Minimalistisch und poetisch in einem: Berlin krönt seinen Janáček-Zyklus mit „Das schlaue Füchslein“

Magdalena Kožená, Vera-Lotte Boecker © Monika Rittershaus

Die größte Aufmerksamkeit galt der Berliner Staatskapelle, die vor wenigen Tagen als bestes Orchester mit einem Award der Zeitschrift „Oper!“ ausgezeichnet worden war. Ihr schöner, zu der böhmischen Musik passender warmer Klang und die Klasse jeder einzelnen Sektion war nicht zu überhören, farbenreich brachte sie die Partitur zum Leuchten. Seitens der dynamischen Gestaltung blieb allerdings noch Luft nach oben. Ted Hufmans Inszenierung wartet mit fantasiereichen Kostümen und virtuoser Akrobatik auf.

Leoš Janáček  „Das schlaue Füchslein“

Musikalische Leitung: Sir Simon Rattle

Inszenierung: Ted Hufman
Bühne: Nadja Sofie Eller
Kostüme: Astrid Klein

Einstudierung Chor: Dani Juris
Staatsopernchor, Kinderchor der Staatsoper

Staatskapelle Berlin

Staatsoper Unter den Linden, 28. Februar 2026,  Premiere

von Kirsten Liese

„Am Ende der Oper weine ich, weil sie eine tiefe Wahrheit erzählt“, sagt Simon Rattle. Mir geht es ähnlich, aber auch, weil „Das schlaue Füchslein“ den grausamen Umgang der Menschen mit den Tieren berührt. – Zu einer Zeit, in der noch kein Bewusstsein dafür herrschte, wieviel Leid in einem Pelzmantel steckt.

Jedenfalls kommt mir keine zweite Oper in den Kopf, die Mitgefühl mit den Bewohnern des Waldes derart explizit zum Ausdruck bringen würde wie dieses bezaubernde Werk von Leoš Janáček, dessen Aufführungsgeschichte in Berlin bedeutsame Stationen erlebte. „Janáček, Das schlaue Füchslein, Staatskapelle Berlin, Sir Simon Rattle
Staatsoper Unter den Linden, 28. Februar 2026,  Premiere“
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„Die Zauberflöte“, mon amour: Eine Liebeserklärung an Mozarts Geniestreich

Foto: Michael Pöhn / Wiener Staatsoper

Oft belächelt, nie erreicht: Es hat einen Grund, warum die „Zauberflöte“ zur meistgespielten Oper der Welt zählt – und mit zu den besten zählt. Uraufgeführt 1791 und zu Recht auf den Spielplänen weltweit omnipräsent.

von Jürgen Pathy

Zeigt mir eine Oper, die so vieles auf einem Fleck vereint wie die „Zauberflöte“ – gibt es kaum. Mozarts Geniestreich in Kooperation mit Emanuel Schikaneder lässt vieles zu, schon in der Interpretation der Regie. Man kann sie als Märchen auf die Bühne bringen, als Kasperltheater und als Klamauk, was oft so passiert, oder aber als hochintellektuelle Deutung. Stichwort: Aufklärung, Erleuchtung. Das heißt: Sie ist für Fünfjährige genauso reizvoll wie für 80-Jährige.

„Warum Mozarts Zauberflöte so genial ist
klassik-begeistert.de, 1. März 2026“
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Auf den Punkt 83: Vorsicht vor Schlagerfuzzis

RIGOLETTO von Giuseppe Verdi, Deutsche Oper Berlin, copyright: Bettina Stöß

Giuseppe Verdi / Rigoletto

Melodramma in drei Akten
Libretto von Francesco Maria Piave
Uraufführung am 11. März 1851 in Venedig
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 21. April 2013

Orchester der Deutschen Oper Berlin
Roberto Rizzi Brignoli  / Dirigent

Deutsche Oper Berlin, 1.  März 2026

 von Jörn Schmidt

DISCLAIMER I – Es ist nichts falsch daran, Schlager zu mögen oder zu singen. Für die dringendst gebotenen Differenzierungen lesen Sie bitte hier bei klassik-begeistert meine Interviews mit den Opernstars Romana Amerling und Mariangela Sicilia.

DISCLAIMER II – Schlager schaden  Ihrem Herzen.

Ein Disclaimer ist eine rechtliche Erklärung, die typischerweise verwendet wird, um sich von Haftung für bestimmte Inhalte zu befreien. Funktioniert nicht immer, aber mit ist besser als ohne.

Konkret habe ich meiner Kolumne den ersten Disclaimer vorangestellt,  damit Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert, vor äußerungsrechtlichen Abmahnungen geschützt ist. Denn nicht jeder Künstler findet es vielleicht lustig, als Schlagerfuzzi (s.u.) dazustehen. „Auf den Punkt 83: Vorsicht vor Schlagerfuzzis
Deutsche Oper Berlin, 1. März 2026“
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Lahav Shani musiziert meisterlich, als Dirigent wie als Pianist

Lahav Shani © Marco Borggreve

Das Orchester aus Rotterdam gestaltet vor nur halbvollen Rängen ein ausgezeichnetes Konzert in der Essener Philharmonie.

Paul Dukas (1865-1935) – L’apprenti sorcier (Der Zauberlehrling)

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) – Suite für Variété-Orchester
Dmitri Schostakowitsch – Konzert Nr. 2 F-Dur für Klavier und Orchester op. 102

Richard Strauss (1864-1949) – Till Eulenspiegels lustige Streiche. Tondichtung op. 28

Rotterdams Philharmonisch Orkest
Lahav Shani, Klavier und Leitung

Philharmonie Essen, 28. Februar 2026

von Brian Cooper

Lahav Shani ist in dieser Spielzeit Portraitkünstler der Philharmonie Essen. Das Wort „Portraitkünstler“ ist vielleicht nicht ganz unwichtig angesichts der Tatsache, dass er eben nicht nur ein gefeierter Dirigent ist, sondern auch ein hervorragender Pianist. In beiden Funktionen war er an diesem überaus unterhaltsamen Abend zu erleben. Kontrabass spielt er auch noch, genau wie sein Vorgänger beim Israel Philharmonic, Zubin Mehta, aber das führte jetzt zu weit…

Das Programm, das das exzellente Rotterdam Philharmonic Orchestra (daheim: Rotterdams Philharmonisch Orkest) nun in Essen spielte, war extrem reizvoll. Daher verwunderte, dass die Ränge an diesem Samstagabend vergleichsweise leer waren. Allenfalls knapp über die Hälfte der Plätze waren besetzt. „Lahav Shani, Strauss und Schostakowitsch
Philharmonie Essen, 28. Februar 2026 “
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Pique Dame: Im Tode versperrt die Gräfin Hermann den Weg in ihre “höhere” soziale Klasse

A. Soghomonyan, O. Maslova, O. Petrova © J. Berger-ORW Liège

Die Opéra Royal de Wallonie in Lüttich spielt momentan eine neue Produktion von Piotr Tschaikowskis Oper “Pique Dame”. Interpretiert von einem Ensemble aus fast ausschließlich russischsprachigen Sängern unter der musikalischen Leitung vom Lütticher Chefdirigenten Giampaolo Bisanti, zeigt die Inszenierung der Regisseurin Marie Lambert-Le Bihan auf starke Art und Weise die sozial unmögliche Beziehung der beiden Hauptcharakteren Lisa und Hermann.

Piotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893)
PIQUE DAME
Oper in drei Akten  (Libretto von Modest Tschaikowski)

Musikalische Leitung: Giampaolo Bisanti

Inszenierung: Marie Lambert-Le Bihan
Bühne & Kostüme: Cécile Trémolières

Opéra Royal de Wallonie, Lüttich, 27. Februar 2026

von Jean-Nico Schambourg

Sowohl Herrmann als auch Lisa sind gefangen in ihrer jeweiligen eigenen Welt. Hermann, ein Mensch aus dem einfachen Volk kommend, der sich alles im Leben erkämpfen muss, glaubt durch die Sage der drei Karten den Weg in die höhere Gesellschaft gefunden zu haben und wird am Schluss von der toten Gräfin verlacht. Sie hatte schon zu ihrer Lebzeiten keine Sympathie für ihn, da er nicht aus ihrer Gesellschaftsschicht kommt.

„ Piotr Iljitsch Tschaikowski, Pique Dame, Inszenierung Marie Lambert-Le Bihan
Opéra Royal de Wallonie, Lüttich, 27. Februar 2026“
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Die slawische Seele bezaubert in Lübeck mit intimer Finesse

Stefan Vladar © Olaf Malzahn

In einer lauten, zu lauten Zeit tut es der Seele wohl, sich den feinen, sanften Tönen zu widmen und einfach einmal innezuhalten. Da passt es hervorragend, dass sich eine Handvoll hochkarätiger Musiker zusammengetan hat, um im Theater Lübeck am 28. Februar 2026 drei sehr feinnervige und tiefgründige Werke in einem Kammerkonzert aufzuführen. Die „slawische Seele“ sollte aus diesen sehr unterschiedlichen Kompositionen sprechen, doch, wie so oft, erschien diese seelenvolle Sprache vielmehr universell.

Slawische Seele

Stefan Vladar & Mitglieder des Philharmonischen Orchesters


Dmitri Schostakowitsch,
Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll op. 40
Sergei Prokofjew, Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 D-Dur op. 94 a
Antonín Dvořák, Klavierquintett Nr. 2 A-Dur op. 81

Stefan Vladar, Klavier

Hans-Christian Schwarz, Violoncello,
Carlos Johnson, Violine
Daniela Danaj, Violine
Elisabeth Fricker, Viola

Theater Lübeck, Großes Haus, 28. Februar 2026

von Dr. Andreas Ströbl

Ängstliches Schaffen mit Stalins Faust im Nacken

Mit Ironie und Humor können Diktatoren und ihre Schergen nichts anfangen. 1936 wurde Schostakowitsch öffentlich vorgeworfen, „linke Zügellosigkeit statt einer menschlichen Musik“ zu komponieren. Da hieß es vorsichtig sein, und mögliche kritisierbare Aspekte noch sorgsamer zu verpacken. „Slawische Seele, Stefan Vladar & Mitglieder des Philharmonischen Orchesters
Theater Lübeck, 28. Februar 2026“
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DIE SONNTAG-PRESSE, 1. MÄRZ 2026

Nabucco Anna Netrebko © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE SONNTAG-PRESSE – 1. MÄRZ 2026

Netrebko als rachsüchtige Tochter: „Nabucco“ an der Staatsoper (Bezahlartikel)
Anna Netrebko sang ihre erste Abigaille an der Wiener Staatsoper. Ein beachtliches, aber nicht restlos überzeugendes Debüt an einem insgesamt recht farblosen Abend.
DiePresse.com

Abigaille ist keine Idealpartie für La Netrebko
Viele Buhs für Anna Netrebko und Kollegen! Das Wiener Rollendebüt der Sopranistin als böse, machthungrige Königstochter in Verdis „Nabucco“ wurde alles andere als ein Fest. Wenn die Netrebko in der Staatsoper auftritt, darf draußen die kleine Demo nicht fehlen! Dem Publikum ist’s egal. Aber die Sänger irritiert das vielleicht. Der erste Akt von Verdis „Nabucco“ wirkte nervös, ohne Impetus: der Chor der Hebräer verschleppt, Alexander Vinogradovs Arie des Zaccaria „Sperate, o figli“ stimmlich unbefriedigend.
krone.at

„DIE SONNTAG-PRESSE – 1. MÄRZ 2026“ weiterlesen

Hingabe pur: Anne-Sophie Mutter verzaubert mit dem London Philharmonic

Anne-Sophie Mutter © Jürgen Carle

Es gibt Abende in der Alten Oper, da spürt man schon beim Betreten des Saals eine besondere Erwartung. Vielleicht liegt es daran, dass man zwei Musikerinnen erwartete, die zwar unterschiedlichen Generationen angehören, aber denselben unbedingten Willen zur künstlerischen Wahrheit teilen. Wenn Anne-Sophie Mutter, die seit nunmehr fünf Jahrzehnten die Geigenwelt anführt, und die US-amerikanische Dirigentin Karina Canellakis erstmals gemeinsam auf Tournee gehen, dann ist das kein bloßes Schaulaufen des Veranstalters. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe, die den Staub von den Partituren klopft, ohne deren Würde zu verletzen.

Jean Sibelius Tapiolas Tochter op. 49
Pjotr Iljitsch Tschaikowskys  Violinkonzert D-Dur op. 35
Ludwig van Beethoven  Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Anne-Sophie Mutter, Violine

London Philharmonic Orchestra
Karina Canellakis, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 27. Februar 2026

von Dirk Schauß

Dass das London Philharmonic Orchestra (LPO) unter Canellakis den Abend mit Jean Sibelius’ „Pohjolas Tochter“ eröffnete, war ein kluger, programmatischer Schachzug. Das Stück ist in unseren Breitengraden immer noch ein Geheimtipp, dabei steckt es voller erzählerischer Urgewalt. Um die Musik zu verstehen, hilft ein Blick in das finnische Nationalepos Kalevala: Der alte, mächtige Zauberer Väinämöinen sieht auf seiner Heimreise die Tochter des Nordens auf einem Regenbogen sitzen. Sie ist wunderschön, aber von einer kühlen Arroganz. Sie fordert Unmögliches von ihm – etwa, ein Boot aus den winzigen Splittern ihrer Spindel zu zimmern. Der stolze Zauberer scheitert an dieser Aufgabe, verletzt sich und zieht beschämt in die Einsamkeit von dannen. „Anne-Sophie Mutter, Violine, LPO, Karina Canellakis, musikalische Leitung
Alte Oper Frankfurt, 27. Februar 2026 “
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Andrè Schuen und Daniel Heide überzeugen mit einem ungewöhnlichen Liedprogramm

Andrè Schuen & Daniel Heide © Christoph Köstlin / DG

Nach anfänglichen Bedenken erweist sich der Pierre-Boulez-Saal inzwischen als nahezu perfekter Raum für eine so intime Kunst wie den Liedgesang, ein gelungener Gegenentwurf zu dem konzeptionell gescheiterten Kammermusiksaal der Philharmonie.

Andrè Schuen & Daniel Heide
Träume, Alpträume

Lieder von Strauss, Wagner und Zemlinsky

Pierre-Boulez-Saal Berlin, 27. Februar 2026

von Peter Sommeregger

Der aus Südtirol stammende Bariton Andrè Schuen hat sich in den letzten Jahren neben seinen Opernpartien auch als Liedsänger profiliert. Als kongenialen Partner, auch für seine CD-Einspielungen, hat er sich den Pianisten Daniel Heide gewählt, der weit über das Maß eines Klavierbegleiters hinaus als Pianist überzeugen kann. „Andrè Schuen & Daniel Heide, Träume, Alpträume
Pierre-Boulez-Saal Berlin, 27. Februar 2026“
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„…ich werde dich zwingen, die Bestimmung zu ertragen“ – Die Lübecker „Carmen“ wird immer besser!

Evmorfia Metaxaki © Jochen Quast und Felix Broede

Auch in der zweiten Spielzeit füllt die „Carmen“-Inszenierung von Philipp Himmelmann das große Haus des Lübecker Theaters. Und wieder gab es begeisterte Bravo-Rufe, stehende Ovationen und mehrfachen Szenenapplaus. Die entschlackte, auf einen Femizid-Krimi reduzierte Produktion ist unglaublich mitreißend – am 27. Februar 2026 erschien dieses Beziehungsdrama in der 11. Vorstellung sogar noch packender als bei der Premiere.

Georges Bizet,     Carmen

Ieva Prudnikovaite, Mezzosopran
Konstantinos Klironomos, Tenor
Evmorfia Metaxaki, Sopran
Jacob Scharfman, Bariton
Changjun Lee, Bass
Andrea Stadel, Sopran
Noah Schaul, Tenor

Stefan Vladar, Dirigent

Philipp Himmelmann, Inszenierung

Chor und Extrachor des Theaters Lübeck
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck

Theater Lübeck, 27. Februar 2026
(Premiere am 20. Juni 2025)

von Dr. Andreas Ströbl

Mit vermeintlich optimistischer Frische ins Drama

Schon bei den ersten Takten der Ouvertüre ist klar – GMD Stefan Vladar und das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck haben das Tempo nochmal angezogen. Diese Rasanz zieht das Publikum in den Strudel derjenigen Leidenschaft, die in einer Bluttat mündet, fernab jeglicher Klischees oder Entschuldigungsmodelle für, entsprechend der aktuellen Terminologie, männlich-toxisches Verhalten. „Georges Bizet, Carmen – Evmorfia Metaxaki, Sopran
Theater Lübeck, 27. Februar 2026“
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