Daniels Anti-Klassiker 21: Ludwig van Beethoven – Tripelkonzert (1804)

Höchste Zeit, sich als Musikliebhaber neu mit der eigenen CD-Sammlung und der Streaming-Playlist auseinanderzusetzen. Dabei begegnen einem nicht nur neue oder alte Lieblinge. Einige der „Klassiker“ kriegt man so oft zu hören, dass sie zu nerven beginnen. Andere haben völlig zu Unrecht den Ruf eines „Meisterwerks“. Es sind natürlich nicht minderwertige Werke, von denen man so übersättigt wird. Diese sarkastische und schonungslos ehrliche Anti-Serie ist jenen Werken gewidmet, die aus Sicht unseres Autors zu viel Beachtung erhalten.

von Daniel Janz

Drei Solisten begleitet von einem Orchesterapparat, die mal gegen-, mal miteinander ihre Fertigkeiten demonstrieren – eine spannende Auseinandersetzung voller Möglichkeiten. So ähnlich dürfte wohl Beethovens Gedankengang gewesen sein, als der Bonner Klassik-Meister sein Konzert für Klavier, Violine und Violoncello in C-Dur (opus 56), kurz „Tripelkonzert“ konzipierte. Was er da ersann, war modern, gewagt, fast schon eine kleine Revolution – mit ernüchterndem Ergebnis. „Daniels Anti-Klassiker 21: Ludwig van Beethoven – Tripelkonzert (1804)“ weiterlesen

Pathys Stehplatz (5): Sinn und Unwert der Kritik

„Mögen die Kritiker über uns den größten Blödsinn schreiben. Mögen sie uns verreißen, mögen sie tun, was sie wollen – Hauptsache sie sagen irgendetwas!“ Denn nichts sei schlimmer als das Schweigen der Kritik. Öfters schon sind mir diese Worte, mit denen der berühmte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki den Schriftsteller Siegfried Lenz zitierte, durch den Kopf geschossen.

von Jürgen Pathy

Vor allem letzten März, wo Simon Stones Inszenierung von „La Traviata“ an der Wiener Staatsoper Premiere feierte. Bis auf Igor Golovatenko, bei dem sich die Kritikerschar überwiegend einig war, dass der im Sommer als Posa in „Don Carlos“ deutlich besser gefiel, beurteilte die Aufführung so gut wie jeder anders. „Pathys Stehplatz (5): Sinn und Unwert der Kritik“ weiterlesen

Sommereggers Klassikwelt 96: Carl Czerny – mehr als nur Etüden

„Klavierschüler, die an seinen Etüden verzweifeln, sollten vielleicht einmal seine großartigen Klavierkonzerte hören, die würden sie mit Sicherheit mit dem Pädagogen Czerny versöhnen!“

 von Peter Sommeregger

Der Nachruhm des in Mozarts Sterbejahr 1791 geborenen und am 15. Juli 1857 in seiner Geburtsstadt Wien verstorbenen Komponisten ist durchaus zwiespältig. Ganze Generationen von Klavierschülern haben schlechte Erinnerungen an das Üben mit Czernys Etüden, die generell als langweilig empfunden wurden. Darüber ist die Person Czerny und sein weit über Klavier-Etüden hinausgehendes Werk weitgehend in Vergessenheit geraten. „Sommereggers Klassikwelt 96: Carl Czerny – mehr als nur Etüden“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 39: Oper als Katharsis?

Foto: „Tri Sestri“ (Drei Schwestern), Wiener Staatsoper, März 2016

Anlässlich der Produktion „Tri Sestri“ von Péter Eötvös an der Wiener Staatsoper verfocht der Regisseur Yuval Sharon die These, wenn eine Opernaufführung eine Botschaft bringt, hört sie auf Kunst zu sein. Das erregte meinen Widerspruch und ich begann mit der Assistenz meiner Frau  diese apodiktische Meinung nachzuprüfen.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Seine These mag bei Werken des Naturalismus gelten. Die Stücke bleiben bei einer allgemein gehaltenen Gesellschaftskritik stecken. Jetzt ein Opernlexikon herzunehmen und Oper für Oper inhaltlich durchzugehen, erschien uns zu umfangreich und wir entschieden uns für die Methode, das Selbsterlebte bzw. unsre Lieblingsopern zu hinterfragen. „Schweitzers Klassikwelt 39: Oper als Katharsis?“ weiterlesen

Frauenklang 5: Klaviersonaten mit Gefühl serviert

Joanna Sochacka. Foto: Anita Wąsik-Płocińska

„Ich bekomme Feedback von Menschen aus aller Welt, viele sind begeistert, auch wenn es nicht Mozart oder Beethoven ist. Das ist mir wichtig, weil es meine Überzeugung bestätigt, dass diese Musik einzigartig ist.“

Ein Gespräch mit der polnischen Pianistin Joanna Sochacka über die Komponistin Grażyna Bacewicz

Grażyna Bacewicz (1909-1969), polnische Komponistin und Geigerin, tritt als interessante Schöpferin von Klavierwerken auf. Dies lässt sich dank der Pianistin Joanna Sochacka entdecken, die eine CD mit Bacewicz-Klaviersonaten und -Etüden aufgenommen hat. Das Album ist in diesem Jahr beim DUX Verlag erschienen.

Neben Violine und Klavier studierte Bacewicz Komposition in Warschau und in Paris bei Nadia Boulanger. Wie andere Heldinnen unserer Frauenklang-Serie erlebte sie aufgrund ihres Geschlechts Missachtung und leichtfertige Behandlung durch ihre Kollegen. Einer der Kritiker, der ihr „Konzert für Streichorchester“ bewertete, schrieb, dass das ein Mann unter einem weiblichen Pseudonym komponiert haben musste. Bacewicz errang jedoch eine hohe Position im musikalischen Umfeld und bekleidete hohe Funktionen, wie zum Beispiel als Konzertmeisterin des Radio-Sinfonieorchesters (1936-1938) und als Vizepräsidentin des Polnischen Komponistenverbandes (1955-57 und 1960-69). „Frauenklang 5: Interview mit Joanna Sochacka über die Musik von Grażyna Bacewicz“ weiterlesen

Daniels Anti-Klassiker 20: Richard Strauss – Also Sprach Zarathustra (1896)

Höchste Zeit, sich als Musikliebhaber neu mit der eigenen CD-Sammlung oder der Streaming-Playlist auseinanderzusetzen. Dabei begegnen einem nicht nur neue oder alte Lieblinge. Einige der sogenannten „Klassiker“ kriegt man so oft zu hören, dass sie zu nerven beginnen. Andere haben völlig zu Unrecht den Ruf eines „Meisterwerks“. Es sind natürlich nicht minderwertige Werke, von denen man so übersättigt wird. Diese sarkastische und schonungslos ehrliche Anti-Serie ist jenen Werken gewidmet, die aus Sicht unseres Autors zu viel Beachtung erhalten.

von Daniel Janz

Mit „Also sprach Zarathustra“, oder dem „Welthit aus 3 Tönen“ hat Strauss ein zeitloses Epos geschaffen, das bis heute allgegenwärtig erscheint. Es braucht nicht erst den Blick auf den Fernseher, um beispielsweise bei der Werbung für eine wohlbekannte Biermarke erneut die glorifizierende Eingangsfanfare dieser Komposition zu hören. Wie konnte das passieren, dass eine der epischsten Orchestermusiken so zur Ikone der Marketingindustrie wurde? „Daniels Anti-Klassiker 20: Richard Strauss – Also Sprach Zarathustra (1896)“ weiterlesen

Rising Stars 10: Kunal Lahiry, Pianist – Wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frau‘n

Die Entwicklung und Karriere vielversprechender NachwuchskünstlerInnen übt eine unvergleichliche Faszination aus. Es lohnt sich dabei zu sein, wenn herausragende Talente die Leiter Stufe um Stufe hochsteigen, sich weiterentwickeln und ihr Publikum immer wieder von neuem mit Sternstunden überraschen. Wir stellen Ihnen bei Klassik-begeistert jeden zweiten Donnerstag diese Rising Stars vor: junge SängerInnen, DirigentInnen und MusikerInnen mit sehr großen Begabungen, außergewöhnlichem Potenzial und ganz viel Herzblut sowie Charisma.

Herni Duparc: Phidylé. Álfheiður Erla Guðmundsdóttir, Sopran, Kunal Lahiry, Klavier (2020)

von Lorenz Kerscher

Mit dem aus einem alten Schlager zitierten Untertitel möchte ich keinesfalls Gerüchte über das Privatleben des 1991 in den Vereinigten Staaten geborenen Pianisten Kunal Lahiry in die Welt setzen, über das ich auch gar nichts weiß. Er hat ganz einfach das Glück eines Tüchtigen, der schon in jungen Jahren mit vielen bemerkenswerten Nachwuchssängerinnen erfolgreich zusammenarbeiten konnte, ebenso auch mit Talenten aus der Männerriege. Hierbei bewährt er sich als einfühlender und aufmerksamer Liedduopartner, seine herausragende Technik dient ihm immer zum gemeinsamen Gestalten und nie zur virtuosen Selbstdarstellung. Wenn man ihn dazu noch zur Bereicherung eines Liederabends ein Solostück spielen lässt, kann man sicher sein, dass er diesem eine klare Klanggestalt gibt und dabei den Zauber feinster Poesie ebenso zur Wirkung bringt wie Steigerungen und Höhepunkte. „Rising Stars 10: Kunal Lahiry, Pianist – Wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frau‘n“ weiterlesen

Sommereggers Klassikwelt 95: Gustav Mahler, das lange verkannte Genie

Der 7. Juli ist der Geburtstag Gustav Mahlers, in diesem Jahr der 161. Den letztjährigen, runden konnte die Musikwelt aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht gebührend feiern.

von Peter Sommeregger

Betrachtet man den Lebensweg und den Nachruhm des 1860 im böhmischen Kalischt geborenen Sohnes eines jüdischen Weinbrenners und Gastwirtes, so muss man deutlich zwischen Mahlers Erfolg als Dirigent und Operndirektor, und der zögerlichen Rezeption seines kompositorischen Schaffens unterscheiden. „Sommereggers Klassikwelt 95: Gustav Mahler, das lange verkannte Genie“ weiterlesen

Ladas Klassikwelt 77: Warum wird „Halka” außerhalb Polens so selten gespielt?

von Jolanta Łada-Zielke

Mit großem Interesse habe ich die CD-Besprechung der Aufnahme von Stanisław Moniuszkos Oper „Halka“ gelesen, die Peter Sommeregger verfasst hat. Das Thema liegt mir auch deshalb nahe, weil ich einmal den Dirigenten Gabriel Chmura in Krakau interviewt habe. Die von Peter gestellte Frage, warum „Halka“ so selten auf Opernbühnen außerhalb Polens aufgeführt wird, werde ich jedoch nicht beantworten. Dr. Rüdiger Ritter hat dies bereits in seinem Buch „Der Tröster der Nation. Stanisław Moniuszko und seine Musik” getan. Er behauptet, man habe den Komponisten zur richtigen Zeit nicht vorangebracht. „Ladas Klassikwelt 77: Warum wird „Halka” außerhalb Polens so selten gespielt?“ weiterlesen

Der Schlauberger 54: Zukunft? Wie langweilig – Achtung, Falle: Weiße Schimmel und die große Politik

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

von Reinhard Berger

Darauf habe ich lange gewartet: auf Martin Schulz und seinen ZUKUNFTSPLAN. Damals, als er sich um die Kanzlerschaft beworben hatte. Ja, ja, so etwas hebe ich mir auf. Ich vergesse nichts!

Also: Lieber Herr Schulz, willkommen in der Weiße-Schimmel-Fraktion, deren Förderer ich gerne sein möchte. „Der Schlauberger 54: Zukunft? Wie langweilig – Achtung, Falle: Weiße Schimmel und die große Politik“ weiterlesen