Menschen waren ihr genauso wichtig wie die Musik

Nachruf auf Bettina Taheri-Zacher  klassik-begeistert, 19. Mai 2026

Foto: Bettina Taheri-Zacher, Quelle: Facebook

Es regnete in Strömen. Dann erschien plötzlich ein wunderschöner Regenbogen. Kurz danach kam die Sonne heraus und hat sie in den Himmel getragen. Und das zur Prime Time. Anders hätte es Bettina nicht gewollt.“  – So beschreibt Bettinas Familie auf Facebook ihren Tod am Himmelfahrtstag, 14. Mai 2026. Sie war 52 Jahre alt. Bettina Taheri-Zacher bleibt in meiner Erinnerung vor allem als wunderschöne Frau, deren innere Schönheit sich in ihrem äußeren Erscheinungsbild widergespiegelt hat.

Nach dem Studium in Detmold war sie als Soloflötistin an der Oper von Manaus in Brasilien tätig. Dann wechselte sie in den Medien- und Kulturbereich. Sie war Chefredakteurin der Musikredaktion bei Klassik Radio, beim Saarländischen Rundfunk und zuletzt bei NDR Kultur. Für ihre Arbeit hat sie unter anderem den Deutschen Rundfunkpreis erhalten.

Ich hatte das Glück eine Zeit lang mit ihr zu arbeiten. Wir hatten uns im März 2013 kennengelernt, als ich gerade mit meinem Mann von München nach Hamburg zog. Ich weiß es noch, wie ich durch Schneeverwehungen zum Sitz von Klassik Radio ging, wo ich mich für ein Praktikum beworben hatte. Davor arbeitete ich zehn Jahre lang als Rundfunkjournalistin, allerdings in meiner Heimatstadt Krakau. In Deutschland brauchte ich ein Praktikum, hauptsächlich aus sprachlichen Gründen, und in München hatte ich bereits ein solches bei BR2 absolviert.

Noch nie habe ich ein so angenehmes Vorstellungsgespräch wie damals bei Klassik Radio erlebt! Ich habe fünf Minuten gebraucht um mich vorzustellen, und die nächsten fünfzehn habe ich mit Bettina über Richard Wagner gesprochen, als hätten wir uns schon jahrelang gekannt. Natürlich wurde ich angenommen.

Da es gerade Wagners Jahr war, habe ich dem Redaktionsteam vorgeschlagen, ihm meine Materialien aus Bayreuth zur Verfügung zu stellen, die ich in den letzten zehn Jahren sorgfältig zusammengetragen hatte. Man hat das herzlich begrüßt, doch später stellte sich heraus, dass in der Sendung mein Name als Autorin nicht genannt wurde. Damit hatte ich nicht gerechnet. Selbst beim Bayerischen Rundfunk, wo ich ebenfalls nur Praktikantin war, hat man meine Tonaufnahmen unter meinem Namen veröffentlicht und mich als polnische Kollegin vorgestellt.

Bettina hat sofort gemerkt, dass ich den Tränen nahe war. Sie hat alles stehen lassen und liegen und zerrte mich in das Café im Erdgeschoss des Gebäudes. „So war es schon immer bei diesem Radiosender“, sagte sie, während wir uns beide hingesetzt und an Latte Macchiato genippt haben. „Genau deswegen habe ich eine Ausbildung zur Moderatorin gemacht, damit ich meine Materialien nicht auf diese Weise ‚verliere‘. Und deine Aufnahmen, Jolanta, sind großartig. Wir können also deinen Namen zumindest auf der Website von Klassik Radio veröffentlichen.“

So haben wir eine Kompromisslösung gefunden. Was mich aber wirklich beruhigt hat, war die Einstellung meiner Chefin, für die ich von Anfang an keine Praktikantin, sondern Kollegin war. Ich habe es genossen, ihre Interviews mit berühmten klassischen Musikern anzuhören und – als Praktikantin – zu schneiden. In den darauffolgenden Jahren habe ich für Klassik Radio über die Bayreuther Festspiele berichtet, allerdings nur so lange, wie Bettina dort tätig war.

Später haben sich unsere beruflichen Wege getrennt, und wir haben uns gelegentlich gesehen, hauptsächlich um die Jahreswende, bei Konzerten vom Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg und den Sinfonikern Hamburg mit Beethovens Neunter in der Laeiszhalle. Übrigens, es war Bettina, die mir geraten hat, dem CPE- Bach-Chor beizutreten. Zuletzt haben wir am Silvesterabend 2025 zusammen gesungen. Am Neujahrskonzert konnte Bettina aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen.

Die Nachricht von ihrem Tod hat mich schockiert und zutiefst erschüttert. Ich hatte keine Ahnung, dass sie die letzten zweieinhalb Jahre gegen den Krebs gekämpft hat. Man kann sagen „Möge sie in Frieden ruhen“, aber diese Worte treffen auf Bettina nicht zu. Ich glaube, wo immer sie jetzt ist, ist sie so aktiv wie eh und je. Sie begegnet Künstlern, die vor ihr gegangen sind, genießt schöne Musik und singt vielleicht in Engelschören, nicht nur Beethoven… Und dieser Glaube hilft mir, die Traurigkeit zumindest ein wenig zu überwinden.

Ich wünschte jedem Musikjournalisten eine Chefin wie Bettina Taheri-Zacher, insbesondere denen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen oder sich in einer Übergangsphase befinden, so wie ich vor 13 Jahren. Diese wunderbare Frau konnte sich über die Erfolge anderer Menschen freuen, sie ermutigen und ihnen in Schwierigkeiten beistehen.

Jolanta Lada-Zielke, 19. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

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