Schammis Klassikwelt 34: Muttertag – Mütter in der Oper, im Lied und leichter Muse

Schammis Klassikwelt 34: Mütter in der Oper, im Lied und leichter Muse  klassik-begeistert.de, 10. Mai 2026

Foto Jean-Nico Schambourg

Allen Müttern (und Schwiegermüttern) sei auf diesem Weg alles Liebe zum heutigen Muttertag gewünscht!

Mütter spielen in der Oper nicht so oft eine tragende Rolle als Väter dies tun. So stehen zum Beispiel in allen Verdi Opern nur dreimal Mütter auf der Bühne, während dreizehn Väter in Hauptrollen auftreten. Im klassischen Lied wendet sich diese Tendenz total. Haufenweise Komponisten haben Gedichte über Mütter vertont. In der leichten Muse wird dieser Trend später weitergeführt. Der folgende, nicht immer ernst zu nehmende Artikel zeigt nur einige Beispiele.

von Jean-Nico Schambourg

In Opern haben es Mütter meistens nicht leicht mit ihren Kindern: Hänsel und Gretel denken nur ans Spielen, Manrico in Verdis “Il Trovatore” nur an seine Geliebte Leonora, Jean de Leyde im “Le Prophète” von Meyerbeer vor allem an die Macht. Erst wenn die Kinder keinen Ausweg mehr sehen, heulen sie sich bei Mama aus. Es ist halt in der Oper genauso wie im echten Leben.

 Placido Domingo in Cavalleria rusticana von Mascagni: Mama, quel vino è generoso

Wenige Opern setzen junge Frauen als Mütter in Szene. Bei Verdi ist es nur Amelia in “Un ballo in maschera”. Puccini schenkte zwei Müttern von Kleinkindern sein Hauptaugenmerkmal: Cio-Cio San in “Madama Butterfly” und Schwester Angelica in der gleichnamigen Oper (“Suor Angelica”). Beide können den Verlust ihres Kindes nicht ertragen und bringen sich um.

In den Dramen “Norma” von Bellini, sowie “Medea” von Cherubini wollen die Mütter dagegen ihre Kinder töten, um sich an den untreuen Ehegatten und Väter ihrer Kinder zu rächen. Während Norma im letzten Moment noch Gewissensbisse bekommt, zieht Medea ihren schrecklichen Plan durch.

Kann der Zuhörer für diese beiden Frauen noch  mitfühlen, so sind andere Oper-Mütter von Anfang an keine großen Sympathieträgerinnen. Richard Strauss zeichnet in seinen Opern “Salome” und “Elektra” keine besonders liebenden Mütter. Und auch die Königin der Nacht aus Mozarts “Zauberflöte” ist nicht sehr nett zu ihrer Tochter Pamina, verlangt sie doch diese müsse Sarastro töten, ansonsten sie sie verstoßen würde: “Fühlt nicht durch dich Sarastro Todesschmerzen, so bist du meine Tochter nimmermehr”!

Edita Gruberova in “Die Zauberflöte” von Mozart: Der Hölle Rache

Erscheinen sie auch nicht so oft selbst auf der Bühne wie Väter, so spielen Mütter in vielen Opern doch eine wichtige Rolle und beeinflussen die Handlung sehr stark. Bei Wagner zum Beispiel besingt Siegfried seine Sehnsucht nach der Mutter, die er nie kannte, und versucht sich vorzustellen, wie sie aussah. Auch Herzeleide, die Mutterfigur, spielt in Parsifal eine zentrale Rolle, wenn auch nur in den Erzählungen von Kundry, die im Zaubergarten versucht Parsifals Mutterliebe auszunutzen.

 Bei “Carmen” von Georges Bizet taucht die Mutter ebenfalls nicht leibhaftig auf der Bühne auf, wird aber von  Micaëla und Don José in dem bekannten Duett “Parle-moi de ma mère” (Erzähl mir von der Mutter) besungen.

 Im klassischen Liedgesang sind unzählige Lieder der geliebten Mutter gewidmet. Von Wiegenliedern übertiefgreifende musikalische Hommagen bis zum Tode beleuchten sie Leben und Rolle der Mutter. Sie werden von den Müttern selbst oder von den Kindern an ihre Mütter gesungen. Hier nur einige wenige Beispiele zu verschiedenen Lebensmomenten.

Die Liebe der Mutter zu ihrem Kleinkind wurde wahrscheinlich nie schöner beschrieben als von Franz Schubert in seinem “Wiegenlied” (D 498). Hier erklingt musikalisch der Inbegriff mütterlicher Zärtlichkeit und Sicherheit.

 

In “Muttertändelei“ (Op. 43, Nr. 2) von Richard Strauss besingt eine stolze Mutter humorvoll und überschwänglich die Schönheit ihres Kindes. Sind die kleinen Lieblinge anderer Mütter auch so schön? Nein, sicherlich nicht! Der Komponist hat sowohl eine Klavier- als auch eine Orchesterfassung von diesem Lied erstellt:

 

Im weiteren Verlauf des Lebens ist die Mutter immer wieder da um dem Kind zu helfen, um es zu schützen vor kleinen Wehwehchen, wie zum Beispiel in dem Lied “Furchthäschen” von Max Reger, wo das Kind vor einer kleinen Fliege Angst hat.

 

Die Gefahren werden im Laufe des Lebens größer, vor allem für die Töchter, die vor den Jägern, den Männern geschützt werden müssen. Natürlich hören die jungen Mädels nur zu selten auf den Rat der Mutter. Im Lied “Der Jäger” (Op. 95 Nr. 4) von Johannes Brahms hört man einen Dialog, in dem die Mutter die Tochter vor einem leichtfertigen Jäger warnt, die Tochter die Warnung aber keck in den Wind schlägt.

Viel dramatischer verläuft das Zwiegespräch zwischen Mutter und Sohn das Carl Loewe in Musik setzte. “Edward”, seine erste Ballade, handelt vom Gespräch der besorgten Mutter und ihres niedergeschlagenen Sohnes. Letzterer hat seinen Vater totgeschlagen, wozu die Mutter ihn angestiftet hat und weshalb er sie am Schluss des Liedes verdammt.

 

Zum Tode der Mutter gibt es unzählige Beispiele. Für diesen Artikel habe ich das Lied “Der Totenkranz” ausgesucht, das die amerikanische Komponistin Amy Beach 1914 komponierte. Es  erzählt von der Tochter, die ihrer verstorbenen Mutter einen Kranz aus dornenlosen Rosen auf das Grab legt als Zeichen des Dankes und der Liebe.

 

Die berühmteste Mutter ist natürlich Maria, die Mutter Gottes. Unzählige Komponisten haben über die Jahrhunderte Marienlieder geschrieben. Diese haben in der christlichen Liturgie eine lange Tradition, die von antiken Hymnen bis zu modernen Wallfahrtsliedern reicht.

Franz Schubert komponierte seine “Hymne an die Jungfrau” 1825 als drittes Lied seines Zyklus “Ellens Gesang”, D 839, Op. 52 Nr. 6 auf einen Text von Walter Scott übersetzt ins Deutsche von Adam Storck. In Gottesdiensten wird oft der lateinische Text des Ave Maria-Gebets zur Musik von Schubert gesungen.

 

Ebenso beliebt und oft auf Hochzeitsfeiern vorgetragen ist das “Ave Maria” komponiert von Charles Gounod unter Verwendung des Präludiums in C-Dur aus dem 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach.

 

Auch in der leichten Muse schlussendlich gibt es unzählige Mutterlieder. Nur zwei seien hier hervorgehoben. Das wahrscheinlich berühmteste stammt aus Italien von Cesare Bixio (1940) und hat den einfachen Titel “Mamma”. Mit mehr oder weniger Schmalz, wurde es von fast jedem Tenor und Möchtegern-Tenor der modernen Musikgeschichte vorgetragen, von u.a. Beniamino Gigli, Giuseppe di Stefano, Claudio Villa, Luciano Pavarotti bis hin zu Andrea Bocelli. Ende der  sechziger Jahren wurde das Lied sogar mit großem Erfolg vom damaligen Kinderstar Heintje (Simons) aufgegriffen.

 Von einem luxemburgischen Landsmann berühmt gemacht wurde das Lied “Ich hab’ Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren”. Camillo Felgen, Schlagersänger der fünfziger und sechziger Jahre mit klassischem Gesangstudium und lange Zeit Moderator bei den “fröhlichen Wellen von Radio Luxemburg“ (der Slogan stammt von Camillo Felgen), eroberte mit diesem Lied die Herzen vieler deutscher Mütter und Fernsehzuschauerinnen.

Zum Schluss sei noch einer ganz besonderen Spezies von Müttern gedacht: der Schwiegermutter! Nein, nichts gegen Schwiegermütter! Sie sind wie ein schöner Stern am Abendhimmel … den man am besten von ferne durch ein Teleskop bewundert! Ivor Novello, das walisische Pendant zu Cole Porter, beschrieb die manchmal fehlende Distanz in seinem Lied “And her mother came too” (Und ihre Mutter kam auch).

Jean-Nico Schambourg, 10. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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