Karajans früher Beethoven-Zyklus ist ein Stück Schallplattengeschichte

CD/Blu-ray Besprechung: Beethoven Philharmonia Orchestra Herbert von Karajan  klassik-begeistert.de, 10. April 2026

CD/Blu-ray Besprechung:

Eine schöne Idee war es, die einzelnen CDs in Hüllen zu verpacken, welche Reproduktionen der alten originalen Plattencover zeigen. So ist diese Edition neben großem Hörgenuss gleichzeitig ein Ausflug in die Geschichte der Schallplatte.

Beethoven

The 9 Symphonies
3 Overtures
Piano Concertos 4&5
Missa Solemnis

Philharmonia Orchestra
Herbert von Karajan

Warner 5026854276700

von Peter Sommeregger

Nicht weniger als dreimal hat Herbert von Karajan für die Deutsche Grammophon Beethovens neun Symphonien mit den Berliner Philharmonikern eingespielt. Er reagierte damit jeweils auf neue technische Innovationen, wie Stereo-und Quadrophonie.

Darüber geriet sein erster Beethoven-Zyklus, teilweise noch in Mono für die Britische Columbia anfangs der 1950er Jahre mit dem Philharmonia Orchestra in London aufgenommen, in Vergessenheit, obwohl er nicht selten als die beste Interpretation Karajans bezeichnet wurde.

Es ist erfreulich, dass Warner Classics nun diese Einspielungen, kombiniert mit anderen Werken Beethovens, sorgfältig remastert neu auflegt.

Der technische Standard der Columbia Mono-Schallplatten wurde seinerzeit hoch gelobt, und bestätigt sich auch beim Wiederhören.

Gleichzeitig ist dieser Zyklus ein Stück Schallplattengeschichte, entstanden die Aufnahmen der ersten acht Symphonien in der Londoner Kingsway Hall noch wie auch die Klavierkonzerte vier und fünf sowie drei Ouvertüren in Mono, so wurden die neunte Symphonie und die Missa Solemnis 1958 im Wiener Musikverein in Stereo eingespielt. In beiden Fällen scheint das als reines Schallplattenorchester von Walter Legge gegründete Londoner Philharmonia Orchestra in Wien gastiert zu haben.

Das Orchester war nach dem zweiten Weltkrieg aus herausragenden Britischen Instrumentalisten gebildet worden. Der hohe künstlerische Standard ist in sämtlichen der Einspielungen zu hören, Karajans Tempi zeichnen sich durch Straffheit, gleichzeitig aber auch Transparenz des Konzepts aus.

Walter Gieseking, in dieser Zeit einer der führenden Pianisten, erfüllt den Klavierpart des vierten und fünften Klavierkonzertes mit markanter Technik und beseeltem Spiel.

Ein besonderer Bonus sind zwei Arien, gesungen von Elisabeth Schwarzkopf, eine der von Karajan besonders geschätzten Sängerinnen. Mit der Konzertarie „Ah! Perfido“ und der großen Leonoren-Arie aus „Fidelio“ wagt sich die Sopranistin über die Grenzen ihres Faches deutlich hinaus, besteht die Prüfung im Studio aber beeindruckend gut. Schwarzkopf gehört auch zu den Solisten in der 9. Symphonie und der „Missa Solemnis“, wo sich Christa Ludwig, Ernst Haefliger und Otto Edelmann(9.), erneut Ludwig, Nicolai Gedda und Nicola Zaccaria (Missa) zu ihr gesellen.

Auch die Vinyl-Langspielplatte hatte zu jener Zeit gerade erst die Schellackplatte abgelöst, wodurch auch Aufnahmen längerer Musikstücke ermöglicht wurden.

Eine schöne Idee war es, die einzelnen CDs in Hüllen zu verpacken, welche Reproduktionen der alten originalen Plattencover zeigen. So ist diese Edition neben großem Hörgenuss gleichzeitig ein Ausflug in die Geschichte der Schallplatte.

Peter Sommeregger, 10. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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