Staatsoper Hamburg: "Ádám Fischer lebe lang!"

Foto: Jörg Landsberg ©

Staatsoper Hamburg, 6. Oktober 2022

Die Entführung aus dem Serail
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Johann Gottlieb Stephanie

Würde dieses Haus doch immer so spielen, dann wäre Hamburg wieder eine wahre Musikstadt und die Oper am Gänsemarkt – wie in alten Zeiten – ein Haus von Weltruf. Luftiger Gesang fusioniert mit lustigem Schauspiel in einer Inszenierung ebenso kurz und knackig wie ihre Schöpfung: Das war Singspiel at its finest!

Johannes Karl Fischer

Nein, David Bösch und sein Team haben hier keine spektakulären Szenen wie im Don Pasquale zur Schau gebracht, Minimalismus ist angesagt. Ein paar Matratzen auf der Bühne, viel Personenregie ist im Spiel. Der Dirigent winkt den Osmin noch kurz zurecht, ein bisschen weiter links soll er stehen, bevor die nächste Nummer startet. Geplant oder eine kurze Korrektur?

Es wirkt – auch im zweiten Jahr – alles sehr spontan. Gut so, genau das, was dieses Genre braucht. Keine ausgefeilten, auf Perfektion inszenierten Witze, so nach dem Motto: „Jetzt bitte lachen!“. Gelacht wird, weil es was zum Lachen gibt. So war das zu Mozarts Zeiten, so kommt es am natürlichsten. Und: Zwei Wochen hatte die Regie damals, um ein Konzept für Schauspiel und Bühne auf die Beine zu stellen. „Wolfgang Amadeus Mozart, Die Entführung aus dem Serail
Staatsoper Hamburg, 6. Oktober 2022“
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Richard Wagner kühlt eine Flasche Champagner auf dem Gletscher

Buchbesprechung  „Der Platz für Götter. Richard Wagners Wanderungen in der Schweiz“ von Eva Rieger und Hiltrud Schroeder

von Jolanta Łada-Zielke

Ich habe den letzten Silvesterabend auf der Rigi verbracht, wo mein Mann und ich mit der Zahnradbahn von Vitznau aus hinauffuhren. Es war ein großartiges Erlebnis, das Jahr 2022 auf einem von Richard Wagners Lieblingsbergen zu begrüßen, den er zu seiner Lebzeit dreimal bestieg. Der andere Alpengipfel, den der Komponist bewunderte, war Pilatus. Später ist mir das Buch „Der Platz für Götter“ in die Hände gefallen, das über die Wanderungen des Komponisten in den Schweizer Alpen erzählt. Die Autorinnen Eva Rieger und Hiltrud Schroeder sind selbst all diese Wege gegangen. Dank ihrer Publikation habe ich viel mehr über Richard Wagners Expeditionen, Faszinationen, Inspirationen und verschiedene, nicht immer angenehme Erlebnisse erfahren. „Buchbesprechung: „Der Platz für Götter. Richard Wagners Wanderungen in der Schweiz“ von Eva Rieger und Hiltrud Schroeder
klassik-begeistert.de 7. Oktober 2022“
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DIE FREITAG-PRESSE – 7. OKTOBER 2022

Teodor Currentzis, Foto: © Anton Zavjyalov

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DIE FREITAG-PRESSE – 7. OKTOBER 2022

Teodor Currentzis: „Utopia ist nicht Teodors Orchester“
Das neue Ensemble des Stardirigenten gastiert in Wien. Ein Werkstattbesuch vorab.
WienerZeitung.at

Luxemburg
Utopia Orchester – Meister des Schweigens
Teodor Currentzis dirigiert zum ersten Mal sein neu gegründetes Utopia Orchester in Luxemburg: fabelhaft. Die Diskussionen um seine Person beendet er damit aber nicht.
SueddeutscheZeitung.de

Wien
Die Staatsoper braucht keinen Musikdirektor
Wie Philippe Jordan die Ereignisse schildert, waren sie nicht: Die Staatsoper hat seinen Vertrag schon im Juni per 2025 beendet. Kluges Vorgehen ist jetzt angezeigt
https://www.news.at/a/spitzentoene-staatsoper-musikdirektor-12732663

Wien/Musikverein
Wiener Symphoniker: Ingo Metzmacher dirigiert „Das Buch mit sieben Siegeln“
Unter dem deutschen Dirigenten gelingt eine mustergültige Aufführung von Franz Schmidts Oratorium – ohne Bombast und Glaubenskitsch.
DerStandard.at.story

Umjubeltes „Buch mit sieben Siegeln“
Ingo Metzmacher dirigierte Wiener Symphoniker und Wiener Singverein. Am Ende wurde der Wiener Singverein besonders gefeiert. Zu Recht. Kein Vokalensemble versteht sich derzeit so auf die vertrackten Herausforderungen des Chorparts von Franz Schmidts „Das Buch mit sieben Siegeln“
DiePresse.com.at

Wien/Musikverein
Offenbarung mit Unwuchten
Franz Schmidts „Buch mit sieben Siegeln“ im Musikverein.
WienerZeitung.at

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Carmen in HH: Dass Männer allesamt Trottel sind, werden wir schmunzelnd ertragen

Foto: Katrina Galka (Frasquita), Kostas Smoriginas (Escamillo), Tomislav Mužek (Don José), Yoel Gamzou (musikalische Leitung), Sascha-Alexander Todtner (?, Mitarbeit Regie), Maria Kataeva (Carmen), Elbenita Kajtazi (Micaëla), Ida Aldrian (Mercédès), Jürgen Sacher (Remendado), Hubert Kowalczyk (Zuniga) (Foto: RW)

Hamburgische Staatsoper, 5. Oktober 2022
5. Vorstellung seit der Premiere am 17. September 2022

Georges Bizet
Carmen

Ein hervorragendes Sängerensemble und ein beeindruckendes Bühnenbild adeln Georges Bizets Oper Carmen

Tomislav Mužek erklärte mit lyrischem Schmelz und heldischem Forte seine Liebe zu Carmen (Blumenarie), und Maria Kataeva als Carmen hörte ihm zu, erst ungläubig, dann wieder mitleidig und schließlich mit tiefer Empathie für den Verliebten. Das war von der Sängerin grandios gestaltet.

von Dr. Ralf Wegner

Ich ging mit nicht sehr hohen Erwartungen in die Aufführung und wurde positiv überrascht. Anfangs ähnelten Bühne, Kostüme und Regie einem chinesischen Puppentheater mit übertriebener hölzerner Gestik (Inszenierung und Bühne Herbert Fritsch), grotesk geschminkten Gesichtern und überzeichneten bunten Kostümen (José Luna). Die Bühnenmitte füllte ein rund eingefasstes, buntes Blumenbeet, in dessen Mitte eine gut 6 Meter hohe, blau ummantelte Madonnenfigur herabgelassen wurde. Der Schauwert war hoch und überdeckte die sich in dieser Oper anfangs immer ausbreitende Langeweile. „Georges Bizet, Carmen
Hamburgische Staatsoper, 5. Oktober 2022“
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Die Tierschutzorganisation PETA will die Kaninchen in der Berliner Staatsoper von ihrem Leid befreien...

…und Leserinnen und Leser von klassik-begeistert äußern Ihr blankes Entsetzen zur „Tierquälerei“ im ethischen Sinne in einem der bedeutendsten Opernhäuser der Welt, mitten in der 3,7-Millionen-Einwohner-Metropole Berlin, Unter den Linden.

Foto: © Monika Rittershaus, offizielles Pressefoto (!!!) der Staatsoper Unter den Linden, Berlin

von Andreas Schmidt

Die renommierte und größte deutsche Tierschutzorganisation PETA Deutschland – People for the Ethical Treatment of Animals – will dafür kämpfen, dass die Kaninchen, die in den ersten zwei Teilen von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ in Metallkäfigen unter gleißendem Licht dem Publikum in der Staatsoper Unter den Linden, Berlin, präsentiert werden, nicht mehr auf die Bühne müssen. Denn es stehen noch zwei weitere Staffeln des RINGs an! In „Das Rheingold“ und „Die Walküre“ müssen sich die Tiere für je eine halbe Stunde dem Licht und der oft sehr lauten Musik aussetzen. Dies hatte klassik-begeistert-Autorin Kirsten Liese, eine renommierte deutsche Kulturjournalistin aus Berlin, zu Recht moniert.

klassik-begeistert.de empfiehlt: Schauen Sie sich bitte unbedingt die Homepage von PETA Deutschland an. PETAs Aussagen sind klar, logisch wie ethisch wertvoll. Wer in die Welt von PETA eintaucht, wird Misshandlungen an Tieren fortan anders beurteilen. „„Tierquälerei“ in der Staatsoper Unter den Linden, Berlin – Reaktionen
klassik-begeistert.de, 6. Oktober 2022“
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Lübeck startet mit diesem „Lohengrin“ beachtlich in die Saison 2022/23

Foto: © Jochen Quast

Theater Lübeck, 4. September 2022, PREMIERE

LOHENGRIN
Romantische Oper von Richard Wagner 

Stefan Vladar, Dirigent
Chor und Extrachor des Theater Lübeck
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck

von Dr. Klaus Billand

Vom Regisseur Anthony Pilavachi ist man in der Hansestadt Lübeck, an dem Theater, wo Thomas Mann seinen Wagner kennenlernte, immer Gutes gewohnt. Von 2007-09 inszenierte er hier einen „Ring des Nibelungen“ der sich international sehen lassen konnte, trotz einiger Ungereimtheiten, wie der Tatsache, dass Erda mit der kleinen Brünnhilde schon im „Rheingold“ auftritt und der Wanderer Erda im „Siegfried“ erwürgt. Aber so etwas ist ja mittlerweile fast schon zur Regel des Wagnerschen Regietheaters geworden, obwohl es keinen Sinn macht. 2012 und 2013 inszenierte Pilavachi noch einen gelungenen „Parsifal“ und ebenso eindrucksvoll „Tristan und Isolde“. So gab es also guten Grund, erneut die doch relativ weite Reise von Wien an die Ostsee anzutreten, um seine Premiere des „Lohengrin“ zu sehen und zu hören. Und grosso modo wurde man auch nicht enttäuscht. „Richard Wagner, Lohengrin
Theater Lübeck, 4. September 2022 PREMIERE“
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Utopia in der Laeiszhalle: Grandios – phantastisch – überirdisch - utopisch

Foto: Teodor Currentzis © Astrid Ackermann

Laeiszhalle, Hamburg, 5. Oktober 2022

UTOPIA
TEODOR CURRENTZIS, Dirigent

Igor Strawinsky (1882–1971)
L’oiseau de feu (Der Feuervogel) / Konzertsuite (1911/1945)
Maurice Ravel (1875–1937)
Daphnis et Chloé / Konzertsuite Nr. 2 (1913).
Maurice Ravel
La valse / Poème chorégraphique für Orchester (1919)

In den folgenden Zeilen nehme ich Sie mit auf einen außergewöhnlichen Konzertabend in die wunderschöne, geliebte Laeiszhalle. Mein Wunsch, endlich wieder ein erstklassiges Ensemble mit einem phantastischen Dirigenten in diesem schönen Konzertsaal zu erleben, sollte sich erfüllen. Endlich ist es soweit: Ich darf bei einem der ersten Konzerte von UTOPIA anwesend sein.

von Iris Röckrath

Auf dem Programm stehen drei der raffiniertesten Orchesterwerke des frühen 20. Jahrhunderts, entstanden allesamt für die legendäre Ballett-Compagnie »Ballets Russes« in Paris.

Nach dem vierten Läuten sitzen alle Zuhörenden gespannt auf ihren Plätzen. Die MusikerInnen nehmen bei ihrem Auftritt den herzlichen Applaus entgegen. Die GeigerInnen und BratschistInnen stehen vorn am Bühnenrand (wie bei MusicAeterna). Die Instrumente werden kurz gestimmt – und dann tritt er auf: Teodor Currentzis, der Gründer dieses neu ins Leben gerufenen Orchesters bestehend aus 100 Musikern aus 30 Nationen auf der Suche nach dem „perfekten Klang“.

„UTOPIA, Dirigent TEODOR CURRENTZIS
Laeiszhalle, Hamburg, 5. Oktober 2022“
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DIE DONNERSTAG-PRESSE – 6. OKTOBER 2022

Staatsoper Unter den Linden Foto: © Marcus Ebener

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DIE DONNERSTAG-PRESSE – 6. OKTOBER 2022

Berlin/ Staatsoper/Halbzeit: Rheingold und Walküre unter Christian Thielemann in der Berliner Staatsoper.
Alpträume im Stress-Labor: „Tierquälerei“ mit Kaninchen in der Staatsoper Unter den Linden – muss das sein im neuen Berliner RING?
Klassik-begeistert.de

Berlin
Berliner Staatsoper will klassik-begeistert das Wort „Tierquälerei“ verbieten… und führt Kaninchen in gleißendem Licht vor… in Wagners RING
Klassik-begeistert.de

Berlin
Neuinszenierung von „Ring des Nibelungen“ an der Staatsoper beginnt rätselhaft
Erzählerische Inkonsistenzen und ein langsames Dirigat von Christian Thielemann: Berlin hat einen neuen Ring.
BerlinerZeitung.de.kultur

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Berliner Staatsoper will klassik-begeistert das Wort "Tierquälerei" verbieten... und führt Kaninchen in gleißendem Licht vor... in Wagners RING

Foto: © Monika Rittershaus, offizielles Pressefoto !!! der Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Liebe Leserinnen und Leser,

entscheiden Sie bitte selbst: Ist es „Tierquälerei“ im ethischen Sinne, wenn Kaninchen bei gleißendem Licht gut 30 Minuten und teilweise sehr lauter Musik Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ in Käfigen miterleben müssen?

Die Leiterin des Pressebüros der Staatsoper Unter den Linden macht klassik-begeistert.de auf den rechtlichen Begriff der „Tierquälerei“ aufmerksam. Der rechtliche Begriff sei unangemessen.

Tierhaltung in Deutschland ist in weitesten Feldern eine beschämende gottverdammte Schande. Spätestens in 20 Jahren werden die Menschen über die Zustände im Jahr 2022 den Kopf schütteln.

Wir verwenden den Begriff „Tierquälerei“ im ethischen Sinne.

Ja, in der Staatsoper Unter den Linden wurden Tiere „gequält“ – im ethischen Sinne.

Hier die Email der Pressesprecherin Victoria Dietrich an die Autorin des Beitrags über „Das Rheingold“ und „Die Walküre“ in der Staatsoper Unter den Linden, im Herzen der deutschen Hauptstadt Berlin. Die Autorin Kirsten Liese ist eine anerkannte Kulturjournalistin in Deutschland.

Von: Dietrich, Victoria
Gesendet: Mittwoch, 5. Oktober 2022 18:01
An: Kirsten Liese
Betreff: Bitte um Korrektur ihres heutigen Artikels auf klassik-begeistert.de

„Liebe Frau Liese,

am Pressetisch von Walküre habe ich Ihnen bestätigt, dass echte Tiere zum Einsatz kommen. Etwas erschrocken habe ich heute Ihren Artikel gelesen. Hätte ich gewusst, dass es hier um eine Veröffentlichung geht, hätte ich Ihnen gerne mehr zum Hintergrund und den Rahmenbedingungen erzählt und ich denke auch, dass das bei einem solchen Artikel angemessen gewesen wäre, sich dazu noch mal detaillierter und faktenbasiert auszutauschen. Eine offizielle Anfrage und Bitte um Stellungnahme wäre seriös gewesen.

Die Frage „muss das sein“ steht Ihnen selbstverständlich zu und darf diskutiert werden, da möchten wir Ihnen nicht reinreden. Aber bitte achten Sie darauf, dass Sie bei den Formulierungen ebenfalls im korrekten Rahmen bleiben.

Es findet keine Tierquälerei statt. Im deutschen Recht wird Tierquälerei als Straftat eingestuft. Die Wahl dieses Ausdrucks ist falsch und suggeriert, dass wir uns außerhalb des rechtlichen Rahmens bewegen – was nicht der Fall ist. Daher bitte ich Sie diese Wortwahl asap umzuformulieren und zu unterlassen.

(Anmerkung des Herausgebers: Wir suggerieren nicht, dass die Staatsoper Unter den Linden sich „außerhalb des rechtlichen Rahmens“ bewegt – leider ist der „rechtliche“ Rahmen in Deutschland so. Die Lindenoper bewegt sich indes außerhalb des ethischen und moralischen Rahmens. Die Tierschutzorganisation PETA – People for the Ethical Treatment of Animals – hat sich des Falles angenommen und will dafür kämpfen, dass die Kaninchen nicht mehr in Wagners RING auftreten müssen. klassik-begeistert.de wird berichten.)

Der Einsatz der Tiere erfolgte nach Einschätzung und Prüfung von Expert:innen: Nachdem aus künstlerischen Gründen der Wunsch bestand, mit echten Tieren auf der Bühne zu arbeiten (Anmerkung des Herausgebers: Bitte lassen Sie sich diese Formulierung auf der Zunge zergehen!), wurde das Konzept der zuständigen amtlichen Tierärztin vorgestellt, die den Prozess begleitet und auch vor Ort inspiziert hat.

Die Tiere wurden über EKKIFANT, die Agentur für Tiere mit Sitz in Berlin, vermittelt, die für die Einhaltung der geltenden Tierschutzbestimmungen garantieren und für eine artgerechte Betreuung des Tieres vor Ort am Einsatzort sorgen.  Den vermittelten Trainer:innen liegt der Sachkundenachweis nach §11 des Tierschutzgesetzes, für das jeweils zutreffende Tier, vor. Falls Aufträge oder Einsatzwünsche in diesem Sinne nicht umsetzbar sind, wird zum Wohl des Tieres um Anpassung gebeten. Die Tiere, die zum Einsatz kommen, kennen sich und werden gemeinsam in einem Außengehege gehalten. Im Rahmen ihres Einsatzes, teilen sich die Herdentiere den Käfig immer mit mindestens einem weiteren Artgenossen; mit genug Platz und es werden selbstverständlich nur miteinander verträgliche Tiere zusammengesetzt. Die Käfige sind mit frischem Heu als Futter sowie mit ausreichend Stroh ausgestattet, sodass sich die Tiere ggf. verstecken und zurückziehen können (Anmerkung des Herausgebers: Bitte, liebe Leserinnen und Leser, betrachten Sie das offizielle Foto der Staatsoper Unter den Linden! Wo bitte soll sich da ein Kaninchen „verstecken und zurückziehen“?). Die Tiere werden mindestens zu zweit transportiert – in Transportkäfigen, die eine ausreichende Größe haben. Die Tiere können sich umdrehen, aufrichten und hinlegen. Die Tiere treten in zwei Inszenierungen jeweils für ca. 30 Minuten (Anmerkung des Herausgebers: SIC, SIC, SIC !!!!!) auf. Hinsichtlich der Lautstärke hat die Tierärztin keine Bedenken geäußert.

(Anmerkung des Herausgebers: Wo hat die Tierärztin studiert, was war ihr Studienschwerpunkt, hat sie selbst Tiere, hat sie ein Herz für Tiere? Was befähigt sie dazu, festzustellen, die Tiere akzeptierten die Lautstärke?)

Trotz dieser Einschätzung der Expert:innen hat Matthias Schulz (Anmerkung: der Intendant, er studierte Klavier und Volkswirtschaft) bereits am 30. September ein Gespräch mit einem PETA-Beauftragten angeboten, um auch hier in den Austausch zu gehen – zu dem es heute auch kam. Die Frage  Wo bleibt die Verantwortung des Intendanten?“ hätte ich Ihnen daher bei Nachfrage beantworten können. Herr Schulz nimmt das Thema ernst und sowohl intern als auch mit PETA gab es gute Gespräche, die  zu einer weiteren Sensibilisierung geführt haben. Worüber man – das war u.a. auch Thema des heutigen Gespräches – gesellschaftlich diskutieren muss, ist wie man den rechtlichen Rahmen entsprechend anpasst  – sei es im Zoo, im Sport, in der Haustierhaltung oder eben auf der Bühne.

Beste Grüße, Victoria Dietrich“

Um 18:46 Uhr schreibt Frau Dietrich u.a.:

„An dem Artikel selbst üben wir keine Kritik – es geht um die beiden Stellen in den (Unter-)Überschriften, die sachlich nicht korrekt sind.“

Anmerkung des Herausgebers: Also die Berliner Staatsoper – über die klassik-begeistert.de immer wieder BEGEISTERT ob ihrer großen Schaffenskraft berichtet – sträubt sich gegen den Ausdruck „Tierquälerei“…

Wie gesagt, wir sehen ihn rein ethisch und erlauben uns als Journalisten diese Meinungsfreiheit kundzutun.

++++

Kirsten Liese hatte am 4. Oktober 2022 geschrieben:

Halbzeit: Rheingold und Walküre unter Christian Thielemann in der Berliner Staatsoper.

Man hat sich mittlerweile fast daran gewöhnt, dass sich auf der Bühne abstruse Dinge ereignen, die mit Wagners Ring wenig zu tun haben. Aber auf das, was mir nun an der Berliner Staatsoper präsentiert werden würde, war ich nicht gewappnet: Ich wollte zuerst meinen Augen gar nicht trauen, befanden sich in den Käfigen, die Dmitri Tcherniakov in seine Inszenierung an der Berliner Staatsoper einbezieht, allen Ernstes echte Kaninchen? Mich hat dieses beklemmende Szenarium schon im Rheingold so stark beunruhigt, dass ich mich auf die Musik kaum noch konzentrieren konnte. Noch hoffte ich, dass es sich um computergesteuerte Attrappen handeln könnte. Aber leider bestätigte meine Anfrage bei der Pressesprecherin der Staatsoper Unter den Linden, Victoria Dietrich, meine Befürchtungen, dass hier doch echte Tiere ohne Not einem Wahnsinnsstress ausgesetzt werden.

Wie kann es angehen, dass solche Form von „Tierquälerei“ – im ethischen Sinne, nicht im Sinne des deutschen Rechts – an einer deutschen Bühne Erlaubnis findet? Wo bleibt die Verantwortung des Intendanten? Wo bleibt die Empathie in der Kunst?

+++

Als Herausgeber bitte ich Herrn Schulz ferner, folgende Fragen schriftlich zu beantworten:

Wie konnte der Intendant dem Wunsch des Regisseurs nach lebenden Kaninchen auf der Bühne entsprechen – in Zeiten von Animation, Videos und anderen Möglichkeiten, Attrappen herzustellen?

Ist dem Intendanten bekannt, dass einige Zuschauer aus Protest gegen diese „Tierquälerei“ im ethischen Sinne die Vorstellung verlassen haben?

Ist dem Intendanten nicht bekannt, dass wir in diesen Zeiten nicht Tiere mit Lärm und Hitze quälen?

War dem Intendanten nicht bewusst, dass viele Deutsche sich gegen diese Form der „Tierpräsentation“ – 30 Minuten bei Lärm, Licht und Hitze – wenden?

Waren diese Tiere nicht wieder einmal das Hilfsmittel, einem eitlen Regisseur für (noch mehr) Publicity zu sorgen?

Würden Sie, werter Herr Schulz, ein Kaninchen so in Ihrem Hause halten wie jene in Ihrem Opernhaus?

Aus immer mehr Zirkussen verschwinden Tiere – warum nicht im Hauptstadtopernhaus?

Was hätte der große Daniel Barenboim zu dieser im ethischen Sinne „Tierquälerei“ gesagt?

Herzlich wünscht Ihnen mehr Herz für Tiere,

Andreas Schmidt, Herausgeber, 5. Oktober 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

 

Halbzeit: Rheingold und Walküre unter Christian Thielemann an der Berliner Staatsoper Staatsoper Unter den Linden, Premieren 2. und 3. Oktober 2022

  

 

Spannende Antike begeistert mit einem Sprung in eine unabsehbare Zukunft…

Fotos © Aylin Kaip

Opera Incognita: „AKHNATEN“ von Philip Glass 

Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, München, 16. September 2022

von Dr. Klaus Billand

Diesmal hatte sich nach dem erfolgreichen „Liebesverbot“ von Richard Wagner im Münchner Sugar Mountain die Opera Incognita (Merker 11/2021) unter der Leitung von Andreas Wiedermann eine besonders anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Man hatte sich das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst München ausgesucht, um dort die dreiaktige Oper von Philip Glass „Akhnaten“, also „Echnaton“, in der Kammerversion von Timothy Sexton aufzuführen. Allerdings nicht in den Ausstellungsräumen selbst, sondern in einem schmucklosen großen Versammlungsraum mit grauen Betonwänden. Das erwies sich für die Dramaturgie der Aufführung aber von Vorteil, weil es eine viel stärkere Fokussierung der einzelnen Charaktere sowie der Chor- und Tanzgruppen ermöglichte, in direkter Nähe zum Publikum, das nur etwa drei bis vier Meter vor der Handlung saß, die über den ganzen Abend mit einer Pause wie eine Prozession an ihm vorüberlief. Aylin Kaip schuf Bühnenbild, Ausstattung und Kostüme, die in hellen Farben mit entsprechenden Kopfbedeckungen an die  Pharaonen-Zeit erinnerten. Jan-Robert Sutter war für das dramaturgisch geschickt eingesetzte Licht verantwortlich. Die musikalische Leitung hatte Ernst Bartmann. „Opera Incognita: „AKHNATEN“ von Philip Glass 
Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, München, 16. September 2022“
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