Mein erstes klassisches Streaming-Event und warum ich keine Rezension darüber schreibe

Foto: Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Es ist anders als im Saal und muss es meiner Ansicht nach sein. Kamerafahrten, Schnitte, Überblendungen. Das kontextuiert die Musik auf eine andere Art. Die Regie führt meine Aufmerksamkeit, im Saal bin ich es der sie lenkt.

Ein Erfahrungsbericht von Frank Heublein

Mein Thema ist das der Konzentration. Ich glaube, dass ich Konzentration in meiner häuslichen Umgebung für ein Konzert, dass annähernd drei Stunden dauert, lernen muss. Mit dem Gang zum Kulturort bereite ich mich vor, fördere ich die Konzentration auf das Folgende. Das fällt zuhause weg.

Dann sind da Aspekte der Ablenkung: Ich schaffe es nicht, das Essen pünktlich zuzubereiten. Den ersten Teil der Schumannschen Lieder höre ich aus der Küche heraus. Immerhin: Ich habe den Stream mit meiner Anlage verbunden und dadurch eine gute Tonqualität. Essen und zuhören: Das geht schon, es ist aber nicht die Konzentration vorhanden, die ich für eine Rezension von mir selbst erwarte. „5. Akademiekonzert im Stream,
Bayerische Staatsoper“
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Streams – die stillen Stars in der Krise

Top-Häuser wie die Metropolitan Opera (Met) in New York, das Royal Opera House (ROH) in London, die Opéra National de Paris, die Wiener Staatsoper, das Teatro alla Scala in Milano, die Bayerische Staatsoper und die Staatsoper Unter den Linden in Berlin machen es vor: Kostenlose Streams sind die stillen Stars in der Krise…  Zuhause rein in den Sessel und aus der fernen Welt feinste Klänge vernehmen…

Foto: © Wilfried Hösl, Bayerische Staatsoper

… klassik-begeistert.de-Autorin Barbara Hauter hat einen wunderbaren Beitrag aus München geschrieben – ich empfehle ihn Ihnen und Euch sehr. „Streams – die stillen Stars in der Krise,
The Metropolitan Opera, Theater an der Wien“
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Hauters Hauspost 2: Treffen Sie sich mit mir zu einem Tanzabend des Bayerischen Staatsballetts in München

von Barbara Hauter

Haben Sie Samstag schon was vor? Wie wäre es, wenn wir uns zur Watchparty treffen! Am 21. März um 19.30 Uhr schauen alle ballettinteressierten Klassik-begeistert-Leser gleichzeitig „Jewels“. Der Tanzabend des Bayerischen Staatsballetts in München wird auf Staatsoper.tv übertragen und garantiert vor allem eines: Er hebt das Gemüt. Und fröhliche Grundstimmung stärkt das Immunsystem. Das können wir alle gerade gut gebrauchen.

Warum gerade Jewels? Weil Jewels einfach wunderschön ist:  Geschliffener Tanz, glitzernde Kostüme, abwechslungsreiche Musik. Der Choreograf George Balanchine schuf für seine Compagnie, das New York City Ballet, eine ganze Reihe neoklassischer, visionärer Choreographien, die als Meilensteine des Balletts gelten. „Hauters Hauspost 2
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Heiterkeit und Dolce Vita in der Bayerischen Staatsoper: Diese Kultinszenierung begeistert noch immer

Foto: © Myrzik und Jarisch

Bayerische Staatsoper, 4. März 2020

Gioachino Rossini, La Cenerentola

von Stefanie Schlatt

Wer kann bei diesem nasskalten Wetter nicht ein wenig Aufheiterung vertragen?

Während die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings in München noch auf sich warten lassen und die Flucht in wärmere italienische Gefilde wegen des immer noch grassierenden Coronavirus derzeit ausgeschlossen ist, beschränkt sich das Dolce Vita derzeit höchstens auf Besuche in der Pizzeria um die Ecke – es sei denn, man ist Opernfan, denn für solche hat das vielseitige italienische Repertoire eigentlich immer etwas zu bieten. „Gioachino Rossini, La Cenerentola,
Bayerische Staatsoper, 4. März 2020“
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"Tosca" in München: Josef Calleja singt in Top-Form

Bayerische Staatsoper, 17. Februar 2020
Giacomo Puccini, Tosca
Foto: Der Malteser Tenor Joseph Calleja (c)

von Ralf Wegner

Zu schön, um wahr zu sein: „Tosca“ habe ich wohl knapp zwei Dutzend Mal gesehen; dieses Schauerdrama macht nicht  müde: Eine exaltierte eifersüchtige Primadonna opfert sich vergeblich einem brutal sadistischen Polizeichef, der ihren Geliebten, einen freiheitssüchtigen Maler, erschießen lässt.

Die weiteren Personen tragen zur Handlung nur unwesentlich bei und wurden von Puccini musikalisch entsprechend  benachteiligt. Wo Verdis Gesang Tiefenspannung zeigt, bleibt Puccini eher an der Oberfläche, aber an was für einer. Kaum ein Komponist hat so schön wie Puccini für die menschliche Stimme geschrieben. Und der Bayerischen Staatsoper war es auch gelungen, mit der Sopranistin Anja Harteros, dem Tenor Josef Calleja und dem Bassbariton Erwin Schrott drei herausragende Vertreter ihres Fachs für die Partien der Floria Tosca (die Sängerin), des Mario Caravadossi (der Maler) und des Baron Scarpia (Polizeichef) zu gewinnen. „Giacomo Puccini, Tosca,
Bayerische Staatsoper, 17. Februar 2020“
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Experiment gelungen: Kunstart-Fusions-Krimi! Judith Bond in München

Bayerische Staatsoper, München (Premiere), am 1. Februar 2020
Béla Bartók, „Judith“, Konzert für Orchester und „Herzog Blaubarts Burg“
Foto: W. Hösl (c)

von Frank Heublein

Béla Bartók ist ein reichlich unbeschriebenes Opernblatt. Nur eine und dazu sehr kurze Oper. Herzog Blaubarts Burg entstand 1911 und wurde erst sieben Jahre 1918 später in Budapest uraufgeführt. Davor hatte kein Haus Interesse an einer Aufführung gezeigt. Kompositions-Lust geht anders.

Zu kurz ist die Oper für einen ausgefüllten Abend. Was machen? Katie Mitchell ist für die Inszenierung zuständig und hat mehrere Ideen zusammengeführt, die diesen Herzog Blaubart neu interpretieren, mich sehen und empfinden lassen. „Béla Bartók, „Judith“, Konzert für Orchester und „Herzog Blaubarts Burg“,
Bayerische Staatsoper, München (Premiere), am 1. Februar 2020“
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"Die Zauberflöte" in der Bayerischen Staatsoper: tolle Inszenierung, strahlende Solisten und ein strauchelnder Dirigent

Magische Gegenstände, Liebestaten, Helden, die gegen das Böse kämpfen – all das ist Material für einen Blockbuster. Daher ist es auch kein Wunder, dass die Bayerische Staatsoper in München wieder einmal ausverkauft ist.

Foto: © Wilfried Hösl, Bayerische Staatsoper – Nationaltheater

Bayerische Staatsoper, 30. Januar 2020
Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte

von Ansgar-Thorben Zabel

Die Inszenierung der Mozart-Oper von August Everding lockt die Münchner weiter in die Staatsoper. Das ist auch nachvollziehbar, wenn man zum einen die vielen kleinen Papagenos und Papagenas nach dem berühmten Duett des Vogelfängers und seiner Geliebten sieht und zum anderen die drei jungen Knaben erleben darf, die als Mozart vom Wolkenhimmel der Opernbühne in das Geschehen hineinschweben. Außerdem überzeugt das Bühnenbild von Jürgen Rose mit enormem Detailreichtum. Trotz des Unterhaltungsgrades der märchenhaften und kindlichen Oper, wirft die Inszenierung viele moralische Aspekte auf und setzt einen Schwerpunkt auf die menschlichen Züge der Charaktere untereinander.        

„Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte
Bayerische Staatsoper, 30. Januar 2020“
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Bayerische Staatsoper: TURANDOT – fulminantes Debut von Anna Netrebko!

Der Welt-Star aus Russland singt strahlend, kraftvoll und leuchtend. Die Vorstellung ihres Gatten Yusif Eyvazov hingegen war dem Niveau des Hauses nicht angemessen.

Foto: Anna Netrebko (Turandot), Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Bayerische Staatsoper, 28. Januar 2020
Giacomo Puccini, TURANDOT

von Gisela Schmöger (onlinemerker.com)

Die futuristische, phantasievolle „Turandot“-Inszenierung von Carlus Padrissa /La Fura dels Baus aus dem Jahr 2012 ist ein bei vielen Stammgästen beliebter Bestandteil des Repertoires der Bayerischen Staatsoper. Die Vorstellungsserie Ende Januar/Anfang Februar wurde jedoch mit besonders großer Spannung erwartet, stand doch das Debut von Anna Netrebko als Prinzessin Turandot bevor. Natürlich war das Haus innerhalb weniger Tage ausverkauft trotz horrender Kartenpreise.

Anna Netrebko erfüllte die in sie gesetzten Erwartungen voll und ganz. Ihre große Arie im zweiten Akt bewältigte sie hoch souverän und war jederzeit Herrin der Partie. Dabei klang ihre Stimme nie angestrengt, sondern strahlend, kraftvoll und leuchtend, so dass das Publikum ihr fasziniert lauschte.

Darüber hinaus schuf sie auch eine beeindruckende und vor allem auch im dritten Akt gefühlvolle Bühnenfigur, in der man neben der gefühlskalten, männermordenden Prinzessin auch die zur echten Liebe fähige Frau erkannte. Es gibt vielleicht Rollen, in denen Netrebkos glutvolle, warme und zu großen Melodiebögen fähige Stimme und ihre Fähigkeit zu zarten Pianissimi besser zur Geltung kommen als in der hauptsächlich kraftvollen Partie der Turandot, trotzdem war es eine eindrucksvolle Vorstellung von ihr.

Was man leider von Yusif Eyvazov als Calaf nicht behaupten konnte. Er verfügt zwar über sichere Höhen, die er auch in ziemlich manierierter Art und Weise ausdehnte, wo immer möglich. Es war jedoch nicht gerade ein Genuss, seinem engen, farblosen, eindimensionalen und für das Haus eigentlich auch zu kleinen Tenor zuzuhören. Ein ums andere Mal wurde er vom Orchester zugedeckt, so dass man ihn kaum mehr wahrnehmen konnte. An schauspielerischer Gestaltung schien er auch nicht sonderlich interessiert zu sein, sondern stand meist mit unbeweglicher Mine auf der Bühne. Insgesamt war seine Vorstellung dem Niveau des Hauses nicht angemessen, was umso schwerer ins Gewicht fiel als in der aufgeführten Fassung ohne die finale Liebesszene die Partie des Calaf gegenüber der der Turandot ungleich größer ist.


Selene Zanetti (Liu), Yusif Eyvazov (Calaf). Foto: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Für Schönklang bei den Männerstimmen mussten also in dieser Vorstellung andere Solisten sorgen. Alexander Tsymbalyuk sang den Timur mit raumfüllendem, klangvollem, runden, weichen und trotzdem kraftvollem Bass. Darüber hinaus schuf er eine berührende und zu Herzen gehende Bühnenfigur. BorisPrýgl, Manuel Günther und Andres Agudelo als Ping, Pang und Pong waren ein schönstimmiges Trio. Bei all dem Rummel um Anna Netrebko hatte man im Vorfeld vielleicht nicht beachtet, dass es an diesem Abend ein zweites interessantes Debut zu hören gab. Selene Zanetti sang zum ersten Mal die Liú und begeisterte das Publikum mit einer musikalisch wie darstellerisch beseelten Interpretation der selbstlos liebenden Sklavin, die ihr Leben dem hoffnungslos Geliebten opfert. Damit berührte sie die Zuschauer so tief, dass sie am Ende sogar fast den meisten Beifall einheimste, nur knapp übertroffen von Anna Netrebko. Das Bayerische Staatsorchester hatte unter Giacomo Sagripanti seine besten Momente in den lyrischen und feinsinnigen Passagen, wie etwa der großen Szene von Ping, Pang und Pong oder dem ersten Erklingen des „Nessun dorma“-Themas. Den großen, prunkvollen Szenen fehlte trotz großer Lautstärke ein wenig die Erhabenheit und innere Größe. Kleinere Abstimmungsprobleme mit Chor und Solisten werden sich sicher in den Folgevorstellungen noch geben.

Am Ende spendete das Publikum verhältnismäßig gemessenen Beifall, die meisten Leute verließen nach zwei Vorhängen den Saal. Einige dezidierte Netrebko-Fans erklatschten sich noch ein paar weitere Vorhänge. Der Gesamteindruck einer Vorstellung wird also nicht nur durch einige hervorragende Einzelleistungen geprägt, sondern vor allem auch durch ein homogenes Ensemble, was insbesondere durch die unterdurchschnittliche Leistung von Yusif Eyvazov nicht gegeben war.

Gisela Schmöger, 29. Januar 2020

„Giacomo Puccini, TURANDOT,
Bayerische Staatsoper, 28. Januar 2020“
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Die Musik besticht, das Theater nicht: Hans Abrahamsens „The Snow Queen” an der Bayerischen Staatsoper

Foto: © Wilfried Hösl
Bayerische Staatsoper, München, 28. Dezember 2019
Hans Abrahamsen, Snedronnigen / The Snow Queen

von Frank Heublein

Ist Hans Abrahamsens Komposition Snedronnigen / The Snow Queen überhaupt Musiktheater? Über diese Frage kann ich mit mir trefflich streiten. Ich persönlich komme zu dem Schluss: Mir ist‘s egal. Viel wichtiger: Fängt mich die Aufführung ein? Musikalisch voll und ganz. Libretto, Inszenierung und die mangelnde Verbindung von Musik und Bühne, das reißt mich zuweilen raus aus meinem musikalischen Flowerlebnis. „Hans Abrahamsen, Snedronnigen / The Snow Queen,
Bayerische Staatsoper, München, 28. Dezember 2019“
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Weihnachtswunderbar: "Der Nussknacker" in München

Foto: Nancy Osbaldeston (Marie), Jonah Cook (Drosselmeier).
© Wilfried Hösl

Nationaltheater München, 17. Dezember 2019

Peter I. Tschaikowsky, Der Nussknacker

Choreographie: John Neumeier

von Barbara Hauter

„Der Nussknacker“ ist das vorweihnachtliche Pflichtprogramm jeder großen Ballettkompanie. So auch für die Münchner. Und auch wenn man das getanzte Weihnachtsmärchen nach E. T. A. Hoffmann schon oft gesehen hat, es gibt kaum eine schönere Einstimmung auf die Festtage, als sich dem traumhaften Tanzgeschehen hinzugeben. Vor allem, wenn es wie in München gelingt, beim Zuschauer ein Licht im Herzen zu entzünden. „Peter I. Tschaikowsky, Der Nussknacker,
Nationaltheater München, 17. Dezember 2019“
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