Lise Davidsens Stimme: ein ganzes Universum in 15 Minuten. Sensationell!

Lise Davidsen (Sopran), Foto: © Wilfried Hösl

„Die Kamera schwenkt. Noch mehr Kerzenständer. Lise Davidsen im rubinroten Kleid. Egal wie stark mich die Kerzen irritiert haben, Lise Davidsen sorgt dafür, dass ich ab ihrem ersten Ton alles um sie herum außer ihrer Stimme vergesse.“

Rezension des Videostreams:
Montagsstück XV: Der gestirnte Himmel

Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 22. Februar 2021

von Frank Heublein

Dies ist heute ein kompletter Beethoven-Abend.

Ein romantisiertes Setup, bläulich gedämpftes Licht, mit fünf, sechs Kerzenleuchtern. Dort hinein werde ich geworfen, denn sofort setzt das Klavier ein. Ich empfinde diese Umgebung als unpassend für die irischen und schottischen Volkslieder, die zu Beginn auf dem Programm stehen. Es irritiert mich bis zur Ablenkung. Denn romantisch sehe ich weder Beethoven noch das Programm. „Montagsstück XV: Der gestirnte Himmel,
Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 22. Februar 2021“
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Alert, spannungsgeladen und so agil wie ihr Dirigent spielt das Bayerische Staatsorchester

Ein bewegender Aufbruch ins Neue: zwei erste Symphonien

Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 20. Februar 2021
Videostream: 4. Akademiekonzert

Akademiekonzert: Kirill Petrenko. Foto: W. Hösl ©

Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Bayerisches Staatsorchester

von Frank Heublein

Kirill Petrenko am Pult. Er lächelt, wirkt entspannt. Agil legt er los. Jedes Mal, immer! wenn ich den Anfang von Beethovens erster Symphonie höre, werde ich überrascht vom Beginn. Eine Art Fingerzeig: „Jetzt aufgepasst!“. Alert, spannungsgeladen und so agil wie ihr Dirigent spielt das Bayerische Staatsorchester. Vom ersten Takt an.

Melodiebogen vom Holz getragen, mal die Flöte, mal die Oboe, werden mir zu Spannungselementen. Diese werden von den Streichern und dem gesamten Orchesterkorpus übernommen. Der erste Satz  beschwingt mich wie ein Schwungrad, sagt mir: „Spring in die Welt hinein!“, macht Spaß und löst große Freude aus. „Kirill Petrenko, Bayerisches Staatsorchester, 4. Akademiekonzert
Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 20. Februar 2021“
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Die Bayerische Staatsoper glänzt (wie jeden Montag) mit einer wunderbaren Fusion aus Sprechkunst, Musik und Tanz

Ariel Merkuri, Carollina Bastos, Foto: © Wilfried Hösl

„Welch toller Abend! Welch wunderbare Fusion der Künste.“

Rezension des Videostreams
Montagsstück XIV: Die Geschichte vom Soldaten (Igor Strawinsky)

Bayerische Staatsoper, München,
Live-Stream am 15. Februar 2021

von Frank Heublein

Es beginnt mit einer blass-sepiafarbenen Reise durch die leeren Straßen Münchens. Diese Fahrt bleibt stetiger bröckeliger Hintergrund der Aufführung, da ins Zuschauerrund des Nationaltheaters projeziert. Ausdruck des Wanderns? So jedenfalls beginnt die Geschichte vom wandernden Soldaten. Sprechspielerin Dagmar Manzel spricht im Rhythmus der marschierenden Musik: der wandernde Soldat. „Montagsstück XIV: Die Geschichte vom Soldaten (Igor Strawinsky),
Bayerische Staatsoper, 15. Februar 2021“
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Tcherniakovs „Freischütz“ in München: Große Musik und Oper in einer Inszenierung, die man kein zweites Mal sehen will

Eindeutig siegreich geht Golda Schultz durchs Ziel. Ihr schön timbrierter lyrischer Sopran verfügt über schöne Farben, technisch wird die Stimme gut geführt, auch ihre Diktion ist sauber und sie bildet mit dem Max von Pavel Černoch ein gut ausgewogenes Paar. 

Nationaltheater München (Bayerische Staatsoper), 13. Februar 2021
Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Foto: W. Hösl ©: Ännchen: Anna Prohaska (li.) und Agathe: Golda Schultz

Kuno: Bálint Szabó
Agathe: Golda Schultz
Ännchen: Anna Prohaska
Kaspar: Kyle Ketelsen
Max: Pavel Černoch
Ein Eremit: Tareq Nazmi
Kilian: Milan Siljanov

Inszenierung: Dmitri Tcherniakov
Dirigent: Antonello Manacorda

von Peter Sommeregger

Niemand konnte ernsthaft erwarten, dass der russische Star-Regisseur Dmitri Tcherniakov Webers „Freischütz“ auch nur annähernd konventionell inszenieren würde. Schon im Vorfeld der Premiere hatte der Regisseur verlauten lassen, die mit dem „Freischütz“, dieser deutschen Nationaloper, verbundenen Traditionen würden für ihn keine Rolle spielen. Das könnte zu einem erfrischenden Ansatz führen, aber leider stellt sich heraus, dass der Regisseur mit diesem Werk grundsätzlich nichts anfangen kann. Heutzutage ja die beste Voraussetzung dafür, es trotzdem auf die Bühne zu bringen. Das Konzept, das Tcherniakov entwickelt, ist durchaus nicht ohne Reiz, trotzdem aber zum Scheitern verurteilt. „Carl Maria von Weber: Der Freischütz
Nationaltheater München (Bayerische Staatsoper), 13. Februar 2021“
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München: Zerrissen, verzweifelt, doch am Ende siegt die Liebe

Fest, konzentriert, stimmlich sicher, auch im Ausdruck der Unsicherheit gerade heraus singt Pavol Breslik. So wie ein bodenständiger Bauersmann eben ist, der das Herz am rechten Fleck hat und Hirn dazu. Ein bleibender Eindruck.

Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 8. Februar 2021

Rezension des Videostreams: Montagsstück XIII – Leoš Janáček: Zápisník zmizelého – Tagebuch eines Verschollenen, JW V/12

Foto: Pavol Breslik / facebook.com (c)

Tenor Pavol Breslik
Mezzosopran Daria Proszek

von Frank Heublein

Dieses Tagebuch eines Verschollenen besteht aus 22 kleinen Gedichten, die Leoš Janáček 1917-1919 vertonte. Die Vertonung hat einen starken persönlichen Aspekt. Er verliebte sich im Alter von 62 in die 26 Jahre junge Kamila Stösslová. Bei dem in einer Zeitung veröffentlichten Text und seiner Vertonung, so schreibt er in einem Brief, dachte er stets an sie.

Jan, ein Bauerssohn, trifft eine Zigeunerin. Er singt „blieb mir so im Kopf zurück / wohl Nacht und Tag lang“. Gedankenvoll und gleichzeitig gedankenverloren sitzt Tenor Pavol Breslik als Jan an einem Tisch, ein unauffälliges Grünzeug auf der Tischdecke stehend. Denn die junge Frau verfolgt ihn in seinen Gedanken, Jan tigert hin und her. „Leoš Janácek, Zápisník zmizelého – Tagebuch eines Verschollenen, Pavol Breslik, Daria Proszek
Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 8. Februar 2021“
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Eindringlich sphärische Musik – Lichtspots in wiederum bläulich-schwarzem Lichtgefüge – ein wunderbar ausdrucksstarkes tänzerisches Trio

Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 1. Februar 2021

Rezension des Videostreams – Montagsstück XII: Bayerisches Junior Ballett München

Unsterbliche Geliebte, Ch.: Jörg Mannes, mit Helian Potie, Phoebe Schembri
(c) Wilfried Hösl

von Frank Heublein

Die jugendliche Power beginnt vor der Bühne vor geschlossenem Vorhang. Denn auch die Pianistin Julia Hermanski ist jung und talentiert. Sie interpretiert gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsorchester Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 unter der Leitung von Myron Romanul. Tanzen zu Live-Musik ist noch ein Tick anspruchsvoller, so in etwa sagt das Choreograf Jörg Mannes nach Ende des ersten Stücks im Video in der Umbaupause. Er nennt seine Choreografie zur Musik Beethovens „Unsterbliche Geliebte“. „Montagsstück XII: Bayerisches Junior Ballett München
Live-Stream am 1. Februar 2021“
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Grandios! Maestro Mehta dirigiert das Bayerische Staatsorchester: Welch musikalische Dichte und Intensität

„Wie schön ist dieser Gedanke, den mir der Sopran hier stimmlich und körperlich so intensiv vermittelt. Dazu ein mich sehr berührendes Geigensolo inmitten des Liedes. Ich bin emotional eingefangen.“

Fotos: Was für ein wunderbares Licht-Bild von Wilfried Hösl (c), einem der besten Konzert- und Opernfotografen der Welt: Montagsstück XI: Sehnliches Verlangen: Camilla Nylund (Sopran), Zubin Mehta (Musikalische Leitung), Bayerisches Staatsorchester

Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 25. Januar 2021

Videostream: Montagsstück XI: Sehnliches Verlangen (3. Akademiekonzert)

Musikalische Leitung: Zubin Mehta
Sopran: Camilla Nylund
Bayerisches Staatsorchester

von Frank Heublein

Das erste der vier letzten Lieder Strauss‘ beginnt, obwohl Frühling benannt, sehr passend zu meiner aktuellen Situation. Schneegestöber draußen und Coronalockdown drinnen, die Musik dunkel, Orientierung suchend beginnt das Lied mit der Liedzeile „In dämmrigen Grüften / träumte ich lang“. Das Lied wendet sich als verheißendes Signal des ganzen Abends positiv mit „Von Licht übergossen / Wie ein Wunder vor mir.“ So empfinde ich diesen Abend. „Sehnliches Verlangen (3. Akademiekonzert),
Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 25. Januar 2021“
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"Wenn die Liebe will, steh’n die Sterne still"

Foto: (c) Wilfried Hösl/Bayerische Staatsoper

„Ich bin im Operettenhimmel und schmachte innerlich mit Georg.“

Montagsstück X: „Schön ist die Welt“ von Franz Lehár

Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 18.01.2021
Operette „Schön ist die Welt“ von Franz Lehár

von Frank Heublein

Ich habe Respekt vor diesem Abend. Operette. Ich fühle mich zu schwermütig dafür. Wenn Sie mir das abnehmen, glauben Sie mir bitte auch, dass diese Aufführung gegen Schwermut hilft.

Buffo! Tuschend beginnt das Orchester diese Operette. Wo sitzt denn das Orchester? Etwa auf der Bühne? Ich habe keine Zeit, mir meinen Kopf darüber zu zerbrechen. Denn der – Rollen-multifunktionale – Erzähler sitzt vor dem musikalischen Klangkörper und erläutert die Situation. Dieser inszenatorische Kniff des Conférenciers macht die Operette handlungsstringent und prägnant. „„Schön ist die Welt“, Franz Lehár, Bayerische Staatsoper München, 18. Januar 2021“ weiterlesen

"Ich bin erschöpft und tief beeindruckt" – Impressionen vom Live-Stream der Bayerischen Staatsoper

Rezension des Videostreams: Montagsstück IX – Eight Songs For A Mad King
Foto: W. Hösl (c)

Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 11. Januar 2021

Peter Maxwell Davies,
Eight Songs for a Mad King

von Frank Heublein

Dieses Stück dauert knappe vierzig Minuten. Das ist lang für jemanden wie mich, der im persönlichen Umfeld psychosomatische Krankheiten miterlebt hat. Denn es erschreckt mich, wie exakt Bariton Holger Falk ein wahnhaftes Verhalten, das ich – zu gut – kenne, trifft. Wie die Musik die schnell wechselnden Stimmungen des Wahnes trifft.

Sir Peter Maxwell Davies (1934-2016) hat 1969 in seinem Monodram Eight Songs for a Mad King den Wahn des englischen Königs George III. in Gesang und Orchesterklang gesetzt. Als Libretto nutzt er acht Gedichte, in denen Librettist Randolph Stow originale Aussagen des Königs verarbeitet. „Peter Maxwell Davies, Eight Songs for a Mad King
Bayerische Staatsoper, München, Live-Stream am 11. Januar 2021“
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Ballett in München: Ich werde mir dieses Stück – hoffentlich bald – im Nationaltheater live anschauen

Bayerische Staatsoper, München, Stream am 4. Januar 2021 der Premieren-Aufführung ohne Publikum vom 18.12.2020

Foto: Paradigma – Bedroom Folk, Ensemble; (c) W. Hösl

Rezension des Videostreams: Montagsstück VIII: Paradigma (Ballett)

von Frank Heublein

Dunkel, düster suchend, tastend beginnt die Musik in Broken Fall. Zwei Tänzer und eine Tänzerin. Die Tänzerin, die ein ums andere Mal zwischen den beiden Tänzern hin und her oszilliert. Höre ich die Musik (auf dem Kopfhörer) etwa zu leise? Die gewünschte Konzentration, das gänzliche Einlassen stellt sich in mir nicht ein. Es sind nur Momente. Ein Aufblitzen meines inneren Flows. Ich regele die Lautstärke herauf. „Paradigma (Ballett)
Bayerische Staatsoper, München, Stream am 4. Januar 2021 der Premieren-Aufführung ohne Publikum vom 18.12.2020“
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