömt unangestrengt und frei, nichts vom Pressen und Quetschen, das inzwischen zu einem negativen Markenzeichen Kaufmanns geworden ist. Aber das war unzählige Auftritte früher. Der Vergleich sollte nicht zuletzt Kaufmann selbst zu denken geben.“

Trockenübung  der Bayerischen Staatsoper: La Bohème im menschenleeren Paris

„Beständig wechselt der Münchner Jonas Kaufmann zwischen stimmlicher Kraftmeierei, die er nicht ganz durchhält, und zurückgenommenen Passagen. In diesen deckt ihn der volle Sopran seiner Mimì deutlich zu. Eine recht unausgewogene Leistung, diese Rolle sollte Kaufmann zurücklegen.“

Giacomo Puccini, La Bohème
Nationaltheater München, zeitversetzter „Livestream“, 30. November 2020
Foto W. Hösl (c): La bohème: Tareq Nazmi (Colline), Jonas Kaufmann (Rodolfo), Andrei Zhilikhovsky (Marcello), Sean Michael Plumb (Shaunard)

von Peter Sommeregger

Die Nöte der stillgelegten Opernhäuser führen zu manchmal etwas schrägen Veranstaltungen, die sämtlich aus der Not geboren sind. Die Bayerische Staatsoper beschert uns also eine Live-Bohème aus dem leeren Nationaltheater. Ganz so live ist sie dann aber doch nicht, sie wurde bereits am 27. November aufgezeichnet, und wird auch noch ein weiteres Mal gezeigt: am Donnerstag, 3. Dezember 2020, um 19 Uhr für 14,90 Euro (Video on demand). „Giacomo Puccini, La Bohème, Jonas Kaufmann, Rachel Willis-Sørensen
, Bayerische Staatsoper, München, 30. November 2020“
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Ein Juwel zartbitterer Kammermusik: Joyce DiDonato - „Into The Fire“

„Ein wunderbarer Mitschnitt eines wunderbaren Konzertes in einem wunderbaren Album! Tipp: Weihnachten steht bald schon wieder vor der Tür. Dieses Album ist ein sehr schönes Präsent zum Weihnachtsfest, zumal es ja auch Franz-Xaver Grubers „Silent Night“ in einer sehr anrührenden Bearbeitung des Brentano-Quartetts als Abschluss enthält.“

CD-Besprechung „Into the Fire“,
Joyce DiDonato & Brentano String Quartet, 2. Dezember 2020

von Dr. Holger Voigt

Diese Zusammenstellung ist ein Live-Mitschnitt eines Konzertes in der ehrwürdigen Wigmore Hall in London, ein feinakustisches Juwel Londons, hervorgegangen aus der 1901 eingeweihten Bechstein Hall, die nach dem deutschen Pianofabrikanten Carl Bechstein benannt wurde. Dieser Konzertsaal zeichnet sich durch eine exzellente Akustik aus, insbesondere für Kammermusik und Vokalwerke. Man kann es auf dieser CD deutlich hören. „CD-Besprechung „Into the Fire“,  Joyce DiDonato & Brentano String Quartet, 2. Dezember 2020
klassik-begeistert.de“
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Die MITTWOCH-PRESSE – 2. DEZEMBER 2020

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Die MITTWOCH-PRESSE – 2. DEZEMBER 2020

Die Mezzosopranistin Elina Garanca ist in Neapel für die konzertante „Cavalleria Rusticana“ mit Jonas Kaufmann eingetroffen,
Foto: Instagram (c)

Jonas Kaufmann wirbt für den Stream „Cavalleria Rusticana“

Neapel
„Cavalleria rusticana“ als Bezahlstream
Elina Garanca und Jonas Kaufmann sind die Protagonisten von Pietro Mascagnis Oper „Cavalleria Rusticana“, die ab dem kommenden Freitag (4. Dezember) bis zum 7. Dezember in Konzertform auf der Facebook-Seite des Theaters zu sehen ist. Zuschauer werden dafür einen symbolischen Preis von 1,09 Euro zahlen müssen.
https://www.vol.at/erste-zusammenarbeit-der-opernstars-kaufmann-und-garanca/6823178

Grafenegg “ voll Zuversicht“ für nächsten Sommer
Das Klassikfestival will 2021 neben der Freiluftbühne auch seinen Konzertsaal wieder bespielen, Stars wie Juan Diego Flórez und Renée Fleming sind gebucht.
Wiener Zeitung

München
„La Bohème“ im Livestream: Notprogramm mit viel Schokolade
Rachel Willis-Sorensen und Jonas Kaufmann in Puccinis „La Bohème“ als Montags-Livestream aus dem Nationaltheater.
Münchner Abendzeitung

La bohème, fast live, aus München: Grande Emozione – gespielt und gesungen!
A
lle Stimmen haben zu jedem Zeitpunkt die Ausdruckskraft, Fülle und Stärke, die es braucht, um Puccinis „La bohème“ sängerischen Glanz zu verleihen. In einer Live-Aufführung eine sängerisch unglaubliche Herausforderung. Ich habe den heutigen Stream genossen!
Frank Heublein aus München
Klassik begeistert

Ladas Klassikwelt 56: Ludwig van Beethoven – Ein Komponist mit menschlichem Herzen
„Beethoven. Leben und Werk des großen Komponisten“ ist eine Geschichte nicht nur für Kinder, sondern auch für ganze Familien. Das Buch wurde vom Verlag Annette Betz herausgegeben, die Autoren sind Lene Mayer-Skumanz (Text) und Winfried Opgenoorth (Illustrationen).
Jolanta Lada Zielke berichtet aus ihrer Klassikwelt
Klassik-begeistert

Schweitzers Klassikwelt 23: Der Sängerfürst – Gottlob Frick und seine Zeit…
Gottlob Frick ist zumindest im deutschsprachigen Raum dank seines unverkennbaren Timbres zum Idealtypus der tiefsten Männerstimmlage geworden. Wir lesen, welche Bedeutung der Ex-Zar von Bulgarien für die Karriere Fricks gewann, und wir erfahren, was seine Verkörperung des Hagen an Besonderheit bietet.
von Lothar Schweitzer
Klassik-begeistert

Wien/ Theater an der Wien
Geisterpremiere: Kabarettist Alfred Dorfer inszeniert mit Mozarts „Le nozze di Figaro“ seine erste Oper
https://www.tz.de/muenchen/kultur/geisterpremiere-kabarettist-alfred-dorfer

Eine Feier im kleinen Kreis: Le nozze di Figaro am Theater an der Wien
bachtrack

Deutschland
„Zumutung für den Kulturstaat“
Mehr Wertschätzung für die Kultur fordert der Ickinger Klassik-Veranstalter Christoph Kessler in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und weitere fünf Ministerinnen und Minister ein.
Sueddeutsche Zeitung „Die MITTWOCH-PRESSE – 2. DEZEMBER 2020“ weiterlesen

Sommereggers Klassikwelt 64: Wilhelmine Schröder-Devrient – Richard Wagners Dresdner Muse

von Peter Sommeregger

Die am 6. Dezember 1804 in Hamburg geborene Wilhelmine Schröder ist bis heute in der Geschichte der Oper das Urbild einer deutschen Primadonna. Ihr bewegtes Leben, obwohl mit 56 Jahren bedauerlich kurz, enthält Stoff genug für mehrere Dramen- oder eine Oper.

Als Kind eines Schauspieler-Ehepaares  schien für sie der Weg auf die Bühne vorbestimmt. Sie erhielt anfangs Ballettunterricht, trat bereits mit fünf Jahren erstmals auf, nach der Übersiedlung der Mutter nach Wien wurde sie dort Mitglied eines Kinderballetts. Parallel wurde sie zur Schauspielerin ausgebildet und debütierte mit nur 15 Jahren am Wiener Burgtheater, entschloss sich aber, Sängerin zu werden. Nach ihrer Gesangsausbildung debütierte sie als Pamina in Mozarts „Zauberflöte“, bald darauf sang sie mit 17 Jahren Beethovens Leonore im „Fidelio“. Der Komponist soll von ihrer Rollengestaltung sehr beeindruckt gewesen sein. „Sommereggers Klassikwelt 64: Wilhelmine Schröder-Devrient – Richard Wagners Dresdner Muse
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Meine Lieblingssymphonie 50: Anton Bruckners Neunte

„Weitergehende Antworten auf die Fragen nach den letzten Dingen sollen wir wohl nicht erhalten, es muss uns genügen, im harmonischen Ausklang des Adagios zur Ruhe zu kommen.“

von Lorenz Kerscher

Zum Hörer symphonischer Musik wurde ich im Alter von 13 Jahren, als mich meine Klavierlehrerin anhand vierhändiger Klavierauszüge im Blattspielen zu unterweisen versuchte. Um das Übungsbeispiel wenigstens aus dem Gehör einigermaßen hinzubekommen, kramte ich Mozarts Jupitersymphonie aus meines Vaters Plattenschrank und ließ sie in Endlosschleife laufen. Das nervte ihn wohl, denn er legte mir bald weitere Schallplatten auf den Tisch und gab den eindringlichen Rat, auch diese anzuhören. Mit einigen dieser Werke, wie Beethovens Pastorale und Schumanns Frühlingssymphonie, freundete ich mich recht leicht an. Auch die heitere D-Dur-Symphonie von Brahms schloss ich bald ins Herz, doch Bruckners Neunte war mir zunächst ein Buch mit sieben Siegeln. Mir war, als würden aus düsteren Urnebeln Lavafontänen hervorschießen, gigantische Klangeruptionen gingen unvermittelt in fast unhörbare Paukenwirbel über und mir bekannte Gesetze von Form und Harmonielehre schienen nicht mehr zu gelten. „Meine Lieblingssymphonie 50: Anton Bruckners Neunte
Meine Lieblingsmusik 49“
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La bohème, fast live, aus München: Grande Emozione – gespielt und gesungen!

Rezension des Videostreams: Montagsstück V: Giacomo Puccini, La bohème

Alle Stimmen haben zu jedem Zeitpunkt die Ausdruckskraft, Fülle und Stärke, die es braucht, um Puccinis „La bohème“ sängerischen Glanz zu verleihen. In einer Live-Aufführung eine sängerisch unglaubliche Herausforderung. Ich habe den heutigen Stream genossen!

Bayerische Staatsoper, München, Stream am 30. November 2020 einer Aufnahme vom 27. November 2020
Foto: Nationaltheater, München, © Felix Löchner

von Frank Heublein

Der Wein, den ich gerade geöffnet habe, heißt Grande Emozione. Er  passt sehr gut zum dem, was ich gerade gehört und gesehen habe. Es schmeckt beides, vollmundig!

Denn diese Oper ist – einmal mehr – volle Kanone Liebe. Sie entbrennt, sie wird zelebriert, sie zerbricht in Eifersucht und Zorn. Sie wird sich zurückersungen. Wird unterdrückt, wird verteufelt. Um am Ende hinabzusinken in die Unendlichkeit des tödlichen Verlusts.

Das ist La Bohème!

Mein erster Eindruck bleibt mein einziger: alle Stimmen sind auf sehr hohem Niveau. Keine und keiner versteckt sich hier vor der einen oder dem anderem. Alle sind sängerisch wie spielerisch auf Augenhöhe.

Ich sehe den Stream heute als Vorteil. Das Spiel sieht man in filmischer Nahaufnahme viel besser als durch jedes Opernglas. „Giacomo Puccini, La bohème, Jonas Kaufmann
Bayerische Staatsoper, München, Stream am 30. November 2020 einer Aufnahme vom 27. November 2020“
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Schweitzers Klassikwelt 23: Der Sängerfürst - Gottlob Frick und seine Zeit

Der berühmte Bass war sich in zunehmendem Alter nicht zu schade auch an kleineren Theatern Rollen zu übernehmen. Mit Anerkennung bemerkte er, er habe bei den Proben noch einiges profitieren können.

Foto: Umschlaggestaltung © Elser Druck GmbH. Gottlob Frick im Kostüm des Boris Godunow.

von Lothar Schweitzer

Gottlob Frick ist zumindest im deutschsprachigen Raum dank seines unverkennbaren Timbres zum Idealtypus der tiefsten Männerstimmlage geworden. Wir lesen, welche Bedeutung der Ex-Zar von Bulgarien für die Karriere Fricks gewann, und wir erfahren, was seine Verkörperung des Hagen an Besonderheit bietet.

Die von Klaus Günther verfasste Biografie ist im Jahre 2007 herausgekommen und nach meinen Recherchen nicht mehr im Buchhandel erhältlich. Würde sich eine Neuauflage auszahlen? Auch wenn der legendäre Bass  (*1906 †1994) als „Caruso der Bässe“ bezeichnet wurde, ist das aus vielen Quellen genährte Werk vor allem für Opernliebhaber reizvoll, die über ein halbes Jahrhundert mit dieser schönen Kunstform Erfahrungen gesammelt haben und denen auch die beschriebenen SängerkollegInnen und -partnerInnen zumindest zum Teil akustisch bekannt sind.

Zum Beispiel ist es erstaunlich, dass in einer Gesamtaufnahme des „Don Giovanni“ aus dem Jahr 1943 Gottlob Frick noch den Bauern Masetto übernehmen musste und der leichte Bassbuffo Heinrich Pflanzl, mir als Schweinezüchter Zsupán im Ohr, die mit ruhigem Ernst vorzutragende Partie des Komturs singen durfte.

Für mich als Ohrenzeuge in der Oper nicht mehr überprüfbar die Qualitätsunterschiede zwischen dem sieben Jahre älteren Ludwig Weber und Gottlob Frick. Erlebte ich Ludwig Weber nur mehr als Sechzigjährigen als eindrucksvollen Komtur und zwei Jahre später in der bescheidenen Partie des Boten des Lajos (Orff, Ödipus der Tyrann), so ist mir der Mittfünfziger Frick als Rocco („Gut, Söhnchen, gut, hab immer Mut“) und Daland mit herrlichem tiefem F bei „mir ist nicht bang“ gegenwärtig.

Als Gurnemanz, als welcher Frick Lobeshymnen erhält, kenne ich Kurt Rydl, Matti Salminen (Zürich) und als ersten Eindruck anlässlich eines Gesamtgastspiels der Württembergischen Staatsoper in Wien Otto von Rohr, der für mich durch seine Ausgewogenheit von Wort und Ton der ideale Gurnemanz blieb.

Die klassische Frage lautet: Wie wird das Talent einer Sängerin, eines Sängers entdeckt? Das Quartett des Ölbronner Liederkranzes wurde zu einem Halali eingeladen. Regierungsrat Dr. Paul, Verwaltungschef der Staatsoper in Stuttgart, kannte sich mit Stimmen aus und unter den vier frischen, kräftigen Stimmen stach der schlanke junge Mann mit dem ausdrucksvollen Kopf deutlich hervor.

Der 1918 abgedankte Zar Ferdinand von Bulgarien aus dem Hause Coburg widmete sich fortan den schönen Künsten, war bei vielen Proben des Theaters Coburg anwesend und zeigte besonderes Interesse für den Sängernachwuchs. Gut dass sich Frick, 2. Bass im Chor der Württembergischen Staatsoper, 1934 als Solist für das Theater Coburg beworben hatte!

Seine vorherige Stuttgarter Zeit war eine schicksalhafte Fügung, denn dort begann ebenfalls im Chor Margarete Bayen, die in der Rolle einer Brautjungfer im „Freischütz“ und als Barbarina in Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ ihre ersten Erfolge feierte. Wenige Jahre nach ihrer Eheschließung gab Margarete Frick ihre Gesangskarriere auf, was ihr nicht leicht gefallen war, denn sie hatte gern gesungen. Der Lohn war eine 65 Jahre dauernde Ehe.

„Schweitzers Klassikwelt 23: Der Sängerfürst – Gottlob Frick und seine Zeit
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