Die zwei Stimmen des François: Sly zieht die Notbremse, Herrera-López Kessel rettet

Philippe Sly (Saint François) © SF/Monika Rittershaus

Selbstverständlich wäre ich über alle Maße enttäuscht gewesen, hätte ich nach dem ersten Akt den Saal endgültig verlassen müssen. War nicht der Fall. Doch auch im Fall des Falles: ich finde es so mutig wie richtig, die Entscheidung zu treffen, nicht weiter zu singen, wenn der Künstler selbst die Gefahr spürt, durch das Weitersingen seine Stimme zu zerstören. Chapeau! Philippe Sly lässt sich nach dem ersten Akt entschuldigen. Er spielt – grandios! – weiter. Ab dem 2. Akt übernimmt Antoin Herrera-López Kessel die Stimme des François. Nicht ganz so entschlossen wie Sly, doch die die menschliche Tiefe des François’ singt er in mich.

Saint François d’Assise (1983)
Komposition und Libretto:  Olivier Messiaen

Musikalische Leitung:  Maxime Pascal
Regie/Bühne/Kostüme/Licht:  Romeo Castellucci

L’Ange    Lauranne Oliva
Saint François   Philippe Sly, Gesang ab dem 2. Akt   Antoin Herrera-López Kessel

Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Wiener Philharmoniker

Felsenreitschule, Salzburg, 15. August 2026

von Frank Heublein

„Olivier Messiaen, Saint François d’Assise (1983)
Felsenreitschule, Salzburg, 15. August 2026“
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Ariadne auf dem Mars

Ariadne auf Naxos © SF/Thomas Aurin

Ersan Mondtags Neuinszenierung von Richard Strauss’ Ariadne auf Naxos
bei den Salzburger Festspielen 2026

Richard Strauss (1864 – 1949)
ARIADNE AUF NAXOS
Oper in einem Aufzuge nebst einem Vorspiel op. 60
(entstanden 1911—1912, zweite Fassung uraufgeführt 1916)

Libretto von Hugo von Hofmannsthal

Musikalische Leitung:  Manfred Honeck 

Regie / Bühne / Kostüme:  Ersan Mondtag
Licht:  Franck Evin
Video:  Alexander Pannier
Choreografie:  Ashley Alexandra Wright
Dramaturgie:  Till Briegleb

Haus für Mozart, Salzburg, 10. August, 2026

von Getong Feng

Am 2. August feierte Ersan Mondtags Neuinszenierung von Richard Strauss’ und Hugo von Hofmannsthals Ariadne auf Naxos bei den Salzburger Festspielen im Haus für Mozart Premiere. Strauss’ 1911/12 entstandene Oper bringt heitere Komödie und tragischen Ernst auf eigentümlich radikale Weise zusammen: Auf ein satirisches Vorspiel, in dem Künstler, Dienstboten und ein allmächtiger Auftraggeber um die Gestaltung eines musikalischen Banketts ringen, folgt die Geschichte der von Theseus verlassenen Ariadne, doch nicht als ungebrochene Opera seria. Auf Geheiß des Hausherrn wird sie mit dem burlesken Spiel einer Commedia dell’arte-Truppe um Zerbinetta verschränkt.

„Richard Strauss, Ariadne auf Naxos, Ersan Mondtag Regie
Haus für Mozart, Salzburg, 10. August, 2026“
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Mondtags exzellenter Salzburger Ariadne bleibt der Buh-Orkan nicht erspart

Fotos © SF/Thomas Auri

Ein Lakai lästert im alpenländischen Dialekt, Christina Nilssons Ariadne taucht das Publikum in die namenlose Lebensfreude dieser musikalischen Komödie und aus dem Graben strömen süß wie Sachertorte die Streicherglissandi der Wiener Philharmoniker. Trotz eines Buh-Orkans für Ersan Mondtags eigentlich geniale, lebendige Inszenierung thront diese Salzburger Ariadne an der Spitze der allerersten Strauss-Liga!

Salzburger Festspiele

Ariadne auf Naxos
Musik von Richard Strauss
Text von Hugo von Hofmannsthal

Musikalische Leitung: Manfred Honeck

Regie/Bühne/Kostüme: Ersan Mondtag
Licht: Franck Evin
Video: Alexander Pannier
Choreografie: Ashley Alexandra Wright
Dramaturgie: Till Briegleb

Wiener Philharmoniker

Haus für Mozart , Salzburg, 2. August 2026

von Johannes Karl Fischer

„Richard Strauss, Ariadne auf Naxos
Haus für Mozart, Salzburg, 2. August 2026“
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„Lucio Silla“ in Salzburg: Ádám Fischer auf Spurensuche beim jungen Mozart

Ádám Fischer Conductor, Mozarteum Orchestra Salzburg © SF/Marco Borrelli

Mozarts späteres Genie blitzt in „Lucio Silla“ bereits auf. Ádám Fischer legt diese Spuren frei, Xenia Puskarz Thomas und Nina Solodovnikova machen sie hörbar.

Wolfgang Amadeus Mozart, Lucio Silla (semiszenische Aufführung)

Salzburger Festspiele, Felsenreitschule,
2. August 2026

Ádám Fischer, Dirigent
Mozarteumorchester Salzburg
Bachchor Salzburg

Salzburger Festspiele, Felsenreitschule, 2. August 2026

von Jürgen Pathy

„Wolfgang Amadeus Mozart, Lucio Silla (semiszenische Aufführung)
Salzburger Festspiele, Felsenreitschule, 2. August 2026“
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Jonathan Tetelman prägt Salzburgs düstere Carmen

Carmen 2026 © SF/Thomas Aurin

Jonathan Tetelman wächst in Salzburg über sich hinaus. Teodor Currentzis und Regisseurin Gabriela Carrizo machen aus Bizets Oper ein düsteres Psychodrama, das niemanden kaltlässt.

Georges Bizet, Carmen

Gabriela Carrizo, Inszenierung

Teodor Currentzis,
Dirigent
Utopia Orchester
Utopia Chor, Bachchor Salzburg

Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, 26. Juli 2026 (Premiere)

von Jürgen Pathy

„Georges Bizet, Carmen
Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, 26. Juli 2026 (Premiere)“
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Salzburg-Auftakt: Dudamel entfesselt das Mahler-Universum aus der Zweiten

Vienna Philharmonic,  Gustavo Dudamel Conductor, Ying Fang Soprano,  Nadezhda Karyazina Alto, Wiener Singverein, Johannes Prinz Chorus Master SF/Marco Borrelli

Mit einer sensationellen Aufführung von Mahlers monumentaler zweiter Sinfonie lassen Gustavo Dudamel und die Wiener Philharmoniker das Mahler-Universum zum Festspielauftakt in den Salzburger Musikhimmel aufsteigen. Trotz ein paar Schönheitsfehlern feierte das Publikum den packenden Konzertabend mit stehenden Ovationen für alle Beteiligten.

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 2 c-Moll „Auferstehung“

Wiener Philharmoniker
Wiener Singverein

Ying Fang, Sopran
Nadezhda Karyazina, Alt

Johannes Prinz, Chorleitung
Gustavo Dudamel, Dirigent

Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, 27. Juli 2026

von Johannes Fischer

„Gustav Mahler, Symphonie Nr. 2 c-Moll „Auferstehung
Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, 27. Juli 2026“
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Das Solisten-Duo Aristidou – Nigl sticht Leidenschaft in mein Herz

Passion (konzertant) 2026: Sarah Aristidou (Lei), Franck Ollu (Musikalische Leitung), Georg Nigl (Lui) © SF/Jan Friese

Dusapins Passion erzählt die Geschichte von Orpheus und Eurydike. Das Cembalo mit zart zerbrechlichen Lento-Soli verheißt mir Leidenschaft. Ich empfinde sie, sickernd, wogend, anrührend, manchmal atemlos. Zugleich ist sie ungreifbar weit entfernt. Das Orchester geht mir in den Bauch. Die volle Klaviatur der Leidenschaft sticht mir das Solisten-Duo Aristidou – Nigl ins Herz, unterstützt von der Schola Heidelberg.

 Ouverture Spirituelle – Passion (2007)

Komposition  Pascal Dusapin
Libretto von Pascal Dusapin und Rita de Letteriis

Besetzung

Lei   Sarah Aristidou
Lui   Georg Nigl
Schola Heidelberg   Gli altri

Musikalische Leitung   Franck Ollu
Ensemble Modern

Kollegienkirche, Salzburg, 23. Juli 2026

von Frank Heublein

„ SF Ouverture Spirituelle – Passion (2007) Pascal Dusapin
Kollegienkirche, Salzburg, 23. Juli 2026“
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Utopia unter Currentzis versetzt mich ins spirituelle Schweben

Miserere – Utopia · Currentzis 2026: Utopia Choir, Utopia Orchestra, Teodor Currentzis (Dirigent) © SF/Marco Borrelli

Äußere Effekte sollen die Musik verstärken. Die spirituelle Atmosphäre verdichten. Für mich gelingt das. Überraschende Töne der „unsichtbaren“ Sängerin des Cantus am Anfang. Licht, mal schummrig mal farbstrahlend. Die Emotion von Chor und Orchester widerspiegelnd. Den atmosphärischen Höhepunkt setzt der Chor der Frauen zum finalen Cantus gemeinsam mit verletzlichen Harfen- und Lyraklängen.

Ouverture Spirituelle Miserere l Hommage à Kurtág

Beata viscara – Conductus (um 1210) – Perontinus (um 1170-1246)

Lieder der Schwermut und der Trauer op. 18 (1980-1994) – György Kurtág (*1926)

Miserere für Soli, gemischten Chor, Ensemble und Orgel (1989, rev. 1992) – Arvo Pärt (*1935)

Sub tuum praesidium – Antiphon (9. Jahrhundert) – Anonymos

Musikalische Leitung Teodor Currentzis
Choreinstudierung  Vitaly Polonsky

Utopia Choir
Utopia Orchestra

Kollegienkirche, Salzburg, 18. Juli 2026

von Frank Heublein

„Hommage à Kurtág, Utopia Choir, Utopia Orchestra
Kollegienkirche, Salzburg, 18. Juli 2026“
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Salzburger Festspiele 2026: Teodor Currentzis steht im Mittelpunkt des Programmes

Teodor Currentzis © Olya Runyova

Salzburger Festspiele vom 17. Juli bis 30. August 2026
Von der Geburt der Zeit und der Macht des Herzens

Drei Mal Teodor Currentzis – das ist eigentlich das Highlight schlechthin. In Salzburg präsentierten Intendant Markus Hinterhäuser und der neue Konzertchef Axel Hiller das Programm für den Sommer 2026. Die Fahrtrichtung ist klar. „In gewohnter Manier die 1. Reihe der Solisten“, sagte Hiller. Lang Lang, Sokolov, Kissin, Volodos. Fünf szenische Opernproduktionen – drei davon Neuproduktionen: „Carmen“, „Ariadne auf Naxos“, „Così fan tutte“. Dazu die Wiener Philharmoniker, die Berliner Philharmoniker – und Tugan Sokhiev, der zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen dirigiert.

von Jürgen Pathy

Fast schon wirkt es, als würde er das Thema elegant umschiffen wollen. Drei szenische Opernneuproduktionen, darunter Bizets „Carmen“, in der Regie von Gabriela Carrizo (Peeping Tom), die schon Ende der 1990er den „Young Directors Award“ gewonnen hatte. Dass Teodor Currentzis dabei am Pult steht, findet zunächst keine Erwähnung. Erst zum Ende, als Fragen gestellt werden, kommt Markus Hinterhäuser nicht um das leidige Thema herum. Zu Teodor Currentzis habe er nichts hinzuzufügen. Es sei „kein neuer Aspekt hinzugekommen, der seine Haltung zu Teodor Currentzis verändern würde.“ Currentzis dirigiere überall in der Welt. Nur in Salzburg wird der Fakt zur Schlagzeile erhoben. „Das Programm der Salzburger Festspiele 2026
Salzburg, 17. Juli bis 30. August 2026“
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„Castor et Pollux“ in Salzburg: Teodor Currentzis führt Rameau zu ungewollter Reife

Teodor Currentzis und das Utopia Orchester © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

In Salzburg ist alles anders. Teodor Currentzis stellt die Erwartungen an „Castor et Pollux“ komplett auf den Kopf. Wer Peter Sellars Inszenierung aus Paris kennt, dem erscheint nicht nur die Szene anders: Konzertant war Rameaus Barockoper für die Salzburger Felsenreitschule geplant, halbszenisch ist es geworden. Der größte Unterschied allerdings – der Klang: wie ein Mozart-Requiem statt der barocken Leichtigkeit. Der Utopia-Chor sticht hervor, Jeanine De Bique als Telaïre ebenfalls.

 Jean-Philippe Rameau, Castor et Pollux
Salzburger Festspiele, Felsenreitschule, 29. August 2025

Teodor Currentzis, Dirigent
Utopia, Chor und Orchester

Jeanine De Bique, Télaïre
Yulia Vakula, Phébé
Reinoud Van Mechelen, Castor
Marc Mauillon, Pollux
Claire Antoine, Minerve/Eine Dienerin der Hébé
Natalia Smirnova, Vénus/Ein seliger Schatten
Nicholas Newton, Mars/Jupiter/Ein Athlet
Laurence Kilsby, L’Amour/Der Oberpriester Jupiters/Ein Athlet
Vitaly Polonsky, Choreinstudierung

von Jürgen Pathy

„Viele Frauen sind im Orchester“, fällt nicht nur dem Herrn neben mir auf. Eingang C Mitte links, Reihe 13, Platz 19, Felsenreitschule in Salzburg. Nicht das Einzige, was erwähnenswert ist: Nachdem Teodor Currentzis energisch in die Ouvertüre stürzt, wird sofort klar: Wer im Pariser Palais Garnier Anfang des Jahres dabei war, wird sich auf einen anderen Sound einstellen müssen. „Alle 13 Vorstellungen“, seien dort ausverkauft gewesen, betont Helga Rabl-Stadler, die „Altpräsidentin“ der Salzburger Festspiele. Sie ist ebenfalls live dabei, wie Markus Hinterhäuser und Neo-Festspieldirektorin Kristina Hammer, um die Festspielsaison mit einem großen Namen ausklingen zu lassen. „Jean-Philippe Rameau, Castor et Pollux
Salzburger Festspiele, Felsenreitschule, 29. August 2025“
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