Entdeckerfreude pur: „Bruckner 4 – The 3 Versions“: Jakub Hrůša und die Bamberger Symphoniker auf den Spuren der Werksgeschichte

Persönliche Entdeckungen mit zahlreichen Überraschungsmomenten sind garantiert. Und die Bamberger Symphoniker sind ein idealer Klangkörper für dieses begeisternde Projekt. Diese CD-Box ist allen Musikliebhabern wärmstens zu empfehlen. 

CD Besprechung (4 CD-Box)

„Bruckner 4 – The 3 Versions“

Bamberger Symphoniker
Jakub Hrůša Dirigent

Label: Index, BR Klassik – accentus music

von Dr. Holger Voigt

Nur wenige Komponisten der sinfonischen Musikliteratur dürften derart häufig nach erfolgter Fertigstellung und Veröffentlichung des jeweiligen Werkes die Partitur erneut überarbeitet und dabei nicht nur punktuelle Retuschen, sondern durchaus größere Veränderungen vorgenommen haben, wie dieses Anton Bruckner getan hat. Der am 4. September 1824 im österreichischen Ansfelden geborene Komponist und Organist (an der Stiftskirche Sankt Florian in der Nähe von Linz) hat von nachträglichen Überarbeitungen reichlich Gebrauch gemacht. Über die zugrundeliegenden Motive ist nicht viel Sicheres bekannt. War es der eigene Qualitätsanspruch an das Werk, das der tiefgläubige Bruckner stets in Bezug zu Gott gesehen hatte? Oder war es eine kompositorische Replik auf die ausgesprochen feindliche Ablehnung seiner Werke durch seinerzeit etablierte künstlerische Zeitgenossen und Kritiker, die in ihrer Häme und Verachtung nicht gerade zurückhaltend mit dem Komponisten umgegangen sind?

Kompositorisch war das Schaffen Bruckners stets von seinem christlichen Glauben bestimmt, ohne dass dabei lediglich Kirchenmusik entstehen musste. Der Ausdruck „Theofonie“ kommt seinem Werkschaffen durchaus sehr nahe. „CD Besprechung: „Bruckner 4 – The 3 Versions“, Bamberger Symphoniker, Jakub Hrůša, Dirigent
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Exklusiv-Interview – Oksana Lyniv: „Die ganze Welt ist unser bester Lehrer“

Foto: Oksana Lyniv (c) Oleh Pavliuchenkov

Seit ihrem großartigen Debüt in Bayreuth am 25. Juli 2021 (Eröffnungstag) als erste Dirigentin auf dem Grünen Hügel ist Oksana Lyniv an vielen Opern- und Symphonieprojekten beteiligt. Sie ist gerade als Generalmusikdirektorin im Teatro Comunale di Bologna für die nächsten drei Jahre beauftragt worden.

Einen wichtigen Platz nimmt in Ihrer Tätigkeit das von ihr gegründete internationale Festival LvivMozartArt in Lemberg ein, das 2022 zum sechsten Mal stattfindet. Der Stammteilnehmer an diese Veranstaltung ist Youth symphony Orchestra of Ukraine (YsOU), das ebenfalls auf Initiative von Oksana Lyniv entstand. Seit seinem Gründungsjahr 2016 gab das Orchester mehrere Konzerte in der Ukraine sowie in Europa, und 2018 nahm es am Festival Junger Künstler Bayreuth teil. Sein Repertoire umfasst neben internationalen Orchesterwerken auch die Werke der ukrainischen Musik. Sowohl die Dirigentin als auch ihre jungen Musiker fördern die Werke ukrainischer Komponisten, die bis vor kurzem einem breiteren Publikum noch unbekannt waren. Ihre Projekte tragen dazu bei, kulturelle Brücken zwischen der Ukraine und anderen Ländern zu bauen.

Unser Gespräch fand während Oksanas Aufenthalt in London statt, wo sie „Tosca“ im Royal Opera House dirigierte.

Exklusiv-Interview: Jolanta Łada-Zielke

klassik-begeistert: Liebe Oksana, wenn Sie von Ihrer heutigen Position aus auf Ihre Lehrzeit zurückblicken, was halten Sie für das Wichtigste?  

Oksana Lyniv: Die jungen Musiker, mit denen ich arbeite, fragen mich oft nach der Quelle meines Erfolgs. Ich erkläre ihnen dann, dass man Erfolg nicht erzielen kann. Man kann nicht vorhersagen: ich mache dies und das, und nach so vielen Jahren erreiche ich eine bestimmte Position. Zuerst muss man seinen eigenen Weg finden. Dieser Weg ist keine direkte Linie, sondern führt uns Schritt für Schritt zum Ziel. Jeder Schritt ist sehr wichtig, bei jedem Schritt lernen wir etwas Neues. Manchmal höre ich, dass man von einem einzigen Lehrer nicht alles lernen oder nicht alle Antworten bekommen könnte. Meiner Meinung nach ist die ganze Welt der beste Lehrer. Man muss offen sein und immer wieder neue Erfahrungen sammeln, die uns die Welt schenkt. „Exklusiv Interview: Oksana Lyniv, Generalmusikdirektorin im Teatro Comunale di Bologna
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Lise Davidsens Hommage an ihren Landsmann Edvard Grieg

Eine bessere Botschafterin können sich Grieg und Norwegen nicht wünschen!

Foto: Lise Davidsen (Sopran)© Wilfried Hösl

CD Rezension

Lise Davidsen
Leif Ove Andsnes
Edvard Grieg

DECCA 485 2254 

von Peter Sommeregger

Die Sopranistin Lise Davidsen ist seit dem Gewinn von Plácido Domingos Gesangswettbewerb Operalia im Jahr 2015 in Riesenschritten auf dem Weg zum Weltruhm. In bemerkenswert kluger Weise baut sie ihre Karriere auf, vermeidet tunlichst einen zu frühen Einstieg in das hochdramatische Fach, obwohl Volumen und Technik ihrer Stimme sie dafür prädestiniert erscheinen lassen.

Neben der Oper widmet sie sich auch dem Liedgesang, einer fast schon aussterbenden Kunst. Dass sie bei dem soeben veröffentlichten Recital den Fokus vollständig auf ihren Landsmann Edvard Grieg lenkt, scheint ihr eine Herzensangelegenheit zu sein, entsprechend engagiert und authentisch ist das Resultat. „CD Rezension: Lise Davidsen, Leif Ove Andsnes, Edvard Grieg,
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Die SAMSTAG-PRESSE – 15. Januar 2022

Foto: Anna Netrebko in der Tiroler „Wohlfühloase“, Instagram (c)
Info des Tages 15. Januar 2022

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die SAMSTAG-PRESSE – 15. Januar 2022

Berlin
Tschaikowskys letzte Oper ist zum Weinen schön
https://www.morgenpost.de/kultur/article234308611/Tschaikowskys

München
Uraufführung in der Isarphilharmonie: Fazil Say über „Anka Kusu“
Der Pianist Fazil Say im AZ-Interview. Über sein Klavierkonzert „Anka Kusu“, das Lucas und Arthur Jussen in der Isarphilharmonie uraufführen.
MünchnerAbendzeitung.de

Die Brüder Jussen in München: Klavierduo spielt Uraufführung
Nein, Zwillinge sind sie nicht. Aber ein Klavierduo, das für Aufsehen sorgt! Jetzt treten die Brüder Lucas und Arthur Jussen in der Münchner Isarphilharmonie auf. Ein Werk von Fazil Say wird weltweit erstmals zu hören sein.
BR-Klassik.de

Kinder am Instrument: Nicht zu viel Ehrgeiz, liebe Eltern!
BR-Klassik.de „Die SAMSTAG-PRESSE – 15. Januar 2022“ weiterlesen

Testen Sie Ihr Wissen im Klassik-Quiz – Folge 66

Foto: (c) wikipedia.de

Das Klassik-Quiz – Folge 66

In der letzten Quizfolge haben wir uns mit dem ungewöhnlichen Vorkommen von Satzzeichen am Ende von Musicaltiteln befasst. Neben „Oklahoma!“ gibt es mindestens ein weiteres beliebtes Musical der 1950er mit einem Ausrufezeichen am Ende – nämlich „Annie Get Your Gun“. Da steht gar kein Ausrufezeichen? Richtig, und wir hatten auch darauf hingewiesen, dass es nur im deutschen Titel vorkommt – da heißt es nämlich „ANNIE, SCHIEß LOS!“ Dies war somit die korrekte Antwort, und wir gratulieren  dazu Frau Vanessa Ilg, dies nicht nur gewusst zu haben, sondern auch aus der Lostrommel gezogen worden und somit eine Überraschungs-CD gewonnen zu haben! „Testen Sie Ihr Wissen im Klassik-Quiz – Folge 66“ weiterlesen

Der Belcanto lebt: "Linda di Chamounix" begeistert mit außergewöhnlichen Stimmen

DVD Rezension

Gaetano Donizetti, Linda di Chamounix
Orchestra e Coro del Maggio Musicale Fiorentino
Michele Gamba  Dirigent

Dynamic 57911

von Peter Sommeregger

Diese im Januar 2021 aufgezeichnete Produktion des Orchestra e Coro del Maggio Musicale Fiorentino fand unter strengen Corona-Regeln statt. Chor und Dirigent trugen Masken und der Zuschauerraum blieb offenbar leer. Das merkt man vor allem am ausbleibenden Applaus nach den Aktschlüssen und den großen Arien.

Der Regisseur Cesare Lievi stellt eine ganz realistische Szenerie eines französischen Provinznests auf die Bühne, die italienischen Theater widerstehen erfreulicherweise noch immer weitgehend dem Trend zum „European Trash“. Hier darf ein Baum ein Baum sein, eine Schänke aussehen wie eine Schänke und  die Kostümierung der handelnden Personen ist der Rolle angemessen. „DVD Rezension: Gaetano Donizetti, Linda di Chamounix, Orchestra e Coro del Maggio Musicale Fiorentino
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Die FREITAG-PRESSE – 14. Januar 2022

Foto: instagram.com

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die FREITAG-PRESSE – 14. Januar 2022

Wien
„Genug“: Anna Netrebko legt offenbar eine Pause ein
Die Presse.com

Anna Netrebko: „Musik zu machen, macht mir so keine Freude mehr“
Opernstar nimmt sich wegen der Pandemie offenbar eine Auszeit, um sich ihrer Gesundheit zu widmen, und will „mit neuer Energie“ bald zurückkehren.
Kurier.at

Live aus der Wiener Staatsoper – Benjamin Britten: „Peter Grimes“ auf Ö1 (29.1.)
Mit Jonas Kaufmann (Peter Grimes), Lise Davidsen (Ellen Orford), Sir Bryn Terfel (Balstrode) u.a.
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper; Dirigentin: Simone Young
(Live-Übertragung aus der Wiener Staatsoper in 5.1 Surround Sound)
oe1-orf.at

Berlin
Kirill Petrenko dirigiert Tschaikowskys „Jolanthe“
rbb-online.de

Berliner Philharmoniker: Liebe macht sehend
Tagesspiegel.de

Salzburg
Intendant Villazon sagt Salzburger Mozartwoche ab
Die Lage hat sich in Salzburg dramatisch verschlechtert, der Peak an Infektionen wird genau in der Festivalwoche erwartet, daher wird das Musikfestival abgesagt.
WienerZeitung.at

In Salzburg droht die Stille des Kleinmuts (Bezahlartikel)
Im Dschungel der Omikron-Regeln wird ein Fest zu Mozarts Geburtstag erstickt.
https://www.sn.at/mozartwoche/in-salzburg-droht-die-stille-des-kleinmuts-115418368

Mozartwoche Salzburg wegen Corona-Pandemie abgesagt
Das Festival sei wegen aktueller Rahmenbedingungen und fehlender Planungssicherheit nicht durchführbar, sagt Intendant Villazon
DerStandard.at „Die FREITAG-PRESSE – 14. Januar 2022“ weiterlesen

Daniels Anti-Klassiker 46: Giuseppe Verdi – „Libiamo, ne’ lieti calici“ aus „La traviata“ (1853)

Höchste Zeit sich als Musikliebhaber einmal neu mit der eigenen CD-Sammlung oder der Streaming-Playlist auseinanderzusetzen.

Dabei begegnen einem nicht nur neue oder alte Lieblinge. Einige der so genannten „Klassiker“ kriegt man so oft zu hören, dass sie zu nerven beginnen. Andere haben völlig zu Unrecht den Ruf eines „Meisterwerks“. Es sind natürlich nicht minderwertige Werke, von denen man so übersättigt wird. Diese teilweise sarkastische, teilweise brutal ehrliche Anti-Serie ist jenen Werken gewidmet, die aus Sicht unseres Autors zu viel Beachtung erhalten.

von Daniel Janz

La traviata (zu Deutsch: „Die vom Wege Abgekommene“) von Verdi – eine weitere Oper des italienischen Komponistengiganten, die bis heute im kulturellen Gedächtnis verweilt und in einigen Ländern sogar die am meisten aufgeführte Oper überhaupt ist. Zwar hält ihr Ruhm heutzutage leider weniger wegen ihres Inhalts an, der wohl nur noch eingefleischten Operngängern etwas sagen dürfte. Aber in der medialen Verbreitung genießen einige Teile dieser Oper auch bis heute noch genreübergreifenden Kultstatus. Zeit also, sich einen weiteren der bekanntesten Ohrwürmer aus Verdis Feder anzuschauen: Die „Libiamo“-Arie aus dem ersten Akt von „La traviata“; oder aber das am meisten überschätzte Trinklied aller Zeiten. „Daniels Anti-Klassiker 46: Giuseppe Verdi – „Libiamo, ne’ lieti calici“ aus „La traviata“ (1853),
klassik-begeistert.de“
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5 Jahre Elbphilharmonie: Elysisch geradezu

Elbphilharmonie, Hamburg, 12. Januar 2021

NDR Elbphilharmonie Orchester

Anu Komsi Sopran
Piia Komsi Sopran
Kirill Gerstein Klavier
Dirigent Alan Gilbert

John Adams
Tromba lontana / Fanfare für Orchester
Short Ride in a Fast Machine / Fanfare für Orchester
Thomas Adès
Konzert für Klavier und Orchester
Esa-Pekka Salonen
Wing on Wing

Foto: Elbphilharmonie, Hamburg, © eberhardt-travel.de

von Harald N. Stazol

Nun stellt sich ernsthaft und dringend die Frage, ob der Komponist den Dirigenten noch überragt, vor allem, wenn es ein und derselbe ist – denn da ist sie, die Überraschung des Abends, hier, zum Jubiläumskonzert von 5 Jahren Elbphilharmonie, zu der zu bemerken ist, dass, obschon der Abendroben und der bodenlangen Kleidern am ersten Abend, der zweite gleichen Programmes der Erstrebenswertere war, weil ja die langweiligen Reden entfallen – kurzum: Es gilt, Esa-Pekka Salonen in den Rang eines Meisters der Neo-Moderne zu heben.

“Wie wird er wohl klingen”, fragen sich die Liebhaber während der Pause, hat uns doch schon John Adams begeistert, offenbar wiederum ein Liebling des Dirigenten Alan Gilbert, war er doch schon beim Silvesterkonzert prominenter Notist mit seinen “Chairmen Dances” – nun also zwei Trompeter, rechts und links in den Rängen, diesen welteinzigartigen Klangraum erfüllend, im sich steigernden, Vivaldi-haften Echo, sich gegeneinander die “Zwei Fanfaren für Orchester” gebend, während unten, geschätzte 30 Meter entfernt, unsere wunderbare Stadt- und Staatskapelle, das NDR Elbphilharmonie Orchester, sich langsam zu Weltrang entwickelt.  „NDR Elbphilharmonie Orchester, Kirill Gerstein, Alan Gilbert
Elbphilharmonie, Hamburg, 12. Januar 2021“
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Tschaikowskys „Jolanthe“ unter Petrenko – ein Triumph der russischen Seele

Man weiss nicht, was man mehr bewundern soll: die Philharmoniker, die sich von ihrem Chef mehr und mehr das russische Flair aneignen, den blendend disponierten  Rundfunkchor Berlin oder die ausnahmslos souverän agierenden Solisten.

Kirill Petrenko, Berliner Philharmoniker. Foto: © Monika Rittershaus

Philharmonie Berlin, 12. Januar 2022

Peter Tschaikowsky
Jolanthe op. 69 (konzertante Aufführung)

Asmik Grigorian, Sopran (Jolanthe) (anstelle von Sonya Yoncheva)
Mika Kares, Bass (König René)
Liparit Avetisyan, Tenor (Vaudémont)
Igor Golovatenko, Bariton (Robert)
Michael Kraus, Bariton (Ibn-Hakia)
Anna Denisova, Sopran (Brigitta)
Victoria Karkacheva, Mezzosopran (Laura)
Margarita Nekrasova, Alt (Marta)
Dmitry Ivanchey, Tenor (Almerik)
Nikolay Didenko, Bariton (Bertrand)

Rundfunkchor Berlin

Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko
Dirigent

von Peter Sommeregger

Tschaikowskys letzte Oper, der Einakter „Jolanthe“ ist außerhalb des russischen Kulturkreises selten zu hören. Davon ausgehend, dass das wohl seine Gründe hätte, war die Erwartungshaltung für diese konzertante Aufführung überschaubar. Aber was für eine Fehleinschätzung! Wie schon beim konzertanten „Mazeppa“ im Herbst hatte Kirill Petrenko für die Aufführung fast ausschließlich russische Sänger verpflichtet. Das sicherte nicht nur eine idiomatisch saubere Interpretation, es trug auch der Tatsache Rechnung, dass russische Musik mit einer anderen Technik gesungen werden muss. „Peter Tschaikowsky, Jolanthe op. 69 (konzertante Aufführung), Kirill Petrenko,
Philharmonie Berlin, 12. Januar 2022“
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