Bernard Haitink sagt still und leise adieu

Foto: © Salzburger Festspiele / Neumayr / Leo
Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, 31. August 2019

Bernard Haitink, Dirigent
Emanuel Ax, Klavier
Wiener Philharmoniker, Orchester

Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58
Anton Bruckner
Symphonie Nr. 7 E-Dur WAB 107

von Jürgen Pathy

Letzte Chancen sollte man nutzen! Obwohl sein allerletztes Konzert erst am 6. September in Luzern über die Bühne gehen wird, läuft die Abschiedstournee eines der ganzen Großen bei den Salzburger Festspielen bereits auf Hochtouren: Bernard Haitink, 90, zieht einen Schlussstrich! Nach über sechzig Jahren, hunderten von Aufnahmen, unzähligen Auszeichnungen und Ehrendoktoraten sagt der Altmeister mit Anton Bruckners siebter Sinfonie noch einmal leise Adieu. „Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, Wiener Philharmoniker, Bernard Haitink, 31. August 2019“ weiterlesen

Klaus Florian Vogt ist der Meistersinger von Salzburg

Foto: Klaus Florian Vogt © Monika Rittershaus
Großes Festspielhaus, Osterfestspiele Salzburg
, 22. April 2019
Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg

Wagner machen, das kann er wie kein zweiter. Die Sächsische Staatskapelle Dresden spielt unter Christian Thielemann phänomenal, es ist berührend schön, dabei zu sein im Großen Festspielhaus in Salzburg. Dieses Gefühl stellt sich bei den „Meistersingern von Nürnberg“ schon nach den ersten Takten des Vorspiels ein. Alles ist wie verwandelt: Raum und 2179 Menschen.

Es war einsame Weltklasse, was der weltweit versierteste Wagner-Dirigent den europäischen Ausnahmemusikern aus Dresden im Salzburger Graben abzuverlangen vermochte. Schon bei der Ouvertüre Gänsehautgefühl. Thielemanns fulminante Interpretation der Wagnerschen Partitur – die „Meistersinger“ sind sein Lieblingswerk – ging schon vom ersten Takt des Vorspiels an tief unter die Haut. Die Streicher und Celli zu Beginn des dritten Aufzuges waren betörend. „Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg,
Großes Festspielhaus, Osterfestspiele Salzburg, 22. April 2019“
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Subjektive Gläubigkeit bei den Salzburger Festspielen

Foto: ©Salzburger Festspiele / Marco Borrelli
Wiener Philharmoniker · Riccardo Muti
Robert Schumann Symphonie Nr. 2 C-Dur op. 61
Franz Schubert Messe Es-Dur D 950

Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger, Choreinstudierung
Krassimira Stoyanova,
Sopran
Alisa Kolosova, Alt
Michael Spyres, Tenor
Maciej Kwaśnikowski, Tenor
Gianluca Buratto, Bass

von Antonia Tremmel-Scheinost

Das alljährliche Gedenken an Mariä Aufnahme in den Himmel beschert Salzburg nicht nur ein paar arbeitsfreie Stunden, sondern auch ein traditionelles Festspielspektakel mit Riccardo Muti. Mutis musikalische Zelebrierung des Ferragosto, wie man den 15. August in des Maestros italienischer Heimat nennt, jährte sich -Zahlenmystiker habt acht- bereits zum 15. Mal. Mag man Kritikern und Publikum Glauben schenken, erwies sich die einige Tage zuvor stattfindende Generalprobe zum Hochfest als über weite Strecken enttäuschend. Doch Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker gelten nicht umsonst als Orion am Orchesterhimmel. Gleich dem Phönix aus der Asche bereicherte das kongeniale Gespann das diesjährige Marienfest um einen durchaus fesselnden Vormittag.

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Ein diabolisch aufgelegter Daniil Trifonov sorgt für eine Sternstunde bei den Salzburger Festspielen

Foto ©Salzburger Festspiele / Marco Borrelli
Solistenkonzert Daniil Trifonov, Salzburger Festspiele
Großes Festspielhaus, 14. August 2018

Federico Mompou, Variationen über ein Thema von Chopin
Robert Schumann, „Chopin“ aus Carnaval op. 9/12
Edvard Grieg, Studie aus Stimmungen op. 73/5
Samuel Barber, Nocturne op. 33
Peter I. Tschaikowski, Un poco di Chopin op. 72/15
Sergej Rachmaninow, Variationen über ein Thema von Chopin op. 22
Frederic Chopin, Sonate für Klavier Nr. 2 b-Moll op. 35

von Raphael Eckardt

Seit dem Teufelsgeiger Niccolo Paganini und dem Tastenvirtuosen Franz Liszt wurden zahlreiche Klassikkünstler von internationalem Format von Fachpresse und Musikwissenschaftlern immer wieder mit dem Prädikat „diabolisch“ versehen. Auf wohl niemanden wurde es aber jüngst wohl so beständig angewandt wie auf den russischen Pianisten Daniil Trifonov. Sein Klavierspiel sei voller Besessenheit, seine Gestiken und Mimiken durchzogen von Radikalem und sein Klang ein Resultat all dessen, was diesen Pianisten so anders macht als beispielsweise einen Andras Schiff oder einen Daniel Barenboim.

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Hugo Wolfs "Italienisches Liederbuch" mit Jonas Kaufmann und Diana Damrau

Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“
mit Jonas Kaufmann und Diana Damrau,
Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus, 3. August 2018

von Peter Dusek (Online-Merker.com)

Hugo Wolf könnte man als „missing link“ zwischen Romantik und der 2.Wiener Klassik (mit Alban Berg und Arnold Schönberg) bezeichnen. Er scheute die Melodien-Seligkeit eines Franz Schubert (obwohl sein persönliches Schicksal ähnlich tragisch verlief); er hasste die konservative, selbstgefällige Pose von Johannes Brahms und nahm eine Entwicklung vorweg, die bis heute nur von Minderheiten geschätzt wird. Kurzum: mit dem Niedergang der Kultur der Liederabende ist Hugo Wolf drauf und dran, vergessen zu werden. Umso wichtiger, dass sich zwei Weltstars wie Jonas Kaufmann und Diana Damrau – zusammen mit dem kongenialen Partner am Klavier – mit Helmut Deutsch – dazu entschlossen haben, Gegen-Aktionen zu entwickeln. „Italienisches Liederbuch von Hugo Wolf, Salzburger Festspiele, Jonas Kaufmann und Diana Damrau, 3. August 2018“ weiterlesen

Diese Salzburger Festspiele 2017 waren wirklich von außerordentlicher interpretatorischer Klasse!

Foto © Marco Borrelli
Salzburger Festspiele
, Großes Festspielhaus, Salzburg, 30. August 2017
Gaetano Donizetti: Lucrezia Borgia in konzertanter Aufführung
Mozarteum Orchester Salzburg unter der Leitung von Marco Armiliato;
Wiener Staatsopernchor; Ildar Abdrazakov (Don Alfonso), Krassimira Stoyanova (Lucrezia Borgia), Juan Diego Flórez (Gennaro), Teresa Iervolino (Maffio Orsini), Mingjie Lei (Jeppo Liverotto), Ilker Arcayürek (Oloferno Vitellozzo), Gleb Peryazev (Apostolo Gazella), Ilya Kutyukin (Ascanio Petrucci), Andrzej Filonczyk (Gubetta), Andrew Haji (Rustighello), Gordon Bintner (Astolfo)

von Raphael Eckardt

Mit Gaetano Donizettis „Lucrezia Borgia“ endet in Salzburg eine Festspielzeit, die sich auch durch zahlreiche Besonderheiten in Sachen Opernaufführungen auszeichnete. Zwei konzertante Produktionen haben dem Publikum die Begegnung mit Werken ermöglicht, die in dieser Form im realen Bühnenleben kaum eine Chance haben, gezeigt zu werden. Neben Giuseppe Verdis „I due Foscari“ stand zum Abschluss Donizettis „Lucrezia Borgia“ in einer Fassung auf dem Festspielprogramm, die sich nahezu minimalistisch aufs Wesentliche beschränkte und dem Publikum dadurch vor allem eines ermöglichte: die pure Konzentration auf die Musik. „Salzburger Festspiele, Gaetano Donizetti, Lucrezia Borgia, Marco Armiliato, Mozarteum Orchester Salzburg, Wiener Staatsopernchor; Ildar Abdrazakov, Krassimira Stoyanova, Juan Diego Flórez, Teresa Iervolino,
Großes Festspielhaus, Salzburg“
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Das war mehr als groß, das war mehr als Weltklasse – das war im wahrsten Sinne des Wortes fabelhaft!

Foto © Marco Borrelli
Salzburger Festspiele
, Großes Festspielhaus, Salzburg, 29. August 2017
Pittsburgh Symphony Orchestra unter der Leitung von Manfred Honeck; Anne-Sophie Mutter (Violine)
Witold Lutoslawski:
Partita für Violine und Orchester, Interlude, „Chain 2“
Peter I. Tschaikowski: Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 „Pathétique“

von Raphael Eckardt

Mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra war zum konzertanten Abschluss der Salzburger Festspiele 2017 ein amerikanisches Traditionsorchester zu Gast, das sich in den vergangenen Jahren vor allem der musikalischen Perspektivschreibung verschrieben hat. Viele zeitgenössische Komponisten stehen seither auf dem Programm, teilweise Werke, deren Aufführungen man in den letzten 50 Jahren weltweit an zwei Händen abzählen kann. Am Pult steht seit 2008 passenderweise ein stolzer Österreicher: Manfred Honeck war lange als Bratscher bei den Wiener Philharmonikern aktiv – bis er eines Tages die Seiten wechselte und in Pittsburgh ein kraftvolles Ensemble gefunden hat, das seinen praktischen Erfahrungsschatz, der freilich überwiegend europäisch geprägt ist, zu schätzen weiß. „Salzburger Festspiele, Pittsburgh Symphony Orchestra, Manfred Honeck, Anne-Sophie Mutter, Witold Lutoslawski, Peter I. Tschaikowski,
Großes Festspielhaus, Salzburg“
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Mit Schostakowitsch sagen Sir Simon Rattle und seine Berliner Philharmoniker: Bye-bye Salzburg!

Foto © Marco Borrelli
Salzburger Festspiele
, Großes Festspielhaus, Salzburg
28. August 2017
Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle
Dimitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 1 in f-Moll (op. 10) und Sinfonie Nr. 15 in A-Dur (op. 141)

von Raphael Eckardt

Die üblen Zeitungsartikel gegen ihn in der Prawda? Weit entfernt. Der wechsellaunische Josef Stalin, der seinen Hofkomponisten morgens noch in den Himmel lobt, um ihm abends dann mit der Deportation zu drohen? Noch keine Rede davon. Als Dimitri Schostakowitsch im Jahr 1926 seine Abschlussarbeit am Konservatorium vorlegt, sind alle schwer begeistert: Lehrer, Publikum, die Kunstwelt. „Salzburger Festspiele, Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle, Dimitri Schostakowitsch, Sinfonie Nr. 1 und Nr. 15,
Großes Festspielhaus, Salzburg“
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Eine Interpretation dieser Klasse erfordert neben Genialität jahrelange musikalische Erfahrung

Foto © Marco Borrelli
Salzburger Festspiele
, Großes Festspielhaus, Salzburg, 27. August 2017
Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle; Rundfunkchor Berlin unter der Leitung von Gijs Leenaars; Elsa Dreisig (Sopran); Mark Padmore (Tenor); Florian Boesch (Bariton).
Georg Friedrich Haas: Ein kleines symphonisches Gedicht
Joseph Haydn: Die Schöpfung, Hob. XXI:2

von Raphael Eckardt

Sir Simon Rattle gehört zweifelsohne zu den besten Haydn-Interpreten unserer Zeit. Da verwundert es nicht, dass der Noch-Chefdirigent der Berliner Philharmoniker auch ein stark „Haydn-lastiges“ Konzertprogramm mit nach Salzburg brachte, das bereits im Vorfeld eine Maxime an musikalischer und emotionaler Spannung versprach: Haydns Vorzeigewerk, Die Schöpfung, kombiniert mit einem zeitgenössischen Auftragswerk der Berliner Philharmoniker – das impliziert nicht nur interpretatorische Mannigfaltigkeit, sondern auch einen bunten Mix aus Musikstilen, die sich über Jahrhunderte bis in die heutige Neuzeit epochal entwickelt haben. „Salzburger Festspiele, Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle, Joseph Haydn, Die Schöpfung, Georg Friedrich Haas, Rundfunkchor Berlin, Elsa Dreisig, Mark Padmore, Florian Boesch,
Großes Festspielhaus, Salzburg“
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Alles wirkt unglaublich authentisch, alles klingt rein, unverschnörkelt und hoch emotional

© Salzburger Festspiele / Marco Borrelli
Solistenkonzert Mutter
· Orkis, Salzburger Festspiele
Großes Festspielhaus, 26. August 2017

Anne-Sophie Mutter: Violine
Lambert Orkis: Klavier

Sebastian Currier:  Clockwork für Violine und Klavier
Wolfgang Amadeus Mozart:  Sonate für Klavier und Violine A-Dur KV 526
Maurice Ravel:  Sonate für Violine und Klavier G-Dur
Francis Poulenc: Sonate für Violine und Klavier FP 119
Camille Saens-Saëns: Introduction et Rondo capriccioso op. 28
(Fassung für Violine und Klavier von Georges Bizet)

von Raphael Eckardt

Die Geigenvirtuosin Anne-Sophie Mutter und der Pianist Lambert Orkis treten seit über 25 Jahren gemeinsam auf den großen Bühnen dieser Welt auf. Mit einer Recital-Tournee durch die USA gab das Duo 1988 die umjubelte Premiere einer Partnerschaft, die mittlerweile seit über einem Vierteljahrhundert Jahr für Jahr kreative Früchte hervorbringt und für Emotionen sorgt, wo sie manch einer schon totgeschrieben hat. „Solistenkonzert Mutter · Orkis, Salzburger Festspiele, 26. August 2017“ weiterlesen