Bregenz triumphiert mit einer fulminant-grotesken Janáček-Rarität

Fotoprobe „Die Ausflüge des Herrn Brouček” 2026 Mihails Culpajevs (Petřík) © Bregenzer Festspiele / Daniel Ammann

Unmittelbar jeweils am Abend nach der großen Oper auf der spektakulären Seebühne – in diesem Fall Verdis „La Traviata“ – bieten die Bregenzer Festspiele im Festspielhaus exquisite Raritäten, gleichsam als das vom
Großereignis mitfinanzierte Gegenstück.

Janáčeks Oper der zwei „Ausflüge“ zum Mond und ins 15. Jahrhundert ist eine edle Trouvaille, eine dadaistisch-groteske Satire auf einen unvergesslichen Spießer im Stil des legendären Soldaten Schwejk.
Phänomenal inszeniert, mit verblüffenden Effekten und großartigen Gags, musikalisch hervorragend.

Leoš Janáček, „Die Ausflüge des Herrn Brouček“

Musikalische Leitung: Robert Jindra
Regie: Yuval Sharon

Bühne, Kostüme:  Jon Bausor
Licht:  Yi Zhao
Video:  Hannah Wasileski

Matej Broucek:  Peter Hoare

Prager Philharmonischer Chor
Leitung:  Lukas Vasilek
Wiener Symphoniker

Bregenzer Festspiele, Festspielhaus, 23. Juli 2026

von Dr. Charles E Ritterband

„Leoš Janáček, Die Ausflüge des Herrn Brouček
Bregenzer Festspiele, Festspielhaus, 23. Juli 2026“
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Bregenz begeistert mit einer phänomenalen „Traviata“ – Protagonistin

© Bregenzer Festspiele Anja Koehler

Hat sich der gigantische technische und finanzielle Aufwand (immerhin zehn Millionen Euro) für dieses gigantische High-Tech-Bühnenbild l, einen 28 Meter hoch aufragenden, zersplitterten Spiegel mit 700 Quadratmetern Fläche für diese erste „Traviata“ in der 80. Jubiläumssaison der renommierten Bregenzer Festspiele gelohnt?

Der Eindruck nach der Premiere ist zwiespältig. Durchwegs hervorragend jedenfalls die sängerischen Höchstleistungen und die fulminanten Wiener Symphoniker.

Giuseppe Verdi, La Traviata
Melodramma in drei Akten (1853)

Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Roman La Dame aux camélias und der gleichnamigen Schauspieladaption von Alexandre Dumas dem Jüngeren

Inszenierung:  Damiano Michieletto

Musikalische Leitung:  Kirill Karabits
Wiener Symphoniker

Prager Philharmonischer Chor
Leitung:  Lukas Kozubik

Seebühne Bregenz, Bregenzer Festspiele 22. Juli 2026 PREMIERE

 von Dr. Charles E. Ritterband

„Verdi, La Traviata, Bregenzer Festspiele
Seebühne Bregenz, 22. Juli 2026 PREMIERE“
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Theaterdonner vom Feinsten erfreut an einem perfekten Sommerabend in der Seebühne

Freischütz fp© Anja Koehler

Carl Maria von Weber
Der Freischütz
Romantische Oper in drei Aufzügen (1821)

Libretto von Friedrich Kind nach der gleichnamigen Erzählung von August Apel
Dialogfassung von Jan Dvořák nach einem Konzept von Philipp Stölzl
Zusatzmusik von Ingo Ludwig Frenzel

Musikalische Leitung 
Patrik Ringborg, Christoph Altstaedt

Inszenierung, Bühne   Philipp Stölzl

Statisterie der Bregenzer Festspiele

Bregenzer Festspielchor, Leitung   Benjamin Lack
Prager Philharmonischer Chor, Leitung   Lukáš Kozubík

Wiener Symphoniker

Bregenzer Festspiele, Seebühne,
16. August 2025

von Sandra Grohmann

Das Spektakel geht eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn los. „Machen Sie keine Ferien in der Kabine“, hört man die Stimme der Dame, die die Toilette betreut, schon während man in der viele Meter langen Schlange steht und auf Einlass wartet. „Nichts vergessen! Jacke, Tasche, Unterhose – alles mitnehmen“, lautet der weitere Rat. „Schals habe ich genug! Nehmen Sie Ihre Schals mit, ich brauche keinen!“

„Carl Maria von Weber, Der Freischütz
Bregenzer Festspiele, Seebühne, 16. August 2025“
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Der „Freischütz“ versinkt in den Bregenzer Fluten

Der Freischütz © Anja Koehler

Der „Freischütz“ auf der Seebühne Bregenz ging in die zweite Spielzeit – und fällt auf durch erhebliche Verbesserungen, vor allem beim Text des Teufels Samiel (hervorragend – diabolisch: Moritz von Treuenfels). Wasser war vor allem an diesem Abend das dominierende Element: Die großartige Aufführung versank buchstäblich in den Fluten des Bodensees und in einem plötzlich und überraschend einsetzenden Starkregen. Schier unglaublich, wie Sänger, Sängerinnen und Chor es schaffen, schwimmend oder im Wasser stehend perfekt zu singen und ihre Rollen auszuüben.

Carl Maria von Weber
Der Freischütz
Romantische Oper in drei Aufzügen (1821)

Libretto von Friedrich Kind nach der gleichnamigen Erzählung von August Apel
Dialogfassung von Jan Dvořák nach einem Konzept von Philipp Stölzl
Zusatzmusik von Ingo Ludwig Frenzel

Musikalische Leitung 
Patrik Ringborg, Christoph Altstaedt

Inszenierung, Bühne, Philipp Stölzl

Statisterie der Bregenzer Festspiele

Bregenzer Festspielchor, Leitung Benjamin Lack
Prager Philharmonischer Chor, Leitung Lukáš Kozubík

Wiener Symphoniker

Bregenzer Festspiele, Seebühne,
29. Juli 2025

von Dr. Charles E. Ritterband

Eine durch und durch spektakuläre Aufführung: Teufelsspuk, technisch ausgefeilte Klangeffekte, imposante „gothische“ Stimmung, ein brennender Kirchturm, ein Karren gezogen von einem Pferdeskelett, einer Schindmähre, ein „fliegendes Ehebett“ und eine gigantische Schlange. „Carl Maria von Weber, Der Freischütz
Bregenzer Festspiele, Seebühne, 29. Juli 2025“
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Klein beleuchtet kurz 41: Webers Freischütz erschließt sich bei den Bregenzer Festspielen dem atemlos staunenden Publikum mit einem Rausch spektakulärer Bilder

Bregenzer Festspiele, Der Freischütz © Bregenzer Festspiele

Eine pausenlose Rückblende auf die Ursachen und Folgen von Agathas Schwangerschaft krempelt viele Seh- und Hörgewohnheiten auf aufregende Weise um

von Patrik Klein

„Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber gehört zweifelsfrei zu den absoluten Hits im gesamten Opernrepertoire. Die Oper wurde zum Sinnbild der deutschen Romantik, mit Szenen im dunklen Wald, dem Reich der Geister, Zauber und Märchen, mit der Verführung eines jungen Mannes durch das Böse und der Erlösung durch das Opfer einer hingebungsvollen Frau.

Bei den Bregenzer Festspielen nahm sich das renommierte deutsche Allroundtalent der Regie und des Bühnenbildes, Philipp Stölzl, dem Stück erstmals an. Dabei gelangen ihm Bilder und Szenen aus einem unwirtlichen Dorf in Deutschland kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, die es in sich hatten. „Klein beleuchtet kurz 41: Webers Freischütz
klassik-begeistert.de, 24. Juli 2024“
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In Bregenz wird Rossinis frühe Oper „Tancredi“ zu einem bewegenden lesbischen Liebesdrama

Anna Goryachova (Tancredi)© Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Seitens der Inszenierung gelingt eine der besten Produktionen im Festspielhaus an diesem Ort, wo seit langem nichts vergleichbar Ansprechendes mehr hervorgebracht wurde. Auf der Bühne besticht ein glänzendes Ensemble. Weniger überzeugend gerät das Dirigat der Taiwanesin Yi-Chen Lin. Dennoch fand die kleinere Festspielproduktion verdient mehr Anklang als die jüngste Premiere auf der Seebühne am Tag zuvor.

Gioachino Rossini: Tancredi

Melodramma eroico in zwei Akten (1813) – Ferrara-Fassung
Libretto von Gaetano Rossi nach der Tragödie Tancrède von Voltaire (1760)      In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Wiener Symphoniker
Prager Philharmonischer Chor

Musikalische Leitung: Yi-Chen Li

Inszenierung: Jan Philipp Gloger
Bühne: Ben Baur
Kostüme: Justina Klimczyk
Licht: Martin Gebhardt

Bregenz, Festspielhaus, 18. Juli 2024 PREMIERE

von Kirsten Liese

Sein viertes Musikdrama Tancredi zählt zu den weniger bekannten ernsten Opern Rossinis, die außer beim Festival in Pesaro, Geburtsstadt des Komponisten, selten aufgeführt werden.

Wie sich Regisseur Jan Philipp Gloger der dankbaren Aufgabe angenommen hat, das Stück auf die Bregenzer Festspielbühne zu bringen, wo solche Raritäten in kammermusikalischer kleinerer Besetzung traditionell ihren Platz finden, verdient alle Achtung. Ich muss gestehen, das hätte ich ihm – denke ich noch an den hässlichen Bayreuther Pappkarton-Holländer zurück – kaum zugetraut. „Gioachino Rossini, Tancredi
Bregenz, Festspielhaus, 18. Juli 2024 PREMIERE“
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Der erste „Freischütz“ in Bregenz macht aus der Oper großes Kino, degradiert die Musik aber zur Nebensache

Fotoprobe „Der Freischütz“, Bregenzer Festspiele © anja koehler

Elisabeth Sobotka hat sich vor ihrem Wechsel als Intendantin an die Berliner Staatsoper mit einer heiklen Produktion verabschiedet, die dem experimentellen Regietheater auf der Seebühne mehr Raum gibt denn je. Bislang war das Festspielhaus mit kleineren Produktionen dafür der geeignete Ort. Ob ihre finnische Nachfolgerin Lilli Paasikivi gut beraten sein wird, in diese Richtung weiterzuwirken, bleibt abzuwarten. Der Beifall zur Premiere fiel jedenfalls freundlich, aber doch weitaus bescheidener aus als in den Vorjahren.

Carl Maria von Weber                                                                                                              Der Freischütz
Romantische Oper
Libretto von Friedrich Kind nach der Erzählung von Johann August Apel

Wired Aerial Theatre, Statisterie der Bregenzer Festspiele
Bregenzer Festspielchor/Prager Philharmonischer Chor

Musikalische Leitung: Enrique Mazzola
Wiener Symphoniker

Seebühne Bregenz, 17. Juli 2024 (Première)

von Kirsten Liese

Ein verschneites, winterliches Dorf dominiert die Bregenzer Seebühne. Der dreißigjährige Krieg hat seine Spuren hinterlassen. Der Kirchturm ist im Wasser abgesoffen, die Häuser sind krumm und schief, die Bäume kahl. Und auch die Menschen an diesem Ort sind rau geworden, Max und Kilian tragen ihre Rivalität um die Gunst der schönen Agathe mit Waffen aus.

Fotoprobe „Der Freischütz“, Bregenzer Festspiele © anja koehler

Keine Frage: Einen großen Schauwert bietet diese Landschaft, die an Gemälde von Pieter Breughel oder Hieronymus Bosch erinnert, allemal, auch wenn man sie nicht unweigerlich mit der deutschesten aller romantischen Opern in Verbindung bringen würde als weit eher mit einem Bergfilm von Joseph Vilsmaier. „Carl Maria von Weber, Der Freischütz, Romantische Oper
Seebühne Bregenz, 17. Juli 2024 (Première)“
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Die Seebühne Bregenz bringt den „Freischütz“ als assoziationsreiche Horrorstory

Fotoprobe „Der Freischütz“, Bregenzer Festspiele © Anja Koehler 

Eine Oper wie diese – seit über zwei Jahrhunderten ein Publikumsliebling, ein Dauerbrenner mit herrlich leichten Klängen zum Mitsummen und der gruselig-romantisch-sentimentalen Handlung eines Dreigroschenkrimis – ist und war seit jeher verführerisch für Opernhaus-Intendanten und beflissene Regisseure.

Doch der „Freischütz“, uraufgeführt 1821, hat bei aller Attraktivität seine trickreichen Fallstricke: Teufel, Magie, Aberglaube und bittersüße Herz-Schmerz-Romantik aus einer längst vergangenen Epoche wirken heutzutage ebenso antiquiert wie die düsteren Möbel aus jener Zeit, mit der sich kein Jugendlicher heute seine knapp bemessene Zweizimmerwohnung vollramschen möchte.

Carl Maria von Weber                                                                                                              Der Freischütz
Romantische Oper
Libretto von Friedrich Kind nach der Erzählung von Johann August Apel

Wired Aerial Theatre, Statisterie der Bregenzer Festspiele
Bregenzer Festspielchor/Prager Philharmonischer Chor

Musikalische Leitung: Enrique Mazzola
Wiener Symphoniker

Seebühne Bregenz, 17. Juli 2024 (Première)

von Dr. Charles E. Ritterband

Den „Freischütz“ heute, im 21. Jahrhundert, auf eine moderne Bühne zu bringen und dazu noch auf die gigantische Seebühne Bregenz, auf welcher ja in den vergangenen Jahren spektakulär gelungene Inszenierungen zu sehen waren, welche diese Dimensionen voll zur Geltung brachten – ein kühnes Wagnis. Die scheidende Intendantin Elisabeth Sobotka, die auf diese großartigen Erfolge auf der einzigartigen Seebühne und im Festspielhaus zurückzublicken vermag, ist dieses Risiko eingegangen: Erfolgreich! „Carl Maria von Weber, Der Freischütz – Romantische Oper
Seebühne Bregenz, 17. Juli 2024 (Première)“
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Seebühne Bregenz fasziniert erneut mit einer phänomenalen „Butterfly“

© Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Was sich vor den total ausverkauften Zuschauerrängen vor der Bregenzer Seebühne, nämlich in den über 6600 (in dieser Saison neuen und deutlich komfortableren) lindgrünen Sitzplätzen während dieser Premiere zur Wiederaufnahme der gefeierten „Butterfly“ vom letzten Jahr ereignete, sagte irgendwie schon alles über diese geniale Inszenierung des Meisterregisseurs Andreas Homoki – nämlich rein gar nichts. In krassem Gegensatz zu der von mir erst vorgestern besuchten Arena di Verona leuchtete während der rund zweistündigen, pausenlosen Vorstellung nicht ein einziger Handy-Screen auf, es gab kein Tuscheln, kein Hüsteln, Niesen oder Räuspern. Nichts. Es war mucksmäuschenstill. Diese Inszenierung schlug die Tausende von Zuschauern, die aus allen drei Bodenseeländern angereist waren, vollkommen in ihren Bann. Nie habe ich diese Oper – ich habe sie an vielen Bühnen weltweit gesehen – in einer derart faszinierenden, subtilen Inszenierung gesehen. Und die Hauptdarstellerin, Cio-Cio-San alias Butterfly, gesungen von der unvergleichlichen usbekischen Sopranistin Barno Ismatullaeva, war schlicht phänomenal, unübertrefflich. Es ist mit diesen zwei Stunden ununterbrochener Bühnenpräsenz eine der anspruchsvollsten Rollen für eine Sängerin – Ismatullaeva meisterte die Herausforderung souverän. Vom ersten bis zum letzten herrlichen Ton.


Giacomo Puccini
Madame Butterfly
Oper in drei Akten (1904)
Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von John Luther Long (1898)
und dem darauf basierenden Schauspiel Madame Butterfly. A Tragedy of Japan von David Belasco (1900)

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Bregenzer Festspiele, Seebühne, 20. Juli 2023 Premiere

von Dr. Charles E. Ritterband (Text und ausgewählte Fotos)

Diese Inszenierung von Andreas Homoki ist ein Geniestreich, und sie fasziniert in der Wiederaufnahme eindeutig noch mehr als in der ersten Runde letztes Jahr. Zu Recht spricht Homoki von der Herausforderung, auf einer derart gigantischen Bühne Intimität herzustellen, emotionale Interaktion zwischen drei Personen auf einer sonst leeren Bühne zu zeigen und damit die Handlung des Stückes eindeutig nachvollziehbar zu machen. In seiner genialen Inszenierung ist dies vorbehaltlos gelungen – und deshalb waren Tausende von Zuschauern spürbar berührt von dieser erschütternden Geaschichte. Da gibt es krasse Gegenbeispiele – etwa die aktuelle „Aida“-Neuinszenierung in Verona – wie man die Handlung einer Oper und die Emotionen der Protagonisten in einer Masse von Statisten, Choristen und unter einem Trommelfeuer von High-Tech-Bühneneffekten verschütten läßt. „Giacomo Puccini, Madame Butterfly
Bregenzer Festspiele, Seebühne Bregenz, 20. Juli 2023 Premiere“
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Die Bregenzer Festspiele 2023 eröffnen mit einem brillanten „Ernani“

Foto: © Bregenzer Festspiele/ Karl Forster

Kein Stück für zart Besaitete: In dieser Oper des jungen Verdi, basierend wie „Rigoletto“ („Le Roi s’amuse“) auf einem Text des französischen Autors Victor Hugo, geht es um Rache, Macht und Liebe und den „Besitz“ einer begehrenswerten Frau, um die sich nicht weniger als drei Männer zugleich streiten. Pausenlos fließt Blut auf der Bühne, es wird gedroht, gefoltert, geprügelt und gemordet. Eine wahre Blutorgie, geradezu lustvoll exekutiert von einer zügellosen Soldateska, welche ihre überschäumende Kampfeslust in akrobatischen Saltos und Purzelbäumen Luft macht (in Bregenz aus anderen Inszenierungen wohlbekannt: „Stunt-Factory“). Manchmal wird es dem Zuschauer fast zu viel, ob all dem Morden und Blutvergießen.

Bregenzer Festspiele, Festspielhaus, 19. Juli 2023

Giuseppe Verdi, „Ernani“
Libretto  Francesco Maria Piave

Dirigent: Enrique Mazzola
Inszenierung: Lotte de Beer

Ernani: Saimir Pirgu
Elvira: Guanqun Yu
Don Carlo: Franco Vassallo
Don Ruy Gomez da Silva: Goran Jurić
Giovanna: Aytaj Shikhalizada
Don Riccardo: Omer Kobiljak
Jago: Stanislav Vorobyov

Wiener Symphoniker
Prager Philharmonischer Chor
Stunt-Factory

In italienischer Sprache

von Dr. Charles E. Ritterband 

„Ernani“ ist zweifellos die blutigste Oper, die dieser Autor je gesehen hat. Aber der Abstumpfungseffekt bei so viel Blutvergießen hat ja auch durchaus eine aktuelle Seite: Siehe den Überdruss angesichts der täglichen Kriegsmeldungen von den ukrainisch-russischen Fronten. Allerdings: die hochtalentierte niederländische Regisseurin Lotte de Beer hat in ihrer brillanten Inszenierung dem Shakespear’schen Trick des „Comic Relief“ Nachachtung verschafft. „Giuseppe Verdi, „Ernani“
Bregenzer Festspiele, Festspielhaus, 19. Juli 2023“
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