Charlotte Larzeleres tänzerische Romola-Interpretation ist fabelhaft

Louis Musin (Geist der Rose), Louis Haslach (Petruschka), Artem Prokopchuk (Goldener Sklave), Xue Lin (Tamara Karsavina), Callum Linnane (Vaslaw Nijinsky), Charlotte Larzelere (Romola Nijinska), Matias Oberlin (Serge Diaghilew), Ida Stempelmann (Bronislava Nijinska), Francesco Cortese (Stanislaw Nijinsky), Hayley Page (Eleonora Bereda), Pepijn Gelderman (Thomas Nijinsky) (Foto: RW)

Wie Larzeleres Bewegungen mit der musikalischen Line legatohaft verschmelzen, mit welcher fast schon elegischen Schönheit sie ihre Arme zur Musik bewegt, welche Biegsamkeit ihr Körper zeigt und mit welcher Vertrautheit sie sich den schwierigen Hebungen hingibt, ist fabelhaft.

Nijinsky, Ballett von John Neumeier (Choreographie, Bühnenbild und Kostüme)

Musik: Chopin, Schumann, Rimskij-Korsakow und Schostakowitsch (u.a. Sinfonie Nr. 11 g-moll)

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Nathan Brock, musikalische Leitung

Klavier: Ondrej Rudcenko, Viola: Naomi Seiler, Solo-Violine: Konradin Seitzer

Hamburg Ballett, Hamburgische Staatsoper, 16. Mai 2026, 161. Vorstellung seit der Premiere am 02. Juli 2000

von Dr. Ralf Wegner

John Neumeiers mit 60 Tänzerinnen und Tänzern besetztes Nijinsky-Ballett ist Kult und sorgt seit der Premiere im Jahre 2000 unverändert für ausverkaufte Häuser, so auch am gestrigen Abend in der Hamburgischen Staatsoper. John Neumeier war anwesend. Beide Hauptpartien, jene Nijinskys und die seiner Ehefrau Romola, waren neu besetzt. Der Erste Solist des Australian Ballet Callum Linnane tanzte als Gast die Partie von Vaslaw Nijinsky, er wird zur kommenden Saison zum Hamburg Ballett wechseln; die Hamburger Solistin Charlotte Larzelere debütierte als Romola Nijinska. Continue reading “Nijinsky, Ballett von John Neumeier
Hamburg Ballett, Hamburgische Staatsoper, 16. Mai 2026″

Lloyd Riggins: „Wichtig ist, dass der Tanz über das Gefühl läuft“, Teil II: Der Ballettmeister

Lloyd Riggins 2013 © Holger Badekow

Ballett-Sprünge und Drehungen dürfen nicht zur Show ausarten. Manchmal vergessen die Tänzer das und zeigen ihr technisches Können nur für die Zuschauer. Das soll nicht sein. Die technischen Schwierigkeiten in einer Ballett-Aufführung müssen immer im Sinne des Stücks und nicht als artistische Showeinlage getanzt werden.

klassik-begeistert im Gespräch mit Lloyd Riggins, dem künstlerischen Ballettdirektor des Hamburg Balletts, Teil II

von Dr. Ralf Wegner Continue reading “kb im Gespräch: Lloyd Riggins Der Ballettmeister, Teil II
Hamburgische Staatsoper, 26. April 2026″

Lloyd Riggins: „Meine Sehnsucht war es, als Instrument zu wirken und dem Tanz zu dienen“, Teil III: Der Ballettdirektor

Das Ensemble des Hamburg Ballett mit Lloyd Riggins (vorn sechster von links, rechts neben ihm der geschäftsführende Betriebsdirektor Nicolas Hartmann) (Foto: Kiran West)

Wichtig ist, den von John Neumeier aufgebauten Geist der Hamburger Compagnie und deren Leuchtturmcharakter in der Ballettwelt zu erhalten. Und das gelingt nur mit dem systematischen Aufbau der Compagnie von unten.

klassik-begeistert im Gespräch mit Lloyd Riggins, dem künstlerischen Ballettdirektor des Hamburg Balletts, Teil III

von Dr. Ralf Wegner

klassik-begeistert: Kommen wir zu einem weiteren Thema, dem Rang des Hamburger Balletts in der Ballettwelt. Der sog. Ballett-Oscar, der Prix Benois de la Danse, wurde Ihnen 2004 verliehen. Unter den Ballett-Compagnien erhielten Mitglieder des Hamburger Balletts nach den Ensembles in Paris, Moskau und St.Petersburg zusammen mit dem Londoner Royal Ballet am häufigsten diesen Preis verliehen. Schon allein das zeugt von dem hohen Rang, den das Hamburg Ballett unter John Neumeier erreicht hat. Leider haben im letzten Jahr unter Neumeiers Nachfolger zahlreiche Erste Solisten das Hamburger Ballett verlassen.

Warum hat man diese nicht wieder gewinnen können und warum wurden die Stellen nicht nachbesetzt, sei es aus dem Ensemble oder mit von auswärts zu gewinnenden ersten Kräften? Auch aus dem neuen Spielzeitbuch der Saison 2026/27 ergeben sich keine weiteren Informationen. Continue reading “kb im Gespräch: Lloyd Riggins Der Ballettdirektor, Teil III
Hamburgische Staatsoper, 27. April 2026″

Lloyd Riggins: „Man muss als Tänzer in den Fluss springen und die Rolle annehmen“, Teil I: Der Tänzer

Lloyd Riggins am 8. April 2026  beim Interview in seinem Büro im Ballettzentrum Hamburg John Neumeier (Foto: RW)

In Hamburg war es unter John Neumeier moderner, irgendwie lebendiger, lebensnaher. Jedes weitere Ballett von ihm war wie neu, so als ob ein anderer Choreograph am Werk gewesen sei.

klassik-begeistert im Gespräch mit Lloyd Riggins, dem künstlerischen Ballettdirektor des Hamburg Balletts, Teil I

von Dr. Ralf Wegner

Lloyd Riggins wurde 1969 in New York geboren, zum Tänzer allerdings in Orlando, Florida, ausgebildet. Ab 1987 tanzte er beim Königlich Dänischen Ballett. 1995 engagierte John Neumeier ihn als Ersten Solisten nach Hamburg. In dieser Position wirkte er nominell noch bis 2024, arbeitete aber seit 2009 bereits als Ballettmeister und hatte seit 2015 unter John Neumeier auch die Position als Stellvertretender Ballettdirektor inne.

2004 wurde Lloyd Riggins als Tänzer mit dem unter dem Patronat der Unesco stehenden Ballettpreis, dem Prix Benois de la Danse, ausgezeichnet. Seit 2025 ist er Interimistischer Künstlerischer Ballettdirektor beim Hamburg Ballett.

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Hamburgische Staatsoper, 25. April 2026″

Ein neuer Stern leuchtet am Himmel des Hamburger Balletts

Charlotte Larzelere am 1. April 2026 beim Interview mit klassik-begeistert in der Bibliothek des Ballettzentrums Hamburg – John Neumeier (Foto: RW)

Interview mit Charlotte Larzelere, Solistin beim Hamburg Ballett

Was macht Charlotte Larzeleres spezielle Kunst aus? Beim ersten Auftreten auf der Bühne wirkt sie fast schüchtern, gewinnt aber, wenn sie anfängt zu tanzen, an Präsenz und Aura.

Wie sie als Natalia in Neumeiers Schwanensee ihre Arme stilvoll und mit Eleganz einsetzt, mit welcher fast luziden, dennoch straffen Haltung sie sich den Hebungen und Wendungen des Partners anvertraut oder sich, später am Schluss des Grand Pas de deux, bei den rückwärts gerichteten Arabesken leicht nach hinten beugt, ohne zu kippen, ist überaus fesselnd anzusehen. Ihre Mascha, eigentlich nur eine Nebenrolle in Neumeiers Möwe, gehört zu den eindrucksvollen Höhepunkten dieses Balletts. Sie berührte mit ihrer Darstellung der unglücklich Liebenden und imponiert im Pas de deux mit ihrem Partner mit harmonisch fließenden Bewegungen, die sich der Erdenschwere entziehen. Und wie Larzelere als Kleine Meerjungfrau mit außergewöhnlicher Armarbeit wellengleich durch die Luft gleitet, ist bewunderungswürdig umgesetzt. Und wie sie schließlich im vorletzten Pas de deux wieder nach oben in die Lüfte gehoben wird und sich glücklich ihrer uneingeschränkten Bewegungsfreiheit im angestammten Milieu, dem Meer, versicherte, berührt tief (Klassik-begeistert).

von Dr. Ralf Wegner

Charlotte Larzelere wurde 1998 in San Antonio, Texas, geboren. Ihre Ausbildung erhielt sie beim Houston Ballet und tanzte danach für ein Jahr beim Houston Ballet II. 2016 wechselte sie nach Hamburg zum Bundesjugendballett, 2018 übernahm sie John Neumeier in sein Hamburger Ensemble, 2023 wurde sie zur Solistin befördert. Im Februar 2026 erhielt sie zusammen mit ihrer Kollegin Olivia Betteridge den Dr.-Wilhelm-Oberdörffer-Preis für jüngere künstlerische Nachwuchskräfte. Continue reading “Interview: klassik-begeistert im Gespräch mit Charlotte Larzelere, Solistin
Hamburg Ballett, 15. April 2026″

Das Hamburg Ballett verliert mit diesen Mehrteilern sein Alleinstellungsmerkmal

Serenade: Futaba Ishizaki, Edvin Revazov, Ida Praetorius, Katharina Müllner (musikalische Leitung), Matias Oberlin, Anna Laudere / The Moon in The Ocean: Ana Torrequebrada und Xue Lin / Totentanz: Charlotte Larzelere, Daniele Bonelli, Louis Musin / Annonciation: Charlotte Kragh und Selina Appenzeller (Fotos: RW)

Vor uns liegt jetzt eine Durstrecke von insgesamt 24 Ballettabenden mit sog. Mehrteilern: Der gestern premierte Vierteiler Fast Forward sowie die übernommenen Stücke The Times are Racing und Slow Burn. Vor allem letzteres Werk füllt bisher nicht einmal ein Drittel des Hauses. Wenn es so weiter geht, wäre nicht nur der materielle, sondern vor allem der ideelle Verlust unüberschaubar. Hamburg hätte sein Alleinstellungsmerkmal verloren: Die zahlreichen Meisterwerke John Neumeiers mit Tänzerinnen und Tänzern zu erleben, die seinen am klassischen Vorbild orientierten, emotional-dramaturgisch bis ins kleinste Detail durchdachten Handlungsballetten ein spezifisches Profil geben.

Fast Forward, Premiere eines mehrteiligen Ballettabends mit folgenden Choreographien:

Serenade, George Balanchine, 35 Minuten,

Musik: Peter Tschaikowsky, Philharmonisches Staatsorchester, Ltg. Katharina Müllner

Totentanz, Marco Morau, 25 Minuten, Musik vom Band

Annonciation, Angelin Preljocaj, 22 Minuten, Musik vom Band

The Moon in The Ocean, Xie Xin, 35 Minuten, Musik vom Band, Uraufführung

Hamburg Ballett, Hamburgische Staatsoper, 22. Februar 2026

von Dr. Ralf Wegner

Bis zum nächsten Handlungsballett liegt eine lange Durststrecke vor uns, und wir haben erst Februar. Während das Hamburger Ballett im spanischen Barcelona viermal mit John Neumeiers ikonischem Meisterwerk Nijinsky auftreten wird, ist es in Hamburg nur dreimal angesetzt, einschließlich der einen Aufführung während der Ballett-Tage. Die von Alexei Ratmansky auf die Ballettbühne gehobene Geschichte um Alice im Wunderland feiert während der Ballett-Tage dafür immerhin fünf Aufführungen. Continue reading “Fast Forward, Premiere eines mehrteiligen Ballettabends
Hamburgische Staatsoper, 22. Februar 2026″

John Neumeiers Ballett Tod in Venedig begeistert in Hamburg erneut das von weit her angereiste Publikum

Tadzios Schwestern und der jüngere Aschenbach (Foto: RW)

Lennard Giesenberg überzeugte als Tadzio. Er gab der Rolle die notwendige unbeschwerte Jugendlichkeit, verbunden mit offener Herzlichkeit dem älteren Aschenbach gegenüber, der seine Zeit einsam am Lido von Venedig verbringt. Optisch ähnelte er dem jungen Edvin Revazov, der diese Rolle vor 23 Jahren kreiert hatte.

Tod in Venedig, ein Totentanz von John Neumeier

Frei nach der Novelle von Thomas Mann

Bühnenbild: Peter Schmidt
Musik: Johann Sebastian Bach und Richard Wagner (vom Band)

Am Klavier: Mari Kodama

Hamburgische Staatsoper, 22. Januar 2026

von Dr. Ralf Wegner

Auch bei dieser 102. Aufführung dieses Balletts von John Neumeier war das Hamburger Opernhaus bis zum letzten Platz gefüllt, jedenfalls sah ich keine leeren Sitze. Gleiches gilt für die bereits beendeten Serien der Neumeierballette Die Möwe, Die Kameliendame oder Nussknacker, während die noch von Demis Volpi initiierten Mehrteiler The Times are Racing und Slow Burn offensichtlich kaum Publikum finden. Die für April und Mai geplanten Serien sind bisher nicht einmal zu einem Drittel gebucht, während die dazwischen geplanten Vorstellungen des Neumeierballetts Nijinsky bereits zu gut Zweidrittel Kundschaft fanden. Continue reading “Tod in Venedig, ein Totentanz von John Neumeier
Hamburgische Staatsoper, 22. Januar 2026″

Aleix Martínez’ Uraufführung „Äther“ reißt die Zuschauer von den Stühlen

Der Choreograph Aleix Martínez vor seinem Äther-Ensemble (Fotos RW)

Nach dem freundlich aufgenommenen historischen Ballett La Sylphide von August Bournonville reißt Aleix Martínez’ Uraufführung Äther die Zuschauer von den Stühlen.

Die 50 Minuten des Stücks Äther vergingen wie im Fluge. Martínez’ Choreographie war spannend, originell, und ohne epigonenhaft an ein Vorbild angelehnt zu sein. Zahlreiche Soli, Pas de deux und immer wieder überraschende Gruppentableaus bleiben im Gedächtnis haften.

ROMANTIC EVOLUTION/S
Ballettabend mit Werken von August Bournonville und Aleix Martínez 

La Sylphide, Uraufführung 28. November 1836

Choreographie: August Bournonville
Musik: Herman Severin Løvenskjold
Inszenierung und Einstudierung: Frank Andersen, Eva Kloborg
Bühne und Kostüme: Mikael Melbye

Äther, Uraufführung 7. Dezember 2025

Choreographie, Bühnenbild und Lichtkonzept: Aleix Martínez
Musik: Pēteris Vasks, Arvo Pärt, Arnau Obiols
Kostüme: Lennart Radtke, Filmarbeit: Kiran West
Solovioline: Anton Barakhovsky, Gesang: Ida Aldrian

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung: Markus Lehtinen

Hamburgische Staatsoper, 7. Dezember 2025

von Dr. Ralf Wegner

Romantic Evolution/s nennt sich dieser, zwei Stücke, ein ganz altes und ein ganz neues, integrierende Ballettabend. Es beginnt mit dem 1836 beim Königlich Dänischen Ballett uraufgeführten Ballett La Sylphide in der Choreographie von August Bournonville.  Ein schottischer Edelmann verliebt sich in ein ätherisches Geistwesen und tötet sie unwissentlich, als er ihrer habhaft wird. Eine von dem Edelmann aus dem Haus gewiesene Hexe hat an diesem tragischen Ende auch ihre Hände im Spiel. Das Bühnenbild zeigt ganz nach alter Sitte im ersten Teil die gotische Halle eines adligen Anwesens, im zweiten die Lichtung eines Waldes. Continue reading “ROMANTIC EVOLUTION/S Ballettabend/August Bournonville und Aleix Martínez
Hamburgische Staatsoper, 7. Dezember 2025″

Hamburg Ballett: Trotz ausgedünnter Personaldecke wurde erneut herausragend und herzbewegend getanzt

Ein Traumpaar: Anna Laudere als Marguerite Gautier und Alessandro Frola als Armand Duval (Foto: RW)

Noch 2024 standen für eine Kameliendame-Serie als Marguerite und Armand vier Paarungen zur Verfügung: Alina Cojocaru als Gast und Alexandr Trusch, Anna Laudere und Edvin Revazov, Madoka Sugai und Alessandro Frola, Ida Praetorius und Jacopo Bellussi. Christopher Evans war zwar nicht besetzt, hatte aber auch bereits als Armand (mit Olga Smirnova als Gast) seine Qualitäten gezeigt.

Die Kameliendame
Ballett von John Neumeier nach dem Roman von Alexandre Dumas d.J.

Bühnenbild und Kostüme: Jürgen Rose

Musik: Frédéric Chopin

Musikalische Leitung: Markus Lehtinen

Am Flügel: Michal Bialk, Ondrej Rudčenko (11. November ), Petar Kostov (13. November)

Hamburgische Staatsoper, Aufführungen am 11. und 13. November 2025
255./256. Vorstellung seit der Premiere am 01.02.1981

von Dr. Ralf Wegner

Von John Neumeiers Balletten wird Die Kameliendame weltweit wohl am häufigsten aufgeführt. Das liegt sicher an der berühmten Handlung über die vom Weg abgekommene Pariser Kurtisane und auch der tief bewegenden Komposition von Frédéric Chopin; vor allem aber an den großartigen Pas de deux, die der Choreograph in jeden der drei Akte eingebaut hat. Sie tragen inzwischen sogar Namen, der violette, der weiße und der, besonders schwierige, schwarze Pas de deux. Continue reading “Die Kameliendame, Ballett von John Neumeier
Hamburgische Staatsoper, 14. November 2025″

Xue Lin ist als kleine Meerjungfrau ein unvergessliches Erlebnis

Xue Lin, Erste Solistin beim Hamburg Ballett, als kleine Meerjungfrau (Foto: RW)

Ab und an huscht ein Lächeln über ihr Gesicht, aber mehr ist es ihr Staunen über ihre eigenen, sie übermannenden Gefühle, welches für die Tänzerin einnimmt. 

Die kleine Meerjungfrau, Ballett von John Neumeier
frei nach Hans Christian Andersen

Musik: Lera Auerbach, Hamburger Fassung

Hamburg Ballett

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung   Luciano Di Martino

Hamburgische Staatsoper, 21. Oktober 2025

von Dr. Ralf Wegner

Welch ein wunderbares, tief berührendes Ereignis ist es, Xue Lin in dieser Rolle zu erleben. Sie ist eine würdige Nachfolgerin von Silvia Azzoni. Ausgeprägter Mimik bedarf es bei dieser Rolle nicht, es reichen Lins große, das für sie Fremde beobachtende Augen sowie ihre tänzerische Perfektion, um die Sehnsüchte und das Leiden der kleinen Meerjungfrau zu verinnerlichen. Ab und an huscht ein Lächeln über ihr Gesicht, aber mehr ist es ihr Staunen über ihre eigenen, sie übermannenden Gefühle, welches für die Tänzerin einnimmt. Für diese ist sie bereit, sich der Lächerlichkeit preiszugeben, ohne je lächerlich zu wirken. Continue reading “Die kleine Meerjungfrau, Ballett von John Neumeier
Hamburgische Staatsoper, 21. Oktober 2025″