Weltstar Plàcido Domingo ist am Coronavirus erkrankt – er lebt in Insolation in Madrid

„Wir sind derzeit bei guter Gesundheit, aber ich hatte Symptome wie Fieber und Husten und habe deshalb entschieden, mich testen zu lassen“, sagte Domingo an diesem Sonntag auf Facebook.
Foto: Michael Pöhn, © Wiener Staatsoper

von Andreas Schmidt

Der Bariton und Dirigent Plácido Domingo, 79, der als Tenor seit Ende der 1960er-Jahre ein Weltstar wurde, hat über das soziale Netzwerk Facebook erklärt, er sei am Coronavirus erkrankt. Domingo hat auf Facebook fast 1,1 Millionen „likes“.

Der spanische Opernstar schrieb, er sei positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet worden. „Ich glaube, dass es meine moralische Pflicht ist Ihnen mitzuteilen, dass ich positiv auf Covid-19 getestet wurde“, schrieb Domingo  am Sonntag auf seiner Facebook-Seite. Er befinde sich zusammen mit seiner Familie in Selbstisolation.

Eigentlich sollte Domingo an diesem Sonntag als Simon Boccanegra in Giuseppe Verdis gleichnamiger Oper in der Staatsoper Hamburg auftreten – sowie an zwei weiteren Abenden. Domingo hatte diesen Auftritt bereits am 10. März 2020 abgesagt. „Die Absage erfolgt auf Grund von medizinischen Empfehlungen bezüglich Alter und Komorbidität, was ein hohes Risiko im Falle einer Infektion mit COVID-19 bedeutet. Die Staatsoper Hamburg versteht und respektiert diese Entscheidung, auch wenn sein Publikum und seine Fans es sehr bedauern werden, ihn nicht in Hamburg erleben zu können“, schrieb Pressesprecher Dr. Michael Bellgardt damals.

„Wir sind derzeit bei guter Gesundheit, aber ich hatte Symptome wie Fieber und Husten und habe deshalb entschieden, mich testen zu lassen“, sagte Domingo an diesem Sonntag auf Facebook. Der Sänger forderte alle auf, sehr vorsichtig zu sein, den Anweisungen der jeweiligen Regierungen zu folgen und so viel wie möglich zu Hause zu bleiben, „so dass wir hoffentlich bald zu unserem normalen Alltagsleben zurückkehren können“.

Domingos Heimatland Spanien ist besonders schwer von der Corona-Krise betroffen, so dpa. Seit einer Woche herrscht eine Ausgangssperre. Mehr als 28 500 Fälle wurden landesweit bereits bestätigt, rund 1720 Menschen sind gestorben, die meisten von ihnen in der Region Madrid.

© Michael Pöhn

 

Diesen Text ließ Plácido Domingo auf Facebook verbreiten:

„I feel it is my moral duty to announce to you that I have tested positive for COVID19, the Corona virus. My Family and I are all in self isolation for as long as it is deemed medically necessary. Currently we are all in good health but I experienced fever and cough symptoms therefore deciding to get tested and the result came back positive. I beg everyone to be extremely careful, follow the basic guidelines by washing your hands frequently, keeping at least a 6 feet distance from others, doing everything you can to stop the virus from spreading and please above all stay home if you can ! Together we can fight this virus and stop the current worldwide crisis, so we can hopefully return to our normal daily lives very soon. Please follow your local government’s guidelines and regulations for staying safe and protecting not just yourselves but our entire community.

Plácido Domingo“

wikipedia.de schreibt: „José Plácido Domingo Embil, KBE (* 21. Januar 1941[1] in Madrid) ist ein spanischer Opernsänger (der Stimmlagen Tenor und Bariton[2]), Dirigent und Intendant. Er gehörte neben José Carreras und Luciano Pavarotti zu den Drei Tenören. Er hat in seiner Karriere mehr als 21 Millionen Tonträger verkauft. Seine erfolgreichste Veröffentlichung ist das Album The Three Tenors in Concert.

Plácido Domingo wurde als Sohn der Zarzuelasänger Pepita Embil und Plácido Domingo Ferrer geboren und verbrachte seine Kindheit ab 1949 in Mexiko. Seine erste Frau war von 1957 bis 1958 Ana María Guerra Cué, und seit 1962 ist er mit der Sopranistin Marta Ornelas (* 1935) verheiratet. Er debütierte 1959 in einer kleinen Rolle (Borsa in Rigoletto in Mexiko-Stadt) und am 19. Mai 1961 als Alfredo in der Traviata (in Monterrey, Mexiko). Von 1962 bis 1965 war er zusammen mit seiner Frau in Tel Aviv(Israel) engagiert, bevor seine eigentliche internationale Karriere mit einem erfolgreichen Auftritt 1966 an der New York City Opera in Alberto Ginasteras Don Rodrigo begann. Seither ist er an allen großen Opernhäusern und Opernfestspielen der Welt aufgetreten.

Domingo gilt als einer der vielseitigsten Tenöre und hat bisher 134 verschiedene Rollen gesungen. Im Mittelpunkt seines breiten Repertoires steht das italienische und französische Fach mit Opern von Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Georges Bizet, Jules Massenet, Pietro Mascagni, Ruggero Leoncavallo, Umberto Giordano und anderen. Eine seiner Paraderollen ist der Otello (in der gleichnamigen Oper von Verdi), mehrmals auf Schallplatte aufgenommen und von Franco Zeffirelli mit ihm verfilmt. Er hat sich auch als Wagner-Sänger profiliert, speziell als Lohengrin, Siegmund (in Die Walküre) und als Parsifal. Er singt auch in Russisch (Gherman in Pique Dame) und hat an den Uraufführungen der Opern Goya (von Gian Carlo Menotti), El Poeta (von Federico Moreno Torroba), Divinas palabras(von Antón García Abril) und Nicholas and Alexandra (von Deborah Drattell) mitgewirkt. Bis in die jüngste Zeit eignet er sich immer wieder neue Rollen an: So hat er beispielsweise 2005 neu Franco Alfanos Cyrano de Bergerac an der Met einstudiert sowie den Part des Tristan in Wagners Tristan und Isolde auf CDaufgenommen. Im Dezember 2006 und Januar 2007 sang er an der Met die Hauptrolle in der Uraufführung der neuesten Oper von Tan Dun, The First Emperor.

Domingo begann als Bariton und sang während seiner Tenorkarriere nur einmal eine Bariton-Partie, den Figaro in Il barbiere di Siviglia unter Claudio Abbado. In jüngerer Zeit sang er den Simon Boccanegra am Royal Opera House, Covent Garden (2007), Germont (La traviata) und die Titelpartien in Nabucco und Rigoletto.2013 verkörperte er die Partie des Grafen Luna in Verdis Il trovatore an der Berliner Staatsoper, 2014 auch bei den Salzburger Festspielen. Ab den neunziger Jahren (erstmals anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 1990) war er zusammen mit José Carreras und Luciano Pavarotti (Die drei Tenöre) wiederholt und mit Erfolg in großen Arenen aufgetreten. Auf dem 2002 veröffentlichten Album Shaman des Latin Rock– und JazzGitarristen Carlos Santana übernahm er den Gesangspart des letzten Songs, Novus.

1996 wurde Domingo künstlerischer Direktor der Washington National Opera und war von 2003 bis 2011 ihr Generaldirektor; seit 2003 ist er Generaldirektor der Oper von Los Angeles. Er ist auch als Dirigent tätig, unter anderem dirigierte er an der Met, am Covent Garden, an der Staatsoper Unter den Linden, an der Wiener Staatsoper, an der Bayerischen Staatsoper, am Theater an der Wien und bei den Bayreuther Festspielen (Die Walküre, 2018). 1993 gründete er Operalia, einen Wettbewerb für junge Opernsänger, der seither jährlich in verschiedenen Städten der Welt durchgeführt wird (bisher in Paris, Mexiko-Stadt, Madrid, Bordeaux, Tokio, Hamburg, San Juan, Los Angeles, Washington, Valencia sowie in der trinationalen Bodensee-Region).

Domingo ist für seine vielfältigen Wohltätigkeitsveranstaltungen und -aktionen bekannt. So gründete er nach dem großen Erdbeben in Mexiko-Stadt, bei dem er auch eigene Familienangehörige verlor, ein Kinderdorf für die Waisen des Erdbebens. Ein Jahr lang sagte er beinahe alle Verpflichtungen an den großen Opernbühnen ab und gab nur noch Benefizkonzerte, deren Erlös den Waisen und anderen Hilfsprojekten in Mexiko zugutekam. Immer wieder unterstützt er Hilfsprojekte in aller Welt, speziell solche, die sich benachteiligter Gruppen annehmen. Im November 2006 wurde er – gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern – von dem Schweizer Hörgerätehersteller Phonak zum „Botschafter des Hörens“ ernannt. Er unterstützt die Hear the World Foundation zum Schutz des Gehörs und zur Hilfe für Hörgeschädigte. Seit Juni 2011 gehört Domingo gemeinsam mit den Weltfußballern Pelé und Johan Cruyff sowie dem früheren Außenminister der USA Henry Kissinger und dem ehemaligen Vorsitzenden des FBI Louis Freeh zur Lösungskommission der FIFA.[3]

Im August 2019 wurden Vorwürfe über sexuelle Belästigung mehrerer Kolleginnen bekannt, die teilweise bis zu 30 Jahre zurückreichen. Als Reaktion darauf trat Domingo als Chef der Los Angeles Opera zurück.[4] Die Oper von Los Angeles hat eine Untersuchung eingeleitet. Domingo bezeichnete die Darstellungen als „unzutreffend“. Er habe geglaubt, dass all seine Handlungen und Beziehungen immer „gewünscht und einvernehmlich waren“.[5] Nach den Berichten meldeten sich neun weitere Frauen, die ihm ebenfalls sexuelle Belästigung vorwarfen.[6]

Ende Februar 2020 räumte Domingo persönliches Fehlverhalten ein und entschuldigte sich bei den betroffenen Frauen. „Ich erkenne die volle Verantwortung für meine Taten an“, hieß es in einer Mitteilung.[7] Er habe sich aber „nie aggressiv gegenüber irgendjemandem verhalten“ oder etwas getan, um „die Karriere von irgendjemandem zu behindern“, sagte Domingo.“

Andreas Schmidt, 22. März 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

 

Streams – die stillen Stars in der Krise

Top-Häuser wie die Metropolitan Opera (Met) in New York, das Royal Opera House (ROH) in London, die Opéra National de Paris, die Wiener Staatsoper, das Teatro alla Scala in Milano, die Bayerische Staatsoper und die Staatsoper Unter den Linden in Berlin machen es vor: Kostenlose Streams sind die stillen Stars in der Krise…  Zuhause rein in den Sessel und aus der fernen Welt feinste Klänge vernehmen…

Foto: © Wilfried Hösl, Bayerische Staatsoper

… klassik-begeistert.de-Autorin Barbara Hauter hat einen wunderbaren Beitrag aus München geschrieben – ich empfehle ihn Ihnen und Euch sehr. „Streams – die stillen Stars in der Krise,
The Metropolitan Opera, Theater an der Wien“
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"Norma" in Hamburg: Göttlicher Gesang zweier Priesterinnen!

Ulrich Poser berichtet über die Aufführung von Bellinis „Norma“ vom 11. März 2020 in der Hamburgischen Staatsoper

Foto: Marina Rebeka (c)

Den ganzen Tag fragte man sich, ob die Aufführung statt findet oder nicht. Die mangelhafte Informationspolitik des Hamburger Senats führte am Nachmittag zu Falschmeldungen in der Presse, es bestehe ein Verbot für Veranstaltungen mit über 1.000 Personen in Hamburg. Zum Glück informierte die Hamburgische Staatsoper auf Ihrer Webseite, dass die Veranstaltung wie geplant stattfindet. Also fand sie statt; und das ziemlich großartig.

Die aus Lettland stammende Sopranistin Marina Rebeka ist eine Parade-Norma allererster Güte und damit ein absoluter Glücksfall für Hamburg und den Rest der Welt! Frau Rebeka verfügt über einen einzigartig klaren Sopran mit schier unendlichen Stimmreserven, so dass sie auf der einen Seite die Fortissimopassagen ihrer Partie mühelos, begeisternd und stimmakrobatisch nicht nur bewältigt, sondern geradezu vorbildlich meistert. Ihre Stimmspeere können töten! Auf der anderen Seite haucht sie betörende, überaus zarte Piani in den Saal, die benommen machen. Ihre wunderbare  Erscheinung, Ihr gelungenes Schauspiel mit Blicken zwischen Liebe, Verzweiflung, Hass und Todesangst verdichten sich zu dem Rebeka-Gesamtkunstwerk, welches das Haus an diesem Ausnahmeabend vor Begeisterung rasen ließ.

„Vincenzo Bellini, Norma, Staatsoper Hamburg, 11. März 2020“ weiterlesen

Große Analyse: „Norma“ in der Staatsoper Hamburg – Yona Kims mißlungene Inszenierung torpediert Bellinis Belcanto-Zauber

Die lettische Sopranistin Marina Rebeka hat die Partie der „Norma“ seit 2017 im Repertoire. Auch hier in der Hamburgischen Staatsoper sang sie hervorragend und erhielt tosenden Beifall (und einen perfekt von ihr gefangenen Blumenstrauß). Obwohl sie diese Partie in allen emotionalen Facetten überzeugend ausgestalten konnte, gab es offenkundig Probleme im höheren Register, dessen Töne etwas nach oben „verrutscht“ erschienen, hart an der Grenze zum Schrillen. Da sie diese Partie schon oft und gut gesungen hat, nehme ich an, dass sie möglicherweise durch die Kulissenstruktur des Bühnenbildes (Kasten) eine verzerrte akustische Rückmeldung wahrnahm. Hinzu kam, dass die Personenregie sie zuweilen ungünstig positionierte, einmal drehte sie kurzfristig dem Publikum den Rücken zu.

Insgesamt bleibt nach dieser Premiere (mit vielen freien Plätzen im Zuschauerraum) ein zwiespältiger Eindruck zurück. Ein Meisterwerk des Belcanto wird durch eine sonderliche Inszenierung torpediert, als gelte es, dem Publikum die Freude an diesem überragenden Kunstwerk nehmen zu wollen. Auf der Habenseite gab es allerdings hervorragende Leistungen der Sängerinnen, die es wert waren gehört und gefeiert zu werden.

Premiere A, Hamburgische Staatsoper, 8. März 2020
Vincenzo Bellini, „Norma“
Libretto: Felice Romani (nach Louis Alexandre Soumet)
Fotos: Hans Jörg Michel (c)

von Dr. Holger Voigt

Während auf den deutschsprachigen Bühnen mit Carl Maria von Webers “Freischütz” (1821 uraufgeführt) der romantische Mystizismus Einzug hielt, etablierte sich im heutigen Italien die Belcanto-Oper, die noch heute als Inbegriff der italienischen Opernkunst schlechthin angesehen wird. Dabei bediente sie sich durchaus vergleichbarer Ingredienzen: Wald – Dunkelheit – Mond – Beschwörung – Schicksal – Liebe – Verrat – Tod – Erlösung. Stoffe, aus denen die Oper ihre sogartige Wirkung bezieht. „Vincenzo Bellini, „Norma“,
Premiere A, Hamburgische Staatsoper, 8. März 2020“
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Buh-Orkan in der Staatsoper Hamburg: "Norma"von Bellini: Musik: hui – Inszenierung: pfui... Note 6!!!

Die Inszenierung gehört sofort !!! wieder abgeschafft! Sie ist lieblos, kalt, billig und grausam! Sie ist eigentlich ein Witz. Befremdlich, dass die Hamburger Steuerzahler für so einen tumben Billig-Schrott Steuern zahlen müssen. Warum, lieber Herr Intendant Delnon mit ihren bald 62 Jahren, lassen Sie so einen UN-SINN zu, den jede Produktionsklasse in HH umsonst installieren könnte?

Möchten Sie wieder mehr Gäste in Ihr oft sehr leeres Haus oder nicht? Seien Sie froh, dass Sie nicht den Ärger der liberalen Premierengäste in der Pause gehört haben.

Die Musik: Es darf bitte bei allen Beteiligten etwas mehr geprobt werden. Und die Komposition ist eh Weltklasse: Bellinis Meisterwerk, am 26. Dezember 1831 im Teatro alla Scala in Mailand uraufgeführt, war musikalisch progressiver und vollkommener als die Frühopern Giuseppe Verdis aus den 1840er-Jahren. Verdi hat gaaaanz viel von Bellini geklaut.

Staatsoper Hamburg, 8. März 2020
Vincenzo Bellini,
Norma
Fotos: Hans Jörg Michel (c)

von Andreas Schmidt

Die Oper „Norma“ hat in der Staatsoper Hamburg einen selten gehörten Buh-Orkan für die Inszenierung der südkoreanischen Regisseurin Yona Kim (Bühnenbild: Christian Schmidt) erhalten. Drei Sänger hingegen bekamen großen Applaus: Marina Rebeka als Norma, Diana Haller als Adalgisa sowie Liang Li als Oroveso.

Für klassik-begeistert.de markierte das trost- und inspirationslose – ja billig-trashige – Bühnenbild einen weiteren Tiefpunkt in der an faden und emotionslosen Inszenierungen reichen Geschichte des Hauses an der Dammtorstraße. Zu den Hauptrequisiten gehörten 2 Tische, je 3 Stühle, ein Doppelbett und Wellblechwände. Das war’s. „Vincenzo Bellini, Norma,
Staatsoper Hamburg, 8. März 2020“
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Staatsoper Hamburg: Der "fliehende" Holländer

Staatsoper Hamburg, 1. März 2020
Richard Wagner, Der fliegende Holländer
Foto: Oliver Zwarg (c)

 

von Andreas Schmidt und Ulrich Poser

Mit großem Applaus des Publikums vor fast ausverkauftem Haus an der Dammtorstraße ist die 80. – und letzte – Aufführung des „Fliegenden Holländers“ von Richard Wagner bedacht worden. Der „fliehende“ Holländer: In dieser Kult-Inszenierung von Marco Arturo Morelli wird diese Romantische Oper in Hamburg nicht mehr zu sehen sein werden. Aus die Maus nach 24 Jahren.

Besonders großen Applaus bekam der Holländer Oliver Zwarg, der kurzfristig für den erkrankten Andrzej Dobber eingesprungen war. Großartig im tieferen und mittleren Register, raumfüllend und viril, mit ganz leichten Schwächen bei einigen höchsten Tönen, bekam der Bassbariton zurecht den meisten Beifall der knapp 1700 Zuschauer. „Richard Wagner, Der fliegende Holländer,
Staatsoper Hamburg, 1. März 2020“
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Staatsoper Hamburg: Ein Sängerfest der Superlative

Staatsoper Hamburg, 23. Februar 2020
Georg Friedrich Händel, Alcina
Foto: © Westermann

Ulrich Poser berichtet über die Aufführung von Georg Friedrich Händels „Alcina“ in der Hamburgischen Staatsoper vom 23. Februar 2020.

Ein fantastischer Abend. Bereits die Inszenierung von Händels Märchen-Ballettoper über die Zauberin Alcina, die verflossene Liebhaber in Tiere, Pflanzen und Steine verwandelt, war mehr als unterhaltsam und kurzweilig. Christof Loy (Inszenierung) und Herbert Murauer (Bühnenbild und Kostüme) haben hier wunderbar kooperiert. Ein schlichtes, modernes Bühnenbild, in dessen Zentrum meist Alcinas riesiger Palast steht. Ein solch beeindruckendes geschmackvolles Bühnenbild mit geschickt dramatischer Ausleuchtung und mit teilweise nach hinten offener Bühne wünschte man sich bei anderen Inszenierungen auch; etwa für Teile des ersten Aktes der „Götterdämmerung“ von Richard Wagner. „Georg Friedrich Händel, Alcina,
Staatsoper Hamburg, 23. Februar 2020“
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Das war weitgehend Bayreuth-Niveau!

Foto: © Westermann / Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper, 21. Februar 2020

Richard Wagner, Der fliegende Holländer

von Ulrich Poser

Andrzej Dobber

Schon die Antrittsarie „Die Frist ist um“ von Andrzej Dobber in der Titelrolle ließ Großes erahnen. Hier steht ein Heldenbariton der absoluten Weltklasse auf der Bühne: Stimmgewaltig, glasklar, textverständlich, rabenschwarz und schauspielerisch erstklassig. Besser und überzeugender kann man diese Partie wohl kaum singen und darstellen. Sein professionelles Schauspiel und die mächtige Erscheinung, die an Jon Vickers erinnert, trugen dazu bei, dass hier ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk dargeboten wurde. Dieser Holländer lebte. Nach dieser grandiosen Leistung von Herrn Dobber besteht kein Zweifel daran, dass Katharina Wagner zeitnah zum Telefonhörer greifen wird. Dieser Mann gehört auf den Grünen Hügel! Eine solche Einladung sollte ihn aber bitte nicht davon abhalten, so oft wie möglich in Hamburg zu gastieren. Das Haus an der Dammtorstraße braucht solche Helden dringend.

„Richard Wagner, Der fliegende Holländer,
Hamburgische Staatsoper, 21. Februar 2020“
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Stell Dir vor, es ist Oper, und jeder fünfte Platz bleibt frei.....

Die Spielzeit 2020/21 der Staatsoper Hamburg, des Hamburg Balletts John Neumeier und des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg

von Andreas Schmidt

Jeder fünfte Platz blieb in der Saison 2018/19 in der Staatsoper Hamburg leer. Das Haus an der Dammtorstraße hat die Auslastung an diesem Montag mit 80 Prozent angegeben. 

Besser sieht es beim Hamburg Ballett John Neumeier aus: Das Ausnahme-Ensemble darf sich über eine Auslastung von 92 Prozent freuen. Wenn man Oper und Ballett addiert, liege die Auslastung in HH bei 86 Prozent.

Nach Ansicht von klassik-begeistert.de können die Verantwortlichen in der „Musikstadt Hamburg“ keinesfalls mit diesen Zahlen zufrieden sein. Die Auslastung in der Wiener Staatsoper betrug – bei erheblich mehr Aufführungen – in der letzten Saison bei den Sitzplätzen 99,1 Prozent (Bei 281 !!! Vorstellungen auf der Hauptbühne der Wiener Staatsoper wurde diese phantastische Sitzplatzauslastung erreicht.) Die Bayerische Staatsoper in München konnte sich über eine Auslastung von 96,6 Prozent freuen. Und die Staatsoper Unter den Linden in Berlin über 90 Prozent im Jahr 2019.

Zudem ist die Angabe von 80 Prozent Auslastung (Vorsaison: 74 Prozent) für den Opernbetrieb in HH nach Angaben von Mitarbeitern der Staatsoper Hamburg leicht „geschönt“. Etwa 10 Prozent der Opernkarten gehen in vielen Aufführungen umsonst oder sehr kostengünstig an Mitarbeiter, family and friends, an Studenten, Schüler und Auszubildende sowie an sozial schwächere Menschen. „Staatsoper Hamburg, Spielzeit 2020/21, Auslastung
klassik-begeistert.de“
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"Lulu" von Alban Berg steht auf dem Programm... und die Staatsoper Hamburg ist wieder mal nur halb voll

Mit Alban Berg wird offenbar das Publikum heutzutage verschreckt. Das Haus war nur etwa zur Hälfte besetzt. Es müssen aber zahlreiche Berg-Liebhaber anwesend gewesen sein, denn der Beifall war lang andauernd und besonders herzlich für Veronica Eberle, Mojca Erdmann und Kent Nagano. Eine gegen die Gefühle der Oper gerichtete Inszenierung wird von einem angehängten Violinkonzert unterlaufen.

Staatsoper Hamburg, 5. Februar 2020
Alban Berg, Lulu
Foto: Kent Nagano, © Felix Broede

von Dr. Ralf Wegner

Vor drei Jahren erlebten wir die Premiere B dieser Marthaler-Inszenierung in den akzeptablen Bühnenbildern von Anna Viebrock, die allerdings auch für die hässlichen Kostüme der männlichen Sänger verantwortlich zeigte. Sie waren alle in lange Unterhosen gekleidet. Das Orchester spielte unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano unverändert gut, emotional berührend klang wieder Veronica Eberles Violine in dem die Oper abschließenden Bergschen Violinkonzert.

Dies war jetzt meine 6. gesehene Lulu-Aufführung in der 4. erlebten Inszenierung. Sie ist mit dreieinviertel Stunden Nettospielzeit auch die längste und von der Spannung her die durchhängendste. Marthaler hat der Oper die ihr innewohnende Emotionalität ausgetrieben. Das Beziehungsgeflecht zwischen Lulu und den ihr sexuell und/oder in Liebe Verfallenden wird nicht betont, sondern ihm durch eine analytische, vom Sprechtheater übernommene Herangehensweise die unmittelbare, eigentlich operntypische Gefühlsebene genommen. „Alban Berg, Lulu,
Staatsoper Hamburg, 5. Februar 2020“
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