CD/Blu-ray Besprechung:
Edmond Dédé
Morgiane, ou, le Sultan d’Ispahan
Opera Créole Ensemble
Opera Lafayette Orchestra
Patrick Dupre Quigley
Delos DE 3628
von Peter Sommeregger
Die Lebensgeschichte des afro-amerikanischen Komponisten Edmond Dédé ist unter mehreren Aspekten bemerkenswert. 1823 in New Orleans als Sohn eines Militärkapellmeisters geboren, war ihm das musikalische Talent bereits in die Wiege gelegt. Nach einer Ausbildung zum Violinisten sah er sich rassistischen Diskriminierungen ausgesetzt und lebte für einige Zeit in Mexiko. Nach seiner Rückkehr arbeitete er zeitweise in einer Zigarrenfabrik, veröffentlichte aber bereits erste Kompositionen. Die finanzielle Unterstützung von Freunden ermöglichte ihm 1857 eine Reise nach Frankreich, wo er am Pariser Konservatorium weiter studierte.
Später lebte er in Bordeaux, wo er 27 Jahre lang ein Orchester leitete, und auch Erfolge als Komponist feiern konnte. 1887 vollendete er sein umfangreichstes Werk, die Oper „Morgiane“, die jedoch zu seinen Lebzeiten nicht aufgeführt wurde.
Die Wiederentdeckung der Handschrift in einem Archiv und ihre mühselige Rekonstruktion ist eine schon für sich spannende Geschichte. Dass die Oper im Januar 2025 schließlich ihre konzertante Uraufführung in New Orleans erleben konnte, ist der Beharrlichkeit und dem Engagement der Opera Lafayette und dem Opera Créole Ensemble zu danken.
Das Sujet des in der arabischen Welt angesiedelten Stoffes ähnelt ein wenig Mozarts „Entführung aus dem Serail“, auch hier übt am Ende ein Sultan Verzicht auf eine begehrte Frau, die sich in diesem Fall aber als seine leibliche Tochter entpuppt.
Dédé schrieb sein Werk im Stil der französischen Grand Opéra, einer Gattung, die zu diesem Zeitpunkt aber bereits aus der Mode gekommen war. Für die Aufführung in New Orleans wurde die Oper gekürzt.
Ein hoch engagiertes Ensemble hebt in New Orleans ein Werk aus der Taufe, das beinahe für immer im Archiv geschlummert hätte. Unterstützt von einem Chor tragen sechs Solisten verschiedener Stimmtypen die Handlung. Nicole Cabell als Amine ist das Objekt der Begierde des Sultans, den Kenneth Kellogg mit reichlichem Bass- Vibrato ausstattet. Amines Mutter Morgiane wird von Mary Elizabeth Williams gesungen, als Amines Bräutigam Ali kann sich der Tenor Chauncey Packer profilieren. Der Dirigent Patrick Dupre Quigley hält die musikalischen Fäden in festen Händen.
Dédés Musik kann durchaus gefallen, er beherrscht das kompositorische Handwerkszeug, was ein wenig fehlt, ist eine prägnante musikalische Handschrift. Ob das Werk in Zukunft weitere Aufführungen erleben wird, ist fraglich, aber es zählt die späte Genugtuung für den Komponisten Edmond Dédé, die wohl früheste Oper eines afro-amerikanischen Komponisten doch noch aufgeführt zu sehen. Kulturgeschichtlich gesehen eine späte Wiedergutmachung, die allen Respekt verdient.
Peter Sommeregger, 21. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
CD/Blu-ray Besprechung: Antonio Vivaldi, L’Olimpiade klassik-begeistert.de, 19. Februar 2026