Schweitzers Klassikwelt 164: Kurze Bemerkungen über Opernaufführungen blieben uns im Gedächtnis haften

 

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Es ist schon lange her, es war Anfang der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts: Die Wagner-Heroine Birgit Nilsson einmal nicht als Brünnhilde oder Isolde, sondern als eisgegürtete Prinzessin Turandot auf der Bühne der Wiener Staatsoper. Salopp ausgedrückt: Sie war eine Wucht. (Wucht bedeutet schriftdeutsch Kraft, Energie.) An meiner Seite auf der Galerie eine junge Amerikanerin. Sie lässt beim tosenden Schlussapplaus die Bemerkung auf Deutsch fallen: „Ein medizinisches Wunder.“ Wie war das wohl gemeint? Es klang nicht nach Enthusiasmus, mehr wie eine nüchterne Diagnose über die Stimmbänder. „Schweitzers Klassikwelt 164: Kurze Bemerkungen über Opernaufführungen
klassik-begeistert.de, 26. Mai 2026“
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Rudis Klassikwelt 10: Bringt meine Asche nach Wien – Alexander Zemlinsky auf der Bühne der Josefstadt

Martin Vischer (Zemlinsky der Jüngere), Günter Franzmeier (Zemlinsky der Ältere) © Moritz Schell

Im Juli 1985 wurde die Urne mit der Asche Alexander Zemlinskys nach Wien überführt und in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Das ist der Ausgangs- und Endpunkt des  Theaterstücks Zemlinskyvon Felix Mitterer. Es entstand als Auftragswerk des Alexander Zemlinsky Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aus Anlass des 150. Geburtstags des Komponisten und wurde im März 2026 im Theater in der Josefstadt uraufgeführt.

Felix Mitterer    Zemlinsky

Regie:  Stephanie Mohr
Bühnenbild:  Miriam Busch
Kostüme:  Nini von Selzam

Musikalische Leitung: Wolfgang Schlögl
Choreografie „Broadway“: Kimberly Rydell

Wien, Theater in der Josefstadt, 22. Mai 2026

von Dr. Rudi Frühwirth

Peter Sommeregger hat in seiner Klassikwelt 206 den schwierigen Lebensweg Alexander Zemlinskys einfühlsam beschrieben. Den bedeutenden, viel zu lange sträflich vernachlässigten Komponisten im Mittelpunkt eines Theaterstücks zu sehen, berührt emotional freilich noch viel tiefer, vor allem dank der empathischen Inszenierung von Stephanie Mohr und den exzellenten schauspielerischen Leistungen. „Felix Mitterer, Zemlinsky, Auftragswerk
Theater in der Josefstadt, Wien, 22. Mai 2026“
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Auf den Punkt 92: Rossini in der Villa Kunterbunt

HSO Il barbiere di Siviglia, Mattia Olivieri, Lilly Jørstad © Tanja Dorendorf

Pippi Langstrumpf wohnt in der Villa Kunterbunt. Was hat diese Information hier zu suchen, fragen Sie? Nun, in Pippis quietschbuntem Haus ist Kindern alles erlaubt, was man dem Nachwuchs sonst gerne abspricht. So wollte es Astrid Lindgren. Im Titelsong der Verfilmung ihrer Romanvorlage gipfelt dieser Lifestyle in dem berühmten Refrain: „Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt!“ Jedenfalls im deutschen Text. Die SPD-Politikerin Andrea Nahles hat das Mal im Bundestag gesungen oder, wie der SPIEGEL damals schrieb, geträllert.

Gioachino Rossini   Il barbiere di Siviglia

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Omer Meir Wellber   Dirigent
Tatjana Gürbaca   Inszenierung

Hamburgische Staatsoper, 17. Mai 2026 +++ PREMIERE +++

 Von Jörn Schmidt

Wie Frau Nahles der Vortrag gelang? Sehen Sie sich das – wenn es wirklich sein muss – bitte selber auf YouTube an. Hier nur so viel: An das durchweg hohe künstlerische Niveau der heutigen Premiere von Gioachino Rossinis  Il barbiere di Siviglia reichte Frau Nahles nicht heran. „Auf den Punkt 92: Rossini in der Villa Kunterbunt
Hamburgische Staatsoper, 17. Mai 2026 +++ PREMIERE +++“
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Klein beleuchtet kurz 73: Wenn der Teodor in die Elphi kommt, dann ist da was los

„Das Publikum konnte sich, nachdem der letzte Ton verklungen war, gar nicht mehr beruhigen – fast wie bei einem Popkonzert gab es Jubelschreie und natürlich standen alle 2100 Leute losgerissen aus ihren Stühlen – irre!“

Utopia mit Vilde Frang und Teodor Currentzis; Foto Patrik Klein

Selbst bei einem Werk wie Alban Bergs Konzert für Violine und Orchester „Dem Andenken eines Engels“ gelingt es Teodor Currentzis mit seinem Orchester Utopia und einem Weltstar an der Geige, Vilde Frang, dem Saal Beifallsstürme zu entlocken, die man hier nur selten erlebt – Man fragt sich immer wieder: Was macht dieser schwarz gekleidete Sonderling als Dirigent da eigentlich und wodurch unterscheidet sich die musikalische Ausdruckskraft von der anderer Top-Dirigenten – der Versuch einer Antwort.

Utopia

Vilde Frang, Violine
Dirigent: Teodor Currentzis

Elbphilharmonie Hamburg, 12. Mai 2026

von Patrik Klein

Wow – hat man den „Titan“ jemals so gehört?!

Currentzis war bereits oft Gast in der Elphi, sei es mit seinem russischen Orchester aus Perm bzw. Sankt Petersburg, mit dem SWR Sinfonie Orchester oder in den letzten Jahren mit dem Festivalorchester à la Bayreuth, das er schlicht Utopia nennt, einem zusammengestellten Projektorchester mit Spitzenmusikern aus ganz Europa. „Klein beleuchtet kurz 73: Wenn der Teodor in die Elphi kommt
Elbphilharmonie, 12. Mai 2026“
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Schweitzers Klassikwelt 163: Wir erfinden ein Spiel für Opernliebhaber

© freepik

Machen wir uns Gedanken, wie die vielen Spiele entstehen? Es ist das Steckenpferd mancher Leute, solche zu erfinden und bei einschlägigen Firmen einzureichen. Machen wir gemeinsam ein Probespiel! Welche Interpretin, welcher Interpret fällt uns bei dieser oder jener Rolle spontan ein?

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Irgendwo auf den Schachteln steht gedruckt, für welche Personenanzahl dieses Spiel bestimmt ist und für welches Alter. Wir lesen zum Beispiel „ab 4 bis 99“. Bei unserem ausgedachten Spiel empfehlen wir sechs bis acht Personen, damit der Rahmen intimer bleibt und doch viel an Erfahrung eingebracht werden kann. Beim Alter ist nicht das Lebensalter entscheidend, sondern der gemeinsame Zeitraum an Erlebnissen. Sonst sind einige Sängerinnen und Sänger für die einen lebendige Erinnerungen, für andere nur mehr historische Größen. Wobei ein Laptop als Assistent und Informant gut wäre. Wie und wo hat sich eine genannte Sängerin, ein genannter Sänger weiter entwickelt.

„Schweitzers Klassikwelt 163: Wir erfinden ein Spiel für Opernliebhaber
klassik-begeistert.de, 11. Mai 2026“
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Schammis Klassikwelt 34: Muttertag – Mütter in der Oper, im Lied und leichter Muse

Foto: Jean-Nico Schambourg

Allen Müttern (und Schwiegermüttern) sei auf diesem Weg alles Liebe zum heutigen Muttertag gewünscht!

Mütter spielen in der Oper nicht so oft eine tragende Rolle als Väter dies tun. So stehen zum Beispiel in allen Verdi Opern nur dreimal Mütter auf der Bühne, während dreizehn Väter in Hauptrollen auftreten. Im klassischen Lied wendet sich diese Tendenz total. Haufenweise Komponisten haben Gedichte über Mütter vertont. In der leichten Muse wird dieser Trend später weitergeführt. Der folgende, nicht immer ernst zu nehmende Artikel zeigt nur einige Beispiele.

von Jean-Nico Schambourg

In Opern haben es Mütter meistens nicht leicht mit ihren Kindern: Hänsel und Gretel denken nur ans Spielen, Manrico in Verdis “Il Trovatore” nur an seine Geliebte Leonora, Jean de Leyde im “Le Prophète” von Meyerbeer vor allem an die Macht. Erst wenn die Kinder keinen Ausweg mehr sehen, heulen sie sich bei Mama aus. Es ist halt in der Oper genauso wie im echten Leben.

„Schammis Klassikwelt 34: Mütter in der Oper, im Lied und leichter Muse
klassik-begeistert.de, 10. Mai 2026“
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Auf den Punkt 91: Mach Dein Ding, Anja

Anja Bihlmaier © Nikolai Lund

Auf dem Weg in die Hamburgische Staatsoper  bin ich an einem Zeitungskiosk vorbeigekommen und habe die Schlagzeilen überflogen. Es schadet ja nie, sich weiterzubilden … Ein Titelbild zierte Udo Lindenberg, im Vorfeld seines  80. Geburtstag am 17. Mai. In Hamburg ist Udo eine Ikone. Der Autor  Benjamin von Stuckrad-Barre zählt zu seinen Fans. Einer von Udos Hits heißt „Mein Ding“.

Richard Strauss   Elektra

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Anja Bihlmaier    Dirigentin

Hamburgische Staatsoper,  14., 19. April, 1., 8. Mai 2026

 von Jörn Schmidt

Die Melodie ist eingängig und die Lyrics sind typisch Udo Lindenberg. Ich zitiere den Refrain:

Und ich mach’ mein Ding
Egal, was die andern sagen
Ich geh’ meinen Weg
Ob grade, ob schräg
Das ist egal
Ich mach’ mein Ding
Egal, was die andern labern
Was die Schwachmaten einem so raten
Das ist egal
Ich mach’ mein Ding

„Auf den Punkt 91: Mach Dein Ding, Anja
Hamburgische Staatsoper, 9. Mai 2026“
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Auf den Punkt 90: OMG! Der Herausgeber von klassik-begeistert führt ein Doppelleben

Der Tenor Klaus Florian Vogt und Herausgeber Andreas Schmidt

von Jörn Schmidt

Bald gibt es bei klassik-begeistert etwas zu feiern.  Ahnen Sie vielleicht schon, was der Anlass ist? Dann schreiben Sie es gerne in die Kommentare – zu gewinnen sind 3 mal 2 CDs – (bitte geben Sie Ihre Adresse an, sie wird nicht veröffentlicht). Kleiner Tipp: Auch wenn ich Folge 100 meiner Kolumne „Auf den Punkt“ fest im Blick habe, das feiern wir mitnichten. Stattdessen hat mir Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert, mit Veröffentlichung von Folge 100 ein öffentliches Disziplinarverfahren angedroht. Künstler, über die ich hier geschrieben habe, mögen sich gerne Andreas anschließen …

Damit Andreas auch genug beieinander hat, was er mir in der Disziplinarsache vorwerfen kann, ist die heutige Folge meiner Kolumne eine investigative Glosse. Denn zur Vorbereitung einer noch geheimen Feier haben Andreas und ich uns getroffen und bei köstlichem Szegediner Gulasch geplaudert … und dabei ist Andreas etwas herausgerutscht. Damit Sie das besser einordnen können: Andreas ist ein Klassik-Freak. Er ist Chor-Sänger im Symphonischen Chor Hamburg und Gastsänger der Wiener Singakademie. Er besuchte erstmals im Alter von vier Jahren die Hamburgische Staatsoper mit seiner Mutter und war hin und weg. Zuvörderst ist er Herausgeber von klassik-begeistert, der Nr.  1 der Klassik-Blogs in der DACH-Region (Google-Ranking). „Auf den Punkt 90, Doppelleben
klassik-begeistert.de, 5. Mai 2026“
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Rudis Klassikwelt 9: Der Philosoph Konrad Paul Liessmann spricht über Verdis “Otello”

Die Reihe “Oper und Philosophie” mit Konrad Paul Liessmann (re.) wird von Ö1 Opern-Redakteur Michael Blees (li.) produziert © ORF/Joseph Schimmer

In der Reihe “Apropos Oper” des ORF-Senders Ö1 gestaltet Konrad Paul Liessmann vier Sendungen unter dem Motto “Oper und Philosophie”, jeweils am ersten Sonntag des Monats. Liessmann, Philosoph und Opernliebhaber, bringt den philosophischen Kern der großen Opern zur Sprache, untersucht aber auch den Einfluss der Kunstgattung Oper auf das Denken so mancher großen Philosophen. In der jüngsten Sendung vom 3. Mai 2026 erforscht Liessmann das Prinzip des absolut Bösen, radikal verkörpert in der Figur des “Jago” in Verdis “Otello”.

 Oper und Philosophie
Der Geist des Musiktheaters am Fallbeispiel von Giuseppe Verdis “Otello”

 Sonntag, 3. Mai 2026, 15h05, ORF, Ö1

https://oe1.orf.at/programm/20260503/831497/Oper-und-Philosophie

Musikbeispiele: Studioaufnahme aus dem Jahr 1973, mit Jon Vickers als Otello, Mirella Freni als Desdemona und Peter Glossop als Jago. Chor der Deutschen Oper Berlin, Berliner Philharmoniker, Leitung: Herbert von Karajan.

von Dr. Rudi Frühwirth

“Mit einem Aufschrei des Universums, der sich greller und härter nicht denken lässt, beginnt Verdis Oper ‘Otello’”. Das schreibt der Musikwissenschafter Stefan Kunze über die Eingangsszene der Oper in seinem Essay Der Verfall des Helden. Über Verdis “Otello”.

„Rudis Klassikwelt 9: Konrad Paul Liessmann spricht über Verdis “Otello”
klassik-begeistert.de, 5. Mai 2026“
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Pathys Stehplatz 62: Thielemann macht den Unterschied

Christian Thielemann © Dieter Nagl

Zwei Wochen nach dem Konzert – im Kontext der im Blog geführten Diskussion – ist dieser Text entstanden.

Christian Thielemann ist der Game Changer. Sein Beethoven steht nicht bei allen hoch im Kurs. Die Einspielung mit den Wiener Philharmonikern hat polarisiert. Während die einen zu viel Sumpf verorten, sehnen sich die anderen danach, was man als Synonym dafür nennen kann. Fleisch mit Sauce, nennt Thielemann es selbst. Mit der Staatskapelle Berlin hatte er in Wien lange danach gesucht.

von Jürgen Pathy

Im Musikverein Wien hatte Christian Thielemann eines bewiesen. Selten hört man so deutlich, dass die Qualität am Dirigenten liegt. Die Staatskapelle Berlin ist ein hervorragendes Orchester – allerdings noch nicht auf dem Niveau anderer Orchester.

„Pathys Stehplatz 62: Thielemann macht den Unterschied
Musikverein Wien, 3. Mai 2026“
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