Auf den Punkt 90: OMG! Der Herausgeber von klassik-begeistert führt ein Doppelleben

Auf den Punkt 90, Doppelleben  klassik-begeistert.de, 5. Mai 2026

Der Tenor Klaus Florian Vogt und Herausgeber Andreas Schmidt

von Jörn Schmidt

Bald gibt es bei klassik-begeistert etwas zu feiern.  Ahnen Sie vielleicht schon, was der Anlass ist? Dann schreiben Sie es gerne in die Kommentare – zu gewinnen sind 3 mal 2 CDs – (bitte geben Sie Ihre Adresse an, sie wird nicht veröffentlicht). Kleiner Tipp: Auch wenn ich Folge 100 meiner Kolumne „Auf den Punkt“ fest im Blick habe, das feiern wir mitnichten. Stattdessen hat mir Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert, mit Veröffentlichung von Folge 100 ein öffentliches Disziplinarverfahren angedroht. Künstler, über die ich hier geschrieben habe, mögen sich gerne Andreas anschließen …

Damit Andreas auch genug beieinander hat, was er mir in der Disziplinarsache vorwerfen kann, ist die heutige Folge meiner Kolumne eine investigative Glosse. Denn zur Vorbereitung einer noch geheimen Feier haben Andreas und ich uns getroffen und bei köstlichem Szegediner Gulasch geplaudert … und dabei ist Andreas etwas herausgerutscht. Damit Sie das besser einordnen können: Andreas ist ein Klassik-Freak. Er ist Chor-Sänger im Symphonischen Chor Hamburg und Gastsänger der Wiener Singakademie. Er besuchte erstmals im Alter von vier Jahren die Hamburgische Staatsoper mit seiner Mutter und war hin und weg. Zuvörderst ist er Herausgeber von klassik-begeistert, der Nr.  1 der Klassik-Blogs in der DACH-Region (Google-Ranking).

Die Eröffnung der Bayreuther Festspiele ist für Andreas einer der kulturellen Höhepunkte des Jahres. Nur letztes Mal, da musste er aussetzen. Gut für mich, ich durfte in Folge 66 von der Eröffnung der Festspiele 2025 berichten.

Festspielhaus Bayreuth © Andreas Schmidt

Wie viele Absätze müssen Sie noch lesen, wann wird’s denn endlich indiskret? Subito! Sonst verliebt in Bach, Brahms und Wagner, gibt sich Andreas zuweilen ungehemmt, ohne jede Scham und Schuldgefühle, dem Easy Listening hin. Shocking, nicht wahr … Keine Sorge, nicht weich gespülte Klassik, kein André Rieu oder so. Sondern gut gemachte Pop-Musik. Zum Beispiel Dire Straits, The Beatles, Pink Floyd, Phil Collins, Michael Jackson und Supertramp. Dem geschätzten kb-Kollegen Jürgen Pathy geht es ähnlich, er benennt gerne mal Pink Floyd, Nick Cave und AC/DC, außerdem Miles Davis als Favoriten.

Mir fiele auch einiges ein. Der großartige John Hiatt, aber auch das Alterswerk von Johnny Cash (American Recordings). Aus Deutschland Element of Crime. Usf. Nur den geschätzten kb-Kollegen Dr. Ralf Wegner, den konnten wir noch nicht überzeugen, der ist Opern- und Ballett-Purist … Aber wie kann es sein, dass man beides liebt – ernste Musik und Unterhaltungsmusik? Vordergründig ist das schnell erklärt, diese beiden Kategorien sind in höchstem Maße irreführend.

Es gibt nur gute Musik und schlechte Musik.

Lesen Sie dazu bitte hier bei klassik-begeistert meine Interviews mit Erwin Schrott, Carlo Goldstein, Romana Amerling und Yoel Gamzou. Einfach ist auch eine Definition dessen, wo die Grenze zwischen guter und schlechter Musik verläuft: Gute Musik überdauert die Zeit, schlechte verschwindet schneller, als man gucken kann. Warum ist das so? Da wird’s schon schwieriger. Ich würde meinen, Musik verschwindet, weil man sie sich überhört. Wenn sie plump gemacht ist und ausschließlich dem Zweck der Instant Gratification dient.

Richard Wagners Parsifal dagegen, die Musik muss man sich erarbeiten. Selbst Christian Thielmann wird sich nie 100% dieses Gesamtkunstwerks erschließen können. Obwohl er schon verdammt weit ist … Aber Atemlos durch die Nacht von Helene Fischer zum Beispiel. Wie oft können Sie das Liedchen hören? Genau …

Jetzt wird’s aber schwierig. Richard Wagners Werk ist im besten Sinne überkomplex, deshalb erlebt man den Zauber seiner Musik immer und immer wieder neu.

Die Songs der Dire Straits sind natürlich auch intelligent gemacht – ohne je die Komplexität von Richard Wagners Partituren zu erreichen. Wann aber ist ein Popsong für die Ewigkeit – wann wird ein Ohrwurm unsterblich und wann führt er binnen kurzem zum Überdruss? Give a Little Bit von Supertramp ist so ein Rätsel. Ein absoluter Ohrwurm, Andreas kann ihn öfter wieder hören. Ich auch. Die musikalische Einfachheit ist bestechend. Aber das ist Atemlos durch die Nacht ja irgendwie auch …

Ich würde meinen, der Zeigarnik-Effekt macht den Unterschied. Offene Punkte erzeugen Unruhe, unerledigte oder unterbrochene Aufgaben bleiben eben besser im Gedächtnis haften als abgeschlossene Dinge. Diesen psychologischen Effekt machen sich desgleichen Komponisten gerne zu Nutze:  Eine Melodie nicht zu Ende zu führen oder durch komplexere Strukturen zu durchbrechen, das steigert nicht nur die Merkfähigkeit. Sondern nimmt Ohrwürmern den Schrecken der Belanglosigkeit.

Vielleicht kann man das mit dem Schicksalsmotiv in Tschaikowskys
4. Sinfonie vergleichen. Es durchzieht das gesamte Werk, ohne im Glücklichsein zu enden. Stattdessen liegt die Erlösung darin, ein Schicksal anzunehmen. Es ist also gar nicht schlimm, dass Andreas Schmidt ein Doppelleben führt – sondern Ausdruck seiner Begeisterung für gute, handgemachte Musik. Und dies ist zugleich ein weiterer Hinweis darauf, was wir demnächst feiern…

Jörn Schmidt, 5. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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