Der traurige Schleier einer unerfüllten Liebe legt sich auf die märchenhafte Handlung 

CD/Blu-ray Besprechung: Joseph Beer Der Prinz von Schiras  klassik-begeistert.de, 16. März 2026

CD/Blu-ray Besprechung:

Joseph Beer
Der Prinz von Schiras
Operette in 3 Akten
Libretto von Fritz Löhner-Beda und Ludwig Herzer

Aufnahme der Inszenierung des Theaters Regensburg vom Dezember 2023

Erschienen als Doppel-CD beim Label CPO im Februar 2026

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von Ralf Krüger

Zuvorkommend, ganz “oldschool”, werden wir als Ladies and Gentleman begrüßt. Auf dem Luxusdampfer kündigt sich eine Hochzeit an. Der Chef-Steward, eigentlich der Spross eines superreichen Amerikaners und hier inkognito unterwegs, ehelicht die Gesellschafterin von Miss Violet. Diese, eine junge, attraktive Frau, wird gleich von drei Herren an Bord begehrt: von ihrem Verlobten, von einem ehemaligen französischen Diplomaten und vom titelgebenden Prinzen von Schiras. Als das Schiff in den Strudel kriegerischer Auseinandersetzungen gerät und die Gefangennahme einiger Passagiere droht, gibt der Prinz die junge Miss Violet als seine Frau aus. Als Prinzessin von Schiras in spe gelangt sie in sein märchenhaftes Reich, dorthin, wo der Kammerdiener Hassan eine Frau und des Kammerdieners Ehefrau ein Mann ist.

Alles verstanden?

Es war eine kleine Sensation in der (überschaubaren) Welt der Operette. Am 16. Dezember 2023 brachte das Theater Regensburg als erste deutsche Bühne Joseph Beers Erstling Der Prinz von Schiras zur Aufführung. Vielen Operetten-Freunden war das Werk überhaupt nicht geläufig. Insider kannten durch seine Polnische Hochzeit zumindest den Namen des Komponisten. Schon wenige Tage nach der Premiere übertrug Deutschlandfunk Kultur die Operette im Radio. Wann hat es das schonmal gegeben?

Der nahe Lemberg geborene Joseph Beer war knapp 26 Jahre alt, als
am 31. März 1934 sein Prinz von Schiras im Stadttheater Zürich uraufgeführt wurde. Das Stück war danach in vielen europäischen Städten zu erleben, noch im Jahre 1934 auch im Theater an der Wien. In Deutschland jedoch nie. Beer war Jude, musste emigrieren, zunächst nach Paris, später nach Nizza. Dort überlebte er die Nazizeit. Große Teile seiner Familie und sein Librettist Fritz Löhner-Beda starben in Auschwitz.

Stefan Frey, der Operettenfachmann von BR-Klassik, hat im Booklet der CD einen großartigen Aufsatz über Joseph Beer geschrieben und auch die Frage geklärt, warum Beers frühe Werke nach 1945 nicht mehr gespielt wurden und somit in Vergessenheit gerieten.

Die Sopranistin Kirsten Labonte als Miss Violet und der Tenor Carlos Moreno Pelizari als Prinz sind die Protagonisten in dieser Regensburger Inszenierung:

Sie, eine junge, selbstbewusste Frau, offen für eine Liebelei, aber emanzipiert genug, sich nicht von einem märchenhaften Regenten in seine verklärte Welt locken zu lassen.

Er, traditionell orientalisch geprägt, verliebt sich über beide Ohren, betrachtet vielleicht zum ersten Mal eine Frau nicht als sein Eigentum, schafft es aber nicht, das ihm angeborene Rollenbild zu verlassen.

Sein stetiges Werben, ihre Ablehnung und das zarte Pflänzchen der Liebe, das doch noch zwischen ihnen gedeiht, aber letztlich in Hass und Ohnmacht umschlägt, wurden in wunderschöne Melodien gebettet. Ihre Duette und die Arien des Prinzen kommen nicht opulent daher, sind nicht in Wiener-Walzer-Träume verpackt, sondern legen sich als trauriger Schleier einer Liebe, die unerfüllbar scheint, auf die Handlung.

Das Philharmonische Orchester Regensburg mit Stefan Veselka und der Opernchor der Stadt laden zu einer spritzigen, spaßigen Jazz-Operette ein, wie sie damals auch Paul Abraham mit seinem Ball im Savoy zelebrierte. Alte Operettenzöpfe wurden sanft abgeschnitten, moderne Tanzrhythmen hielten Einzug in die Partitur, aber das Genre blieb sich treu.

Der Prinz von Schiras ist auf dieser Doppel-CD als Gesamtaufnahme zu erleben. Keine Sorge, die Dialoge ordnen sich der Musik unter, nicht umgekehrt. Der Applaus des Publikums wird stets sanft ausgeblendet. Da die Tracks nahtlos ineinander übergehen, wird dem Hörer ein störungsfreier Operettengenuss geboten. Das Label CPO, das sich Zeit ließ mit der Veröffentlichung des Werkes, hat unterm Strich ein beachtenswertes Tondokument auf den Markt gebracht.

Wer im Booklet die Besetzungsliste studiert, glaubt an einer Stelle, einen Druckfehler oder eine Verwechslung entdeckt zu haben. Die Mezzosopranistin Fabiana Locke singt und spielt den Kammerdiener des Prinzen. Der Bariton Felix Rabas ist Hassans Ehefrau Fatme. Kein Druckfehler, eher ein Gag der Inszenierung, der sich beim Zuhören leider nicht auflöst. Da braucht es schon die Bilder…

Wie bunt und frech die Operette in Regensburg auf die Bühne kam, kann man sich in einer kleinen Film-Sequenz auf der Website des Theaters mit Vergnügen anschauen:

 

Ralf Krüger, 16. März 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

In Frisco ist der Teufel los, Operette von Guido Masanetz (Musik) Komische Oper Berlin im Schillertheater, 30. Dezember 2025

Der Vogelhändler, Operette von Carl Zeller Volkstheater Rostock, 7. Juni 2025 Premiere

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