"Der Liebestrank" zaubert ein Lächeln auf die Lippen

Foto: Nationaltheater München © Wilfried Hösl
Bayerische Staatsoper, 
6. Februar 2019
Gaetano Donizetti, L´elisir d´amore

Von Anna-Maria Haberberger

Gaetano Donizettis melodramma giocoso L´elisir d´amore nimmt an diesem Abend das Zepter der Bayerischen Staatsoper in die Hand. Eine Geschichte des Verzweifelns, des Ringens nach der ganz großen Liebe – gleich, welch Schicksal dafür aufgenommen würde. Eine Geschichte eines verzweifelten Junggesellen, der immer verzweifelter wird und zugleich auf seine eigene Art auch immer stärker.

Die Handlung von Donizettis Oper in zwei Akten spielt in einem armen Dorf in Italien in den 1950er-Jahren; der Alltag grau und staubig. Die Liebe regiert als Hoffnung auf mehr, auf ein erfüllteres Leben. „Gaetano Donizetti, L´elisir d´amore,
Bayerische Staatsoper, 6. Februar 2019“
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Auch ohne Büstenhalter aus Toilettenpapier: Petrenko kann`s!

Es gibt Opernabende, bei denen Magie aus dem Graben strömt.

Foto: Wilfried Hösl (c)

Ulrich Poser berichtet von Ludwig van Beethovens Oper Fidelio vom 24. Januar 2019 aus der Bayerischen Staatsoper in München

“Vorstellung ausverkauft” konnte man wochenlang vorher auf der Website der Bayerischen Staatsoper lesen. Ein 215-Euro-Ticket wurde auf eBay für 399,00 Euro angeboten. Am Abend selbst gab es noch zwei Karten an der Abendkasse. Eine sehr gefragte und ausgebuchte Vorstellung also. Wurden die hohen Erwartungen erfüllt?

Jonas Kaufmann, gerade noch Protagonist des “Elphi-Skandals” um die Akustik bei einer Mahler-Aufführung im neuen Hamburger Wahrzeichen, begann im 2. Akt der von der Thematik her äußerst aktuellen Freiheits-Oper Fidelio vielversprechend. Die Arie “Gott! Welch Dunkel hier!” gestaltete er mit dem ersten Ton kaufmännisch-neu lyrisch, um sodann kaufmännisch-alt heldisch fortzufahren. Da war er wieder, unser Jonas! Mag sein, dass einige Höhen im weiteren Verlauf des Abends manchmal etwas angestrengt oder dünn klangen, schön war es allemal.

Andere Kritiker sollten endlich aufhören, Kaufmann mit Schager und Schager mit Kaufmann und beide mit Vogt zu vergleichen. Kaufmann ist auch nach überstandener Krise im Stande, Kunst zu schaffen. Seine überragende Gestaltungskraft, seine Art und Weise innerhalb einer Phrase von leise auf laut und von lyrisch auf heldisch umzuschalten, sind in Verbindung mit seinem schauspielerischen Talent und seinem guten Aussehen diejenigen Parameter, die sich dann manchmal zu Kunst vereinigen.

„Ludwig van Beethoven, Fidelio,
Bayerische Staatsoper, München“
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Anja Harteros: Die (vielleicht) beste Desdemona aller Zeiten

Foto: klassik-begeistert.de-Autor Yehya Alazem,
geboren am 27. August 1989 im syrischen Homs (teilweise zerstört während des Krieges) , mit der deutsch-griechischen Sopranistin Anja Harteros, geboren am 23. Juli 1972 in Bergneustadt, Nordrhein-Westfalen – nach der Vorstellung des „Otello“ am 15. Dezember 2018 in der Bayerischen Staatsoper in München vor der Garderobe der Künstlerin. Yehya Alazem  lebte auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Schweden, England und Deutschland. Von 2004 bis 2012 lebte er in Schweden, seit Juni 2018 wieder in Stockholm. Er hat Kerntechnik in Göteborg und Manchester studiert und arbeitet als Kerntechnik-Berater in Stockholm. Er hat Deutsch gelernt, als er von Februar bis Juli 2016 und von Juli 2017 bis Juni 2018 in Berlin lebte. Als klassik-begeistert.de-Herausgeber ihn am 24. Juni 2016 in der Deutschen Oper Berlin vor der Aufführung des „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi kennenlernte, sprach er nur ganz, ganz wenig Deutsch. Heute spricht und schreibt Yehya besser als die meisten Muttersprachler. Er war wegen der deutschen Kultur und der drei Opernhäuser in Berlin, wegen Giuseppe Verdi und Richard Strauss, in die mitteleuropäische Hauptstadt gekommen. Richard Wagner ist seiner (noch) nicht 😉
Andreas Schmidt – ich danke Dir für alles, lieber, werter Yehya!

Bayerische Staatsoper, München, 15. Dezember 2018
Giuseppe Verdi, Otello

Kirill Petrenko, Musikalische Leitung
Amélie Niermeyer, Inszenierung
Christian Schmidt, Bühne
Anja Harteros, Desdemona
Jonas Kaufmann, Otello
Gerald Finley, Jago

von Yehya Alazem

Nach dem großen Erfolg an der Bayerischen Staatsoper mit Donizettis La favorite waren die Erwartungen an Amélie Niermeyer vor der Neuproduktion von Giuseppe Verdis Otello ziemlich hoch. Besonders wenn unter der musikalischen Leitung von Kirill Petrenko Namen wie Jonas Kaufmann, Anja Harteros und Gerald Finley versammelt sind.

Niermeyer verlegt die Handlung in eine moderne Zeit. Otello und Desdemona erscheinen als reiches Ehepaar, das an einer katastrophalen Beziehung leidet. Am Anfang der Oper erwartet Desdemona ihren Mann, der kein triumphierender Held ist, sondern ein Büromensch, der in seinem “Esultate” das furchtbare Eheleben beklagt, anstatt dem Volk Freude zu bringen. „Giuseppe Verdi, Otello, Anja Harteros, Jonas Kaufmann, Gerald Finley,
Bayerische Staatsoper, München“
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"Così fan tutte" in München: Welch‘ wunderbarer Abend!

Foto: Foto: Felix Löchner (c)
Bayerische Staatsoper, München, 1. Dezember 2018
Wolfgang Amadeus Mozart, L. da Ponte, Così fan tutte 

Musikalische Leitung – Ivor Bolton
Inszenierung – Dieter Dorn
Bühne und Kostüme – Jürgen Rose
Licht – Max Keller
Chor – Stellario Fagone
Fiordiligi – Federica Lombardi
Dorabella – Angela Brower
Guglielmo – Sean Michael Plumb
Ferrando – Paolo Fanale
Despina – Tara Erraught
Don Alfonso – Paolo Bordogna
Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper

von Raphael Eckardt

Mit Mozarts „Così fan tutte“ steht in München derzeit eine Opernproduktion auf dem Spielplan, die sich nicht nur seit mittlerweile unglaublichen 25 Jahren immerhin sporadisch auf dem Spielplan der Bayerischen Staatsoper behaupten kann, sondern auch die letzte Inszenierung des legendären Regie- und Bühnenbildnerduos Dieter Dorn und Jürgen Rose darstellt, die auf selbigem verblieben ist. Dass sich da Bühnenbild und Kostüme durch überwiegend zeitlose Eleganz auszeichnen und dass der von Dorn prägnant kreierte Erzählraum vor allem die individuelle Kreativität des geschulten Opernbesuchers anzusprechen weiß, scheint auf den ersten Blick wenig verwunderlich. Wer nun aber bedenkt, dass Mozarts Musik in Kombination mit da Pontes Texten das wohl schwierigste und leichteste Unterfangen in der klassischen Opernwelt zugleich darstellen, der weiß um diesen Geniestreich, den Dorn und Rose da vor 25 Jahren ihrer Nachwelt hinterlassen haben. Denn Mozarts Musik, als hundertfach aufgeführter und oft „verschandelter“ anwehender musikalischer Gedanke, der so wenig aus dem Kopf geht wie er leicht in ihn hineinkam, fordert nicht nur höchste musikalische Präzision, sondern auch intellektuell fundiertes Regiehandwerk allerhöchster Klasse. „Wolfgang Amadeus Mozart, Così fan tutte,
Bayerische Staatsoper, München“
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Bayerische Staatsoper: Sängerischer Triumph in Verdis Meisterwerk

Der uruguayische Bass-Bariton Erwin Schrott, Ex-Gatte der weltbesten Sängerin Anna Netrebko, verkörpert einen prächtigen Procida. Allein seine Bühnenpräsenz ist gewaltig, was er aber mit seiner herrlichen, tiefen Stimme macht, ist kaum zu glauben. Sein Bass-Bariton ist gewaltig und facettenreich und besitzt eine hervorragende Darstellungskraft.

Foto: Wilfried Hösl (c)
Bayerische Staatsoper
, 18. November 2018
Giuseppe Verdi, Les vêpres siciliennes

Paolo Carignani, Musikalische Leitung
Antú Romero Nunes, Inszenierung
Matthias Koch, Bühne
Rachel Willis-Sørensen, Hélène
Bryan Hymel, Henri
Dimitri Platanias, Guy de Montfort
Erwin Schrott, Procida

von Yehya Alazem

Es ist wirklich ein Wunder, dass Verdis großes Meisterwerk „Les vêpres siciliennes“ nicht dem Standardrepertoire zugehört. Die Oper enthält fast alles, was die menschlichen Gefühle betrifft, und Giuseppe Verdi hat eine unglaublich herrliche, leidenschaftliche und dramatische Kraft in die Partitur hineingesteckt.

In der Inszenierung von Antu Romero Nunes am Münchner Nationaltheater geht aber vieles verloren. Die Inszenierung mit ihrem minimalistischen Bühnenbild (eine fast ganz leere Bühne mit einem großen schwarzen Müllsack) und ihren phantasievollen Kostümen ist zwar interessant, kann aber den Kern dieser großartigen Oper nicht vollends treffen. Darüber hinaus wird die Ballettszene deutlich verkürzt und mit Techno-Musik aus den Lautsprechern begleitet, eine Erklärung dazu ist kaum zu finden. „Giuseppe Verdi, Les vêpres siciliennes, Bryan Hymel, Erwin Schrott,
Bayerische Staatsoper, München“
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Knisternde Spannung mit Hochzeitsglocken als Totenglocken — Verdis Belcanto-Oper als skurrile Maskerade

Foto:  ©  Wilfried Hösl
Bayerische Staatsoper, München, 20. November 2018
Giuseppe Verdi, Les vêpres siciliennes

von Anna-Maria Haberberger

Alle Lichter sind aus an diesem Abend in der Bayerischen Staatsoper. Eine
rabenschwarze Bühne bringt eine düster-kalte Atmosphäre in den Raum und lässt die Zuschauer erschaudern. Schwarze Plastikplanen flattern stetig durch das Bühnenbild. Es wird immer schwärzer, kälter und todessüchtiger. „Giuseppe Verdi, Les vêpres siciliennes, Bayerische Staatsoper, München, 20. November 2018“ weiterlesen

Technisch perfekt, aber aus der Zeit gefallen: Das Bayerische Staatsballett zeigt mit „Jewels“ die Kronjuwelen der Ballettgeschichte

Foto: Wilfried Hösl (c)
Nationaltheater München, 
27. Oktober 2018
Bayerisches Staatsballett, Jewels
George Balanchine, 
Choreographie
Musik von Gabriel Fauré, Igor Strawinsky und Peter I. Tschaikowsky

von Barbara Hauter

Wie eine Sinfonie in drei Sätzen kommt „Jewels“ daher, – ein abendfüllender Dreiakter, abstrakt ohne Handlung, aber ganz klassisch getanzt, 1967 von dem großen George Balanchine für das New York City Ballet choreografiert. Balanchine wollte das anspruchsvolle New Yorker Publikum begeistern und ließ sich dafür vom Schaufenster des Fifth-Avenue-Juweliers Van Cleef & Arpels inspirieren. Daraus entstand ein glamouröses Stück Tanzgeschichte zum Thema Juwelen, das jede große Ballettcompagnie einmal als Prüfstand ihres Könnens einstudiert. So jetzt das Bayerische Staatsballett. „Bayerisches Staatsballett, Jewels, George Balanchine, Choreographie, Musik von Gabriel Fauré, Igor Strawinsky und Peter I. Tschaikowsky,
Nationaltheater München“
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Hochspannung im Totenhaus

Fotos: © Wilfried Hösl
Leoš Janáček, Aus einem Totenhaus, Bayerische Staatsoper, München
19. Oktober 2019

 von Anna-Maria Haberberger

Wer Castorf in gänzlicher Pracht erleben möchte: Aus einem Totenhaus bringt den ersehnten Höhepunkt! Eine Oper wie für den deutschen Regisseur gemacht. Leid, Elend, Schreck en und Düsternis – verfangen wie in einem Spinnennetz voller reizüberfluteter, zusammengesponnener Weben. „Leoš Janáček, Aus einem Totenhaus, Bayerische Staatsoper, München, 19. Oktober 2019“ weiterlesen

Patricia Kopatchinskaja hinterlässt grenzenlose Begeisterung

Foto: ©  Wilfried Hösl
2. Akademiekonzert 2018/19, Bayerische Staatsoper,
München, 16. Oktober 2018

Kirill Petrenko, Dirigent
Patricia Kopatchinskaja, Violine
Bayerisches Staatsorchester

Arnold Schönberg, Konzert für Violine und Orchester op. 36
Zugabe: Darius Milhaud, Suite für Violine, Klarinette und Klavier (hier ohne Klavier), 3. Satz »Jeu« mit Andreas Schablas (Klarinette)Zugabe: Jörg Widmann, »Valse Bavaroise« mit Emanuel Graf (Cello)

Johannes Brahms, Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 73

von Shari Berner

Schon mit dem Auftreten des Bayerischen Staatsorchesters wird klar, hier betritt ein Orchester die Bühne, das voller freudigem Elan und heiterer Energie steckt. Die Atmosphäre im Raum beginnt sofort zu vibrieren. Mit dem Erscheinen Kirill Petrenkos und Patricia Kopatchinskajas lädt sie sich noch weiter auf. Und das, bevor überhaupt der erste Ton erklingt. Vorfreude ist eben die schönste Freude, und die ist dem Münchner Publikum an diesem Abend überdeutlich anzumerken. Auf dem Programm steht Arnold Schönbergs Konzert für Violine und Orchester. „2. Akademiekonzert 2018/19, Bayerische Staatsoper, München, 16. Oktober 2018“ weiterlesen

„La Traviata": Wie schön, dass die Bayerische Staatsoper die finanziellen Mittel hat, immer wieder große Namen und aufgehende Sterne zu engagieren

Foto: Wilfried Hösl (c)
Bayerische Staatsoper
, 2. Oktober 2018
Giuseppe Verdi, La Traviata
Oper in drei Akten (vier Bildern)
Libretto von Francesco Maria Piave

von Barbara Hauter

Der Taktstock erhebt sich und gleitet betont sanft herab. Den harmonischen, aber spannungsreichen Bewegungen der Dirigentin folgt das Orchester mit einem überaus poetischen Beginn der berühmten Ouvertüre zu „La Traviata“. Was macht man mit einer Oper, die gefühlt tausendmal gehört ist? Man spielt sie so, dass es klingt, als würde man die Musik zum ersten Mal hören. So geschehen in der Bayerischen Staatsoper unter der musikalischen Leitung von Keri-Lynn Wilson.

Hauchfein eröffnet die Dirigentin, zerbrechlich flirrend, kaum zu greifen. Andeutungen des kommenden Todes der Violetta, der Kurtisane, deren Liebe an den gesellschaftlichen Konventionen scheitert, die ihr Glück für das Glück Anderer opfert und ihr Leben am Ende in den Armen ihres Liebsten aushaucht. Ihr Leben ist wie eine Kerze im Wind. Es leuchtet mal hell, mal flackernd, um am Ende zu erlöschen. Und so dirigiert Keri-Lynn Wilson „La Traviata“: mit viel Dynamik. „Giuseppe Verdi, La Traviata, Kristina Mkhitaryan, Pavol Breslik,
Bayerische Staatsoper“
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