Kyle Ketelsen als Méphistophélès © Geoffroy Schied
Am zweitletzten Tag der Münchner Opernfestspiele erlebt man am Nationaltheater eine exzellente Aufführung der Oper FAUST von Charles Gounod. Unter der unaufgeregten Leitung von Daniele Rustioni hört man in der Inszenierung von Lotte de Beer ein hervorragendes Sängerquartett: Piotr Beczała als Faust, Kyle Ketelsen als Méphistophélès, Boris Pinkhasovich als Valentin und die wunderbare Nicole Car als Marguerite.
Charles Gounod (1818-1893) FAUST
Oper in fünf Akten (Libretto von Jules Barbier und Michel Carré)
Musikalische Leitung: Daniele Rustioni
Inszenierung: Lotte de Beer
Bühne: Christof Hetzer
Kostüme: Jorine van Beek
Nationaltheater München, 30. Juli 2026
von Jean-Nico Schambourg
Die Inszenierung von Lotte de Beer hatte im Februar dieses Jahres Premiere in München. Ihre zentrale Idee ist, dass sowohl das Gute als auch das Böse im jedem Menschen sein kann. Der böse Mensch kennt nur sein eigenes Wohl, kümmert sich nicht um die Belange anderer. Ein guter Mensch stellt nicht sein Ego in den Mittelpunkt. Er nimmt Verantwortung für sein Handeln. Dies tut in dieser Oper Marguerite, indem sie sich ihrer Strafe am Schluss nicht entzieht. Anders Faust, der sein neues Dasein nicht nutzt, um das totale Wissen, das er anfangs anstrebt, zum Gute der Menschheit zu benutzen. Seine neue Jugend dient ihm nur zur Sättigung seiner sexuellen Triebe. Erst mit dem Tode von Marguerite begreift er seinen Irrweg.
