Schweitzers Klassikwelt 39: Oper als Katharsis?

Foto: „Tri Sestri“ (Drei Schwestern), Wiener Staatsoper, März 2016

Anlässlich der Produktion „Tri Sestri“ von Péter Eötvös an der Wiener Staatsoper verfocht der Regisseur Yuval Sharon die These, wenn eine Opernaufführung eine Botschaft bringt, hört sie auf Kunst zu sein. Das erregte meinen Widerspruch und ich begann mit der Assistenz meiner Frau  diese apodiktische Meinung nachzuprüfen.

Lothar und Sylvia Schweitzer

Seine These mag bei Werken des Naturalismus gelten. Die Stücke bleiben bei einer allgemein gehaltenen Gesellschaftskritik stecken. Jetzt ein Opernlexikon herzunehmen und Oper für Oper inhaltlich durchzugehen, erschien uns zu umfangreich und wir entschieden uns für die Methode, das Selbsterlebte bzw. unsre Lieblingsopern zu hinterfragen. „Schweitzers Klassikwelt 39: Oper als Katharsis?“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 38: Mord in der Oper

Beziehungsmorde waren früher Themen für den Lokalteil einer Zeitung. Heute werden sie neben Berichten mit internationaler Bedeutung in den Hauptnachrichten der Fernsehanstalten ausgebreitet. Die Betroffenheit der Zuseher ist ihnen sicher. „Unfassbar!“ hören wir immer wieder aus unsrem Umkreis.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Und dann geht am Abend der Vorhang auf. Früher in Smoking und Robe, heute eher „smart casual“ oder „casual elegant“ werden wir Zeugen eines tödlichen Delikts, wohl dramaturgisch kunstvoll aufgebaut und durch Bizets Musik „veredelt“. „Schweitzers Klassikwelt 38: Mord in der Oper“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 37: Tumult in der Wiener Staatsoper

„Eben war der warme Sopran von Enriqueta Tarrés verklungen, da rief eine Männerstimme aus dem Parkett: „Vivat Caballé!“ Das war sehr unfair und gemein. Nun war für den weiteren Verlauf des Abends die Hölle los.“

von Lothar Schweitzer

Es ging ihr ein fabelhafter Ruf voraus, seit Montserrat Caballé in der New Yorker Carnegie Hall im Jahr 1965 in Donizettis Lucrezia Borgia für Marilyn Horne eingesprungen war. Sechs Jahre mussten wir warten, bis die katalanische Sängerin endlich an der Wiener Staatsoper, an der sie auch später ein rarer Gast blieb, für zwei Abende am 15. und 20. Mai 1971 als Troubadour-Leonore angesagt war. „Schweitzers Klassikwelt 37: Tumult in der Wiener Staatsoper“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 36: Venite pure avanti, vezzose mascherette! Tretet näher, schöne Masken!

„Don Giovanni“ an der Staatsoper Wien, Foto: © Michael Pöhn

„Die Maske gehört nicht zu unsrer Kultur“, hörten wir aus dem Hohen Haus am Ballhausplatz Nr. 2. Sie wurde auch schon zum Zankapfel in Regierungskreisen. Ironie der Geschichte. Wer hätte bei der Einführung des Verbots der Gesichtsverhüllung am 1. Oktober 2017 gedacht, dass wir alle einmal an gewissen Orten schwer erkennbar würden?

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Übrigens, ob sich hinter einer Gesichtsbedeckung wirklich ein Mann verbergen kann, ist fraglich. Mitte der Sechzigerjahre lief im Fernsehen die spannende mehrteilige Krimireihe „Das Geheimnis des Louvre“. Aus den Zuschauerreaktionen noch vor des Rätsels Lösung ging hervor, dass an den Augen des Phantoms auf eine Frau geschlossen wurde. Die Zuseher behielten Recht. Das Phantom spielte Juliette Gréco. „Schweitzers Klassikwelt 36: Venite pure avanti, vezzose mascherette! Tretet näher, schöne Masken!“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 35: Eine Stadt – eine Oper

Die Klassik-Begeisterten Lothar und Sylvia Schweitzer in Dresden unterwegs mit dem historischen Zweitakter „Trabi“, dem VW der DDR

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Es kam schon vor, dass nach einer langen, endlich erfolgreichen Parkplatzsuche in einer fremden Stadt wir ausstiegen und nach einem kurzen prüfenden Blick an eine(n) der Vorübergehenden die Frage richteten, wo die Oper zu finden ist. So in Zürich, wo wir dann zu unsrem Bedauern vor Ort feststellen mussten, einen Abend zuvor „Così fan tutte“ versäumt zu haben. Meine Frau und ich legen auch wert, dass bei einer Stadtführung das Opern- oder Theatergebäude mit einbezogen wird.

Oft bleibt eine Stadt mit der einen oder der anderen Aufführung besonders verbunden. „Schweitzers Klassikwelt 35: Eine Stadt – eine Oper“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 9: EIN ÜBERRASCHENDER OPERNABEND

von Lothar und Sylvia Schweitzer (14. Juli 2020)

Warum ich Taormina nach einer Stunde wieder verlassen habe, ist mir heute nicht ganz klar. In Schlagern der Fünfzigerjahre des vorigen Jahrhunderts nach unsrem heutigen Geschmack kitschig besungen hatte ich mir diese Hügelstadt anscheinend anders vorgestellt. Ich setzte mich ins Auto und fuhr weiter und kam vom Regen in die Traufe, in die zweitgrößte Stadt Siziliens mit grauen Häusern und viel Lärm, nach Catania. Ich suchte ein Hotel auf, wo es durch einen hochoffiziellen Empfang gerade noch mehr Wirbel gab. Verdrossen und erschöpft schloss ich mich in mein Zimmer ein und gab mich einem „sonnellino“ hin. „Schweitzers Klassikwelt 9: EIN ÜBERRASCHENDER OPERNABEND“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 34: Kirill Serebrennikovs „Parsifal“ theologisch betrachtet

Foto: M. Pöhn ©

In der Online-Ausgabe der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ lautet die Überschrift  der Rezension in dicken und großen Lettern Was ist der Gral? Und gleich anschließend triumphierend des Rätsels Lösung: Die Freiheit!

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Wir können der liberalen Linie des Blatts in dem Punkt beipflichten, wenn drei Absätze darunter Frau Christine Lemke-Matwey schreibt, dass Wagners letzte Oper „von Kunstreligiösem und Pseudo-Liturgischem umwölkt“ ist. Ähnlich Joachim Lange, der in der renommierten Neuen Musikzeitung von einem pseudoreligiösen Stück spricht. „Schweitzers Klassikwelt 34: Kirill Serebrennikovs „Parsifal“ theologisch betrachtet“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 33: Opern und ihr Sitz im Leben

Foto: © Salzburger Festspiele / Bernd Uhlig

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Anlass dieses Aufsatzes ist die „Elektra“ von Richard Strauss der Salzburger Festspiele 2020. Vielerorts wurde von einer Banalisierung des Atridendramas geschrieben. Doch können uns die „Getriebenen“ auf Kothurnen und im archaischen Gewand menschlich nahe kommen? Die Verlegung der Tragödie vom frühgeschichtlichen, mythisch gefärbten Mykene nach dem New England der zweiten Hälfte des  19. Jahrhunderts geschah bereits vor  fast hundert Jahren in Eugene O’Neills Dramen-Trilogie „Mourning Becomes Elektra“ („Trauer muss Elektra tragen“), knapp nach dem Zweiten Weltkrieg als Film adaptiert und als Oper des heute fast unbekannten Komponisten Marvin David Levy anlässlich der neueröffneten MET am Lincoln Center 1967 wiederum auf die Bühne gekommen. „Schweitzers Klassikwelt 33: Opern und ihr Sitz im Leben“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 32: Aus dem Zeitalter der Schellackplatten: Amelita Galli-Curci

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Dort, wo  einst in nächster Nähe die Wiener Stadtmauer verlief und die Wiener während der Türkenbelagerung  als Sonntagsvergnügen neugierig auf die Mauer „Türkenschauen“ gingen, befand sich in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts im sogenannten Melker Hof das „Schallplattengeschäft  mit Antiquariat Teuchtler“. Zu abendlicher Stunde trafen sich regelmäßig im Stockwerk darüber die Gigli- und die Carusoanhänger und wetteiferten anhand der aufgelegten Schallplatten. „Schweitzers Klassikwelt 32: Aus dem Zeitalter der Schellackplatten: Amelita Galli-Curci“ weiterlesen

Schweitzers Klassikwelt 31: Eine Lanze brechen für Dr. Birgit Meyer, Intendantin der Oper Köln

Dr. med. Birgit Meyer, Foto © Paul Leclaire

Wie ein Lauffeuer geht es durch die Medien, dass wir von der Kölner Intendantin bald Abschied nehmen müssen. Als naive Outsider aus Wien dazu einige Gedanken.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Prinzipiell stellt sich die Frage, wie lange die Intendanz einer anerkannten Persönlichkeit währen soll. Entgegen der Wiener konservativen Mentalität und dadurch sicher ins Kreuzfeuer der Kritik geratend ist unsre Meinung zwei bis drei ordentliche Vertragsperioden (je vier bis fünf Spielzeiten), auf keinen Fall viel länger als insgesamt fünfzehn Jahre, denn die Theater- und Opernliebhaber sollen im Laufe ihres kulturinteressierten Lebens mehrere „Handschriften“ kennen lernen. Jeder mit Sorgfalt ausgewählte Intendant oder Direktor hat seine besonderen Fähigkeiten und Talente und setzt andere Akzente, mit denen er der hoffentlich immerwährenden, „ewigen“ Institution des jeweiligen Theaters dienen kann. Keine Regel ohne Ausnahme: Uns störte die fünfundzwanzigjährige Intendanz von Helmut Wlasak am Tiroler Landestheater keinesfalls. „Schweitzers Klassikwelt 31: Eine Lanze brechen für Dr. Birgit Meyer, Intendantin der Oper Köln“ weiterlesen