Andrè Schuen und Daniel Heide überzeugen mit einem ungewöhnlichen Liedprogramm

Andrè Schuen & Daniel Heide, Träume, Alpträume  Pierre-Boulez-Saal Berlin, 27. Februar 2026

Andrè Schuen & Daniel Heide © Christoph Köstlin / DG

Nach anfänglichen Bedenken erweist sich der Pierre-Boulez-Saal inzwischen als nahezu perfekter Raum für eine so intime Kunst wie den Liedgesang, ein gelungener Gegenentwurf zu dem konzeptionell gescheiterten Kammermusiksaal der Philharmonie.

Andrè Schuen & Daniel Heide
Träume, Alpträume

Lieder von Strauss, Wagner und Zemlinsky

Pierre-Boulez-Saal Berlin, 27. Februar 2026

von Peter Sommeregger

Der aus Südtirol stammende Bariton Andrè Schuen hat sich in den letzten Jahren neben seinen Opernpartien auch als Liedsänger profiliert. Als kongenialen Partner, auch für seine CD-Einspielungen, hat er sich den Pianisten Daniel Heide gewählt, der weit über das Maß eines Klavierbegleiters hinaus als Pianist überzeugen kann.

Für den aktuellen Liederabend im intimen Berliner Pierre-Boulez-Saal stellten die beiden Künstler ein nicht alltägliches Programm zusammen. Zwei Gruppen Lieder von Richard Strauss, in denen das Thema Traum und Vision textlich im Vordergrund steht, waren noch nicht wirklich ungewöhnlich. Wagners Wesendonck-Lieder aber, die man selten von einem Mann, noch seltener von einem Bariton hört, waren ein besonderer Programmpunkt, ebenso die vier Gesänge des notorisch unterbewerteten Alexander Zemlinsky.

Schuens technisch gut gebildeter, schlanker Bariton verfügt über ein angenehmes Timbre und eine technische Geschmeidigkeit, die ihn sicher durch die doch sehr verschiedenen Anforderungen bei Strauss und Wagner führt. Als wohltuend registriert man, dass er auch die Forte-Passagen gut in seine Gesangslinie einbindet. Auch seine Textbehandlung vermeidet bei aller Wortdeutlichkeit eine oft praktizierte Über-Intellektualisierung der Texte. So ist es schließlich purer Wohllaut, der trotzdem die teilweise depressiven Stimmungen der Lieder auch nicht ausspart.

Daniel Heides Einleitungen und Schlusspassagen am Flügel sind ein wahrer Genuss, hier profitieren zwei Künstler eindeutig vom jeweils Anderen, und schenken dem Publikum einen Abend ungetrübter musikalischer Spitzenklasse.

Nach anfänglichen Bedenken erweist sich der Pierre-Boulez-Saal inzwischen als nahezu perfekter Raum für eine so intime Kunst wie den Liedgesang, ein gelungener Gegenentwurf zu dem konzeptionell gescheiterten Kammermusiksaal der Philharmonie.

Das begeisterte, erstaunlicherweise im Schnitt eher ältere Publikum wusste die Leistung der beiden Künstler wohl zu würdigen, und erklatschte sich noch zwei Zugaben. Ein Abend, der der Seele guttat.

Peter Sommeregger, 28. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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