Höchste Zeit sich als Musikliebhaber einmal neu mit der eigenen CD-Sammlung oder der Streaming-Playlist auseinanderzusetzen.
Dabei begegnen einem nicht nur neue oder alte Lieblinge. Einige der so genannten „Klassiker“ kriegt man so oft zu hören, dass sie zu nerven beginnen. Andere haben völlig zu Unrecht den Ruf eines „Meisterwerks“. Es sind natürlich nicht minderwertige Werke, von denen man so übersättigt wird. Diese teilweise sarkastische, teilweise brutal ehrliche Anti-Serie ist jenen Werken gewidmet, die aus Sicht unseres Autors zu viel Beachtung erhalten.
Ein schriller Aufschrei der Trompete eröffnet den Trauermarsch. Wer hier das gewohnte, schwere Fundament eines modernen Spitzenorchesters erwartet, reibt sich verwundert die Ohren. Philipp von Steinaecker und sein Mahler Academy Orchestra legen bei Alpha Classics die fünfte Sinfonie auf den Tisch – eingespielt auf mühsam zusammengesuchten Instrumenten der Wiener Philharmoniker um die Jahrhundertwende. Darmssaiten, Holzdämpfer, drastisch reduziertes Vibrato der Bläser und die akribisch restaurierte Urtextausgabe von Breitkopf & Härtel. Das Ergebnis ist keine sentimentale Museumsschau, sondern eine schonungslose, phasenweise verstörende Klangkur.
Gustav Mahler Sinfonie Nr. 5
Mahler Academy Orchestra Philipp von Steinaecker, musikalische Leitung
Die eben beginnende neue Spielzeit in der Staatsoper Unter den Linden ist die dritte der Intendantin Elisabeth Sobotka und des Generalmusikdirektors Christian Thielemann. Nachdem der – in größeren personellen Turbulenzen befindliche – Berliner Kultursenat die Etats der Opernhäuser empfindlich gekürzt hat, muss auch das Berliner Vorzeigehaus sparen.
von Peter Sommeregger
Der Reigen von sechs Neuproduktionen wird mit Gaspare Spontinis „La Vestale“ eröffnet, als Hommage an den ersten Generalmusikdirektor des Hauses im 19. Jahrhundert. In der Regie von Lydia Steier und dem Dirigat von Carlo Rizzi gibt Sonya Yoncheva ihr Debüt in der Titelrolle. Premiere ist am 26. September.
Für bekennende Romantiker gehört bei einem als „Spätromantische Geniestreiche“ betiteltem Konzert Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 geradezu unverzichtbar dazu. Vor allem der 2. Satz, mit hochgradigem Ohrwurmpotenzial, der allerdings nach Meinung so mancher geschmacklich anders orientierter Musikfreunden eher mit einer Art musikalischer Zuckersteuer zu belegen sei.
Programm:
Franz Schubert Ouvertüre C-Dur zu „Die Zauberharfe“ D 644 („Rosamunde-Ouvertüre“)
Max Bruch Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26
Johannes Brahms Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73
María Dueñas Violine
Giedrė Šlekytė Dirigentin
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Das Bremer Konzerthaus Die Glocke, 31. August 2026
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DIE MITTWOCH-PRESSE – 2. SEPTEMBER 2026
Was bringt die neue Saison an der Hamburgischen Staatsoper? Neulich blieb ich beim Wechseln des TV-Programms bei einer „Talk-Show“ hängen. Ein mutmaßlich dem Rocksänger-Milieu angehörender Mittvierziger mit Baseball-Käppi räsonierte über Oper. Die ihn befragende Talkmasterin fand es offensichtlich bemerkenswert, dass die neue Macbeth-Inszenierung der Hamburgischen Staatsoper mit einem jüngeren nackten, körperlich fit aussehenden, einen Baumstamm erkletternden Mann beworben wird. Ihr Vater habe früher eine Sängerin erlebt, die sich mit 60 noch auf die Bühne wagte und der „immer das Kleid aufplatzte, weil sie älter und voluminös war“. Also wollte die Moderatorin offenbar lieber einen nackten athletischen Mann auf der Bühne sehen, aber nicht eine ältere, nicht ganz schlanke Sängerin. Ein Meinungsbericht von Dr. Ralf Wegner Klassik-begeistert.de
Höchste Zeit sich als Musikliebhaber einmal neu mit der eigenen CD-Sammlung oder der Streaming-Playlist auseinanderzusetzen.
Dabei begegnen einem nicht nur neue oder alte Lieblinge. Einige der so genannten „Klassiker“ kriegt man so oft zu hören, dass sie zu nerven beginnen. Andere haben völlig zu Unrecht den Ruf eines „Meisterwerks“. Es sind natürlich nicht minderwertige Werke, von denen man so übersättigt wird. Diese teilweise sarkastische, teilweise brutal ehrliche Anti-Serie ist jenen Werken gewidmet, die aus Sicht unseres Autors zu viel Beachtung erhalten.
Der ungarische Dirigent Iván Fischer gilt als Spezialist für den Komponisten Mozart. Frustriert durch die neue Ästhetik des Musiktheaters verweigert er sich inzwischen weitgehend dem Opernbetrieb. Alternativ hat er die Iván Fischer Opera Company gegründet, mit der er stilreine Inszenierungen und Aufführungen erarbeitet. „Mozart, Don Giovanni, Iván Fischer, Dirigent klassik-begeistert.de, 1. September 2026“ weiterlesen
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DIE DIENSTAG-PRESSE – 1. SEPTEMBER 2026
Hamburg Zehn Jahre Elbphilharmonie: Sozialbau mit Eventcharakter (Bezahlartikel)
Die Elbphilharmonie in Hamburg geht in ihre zehnte Saison, der Ticketerfolg hält erstaunlicherweise an. Doch gewinnt die klassische Musik dank ihr wirklich neues Publikum? FrankfurterAllgemeine.net
Abschied Salzburg: Was bleibt von der Ära Markus Hinterhäuser? Sendung „Fazit“. Audio von Jörn Florian Fuchs (8,21 Minuten) deutschlandfunkkultur.de
Absolute Mehrheit für die Festspiele!
Der Schuss ging , wie es aussieht, nach hinten los: Die Salzburger KPÖ plus hat eine Studie in Auftrag gegeben, mit der sie wohl beweisen wollte, wie abgehoben und fern der Salzburger Bevölkerung das Angebot der Festspiele sei. Die Ergebnisse kann man ganz anders lesen – und das tut das Direktorium natürlich. Hier diese Reaktion im Wortlaut. DrehpunktKultur.at
Aktuelle Werbung der Hamburgischen Staatsoper für dieNeuinszenierung der Verdi-Oper Macbeth (Foto: Tom Huber)
Ein Meinungsbericht von Dr. Ralf Wegner
Neulich blieb ich beim Wechseln des TV-Programms bei einer „Talk-Show“ hängen. Ein mutmaßlich dem Rocksänger-Milieu angehörender Mittvierziger mit Baseball-Käppi räsonierte über Oper. Die ihn befragende Talkmasterin fand es offensichtlich bemerkenswert, dass die neue Macbeth-Inszenierung der Hamburgischen Staatsoper mit einem jüngeren nackten, körperlich fit aussehenden, einen Baumstamm erkletternden Mann beworben wird. Ihr Vater habe früher eine Sängerin erlebt, die sich mit 60 noch auf die Bühne wagte und der „immer das Kleid aufplatzte, weil sie älter und voluminös war“. Also wollte die Moderatorin offenbar lieber einen nackten athletischen Mann auf der Bühne sehen, aber nicht eine ältere, nicht ganz schlanke Sängerin.
Videostills NDR: Price & Eschenbach: Mozart, Verdi und Cilea (1986) / NDR-Talkshow vom 28. August 2026
Ich war mir nicht ganz sicher, ob die Moderatorin (die Quasseltante Barbara Schöneberger, Anm. des Herausgebers) das wirklich ernst meinte. Denn sie erwähnte den Namen der Sängerin, es handelte sich um die walisische, geadelte Sopranistin Margaret Price, eine der damals Besten ihres Fachs. Ich selbst hörte sie zuletzt 1992 als Ariadne auf der Hamburger Opernbühne; es eine der prägendsten Erinnerungen an diese Partie. Damals feierte Price gerade ihren 51. Geburtstag. Offiziell beendete sie ihre Opernkariere mit 58 Jahren. Ja, Margaret Price hatte keine Model-Figur, dafür sang sie überirdisch schön wie kaum eine andere Sopranistin ihrer Zeit.
Richard Wagners „Bühnenweihefestspiel“ (der Name sagt alles) ist eigentlich eine Verbindung von Musik und Gott. Da kommt der junge, reine Tor daher und entwickelt sich langsam zum Gralsritter – vor allem unter der Leitung von Gurnemanz. Diese Oper ist eine der berührendsten in der Musikgeschichte und man freute sich auf das Gastspiel der Bayreuther Festspiele. Und verließ das Konzert mit sehr gemischten Gefühlen.
RICHARD WAGNER
Auszüge aus «Parsifal»
Vorspiel zum ersten Aufzug
«Titurel, der fromme Held»
«Vom Bade kehrt der König heim»
«Wehvolles Erbe»
Vorspiel zum zweiten Aufzug
«Dies alles hab ich nun geträumt?»
Vorspiel zum dritten Aufzug
«Karfreitagszauber»
Finale des dritten Aufzugs
Bayreuther Festspielorchester Dirigent: Pablo Heras-Casado
Kundry: Miina-Liisa Värelä Parsifal: Andreas Schager Amfortas/Klingsor: Jordan Shanahan Gurnemanz: Georg Zeppenfeld