Experiment gelungen: Kunstart-Fusions-Krimi! Judith Bond in München

Bayerische Staatsoper, München (Premiere), am 1. Februar 2020
Béla Bartók, „Judith“, Konzert für Orchester und „Herzog Blaubarts Burg“
Foto: W. Hösl (c)

von Frank Heublein

Béla Bartók ist ein reichlich unbeschriebenes Opernblatt. Nur eine und dazu sehr kurze Oper. Herzog Blaubarts Burg entstand 1911 und wurde erst sieben Jahre 1918 später in Budapest uraufgeführt. Davor hatte kein Haus Interesse an einer Aufführung gezeigt. Kompositions-Lust geht anders.

Zu kurz ist die Oper für einen ausgefüllten Abend. Was machen? Katie Mitchell ist für die Inszenierung zuständig und hat mehrere Ideen zusammengeführt, die diesen Herzog Blaubart neu interpretieren, mich sehen und empfinden lassen. „Béla Bartók, „Judith“, Konzert für Orchester und „Herzog Blaubarts Burg“,
Bayerische Staatsoper, München (Premiere), am 1. Februar 2020“
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"Die Zauberflöte" in der Bayerischen Staatsoper: tolle Inszenierung, strahlende Solisten und ein strauchelnder Dirigent

Magische Gegenstände, Liebestaten, Helden, die gegen das Böse kämpfen – all das ist Material für einen Blockbuster. Daher ist es auch kein Wunder, dass die Bayerische Staatsoper in München wieder einmal ausverkauft ist.

Foto: © Wilfried Hösl, Bayerische Staatsoper – Nationaltheater

Bayerische Staatsoper, 30. Januar 2020
Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte

von Ansgar-Thorben Zabel

Die Inszenierung der Mozart-Oper von August Everding lockt die Münchner weiter in die Staatsoper. Das ist auch nachvollziehbar, wenn man zum einen die vielen kleinen Papagenos und Papagenas nach dem berühmten Duett des Vogelfängers und seiner Geliebten sieht und zum anderen die drei jungen Knaben erleben darf, die als Mozart vom Wolkenhimmel der Opernbühne in das Geschehen hineinschweben. Außerdem überzeugt das Bühnenbild von Jürgen Rose mit enormem Detailreichtum. Trotz des Unterhaltungsgrades der märchenhaften und kindlichen Oper, wirft die Inszenierung viele moralische Aspekte auf und setzt einen Schwerpunkt auf die menschlichen Züge der Charaktere untereinander.        

„Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte
Bayerische Staatsoper, 30. Januar 2020“
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Bayerische Staatsoper: TURANDOT – fulminantes Debut von Anna Netrebko!

Der Welt-Star aus Russland singt strahlend, kraftvoll und leuchtend. Die Vorstellung ihres Gatten Yusif Eyvazov hingegen war dem Niveau des Hauses nicht angemessen.

Foto: Anna Netrebko (Turandot), Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Bayerische Staatsoper, 28. Januar 2020
Giacomo Puccini, TURANDOT

von Gisela Schmöger (onlinemerker.com)

Die futuristische, phantasievolle „Turandot“-Inszenierung von Carlus Padrissa /La Fura dels Baus aus dem Jahr 2012 ist ein bei vielen Stammgästen beliebter Bestandteil des Repertoires der Bayerischen Staatsoper. Die Vorstellungsserie Ende Januar/Anfang Februar wurde jedoch mit besonders großer Spannung erwartet, stand doch das Debut von Anna Netrebko als Prinzessin Turandot bevor. Natürlich war das Haus innerhalb weniger Tage ausverkauft trotz horrender Kartenpreise.

Anna Netrebko erfüllte die in sie gesetzten Erwartungen voll und ganz. Ihre große Arie im zweiten Akt bewältigte sie hoch souverän und war jederzeit Herrin der Partie. Dabei klang ihre Stimme nie angestrengt, sondern strahlend, kraftvoll und leuchtend, so dass das Publikum ihr fasziniert lauschte.

Darüber hinaus schuf sie auch eine beeindruckende und vor allem auch im dritten Akt gefühlvolle Bühnenfigur, in der man neben der gefühlskalten, männermordenden Prinzessin auch die zur echten Liebe fähige Frau erkannte. Es gibt vielleicht Rollen, in denen Netrebkos glutvolle, warme und zu großen Melodiebögen fähige Stimme und ihre Fähigkeit zu zarten Pianissimi besser zur Geltung kommen als in der hauptsächlich kraftvollen Partie der Turandot, trotzdem war es eine eindrucksvolle Vorstellung von ihr.

Was man leider von Yusif Eyvazov als Calaf nicht behaupten konnte. Er verfügt zwar über sichere Höhen, die er auch in ziemlich manierierter Art und Weise ausdehnte, wo immer möglich. Es war jedoch nicht gerade ein Genuss, seinem engen, farblosen, eindimensionalen und für das Haus eigentlich auch zu kleinen Tenor zuzuhören. Ein ums andere Mal wurde er vom Orchester zugedeckt, so dass man ihn kaum mehr wahrnehmen konnte. An schauspielerischer Gestaltung schien er auch nicht sonderlich interessiert zu sein, sondern stand meist mit unbeweglicher Mine auf der Bühne. Insgesamt war seine Vorstellung dem Niveau des Hauses nicht angemessen, was umso schwerer ins Gewicht fiel als in der aufgeführten Fassung ohne die finale Liebesszene die Partie des Calaf gegenüber der der Turandot ungleich größer ist.


Selene Zanetti (Liu), Yusif Eyvazov (Calaf). Foto: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Für Schönklang bei den Männerstimmen mussten also in dieser Vorstellung andere Solisten sorgen. Alexander Tsymbalyuk sang den Timur mit raumfüllendem, klangvollem, runden, weichen und trotzdem kraftvollem Bass. Darüber hinaus schuf er eine berührende und zu Herzen gehende Bühnenfigur. BorisPrýgl, Manuel Günther und Andres Agudelo als Ping, Pang und Pong waren ein schönstimmiges Trio. Bei all dem Rummel um Anna Netrebko hatte man im Vorfeld vielleicht nicht beachtet, dass es an diesem Abend ein zweites interessantes Debut zu hören gab. Selene Zanetti sang zum ersten Mal die Liú und begeisterte das Publikum mit einer musikalisch wie darstellerisch beseelten Interpretation der selbstlos liebenden Sklavin, die ihr Leben dem hoffnungslos Geliebten opfert. Damit berührte sie die Zuschauer so tief, dass sie am Ende sogar fast den meisten Beifall einheimste, nur knapp übertroffen von Anna Netrebko. Das Bayerische Staatsorchester hatte unter Giacomo Sagripanti seine besten Momente in den lyrischen und feinsinnigen Passagen, wie etwa der großen Szene von Ping, Pang und Pong oder dem ersten Erklingen des „Nessun dorma“-Themas. Den großen, prunkvollen Szenen fehlte trotz großer Lautstärke ein wenig die Erhabenheit und innere Größe. Kleinere Abstimmungsprobleme mit Chor und Solisten werden sich sicher in den Folgevorstellungen noch geben.

Am Ende spendete das Publikum verhältnismäßig gemessenen Beifall, die meisten Leute verließen nach zwei Vorhängen den Saal. Einige dezidierte Netrebko-Fans erklatschten sich noch ein paar weitere Vorhänge. Der Gesamteindruck einer Vorstellung wird also nicht nur durch einige hervorragende Einzelleistungen geprägt, sondern vor allem auch durch ein homogenes Ensemble, was insbesondere durch die unterdurchschnittliche Leistung von Yusif Eyvazov nicht gegeben war.

Gisela Schmöger, 29. Januar 2020

„Giacomo Puccini, TURANDOT,
Bayerische Staatsoper, 28. Januar 2020“
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Die Musik besticht, das Theater nicht: Hans Abrahamsens „The Snow Queen” an der Bayerischen Staatsoper

Foto: © Wilfried Hösl
Bayerische Staatsoper, München, 28. Dezember 2019
Hans Abrahamsen, Snedronnigen / The Snow Queen

von Frank Heublein

Ist Hans Abrahamsens Komposition Snedronnigen / The Snow Queen überhaupt Musiktheater? Über diese Frage kann ich mit mir trefflich streiten. Ich persönlich komme zu dem Schluss: Mir ist‘s egal. Viel wichtiger: Fängt mich die Aufführung ein? Musikalisch voll und ganz. Libretto, Inszenierung und die mangelnde Verbindung von Musik und Bühne, das reißt mich zuweilen raus aus meinem musikalischen Flowerlebnis. „Hans Abrahamsen, Snedronnigen / The Snow Queen,
Bayerische Staatsoper, München, 28. Dezember 2019“
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Weihnachtswunderbar: "Der Nussknacker" in München

Foto: Nancy Osbaldeston (Marie), Jonah Cook (Drosselmeier).
© Wilfried Hösl

Nationaltheater München, 17. Dezember 2019

Peter I. Tschaikowsky, Der Nussknacker

Choreographie: John Neumeier

von Barbara Hauter

„Der Nussknacker“ ist das vorweihnachtliche Pflichtprogramm jeder großen Ballettkompanie. So auch für die Münchner. Und auch wenn man das getanzte Weihnachtsmärchen nach E. T. A. Hoffmann schon oft gesehen hat, es gibt kaum eine schönere Einstimmung auf die Festtage, als sich dem traumhaften Tanzgeschehen hinzugeben. Vor allem, wenn es wie in München gelingt, beim Zuschauer ein Licht im Herzen zu entzünden. „Peter I. Tschaikowsky, Der Nussknacker,
Nationaltheater München, 17. Dezember 2019“
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Oscarreifes Opern-Hollywood: "Die tote Stadt" – fabelhafte Hauptrollen, grandioses Dirigat

Beide motivieren sich gegenseitig musikalisch zur Höchstleistung. Jonas Kaufmann singt diese Partie nicht superleicht, wie auch bei all dem Gram? Doch er singt hochkonzentriert und jederzeit exakt auf den Punkt, so wie ich erfühle: So soll, so muss es sein. Klasse! Marlis Petersen gefällt mir stimmlich als Marietta wunderbar. Leicht, verrucht, lebenslustig, verspielt, provozierend: All das hat sie stimmlich drauf. Beide zeigen zudem eine grandiose schauspielerische Leistung. Mit Petrenkos samt seines Orchesters Interpretation von Korngolds Musik ist das größtes Opern-Hollywood!

Foto: Wilfried Hösl (c), Die tote Stadt: Marlis Petersen (Marietta), Jonas Kaufmann (Paul)
Bayerische Staatsoper
, München, 1. Dezember 2019
Erich Wolfgang Korngold, Die tote Stadt

von Frank Heublein

Was für eine famose Leistung an diesem Abend! Ein Triumph des Trios Kaufmann-Petersen-Petrenko. „Erich Wolfgang Korngold, Die tote Stadt, Jonas Kaufmann, Marlis Petersen, Kirill Petrenko
Marlis Petersen“
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Armut tötet

©Foto:  Thomas Egli; Christian Gerhaher
Bayerische Staatsoper
, Nationaltheater München, 25. November 2019
Alban Berg, Wozzeck
Libretto Alban Berg nach Georg Büchner

Star-Bariton Christian Gerhaher als Wozzeck in der Münchner Wiederaufnahme

von Barbara Hauter

Stark und ungebrochen ist dieser Wozzeck, nicht der leicht debile arme Teufel, den Büchner in seinem Werk „Woyzeck“ gezeichnet hat und der wohl auch Alban Berg vorschwebte. Der Münchner Star-Bariton Christian Gerhaher drückt der Figur seinen Stempel auf: verhalten aggressiv, anklagend, doch nicht gebeugt singt und spielt er die Hauptrolle in Alban Bergs musikalischer Deutung der getretenen Kreatur Wozzeck.

Gerhaher begeistert nicht nur mit seiner unglaublich natürlichen Stimme, mit seiner exakten und jederzeit verständlichen Artikulation, er ist zudem auch ein begnadeter Schauspieler. In der der ersten Szene ist er seinem Hauptmann zu Diensten und rasiert ihn. Wolfgang Ablinger-Sperrhacke spielt co-genial ein dank Fat-Suite unförmigen, herumphilosophierenden und schwadronierenden Angehörigen der betuchten Schicht, der Wozzeck als Menschen gar nicht wahrnimmt, sondern nur als Gattung. Dagegen steht Gerhahers aufrechte Körperhaltung, gar nicht unterwürfig, sondern um Menschenwürde ringend. Arme Menschen können es sich nicht leisten, tugendhaft zu leben, singt Wozzeck. Denn das ist das Thema des sozialkritischen Stücks: Kann in Armut ein menschenwürdiges Leben gelingen? Die Antwort der Oper ist ein klares Nein. „Alban Berg, Wozzeck
Bayerische Staatsoper, Nationaltheater München, 25. November 2019“
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Alice im Wunderland in München: Ein fulminanter Tanzspaß – auch für Ballettmuffel geeignet!

Foto: © Wilfried Hösl

Nationaltheater München, 12. November 2019

Alice im Wunderland, Ballett in drei Akten nach einer Erzählung von Lewis Carroll

Choreographie: Christopher Wheeldon
Musik: Joby Talbot
Libretto: Nicholas Wright

von Barbara Hauter

Die Münchner „Alice“ ist magisch. Fast drei Stunden wird einem der Kopf verdreht von einer Zauberwelt, die bevölkert ist mit Grinsekatze, Märzhase, Siebenschläfer, tanzenden Bäumen, wild gewordenen Spielkarten und einem steppenden verrückten Hutmacher. Temporeich, bunt, fantasievoll, liebevoll-aufwändig ausgestattet – schöner und witziger kann man die berühmte Geschichte von Lewis Carroll kaum erzählen. „Alice im Wunderland,
Nationaltheater München, 12. November 2019“
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Wohlfühlabend mit ganz viel Glanz in den Stimmen

Fotos: © Wilfried Hösl
Bayerische Staatsoper, München, 15. Oktober 2019
Jacques Offenbach, Les Contes d’Hoffmann
Opéra fantastique in fünf Akten

Libretto von Jules Barbier nach dem Schauspiel von Jules Barbier und Michel Carré, herausgegeben von Michael Kaye und Jean-Christophe Keck
In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Ganz vorneweg: Oper darf auch einfach mal „nur“ Spaß machen. Es hat was, sich elegant und störungsfrei von einem Arienhöhepunkt zum nächsten führen zu lassen, ohne die ganze Zeit über einen tieferen Sinn von Bühne und Ausstattung sinnieren zu müssen. Hoffmanns Erzählungen in München machen einfach Freude, denn man kann sich ganz dem Hörgenuss hingeben. „Jacques Offenbach, Les Contes d’Hoffmann, Bayerische Staatsoper, München, 15. Oktober 2019“ weiterlesen

„Alles in meinem Leben dreht sich um Musik“

Foto: © Vitaly Zapryagaev
Interview mit der Sopranistin Elena Pankratova
Bayreuther Festspiele 2019                   
                   

Elena Pankratova im Gespräch mit Jolanta Lada-Zielke

Die russische Sopranistin Elena Pankratova studierte zuerst Klavier und Dirigieren in Jekaterinburg, danach Gesang und Schauspiel am Konservatorium in St. Petersburg. Der internationale Durchbruch gelang ihr 2010 in der Rolle der Färberin  in Richard Strauss’ „Die Frau ohne Schatten“ unter  Zubin Mehta beim Maggio Musicale Fiorentino.  Diese Partie sang sie erneut mit überwältigendem Erfolg an der Mailänder Scala (2012) sowie am Teatro Colón in Buenos Aires (2013), sie gab ihr fulminantes Debüt an der Bayerischen Staatsoper München (2013), am Royal Opera House Covent Garden in London (2014) und an der Königlichen Oper Kopenhagen (2015). Zu ihrem Repertoire gehören u. a. die Titelrollen der Opern „Elektra“, „Turandot“, „Ariadne auf Naxos“, „Norma“ und „Tosca“, außerdem Wagner-Partien wie Elisabeth, Sieglinde und Senta.

2016 debütierte sie in Bayreuth als Kundry in „Parsifal“ in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg. Diese Produktion läuft in der Saison 2019 zum letzten Mal im Rahmen der Bayreuther Festspiele.

Wie fühlen Sie sich in Bayreuth?

Sehr gut. Die Stadt ist wunderbar und das Festspielhaus großartig. Das Werk „Parsifal“, das ich mitsinge, wurde genau für dieses Haus komponiert und klingt wunderschön in diesem Raum. Alle meine Bühnenpartner sind wunderbare Kollegen. Unsere gemeinsamen Proben waren von Anfang an eine große Freude und sind sehr harmonisch verlaufen. Bei diesem „Parsifal“ sind wir wie eine große Familie. „Interview mit der Sopranistin Elena Pankratova, Bayreuther Festspiele 2019“ weiterlesen