CD/Blu-ray Besprechung:
Insgesamt macht diese Erkundung der besonderen französischen Gattung der leichteren Oper oder Operette Freude, man erlebt höchst authentische Aufführungen und erliegt dem Charme des Gebotenen.
Opéra Comique Collection Volume 1
Adolphe Adam
Le Postillon de Lonjumeau
Reynaldo Hahn
Ciboulette
Jacques Offenbach
La Périchole
Naxos NBDO 189VX
von Peter Sommeregger
Diese kleine Anthologie von Produktionen der Pariser Opéra Comique der letzten Jahre lädt zur Beschäftigung mit der Tradition dieses Hauses und der dort gespielten Werke ein.
Das jüngste der drei Werke ist die Operette „Ciboulette“ von Reynaldo Hahn, die 1923 ihre Uraufführung erlebte. Die simple Handlung erzählt von einer jungen Marktfrau in den Pariser Hallen. Die zum Teil auch in der Provinz am Rande von Paris spielende Operette zeichnet sich nicht zuletzt durch einen amüsanten, ironischen Text aus. Die Titelrolle bietet in dieser Aufführung Julie Fuchs reichlich Gelegenheit, ihren beweglichen, höhensicheren Sopran einzusetzen, ihre Partner können durch Komik und durchweg guten Gesang ebenfalls überzeugen.
Für die Inszenierung zeichnet Michel Fau verantwortlich, der Dirigentin Laurence Equilbey gelingt eine temperamentvoll spritzige Aufführung, die bereits 2013 aufgezeichnet wurde.
Jacques Offenbachs Opéra buffe „La Périchole“ aus den 1840er Jahren ist bis heute ein populäres Stück, die Musik illustriert die amüsante Handlung auf temperamentvolle Art. Stéphanie d’Oustrac in der Titelrolle der Straßensängerin bringt neben einer hervorragenden Gesangsleistung auch noch komisches Talent und Spielfreude in ihre Interpretation ein.
Ihr voller Mezzosopran verbindet sich hervorragend mit dem Tenor von Philippe Talbot, der ihren Partner Piquillo gibt. Blendend auch Bariton Tassis Christoyannis als eitler Vizekönig. Der Dirigent Julien Leroy dirigiert temperamentvoll und Inspiriert, hat Chor, Solisten und Graben bestens im Griff. Die Regisseurin Valérie Lesort spult die heitere Handlung in dem turbulenten Tempo ab, das die Musik vorgibt. Originell sind die grotesk überzeichneten Kostüme von Audrey Vuong. Aufgezeichnet wurde die Produktion 2022.
Die komische Oper „Le Postillon de Lonjumeau“, 1836 uraufgeführt, ist das bekannteste Werk des Komponisten Adolphe Adam, neben seiner Musik für das Ballett „Giselle“. Die originelle Handlung um einen jungen Postillion aus der Provinz, der zum Star der königlichen Oper aufsteigt, wurde und wird bis heute international aufgeführt. Auch hier führt Michel Fau Regie, er tritt sogar selbst in der stummen Rolle der Rose auf. Die prächtigen Kostüme und Dekorationen stammen von Emmanuel Charles und dem berühmten Christian Lacroix. Sie nehmen Bezug auf die Barockzeit, in der die Handlung spielt.
Die überaus dankbare Rolle des Titelhelden Chapelou ist Michael Spyres anvertraut, der seit der Aufzeichnung dieser Produktion 2019 eine Entwicklung bis hin zum Heldentenor durchgemacht hat. Aber auch hier brilliert er mit schier unerschöpflichem Material, führt seinen geschmeidigen Tenor bis in Baritonlagen, die mit extremen Höhen wechseln. Dazu verfügt er durchaus auch über komisches Talent.
Ihm ebenbürtig ist Florie Valiquette, die der Rolle der Madeleine ihren virtuosen, leuchtenden Sopran leiht. Die Duette der beiden sind Höhepunkte der turbulenten Handlung. Der Dirigent Sébastien Rouland leitet die Aufführung umsichtig und mit dem nötigen Temperament. Musikalisch ist dieser Postillon der Höhepunkt der Edition.
Insgesamt macht diese Erkundung der besonderen französischen Gattung der leichteren Oper oder Operette Freude, man erlebt höchst authentische Aufführungen und erliegt dem Charme des Gebotenen.
Peter Sommeregger, 8. August 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
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