Petrenko verzaubert mit Mahler 8 zur Salzburg-Begrüßung 

Osterfestspiele Salzburg, Chorkonzert II: Mahler  Großes Festspielhaus, Salzburg, 3. April 2026

Archiv Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko ©  Monika Rittershaus

Nach 12 Jahren Baden-Baden sind die Berliner Philharmoniker zurück in Salzburg und schenken der österreichischen Festspielstadt eine sensationelle Mahler 8 zur Begrüßung. Unter der Leitung von Kirill Petrenko glänzte der Mahler-Klang differenziert und ausdrucksvoll im Festspielhaus und sorgte für ein einzigartiges Musikerlebnis.

Osterfestspiele Salzburg
Chorkonzert II: MAHLER

GUSTAV MAHLER
Symphonie Nr. 8 in Es-Dur
für Soli, Knabenchor, zwei gemischte Chöre und Orchester

Kirill Petrenko
Berliner Philharmoniker

Rundfunkchor Berlin, Bachchor Salzburg, Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor & Tölzer Knabenchor

Jacquelyn Wagner, Sarah Wegener & Liv Redpath, Sopran
Beth Taylor & Fleur Barron, Alt
Benjamin Bruns, Tenor
Gihoon Kim, Bariton
Le Bu, Bass

Großes Festspielhaus, Salzburg, 3. April 2026

von Johannes Karl Fischer

Unweit des Salzburger Festspielhauses ragen die Alpengipfel über die Mozartstadt. Der Blick auf die heuer schneebedeckten Bergmassive gehört mit zur hiesigen Festspiel-Experience. Eine mehr denn passende Kulisse für Mahlers Achte Sinfonie, schon allein aufgrund ihrer Dimension könnte man sie auch das Gotthard-Massiv der Spätromantik betiteln. Vier Chöre, ein Mammutorchester und acht Gesangssoli waren am Start, die Riesenbühne des Festspielhauses dichter gefüllt als bei manchen Opernproduktionen.

Petrenko kostet die Festspielhausakustik aus

Und nicht nur die Landschaftskulisse, auch der Saal war prädestiniert für dieses Gipfelwerk der Orchesterliteratur. Kaum ein anderer Saal wird dieses Werk so selbstverständlich aufnehmen, absorbieren und die Klangkraft dieser Partitur so mühelos entfalten lassen. Von wegen „nur laut“: Diese wunderbare Musik braucht einfach sehr spezielle Mittel, um ihre Hörer in einzigartige musikalische Sphären aufsteigen zu lassen. Jedes Fortissimo hat seinen Sinn, ebenso zauberhaft spürte man die sehr zahlreichen Flüsterstellen dieses Werks.

Laut und leises Mahler-Universum mit Sog

Um es ein wenig untertreibend auszudrücken, nicht unbeteiligt an diesem sensationellen Erfolgserlebnis waren Kirill Petrenko und seine Berliner Philharmoniker. Mit Konzertmeister Daishin Kashimoto an der Spitze spielten die Streicher ihre Melodien in langen Bögen streichelnd wie majestätisch aus. Petrenko zog seine Musiker in rauschaftem Sog durch die Partitur. Immer holte wieder ins leiseste Pianissimo aus, um dann im richtigen Moment die Melodien bis ins unendliche zu steigern. Das Mahler-Universum wollte es so!

Jeden Einsatz gab er messerscharf präzise, auch die beiden Knabenchöre konnte ihm mühelos folgen. Einmal drehte er sich um, das Fernorchester stand nämlich im ersten Rang. Sofort strahlte die namenlose Freude seines Dirigats auch ins Publikum. Nach diesem Wunderdirigat verließ man den Saal völlig verwandelt und verzaubert.

BPhil OFS Mahler 8 © Monika Rittershaus

Bruns steuert Richtung Siegfried

Dann wären da ja noch die acht Gesangsstimmen, an ihrer Spitze mal wieder Benjamin Bruns (Doctor Marianus). Dieser nun wortwörtlich auf der Lauer liegende Siegfried haute einen mit der ersten Note seiner Partie um und steigerte dann die Melodien in die spektakulären Höhen seines Heldentenors. Seine sauberen, durchdacht artikulierten und kraftvoll geformten Töne waren wie eine erstklassige Gesangslehrstunde. Mit glasklarer Textverständlichkeit ließ er die Dichtung auch im poetischen Glanz strahlen.

BPhil OFS Mahler 8 © Monika Rittershaus

Sarah Wegener als Una poenitentium stemmte ihre Partie ausdrucksvoll durch die Partitur. Die ewigen Melodien dieser Rolle ließ sie mit Liebe und Leidenschaft von der Bühne segeln und führte so die Sopran-Fraktion zum krönenden Erfolg. Jacquelyn Wagner sang die Magna Peccatrix zwar mit ein wenig zu viel Vibrato, fügte sich aber bestens mit den restlichen Stimmen zusammen. Beth Taylor berührte die Herzen des Publikums mit ihrem warmen, stimmlich voluminösen Mezzo als Mulier Samaritana, während Liv Redpath die Partie der Mater gloriosa verzaubernd aus einer Rang-Loge in das Klanguniversum schweben ließ.

Bu brilliert als Pater profundus

Ein weiteres Highlight war Le Bus Pater profundus, der mit selbstsicherem Bass in seiner Partie brillierte. Nicht das Hauch eines Röhrens oder Brummens war in seiner Stimme zu hören, auch in den tiefsten aller Sängerlagen glänzte er mit melodiösem Gesang und knüpfte nahtlos an die restlichen Sensationsleistungen an. Auch Gihoon Kim sang einen sehr guten, eifrigen Pater ecstaticus und komplettierte einen insgesamt souveränen Mahlerabend.

BPhil OFS Mahler 8 © Monika Rittershaus

Die insgesamt vier Chöre standen dem haushohen Niveau der Berliner Philharmoniker und Soli um nichts nach und fügten sich perfekt in einen dynamisch differenzierten Klang ein. Besonders glanzvoll gerieten die zahlreichen leisen Stellen, die die Sänger mit Liebe in der wunderbaren Akustik auskosteten. Insgesamt war das eine absolute Meisterleistung des Mahler’schen Chorgesangs.

Wirklich stehende Ovationen gab es leider nur für Kirill Petrenko. Naja, gut, das Salzburger Osterpublikum kann sich ja mit Christian Thielemann auch nicht über die vergangenen Jahre beklagen.

Johannes Karl Fischer, 4. April 2026 für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Gustav Mahler, Symphonie Nr. 8, Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko Philharmonie Berlin, 16. Januar 2026

Planet [wanderer], Konzept Damien Jalet und Kohei Nawa Haus für Mozart, Salzburg, 30. März 2026

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